Tom Finnek Vor dem Abgrund

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Inhaltsangabe zu „Vor dem Abgrund“ von Tom Finnek

Londons schwarzes Herz. Im Herbst 1888 kommen zwei junge Menschen ins East End, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Die verarmte Celia Brooks versucht verzweifelt, ihren Vater zu finden. Der Hotelierssohn Rupert Ingram will hingegen nur seine Pflichten im sündigen Treiben vergessen. Doch im East End hat alles seinen Preis, Antworten ebenso wie das Vergessen. Und während die Huren ihre Dienste feilbieten und ein Mörder namens Jack the Ripper in den Schatten lauert, stoßen Celia und Rupert auf Geheimnisse, die ihr Leben für immer verändern… "Eine äußerst gelungene Mischung aus Gothic Novel, Krimispannung, Liebesgeschichte und naturalistischem Roman über das soziale Elend im viktorianischen London." - Die Welt

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    Vor dem Abgrund
    P_Gandalf

    P_Gandalf

    08. January 2017 um 09:59

    Mir hat dieses Buch nicht so gut gefallen, wie einigen anderen hier bei Lovely Books. London zur Zeit von Jack the Ripper, dunkle Geheimnisse und die Lebensumstände im ausgehenden 19. Jahrhundert klang nach einer interessanten Mischung.Der Roman entwickelt sich aber ganz anderes und ist die Fortführung der Familiengeschichten Ingram und Brooks, die Finnek im Roman "Unter der Asche" begann. Die Hauptfiguren Celia Brooks und Rupert Ingram finde ich nicht wirklich gelungen. Beide erscheinen mir überzeichnet in ihrem Willen, zu tun, was ihnen gerade in den Sinn kommt. Celia - eine 16-jährige vom Lande - findet sich im Londoner East End der damaligen Zeit zurecht und geht nach ihren ersten Erlebnissen (Ten Bells, Angriff der Skeletons) weiterhin munter allein nachts auf die Suche nach ihrem Vater. Rupert stellt den eigenwilligen jungen Gentleman der Oberschicht dar, der so gar nichts vom Leben in seinen Kreisen wissen will und sich viel lieber in die Niederungen des East Ends begibt. Dabei steht einzig und allein sein Vergnügen im Vordergrund. Die Geschichte um Ned Brooks, Celia's Vater, wird geschickt eingewoben und stellt für mich den interessantesten Teil des Buches dar. Jack, the Ripper ist nur eine Randfigur und taucht nicht auf. Die Heilsarmee und ihr Gegenspieler die Skeletons bilden einen netten Rahmen und runden zusammen der Flucht von Ruperts Zukünftiger das viktorianische Sitten- und Zeitgemälde ab.Nur drei Sterne vergebe ich, weil sich das Buch trotz der sehr schönen, bildhaften Sprache von Tom Finnek zieht und man immer wieder versucht ist, das Buch aus der Hand zu legen. Ich denke, dass hier vor allem die erfüllten Erwartungen, die vom Klappentext geweckt wurden, zu meinem Urteil beitragen. Wer ein Buch sucht, dass London in 80er Jahren des 19. Jahrhunderts beschreibt und Lebensumstände von Arm und Reich gegenüber stellt und keinen Kriminalroman oder eine Geschichte über Jack The Ripper erwartet, liegt hier richtig.Sehr gut gefallen, hat mir das umfangreiche Glossar am Ende des Buches. 

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  • Celia, Rupert und Jack

    Vor dem Abgrund
    Fornika

    Fornika

    25. July 2016 um 09:17

    Nach dem Tod der Mutter macht sich die 16-Jährige Celia Brooks auf die Suche nach ihrem Vater. Der Seemann hat die Familie vor einigen Jahren verlassen, eine Spur führt jedoch nach London. Dort versucht sich Rupert Ingram gerade von seinem reichen Vater zu lösen und landet dabei im East End. Wo gerade ein gewisser Jack the Ripper sein Unwesen treibt…  „Vor dem Abgrund“ ist bereits das dritte Buch, welches sich mit dem Schicksal der Familien Ingram und Brooks befasst, trotzdem lässt es sich absolut problemlos ohne Vorkenntnisse lesen. Zwar befinden wir uns in London zu Zeiten des Rippers, dennoch nimmt dieser keinen ganz großen Raum ein. Finnek zeigt uns, dass das „ganz normale“ Londoner Leben eben nicht vor Schock erstarrt ist, sondern die Menschen ihren Alltag weitergelebt haben. Man taucht schnell ein in die Londoner Atmosphäre, sehr bildhafte Beschreibungen schaffen eine lebendige Vorstellung von der Stadt im Jahre 1888. Celia und Rupert als Hauptfiguren fand ich sehr gelungen, man kann sich sehr gut in beide einfinden, was nicht zuletzt an den verschiedenen Perspektiven liegt. Die Handlung ist spannend und lehrreich, man fiebert mit und folgt den Protagonisten gerne durch die Seiten. Der Schreibstil ist sehr ansprechend und flüssig zu lesen. Im Anhang findet man eine Karte und ein Glossar, welches weitere Hintergrundinformationen zur Handlung liefern. Fazit: Mir hat auch dieses Buch aus Finneks Feder wieder sehr gut gefallen.

