Drohnenland

von Tom Hillenbrand 
4,3 Sterne bei82 Bewertungen
Drohnenland
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Neue Kurzmeinungen

Positiv (68):
Baerbel82s avatar

Visionärer SF-Thriller. Hammer!

Kritisch (5):
E

Langweilig wie sonst noch was. Das einzig gute an diesem Buch war das Worldbuilding!

Alle 82 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "Drohnenland"

Alles wird überwacht. Alles ist sicher. Doch dann geschieht ein Mord, der alles infrage stellt. Wozu Zeugen vernehmen, wenn all ihre Bewegungen und Gespräche bereits auf einer Festplatte archiviert sind? Warum Tatorte begehen, wenn fliegende Polizeidrohnen bereits alles abfotografiert haben? Als ein Brüsseler Parlamentarier auf einem Feld nahe der Hauptstadt ermordet aufgefunden wird, glaubt Kommissar Aart van der Westerhuizen zunächst, den Fall mithilfe des beinahe allwissenden Europol-Fahndungscomputers und der brillanten Forensikerin Ava Bittmann rasch lösen zu können. Und tatsächlich gibt es verblü end schnell einen Verdächtigen. Doch dann entdeckt er immer mehr Hinweise darauf, dass die digitale Datenspur manipuliert wurde und gerät in eine Verschwörung, die ganz Europa in seinen Grundfesten zu erschüttern droht.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783462046625
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:432 Seiten
Verlag:Kiepenheuer & Witsch
Erscheinungsdatum:15.05.2014
Das aktuelle Hörbuch ist am 01.05.2014 bei Audio Media Verlag erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    trollchens avatar
    trollchenvor einem Jahr
    Enttäuschend

    Drohnenland
    Herausgeber ist KiWi-Taschenbuch (15. Mai 2014) und hat 234 Seiten.
    Kurzinhalt: Alles wird überwacht. Alles ist sicher. Doch dann geschieht ein Mord, der alles infrage stellt.
    Wozu Zeugen vernehmen, wenn all ihre Bewegungen und Gespräche bereits auf einer Festplatte archiviert sind? Warum Tatorte begehen, wenn fliegende Polizeidrohnen bereits alles abfotografiert haben? Als ein Brüsseler Parlamentarier auf einem Feld nahe der Hauptstadt ermordet aufgefunden wird, glaubt Kommissar Aart van der Westerhuizen zunächst, den Fall mithilfe des beinahe allwissenden Europol-Fahndungscomputers und der brillanten Forensikerin Ava Bittmann rasch lösen zu können. Und tatsächlich gibt es verblüffend schnell einen Verdächtigen. Doch dann entdeckt er immer mehr Hinweise darauf, dass die digitale Datenspur manipuliert wurde – und gerät in eine Verschwörung, die ganz Europa in seinen Grundfesten zu erschüttern droht.
    Meine Meinung: Ich habe dem Buch 2 Chancen gegeben, ich hatte es schon mal angefangen zu lesen und dann hab ich es aufgegeben und jetzt auch wieder. Aber leider habe ich auch wieder abgebrochen. Denn das Buch dümpert so vor sich her und es ist kaum Spannung vorhanden. Obwohl das Thema sehr interessant ist, denn das ist ja eine moderne Bedrohung und die wird ja immer weiter ausgebaut. Deswegen wollte ich ´ja auch das Buch lesen, aber leider nicht so mein Fall. Und durch die vielen guten Rezensionen habe ich einfach mir mehr erhofft von dem Buch.
    Mein Fazit: Leider nix für mich, ich habe schon bessere Bücher über die Technik der heutigen Zukunft gelesen. Für mich leider nur 3 Sterne.

