Tom Franklin Die Gefürchteten

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Inhaltsangabe zu „Die Gefürchteten“ von Tom Franklin

Ein erbarmungsloser Thriller um Rache und Vergeltung
Alabama, 1897. Nachdem ein Kaufmann unter unglücklichen Umständen ums Leben kam, gründet der Schwager des Ermordeten eine Bande und überzieht wie ein Racheengel das Land mit Terror und Tod. Ein einsamer Mann macht sich auf den Weg, den Mördern Einhalt zu gebieten.

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  • Sweet Home Alabama.

    Die Gefürchteten

    Gulan

    15. April 2017 um 20:55

    „Und wenn sie mich fragen?“ „Dann sagst du einfach, du weißt nichts über die Sache.“ „Ich kann nicht so gut lügen wie du.“ „Jetzt pass mal auf“, sagte William. „Der, auf den's ankommt, muss dem Lügner die Lüge glauben. Dann ist es keine Lüge mehr. Dann ist es die Wahrheit. Für dich und mich ist Gottes Wahrheit von jetzt an, dass wir absolut nichts über den Mord an Arch Bedsole wissen. (S.88) In einer ländlichen Gegend namens Mitcham Beat in Alabama im Jahre 1897 wird der aufstrebende und beliebte Ladenbesitzer und Lokalpolitiker Arch Bedsole mehr oder weniger zufällig bei einem Überfall erschossen. Sein Cousin Tooch schart einige Bekannte und Unzufriedene um sich, um dessen Tod zu rächen und um es den „Städtern“ der nächstgrößeren Kleinstadt Grove Hill mal so richtig zu zeigen. Und vielleicht auch, um ein paar Dollars einzusacken. So wird dann auch der Geheimbund „Hell-at-the-Breech“ gegründet, der fortan sein Unwesen treibt. Die Bande terrorisiert die Gegend, verübt Überfälle, Brandstiftungen, begeht die ersten Morde. Vor allem duldet sie keinen Widerspruch unter der Landbevölkerung. Wer nicht mitmacht, muss wenigstens ein Alibi abgeben, ansonsten ist er seines Lebens nicht mehr sicher. Als die Nachricht vom Mord am Farmer Anderson bis nach Grove Hill dringt, bleibt dem alternden und trinkenden Sheriff Billy Waite nichts anderes übrig, als sich der Sache anzunehmen. Doch man traut ihm nicht mehr so richtig etwas zu, auch nicht sein Cousin Oscar York, der örtliche Richter. Oscar hat sogar schon jemanden als Deputy im Auge, Ardy Grant, der Billy womöglich auch bald als Sheriff beerben könnte. Doch dieser Ardy Grant ist nicht der, der er ausgibt zu sein. Um ganz sicherzugehen, dass er auch wirklich tot war, nahm Ardy Carlos' Schrotflinte, fuhr mit dem Lauf unter James' Haarschopf und presste die Mündung gegen den Schädelansatz. Dann drückte er ab, und der Kopf zerplatzte wie eine Melone. Ardy stand da und horchte. Was für eine stille Welt. Er schaute nach oben, in die Welt hinein. Er fühlte sich, als wäre er von irgendetwas der Mittelpunkt. Die Krähe war weggeflogen, sonst hätte er auch sie erschossen. (S.322) In weiten Teilen des Buches wird aber die Geschichte von Mack Burke erzählt, einem jungen Waisen, der zusammen mit seinem Bruder William bei der alten Hebamme und Witwe Gates aufwächst. Mack und William begehen einen ungeschickten Überfall auf Arch Bledsoe, bei dem dieser versehentlich stirbt, und lösen damit ungewollt die weiteren Ereignisse aus. Als er fünfzehn ist, wird er zu Tooch Bledsoe in dessen Laden als Helfer geschickt, um die Schulden der Witwe abzuarbeiten. Sein volljähriger Bruder schließt sich der Bande an. Mack wird zunächst ein stiller und heimlicher Beobachter der Ereignisse, doch als er sechzehn wird, kann er Teil von Toochs Bande werden. Die Geschichte um die „Hell-At-The-Breach“-Bande hat einen wahren Hintergrund, doch Autor Tom Franklin verweist in einer Vorbemerkung darauf, dass er sich erhebliche fiktionale Freiheiten genommen habe. Franklin stammt selbst aus Alabama. Im Klappentext steht, dass seine Eltern eine Kirche gründeten, in der Wunderheilungen und Teufelsaustreibungen üblich waren. „Die Gefürchteten“ war sein erster Roman und ist bis jetzt der einzige ins Deutsche übersetzte. Für 2017 ist allerdings der Titel „Smonk: Stadt der Witwen“ bei Pulp Master angekündigt. Alabama, eigentlich die gesamten Südstaaten, sind in den Jahrzehnten nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg wirtschaftlich und moralisch am Boden. Der Krieg hat die Wirtschaft des Südens zerstört, die Abschaffung der Sklaverei das Wirtschaftsmodell. Nun schuften die meisten als arme Pachtbauern, immer am Rande oder sogar unterhalb des Existenzminimums. Es entstehen Konflikte mit den vermeintlich reicheren Städtern. Doch in Wahrheit profitieren in diesen Zeiten nur ganz wenige. In dieser Atmosphäre sind Ausbrüche der Gewalt nicht überraschend. Tom Franklin erzählt die Geschichte mit einem eindrucksvollen Gespür für Stimmung und Details. Beispielsweise die ärmlichen, windschiefen Hütten der Farmer, oder die harte Arbeit auf den Baumwollfeldern. Franklin kreiert ein absolut stimmiges Setting in bester Tradition der Südstaaten-Autoren. Beim Plot nimmt er ausreichend Zeit für bestimmte Szenen und Figuren, um aber auch wieder anschließend das Tempo anzuziehen. Es geht um Rache und Vergeltung, um Armut, Gewalt und das Recht des Stärkeren, oft als Freiheit missinterpretiert. Daneben beinhaltet der Roman aber auch die Coming-Of-Age-Story des jungen Mack und die Geschichte eines alternden Sheriffs, der seinen Alkohol, seine Lethargie und Selbstzweifel überwindet, um noch einmal für Recht und Ordnung zu sorgen. Schließlich ist „Die Gefürchteten“ aber auch durchaus ein Noir. Es entsteht eine Spirale der Gewalt, die sich immer weiter dreht, bis am Ende auch die vermeintlich gute Seite mit blutigen Händen da steht. Insgesamt ein absolut lesenswerter Roman.

