Tom Bullough Die Mechanik des Himmels

(10)

Lovelybooks Bewertung

  • 10 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 6 Rezensionen
(2)
(5)
(2)
(1)
(0)

Inhaltsangabe zu „Die Mechanik des Himmels“ von Tom Bullough

Normalerweise greifen Geisteswissenschaftler auf überlieferte Quellen zurück, die sie sorgfältig auswerten. Für diesen Band aber verfaßten führende Historiker, Literatur- und Religionswissenschaftler ihre eigenen Quellen: Briefe aus über zweitausend Jahren jüdischer Geschichte. Wer immer schon wissen wollte, was Maimonides dem Sultan von Ägypten zu sagen hatte, was der Philosoph Moses Mendelssohn Friedrich dem Großen mitgeteilt hätte oder was die Eltern des Revolutionärs Trotzkij ihrem mißratenen Sohn mit auf den Weg gegeben hätten, der schlage in diesem Band nach.

Worüber beschwerte sich der antike jüdische Historiker Flavius Josephus bei Kaiser Titus? Warum nahm Albert Einstein das Angebot an, israelischer Staatspräsident zu werden? Antworten auf diese und andere äußerst unhistorische Fragen geben die fiktiven Briefe in diesem Band. Das thematische und chronologische Spektrum ist so breit wie die jüdische Geschichte selbst. Die Briefe decken Antike, Mittelalter und Neuzeit bis hin zur Zeitgeschichte ab, sie kommen aus Ägypten und Rußland, aus Berlin und Günzburg, aus dem irdischen Jerusalem und dem himmlischen Paradies. Ihre fiktiven Verfasser reichen von Flavius Josephus über Moses Mendelssohn bis zu Hannah Arendt. Ihre realen Übermittler aus Berkeley und Oxford, Tel Aviv und München verraten für diesen Band bisher unbekannte historische Details und lassen Menschen miteinander kommunizieren, von denen wir immer schon dachten: Wie schade, daß sie nicht in direkter Verbindung miteinander standen.

Na ja, hab wesentlich mehr erwartet- schade :(

— Ayanea

Stöbern in Romane

Liebwies

Interessant, unterhaltsam und sarkastisch - die Schickeria der 20er und 30er Jahre in der österreichischen Kulturszene.

thelauraverse

Karolinas Töchter

Ein jüdisches Schicksal, das zu Herzen geht. Ein wertvoller Roman, von dem es ruhig mehr geben könnte

fredhel

Herrn Haiduks Laden der Wünsche

Das wahre Glück ist näher als man denkt

Jonas1704

Kukolka

Das Buch hat mich sehr bewegt, es war wichtig, diese Geschichte zu lesen.

buecher-bea

Herr Mozart feiert Weihnachten

Eindeutig gefälliger als der 1.Band - hier schneit Mozart in eine Patchworkfamilie herein und gibt den vermeintlichen Weihnachtsmann.

talisha

Kleine Fluchten

kleine Kurzgeschichten aus dem Alltag gegriffen, die zeigen, dass kleine Veränderungen/Momente Großes bewirken können ♥

suggar

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Rezension zu "Die Mechanik des Himmels" von Tom Bullough

