Tom Goeller

 4.3 Sterne bei 3 Bewertungen
Autor von Der alte Fritz und Freimaurer.

Alle Bücher von Tom Goeller

Der alte Fritz

Der alte Fritz

 (3)
Erschienen am 12.10.2011
Freimaurer

Freimaurer

 (0)
Erschienen am 24.02.2014

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Bellis-Perenniss avatar

Rezension zu "Der alte Fritz" von Tom Goeller

Soldatenkönig oder Musicus oder "Aufgeklärter Konservativer"?
Bellis-Perennisvor 2 Jahren

Journalist und Autor Tom Goeller nähert sich dem „alten Fritz“ bedächtig an. In drei Themengruppen „Mensch - Monarch – Mythos“ betrachtet er den König von Preußen. Die Vorgeschichte, wie Preußen ein Königreich wird, darf auch nicht fehlen. Dies ist zum besseren Verständnis notwendig, genau wie die Beleuchtung Fritzens Umfelds.

Der Themenbereich „Mensch“ umfasst die problematische Beziehung zu seinem Vater Friedrich Wilhelm, der von seinem Sohn nichts, aber auch gar nichts hält und ihn mit despotischer Gewalt drangsaliert. Friedrich ist musikalisch und den schönen Künsten nicht abgeneigt. Dies wird ihm beinahe zum Verhängnis genauso wie seine Freundschaft zu Hans Hermann von Katte, den Friedrich Wilhelm vor den Augen seines Sohnes hinrichten lässt. Sehr aufschlussreich ist der erhaltene Tagesablauf mit dem der kleine bzw. junge Fritz gequält wurde.

Der zweite Bereich „Monarch“ umfasst nicht nur Fritzens Wirken als König in Preußen sondern auch sein Verhältnis zu den Mächtigen seiner Zeit. Als Erzfeind von Österreich unter Maria Theresia geht er als „Soldatenkönig“ und siegreicher Feldherr in die Annalen der Geschichte ein. Friedrich ist ein kluger Stratege, der auch im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg durch die Entsendung von Soldaten mitmischt.
Neben seinen kriegerischen Ambitionen legt er den Grundstein für die sprichwörtlich „Preußische Gründlichkeit“. Er reformiert den Staat, lehnt die Verschwendungssucht ab und zieht sich am liebsten in die Einsamkeit seines Schlosses „Sanssouci“ zurück.

Im dritten Abschnitt „Mythos“ behandelt der Autor vor allem die Vereinnahmung durch die Nazis bzw. Politik der DDR. So lässt Goeller auch die DDR-Historikerin Ingrid Mittenzwei zu Wort kommen. Auch das Histörchen, dass er einen Erdäpfelacker von Soldaten bewachen ließ, um der Bevölkerung die „Kostbarkeit“ vor Augen zu führen, trägt zu seinem Mythos bei. (Ähnliche wird auch Maria Theresia zugeschrieben.)

Gut gefallen hat mir, dass Tom Goeller nicht wertet, sondern Zahlen. Daten und Fakten verarbeitet. Sehr aufschlussreich sind die vielen Zitate und Briefe. Wie es sich für einen Monarchen dieser Zeit gehörte, sprach (und schrieb) Friedrich kaum deutsch, sondern französisch. Das Unterscheidet ihn stark von seiner Feindin Maria Theresia, die sehr wohl deutsch sprach und korrespondierte.

„Ein absoluter Herrscher, der, als er starb, ein Land hinterließ, das sich trotz erstarkender Wirtschaft und geordneter Verwaltung in einer Systemkrise befand, das nach der Befreiung von feudalen Fesseln und nach Überwindung der ständischen Struktur verlangte. Ein „aufgeklärter Konservativer“.“ (S.303)“

Fazit:

Eine schöne Biographie, die pünktlich zu Friedrich II., 300. Geburtstag im Jahre 2012 erschienen ist.

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Kopf-Kinos avatar

Rezension zu "Der alte Fritz" von Tom Goeller

Portrait einer widersprüchlichen Persönlichkeit
Kopf-Kinovor 2 Jahren

"Zum Wohl der Menschheit muß jeder das Seine tun."

Von den einen gefeiert, von den anderen verdammt – wenn eine der bekanntesten Figur der deutschen Geschichte am meisten polarisiert, dann Friedrich II, auch Friedrich der Große oder der Alte Fritz genannt. So widersprüchlich auch sein Charakter gewesen sein mag, war er an erster Stelle ein Mann mit vielen Facetten: erfolgreicher Feldherr, musischer Schöngeist, geistreicher Philosoph, Aufklärer und Machtmensch. Anlässlich seines 300. Geburtstages erschienen einige Biographien - so auch Tom Goellers 'Der Alte Fritz'.