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  • Buchverlosung zu "Vor dem Abgrund" von Tom Finnek

    Vor dem Abgrund
    Tom_Finnek

    Tom_Finnek

    Hallo, aus Anlass des Welttags des Buches am 23. 4. 2016 verlose ich drei signierte Taschenbuch-Exemplare meines historischen Romans "Vor dem Abgrund". Wer Lust auf eine hoffentlich spannende Reise ins London des Jahres 1888 hat, möge sich bitte melden. Über das Buch: Im Herbst 1888 kommen zwei junge Menschen ins Londoner East End, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Die verarmte Celia Brooks versucht verzweifelt, ihren Vater zu finden. Der Hoteliersohn Rupert Ingram will hingegen nur seine Pflichten im sündigen Treiben vergessen. Doch im East End hat alles seinen Preis, Antworten ebenso wie das Vergessen. Und während die Huren ihre Dienste feilbieten und ein Mörder namens Jack the Ripper in den Schatten lauert, stoßen Celia und Rupert auf Geheimnisse, die ihr Leben für immer verändern …Ich wünsche allen TeilnehmerInnen viel Glück :)Liebe GrüßeTom Finnek

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    • 200
  • Vor dem Abgrund

    Vor dem Abgrund
    Mine_B

    Mine_B

    Dem Autor Tom Finnek ist mit seinem historischen Roman „Vor dem Abgrund“, welcher im 19. Jahrhundert in London spielt, ein gelungenes und authentisches Werk gelungen.   Inhaltsangabe (Quelle: Klappentext): Im Herbst 1888 kommen zwei junge Menschen ins East End, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Die verarmte Celia Brooks versucht verzweifelt, ihren Vater zu finden. Der Hotelierssohn Rupert Ingram will hingegen seine Pflichten im sündigen Treiben vergessen. Doch im East End hat alles seinen Preis, Antworten ebenso wie das Vergessen. Und während die Huren ihre Dienste feilbieten und ein Mörder namens Jack the Ripper in den Schatten lauert, stoßen Celia und Rupert auf Geheimnisse, die ihr Leben für immer verändern…   Der Schreibstil von Tom Finnek ist sehr angenehm und bildhaft. Finnek schafft es, mit detaillierten und interessanten Ausführungen die Welt von damals zu zeichnen, sodass man als Leser vor seinem geistigen Auge ein Bild vom damaligen London hat. Man kann den Dreck und den Gestank quasi spüren – man kann die Atmosphäre quasi spüren und kann sich alles sehr genau vorstellen. Als Leser hat man das Gefühl, dass man sich im damaligen London befindet. Die Recherchearbeit von Finnek ist wirklich überzeugend. Er schafft es gekonnt, die Fiktion mit den historischen Fakten zu verweben, sodass man sich sehr gut vorstellen kann, dass dies wirklich so gewesen sein könnte. Man fühlt sich ins damalige London zurückversetzt und wird im Verlauf der Geschichte auch mal in die dreckigsten Ecken von London geführt. Es werden auf sehr spannende Weise die historischen Fakten und auch die historisch belegten Charaktere mit eingeflochten. Im Epilog wird auf diese nochmal eingegangen, wie dessen Schicksal gewesen war. Auch die umfangreichen Anmerkungen, wo nochmal interessante Hintergrundinformationen angeführt werden, konnten mich überzeugen. Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, welche im Verlauf der Story zusammengeführt werden. Das Schicksal führt die beiden öfters mal zusammen, nicht selten begegnen sie sich in London und irgendwann erkennt der Leser, wie das Schicksal der beiden miteinander verbunden ist. Dabei bekommt man einen besseren Einblick in die Protagonisten Celia und Rupert. Auch der Vater von Celia namens Ned erzählt die wenigen Jahre vor dem Geschehen und auch über seine aktuelle Situation wird eingegangen, wie es zu all dem gekommen ist. Celia ist zu Beginn noch recht naiv und muss sich erst in der Großstadt London zurechtfinden. Es ist interessant zu lesen, wie sie sich auf den Weg begibt, um ihren Vater zu suchen und somit auch die Geheimnisse von damals aufzudecken. Celia besticht durch ihre Art, sie wirkt sympathisch und will ihren eigenen Weg bestreiten. Auch Rupert wirkt auf seine Art sympathisch – wie er sich seinem Schicksal nicht fügen will und sich in die dreckigen Ecken von London begibt. Zu Beginn ist dies für ihn alles noch ein Spiel, um den Pflichten zu entgehen und sein vom Vater bestimmter Zukunft zu entkommen. Doch auch er wächst im Verlauf der Geschichte an seinen Aufgaben und lernt Verantwortungsbewusstsein. Aber auch die Nebencharaktere überzeugen durch ihre Vielseitigkeit, sie sind allesamt sehr gut ausgearbeitet und wirken so real, dass man sie sich im historischen London sehr gut vorstellen kann. Es ist interessant zu lesen, unter welchen Umständen sich die jeweiligen Charaktere begegnen, wie sie zusammengeführt werden oder ihren eigenen Weg gehen. Öfters wird auf die Taten von Jack the Ripper hingewiesen, dass er gerade sein Unwesen in East End treibt – und nicht immer ist der Umgang der Charaktere ein seriöser.   Tom Finnek hat mit „Vor dem Abgrund“ einen gelungenen historischen Roman geschaffen, der durch seine umfangreichen Recherchen, den liebevollen Haupt- und Nebencharakteren und der spürbaren Atmosphäre besticht. Mit diesem Werk konnte er mich vollkommen überzeugen, sodass dieses Werk mindestens 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung verdient.

