Tom Hillenbrand Drohnenland

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Inhaltsangabe zu „Drohnenland“ von Tom Hillenbrand

Alles wird überwacht. Alles ist sicher. Doch dann geschieht ein Mord, der alles infrage stellt. Wozu Zeugen vernehmen, wenn all ihre Bewegungen und Gespräche bereits auf einer Festplatte archiviert sind? Warum Tatorte begehen, wenn fliegende Polizeidrohnen bereits alles abfotografiert haben? Als ein Brüsseler Parlamentarier auf einem Feld nahe der Hauptstadt ermordet aufgefunden wird, glaubt Kommissar Aart van der Westerhuizen zunächst, den Fall mithilfe des beinahe allwissenden Europol-Fahndungscomputers und der brillanten Forensikerin Ava Bittmann rasch lösen zu können. Und tatsächlich gibt es verblü end schnell einen Verdächtigen. Doch dann entdeckt er immer mehr Hinweise darauf, dass die digitale Datenspur manipuliert wurde und gerät in eine Verschwörung, die ganz Europa in seinen Grundfesten zu erschüttern droht.

Langweilig wie sonst noch was. Das einzig gute an diesem Buch war das Worldbuilding!

— elysian
elysian

Mutig, visionär, kreativ: Eine durch und durch spannende Zukunfts-Geschichte.

— Louisdor
Louisdor

Fesselnd und sehr zu empfehlen für Krimifans, die einem Schuss dystopischer Science-Fiction nicht abgeneigt sind.

— Bruchpilot
Bruchpilot

Auf 423 Seiten skizziert Tom Hillenbrand eine Welt in der vermutlich sehr nahen Zukunft, die wir uns auch heute vorstellen können.

— schreibwasueber
schreibwasueber

Spannende und einfallsreiche Vision eine nahen Zukunft.

— SalanderLisbeth
SalanderLisbeth

Sehr spannende Handlung in einer höchst digitalisierten Überwachungsgesellschaft. Drohnen überall, und Big Data so greifbar und realistisch!

— Caastorb
Caastorb

Der Autor ist der Realität weit voraus und Westerhuizen ein Kommissar, von dem ich gerne mehr lesen würde. Hervorragend geschrieben.

— klaraelisa
klaraelisa

Spannender, fantasievoller, aber durchaus realistischer Science Fiction Krimi.

— Lesestunde_mit_Marie
Lesestunde_mit_Marie

Geistreich und phänomenal durchdacht. Science Fiction von internationalem Format aus Deutschland. Ein absoluter Tipp.

— Oliver-Koch
Oliver-Koch

Spannend und obwohl es in einer entfernten Zukunft spielt, erschreckend aktuell.

