Tomás González Was das Meer ihnen vorschlug

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Inhaltsangabe zu „Was das Meer ihnen vorschlug“ von Tomás González

Als nichtsnutzige Versager betrachtet der jähzornige, misanthropische Hotelbesitzer seine fast erwachsenen Zwillingssöhne Mario und Javier. Und nachdem sie jahrelang unter ihm gelitten haben, bringen die beiden Brüder dem herrischen Vater ihrerseits lang gewachsene Ablehnung entgegen. Schließlich hat nicht zuletzt dessen schamloses Verhältnis mit einer anderen Frau, aus dem sogar ein weiteres Kind hervorgegangen ist, ihre Mutter krank gemacht – ein offenes Geheimnis in dem kleinen Küstenort. Eines Nachmittags begeben sich Vater und Söhne zum Fischen auf hohe See. Doch vor der karibischen Küste braut sich ein schweres Unwetter zusammen, die Hitze ist drückend, die Stimmung aufgeladen. Als ihr Motorboot in Seenot gerät und der Vater plötzlich über Bord geht, erkennen die Brüder eine Chance, die so verlockend wie grausam ist. In siebenundzwanzig vielstimmigen Kapiteln schildert Tomás González die schicksalsträchtigen Stunden, in denen ein fest verwurzelter Konflikt unaufhaltsam auf seinen Höhepunkt zusteuert und in denen zwei Brüder eine Entscheidung über Leben und Tod fällen müssen. Vordergründig still, erzählt González eine dramatische Geschichte von der Dimension einer griechischen Tragödie.

Dichtes Familiendrama vor Meereskulisse.

— alasca

Eindringliche Geschichte eines Familiendramas in Kolumbien, die auch ohne Action spannend ist.

— Xirxe

Extrem guter Start, aber dann flacht die Geschichte leider ab. Es bleibt der herausragende Schreibstil!

— Bookchecker

Die Momentaufnahme einer zerrütteten Familie, sprachlich herausragend und konsequent in Szene gesetzt, allerdings fehlt der Höhepunkt.

— louella2209

Ein schöner kleiner Roman, der für meinen Geschmack zum Schluss aber leider verliert.

— KatrinSchoen

Schade, hatte eine andere Geschichte erwartet. Die Grundidee war sehr gelungen, aber für mich nicht zufriedenstellend umgesetzt.

— Julitraum

Das Meer schlägt nicht vor und schlägt nicht zu. Es sind die Gefühle, die hier Wogen schlagen. Verachtung und Verzweiflung im Paradies.

— Buchstabenliebhaberin

Ein Buch mit einigen schwierigen Stellen.

— Baneful

Verwirrend, aggressionsgeladen und dennoch ganz real

— MeiLingArt

Sprachlich toll, wunderschöne Naturbeschreibungen und sehr atmosphärisch. Ein intensives Drama mit ungewöhnlichem Ende.

— jenvo82

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  • Shakespeare kolumbianisch

    Was das Meer ihnen vorschlug

    alasca

    30. August 2016 um 01:02

    Shakespeare kolumbianisch Tomás Gonzalez´ neuer Roman spielt in einem Küstenort in Kolumbien, nicht weit von der Hauptstadt Medellin. Schauplatz des Dramas mit Anleihen an Shakespeares „King Lear“ ist – neben einem Boot auf dem Meer – eine Bungalow-Hotelanlage direkt am Strand. Die Zwillingssöhne Mario und Javier hassen ihren Vater, der keine Gelegenheit auslässt, sie als Versager zu verleumden. Was die Söhne in seiner Nähe hält, ist die Mutter – enttäuschte Liebe und die offene Missachtung ihres Mannes haben deren geistige Gesundheit zerrüttet. Die Spannungen zwischen Vater und Söhnen kulminieren, als sie zum Fischen hinaus aufs Meer fahren, obwohl eine Sturmwarnung ausgegeben wurde. „Temporal“, also „Sturm“ im Originaltitel, ist ein Meisterstück der Form und der sprachlichen Verdichtung. Die Kapitel sind mit Uhrzeiten überschrieben – insgesamt sind es 27 Stunden, von denen der Roman erzählt, von Samstagmorgen bis Sonntag früh. Die Kapitel werden abwechselnd aus der Perspektive der Söhne, der Mutter und des Vaters erzählt; die Perspektive der Mutter wird durch einen Chor von Geistern (Anleihe beim antiken Drama) ergänzt; die Außensicht der Gäste bildet einen weiteren kommentierenden Chor. Magischer Realismus, typisch für lateinamerikanische Literatur. Das langsam näher ziehende Gewitter, die Schilderung der bedrohlichen Naturgewalten spiegelt die Zuspitzung des Vater-Söhne-Konflikts. Die Mutter, deren Geisterchor ein Unglück auf dem Meer prophezeit, bangt: Werden die Söhne akzeptieren, „was das Meer ihnen vorschlägt“? Gonzalez braucht knapp 200 Seiten, um ein Familiendrama von archaischer Wucht zu erzählen. Dass Väter ihre Söhne als Konkurrenz betrachten können und dass Hass eine Macht sein kann, die Menschen aneinanderkettet, ist die weise Prämisse seines Romans. Seine Figuren entwickelt er in wenigen geschliffenen Sätzen, etwa wenn er über den Vater sagt, „seine Art, das Gastgewerbe auszuüben, hatte etwas von Gewalt an sich“; oder über Javier, er habe akzeptiert, „dass das Leben darin bestand, ständig in Höllen hinabzusinken und wieder daraus emporzusteigen.“ Besonders berührt haben mich Schilderungen wie diese aus der Perspektive Marios: „Wasser tropfte von den Rudern, in tiefem Schweigen glitten wir zwischen den Mangroven dahin, inmitten des Vogelgeschreis war unser Leben zur Ruhe gekommen." Schön auch die ironische Anspielung auf Hemingway, dessen Roman der literaturbegeisterte Javier im Gedanken an den Vater umtitelt in „Der alte Mistkerl und das Meer“. Zwei Urgewalten: die der Natur und die menschlicher Emotionen. Das Ende mag manchen Leser enttäuschen, aber dieses Buch ist kein Thriller und erst recht kein Kriminalroman. Einfache Lösungen bietet Gonzalez uns nicht. Ich fand es absolut stimmig, denn „Nichts war zuviel, nichts fehlte.“ Ein außergewöhnlich dichter Roman über ein uraltes Thema. Uneingeschränkte Leseempfehlung!