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    • 2
  • Gut recherchierter und mitreißender Roman

    Vor dem Abgrund
    Naoki-chan

    Naoki-chan

    28. July 2015 um 15:57

    Vor dem Abgrund ist ein gut recherchierter und mitreißender Roman. Hotelerbe Rupert Ingram ist auf Sinnsuche. Das Mädchen Celia sucht ihren lange verschollenen Vater. Im pulsierenden Londoner East End begegnen sie sich immer wieder und verstricken sich in die Rätsel um die von „Jack the Ripper“ ermordeten Huren. Finnek verstrickt hier sehr feinsinnig historische Tatsachen und Fiktion. Die Personen sind – insofern sie nicht sogar historisch sind – absolut glaubwürdig und nachvollziehbar. Sie entwickeln sich und wachsen einem Kapitel für Kapitel ans Herz. Dazu führt besonders Finneks Stilmittel, die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven und in verschiedenen Episoden zu erzählen. Vor den Augen der Lesenden setzt sich so Stück für Stück ein Puzzle zusammen. Einige Dinge waren vielleicht etwas vorhersehbar, gerade wenn man sich ein wenig mit Jack the Ripper und seine Zeitgenossen auskennt, aber es bleiben genug Fragen und Überraschungen. Am besten gefiel mir aber die detaillierte und bildhafte Darstellung Londons. Jeder, der bereits in der britischen Hauptstadt war, wird viele Plätze wiedererkennen. Man taucht förmlich in den Moloch des ehemaligen Vergnügungsviertels ein. Einziger Minuspunkt ist, meiner Meinung nach, dass die Verstrickung der Erzählungen durchaus etwas länger hätte dauern können. Ich hätte mir ein längeres Ende gewünscht, das die Personen noch stärker verbindet. Fazit: Ein toller historischer Roman, der mit ausführlicher Recherche und Details punktet, ohne dabei die Figuren und ihre Begrenztheit aus dem Blick zu verlieren.

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  • London East End 1888

    Vor dem Abgrund
    Katjuschka

    Katjuschka

    20. July 2015 um 13:29

    Inhaltsangabe / Klappentext: Im Herbst 1888 kommen zwei junge Menschen ins East End, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Die verarmte Celia Brooks versucht verzweifelt, ihren Vater zu finden. Der Hotelierssohn Rupert Ingram will hingegen seine Pflichten im sündigen Treiben vergessen. Doch im East End hat alles seinen Preis, Antworten ebenso wie das Vergessen. Und während die Huren ihre Dienste feilbieten und ein Mörder namens Jack the Ripper in den Schatten lauert, stoßen Celia und Rupert auf Geheimnisse, die ihr Leben für immer verändern... Meine Meinung: "Vor dem Abgrund" ist ein sehr gut recherchierter Roman über London zur Zeit von Jack the Ripper. Die Hauptpersonen sind jedoch der reiche, aber gelangweilte Rupert und die junge Celia. Abwechselnd je Kapitel wird die Geschichte von den beiden getragen. Sie treffen zwar schon sehr früh zufällig kurz aufeinander, lernen sich aber recht spät erst wirklich richtig kennen. So erfährt man parallel sowohl vom Leben der Upperclass, als auch vom harten, brutalen Kampf der Unterschicht ums teilweise nackte Überleben. Mir persönlich haben die Informationen über die Entstehung der Heilsarmee gut gefallen! Das teilweise offene Ende war stimmig und hinterließ ein gutes Gefühl für Rupert, Celia und Maureen.

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  • Ein spannender Blick in das East End von 1888