— Reg_And
Reg_And

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    Drohnenland
    elysian

    elysian

    14. June 2017 um 21:55

    Eines Sommers traf ich einen alten Mann, der meinte, dass ich „Drohnenland“ von Tim Hillebrand mögen würde, da ich ja Fantasy mag, und „'Drohnenland' ist ja Science Fiction, und das ist ja das Gleiche wie Fantasy! Und es ist ein Krimi!!“ Meine Antwort: „Ich fand Krimis aber noch nie besonders toll...“ Darauf meinte er: „Jo, les das, das ist eher SciFi als Krimi, und SciFi ist ja eigentlich Fantasy!!“ Das jedenfalls war seine Aussage. Er schickte mir eine Ausgabe des Buches per Post – und das ist eigentlich der einzige Grund, warum ich dieses Buch gelesen habe, denn ich mag weder deutsche SciFi-Romane, noch Kriminalromane – und beides trifft leider auf dieses Buch zu. Ich habe aber darüber hinweg gesehen, und das Buch gelesen. Das Buch ist im Präsens geschrieben, und wird aus der Ich-Perspektive des Protagonisten Kommissar Westerhuizen erzählt. Das ist erst einmal gewöhnungsbedüftig, nach gewisser Zeit habe ich mich dann aber daran gewöhnt. Das Buch spielt mehrere Jahre in der Zukunft. Drohnen zeichnen alles auf, und man kann, wenn man dazu berechtigt ist, diese Daten abrufen – was für einen Mordfall ziemlich nützlich sein kann. Diese treten dementsprechend selten auf, denn wie kann man sicher sein, dass man nicht beobachtet wird? Kommisar Westerhuizen, der Protagonist dieses Buches, muss in einem Mordfall ermitteln: ein Parlamentarier wird kurz vor einer wichtigen EU-Abstimmung ermordet. Obwohl die Drohnen so ziemlich alles, was irgendwo passiert, aufnehmen, gibt es kaum Indizien für den Mörder. Jedoch taucht – kurz nachdem Westerhuizen fast seinen Job verliert, da er den Mörder nicht schnappt – ein Bekennerschreiben auf, das natürlich der einzige Grund ist, warum der Mordfall aufgelöst wird. Jedoch taucht in dem Video nur eine kyrptische Nachricht auf, die nichts mit dem Tod zu tun hat... Anscheinend sah der Plan des Autors beim Schreiben so aus: „Mord passiert. Ermitteln, aber ohne wirkliche Indizien, darüber sehr viel schreiben!!! Das ist wichtig, weil da Drohnen gebraucht werden!!! Und ich so die Welt beschreiben kann!!!!! Dann taucht Erkennerschreiben auf. Modfall wird sofort gelöst.“ Das war die erste Hälfte des Buches, aber spätestens hier hat es in mir geschrieen: „Dieses Buch hat keinen bemerkenswerten Plot!! Dieses Buch tut nur auf Krimi und SciFi, damit es sich verkauft!!!! Und der Autor ist nur auf Geld aus, weshalb er es geschrieben hat!!!!“ Eigentlich hätte ich hier aufgehört... aber da ich ja eine Rezension hier hochladen wollte, entschloss ich mich, weiter zu lesen. Ich bin aber nicht weiter gekommen, denn das Buch war mir zu schlecht. Das wars mit dem Plot. Nun zu den Charakteren! Ava, Westerhuizens Assistentin, soll durch ein neues Programm ausgetauscht werden. Westerhuizen ist nicht gerade erfreut darüber, dass dies geschieht – und als Grund wird zwar angeführt, dass „Programme keine Intuition haben, Menschen jedoch schon, und das braucht man bei der Polizei“ - der wirkliche Grund wird jedoch nicht gesagt, wenn man aber jedoch zwischen den Zeilen liest, bemerkt man ihn: Westerhuizen sieht Ava nicht als Mensch, sondern als Sexobjekt, das man für seine persönliche Begierde benutzen kann. Er zieht sie in seinen Gedanken öfters aus, reduziert sie auf ihren Körper (und wird, als er ein kleines Stückchen ihrer Haut sieht, sexuell erregt). Außerdem sind Frauen bei der Polizei nur Assistenten, die die ausführenden Personen... und die meisten Kommissare haben auch eine Affäre mit ihren Assistenten. Der Grund, laut Westerhuizen: Die Assistenten sind alle heißt und müssen deswegen als Affäre herhalten. Außerdem wird Ava nur gebraucht, um die Drecksarbeit zu erledigen, da Westerhuizen einfach keine Lust darauf hat: „Wir stellen uns an eine Straßeneckevon der aus man alles gut im Blick hat. Ava markiert Milar für mich, [...]“ (Seite 123) und „Ich lasse Ava ein bisschen vorspulen [während ich nichts mache] [...]“ (Seite 126). Die Reduzierung Avas und der anderen Frauen auf ein begehrtes Sexobjekt, dass nur für die Befriedigung der männlichen Bevölkerung dient und die Drecksarbeit erledigen muss, stört mich sehr. Mit Aart Westerhuizen, dem Kommissar, konnte ich mich nicht wirklich anfreunden. Er nutzt seine Assistentin und manche seiner polizeilichen Vorteile schamlos aus, und sitzt ofr einfach nur nichtstuend in einem Taxi rum, oder guckt sich Spiegelungen (also die Drohnenaufnahmen) an und schwadroniert dann darüber. Derweil frisst er Lakritz (und zwar nur Lakritz) in sich hinein – nichts anderes. Kein schnelles Mittagessen während der Ermittlung, oder ein spätes Abendessen nach einem anstrengenden Tag – nein, einfach nur Lakritz, pausenlos. Die lässt er sich dann noch in die Drohnenaufnahmen projizieren und stopft da auch noch pausenlos (nicht reales) Lakritz in sich hinein. Ich stell mir da so einen sabbernden, alten Mann vor, der einfach nichts auf die Reihe bekommt, und sich deswegen auf seine Assistentin und die (teilweise veraltete Polizei-)Technik, stützen muss. Der Schreibstil ist natürlich auch noch wichtig. Man merkt, dass es ein deutsches Buch ist, von einem deutschen Autor. Viele Übersetzungen sind ja alle in einem ähnlichen Stil verfasst (da anscheinend viele Übersetzer nicht so viel Sprachgefühl haben), weswegen ein in Deutsch geschriebens Buch mal angenehm zu lesen war. Der Stil war aber nicht herausragen gut, er war eher so lala. Einen gleichen Stil hätte ich auch bei Fanfictions erwartet. Zum Schluss kommt ja immer die eigene Meinung, aber ich denke, die wurde schon in der Rezension klar... Gut fand ich das Buch jetzt nicht – aber ich habe auch schon schlechteres gelesen. Da stehen noch diverse Jugend- und Schundliteratur darunter, sowie die meisten Romanzen... aber viel besser wars jetzt auch nicht. Ernsthaft – ich habe schon diverse Geschichten online gelesen, die nicht lektoriert waren, aber besser als dieses Buch geschrieben waren. Ein Pluspunkt ist aber, dass er eine einigermaßen realistische Zukunftsversion gestaltet hat. Das schaffen auch nicht alle Autoren.