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  • Leserunde zu "Was das Meer ihnen vorschlug" von Tomás González

    Was das Meer ihnen vorschlug

    Mare_Verlag

    Liebe LovelyBooks-Freunde, auf geht’s in eine neue Vorableserunde! Am 8. März 2016 erscheint Tomás González’ Roman »Was das Meer ihnen vorschlug« im mareverlag. Ihr habt die Möglichkeit, an unserer Leserunde teilzunehmen und euch um eines von 25 Vorableseexemplaren zu bewerben. Zum Buch: Als nichtsnutzige Versager betrachtet der jähzornige, misanthropische Hotelbesitzer seine fast erwachsenen Zwillingssöhne Mario und Javier. Und nachdem sie jahrelang unter ihm gelitten haben, bringen die beiden Brüder dem herrischen Vater ihrerseits lang gewachsene Ablehnung entgegen. Schließlich hat nicht zuletzt dessen schamloses Verhältnis mit einer anderen Frau, aus dem sogar ein weiteres Kind hervorgegangen ist, ihre Mutter krank gemacht – ein offenes Geheimnis in dem kleinen Küstenort. Eines Nachmittags begeben sich Vater und Söhne zum Fischen auf hohe See. Doch vor der karibischen Küste braut sich ein schweres Unwetter zusammen, die Hitze ist drückend, die Stimmung aufgeladen. Als ihr Motorboot in Seenot gerät und der Vater plötzlich über Bord geht, erkennen die Brüder eine Chance, die so verlockend wie grausam ist. In siebenundzwanzig vielstimmigen Kapiteln schildert Tomás González die schicksalsträchtigen Stunden, in denen ein fest verwurzelter Konflikt unaufhaltsam auf seinen Höhepunkt zusteuert und in denen zwei Brüder eine Entscheidung über Leben und Tod fällen müssen. Vordergründig still, erzählt González eine dramatische Geschichte von der Dimension einer griechischen Tragödie. Hier geht’s zur Leseprobe. Möchtet Ihr zu den 25 Vorablesern gehören?* Dann bewerbt Euch und beantwortet bis zum 29. Februar 2016 die folgende Frage: Zwischen den Zwillingsbrüdern und ihrem Vater brodelt seit Jahren ein unterschwelliger Konflikt, der in der Enge des kleinen Fischerboots auf hoher See schließlich eskaliert. Wie geht Ihr mit Streitsituationen um? Sollte man sich immer direkt aussprechen? Oder kann es manchmal auch hilfreich sein, den Dingen einfach ihren Lauf zu lassen? Wir freuen uns auf Eure Antworten und auf zahlreiche Bewerbungen! Euer mareverlag * Bedingung ist, dass ihr Euch zeitnah am Austausch in allen Leseabschnitten beteiligt und abschließend eine Rezension zum Buch schreibt.

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    • 360
  • Drama auf See

    Was das Meer ihnen vorschlug

    Xirxe

    26. March 2016 um 10:03

    Kolumbien, eine idyllische Ferienanlage am Meer. Doch schaut man genauer hin, ist es alles andere als ein Idyll. Javier und Mario, Zwillinge in den Zwanzigern, betreiben die Anlage mit einem Restaurant gemeinsam mit ihrem Vater. Offen verachtet er die Beiden, und dafür hassen sie ihn, aber auch weil er ihre geliebte Mutter schon immer schamlos betrog, und sie mittlerweile psychisch krank ist.Der Roman umfasst 27 Stunden, von vier Uhr morgens bis sechs Uhr des nächsten Tages, jede Stunde ein Kapitel. Jede Stunde wird die Geschichte aus einer anderen Perspektive erzählt. Man hört die Mutter, die überall Stimmen vernimmt; die Gäste der Ferienanlage; und natürlich auch die Söhne und ihren Vater, die alle ihrer unbändigen Wut und ihrem Zorn freien Lauf lassen. Sie sind gemeinsam zum Fischfang aufgebrochen, während ein schweres Unwetter heraufzieht . Nach und nach steigt die Anspannung zwischen den Dreien im Boot, so wie nach und nach das Unwetter stetig näher rückt. Mit jeder Seite steigt die Ahnung, dass etwas Dramatisches bevorsteht....Tomás González ist ein ungemein präziser Erzähler, dem es trotz kaum vorhandener Handlung gelingt, ebenso eine immense Spannung aufzubauen wie den Figuren soviel Leben zu verleihen, dass man sie genau vor Augen hat, auch wenn man nicht unbedingt ihre Beweggründe verstehen mag. Vieles mag für europäische, insbesondere deutsche LeserInnen unverständlich bleiben, doch sollte man sich beim Lesen immer klar machen: Es ist eine kolumbianische Geschichte!Gerade mal 150 Seiten hat dieses schmale Büchlein, sodass man es fast zwangsläufig in einem Rutsch durchliest - was schade wäre. Denn so, wie sich das ganze Drama nach und nach entfaltet, sollte man auch diese Geschichte lesen. Für mich hat sich beinahe jeder Abschnitt durch etwas Zeitabstand neu dargestellt, insbesondere das Ende, das ich direkt nach dem Lesen als ziemlich unbefriedigend empfand. Doch mit etwas Distanz sah ich plötzlich auch etwas völlig Anderes: Menschlichkeit, wo sie nicht zu erwarten war.