    Die Mechanik des Himmels

    Binea_Literatwo

    10. April 2012 um 19:52

    Konstantin Ziolkowski, Kostja genannt, ist taub. Er hatte Scharlach, eine Folge des Ausfluges in den kalten, verschneiten Wald, um seinen Vater dem Holzfäller, etwas Warmes zu Essen zu bringen. Kostja musste eine ganze Zeit lang im Krankenhaus streng isoliert verbringen, aber der Scharlach hinterließ Spuren. Lebenslange Taubheit ist die Folge und dieses Schicksal erfährt er mitten in seiner Kindheit, mit 10 Jahren. Wie Kostja sich gefühlt haben muss, als ihn diese Taubheit überfiel, kann ich mir wahrlich gut vorstellen. Eine Entzündung im Gehörgang macht mir gerade zu schaffen und mein rechtes Ohr ist nun schon den fünften Tag in Folge taub. Ein bedrückendes, ein erdrückendes Gefühl. Kostja allerdings hört gar nichts mehr und möchte doch so gern alles hören. Er beschäftigt sich schon von klein auf mit der Technik und bastelt sich eine Art Hörgerät, ein Hörrohr, um wieder mehr am Leben hörend teilzunehmen. Seine Begeisterung für die Wissenschaft versucht er immer und überall auszuleben, egal wie schwierig die Bedingungen in seinem Umfeld sind. Der Weltraum, die Geschwindigkeit, die Sterne, die Mathematik wie auch die Physik, haben es ihm angetan und er möchte sich fortan nur noch damit beschäftigen. Herumtüfteln, ausprobieren, erfinden, berechnen – seinen Tag weiß Konstantin zu gestalten, dabei vernachlässigt er gern die Schule, was ihm allerhand Ärger einbringt. Nach einem weiten Umzug der Großfamilie und dem Tod der Mutter, bleibt Kostja die Hoffnung, großen Erfolg in Moskau zu erlangen. Mit einem Empfehlungsschreiben bekommt er einen Studienplatz und schafft es, seinen Träumen und Ideen näher zu kommen. “Je größer der Fortschritt des Menschen, desto mehr ersetzt er das Natürliche durch das Künstliche.” Tom Bullough lässt den Leser ganz langsam in den Roman gleiten. Kostja und seine Umgebung, seine Unternehmungen und seine Lebenssituation in Armut, zeichnet Bullough farbig und lässt kein Detail aus. Er schreibt dicht und atmosphärisch, die ersten Seiten bestehen aus vielen Beschreibungen, welche ein Wohlfühlgefühl im Leser erzeugen. Eine Stelle im Buch, ist so grandios beschrieben, dass diese nie vergessen werden kann. Kostja wärmt zwei Münzen in seinem Mund an, um diese an die gefrorene Fensterscheibe zu drücken, um in der Zeit in der er im Krankenhaus isoliert ist, wenigstens ab und an durch die zwei kreisrunden Gucklöcher hinaus schauen kann. Kostja wächst ans Herz, es ist ein schönes Gefühl bei ihm zu sein, doch umso älter er wird, umso mehr löst sich das Band zum Leser. So habe ich es empfunden. Die Zeitsprünge werden immer größer. Der Roman beginnt im Jahr 1867 und endet mit einem finalen Sprung in den Prolog im Jahr 1965, in dem Alexej Archipowitsch Leonow als erster Mensch ein Raumschiff verlässt. Dazwischen gibt es vier größere Zeitsprünge, in denen der Roman immer mehr Fahrt aufnimmt. Werden anfangs noch viele Details beschrieben, die Jahre monatsweise erzählt und die Kapitel über mehrere Seiten gestreckt, kehrt sich dies zum Ende hin um. Tom Bullough lässt den Leser während des Lesens auch ein Stück Physik lernen. Er begeistert mit seinem Protagonisten Kostja den Leser für die Technik und die Wissenschaft. Allerdings steigert sich die Informationsflut stellenweise sehr stark und es vergeht ein klein wenig die Lust ihm zu folgen. Die reine Mechanik des Himmels findet erst am Ende ihren Platz, hätte man sich diese doch gern schon mehr zu Anfang gewünscht. Konstantin Ziolkowski, Vater der russischen Raumfahrt, war ein mehr als besonderer Mensch, ein absoluter Genie, den der Autor mit seinem Werk lebendig macht. Eine Mischung aus Biografie und Erzählung, eine Mischung aus farbig und schwarz-weiß, eine Mischung aus lebendig und leblos, eine Mischung auf die sich der Leser einstellen sollte. Aus literatwoischer Sicht ergaben sich aus dem Roman viele Fragen und wir hatten die Chance, den Autor während der Buchmesse in Leipzig exklusiv zu befragen. Besonders interessant war es herauzufinden, wie es einem jungen Schriftsteller gelingen konnte, im Stile der großen russischen Erzähler zu schreiben, um so das Gefühl für die Weite des Landes mehr als deutlich zu vermitteln. Das Interview veröffentlichen wir schon sehr bald. Es ist mehr als lesenswert, das können wir verraten und Tom Bullough ist ein äußerst symphatischer Schriftsteller. Es ist bemerkenswert, dass wir mit diesem Roman und mit “Wunderlicht” von Brian Selznick innerhalb kurzer Zeit zwei Bücher in den Händen hielten, die sich mit dem Thema Gehörlosigkeit auseinandersetzen. In beiden Werken öffnet dieses scheinbare Handycap die Tür zu neuen Welten. Die Betroffenen lernen damit umzugehen und ganz eigene Wege durch die Welt der Hörenden zu finden. Uns Hörenden helfen diese Bücher – sie helfen zu verstehen – sie helfen dabei, kein Mitleid zu entwickeln, sondern auch daran zu denken, dass sich die Konzentration auf die verbleibenden Sinne sehr viel stärker freisetzen kann. Taubheit ist hier für beide Schriftsteller nicht nur eine Behinderung – es ist gleichsam eine Chance… Bebilderter Artikel: http://literatwo.wordpress.com/2012/04/10/die-mechanik-des-himmels/