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    E
    elysianvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Langweilig wie sonst noch was. Das einzig gute an diesem Buch war das Worldbuilding!
    Langweilig wie sonst noch was

    Eines Sommers traf ich einen alten Mann, der meinte, dass ich „Drohnenland“ von Tim Hillebrand mögen würde, da ich ja Fantasy mag, und „'Drohnenland' ist ja Science Fiction, und das ist ja das Gleiche wie Fantasy! Und es ist ein Krimi!!“

    Meine Antwort: „Ich fand Krimis aber noch nie besonders toll...“ Darauf meinte er: „Jo, les das, das ist eher SciFi als Krimi, und SciFi ist ja eigentlich Fantasy!!“ Das jedenfalls war seine Aussage. Er schickte mir eine Ausgabe des Buches per Post – und das ist eigentlich der einzige Grund, warum ich dieses Buch gelesen habe, denn ich mag weder deutsche SciFi-Romane, noch Kriminalromane – und beides trifft leider auf dieses Buch zu. Ich habe aber darüber hinweg gesehen, und das Buch gelesen.


    Das Buch ist im Präsens geschrieben, und wird aus der Ich-Perspektive des Protagonisten Kommissar Westerhuizen erzählt. Das ist erst einmal gewöhnungsbedüftig, nach gewisser Zeit habe ich mich dann aber daran gewöhnt.


    Das Buch spielt mehrere Jahre in der Zukunft. Drohnen zeichnen alles auf, und man kann, wenn man dazu berechtigt ist, diese Daten abrufen – was für einen Mordfall ziemlich nützlich sein kann. Diese treten dementsprechend selten auf, denn wie kann man sicher sein, dass man nicht beobachtet wird?

    Kommisar Westerhuizen, der Protagonist dieses Buches, muss in einem Mordfall ermitteln: ein Parlamentarier wird kurz vor einer wichtigen EU-Abstimmung ermordet. Obwohl die Drohnen so ziemlich alles, was irgendwo passiert, aufnehmen, gibt es kaum Indizien für den Mörder. Jedoch taucht – kurz nachdem Westerhuizen fast seinen Job verliert, da er den Mörder nicht schnappt – ein Bekennerschreiben auf, das natürlich der einzige Grund ist, warum der Mordfall aufgelöst wird. Jedoch taucht in dem Video nur eine kyrptische Nachricht auf, die nichts mit dem Tod zu tun hat... Anscheinend sah der Plan des Autors beim Schreiben so aus: „Mord passiert. Ermitteln, aber ohne wirkliche Indizien, darüber sehr viel schreiben!!! Das ist wichtig, weil da Drohnen gebraucht werden!!! Und ich so die Welt beschreiben kann!!!!! Dann taucht Erkennerschreiben auf. Modfall wird sofort gelöst.“

    Das war die erste Hälfte des Buches, aber spätestens hier hat es in mir geschrieen: „Dieses Buch hat keinen bemerkenswerten Plot!! Dieses Buch tut nur auf Krimi und SciFi, damit es sich verkauft!!!! Und der Autor ist nur auf Geld aus, weshalb er es geschrieben hat!!!!“ Eigentlich hätte ich hier aufgehört... aber da ich ja eine Rezension hier hochladen wollte, entschloss ich mich, weiter zu lesen. Ich bin aber nicht weiter gekommen, denn das Buch war mir zu schlecht.



    Das wars mit dem Plot. Nun zu den Charakteren!

    Ava, Westerhuizens Assistentin, soll durch ein neues Programm ausgetauscht werden. Westerhuizen ist nicht gerade erfreut darüber, dass dies geschieht – und als Grund wird zwar angeführt, dass „Programme keine Intuition haben, Menschen jedoch schon, und das braucht man bei der Polizei“ - der wirkliche Grund wird jedoch nicht gesagt, wenn man aber jedoch zwischen den Zeilen liest, bemerkt man ihn: Westerhuizen sieht Ava nicht als Mensch, sondern als Sexobjekt, das man für seine persönliche Begierde benutzen kann. Er zieht sie in seinen Gedanken öfters aus, reduziert sie auf ihren Körper (und wird, als er ein kleines Stückchen ihrer Haut sieht, sexuell erregt). Außerdem sind Frauen bei der Polizei nur Assistenten, die die ausführenden Personen... und die meisten Kommissare haben auch eine Affäre mit ihren Assistenten. Der Grund, laut Westerhuizen: Die Assistenten sind alle heißt und müssen deswegen als Affäre herhalten.