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  • Wie weit gehst du?

    Was das Meer ihnen vorschlug

    MeiLingArt

    Durch folgende Beschreibung des Mare Verlags wurde ich neugierig auf „Was das Meer ihnen vorschlug“ von Tomàs González: Als nichtsnutzige Versager betrachtet der jähzornige, misanthropische Hotelbesitzer seine fast erwachsenen Zwillingssöhne Mario und Javier. Und nachdem sie jahrelang unter ihm gelitten haben, bringen die beiden Brüder dem herrischen Vater ihrerseits lang gewachsene Ablehnung entgegen. Schließlich hat nicht zuletzt dessen schamloses Verhältnis mit einer anderen Frau, aus dem sogar ein weiteres Kind hervorgegangen ist, ihre Mutter krank gemacht – ein offenes Geheimnis in dem kleinen Küstenort. Eines Nachmittags begeben sich Vater und Söhne zum Fischen auf hohe See. Doch vor der karibischen Küste braut sich ein schweres Unwetter zusammen, die Hitze ist drückend, die Stimmung aufgeladen. Als ihr Motorboot in Seenot gerät und der Vater plötzlich über Bord geht, erkennen die Brüder eine Chance, die so verlockend wie grausam ist. Mein Interesse war sofort geweckt und ich bedanke mich sehr beim Mare Verlag, dass mir ein Leseexemplar zu Verfügung gestellt wurde.    Meine persönliche Meinung: Als ich zu lesen begann, fiel mir zuerst der detaillierte und ausführliche Schreibstil des Autors auf, den ich – in Anbetracht der Gegend in Kolumbien – als sehr blumig und farbenfroh erlebt habe. Ich hatte oft den Eindruck, ich sei mitten vor Ort und könnte das Meer riechen, die Pflanzen und Tiere sehen, das faszinierte mich sehr.  Auch die Protagonisten skizzierte mir der Autor sehr klar, so dass ich mir ein gutes Bild machen konnte. Dabei setzte er auf verschiedene Erzählperspektiven und ließ einige Figuren neben den Hauptprotagonisten auftreten. Von diesen erfuhren wir auch ihre Sicht der Dinge, was am Tag X geschehen ist. Ich empfand das jedoch als zu viele Erzählperspektiven, die mich am Ende leider nicht alle schlauer machten. Diese ersten beiden Punkte, der detaillierte Schreibstil und die vielen auftretenden Personen und deren Blickwinkel, machten mir schon schnell bewusst, dass ich mich unwahrscheinlich konzentrieren muss. Ich hatte dauernd das Gefühl, ich überlese etwas Wichtiges, etwas Fundamentales für die Handlung, weil so viel „Schnörkel“ drum herum sind. Das machte mir das Lesen nicht einfach.   Das Buch und somit die Handlung sind unterteilt in einen zeitlichen Ablauf, in stundenweise Abschnitte/Kapitel. Zwischendurch werden Sequenzen der kranken Mutter Nora eingeblendet, die sich abseits des Geschehens auf dem Meer ebenso mit dem Tod des Vaters auseinandersetzt – jedoch auf ihre Art, die in mir große Verwirrung und Chaos hinterließ.   Die Zwillingsbrüder Javier und Mario sind nicht nur optisch sehr unterschiedlich, sondern auch in ihrem Wesen. Man erfährt schnell, wo sie ihre Stärken haben und wie sie versuchen, all dem „Mist“ in ihrem Leben zu entfliehen. Bestimmte Fakten halten die beiden anscheinend in der bestehenden Situation gefangen, und es gelingt dem Autor, die Gefühle der Brüder derart zu transportieren, dass man sich schnell wünscht, sie mögen doch endlich etwas verändern.   Der Spannungsbogen war für mich nicht in der Handlung nachvollziehbar. Ich bemerkte einen „Anspannungsbogen“ und zwar auf der Aggressionsebene, ausgelöst durch die Haltung der drei Männer zueinander. Deren Gedanken, deren Worte, die Beschimpfungen, Erniedrigungen und Handlungen. Das wollte ich gegen Ende alles gar nicht mehr lesen.   Mein Kopfkino, sprich meine Wunsch zu diesem Buch, wurde nicht erfüllt, das kann ich nun sagen, nachdem ich das Ende kenne. Ich bleibe verwirrt, wutgeladen und voller Fragen zurück. Doch sehe ich auch immer das Positive in den Dingen:   Der interessante Gedanke der bleibt ist, dass ein Vorschlag – auch wenn wir ihn alle in der gleichen Intensität und mit allen Sinnen im selben Moment wahrnehmen - bei jedem von uns etwas anderes auslöst, und nicht immer die beste Option ist. Auch hier geht es um Tragweite und das wir bedenken sollten, was das Naheliegendste neben dem ersten Hochgefühl noch alles mit sich bringen kann. Und demnach hat das offensichtliche Ende etwas Gutes.