    Mehr
  • Rezension zu "Die Mechanik des Himmels" von Tom Bullough

    Die Mechanik des Himmels

    Ayanea

    04. April 2012 um 09:48

    *Lebensweg des "Erfinder" der Raumfahrt* Ich gebe zu, von "Die Mechanik des Himmels" hatte ich mir doch etwas mehr erhofft. Wir begleiten in dem Buch Kostja Ziolkowski durch mehrere Etappen seines Lebens. Es ist der Sohn einer verarmten Adelsfamilie, erkrankt an Scharlach und ist nach überstandener Krankheit schwer hörig. Aber schon in jungen Jahren erfindet er Dinge, wie das Höhrrohr. Er begeistert sich für Mathematik und besonders die Sterne und das Weltraum haben es ihm angetan. Tom Bullough hat es geschafft einen unheimlich dichten, atmosphärischen Roman zu schreiben, der mitunter mit richtig schönen Satzkonstruktionen aufweisen kann. Dennoch hat er nicht immer den Spagat zwischen eindrucksvollen Schreiben und einer packenden Geschichte geschafft. Viel zu oft, fühlte ich mich gelangweilt vom Geschehen und somit natürlich vom Buch. Die Kapitel umfassen immer einen Monat in einem Jahr und in den 4 größeren Abschnitten vergehen immer mehrere Jahre ins Land. Die Figuren an sich wirkten mir mitunter eindeutig zu flach. Ich weiß bis jetzt noch nicht so recht wie Kostja aussieht. Nur sein Erfindungsdrang und seine Überlegungen zur Raumfahrt sind mir im Gedächtnis geblieben. Seine Eltern, seine Ehefrau die im Roman vorkommen sind eher nettes Beiwerk. Alles in allem kam mir zudem die "Mechanik des Himmels" viel zu kurz. Ich hätte mir viel mehr solcher Überlegungen, wie sie erst im letzten Drittel des Buches geschrieben wurden gewünscht. So bekommt man zunächst als Leser eher ein Gefühl für das frühe, ärmliche Russland. Was zwar auch dem einen oder anderen sehr interessant erscheinen mag, nur derjenige der sich das Buch zulegt, um wirklich mehr über die Mechanik oder des Erfinders zu lesen, der wird hier etwas enttäuscht. Ich gebe zu, ich war bei gefühlten 2 Sternen. Aber gerade die letzten 10 Seiten fand ich wieder so packend und irgendwie stimmig, dass ich mit dem gesamten Buch wieder versöhnt wurde und doch noch solide 3 Sterne geben kann. Ich hätte mir gern eine Fortsetzung dieser 10 Seiten gewünscht. .

