Tom Cooper Das zerstörte Leben des Wes Trench

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Inhaltsangabe zu „Das zerstörte Leben des Wes Trench“ von Tom Cooper

Als Hurrikan Katrina mit dem Süden der USA fertig ist, hat Wes Trench alles verloren. Er ist kaum erwachsen und doch scheint es ihm, als wäre sein Leben vorbei. Er heuert bei dem alten Fischer Lindqvist an, der noch übler dran ist: Was er fängt, reicht kaum zum Leben, ein Ölteppich bedroht die Küste, und zu allem Übel ist ihm auch noch die Armprothese gestohlen worden. Besessen von der Idee, einen Schatz zu finden, fährt Lindqvist immer wieder mit dem Boot raus. Auch die durchgeknallten Toup-Brüder, deren Grasplantagen er zu nahe kommt, können ihn nicht aufhalten. Wes fasst an Lindqvists Seite neuen Mut, doch ein weiterer Schicksalsschlag zwingt ihn zu einer Entscheidung.

Eine interessante, weitgehend ruhige Geschichte mit stellenweise viel Inhalt/Tiefgang und einem leider irreführenden Titel. Toll gelesen.

— chuma
chuma

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  • Ein Buch, das mit dem ersten Satz einen Sog entwickelt

    Das zerstörte Leben des Wes Trench
    Gwhynwhyfar

    Gwhynwhyfar

    28. June 2016 um 13:50

    Hörbuch, 9 Std, 58 Min, gelesen von Johannes SteckEin Buch, das mit dem ersten Satz einen Sog entwickelt:„Sie tauchten aus dem dunklen Schlund des Bayou auf wie Gespenster, erst ein geisterhaftes Licht im Nebel, dann das Rattern des Motors: ein Aluminium-Rennboot, das über lackschwarzes Wasser schoss.»Wes lebt lebt im Bayu in der Nähe von New Orleans in dem Örtchen Jeannette am Golf von Mexiko, dem Barataria Bay. Fünf Jahre zuvor hatte Hurrikan Katrina den Ort verwüstet, die Häuser und Boote der berühmten Shrimpsfischer zerstört. Viele Menschen haben es nie geschafft, sich von dieser Katastrophe zu erholen. Wes’ Mutter war damals von einer Flutwelle mitgerissen worden, als die Dämme von New Orleans einstürzten. Sie wurde nie wieder aufgefunden. Kaum hatten die Menschen Zeit, Luft zu holen, geschah ein neues Unglück. Die «Deep¬water Horizon», eine Öl¬platt¬form des BP-Konzerns leckte und überschwemmte den fischreichen Bayu mit Öl, eine der größten Umweltkatastrophen der Welt. Aufzu¬geben ist keinem Bewohner in den Sinn gekom¬men. Das hieße das Leben aufgeben.„Die Barataria war seine Heimat, auf Gedeih und Verderb. Was immer das hieß."Die Fischer arbeiten hart, können kaum von den wenigen Shrimps leben, die sich in ihren Netzen befinden. Armut, Perspektivlosigkeit, ein Leben in Schulden und ein Leben mit Scheuklappen, von einem Tag zum nächsten.»Sie pressten nur Blut aus den Steinen.