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    • 3
  • Wie ein Manuskript

    Was das Meer ihnen vorschlug

    Phliege

    23. March 2016 um 15:55

    Zwei verbitterte Brüder, die ihren Vater hassen, allein mit ihm auf See sind - und dann geht er über Bord. Und die Brüder müssen sich entscheiden, ob sie ihn retten. Der Buchrücken verspricht damit ein spannendes Drama und das hätte es werden können, aber nicht mit dem, was Gonzalez draus gemacht hat.Der Schreibstil ist in Ordnung - flüssig und kurz, aber strukturell hat der Autor etwas Halbfertiges abgeliefert. Das kurze Buch liest sich eher wie ein Manuskript, das noch Überarbeitung gebraucht hätte. Zum einen liegt das an den Berichten der Touristen, die ebenfalls zu Wort kommen und sehr holprig eingeführt werden. Die sollten wohl zum Gesamtbild beitragen, aber da die eigentliche Geschichte zu kurz kommt, wirkt das Ganze eher unnötig.Zum Anderen liegt das daran, dass das Familiendrama keine Tiefe bekommt. Hintergründe für die Handlungsweisen der Charaktere sind quasi nicht existent. Und das ist einfach schade, weil in diesem Stoff viel Potential lag.Und vielleicht war es auch hinderlich, dass die ganze Geschichte in zwei Sätze gepasst hat und vorher bekannt war.

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  • Die Momentaufnahme einer zerrütteten Familie

    Was das Meer ihnen vorschlug

    louella2209

    23. March 2016 um 13:04

    "Die Welle gelangt immer an den Ort, zu dem sie unterwegs ist, und beginnt immer dort, wo sie entstanden ist." (Zitat S. 68) Ihr ganzes Leben schon, sind die beiden Brüder Javier und Mario den Launen ihres herrischen Vaters ausgesetzt. Tagtäglich ertragen sie Demütigung und Erniedrigung. Die Mutter kann ihnen dabei nicht beistehen, so ist sie selbst von einer schweren psychischen Krankheit gezeichnet, an dessen Ausbruch das Verhalten ihres selbstsüchtigen Mannes, nicht ganz unschuldig ist. Bei einem Angelausflug geraten die Brüder mit ihrem Vater in einen Sturm. Die Situation an Bord droht, unter den Familienmitgliedern, zu eskalieren. Nicht nur am Himmel braut sich ein unheilvolles Unwetter zusammen, auch die ganzen unterdrückten Gefühle und unausgefochtenen Konflikte kochen hoch. Wie werden sich die beiden Brüder entscheiden? "Keiner sprach vom Tod, und doch saß er mitten unter ihnen, auf einer der Bänke, mit seinem Umhang, seiner Kapuze und seiner Sense." (Zitat S. 66) In der abgerundeten, ausgeglichenen Form dieser auf engem Raum und kurzer Zeit entwickelten Komposition empfiehlt sich der Autor Tomas Gonzalez als großer Erzähler. Die Kulisse ist kraftvoll und lebendig beschrieben und die Atmosphäre besticht mit einer unglaublichen Dichte. Die Figuren sind sensibel und mit viel Fingerspitzengefühl herausgearbeitet. Die Persönlichkeit jedes einzelnen kommt trotz der knappen Zeitspanne beim Leser an und es ergibt sich ein klares Bild und dennoch hält der Autor noch einiges im Verborgenen, was die jeweiligen Charaktere unvorhersehbar erscheinen lässt. Zudem wird dem Leser noch eine äußere Perspektive geboten. Viele Nebenfiguren kommen dabei zu Wort und schildern die Dinge aus ihrer Sicht. Vor allem das Verhalten der Mutter wird nochmal in ein anderes Licht gerückt und auch die beiden Brüder sieht man dabei mit anderen Augen. Dieser Roman ist sprachlich herausragend und konsequent in Szene gesetzt, allerdings fehlte mir persönlich ein Höhepunkt. Das Ende ließ mich etwas unbefriedigt zurück. Trotzdem gibt es für dieses Werk 4 Sterne und eine Leseempfehlung von mir. Allein der virtuose Erzählstil des Autors ist es wert, dieses Buch zu lesen.