    Mehr
  • Rezension zu "Die Mechanik des Himmels" von Tom Bullough

    Die Mechanik des Himmels

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    26. March 2012 um 19:56

    Der Roman basiert auf der realen Figur des russischen Wissenschaftlers Konstantin Ziolkowski, einem der Wegbereiter der russischen Raumfahrt. Tom Bollough beschreibt das Leben und die Entbehrungen im Russland des späten 19. Jahrhunderts sehr realistisch, ausführlich und poetisch. "Poetisch" dürfte auch eine passende Kurzbeschreibung für das gesamte Buch sein: "Die Mechanik des Himmels" lässt sich leicht und flüssig lesen, die Geschichte an sich ist kurzweilig, aber durchaus interessant geschrieben. Ich habe mich allerdings auch immer wieder dabei ertappt, ganze Passagen zu überspringen, in denen außer der Beschreibung russischer Landschaften oder der Fauna Moskaus einfach nichts passiert. Zwei mal wurden auch erotische Begebenheiten angedeutet, die allerdings nicht wirklich in die Geschichte passen wollten. Beide haben nicht wirklich Einfluss auf die Handlung gehabt, es scheint vielmehr so, als habe der Autor sich dazu genötigt gesehen, in seinem Buch auch irgendwo mal Erotik unterzubringen. Gut dargestellt und erklärt sind die physikalischen Erkenntnisse, die Kostja im Laufe seines Lebens gewinnt, wie er dank Jules Verne schließlich dazu kommt, sich mit Raumfahrt auseinanderzusetzen und die ursprünglich aberwitzige Idee einer bemannten Raumkapsel weiterentwickelt. Die Umsetzung hat er jedoch nicht mehr erlebt. Am Ende des Romans beschreibt Bollough die Raummission Woschod 2, bei der Alexei Leonow als erster Mensch ein Raumschiff verlassen hat. Aber auch zu guter Letzt bleibt es, wie beim ganzen Buch: Der Autor geht in seinem Erzähldrang zu weit, so dass er schließlich den Punkt für ein gutes Ende verpasst und mit einem vermeintlichen Cliffhanger endet. Dessen eher unspektakulären Ausgang kann sich der interessierte Leser aber jederzeit bei Wikipedia erlesen. Im Großen und Ganzen: "nett"... Vielmehr lässt sich dazu nicht sagen. "Die Mechanik des Himmels" ist keine Zeitverschwendung, es nicht zu lesen, wäre allerdings auch kein großer Verlust. Eher etwas, um sich auf einer langen Bahnfahrt die Zeit zu vertreiben. Wer lange Beschreibungen von Bäumen, Vögeln und Blumen mag, für den ist "Die Mechanik des Himmels" sicherlich eine gute Lektüre. Leider keine Weiterempfehlung von mir...