    Außerdem wird Ava nur gebraucht, um die Drecksarbeit zu erledigen, da Westerhuizen einfach keine Lust darauf hat: „Wir stellen uns an eine Straßeneckevon der aus man alles gut im Blick hat. Ava markiert Milar für mich, [...]“ (Seite 123) und „Ich lasse Ava ein bisschen vorspulen [während ich nichts mache] [...]“ (Seite 126).

    Die Reduzierung Avas und der anderen Frauen auf ein begehrtes Sexobjekt, dass nur für die Befriedigung der männlichen Bevölkerung dient und die Drecksarbeit erledigen muss, stört mich sehr.


    Mit Aart Westerhuizen, dem Kommissar, konnte ich mich nicht wirklich anfreunden. Er nutzt seine Assistentin und manche seiner polizeilichen Vorteile schamlos aus, und sitzt ofr einfach nur nichtstuend in einem Taxi rum, oder guckt sich Spiegelungen (also die Drohnenaufnahmen) an und schwadroniert dann darüber. Derweil frisst er Lakritz (und zwar nur Lakritz) in sich hinein – nichts anderes. Kein schnelles Mittagessen während der Ermittlung, oder ein spätes Abendessen nach einem anstrengenden Tag – nein, einfach nur Lakritz, pausenlos. Die lässt er sich dann noch in die Drohnenaufnahmen projizieren und stopft da auch noch pausenlos (nicht reales) Lakritz in sich hinein. Ich stell mir da so einen sabbernden, alten Mann vor, der einfach nichts auf die Reihe bekommt, und sich deswegen auf seine Assistentin und die (teilweise veraltete Polizei-)Technik, stützen muss.




    Der Schreibstil ist natürlich auch noch wichtig. Man merkt, dass es ein deutsches Buch ist, von einem deutschen Autor. Viele Übersetzungen sind ja alle in einem ähnlichen Stil verfasst (da anscheinend viele Übersetzer nicht so viel Sprachgefühl haben), weswegen ein in Deutsch geschriebens Buch mal angenehm zu lesen war. Der Stil war aber nicht herausragen gut, er war eher so lala. Einen gleichen Stil hätte ich auch bei Fanfictions erwartet.





    Zum Schluss kommt ja immer die eigene Meinung, aber ich denke, die wurde schon in der Rezension klar... Gut fand ich das Buch jetzt nicht – aber ich habe auch schon schlechteres gelesen. Da stehen noch diverse Jugend- und Schundliteratur darunter, sowie die meisten Romanzen... aber viel besser wars jetzt auch nicht. Ernsthaft – ich habe schon diverse Geschichten online gelesen, die nicht lektoriert waren, aber besser als dieses Buch geschrieben waren. Ein Pluspunkt ist aber, dass er eine einigermaßen realistische Zukunftsversion gestaltet hat. Das schaffen auch nicht alle Autoren.

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    derMichis avatar
    derMichivor 2 Jahren
    Verbrechen durch Überwachung

    Das Werk firmiert bescheiden unter dem Label "Kriminalroman", kann aber deutlich mehr, als einem ganz besonders psychopathischen Mörder den hunderttausendsten deprimierten Ermittler hinterherjagen zu lassen. Hauptkommissar van der Westerhuizen ist zunächst kein Kritiker des Überwachungssystems, vielmehr arbeitet er tagtäglich mit den Errungenschaften der digitalen Forensik, hat ironischerweise aber auch eine Vorliebe für "alte" analoge Filme. Das Techtelmechtel mit seiner Assistentin war vorhersehbar und auch die Richtung, aus der der Mörder kommt, kann man spätestens ab der Hälfte des Buches ausmachen. Die eigentliche Stärke liegt im detailliert dargelegten Bild einer möglichen paneuropäischen Zukunft.