    Vor dem Abgrund
    wampy

    wampy

    12. July 2015 um 17:02

    Buchmeinung zu Tom Finnek – Vor dem Abgrund „Vor dem Abgrund“ ist ein historischer Roman von Tom Finnek, der 2013 im Bastei Lübbe Verlag erschienen ist. Das Taschenbuch ist 2015 erschienen. Klappentext: Im Herbst 1888 kommen zwei junge Menschen ins Londoner East End, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Die verarmte Celia Brooks versucht verzweifelt, ihren Vater zu finden. Der Hotelierssohn Rupert Ingram will hingegen seine Pflichten im sündigen Treiben vergessen. Doch im East End hat alles seinen Preis, Antworten ebenso wie das Vergessen.          Und während die Huren ihre Dienste feilbieten und ein Mörder namens Jack the Ripper in den Schatten lauert, stoßen Celia und Rupert auf Geheimnisse, die ihr Leben für immer verändern ... Meine Meinung: Ich habe diesen letzten Teil der London-Trilogie ohne Kenntnis der ersten beiden Bände gelesen und hatte keinerlei Verständnisprobleme. Schon das Titelbild macht Lust, sich mit dem London dieser Zeit zu befassen. Die sechszehnjährige Celia Brooks macht sich nach dem Tod ihrer Mutter auf nach London, um ihren Vater zu suchen. Dies ist im London von 1888 eine schwierige und gefährliche Aufgabe. Auf ihrem Weg lernt sie einige zum Teil skurrile Personen kennen. Sie lernt das harte und trostlose Leben verarmter Bevölkerungsteile kennen. Mit Unterstützung der sich gerade etablierenden Heilsarmee gelingt es ihr, die ersten Tage in London zu überstehen. Die andere Hauptfigur ist der Hotelierssohn Rupert Ingram, der ohne rechtes Lebensziel ein ungewöhnliches Doppelleben führt. Etliche Nächte schlägt er sich als verkleiderter Rabauke im East End um die Ohren. Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Geschichte ist die Story der Überlebenden der Mignonette, die ihr Überleben nur durch Kannibalismus sichern konnten. Zusammen mit der Entwicklung der beiden Hauptfiguren nimmt eine spannende Geschichte ihren Lauf, die jede Menge Ansatzpunkte zum Nachdenken bietet. Die Hauptfiguren sind nicht sonderlich sympathisch dargestellt. Trotzdem fiebert man irgendwie mit. Man erlebt ihre Entwicklung mit und erhält zusätzlich einen umfassenden Eindruck vom Leben in dieser Zeit, das der Autor in schnörkelloser Form darstellt. In Teilen ist es eher ein Sittengemälde als ein Roman. Eine Karte des East End, ein Personenregister und umfangreiche Anmerkungen des Autors runden das Buch ab. Fazit: Dieses Buch ist spannend und faszinierend, aber zum ganz großen Wurf fehlt doch etwas. Es kann jedem empfohlen werden, der sich für die Geschichte Londons interessiert.

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  • Teil 3 der London-Trilogie

    Vor dem Abgrund
    Blackfairy71

    Blackfairy71

    London, 1888. Zwei Menschen stehen im Mittelpunkt der Ereignisse, die diese Geschichte erzählt. Die sechzehnjährige Celia Brooks kommt nach dem Tod der Mutter von Brightlingsea in die Hauptstadt, ihren Vater zu suchen. Ein Hinweis führt sie ins Armenviertel White Chapel im East End. Nicht ungefährlich, denn hier treibt seit einiger Zeit der Frauenmörder Jack the Ripper sein Unwesen. Drei Frauen fielen ihm bereits zum Opfer.  Der junge Hotelierssohn Rupert Ingram dagegen vertreibt sich seine Zeit bis zur von seinem Vater arrangierten Hochzeit mit der Nichte eines Brauunternehmers mit Ausflügen ins East End, verbringt dort die Nächte mit Alkohol und Huren. Hier ist er einer von vielen und kann sein, was er will. Hier trifft er auch auf Eva Booth, den Captain der Heilsarmee sowie Künstler Simeon Solomon.  Ruperts und Celias Wege kreuzen sich und nach und nach zeigt sich, dass beide mehr verbindet, als sie vermutet hätten. Celia erfährt Dinge über ihren Vater, die sie lieber nicht gewusst hätte. Und Rupert muss erkennen, dass seine Handlungen in jüngster Vergangenheit nicht ohne Konsequenzen bleiben. Ihm wird klar, dass er sein Leben ändern muss.  Ein fesselnder, gut recherchierter und gut durchdachter historischer Roman aus einer finsteren Zeit Londons. Wie schon in "Unter der Asche" führt Tom Finnek die verschiedenen Handlungsstränge zu einem logischen Ende zusammen, verwebt geschickt historische Figuren und Begebenheiten und Fiktion miteinander, so dass der Leser am Ende denkt: Ja, genauso könnte es gewesen sein.  Durch die anschauliche, bildhafte Sprache ist man immer mittendrin im Geschehen. Man begleitet Celia und Rupert durch die dunklen, dreckigen Straßen und Gassen von White Chapel, sieht die Hinterhöfe und Pubs direkt vor sich und meint sogar den Unrat zu riechen und Nebel zu fühlen.  Die Kapitel von Rupert werden aus der Ich-Perspektive erzählt, was einem noch bessere Einblicke in seine Figur und sein Handeln ermöglicht und ihn dadurch direkt sympathischer erscheinen lässt. Aber auch Celia mochte ich gleich. Sie hat viel durchgemacht in ihrem jungen Leben und beweist viel Mut, indem sie einfach in die Großstadt reist, um ihren Vater  zu suchen.  Auch die Nebenfiguren sind interessant: Eva Booth und Simeon Solomon zum Beispiel, die, wie man aus dem Nachwort erfährt, tatsächlich lebten.  Die Geschichte von Jack the Ripper wird gekonnt mit der Handlung verwoben, steht aber nie im Vordergrund. Aber wer sich für die Rippermorde interessiert, dem fällt der wahre Name der Prostituierten Ginger natürlich direkt auf.  Ich habe das Buch in einer Leserunde bei Lovelybooks zusammen mit dem Autor lesen dürfen und es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Er hat geduldig alle Fragen beantwortet und interessante Einblicke in seine Arbeit gegeben, wie er auf die Idee zum Buch kam usw.   "Vor dem Abgrund" ist der letzte Teil seiner London-Trilogie und ich kann sie wirklich sehr empfehlen. 