    Mehr
  • Rezension zu "Die Mechanik des Himmels" von Tom Bullough

    Die Mechanik des Himmels

    halbbluthobbit

    14. March 2012 um 13:02

    Russland im Jahr 1867. Konstantin Ziolkowski, Kostja gerufen, ist zehn Jahre alt, als er nach einem Ausflug in den verschneiten Wald um seinen Heimatort Rjasan schwer an Scharlach erkrankt und infolge dessen weitestgehend gehörlos wird. Als sein Vater, um die zehnköpfige Familie weiter ernähren zu können, zum Arbeiten in das weit entfernte Wjatka ziehen muss, folgt die Familie ihm nach Kostjas Genesung nach. Doch nicht nur durch seine Schwerhörigkeit scheitert Kostja beim Besuch des Gymnasiums; nach dem Tod seiner Mutter versucht der Vater, der um die technische und mathematische Begabung seines Sohnes weiß, ihm eine bessere Chance zu verschaffen, und so zieht Kostja mit einem Empfehlungsschreiben und der Hoffnung, an der Technischen Berufsschule studieren zu können, nach Moskau. Auf den ersten Blick fällt das schöne Cover auf: es zeigt Konstantin Ziolkowski höchstpersönlich, umgeben von zahlreichen technischen Skizzen und er Andeutung eines Hörrohrs, wie er es in späteren Jahren benutze. Die Mechanik des Himmels ist eine buchstäbliche Reise durch das Leben Konstantins und wie bei jeder Reise gibt es Phasen, in denen sich der Weg zieht wie Kaugummi und man es kaum erwarten kann, an den nächsten Zwischenhalt zu kommen; ebenso gibt es diese kleinen Augenblicke, wenn man aus einem Tunnel fährt und plötzlich die schönste Aussicht der Welt vor Augen hat. Statt Metern und Meilen misst man hier in Werst und Arschin; Kostjas Familie zieht auf der Weg nach Wjatka durch eine Vielzahl kleiner Orte, deren Namen dem durschnittlichen deutschen Leser nichts sagen dürften, und deren geographische Einordnung sich nur auf die Entfernung zum Heimatort oder Moskau bezieht. Es ist eine alles andere als unbeschwerte, fröhliche Kindheit, die Kostja verlebt, und grade darin spiegelt sich sehr realistisch der Alltag im bäuerlichen Russland des 19. Jahrhunderts wieder. Das Buch ist in Kapitel unterteilt, die jeweils nach den Lebensabschnitten und wichtigen Schlüsselerlebnissen Konstantins benannt sind; innerhalb der Kapitel findet eine chronologische Aufteilung statt, mal von Monat zu Monat, mal mit jahrelanger Unterbrechung. Das macht die Orientierung, in welcher Zeit und in welchem Alter sich die Charaktere befinden, leicht. Es ist mir nur teilweise gelungen, mich auf das Erzählte einzulassen. Nach dem ersten Drittel folgte erstmal eine Pause, ehe ich es wieder zur Hand nahm und in einem Zug durchlas. Trotz der genauen Recherche und den bestimmt umfassenden mathematischen und physikalischen Hintergründen, die Tom Bullough ausbreitet, bleibt Konstantin als Protagonist eher farblos. Er gilt als geistiger Vater der russischen Raumfahrt – doch die einzigen Momente im Buch, in denen ich ihn wirklich spannend fand, waren die menschlichen. Der an Scharlach erkrankte Kostja, der jugendliche Kostantin auf dem Weg nach Moskau, der Mathematiklehrer Konstantin Ziolkowski, der spätere Ehemann und Vater, diese Aspekte schafften es, meine Aufmerksamkeit zu fesseln; ich muss dem Buch zu gute halten, dass es sich nicht mit unnötigen, verwirrenden Liebesgeschichten aufhält. Die Begegnung und Beziehung zwischen Konstantin und seiner späteren Frau Varja ist einer der leisen, unauffälligen Sorte, ohne große Gesten, bei denen man sofort spürt, dass zwischen ihnen etwas stattfindet. Trotzdem hätte ich mir mehr gewünscht, zu erfahren, was in diesem zweifellos genialen Kopf vorgegangen sein muss. Auch der Umstand, dass er trotz seines Handicaps nicht von seinen Wünschen und Zielen ablässt, erscheint eher nebensächlich; ich konnte mich zu wenig mit ihm identifizieren. Erst der Wendepunkt seines Lebens, die Anstellung als Mathematiklehrer in Kaluga, und seine Freude an dem, was er seinen Schülern vermittelt, haben ihn mir zum Ende hin etwas näher gebracht. Was die physikalischen und mathematischen Details angeht, hat der Autor durchaus seine Hausaufgaben gemacht (sofern ich das beurteilen kann; mein Wissen in diesem Gebiet ist begrenzt); aber auch deswegen habe ich mich durch Teile der Geschichte gekämpft. Hinzu kamen die wort- und detailreichen Beschreibungen der vielen Stationen, die Kostja und seine Familie auf dem Weg nach Wjatka erreichen. Es mag der Übersetzung geschuldet sein, dass die Sprache des Autors unnötig verschachtelt und mit Adjektiven überladen wirkt. Immer wieder schafft Tom Bullough es, den Leser heranzuholen, ihn hineinzuziehen in seine Bilder, um ihn dann sehr abrupt und unerwartet wieder fallen zu lassen. Es sind zu viele Bilder und zu viele Beschreibungen, um ein inneres Panorama entstehen zu lassen. Das Buch endet mit einem Prolog im Jahr 1965 – fast 100 Jahre nach Konstantins Geburt – , der den Flug der Woschod 2 aus Perspektive des Kosmonauten Alexei Leonows erzählt, der erste Mensch es schaffte, sein Raumschiff zu verlassen und frei im All zu schweben. Dieser Wechsel kommt etwas unerwartet, weil im ganze Verlauf des Romans – für mich zumindest – das Bahnbrechende an Konstantins Werken nicht klar wird, aber objektiv wird deutlich, dass der spätere Erfolg der russischen Raumfahrt auf seinen Überlegungen beruht. Fazit: ein lesenswerter Roman, trotz trockener Episoden. Leider gelingt der Spagat zwischen Biographie und Erzählung nicht hunderprozentig. Es mag allegorisch sein, dass sich Konstantin Ziolkowskis Geschichte nach der Ankunft in Moskau so viel leichter liest – aus der unwegsamen, beschwerlichen Kindheit in die Universitätstadt -, deswegen vergebe ich auch im Respekt an die Arbeit des Autors 3,5 bzw. 4 von 5 Sternen.