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  • Der alte Mann, seine Söhne und das Meer

    Was das Meer ihnen vorschlug

    bookgirl

    21. March 2016 um 16:20

    Inhalt Javier würde viel lieber in seinem Bungalow ein gutes Buch lesen, als mit seinem jähzornigen Vater und Zwillingsbruder Mario aufs Meer hinaus zu fahren. Ein Sturm ist angesagt, sodass kein anderer der Fischer den Küstenort verlässt. 24 Stunden sind die drei auf dem Meer. Zunächst getrieben vom Ehrgeiz den großen Fang zu machen. In der Ferne türmen sich schwarze Wolken, der Sturm walzt auf sie zu und es bietet sich die Gelegenheit alle offenen Rechnungen mit dem Vater zu begleichen. Doch wie weit werden die Brüder gehen? Meine Meinung Tomás Gonzáles hat seinen Roman im Stil einer griechischen Tragödie entworfen. In 27 Kapiteln zeigt er die schicksalhafte Verstrickung der beiden Söhne auf, die vor dem Hintergrund des bedrohlichen Sturms handeln müssen um zu überleben. Fragen nach Schuld und Verantwortung werden dabei laut und der Umgang mit diesen. Die 27 Kapitel geben der Geschichte einen perfekt inszenierten Spannungsbogen. Immer deutlicher wird die nahende Katastrophe. Einerseits beleuchtet von den Protagonisten auf dem Boot, andererseits von den am Ufer zurück gebliebenen. Im Küstenort, von dem aus die Fahrt beginnt, lebt die Frau des Fischers, Nora, die auf ihre Weise die Handlung erklärt. Passend skizziert der Autor seine Protagonisten, von denen man sich ein gutes Bild machen konnte. Leider blieben diese mir jedoch über den gesamten Verlauf fern und es fiel mir schwer einen Zugang zu ihnen zu bekommen. Großartig schildert er aber die düstere Kulisse des aufkommenden Sturms und kreiert dabei ein Szenario, welches das Kopfkino in Gang setzt. Eine gute Idee ist nicht nur den Vater und seine Söhne auf dem Boot, sondern auch andere Stimmen von außen zu Wort kommen zu lassen. Dies lockert die beklemmende Atmosphäre nicht nur auf, sondern lässt den Leser auch aus einer anderen Perspektive auf die Situation blicken. Fazit "Was das Meer ihnen vorschlug" ist mehr Novelle als Roman. Es besticht durch die Beschreibung der Szenerie, aber auf Grund des Endes, welches mich nicht überzeugt hat, muss ich einen Punkt abziehen, sodass es aber dennoch gute 4 Sterne geworden sind.

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  • Was das Meer...

    Was das Meer ihnen vorschlug

    KerstinnI

    20. March 2016 um 20:18

    ... ihnen vorschlug, kann man bereits nach der Lektüre der Inhaltsbeschreibung erahnen. Eine spannende, konfliktgeladene Familiengeschichte voller Intrigen und Wut, vor einer Kulisse am Meer, einem Sturm als Vorboten und es spitzt sich zu einem fulminanten Showdown zusammen - das habe ich nach dem Klappentext erwartet. Bekommen habe ich es leider nicht. Die Stimmung ist düster und gut greifbar. Die Charaktere sind gut beschrieben. Die Brüder ebenso wie der Vater sind gut gelungen und wirken realistisch. Der Schreibstil insgesamt ist gut. Das war es aber auch schon, was ich an positivem Feedback zu sagen habe. Mir fällt viel mehr ein, was mich störte, was ich im Nachhinein vermisst habe, oder aber, was ich nicht als passend zum Rest der Geschichte empfunden habe. Dazu kommt, dass ich das Ende absolut enttäuschend finde. Ich möchte keine Empfehlung aussprechen, meine Erwartungen wurden leider enttäuscht.

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  • Guter Start, dann leider abgeflacht

    Was das Meer ihnen vorschlug

    Bookchecker

    18. March 2016 um 18:31

    Mario und sein Zwillingsbruder wollen trotz einem drohenden Unwetter mit dem unliebsamen Vater auf Fischfang gehen. Als erfahrene Fischer müssten sie bei dem nahenden Unwetter von ihrem Plan abrücken, zumal sie finanziell durch Vermietungen abgesichert sind. Trotzdem wagen sie sich raus aufs MeerDer Roman hat wenige Seiten, daher ist es umso wichtiger direkt durchzustarten und genau das gelingt dem Autor. Die Stimmung ist von Beginn an recht düster und lässt ein dramatisches Zuspitzen auf den Höhepunkt erahnen. Der Vater, der seine Söhne von Kindesbeinen an erniedrigte, seine Frau betrog und belog und letztlich in den Wahnsinn trieb, zieht sein Spiel in gewohnter Weise ab und er scheint gefährlich zu leben…Die Feindseligkeit zwischen den Männern ist greifbar. In Kombination mit dem Unwetter erwartet man das Schlimmste und mag das Buch gar nicht mehr recht zur Seite legen, um den tatsächlichen Ausgang kennenzulernen. Doch auch an Land verläuft alles recht stürmisch, denn Nora, die Frau und Mutter leidet an Schizophrenie und verfällt dem Wahnsinn. Interessant fand ich die eingestreuten Stimmen von Urlaubern, die die Geschehnisse mit ihren Schilderungen abrunden.Während mir letztlich der Ausgang der Geschichte nicht ganz so zusagte (was eher am persönlichen Geschmack liegt), möchte ich den herausragenden Schreibstil erwähnen. Die Metaphern, Landschaftsbeschreibungen, Gefühlsausbrüche und auch die interessanten Charaktere sind toll und helfen dem über schwächere Passagen hinwegzulesen.Literatur auf hohem Niveau, aber die Geschichte als solche wurde mit etwas Abstand betrachtet immer schwächer. Schade!

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  • Zwischen Reden und Tun ...