    Hillenbrand muss seinen Lesern nicht plakativ vorbeten wie potentiell böse die im Roman benutzte Technik sein kann, spätestens wenn der als Ich-Erzähler auftretende van der Westerhuizen selbst zum Opfer manipulierter Ermittlungsdaten wird zeigt sich, dass weder in der Zukunft noch in der Gegenwart irgendein Mensch in der Lage ist, perfekte Systeme zu erschaffen. Der schicke Fahndungscomputer Terry kann zwar anhand verschiedener Parameter Verbrechen vorhersagen und eindämmen, ist aber dennoch dem Willen seiner Schöpfer unterworfen. Auch nach einem Update kann er nichts mit Emotionen oder Sarkasmus anfangen. Da nützt es auch wenig, dass sich die Ermittler per "Spiegelung" an virtuell projizierte Tatorte oder überwachte Gebiete begeben können, solange die Daten heimlich verändert werden und niemand die Überwacher selbst überwacht.

    Zudem ist die in dieser Zukunftsversion stark aufgeblähte Europäische Union längst eine gnadenlose Weltmacht geworden, die andere Länder ausbeutet und im Kampf um Rohstoffe und Sonnenenergie so manchen Krieg führt. Da äußern sich Befürchtungen, die anhand gegenwärtiger politischer Praktiken gar nicht so weit hergeholt scheinen. Doch Hillenbrand kann mehr als schwarzmalen. Für ihn ist diese Zukunft eine Möglichkeit, aber keine unausweichliche. Solange der rasante Fortschritt der Informationstechnologie noch hinterfragt werden darf, besteht die Chance, dass digitale Täterprofile nicht der Weisheit letzter Schluss bleiben. Im Gegensatz zu diversen Genrekollegen unterlässt der Autor übrigens die allzu detaillierte Beschreibung technischer Details, sondern treibt die Handlung zügig voran. Hat man sich erst einmal eingelesen, will man das Buch nicht mehr aus der Hand legen.

    Fazit: Einer der besten deutschen und in Europa spielenden SciFi-Romane der letzten Jahre. Unbedingt lesen!

    Seitenzahl: 432
    Format: 13,5 x 19 cm, Broschur
    Verlag: KiWi

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    simonfuns avatar
    simonfunvor 2 Jahren
    Rosarote Brille?


    Ich kann es nicht besser rezensieren wie meine geschätzten Rezi-Kollegen. 
    Alles in Allem ein toller und visionärer Roman, auch wenn der Schluss etwas verwirrend ist.
    Wie auch immer - unbedingt lesen!

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Fesselnd und sehr zu empfehlen für Krimifans, die einem Schuss dystopischer Science-Fiction nicht abgeneigt sind.
    Brisant und vielschichtig

    "Drohnenland" ist ein brisanter, vielschichtiger Kriminalroman, der seiner Zeit im wörtlichen wie im übertragenen Sinne voraus ist. Ein genaues Jahr, in dem die Geschichte spielt, gibt der Autor nicht an; gefühlsmäßig trägt sich die Handlung für mich um etwa 2050 zu.

    Viele technische, virtuell innovative und revolutionäre Ideen, die heute zwischen Anfangsstadium und Science-Fiction wandeln, sind in "Drohnenland" bereits Realität. So muss man beispielsweise den Tatort eines Verbrechens nicht mehr persönlich aufsuchen, sondern kann dies im Rahmen einer virtuellen Tatortspiegelung erledigen, die eine Interaktion erlaubt.

    Ein spannender Roman mit leisem Thrill, der ein erschreckend realistisches Szenario kreiert und darüber hinaus bereits widerspiegelt, wohin uns der technische Fortschritt eines Tages führen könnte. Und damit meine ich nicht eines fernen Tages – schon heute füttert der Großteil der technisch gut ausgestatteten Menschen schließlich bereitwillig das Netz mit persönlichen Daten und Informationen; schon heute hört man immer wieder "Ich hab doch nichts zu verbergen", wenn es um die Datensammel- und Überwachungswut von sozialen Netzwerken, sonstigen Online-Diensten oder von Politikern geht.

    Und genau diese Haltung findet sich auch in Drohnenland wieder: Die EU ist ein wahrhaftiger Überwachungsstaat geworden, und niemand findet etwas dabei. Es ist normal, permanent überwacht und beobachtet zu werden; der Großteil der Menschheit empfindet diese Situation weder als voyeuristisch-unangemessen noch als bedrohlich. Im Gegenteil: Die Technik scheint anfänglich ein Verbündeter des Kommissars Westerhuizen zu sein – und wird letztendlich zum exakten Gegenteil.