    Mehr
  • Rezension zu "Die Mechanik des Himmels" von Tom Bullough

    Die Mechanik des Himmels

    lokoschade

    25. February 2012 um 12:51

    Kostja ist 10 Jahre alt als er seinem Vater verbotenerweise durch den tiefen Schnee und Wald das Essen bringt. Diese furchtlose Unternehmung bleibt nicht ohne Folgen und Kostja erkrankt an Scharlach. Der Krankheitsverlauf gestaltet sich schwierig und nach seiner Genesung muss Kostja feststellen, dass er fast nichts mehr hört. Er verbringt Wochen in einem Krankenhaus und als er entlassen wird, unternimmt die Mutter eine lange Reise mit der vielköpfigen Kinderschar um dem Vater zu folgen, der viele Tagesreisen entfernt eine Arbeit gefunden hat. Aber trotz der schwierigen finanziellen Situation kann Kostja zusammen mit seinem Bruder das Gymnasium besuchen. Als er allerdings zum zweiten Mal in zwei Jahren durch die Prüfungen fällt, nützt es auch nichts dass er dem Vater eine ganze Armada von Modellen vorweisen kann, die die physikalischen Prinzipien erklären. Mit stiller Beharrlichkeit und einem selbst entworfenen und zusammengebauten Hörgerät setzt er sich durch und kommt 1873 mit einem Empfehlungsschreiben nach Moskau um zu studieren. Moskau erweist sich zunächst als Enttäuschung. Ganz anders ist die große Stadt als in seinen Vorstellungen, ähnelt sie doch eher einem Dorf und die Aufnahme an der Universität wird ihm aufgrund seiner Behinderung auch verweigert. Er findet Unterstütung durch einen alten Bibliothekar und kann so seine Studien fortsetzen.... Ein wunderschönes Buch in einer eleganten Sprache das Tom Bullough über den Vater der russischen Raumfahrt, Konstantin Ziolkowski, geschrieben hat. Bezaubernd in der Sprache, was sicher auch zu einem Großteil der fantastischen Übersetzung von Thomas Melle geschuldet ist. Leise und unaufgeregt führt uns der Autor durch die jungen und erwachsenen Jahre eines beeindruckenden Menschen, der immer an seine Visionen geglaubt und seine wissenschaftlichen Studien nie aufgegeben hat. "Er stellte sich vor, die Sterne wären Atome eines gewaltigen Geschöpfes, vielleicht von Gott selbst. Er stellte sich vor, dass er durch den Äther flöge, nicht von Pferden, sondern von einer Schwanenschar gezogen, und dass er bald auf anderen Planeten landen würde, die andere Sterne umkreisten, wo er als Zar von Lebewesen bejubelt würde, die nicht, so dachte er, durch Klang kommunizierten, sondern durch Bilder, die auf ihrer Brust angebracht wären und mit deren Hilfe sie Botschaften senden könnten, schneller sogar als jeder Telegraf."