    Was das Meer ihnen vorschlug

    shlomo-ben-yossi

    17. March 2016 um 16:01

    ... liegt das Meer. - Italienisches Sprichwort. Das Meer ist Schauplatz eines dramatischen Konfliktes zwischen den ungleichen Zwillingsbrüdern Javier und Mario und ihrem Vater. Trotz angekündigten Unwetters fahren die drei zum Fischen aufs Karibsche Meer hinaus. In siebenundzwanzig Stunden wird ihre Geschichte geschildert. Was schlägt ihnen das Meer vor? Tomás González konzipiert in seinem Roman den Höhepunkt eines jahrelangen Haders einer am Meer lebenden Familie in Kolumbien. Gemeinsam leiten sie ein Hotel. In wechselnden gegenüberstellenden Erzählperspektiven werden die Charaktere der Familie geformt. Subjektiv durch sich selbst, objektiv durch ihre Gäste und Freunde. Innere Konflikte werden gleichnishaft durch äußere Naturschauspiele angekündigt und schließlich berstend dargestellt. Und drumherum wird eine phantastische und wunderschöne landschaftliche Kulisse in metaphorischen Phrasen geschaffen. Beeindruckender Schreibstil! Die Männer, bestimmt und emotionsgeladen auf dem Wasser, ohne festes Fundament. Die Mutter, nebulös und mystisch, Gegenpart an Land. Das Ausmaß des Dilemmas schwappt wie Wellen auf den Leser ein. Das Meer verschlingt, das Meer gibt frei! Emotionen, Aktionen, Reaktionen, Gedanken, Wörter - alles prescht gnadenlos auf die Männer im Boot nieder. Bis sie entscheiden! Wie täte es der Leser in ihrer Situation? "Was das Meer ihnen vorschlägt" ist ein eindrucksvolles Leseereignis und hervorragend von Rainer und Peter Schultze-Kraft ins Deutsche übertragen worden!

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  • Ein vielversprechender Anfang.

    Was das Meer ihnen vorschlug

    Buecherschmaus

    Ein vielversprechender Anfang.Tomás González schafft in seinem schmalen Roman, der eher eine Novelle ist, von Anfang eine düstere, unheilvolle Atmosphäre.Am fernen Horizont dräut ein mächtiges Unwetter vor der kolumbianieschen Küste. Obwohl die Fischer deshalb ihre Boote an Land lassen, wollen Mario und sein Zwillingsbruder Javier zusammen mit dem alles andere als geliebten Vater auf Fischfang gehen. Ein ehrgeiziges Ziel ist gesetzt, mindestens 400 Kilogramm Fisch sollen es werden. Auch wenn die Familie ihren Lebensunterhalt mit der Vermietung drittklassiger Ferienhäuschen in reizvoller Lage verdient, sind die drei auch erfahrene Fischer. Trotzdem ignorieren sie standhaft und geradezu fahrlässig die Vorboten eines mächtigen Sturms. Das Setting ist fast klassisch für ein dramatisches Kammerspiel: eine beschränkte Anzahl an Protagonisten sind auf engstem Raum nicht nur äußerlichen, sondern auch starken inneren Turbulenzen ausgesetzt. Der Vater hat die beiden jungen Männer von Klein auf als Versager behandelt, beschimpft und erniedrigt sie, wo es nur geht. Die Mutter der beiden hat er zwar geheiratet, aber stets betrogen, auch jetzt hat er mit einer deutlich jüngeren Geliebten einen kleinen Sohn. Nora hat dies in den Wahnsinn getrieben. Sie leidet unter einen massiven Schizophrenie und geistert als unheilvolles Orakel durch Ferienanlage und Buch. Das ist einer der Außenperspektiven des Buches. Zum Chor der Stimmen, die die Mutter verfolgen kommt ein Chor unterschiedlicher Stimmen von Urlaubern, die ihre Tage in den Ferienhäusern der Familie verbringen und kurze Beobachtungen zum Geschehen und den Protagonisten kund tun. Das schafft eine interessante Vielstimmigkeit. Das eigentliche Geschehen konzentriert sich allerdings auf das Fischerboot, in dem die Männer mit ihren angespannten Beziehungen, gefangen in einer feindseligen Sprachlosigkeit aufeinander hocken und fischen, während sich der Sturm nähert. Aber auch hier wechselt die Perspektive unter den drei.Tomás González gelingt es gleich zu Beginn eine ungeheuere Spannung, eine Unheil verkündende Atmosphäre aufzubauen. Die Charaktere der Protagonisten werden in sehr kurzen, aber umso treffenderen Beschreibungen gut umrissen, ihr Verhältnis zueinander psychologisch gekonnt skizziert. Sprache und Beschreibung von Landschaft, See und Wetter sind sehr gekonnt. Ebenso der Aufbau des Buches, das sich 27 kurze Kapitel teilt, die die 27 Stunden der erzählten Zeit umfassen. Der Leser taucht voller Erwartungen in das Buch ein. Im mittleren Teil flacht die Spannung etwas ab, kann das Geschehen nicht mehr so fesseln. Auch das Unwetter scheint fernzubleiben. Die Ruhe vor dem Sturm?Doch was passiert dann? Das Unheil bricht doch noch über dem Fischerboot ein, der Vater geht über Bord, unterschiedlichste Gefühlsdilemmata treten auf. Und der Autor schafft es, diesen Schlussteil zum langweiligsten des ganzen Romans zu machen. Alle Ambition scheint ihn verlassen, der Spannungsbogen stürzt ab, Konflikte verlaufen im Sand, Konsequenzen tun sich keine auf. Auch alle emotionalen Entwicklungen werden von den Sturmfluten fort gespült.Der Leser steht verwirrt, enttäuscht und ein wenig verlassen. Nach dem fast grandiosen Beginn um so bitterer.