«Einige ergeben sich dem Schicksal und lassen sich für guten Lohn von der Ölgesellschaft zur Reinigung von Pelikanen anstellen. Wes, der Sohn eines Shrimpfischers, träumt vom eigenen Boot. Er denkt weiter als der Vater, hat ein Touristenkonzept im Kopf, glaubt von den Shrimps allein nicht mehr leben zu können. «Sie fingen Shrimps und Krabben. Sie wilderten Alligatoren wegen ihres Leders, fingen Bisamratten und Nutria wegen ihrer Fälle. Das war noch zu Zeiten der Großeltern und Urgroßeltern.»Entzweit mit dem Vater arbeitet Wes für den einarmigen Fischer Lindquist. Der wiederum ist parallel mit einem Metalldetektor auf Schatzsuche, ein tablettensüchtiger Säufer, der Klopf-Klopf-Witze liebt. In den tiefen Sümpfen des Bayu sucht er nach versunkenen Goldmünzen des Freibeuters Jean Lafitte, die er zwischen den Mangroven oder auf den kleinen Inseln vermutet. Dabei kommt der den brutalen Toup-Zwillingen auf die Schliche, die auf einer der abgelegenen Inseln Marihuana anbauen. Dafür interessiert sich Lindquist nicht. Doch die Toup-Brüder sehen das anders, vermuten, er will sie an die Polizei verraten. Sie stehlen Lindquist seine teure Prothese. Cosgrove und Hanson, zwei halbseidene Typen, sind auch auf der Suche, nach genau dieser Insel, wollen sie heimlich abernten. In einem weiteren Strang ist Bady Grimes für BP unterwegs, um die Geschädigten der Ölkatastrophe aufzusuchen, sich einzuschmeicheln und sie mit Lügen zu überreden, eine Verzichtserklärung zu unterzeichnen. Die Leute sollen ein Papier unterschreiben, das eine großzügige Abfindung vorgaukelt: Gutes Geld sofort, ungewiss eine jahrelange Klage … Für Manchen scheint dies schnelle Geld die Rettung zu sein.Eine spannende Geschichte, eingebettet in wundervolle Naturbeschreibung aus dem Sumpf, samt gefräßiger Alligatoren, Moskitos, Schlangen, wilder Hunde. Ein soziales Gefüge, das auseinanderbricht, sterbende Kulturen, sterbende Landschaften. «Das grüne Leuchten der Zypressen in der Abenddämmerung, die Cajun-Stimmen, salzig und rau …» Der Roman zeigt nicht nur, was hinter Katastrophen steht, sondern spricht auch mit Liebe von Heimat. «Die Barataria war seine Heimat, auf Gedeih und Verderb. Was immer das auch hieß. Heimat, das war der torfige Geruch von Louisianamoos im ersten Frühlingsregen. Die Termitenschwärme Anfang Mai. Der Lärm der Sumpffrösche im Sommer. Die Heuschrecken am Tag. Die Grillen bei Nacht.»Eine Welt, in der Natur und Mensch miteinander ihr Auskommen hatten, damals. Als Sumpfratten bezeichnen die Amerikaner die Bewohner dieses Gebiets. Verschrobene Typen, Menschen, die nicht gewillt sind, ihre Heimat aufzugeben, harte Arbeiter, verschlagene Charaktere, Kleinkriminelle, skurrile Begebenheiten und Macken, ein Roman der von seinen Protagonisten lebt. Trotz aller Düsternis und Dramatik besitzt dieses Buch eine gute Portion Humor. Im Original lautet der Buchtitel „The Marauders“ (Die Plünderer). Ein besser passender Titel meiner Meinung nach, denn es geht nicht um Wes, sondern um alle Hauptakteure.

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  • Zerstörte Leben in der Barataria Bay