    Mehr
  • Rezension zu "Die Mechanik des Himmels" von Tom Bullough

    Die Mechanik des Himmels

    michael_lehmann-pape

    15. February 2012 um 13:51

    Eine Lebensgeschichte Obwohl Tom Bullogh keine sonderlich spannende Geschichte erzählt und obwohl Stil und Tempo seines Buches durchaus gemächlich zu nennen sind, legt er mit der Geschichte des Konstantin Ziolkowski ein schönes, anregendes und besonders im Blick auf die Gestaltung seiner Figuren liebevolles Buch vor. Vom Dezember 1867 an lässt er den Leser teilnehmen am Lebensweg Kontantins. Getrübt durch eine schwere Scharlacherkrankung, die eine hohe Schwerhörigkeit zurücklässt, folgt Konstantin fast zwangsläufig im Buch seiner „inneren“ Stimme und seiner großen Begabung im Blick auf die Physik, auf die Vorstellungskraft und mathematische Betrachtung von Maschinen, für die der Himmel keine Grenze darstellen soll. In den kalten Weiten des östlichen Russland nimmt dieser Weg zunächst seinen Anfang und Verlauf und im Stil Bulloghs wird deutlich, dass es diesem weniger um eine bruchfrei erzählte Geschichte geht. Immer wieder lässt er Momentaufnahmen erstehen, die er teilweise auch durchaus plötzlich wieder abbrechen lässt, wenn das für ihn Wesentliche erzählt ist. Mithilfe seiner vielfachen, sprachlichen Möglichkeiten und der spürbaren Liebe zu seiner Hauptfigur webt Bullogh auf diese Weise eine dichte, real anmutende Atmosphäre eines zurückhaltenden, aber von tiefen, innerem Mut beseelten Jungen und jungen Mannes, der im Schnee dem Wolf trotzt, der auch einem „Meister der Mechanik“ durchaus höflich widerspricht, wenn ihm dessen Pläne und Zeichnungen falsch erscheinen. Konstantin, der zum Lernen, zum Studium nach Moskau geschickt wird, durchaus unter Opfern der Familie, der sein Empfehlungsschreiben verliert und statt an einer Hochschule dann in Eigenregie sich in der Bibliothek fast selbst ausbildet, gemeinsam mit anderen, unter der Obhut des Bibliothekleiters (eine weitere der wichtigen, intensive gestalteten Figuren des Romans). Ein Weg, der mit Härten und Hunger verbunden ist, der ihn zu einem derer werden lassen wird, welche die bemannte Raumfahrt Russlands maßgeblich vorarbeiteten. Und das zu einer Zeit, in der nirgends solche Ideen öffentlich verfolgt wurden. Eine Zeit im übrigen, dies ist eine weitere Qualität des Romans, die Bullogh atmosphärisch dicht zu beschreiben versteht. Die zweite Hälfte des ausgehenden 19. Jahrhunderts in Russland unter der Zarenherrschaft, die Armut und Einfachheit des Lebens, die Entbehrungen, die es kostet, die eigene Familie durch zu bekommen, die Verluste (eine hohe Kindersterblichkeit begleitete die Menschen damals gerade in den unwirtlichen Gegenden Russlands), das alltägliche Leben, all dies lässt Bullogh fast anstrengungslos vor den Augen des Lesers entstehen. Wie nebenbei schildert er die Osterfeierlichkeiten in der kleinen Stadt, zeigt das alltägliche Leben, das Wohnen, den Kampf um Nahrung, die früh gealterten Gesichter der Menschen und die nicht nur räumliche Enge in den Familien auf. Mit Konstantin skizziert er, zeitlos, jene Kraft, die es einem Menschen ermöglicht, sich von all diesem im Inneren nicht beirren zu lassen, den eigenen Traum zu träumen. Die „Mechanik des Himmels“ ist ein atmosphärisch dichtes, schön geschriebenes und seinen Figuren sehr verbundenes „Lebensbild“ und Zeitportrait des zaristischen Russlands mit allen seinen scharfen, sozialen Gegensätzen. Gemächlich und ruhig mit hohem sprachlichem Vermögen erzählt und mit menschlicher Tiefe ausgestattet ein sehr empfehlenswertes Buch für den, der diese gründliche Ruhe im Stil zu schätzen weiß.

    Mehr
  • Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach!

    Hol dir mehr von LovelyBooks