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    • 2
  • Zwischen Verachtung, Groll und Fügsamkeit

    Was das Meer ihnen vorschlug

    jenvo82

    Die beiden Brüder Javier und Mario sind nicht nur Zwillinge sondern auch zwei sehr verschiedene Menschen, der eine sensibel, belesen und phlegmatisch, der andere depressiv, gewalttätig und aktiv. Ihre größte Bürde ist das gemeinsame Leben und die räumliche Nähe zu ihrem Vater, mit dem sie eine Hotelanlage führen. Ihr Vater ist Sinnbild für einen eigenbrötlerischen, pessimistischen Menschen, der für seine Söhne nichts als Verachtung empfindet. Als die drei auf hoher See in ein Unwetter geraten, ergibt sich die Möglichkeit, den gehassten Vater auf ewig loszuwerden, denn ohne Zeugen wäre ein Verbrechen nur ein Unfall ... Dieser kleine, feine Roman lebt und atmet regelrecht durch seine ansprechende Sprache. Literatur auf hohem Niveau, ein wunderschöner Satzbau und viele künstlerische Feinheiten, machen das Lesen zum reinsten Vergnügen. Egal ob es sich dabei um Natur- oder Personenbeschreibungen handelt, alles wirkt intensiv, schillernd und besonders. Auch die Handlung an sich birgt ein hohes Unterhaltungspotential, beschäftigt sie sich doch mit der Frage der Schuld, der Verkettung unglücklicher Umstände und der Möglichkeit aus Menschlichkeit zu handeln oder es zu unterlassen. Ein sehr vielschichtiger Plot, der die Unvermeidlichkeit auf eine harte Probe stellt und die Frage aufwirft, an welcher Stelle der Mensch das Schicksal aktiv beeinflussen kann. Mein Hauptkritikpunkt liegt an der Entwicklung des Romans, während im ersten Drittel kontinuierlich eine düstere, endgültige Stimmung erzeugt wird, flacht die Spannung viel zu plötzlich und umfassend ab. Der Leser befindet sich auf der Spitze einer Welle und dann bricht sämtliche Erwartungshaltung in sich zusammen und eine seltsame Leere und Unzufriedenheit bleibt zurück. Beim Leser ganz genauso wie bei den handelnden Personen. Das Ende ist definitiv Geschmacksache, weil es polarisiert und mich nicht wirklich begeistern konnte. Fazit: Ich vergebe 3,5 Sterne für ein polarisierendes, unterhaltsames literarisches Werk, über das man ausgesprochen gut debattieren kann, weil es viele Empfindungen hervorruft, ohne sie zu werten. Dramatik, Stimmung und Sprache bekommen von mir die volle Punktzahl, schon allein weil sich dieser Roman sehr positiv von der Masse abhebt und eine simple Notsituation zur Prüfung menschlicher Entscheidungen stilisiert.

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    • 7

    KruemelGizmo

    16. March 2016 um 19:01
    NiWa schreibt Sehr schöne Rezension! Dieses Buch ist dann wohl eher nichts für mich.

    Finde ich auch.

  • Der Sturm lässt lange auf sich warten und verpufft dann

    Was das Meer ihnen vorschlug

    Bibliomania

    13. March 2016 um 16:45

    Mario und Javier arbeiten bei und mit ihrem verbitterten Vater, einem Hotelbesitzer, am Meer in Kolumbien. Die Zwillinge mussten von Anfang an den Zorn und die Misanthroperie ihres Vaters ertragen und haben im Laufe der Jahre einen tief gehenden Hass auf ihn entwickelt. Täglich fahren sie raus aufs Meer zum Fischen. Auch an dem Tag, der einen gewaltigen Sturm verspricht. Der Vater in seiner Profitgier bringt sich und seine Söhne absichtlich in Gefahr. Als dieser über Bord geht, stehen die Zwillinge vor der Chance ihren jähzornigen Vater loszuwerden.Eine tolle Charakter- und Naturbeschreibung. Hass und Verbitterung kommen zwischen den Zeilen sehr gut zur Geltung. Auch gefielen mir die Einschübe verschiedener Touristen wirklich gut, die dadurch die Charaktere der Familie vielfältiger beschrieben.Leider kommt dann die Katastrophe viel zu kurz und hat mich ein wenig enttäuscht zurückgelassen. In meinen Augen hätte gerade dieser Aspekt viel weiter ausgedehnt werden können, mit viel mehr Zweifeln und Hadern belegt sein sollen. Dafür hat man ein wunderschön-wertiges Buch in der Hand.