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    • 7
  • Ein spannender Western mit inhaltlichem und sprachlichem Tiefgang

    Die Gefürchteten

    WolffRump

    02. August 2013 um 18:17

    Autor: Tom Franklin ist ein Literaturprofessor aus Mississippi, der unter Kritikern als vielversprechendes Talent der jüngeren amerikanischen Literatur gilt. Genre: Südstaaten-Western Umfang: ca. 400 Seiten (Print) Inhalt: Alabama, Ende des 19. Jahrhunderts. Zwei Farmerjungen überfallen in einem abgelegenen Landstrich einen wohlhabenden Kaufmann, um an das Geld für ihren ersten Bordellbesuch zu kommen. Der halbherzig ausgeführte Raub mißlingt und der Kaufmann wird unabsichtlich tödlich verletzt. Ein enger Verwandter des Opfers ruft eine Gruppe von Männern ins Leben, die sich zum Ziel setzt, den Täter zu jagen und zur Strecke zu bringen. Aus diesem Bündnis, das sich auch verpflichtet, arme Landpächter gegenüber ausbeuterischen Städtern (Grundbesitzer, Kreditgeber) zu verteidigen, entwickelt sich schließlich eine Bande, die Kaufleute und Farmer gleichermaßen überfällt und sie zwingt, sich ihrer Gemeinschaft anzuschließen. Wer sich widersetzt, wird getötet. Da niemand weiß, dass sie für den auslösenden Mord verantwortlich sind, werden auch die beiden Jugendlichen angeworben. Ein alternder Sheriff versucht, der Bande Einhalt zu gebieten, die den gesamten Bezirk terrorisiert und die Farmer in Angst und Schrecken versetzt. Als dies nicht gelingt, ruft der Richter des Ortes eine Bürgerwehr ins Leben, die er unter den Befehl eines eiskalten Killers stellt. Die Bürgerwehr kann die Bandenmitglieder stellen. Bevor ihnen dies allerdings gelingt, töten sie zahlreiche Unschuldige, die sie irrtümlich für Bandenmitglieder halten. Der Sheriff stellt sich dem lynchenden Mob und der Bande entgegen. Das sozialkritische Thema des Romans ist gerade in den USA auch heute noch hochaktuell. Viele kleinere Landwirte haben ihre Farmen für Bankkredite verpfändet und müssen diese an die Gläubiger abtreten, da sie die Kredite nicht mehr bedienen können. Foreclosure-Schilder (dt. 'Zwangsvollstreckung') sind nicht nur in den Agrargebieten der USA so häufig wie die Reklametafeln der Werbeindustrie. Drei Millionen Hauseigentümer haben 2011 in den USA Vollstreckungsurteile erhalten. Perspektive: Überwiegend wechselnde personale Perspektiven der wichtigsten Figuren. Erzählzeit: Vergangenheit Setting: Die Geschichte spielt in einem entlegenen Landstrich in der Nähe von Alabama – den sogenannten Mitcham Beats. Die Beschreibungen der Settings sind detailliert, plastisch und wirken absolut authentisch. Der Leser kann sich sehr gut in die unterentwickelte Agrarlandschaft der Südstaaten zum Ende des 19. Jahrhunderts hinein versetzen. Das Land verlangt seinen Bewohnern alles ab und wirkt genauso gewalttätig und lebensverachtend wie die Gesellschaft aus Farmern, Knechten und kleinen Kaufleuten, die ihm das wenige abringen, was sie am Leben hält. Historischer Hintergrund: Der Roman basiert auf einem historischen Ereignis, das als The Mitcham War of Clarke County in die Geschichte der amerikanischen Südstaaten eingegangen ist. Der Konflikt zwischen wohlhabenden Städtern, die die arme Landbevölkerung ausbeuteten und Farmern, die keinen Ausweg aus ihrer Situation sahen, als sich in Banden zusammenzuschließen, nahm Ende der 1890er bürgerkriegsähnliche Ausmaße an. Gewaltausbrüche zwischen Stadtbewohnern