    Sehr zu empfehlen für Krimifans, die einem Schuss dystopischer Science-Fiction nicht abgeneigt sind. Fesselnd geschrieben und durch das futuristische Szenario definitiv mal etwas anderes als die klassischeren Krimivarianten der letzten Jahre – die ich allerdings auch mag.

    Besonders gefallen hat mir zudem Westerhuizens lakonisch-humorvoller Tonfall, den der Autor bis zum Schluss durchhält und der es mir sehr erleichtert hat, auch nach einigen Tagen Lesepause immer wieder flüssig einzusteigen.

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    schreibwasuebers avatar
    schreibwasuebervor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Auf 423 Seiten skizziert Tom Hillenbrand eine Welt in der vermutlich sehr nahen Zukunft, die wir uns auch heute vorstellen können.
    Drohenland - ein Blick in die nahe Gegenwart

    Was soll ich sagen, recht hat er der Sascha Lobo. Auf 423 Seiten skizziert Tom Hillenbrand eine Welt in der vermutlich sehr nahen Zukunft, die wir uns auch heute schon hervorragend vorstellen können. Autonome Autos, dauerhafte Übertragung der Vitalfunktionen des eigenen Körpers, Tatortanalyse im Cyberspace und eine allgegenwärtige Regierung. Wie überall, wo die totale Überwachung herrscht bilden sich auch gegenläufige Tendenzen in Form von Mirrorspaces und rechtsfreien Räumen. Zu guter letzt ein Täter, den der Leser und auch der Hauptkommissar nicht bis (zu) spät ins Kalkül zieht und ein Spieler im Feld, von dem wir nicht hoffen wollen, dass er jemals zur Realität wird (oder ist er schon da?).

    Kurzum: Tom Hillenbrand hat mit „Drohnenland“  ein Meisterwerk der Krimi Literatur geschaffen, das einen von der ersten bis zur letzten Sekunde in den Bann zieht und gleichzeitig, wie George Orwell in 1984, einen Blick in unsere unmittelbare Zukunft gezeigt, die unausweichlich erscheint sowie den Blick des Lesers dafür geschärft, dass nicht jedes Suchmaschinen Ergebnis auch den Tatsachen entspricht. Der komplette Artikel auf meinem Blog schreibwasueberPUNKTde.

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    Monsignores avatar
    Monsignorevor 3 Jahren
    Wenn Drohnen nicht nur Pakete zustellen ...

    Smartphones sind völlig out. Datenbrillen und Kehlkopfgeräte sind an ihre Stelle getreten. Und Drohnen überall. Die Raumreinigungs- und Gartenpflegedrohnen sind ja noch praktisch, aber die diversen Polizei- und Geheimdienstdrohnen sorgen für totale Überwachung. Ermittler arbeiten in gespiegelten Simulationen, ein intelligentes Großrechnersystem unterstützt dabei.

    Eingepackt in einen klassischen Kriminalfall (toter Europaabgeordneter in Brüssel) kommt die vorstellbare und beklemmende Zukunft daher. Wobei dem Autor etwas die Fantasie durchgeht: In naher Zukunft sind die Niederlande aufgrund des Klimawandels komplett abgesoffen, die arabischen Länder nach einem atomar geführten Krieg verseucht, die USA nach Staatsbankrott unbedeutend. Die Währung lautet "Nord-Euro".

    Terror, Korruption und wirtschaftliche Gier haben die Europäische Union zu einem totalitären Überwachungsstaat gemacht. Nur die Briten wollen austreten und paktieren mit dem russischen organisierten Verbrechen. Der EU-Geheimdienst führt ein menschenverachtendes Eigenleben in unsichtbaren virtuellen Räumen.