Mit seinem Buch schafft der Autor eine gute Übersicht über das Leben und Wirken des Mannes, der ab 1740 in und ab 1776 König von Preußen war. Das Besondere an diesem Buch liegt nicht allein im Aufbau des Buches begründet, sondern ebenfalls darin, dass der Autor selten Stellung bezieht – er trug allerlei Meinungen über den Regenten zusammen und lässt somit überwiegend andere zu Worte kommen. Indem Goeller bspw. Politiker zu Friedrichs Bedeutung befragte, wagt er den Sprung ins Heute: Was kann u.a. von ihm gelernt werden? Somit beschreitet Goeller einen neuen Weg der Biographieschreibung, was angesichts der historisch gewählten Persönlichkeit nachvollziehbar ist, befasste Friedrich sich bereits damals mit Themen, die nicht aktueller sein könnten: Folterverbot, Krieg als Mittel der Außenpolitik, Pressefreiheit, Kindestötung, Toleranz und Offenheit gegenüber Einwanderern und deren Religionen.

"Die Religionen Müsen alle Tolleriret werden und Mus der fiscal nuhr das auge darauf haben, das keine der andern abruch Tuhe, den hier mus ein jeder nach Seiner Fasson Selich werden."

(An dieser Stelle sei noch angemerkt, dass Friedrich äußerte, er sei – ganz im Stile des Adels – mehr der französischen als der deutschen Sprache mächtig.)

Die Biographie legt den Schwerpunkt auf drei Kategorien: Mensch, Monarch und Mythos. Unter dem Gesichtspunkt 'Mensch' erfährt der Leser ausführlich von Friedrichs schwierigen Kindheit, wurde er doch von seinem Vater, Friedrich Wilhelm I, brutal gegängelt, aufgrund seines aufsässigen Verhaltens (Friedrich nahm u.a. heimlich Flötenunterricht) inhaftiert und beinahe ermordet. Der bspw. aufgeführte Tagesablauf des jungen Friedrichs gewährt einen guten Einblick in die strenge Erziehung des Vaters. Auf dessen Geheiß wurde sogar Friedrichs enger Freund und Vertrauter Hans Hermann von Katte hingerichtet – und das vor den Augen Friedrichs!Des Weiteren thematisiert Goeller Friedrichs Beziehung zu anderen: Friedrichs Schwestern, Brieffreunde, seine erste Liebe, Friedrichs Gemahlin und Weggefährten (u.a. Voltaire). Auch Friedrichs Begeisterung für Philosophie und Musik kommt hier zum Tragen; so war mir bspw. nicht bewusst, dass die spanische Nationalhymne auf eine von Friedrichs Kompositionen zurückzuführen ist. Im Gegensatz zu den Spekulationen, Friedrich sei homosexuell gewesen, legt Goeller übrigens Wert darauf, ihn als Frauenfreund darzustellen.

Unter der Kategorie 'Monarch' thematisiert Goeller u.a. gut verständlich die Kriege um Schlesien und Friedrichs Feldzüge; auch seinen Feinden, wie bspw. die Hochkonkurrentin Maria Theresia, wurde ein eigenes Kapitel gewidmet. Da Friedrich sich selbst als „erster Diener des Staates“ bezeichnete und sah, erfährt der Leser einiges über Friedrichs Reformen, Taten und Gedanken zu Volk, Moral und Recht. Im Kapitel 'Der Traum eines Einsamen: Sanssouci' kommt Friedrichs Bescheidenheit und Wunsch nach Einsamkeit, in kleiner Runde musizieren und philosophieren zu können zum Tragen. Inwiefern Friedrich an der Amerikanischen Revolution beteiligt war, ist auch hier nachzulesen, ebenso die Reaktion des Volkes auf Friedrichs Tod.

Hat der geneigte Leser sich bis dahin ein Bild von Friedrich gemacht, folgt unter 'Mythos' die Auffassung und Missbrauchs Friedrichs - angefangen von den Nazis bis zur DDR – und der Frage: Wo beginnt die Glorie, wo endet die Legende?

Goellers Sprache ist flott und weist eine gute Leserlichkeit auf; für meinen Geschmack bediente er sich jedoch allzu oft einem Plauderton, wie bspw. „[...] ist sie tatsächlich voll in ihn verknallt.“, der mir nicht zusagte. Wer bislang das Gefühl hatte, Biographien weisen für seinen Geschmack eine „verstaubte Sprachstarre“ auf, ist hiermit sicherlich gut bedient. Ach ja: Da Friedrich sich einer anderen Schriftsprache als der heutigen und überwiegend dem Französischem bediente, sind die Zitate entweder komplett oder ergänzend übersetzt.