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  • Verbrechen durch Überwachung

    Drohnenland
    derMichi

    derMichi

    23. November 2016 um 15:20

    Das Werk firmiert bescheiden unter dem Label "Kriminalroman", kann aber deutlich mehr, als einem ganz besonders psychopathischen Mörder den hunderttausendsten deprimierten Ermittler hinterherjagen zu lassen. Hauptkommissar van der Westerhuizen ist zunächst kein Kritiker des Überwachungssystems, vielmehr arbeitet er tagtäglich mit den Errungenschaften der digitalen Forensik, hat ironischerweise aber auch eine Vorliebe für "alte" analoge Filme. Das Techtelmechtel mit seiner Assistentin war vorhersehbar und auch die Richtung, aus der der Mörder kommt, kann man spätestens ab der Hälfte des Buches ausmachen. Die eigentliche Stärke liegt im detailliert dargelegten Bild einer möglichen paneuropäischen Zukunft.Hillenbrand muss seinen Lesern nicht plakativ vorbeten wie potentiell böse die im Roman benutzte Technik sein kann, spätestens wenn der als Ich-Erzähler auftretende van der Westerhuizen selbst zum Opfer manipulierter Ermittlungsdaten wird zeigt sich, dass weder in der Zukunft noch in der Gegenwart irgendein Mensch in der Lage ist, perfekte Systeme zu erschaffen. Der schicke Fahndungscomputer Terry kann zwar anhand verschiedener Parameter Verbrechen vorhersagen und eindämmen, ist aber dennoch dem Willen seiner Schöpfer unterworfen. Auch nach einem Update kann er nichts mit Emotionen oder Sarkasmus anfangen. Da nützt es auch wenig, dass sich die Ermittler per "Spiegelung" an virtuell projizierte Tatorte oder überwachte Gebiete begeben können, solange die Daten heimlich verändert werden und niemand die Überwacher selbst überwacht.Zudem ist die in dieser Zukunftsversion stark aufgeblähte Europäische Union längst eine gnadenlose Weltmacht geworden, die andere Länder ausbeutet und im Kampf um Rohstoffe und Sonnenenergie so manchen Krieg führt. Da äußern sich Befürchtungen, die anhand gegenwärtiger politischer Praktiken gar nicht so weit hergeholt scheinen. Doch Hillenbrand kann mehr als schwarzmalen. Für ihn ist diese Zukunft eine Möglichkeit, aber keine unausweichliche. Solange der rasante Fortschritt der Informationstechnologie noch hinterfragt werden darf, besteht die Chance, dass digitale Täterprofile nicht der Weisheit letzter Schluss bleiben. Im Gegensatz zu diversen Genrekollegen unterlässt der Autor übrigens die allzu detaillierte Beschreibung technischer Details, sondern treibt die Handlung zügig voran. Hat man sich erst einmal eingelesen, will man das Buch nicht mehr aus der Hand legen.Fazit: Einer der besten deutschen und in Europa spielenden SciFi-Romane der letzten Jahre. Unbedingt lesen!Seitenzahl: 432Format: 13,5 x 19 cm, BroschurVerlag: KiWi