    Ständig überschlagen sich die Ereignisse, alle paar Seiten sitzt jemand einer Täuschung oder Datenillusion auf, die Grenzen der Realität sind schwer auszumachen. Dem Autor gelingt eine Zukunftsvision, die greifbar erscheint, ähnlich wie in "Der Circle"von Dave Eggers. Und es gibt schöne Seitenhiebe, z.B. haben sich die Christen inzwischen auch radikalisiert und neigen zur Gewalt, insbesondere Splittergruppen wie die "Sturmjesuiten" und die "Lanze Christi" - schöne Sprachspiele!

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    awogflis avatar
    awogflivor 3 Jahren
    Cyber CSI und politischer Krimi

    Gibt es gute, anspruchsvolle und aktuelle deutsche Science Fiction? Ich war überrascht, aber die Frage kann ich seit vorgestern eindeutig mit Ja beantworten.

    Tom Hillenbrand wirft den Leser in seinem furiosen Science Fiction Krimi mitten ins Geschehen der Zukunft. Dabei gibt der Autor nicht den alleswissenden Erklärbären, der uns genau erläutert, wie es zu diesen Umständen kommen konnte, sondern man stolpert, wie wenn man mit einer Zeitmaschine gereist wäre, sich wundernd mitten durch die Wirren der völlig neuen politischen, ökonomischen und technischen Umwelt. Erst nach und nach erschließt sich aus der Handlung der Weg, den die Welt genommen hat, davor kann man nachdenken, Rätselraten und extrapolieren wodurch die Ereignisse entstanden sind. Das hat mir ausnehmend gut gefallen. Ok dass ein Kaffee 1000 Euro kostet ist leicht zu erraten, das ist die Inflation, dass in Arabien irgendein Verrückter eine Atombombe gezündet hat und die gesamte Region durch Gegenschläge in eine nukleare Wüste verwandelt wurde, ist auch nicht so überraschend, aber warum zum Teufel gehört den Brasilianern und Portugiesen halb Europa? Stolz kann ich sagen, ich habe es vorher erraten, es sind die lukrativen Gezeitenkraftwerke, die durch Wellen und Tidehub sehr viel Energie erzeugen. So geht es munter weiter, alles ist sehr detailgenau logisch und komplex konzipiert, mehr will ich aber auf diesem Weg nicht verraten. Auch die Technik ist sehr spannend. Überall flitzen z.B. normale Drohnen und bionische Nanodrohnen von der Größe einer Steckmücke herum, die Menschen sind durch ihre Datenbrillen ständig online und ihre Bewegungsprofile komplett verfolgbar und durch Präkognition können zukünftige Verhaltensweisen extrapoliert werden: Big Data eingebettet in politische Ränkespiele und einen extrem spannenden Krimi mit mehreren Leichen. Herz was willst Du mehr!

    Kommisar Aart von Westerhuizen ist Digitalforensiker so eine Art Cyber-CSI Ermittler, der mich in seiner Attitüde ein bisschen an Kommissar Wallander und Harry Hole erinnert, aber körperlich wesentlich fitter ist. Der Kommissar, seine Analystin und der "allwissende" Big-Data-Rechner Terry versuchen den Mord an einem Minister des Europäischen Parlaments aufzuklären, bei dem offensichtlich Datenspuren verwischt wurden. Ein Potpurri an Verdächtigen im Zusammenspiel mit internationaler Politik und Technologie bescheren ein bis zusletzt spannendes Mörderraten.

    Auch die Sprache des Krimis ist großartig in bester Manier wurden vom Autor technokratische und literarische Stilmittel perfekt und sehr innovativ zu knackigen Sprüchen und Metaphern gemixt.
    "Ich würde gern noch etwas in Pazzis Bewegungsdaten der letzten vierundzwanzig Stunden herumstochern, aber anders als seine Leiche ist sein digitaler Kadaver weitgehend geschützt, zumindest bis der Untersuchungsrichter den Mist entsiegelt, was in etwa in zwei Stunden passieren dürfte"

    Einen Stern ziehe ich dennoch ab, denn bei der Figurenentwicklung ist noch ein bisschen Luft nach oben. Der Leser erfährt nichts über die Traumata von Westerhuizen, die ihn nachweislich in seiner Interaktion mit der Umwelt behindern, und auch seine Analystin Ava ist einfach etwas zu flach gezeichnet. Das ist aber Kritik auf hohem Niveau, denn Krimi- und Science Fiction Plot sind hervorragend.