    Das zerstörte Leben des Wes Trench
    Buecherschmaus

    Buecherschmaus

    Für die Medienöffentlichkeit sind es meist nur mehr oder weniger lange fesselnde Nachrichten, Aufreger, „Jetzt muss aber endlich mal was passieren!“, im besten Fall Grund für eine bald abebbende Welle des Mitgefühls und der Spendenbereitschaft: die weltweiten Katastrophen, seien es Erdbeben, Tsunamis, Wirbelstürme, Flugzeugabstürze oder andere Menschenleben und Existenzen vernichtenden Ereignisse. Oft sind sie vom Menschen zumindest mit verursacht oder wurden die Warnzeichen lange Zeit beharrlich ignoriert. Trotzdem erschüttern sie kurz die Welt bis in ihr Innerstes, um dann aber alsbald im Nachrichtendschungel zu verschwinden und vergessen zu werden. Für die Betroffenen ist dies nicht so leicht möglich. Sie leiden noch Jahre und Jahrzehnte unter den Auswirkungen.So wie die Bewohner der Barataria Bay, einer Insel- und Sumpflandschaft südlich von New Orleans, die nicht nur durch den verheerenden Wirbelsturm Katrina stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, sondern nur fünf Jahre später durch die brennende Plattform Deepwater Horizon eine gigantische Ölpest erlebte. Für viele Fischer, die hier vor allem die begehrten Shrimps fangen, eine Bedrohung ihrer Existenzgrundlagen. Führten die „Sumpfratten“, wie die Bevölkerung vom Rest des Landes mitunter abschätzig genannt werden, doch eh schon ein hartes Leben. Die Hitze ist mörderisch, Insekten, allerlei krabbelndes Getier und die ständige Feuchtigkeit, dazu schlechte Infrastruktur und eine alles beherrschende Aussichts- und Ausweglosigkeit. Kein sehr lebensfreundlicher Ort.Hier lebt der junge Wes Trench, dessen Mutter ihr Leben im Wirbelsturm verlor, mit seinem knurrigen Vater vom Shrimpsfang. Lieber wäre er noch länger aufs College gegangen, vielleicht auf die Universität, aber dafür ist kein Geld da. Nun träumt er von einem eigenen Boot, zumal die Spannungen mit seinem Vater, dem er die Schuld am Tod der Mutter gibt, ins Unerträgliche wachsen. Wes ist eine der Hauptfiguren des Romans, allesamt männlich, die Frauen spielen hier nur eine Nebenrolle. Und er ist noch nicht einmal die unglücklichste, sondern derjenige mit den größten Hoffnungen. Deshalb verwundert einmal mehr der deutsche Titel, im Original heißt das Buch schlicht „The marauders“. Neben Wes und seinem Vater lernen wir Lindquist kennen, einen Fischer, der aber seine Zeit lieber auf Schatzsuche verbringt und dem seit einem Arbeitsunfall ein Arm fehlt. Die teure Prothese wurde ihm von den Brüdern Toup gestohlen, die im großen Stil Marihuana anbauen, völlig skrupellos sind und Lindquist im Verdacht haben, ihre geheime Plantage im Gewirr der Inseln entdeckt zu haben. Dabei ist es das Kleinkriminellenpärchen Cosgrove und Hanson, die hier ihr großes Geschäft wittern. Als letzten der Protagonist, die wir in den ständig die Perspektive wechselnden Kapiteln kennenlernen, ist Grimes, ein Abgesandter der Ölfirma, die mit den Anwohnern Abfindungszahlungen vereinbaren will, damit teurere Klagen verhindert werden. Grimes hat seine Kindheit und Jugend hier verbracht und seine Mutter lebt noch hier. Mit all diesen Figuren verleben wir nun hier in der Barataria Bay die Tage und gelangen bald in eine äußerst spannende Handlung rund um den illegalen Marihuana-Anbau der Toup-Brüder. Tom Cooper vermag es hervorragend, die schwüle, lebensfeindliche Schönheit der Sumpflandschaft zu schildern. Die Figuren sind zwar relativ Schwarz-Weiß gehalten, sie verkörpern die ihnen zugewiesenen Rollen zuverlässig bis zum Ende, aber sie sind zum Glück interessant genug, um das zu verzeihen. Die Sprache ist klar und direkt, oft humorvoll und mit prägnanten Dialogen, das Ende ein wenig zu sehr Happy-End, aber auch das darf ein Roman, der insgesamt sehr gut und spannend unterhalten hat. Johannes Staeck liest sehr szenisch und gibt allen Figuren ganz eigene Stimmen. Mir war das manchmal etwas zu viel des Guten, eine etwas zurückgenommenere Lesung hätte mir besser gefallen.

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