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    • 17
  • Leserunde zu "Vor dem Abgrund" von Tom Finnek

    Vor dem Abgrund
    Tom_Finnek

    Tom_Finnek

    Hallo!  Mitte April erscheint mein historischer Roman "Vor dem Abgrund" als Taschenbuch beim Bastei Lübbe Verlag. Der Verlag hat freundlicherweise angeboten, 15 Exemplare des Taschenbuchs für eine Leserunde zur Verfügung zu stellen, und ich würde mich freuen, wenn eine Leserunde (die ich natürlich aktiv begleiten würde) zustande käme.  Zum Inhalt:  Londons schwarzes Herz - Im Herbst 1888 kommen zwei junge Menschen ins Londoner East End, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Die verarmte Celia Brooks versucht verzweifelt, ihren Vater zu finden. Der Hoteliersohn Rupert Ingram will hingegen nur seine Pflichten im sündigen Treiben vergessen. Doch im East End hat alles seinen Preis, Antworten ebenso wie das Vergessen. Und während die Huren ihre Dienste feilbieten und ein Mörder namens Jack the Ripper in den Schatten lauert, stoßen Celia und Rupert auf Geheimnisse, die ihr Leben für immer verändern … Leseprobe (die ersten 30 Seiten als PDF) Ich freue mich auf eine hoffentlich lebendige und spannende Leserunde, die direkt zum Erscheinen des Buches (ca. 16. April) starten soll. Liebe Grüße und viel Glück bei der Buchverlosung Tom Finnek

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    • 358
  • London zur Zeit von Jack the Ripper

    Vor dem Abgrund
    buecherwurm1310

    buecherwurm1310

    07. June 2015 um 10:10

    Nach dem Tod der Mutter macht sich die 16jährige Celia Brooks auf den Weg nach London, um ihren Vater zu finden, obwohl ihre Mutter sie immer vor dem Vater gewarnt hat. In London begegnet sie dem Hotelierssohn Rupert Ingram, den sein privilegiertes Leben langweilt und der sein Abenteuer nachts in den dunklen Straßen von London sucht. Immer wieder laufen sich die beiden über den Weg. Die Geschichte erzählt sehr bildhaft über das schwierige Leben der armen Leute und man fühlt sich in das London im Jahre 1988 versetzt, wo es dreckig ist und stinkt und raucht. London zeigt sich dort von seiner schlimmsten Seite. Die Schere zwischen Arm und Reich klafft sehr auseinander, viele Menschen suchen Arbeit, um ihr Auskommen zu sichern. Aber da das so hoffnungslos schwierig ist, wird geraubt, gemordet und prostituiert. Das Elend ist oft nur im Alkoholrausch zu ertragen. Die Heilsarmee versucht in diesem Elend zu helfen, was ihr nicht nur Anerkennung bringt. Es ist auch die Zeit, in der der Serienmörders Jack the Ripper sein Unwesen treibt. Die Personen sind glaubhaft und detailliert beschrieben, so dass man ihre Handlungsweisen sehr gut nachvollziehen kann. Viele Menschen sind ohne Hoffnung, sie wollen nur eins: überleben. Um das zu erreichen, können sie sich keine Skrupel leisten. Celia ist jung und unerfahren. Doch zielstrebig verfolgt sie ihren Plan, den Vater zu finden. Sie gewinnt Freunde, die sie unterstützen. Dabei erfährt sie auch Neues über ihre Mutter. Rupert soll im Geschäftsinteresse verheiratet werden, seine Gefühle tun dabei nichts zur Sache. Er versucht dem Zwang der Gesellschaft zu entfliehen, indem er im East End ein ganz anderes Leben führt. Aber mit der Zeit, erkennt er, was wirklich wichtig ist im Leben. Diese beiden jungen Menschen versuchen ihren Weg zu gehen und ihr Schicksal selber in die Hand zu nehmen. Immer wieder wird der Leser überrascht, denn es gibt unverhoffte Wendungen und Charaktere, die anders sind als man zunächst vermutet hat. Historische Ereignisse werden gekonnt mir fiktiven Handlungen verwoben. Der Spannungsbogen steigert sich bis zum Schluss und der Epilog rundet das Geschehen ab. Ein wunderbarer historischer Roman, der uns London von der finstersten Seite zeigt. Sehr empfehlenswert!