    Eine abschließende Frage hätte ich noch an den Autor. Was ist eigentlich mit den Amerikanern passiert? Sie sind völlig vom Erdboden verschwunden. Diese Frage wurde nie beantwortet, ich kann mir auch wenig zusammenreimen und grüble immer noch. Naja Hauptsache sie sind weg ;-)

    Fazit: Absolute Leseempfehlung!

    Kommentare: 9
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    SalanderLisbeths avatar
    SalanderLisbethvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Spannende und einfallsreiche Vision eine nahen Zukunft.
    Terry sieht alles


    In Europa Mitte des 21. Jahrhundert ermittelt Hauptkommissar Aart van der Westerhuizen in einem Mordfall an einem erschossenem Brüsseler Abgeordneten. Dank flächendeckender Vollzeitüberwachung werden Verbrechen mittlerweile relativ schnell aufgeklärt. Außerdem steht ihm die israelische Analystin Ava Bittmann zur Seite, die mit einem hoch leistungsfähigen Europol-Fahndungscomputer, kurz Terry (von Theiresias dem antiken blinden Seher) arbeitet. Trotz dessen umfangreicher Bewegungsdaten verlaufen aber alle Spuren im Sand. Als Aart und Ava Zusammenhänge zu anderen verstorbenen Abgeordneten aufdecken, geraten sie in tödliche Gefahr.
     
    Das wirklich besondere an diesem spannendem Krimi ist nicht unbedingt der fesselnde Plot, sondern das Setting, dass Tom Hillenbrand mit großem Einfallsreichtum erschaffen hat.
    Ein Europa, in dem u.a. Holland aufgrund der Klimaerwärmung größtenteils abgesoffen ist, und es ständig regnet, so dass die großen Metropolen kilometerlange Netze von Untergrundpassagen unter die Städte gebaut haben. Die komplette Überwachung mit Drohnen, Colibris, Molekularscanner, genannt Mollys ist allgegenwärtig. Medienfolien haben das gedruckte Papier ersetzt, man trägt Datenbrillen, sogenannte Specs, Treffen finden in Holokonferenzen statt, Autos fahren selbstständig. Der Autor beschreibt eine Zukunft, wie sie vorstellbar wäre, weil es eine Fortschreibung der heutigen Entwicklung darstellt und vieles seinen Ursprung in der heutigen Zeit hat. Nichts wird explizit erklärt. Fast beiläufig wird man über die politische Entwicklung informiert. Trotzdem wirkt die vom Autor entworfene Szenerie absolut stimmig und überzeugend, da Hillenbrand alles mit einer Selbstverständlichkeit und viel Tempo erzählt und ich bewundere seine Detailverliebtheit und seinen Humor.
     
    Aart untersucht die Wohnung des Opfers und staunt über den Kleiderschrank. 
     
    Seite 49: Vor einem weißen Hintergrund taucht ein seltsam aussehender Mann auf, jene Art von virtuellem Konstrukt, das sich nur ein bekiffter Programmierer ausdenken kann. Der Mann ist Mitte fünfzig, seltsam ausgemergelt, und hat einen weißen Pferdeschwanz, der so aussieht, als habe er ihn gepudert. „Guten Morgen“, sagt der Mann auf Französisch. 
     
    Dank der fortgeschrittendsten Entwicklung, der Spiegelung, ist es nicht mehr nötig, einen Tatort persönlich zu begehen, sondern kann dies virtuell erledigen. Man begibt sich dazu in einen aus einer Vielzahl von Aufnahmen zusammengesetzten Datenraum.
    Mit dem Hauptkommissar hat der Autor einen sympathischen Charakter erschaffen, als Leser fühlt man mit dem immer etwas melancholisch wirkenden Niederländer mit, wenn er über die Zuidersee, seine überschwemmte Heimat schippert. Seit man nirgends mehr rauchen darf, ist er Lakritz-süchtig, und mit seinem wachen Verstand ist der altmodische Mittvierziger davon überzeugt, dass trotz aller Technik die gute alte Polizeiarbeit von großer Wichtigkeit ist. Aber diese Zeiten sind vorbei, wie dem Bogart-Fan durch seinen Vorgesetzter unmissverständlich erklärt wird. 
     