und der Landbevölkerung von Clarke County wurden bis in die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts verzeichnet, das Misstrauen hielt weit darüber hinaus bis in die 70er Jahre an. Struktur und Spannungsbogen: Der Autor lässt den Leser daran teilhaben, wie sich ein fehlgeschlagener Jungenstreich in einer Gesellschaft, die sich durch Misstrauen, Brutalität und grenzenlose Ausbeutung auszeichnet, fast zu einem Bürgerkrieg auswächst. Franklin versucht keinen belehrenden historischen Abriss zu zeichnen, auch wenn ihn das o. g. reale Ereignis zu seiner Geschichte inspiriert hat. Er fokussiert sich auf die sozialen Aspekte, die den für Außenstehende unfassbaren Ausbruch von Gewalt ermöglicht haben. Franklin verfolgt das Schicksal einiger weniger Menschen, die sich immer mehr in die ausufernden Konflikte verstricken, bis sich die Spannungen in einer bürgerkriegsähnlichen Eruption entfesseln. Der Höhepunkt der Geschichte ist außerordentlich gewalttätig, aber im Gegensatz zu vielen Serienthrillern, ist hier die Gewalt kein losgelöster Selbstzweck, der schockverwöhnte Leser befriedigen soll. Sie ist tief in den Figuren und ihrer Historie verankert und jederzeit glaubwürdig. Charaktere: Es gibt in dieser Geschichte keinen singulären Protagonisten oder Antagonisten. Eine besondere Bedeutung kommt jedoch der unschuldigsten Figur des Romans zu, dem sensiblen Waisenjungen Mack, der aus Nervosität seine Pistole auf einen Mann abfeuert und damit den Funken liefert, an dem sich das Drama entzündet. Die Figur ist mit großem Empathiepotential ausgestattet, ohne dabei kitschig zu wirken. Der Leser folgt in der Story weitgehend Mack durch das Grauen, das ihn aus seiner kindlichen Unschuld zerrt. Wohin er auch blickt, herrscht blanke Gewalt. Tiere werden wie selbstverständlich gequält oder getötet, Kinder werden von ihren Vätern wie Sklaven gehalten und behandelt und selbst die Natur trachtet den Menschen in Form von giftigen Tieren, Missernten und unwegsamem Gelände nach dem Leben. Gewalt ist die einzige Form der Kommunikation, sowohl gegenüber der Familie, als auch gegenüber denjenigen, die das eigene Überleben gefährden. Wer in diese Welt hineingeboren wird, ist ihr schutzlos ausgeliefert und macht sich früher oder später ihre Gesetzmäßigkeiten selbst zu eigen. Die Spirale der Gewalt scheint endlos und nur wenige versuchen ihr zu widerstehen, doch selbst sie bekommen blutige Hände und töten, um den Tod aufzuhalten. Der Sheriff, Waite, ist eine solche protagonistische Figur. Er betäubt sein Grauen mit Whiskey und verkörpert dennoch die Stimme der Vernunft. Doch seine Vernunft wird ihm in einer Gesellschaft, die nur die Sprache von Strafe und Rache kennt, als Schwäche ausgelegt. Dennoch versucht er als Einziger zu deeskalieren und die Zügel wieder in die Hand zu bekommen, um das Schlimmste zu verhindern. Eine weiterer wichtiger protagonistischer Charakter ist Granny, eine Witwe, die als Hebamme fast jede Figur der Story auf die Welt geholt hat und mit ansehen muss, wie die Gier das Wenige zerstört, das die Menschen in dieser lebensfeindlichen Umgebung noch zusammenhält. Sie hat Gute wie Schlechte aus dem Mutterleib auf die Welt gezerrt und war selbst bei den Waisenkindern, die sie aufgezogen hat, nicht in der Lage, ihnen den notwendigen Schutz zu gewähren. Auch sie ist kein sentimentaler Charakter, auch sie hat Blut an den Händen. Sie tötet u. a. mit