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  • Rosarote Brille?

    Drohnenland
    simonfun

    simonfun

    14. October 2016 um 01:15


    Ich kann es nicht besser rezensieren wie meine geschätzten Rezi-Kollegen. 
    Alles in Allem ein toller und visionärer Roman, auch wenn der Schluss etwas verwirrend ist.
    Wie auch immer - unbedingt lesen!

  • Brisant und vielschichtig

    Drohnenland
    Bruchpilot

    Bruchpilot

    14. July 2016 um 13:07

    "Drohnenland" ist ein brisanter, vielschichtiger Kriminalroman, der seiner Zeit im wörtlichen wie im übertragenen Sinne voraus ist. Ein genaues Jahr, in dem die Geschichte spielt, gibt der Autor nicht an; gefühlsmäßig trägt sich die Handlung für mich um etwa 2050 zu. Viele technische, virtuell innovative und revolutionäre Ideen, die heute zwischen Anfangsstadium und Science-Fiction wandeln, sind in "Drohnenland" bereits Realität. So muss man beispielsweise den Tatort eines Verbrechens nicht mehr persönlich aufsuchen, sondern kann dies im Rahmen einer virtuellen Tatortspiegelung erledigen, die eine Interaktion erlaubt. Ein spannender Roman mit leisem Thrill, der ein erschreckend realistisches Szenario kreiert und darüber hinaus bereits widerspiegelt, wohin uns der technische Fortschritt eines Tages führen könnte. Und damit meine ich nicht eines fernen Tages – schon heute füttert der Großteil der technisch gut ausgestatteten Menschen schließlich bereitwillig das Netz mit persönlichen Daten und Informationen; schon heute hört man immer wieder "Ich hab doch nichts zu verbergen", wenn es um die Datensammel- und Überwachungswut von sozialen Netzwerken, sonstigen Online-Diensten oder von Politikern geht. Und genau diese Haltung findet sich auch in Drohnenland wieder: Die EU ist ein wahrhaftiger Überwachungsstaat geworden, und niemand findet etwas dabei. Es ist normal, permanent überwacht und beobachtet zu werden; der Großteil der Menschheit empfindet diese Situation weder als voyeuristisch-unangemessen noch als bedrohlich. Im Gegenteil: Die Technik scheint anfänglich ein Verbündeter des Kommissars Westerhuizen zu sein – und wird letztendlich zum exakten Gegenteil. Sehr zu empfehlen für Krimifans, die einem Schuss dystopischer Science-Fiction nicht abgeneigt sind. Fesselnd geschrieben und durch das futuristische Szenario definitiv mal etwas anderes als die klassischeren Krimivarianten der letzten Jahre – die ich allerdings auch mag. Besonders gefallen hat mir zudem Westerhuizens lakonisch-humorvoller Tonfall, den der Autor bis zum Schluss durchhält und der es mir sehr erleichtert hat, auch nach einigen Tagen Lesepause immer wieder flüssig einzusteigen.