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  • Im Boot des Königs

    Was das Meer ihnen vorschlug

    Liseron

    13. March 2016 um 16:03

    Gonzales inszeniert eine Art moderne Tragödie. Einheit von Zeit (= 24 Stunden) und Ort (Boot) werden mit Ausnahme des letzten Kapitels eingehalten, als Chor fungieren die Touristen, die vorübergehend anwesend sind, kommentieren und ergänzende Hinweise geben. Konflikt: der lieblose, gewalttätige, selbstverliebte, habgierige Vater = König, seine Kinder, Zwillinge, im Familiengeschäft fest etabliert, die teils Selbstmord-, teils Mordgedanken hegen und sich mit der Flucht in den Rausch begnügen, die wahnsinnige Mutter = Königin, die von ihrem Mann verstoßen mit Geistern Zwiesprache hält und vom Hotelpersonal = Hofstaat betreut und gebändigt wird. Der König wird straucheln, die Prinzen werden ohne Schuld weiterleben können, die Natur ist gnädig, das Schicksal existiert nicht. Es gibt kein unentrinnbares Dilemma, man hat sich im Familienbetrieb eingereicht, die Hotelanlage am Strand wirft genug Geld ab, weitere Geschäfte der jungen Männer laufen gut, eine gewisse Abhängigkeit, ihr unausgesprochener Zusammenhalt und die Sorge um die Mutter hält sie trotz des Hasses auf den Vater. Das Unwetter ist ein weiterer Hauptdarsteller, zusammen mit dem Meer, der Konflikt wird aufgewühlt wie der Unrat, der an den Strand gespült wird. Ohne pathetischen Ausdruck werden große Themen verhandelt, die Frage nach Glück gestellt, nach dem Sinn des Lebens, dem Verhältnis zur Natur. Und der Tod sitzt im Boot: „Keiner sprach vom Tod, und doch saß er mitten unter ihnen, auf einer der Bänke, mit seinem Umhang, seiner Kapuze und seiner Sense.“ Die drei reden wenig, sagen kaum etwas, das was sie bewegt, findet in ihrem Kopf statt. Der Autor wechselt zwischen der genauen Beschreibung der Verrichtungen, vor allem auf dem Fischerboot und Passagen der Fantasie, des Rausches, der Zwischenwelt. Jedes Kapitel ist aus einer bestimmten Perspektive geschrieben, die Söhne, Vater, Mutter und die Touristen wechseln sich dabei ab. Die Sprache ist einfach, aber seine Sätze haben oft einen doppelten Boden und lassen einen zweiten Sinn durchscheinen. Trotz der starken Emotionen herrscht ein kühler Ton, die Gefühle werden abgeleitet in die Natur, in Literatur, in Wahnsinn, in Arbeit. Das schmale Buch hat mir sehr gefallen, es lässt Fragen offen, gut so, und hat einen eigenen poetischen Ton. Trotz seiner gewissen depressiven Grundstimmung verlasse ich guter Dinge die Szenerie.

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  • Etwas Mehr für's Meer

    Was das Meer ihnen vorschlug

    KatrinSchoen

    13. March 2016 um 10:29

    Bereits auf den ersten Seiten wird dem Leser klar, worum es im Kern bei diesem Buch gehen wird: Zwei Zwillingsbrüder, Mitte 20, die sich nicht mit ihrem dominanten Vater verstehen, mit dem sie aber - trotz aufziehendem Unwetter - zum Fischen aufs Meer hinaus fahren. Mal sehen, was das Meer ihnen vorschlagen wird, um den Konflikt ein für allemal zu lösen. So, wie das Unwetter sich allmählich aufbaut, sieht man die Handlungsspitze auf sich zukommen. Dabei steigern die immer wiederkehrenden Perspektivwechsel die Spannung: Man erfährt von Touristen mit Kindern, die im Hotel des Vaters ihren Urlaub verbringen, und dass die Mutter über die Jahre offenbar in die Schizophrenie abgedriftet ist. Sie selbst beschreibt ihre Dämonen, die sie dazu bringen wollen, sich an der Welt zu rächen. Besonders an ihrem Mann, dem Vater der Zwillinge, der sie für eine "normale" Frau aufs Abstellgleis geschoben hat. Der Autor versteht es hier, geschickt Realität und Wahn zu mischen.Ja, insgesamt ist der Vater wohl kein netter Mensch. Er ist herrschsüchtig, kalt, dominant. Trotzdem bringt er seinen Söhnen viele Dinge bei, lässt die kranke Frau versorgen, kümmert sich um Gäste und Hotel. Allerdings ist sein Handeln nicht durch Liebe motiviert, sondern durch Kalkül und Pflichtbewusstsein. Auch beim Fischen kämpft er wie Kapitän Ahab allein gegen die Welt und die, in seinen Augen, Unfähigkeit seiner Söhne und sein daran geknüpftest Schicksal.Wie gesagt: Das ganze Buch läuft auf den Showdown hin, ob sich das Meer den unsympathischen Vater holt oder nicht. Und an dieser Stelle wird der Leser leider enttäuscht. Nein, nicht, weil das Ende vielleicht ein anderes ist, als man vermutet. Sondern weil die aufgetürmte Welle im entscheidenden Moment eher zu einer Flaute wird. Gerade an dem Punkt, wo die Söhne es in der Hand haben, über Leben und Tod zu entscheiden, bleiben die bereits vorher angedeuteten widersprüchlichen Gefühle der beiden ziemlich im Dunkeln. Trotz einer nicht alltäglichen Sprache - vielen Dank an die exzellenten Übersetzer - liest sich der Roman mit Spannung und Leichtigkeit. Sofort hat man die Bilder der Mangroven, des Strandes und der Menschen im Kopf. Der Autor kann gut Geschichten erzählen. Deshalb ist es doppelt schade, dass die Geschichte zum Ende einfach verebbt. Vielleicht hätten ein paar Seiten mehr dem Meer gut getan.

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