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  • Ein eindrucksvoller historischer London-Roman

    Vor dem Abgrund
    allegra

    allegra

    29. May 2015 um 20:52

    Wir sind im London des ausgehenden 19. Jahrhundert zur Zeit der blutigen Verbrechen von Jack the Ripper. Die junge Celia Brooks kommt nach dem Tod ihrer Mutter Mary aus einer Kleinstadt ins Londoner East End, um ihren Vater zu suchen, der die Familie vor vielen Jahren verlassen hat. Im East End herrscht Prostitution, Alkohol und Armut. Auch Rupert Ingram treibt es in den armen Londoner Osten. Er stammt aus einer reichen und vornehmen Hoteliersfamilie und sucht Zerstreuung vor der Langeweile seiner Repräsentationspflichten in den väterlichen Hotels. Er schließt sich einer Gruppe von Grobianen an, die finanziell unterstützt durch Brauereinen gewaltsam gegen Heilsarmisten vorgehen,  weil diese Abstinenz predigen und sich aktiv gegen Alkoholmissbrauch engagieren. Die Handlung wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt, so dass man die gleichen Erlebnisse jeweils aus verschiedenen Blickwinkeln erleben kann. Die verschiedenen Handlungsstränge ergänzen sich im Laufe der Geschichte immer mehr und erzählen anhand von fiktiven Figuren, das Schicksal des historisch verbürgten Matrosen Ned Brooks nach, was dem Buch einen sehr eindrücklichen Rahmen verleiht. Mich hat dieses Buch völlig in seinen Bann gezogen. Ich konnte wunderbar in das London von Dickens und Conan Doyle eintauchen und habe richtig Lust bekommen, noch mehr davon zu lesen. Die Figuren sind sehr liebevoll und glaubhaft charakterisiert. Es ist dem Autor sehr schön gelungen Celia, als junges Mädchen noch nicht so ausgereift wirken zu lassen, während man sehr nahe am schon etwas reiferen Rupert Ingram dran ist und sein Hadern mit seiner persönlichen Situation sehr gut nachempfinden kann. Mir hat auch sehr gut gefallen, dass Tom Finnek sehr viele historische Informationen ganz natürlich einfließen lässt. Wenn man mehr wissen möchte, kann man sich in einem ausführlichen Glossar hinten im Buch informieren, das auch durch einen zeitgenössischen Stadtplan ergänzt wird. Von mir erhält dieses Buch seltene 5 Sterne und eine Empfehlung für London Fans und Liebhaber spannender und gut recherchierter historischer Romane.

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  • Vor dem Abgrund

    Vor dem Abgrund
    AgnesM

    AgnesM

    London 1888: Armut, Dreck und Gestank, Prostitution und eine hohe Kriminalitätsrate bestimmen den Alltag in East End. Die Menschen versuchen irgendwie zu überleben, durch den Tag zu kommen und manch einer wendet sich entweder an die behilfliche Heilsarmee oder ertränkt seinen Frust und Kummer im Alkohol. Die junge Celia Brooks, frisch in London eingetroffen, ist fasziniert von der Stadt und hofft in dieser ihren Vater zu finden, welcher sich vor Jahren aus dem Staub gemacht hat. Ihre Mutter ist vor kurzem an einer schweren Krankheit verstorben und da Celia niemanden hat, macht sie sich die Hoffnung, dass ihr Vater vielleicht doch wieder Interesse an ihr und den Geschwistern zeigen und sie unterstützen könnte. Sie weiß das er als Seemann gearbeitet und die unterschiedlichsten Routen befahren hat, doch ein Hinweis darauf, dass Ned Brooks sich womöglich in London aufhält, treibt Celia in die aufregende Stadt. Währenddessen verschlägt es den reichen Hotelierssohn Rupert Ingram immer wieder in die dunklen und verdorbenen Straßen Londons auf der Suche nach Abwechslung, Alkohol, Drogen und Sex. Er ist weder von seiner familiären Stellung begeistert noch von seiner bevorstehenden Hochzeit mit einer Frau, die ihn überhaupt nicht interessiert. Es handelt sich hierbei eher um eine geschäftliche Verbindung, die auf Wunsch seines Vaters getätigt wird. Anstatt in den feinen Kreisen zu verkehren, verbringt er lieber Zeit mit Simeon Solomon, einem gefallenen und alkoholabhängigen Künstler, treibt sich in Kneipen rum und lässt seiner rebellischen Ader freien Lauf. Nach und nach werden die Handlungsstränge, die Charaktere, die Gegenwart und die Vergangenheit zusammengefügt. In den Kapiteln erfährt der Leser die Geschichten und die Gedankengänge der Protagonisten aus den unterschiedlichen Blickwinkeln, bis sich zum Ende hin das Puzzle zusammenfügt und der Leser weiß wie die Beziehungen der Protagonisten zueinander sind und was sich wirklich ereignet hat. Zudem erfährt der Leser viele geschichtliche Hintergründe, wie z.b. wie die Heilsarmee funktioniert und wer der Heilsarmee einen Strich durch die Rechnung machen wollte und das Jack the Ripper sein Unwesen getrieben hat. Ein bildgewaltiges, abwechslungsreiches und spannendes Buch, welches durch einen angenehmen Schreibstil besticht und alles hat was das Leserherz begehrt.