Hingegen dazu gefiel mir, dass der Autor meiner Meinung nach bemüht war, eine recht neutrale Biographie ohne Glorifizierung zu schreiben, sprich, das „kleine“ aus dem „großen“ Friedrich herauszusieben. Goeller beleuchtet ebenfalls Schattenseiten. Dies hatte zur Folge, ein lebendiges Bild von Friedrich zu erhalten. Bemerkenswert fand ich außerdem, wie viele Briefe und dergleichen der Autor einbaute. Obgleich dies für eine ausführliche Recherche spricht, möchte ich jedoch nicht unerwähnt lassen, dass Goeller kein Historiker, sondern ein freier Journalist ist. Aus reinem Interesse und persönlicher Neugierde werde ich irgendwann noch eine andere Biographie zum Vergleichen lesen. Für mich nämlich blieben viele Fragen, die mir beim Lesen kamen, offen (ob bspw. Friedrichs grausame Erfahrungen in der Kindheit/Jugend zu seiner späteren Risikobereitschaft geführt haben könnten). Goeller überlässt viele Schlussfolgerungen dem Leser, was natürlich ebenfalls seinen Reiz hat. Somit ist 'Der Alter Fritz' für mich ein Anstoß, um mehr über den Preußenkönig zu lesen und zu erfahren.

Wer einen Einblick in Friedrichs Schaffen, Wirken und Nachhall lesen möchte, kein Problem mit einem durchsickerten Plauderton hat und keinem strickt chronologischem Verlauf scheut, dem sei diese Biographie empfohlen. Über Empfehlungen würde ich mich wiederum sehr freuen!

„Vom Alten Fritz, dem Preußenkönig, / weiß man zwar viel, doch viel zu wenig. / So ist zum Beispiel nicht bekannt, / dass er die Bratkartoffeln erfand! / Drum heißen sie – das ist kein Witz: / Pommes Fritz!“ (Heinz Erhardt)

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Gulans avatar

Rezension zu "Der alte Fritz" von Tom Goeller

Ohne Sorgen?
Gulanvor 3 Jahren

Friedrich der Große wurde 1712 als ältester Sohn König Friedrich Wilhelms I. geboren und bestieg 1740 als Friedrich II. selbst den Thron. Vor allem durch die von ihm erfolgreich bestrittenen „Schlesischen Kriege“ etablierte er Preußen als 5.Großmacht in Europa. Dies und sein Ruf als „aufgeklärter“ Monarch, der sich selbst „als erster Diener des Staates“ bezeichnete, begründet bis heute den ungebrochenen Mythos von Friedrich dem Großen.

„Ein Mann, dessen Denken und Handeln um Großmachtpolitik kreiste, ein „Politiker der Stärke“ […] bar jeden, zu dieser Zeit aufkommenden Nationalgefühls, dessen außenpolitische Linie […] skrupellose Aggressionen verfolgte und die Ideologie des Präventivschlags, des „Not kennt kein Gebot“, in die Geschichte einbrachte. […]

Ein begabter Feldherr, ein Krieger, der seinem Vater folgend, das ganze Land als Feldlager nutzte und ihm im Interesse seiner Großmachtpolitik ungeheure Opfer abverlangte.

Ein intelligenter, vielseitiger und musisch begabter Herrscher, der auf Etikette nichts hielt und brillant zu unterhalten verstand, der – wenn er wollte - „die ganze Welt“ durch Bescheidenheit bezauberte und ...täuschte.

Ein Menschenverächter, der mit zunehmendem Alter immer weniger von der menschlichen „Rasse“ und ihren Fähigkeiten hielt und der das Volk verachtete. […]

Ein absoluter Herrscher, der, als er starb, ein Land hinterließ, das sich trotz erstarkender Wirtschaft und geordneter Verwaltung in einer Systemkrise befand, das nach der Befreiung von feudalen Fesseln und nach Überwindung der ständischen Struktur verlangte. Ein „aufgeklärter Konservativer“.“ (S.303)

So lässt Autor Tom Goeller kurz vor dem Ende der Biografie die DDR-Historikerin Ingrid Mittenzwei treffend den Charakter Friedrichs des Großen zusammenfassen. Tom Goeller selbst ist Politikjournalist und nähert sich Friedrich daher weniger als Historiker, sondern als recherchierender Journalist. Seine Biografie hat er nicht chronologisch aufgebaut, sondern teilt sie in drei Abschnitte: Mensch, Monarch, Mythos. Im umfangreichsten Kapitel „Mensch“ geht der Autor unter anderem auf das gestörte Verhältnis zu seinem Vater, die kolportierte Homosexualität und seine „Hassliebe“ zu Voltaire ein. Bei „Monarch“ schreibt Goeller von Friedrichs Ruf als „Soldatenkönig“, seiner Todfeindin Maria Theresia und seiner selbstgewählten „Einsiedelei“ Sanssouci. Schließlich beschäftigt sich der Autor mit dem „Mythos“ Friedrich, seinem Image im Laufe der Zeit und wie er von verschiedensten Seiten vereinnahmt wurde.

Was mir an der Biografie besonders gefallen hat: Tom Goeller interpretiert möglichst wenig selbst, sondern zeigt den widersprüchlichen Charakter Friedrichs mit Friedrichs eigenen Worten, Originalzitaten von Zeitgenossen sowie Einschätzungen von Anhängern und Gegnern der Vergangenheit und Gegenwart. Heraus kommt ein informatives, gut lesbares und meiner Einschätzung nach ausgewogenes Bild einer schillernden Persönlichkeit der deutschen Historie.

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