selbstverständlicher Regelmäßigkeit die Welpen ihrer Hündin oder fordert ihre Pflegekinder dazu auf. Antagonistischen Figuren wie den Killern Lev und Ardy sowie Tooch als Drahtzieher der Hell-at-the-Breech – Bande fällt es leicht, in diesem Klima unter dem Mantel von Phrasen Anhänger zu gewinnen und ihre eigenen Ziele zu verfolgen. Sprache/Duktus: Tom Franklin verwendet eine einfach strukturierte, aber ungemein bildhafte Sprache, um den Kosmos zu entwerfen, in dem sich die Geschichte abspielt. Viele europäische Romane leiden unter dem umgekehrten Phänomen. Kritikpunkt: Gerade in der ersten Hälfte des Romans wirkt der Sprachrhythmus zu ruhig und abgeklärt, um die kochenden Emotionen und die Verzweiflung der protagonistischen Kräfte angemessen zu transportieren. Der Inhalt ist grausam, aber der Autor blickt über weite Strecken mit der Abgeklärtheit eines Sachbuchautors auf das Schlachtfeld, das sich vor ihm ausbreitet. Die Bildersprache und das hierdurch angestoßene Kopfkino sind eine Stärke des Romans, während die Beschreibung der psychischen Seite der Figuren sprachlich nicht ganz an diese hohe Qualitätsvorgabe anknüpfen kann. Es ist durchaus möglich, dass die Übersetzung den Roman Sprachkraft gekostet hat. Wenn ich das engl. Original in die Hände bekomme, kann ich hierzu mehr sagen. Fazit: ‚Die Gefürchteten’ ist ein spannender Western mit inhaltlichem und sprachlichem Tiefgang. Figuren, Setting und Handlung wirken gleichermaßen authentisch und unterstützen sich gegenseitig. Die ungeheuere Härte des Inhalts wird manchen Leser abstoßen, doch wer sich mit dem historischen Fall, an den der Roman lose anknüpft, vertraut gemacht hat oder vergleichbare Zeitzeugenberichte aus der Pionierzeit gelesen hat, wird dem Autor kaum widersprechen können. Die geschilderten Vorfälle sind in dieser Form durch eine Vielzahl von historischen Dokumenten belegt. Und abgesehen davon hilft ein kurzer Blick in die jüngere Geschichte, um uns der Illusion, dass die Lehren aus der Vergangenheit uns heute einen moralisch überlegenen Rückblick auf unsere Vorväter ermöglichen, zu berauben. Gegen die Bürgerkriege in Jugoslawien, mit ihren bis heute andauernden Nachwirkungen und Spannungen, liest sich ‚Die Gefürchteten’ vergleichsweise harmlos. Und das ist nur ein Beispiel. Tom Franklin zeigt in seinem Roman eindrucksvoll auf, dass ein winziger ‚Spark’ ausreicht, um in einer hinreichend ungebildeten und gewaltbereiten Gesellschaft jeden Menschen mit dem Wundbrand des Hasses zu infizieren. Wenige können viele aufhetzen und mit den fadenscheinigsten Argumenten in den Tod treiben. Es geht immer um Macht und es geht immer um Geld. Und es geht immer um beides für wenige. Wir kennen alle die Schlagworte, die im historischen oder aktuellen politischen Kontext herangezogen wurden und werden, um die einen gegen die anderen in die Schlacht zu führen. Lebensraum, Ressourcen, Rasse, Religion oder die Bedrohung durch (eingebildete) ‚Massenvernichtungswaffen’ sind nur einige dieser Begriffe, die jeden von uns auch in den nächsten tausend Jahren noch veranlassen werden, uns auf die eine oder andere Seite zu stellen und einigen wenigen in die Hand zu spielen. Insofern ist das Südstaaten-Westerndrama hochaktuell und wird es leider auch bleiben. Die Umsetzung des Themas ist bis auf den z. T. zu trockenen sprachlichen Ausdruck gut gelungen. Eine empfehlenswerte Lektüre selbst für Westernphobiker.