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    • 2
  • Schicksalshafte Begegnungen im East End

    Vor dem Abgrund
    Betsy

    Betsy

    26. May 2015 um 17:30

    Im Herbst 1888 kommen zwei junge Menschen ins East End, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Die verarmte Celia Brooks versucht verzweifelt, ihren Vater zu finden. Der Hotelierssohn Rupert Ingram will nur seine Pflichten im sündigen Treiben vergessen. Doch im East End hat alles seinen Preis, Antworten ebenso wie das Vergessen. Und während die Huren ihre Dienste feilbieten und ein Mörder namens Jack the Ripper in den Schatten lauert, stoßen Celia und Rupert auf Geheimnisse, die ihr Leben für immer verändern Die Geschichte erzählt aus 3 Perspektiven. Aus der Sicht von Celia Brooks, Rupert Ingram und Ned Brooks (Celias Vater). Wobei das Hauptaugenmerk auf Celia und Rupert liegt, während Ned nur quasi am Rande kurz sein Leben der letzten Jahre beschreibt. Celia und Rupert treffen sich das erste Mal am Bahnhof und dies wird nicht die letzte Begegnung der Beiden sein. Sie sind umgeben von Personen (Prostituierten, Säufern, Angehörigen der Heilsarmee, Gastwirte,...) die sie unwissentlich immer näher zueinander bringen und letztendlich kommen Geheimnisse ans Licht, die beide so nicht erwartet hätten. Im Hintergrund immer die Opfer und die Jagd nach Jack the Ripper. Vorherrschende Themen sind die Familie und die Geheimnisse, die man innerhalb dieser bewahrt bzw. totschweigt. Die Protagonisten müssen im Laufe der Geschichte lernen damit umzugehen und erfahren überdies wozu man in bestimmten Situationen fähig ist, wenn es um alles oder nichts geht. Die Geschichte entwickelt sich relativ ruhig und beginnt mit einem guten Einblick in das Leben von Celia und Rupert, sowie dem alltäglichem Leben in London selbst zu jener Zeit, mit all dem menschlichen Abschaum und hygienischen Bedingungen. Erst im Laufe der Geschichte wird deutlich, dass alles irgendwie zusammenhängt, allerdings ohne großartiger Romantik oder nervenaufreibender Spannung, dafür mit der Frage, ob es sich wirklich immer lohnt in der Vergangenheit herumzuwühlen. Fazit: Eine gut konstruierte Handlung, die gleichermaßen mit Fikton und Realität spielt und eine Geschichte bildet, die den Leser in die Zeit Jack the Rippers entführt. Trotz der vielen wirklich anschaulich beschriebenen Personen und Orte, sowie der Entwicklung der einzelnen Handlungsfäden, die am Ende schlüssig zusammenlaufen, blieb das Buch doch etwas unspektakulär. Im Großen und Ganzen geht es einfach um Geheimnisse innerhalb von Familien und dem Umgehen mit diesen. Nicht schlecht, aber auch nicht großartig genug für mehr als 3 Sterne.

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  • Willkommen im Londoner East End