    Seite 40
    Mein Bullenherz ist Ihrer Meinung, Westerhuizen. Sie sind vom alten Schlag, genau wie ich. Sie gehen raus, sprechen persönlich mit Zeugen, schnüffeln am Tatort herum. Aber mein Präfektenherz sagt mir, dass diese Zeit vorbei sind. Das ist hier keiner Ihrer Harry-Bogart-Filme.“ .. „Effizienz ist Trumpf, Westerhuizen. Sich die Schuhsohlen abzulaufen, ist nur noch eine romantische Fantasie aus 2-D-Filmen. …. „
     
    Fazit: Mir hat die düstere Zukunftsperspektive sehr gut gefallen, besonders bemerkenswert die überbordende Phantasie, mit der Tom Hillenbrand, der sich bisher als Autor von Küchenkrimis hervorgetan hat, seinen mit mehreren Preisen ausgezeichneten SciFi – Krimi ausstattet. Und viel subtiler und cooler als Dave Eggers mit „Der Circle“ oder Marc Elsbergs „Zero“  wird hier die Thematik um den Überwachungsstaat aufgegriffen.
     
    Von mir 4,5 Punkte
     

    Kommentare: 2
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    Lesestunde_mit_Maries avatar
    Lesestunde_mit_Marievor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Spannender, fantasievoller, aber durchaus realistischer Science Fiction Krimi.
    Beängstigender, aber spannender Zukunftskrimi

    Tom Hillebrand ist mit dem Kriminalroman Drohnenland ein ganz besonderes Meisterstück seines Genres gelungen. Denn mit diesem visionären Science Fiction Krimi betritt er ein Gebiet, dass gerade vor dem Hintergrund der aktuellen technischen und digitalen Entwicklungen mit durchaus vorstellbare Ideen, Ansätzen und Techniken bestückt ist. Das macht ihn extrem spannend und führt dem Leser beängstigende Entwicklungsmöglichkeiten vor Augen.

    Die im Buch aufgeführten technischen Errungenschaften wie Datenbrillen, selbst fahrende Autos und Medienfolien erscheinen einem als äußerst begehrenswerte Entwicklungen. Auch der analysierende Terry, ein Datenroboter, der in Bruchteilen von Sekunden Daten ausspuckt, Analysen fährt und Wahrscheinlichkeiten berechnet, scheint ein Meilenstein in der Kriminaltechnik zu sein. Wesentlich bedrohlicher erscheinen einem da auf Anhieb die Überwachungsdrohnen. Doch welche Gefahren die gesamte bequeme Technik selbst für die Ermittler bergen kann, wird sukzessive in dem geschickten Handlungsbogen offenbart.

    Hauptkommissar Arthur van der Westerhuizen, kurz Aart genannt, ermittelt gemeinsam mit seiner Analystin Ava an einem Mordfall. Ein Brüsseler Parlamentarier wurde auf einem Feld nahe der Hauptstadt ermordet aufgefunden. Schnell befinden sich die beiden in einem schier undurchdringlichen Dickicht an Verwirrungen, Wirtschafts- und Politikinteressen.

    Eingebettet ist das Ganze in einem Zukunftsszenario, indem Europa zu einer vollkommen anderen Machtstellung gelangt ist und Amerika seine weltpolitische Hauptrolle längst verloren hat. Es ist die Zeit nach Klimakatastrophe, Solarkollektoren und Atomkrieg.
    In völlig unaufgeregter Erzählweise kommt der Plot so selbstverständlich daher, als wenn es morgen wäre.

    Fazit:
    Fantasievoll aber nicht unrealistisch ist dieser Science Fiction Krimi eine spannende und gleichzeitig alarmierende Lektüre.

    Kommentare: 8
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