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  • Rezension zu "Die Gefürchteten" von Tom Franklin

    Die Gefürchteten

    Archibald Pynchon-Light

    02. April 2011 um 17:53

    1897 wird in Alabama ein angehender Politiker bei einem Überfall versehentlich erschossen. Der Mord heizt die ohnehin angespannte Atmosphäre in der Gegend noch an. Fronten bilden sich zwischen den Städtern und der Landbevölkerung. Die armen Landpächter leben trotz harter Knochenarbeit der gesamten Familie am Existenzminimum und schauen neidisch auf die vermeintlich reichen Städter. Die Freunde und Verwandte des Ermordeten, meist verarmte Farmer, gründen zu ihrem Schutz einen Geheimbund. Doch diese Gruppe beginnt schnell, die gesamte Gegend zu terrorisieren. Wer sich den Vigilanten nicht anschließen will, wird gnadenlos von einem Land vertrieben. Auch vor Mord schreckt man bald nicht mehr zurück. Die Städter engagieren einen eigenen Revolvermann, der sich als psychopathischer Killer entpuppt und bei seinen Opfern nicht wählerisch ist. Ein alter Sheriff, der eigentlich nur noch seinen baldigen Ruhestand genießen möchte, wird immer tiefer in diesen drohenden Bürgerkrieg verstrickt und muss schließlich Stellung beziehen. Die Geschichte soll auf tatsächlichen Begebenheiten beruhen und die Existenz der Hell-at-the-Breech-Bande sei historisch verbürgt. Wie frei hier mit den Fakten gearbeitet wurde, ist schwer zu beurteilen, aber das deprimierende Alltagsleben, die Armut und die Angst, in der die Menschen ständig leben, wird so bedrückend geschildert, dass man häufig kräftig schlucken muss. Der Schnaps fließt in diesem Buch zwar in Strömen, aber nur ganz selten zum Genuss, öfter zur Betäubung und um das eigene Schicksal ertragen zu können. Der Roman ist ein klassischer Western. Hart, unsentimental und ohne jegliche Wildwest-Romantik. Der Sheriff fühlt sich zu alt für seinen Job und will von Heldentaten nichts wissen. Die beiden Mörder vom Beginn des Romans sind Jugendliche, die sich Geld für ihren ersten Bordellbesuch beschaffen wollten, und zumindest einer von ihnen wird von der Schuld innerlich zerfressen. Die Atmosphäre ist vergleichbar mit der roh-realistischen Darstellung des wirklich wilden Westens in Eastwoods „Erbarmungslos“ oder der hervorragenden TV-Serie „Deadwood“. Wer schon alles von Cormac McCarthy und Larry McMurtry gelesen hat, findet hier gleichwertigen Nachschub und wird nach der Lektüre den Lobeshymnen von Philip Roth und Richard Ford auf dem Cover beipflichten.

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