    Vor dem Abgrund
    kubine

    kubine

    London 1888: Der Bau der Tower Bridge ist im vollem Gange, die Industrialisierung lässt in London Fabriken aus dem Boden wachsen, Emigranten aller Herren Länder strömen in die Stadt, Kuriositätenkabinetts bieten der Bevölkerung für relativ wenig Geld Unterhaltung und im East End treibt Jack the Ripper sein Unwesen. Ausgerechnet hier macht sich die 16-jährige Celia nach dem Tod der Mutter auf die Suche nach ihrem Vater. Dieser ist ein paar Jahre zuvor spurlos verschwunden und der einzige Anhaltspunkt ist eine Postkarte mit einer Adresse. Doch die führt ins Leere. Erst mit Hilfe neu gewonnener Freunde gelingt es Celia, Licht in das dunkle Schicksal ihres Vater zu bringen und nebenbei erfährt sie auch noch etwas aus dem Leben ihrer Mutter. Doch wird sie ihren Vater wirklich wieder finden? Zur gleichen Zeit hadert auch Rupert Ingram mit seinem Schicksal. Als jüngster Hotelierssohn soll er standesgemäß und gewinnbringend heiraten. Seine persönlichen Gefühle sind dabei zweitrangig, sein persönliches Glück kann er nach der Hochzeit auch außerhalb des Ehebettes suchen, solange er sich diskret verhält. Doch Rupert widert diese Doppelmoral an. Um diesen gesellschaftlichen Zwängen zu entfliehen, treibt er sich in jeder freien Minute im East End herum. Was anfangs ein großer Spaß ist, öffnet ihm aber nach und nach die Augen, über das was wirklich zählt. Doch wird es ihm gelingen, dauerhaft aus dem vorgesehenen Lebensweg auszubrechen? Denkt man an London am Ende des 19. Jahrhunderts, denkt man an Sherlock Holmes und Jack the Ripper. Vielleicht noch an die technischen Errungenschaften wie Tower Bridge und U-Bahn, die man heute noch bewundern kann und die damals Meilensteine des Fortschritts waren. Die Schicksale des einzelnen verblassen, sind aus dem kollektiven Gedächtnis gestrichen. Höchstens schemenhaft, hinter dem Nebel hervorblitzend, hat man eine vage Vorstellung. Tom Finnek holt diese Epoche aus diesem Nebel ans Licht. In einem sehr gut recherchierten, atmosphärisch dichten und komplexen Roman, verwebt er Fakten und Fiktion sehr gekonnt zu einem stimmigen Ganzen, das den Leser mitnimmt auf eine Zeitreise und das einem das heutige London mit anderen Augen sehen lässt. Die Geschichte ist zum Großteil angesiedelt im Londoner East End, dass noch heute mit den grausamen Morden von Jack the Ripper assoziiert wird. Der Serienkiller war aber nicht das Ausgangsthema, dass den Autor zu seinem Roman inspirierte. Natürlich gibt es Berührungspunkte, aber sein Hauptaugenmerk liegt auf dem normalen Leben in diesem Viertel. Ausgangspunkt für das Buch war ein Zeitungsartikel über einen damals Aufsehen erregenden Gerichtsfall, der heute vergessen ist. Dieser Fall spielt im Buch nur eine kleine Rolle, aber er ist das Gerüst, um das die Geschichte von Celia und Rupert gewebt wurde. Beide Protagonisten sind hervorragend gezeichnet. Celia, das erst 16-jährige Mädchen, ist anfangs eingeschüchtert von der Großstadt, ängstlich und zugleich sehr willensstark. Was sie sich in den Kopf setzt, zieht sie durch. Im Gegensatz zu Rupert. Zwar rebelliert er mit seinen Ausflügen in das Armenviertel gegen konventionelle Zwänge, aber das das alles kein Spiel ist, muss er auf harte Weise lernen. Beide Protagonisten machen im Laufe der Geschichte eine erstaunliche Wandlung durch. Ihnen zur Seite werden historische Personen gestellt, die tatsächlich gelebt haben. Ob Eva Booth von der Heilsarmee, der Maler Simeon Solomon oder Mary Jane Kelly – sie und andere Berühmtheiten der damaligen Zeit haben ihren Platz im Buch. Doch nicht nur die handelnden Personen sind realistisch dargestellt, die Beschreibung des handelnden Orte sieht man beim Lesen förmlich vor sich. Ob die Gebäude am Picadilly, Southwark oder Plätze und Straßen des East Ends sind so genau beschrieben, dass man sie (sofern es sie heute noch gibt), sofort wiedererkennen würde. Die akribische Recherche des Autors zeigt sich auch immer wieder im Buch. Er spielt mit Theorien der Ripper-Morde, reale Begebenheiten werden fiktionalisiert mit eingewoben, so dass die Grenzen zwischen Fiktion und Realität vor dem Auge des Lesers verschwimmen. Viele kleine Geheimnisse gilt es nicht nur für Celia und Rupert zu lüften. Dadurch wird ein kontinuierlich steigender Spannungsbogen geschaffen, der kurz vor Schluss seinen Höhepunkt erreicht. Ein grandioser Epilog, in dem die wahren Hintergründe nochmal erklärt werden und ein Blick in die fiktionale Zukunft der Protagonisten geworfen wird, runden die Geschichte gekonnt ab, so dass keine Frage offen bleibt. Für Autoren wie Tom Finnek müsste die Bewertungsskala erweitert werden. Da das aber unwahrscheinlich ist, gebe ich mit gutem Gewissen 5 mehr als verdiente Sterne und lege das Buch jeder Leseratte wärmstens ans Herz.

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    • 3
  • Spannender historischer Roman!

    Vor dem Abgrund
    Traeumeline

    Traeumeline

    16. May 2015 um 19:34

    Das East End 1888 in London. Ein Nadelöhr der Kriminalität, Prostitution und Armut. Die Heilsarmee ist im Auftrag des Herrn unterwegs und hilft diesen Menschen, so gut sie können. Außerdem ist da noch Jack the Ripper, der die Stadt in eine Ohnmacht versetzt. Da ist Celia Brooks, auf der Suche nach ihrem Vater. Obwohl sie ihn nicht in guter Erinnerung hat, möchte sie dennoch heraus finden, was mit ihm geschehen ist. Die Worte ihrer Mutter - Hüte dich vor ihm, er ist ein Teufel! - hallen ihr in den Ohren. Mit ihrem letzten Geld macht sie sich auf den Weg nach London und landet im East End. Und da ist Rupert Ingram. Reicher Hotel-Sohn, ohne wirkliche Perspektive im Leben, aber einem enormen Alkohol- und Drogenkonsum, den das East End magisch anzieht. Die beiden treffen bei einer Kundgebung der Heilsarmee aufeinander und man ahnt, dass dies nicht die letzte Begegnung in dieser Geschichte sein wird. Dieses Buch ist hervorragend recherchiert, Fiktion und historische Fakten sind sorgsam zusammengeführt geworden, sodass es zu keinerlei Verwirrung sondern eher zu einer gewissen Glaubhaftigkeit der Geschichte kommt. Im Quellenverzeichnis stolpert man über die ein oder andere historische Persönlichkeit, die im Buch vorkommt. Mich hat das Buch sehr gut unterhalten, denn es war mal eine "andere" historische Geschichte. Diese könnte sich sogar gewiss so abgespielt haben, das macht sie so authentisch. Hier und da ein paar Längen, was dem Ganzen aber keinen Abbruch tut.

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