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  • Drohenland - ein Blick in die nahe Gegenwart

    Drohnenland
    schreibwasueber

    schreibwasueber

    23. June 2016 um 14:18

    Was soll ich sagen, recht hat er der Sascha Lobo. Auf 423 Seiten skizziert Tom Hillenbrand eine Welt in der vermutlich sehr nahen Zukunft, die wir uns auch heute schon hervorragend vorstellen können. Autonome Autos, dauerhafte Übertragung der Vitalfunktionen des eigenen Körpers, Tatortanalyse im Cyberspace und eine allgegenwärtige Regierung. Wie überall, wo die totale Überwachung herrscht bilden sich auch gegenläufige Tendenzen in Form von Mirrorspaces und rechtsfreien Räumen. Zu guter letzt ein Täter, den der Leser und auch der Hauptkommissar nicht bis (zu) spät ins Kalkül zieht und ein Spieler im Feld, von dem wir nicht hoffen wollen, dass er jemals zur Realität wird (oder ist er schon da?). Kurzum: Tom Hillenbrand hat mit „Drohnenland“ ein Meisterwerk der Krimi Literatur geschaffen, das einen von der ersten bis zur letzten Sekunde in den Bann zieht und gleichzeitig, wie George Orwell in 1984, einen Blick in unsere unmittelbare Zukunft gezeigt, die unausweichlich erscheint sowie den Blick des Lesers dafür geschärft, dass nicht jedes Suchmaschinen Ergebnis auch den Tatsachen entspricht. Der komplette Artikel auf meinem Blog schreibwasueberPUNKTde.

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  • Wenn Drohnen nicht nur Pakete zustellen ...

    Drohnenland
    Monsignore

    Monsignore

    16. April 2016 um 20:03

    Smartphones sind völlig out. Datenbrillen und Kehlkopfgeräte sind an ihre Stelle getreten. Und Drohnen überall. Die Raumreinigungs- und Gartenpflegedrohnen sind ja noch praktisch, aber die diversen Polizei- und Geheimdienstdrohnen sorgen für totale Überwachung. Ermittler arbeiten in gespiegelten Simulationen, ein intelligentes Großrechnersystem unterstützt dabei.Eingepackt in einen klassischen Kriminalfall (toter Europaabgeordneter in Brüssel) kommt die vorstellbare und beklemmende Zukunft daher. Wobei dem Autor etwas die Fantasie durchgeht: In naher Zukunft sind die Niederlande aufgrund des Klimawandels komplett abgesoffen, die arabischen Länder nach einem atomar geführten Krieg verseucht, die USA nach Staatsbankrott unbedeutend. Die Währung lautet "Nord-Euro". Terror, Korruption und wirtschaftliche Gier haben die Europäische Union zu einem totalitären Überwachungsstaat gemacht. Nur die Briten wollen austreten und paktieren mit dem russischen organisierten Verbrechen. Der EU-Geheimdienst führt ein menschenverachtendes Eigenleben in unsichtbaren virtuellen Räumen.Ständig überschlagen sich die Ereignisse, alle paar Seiten sitzt jemand einer Täuschung oder Datenillusion auf, die Grenzen der Realität sind schwer auszumachen. Dem Autor gelingt eine Zukunftsvision, die greifbar erscheint, ähnlich wie in "Der Circle"von Dave Eggers. Und es gibt schöne Seitenhiebe, z.B. haben sich die Christen inzwischen auch radikalisiert und neigen zur Gewalt, insbesondere Splittergruppen wie die "Sturmjesuiten" und die "Lanze Christi" - schöne Sprachspiele!

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  • Orwells Alptraum wird wahr.

    Drohnenland
    Gulan

    Gulan

    Unserem Mann werden keine größeren Straftaten zur Last gelegt, nur ein paar Ordnungswidrigkeiten und eine Beamtenbeleidigung. Allerdings hat Terry aufgrund der Datenkorona des Verdächtigen berechnet, dass dieser mit einer Wahrscheinlichkeit von über 75 Prozent weitere Delikte begangen hat, die niemandem aufgefallen sind. Noch ungünstiger ist Winterfuhrs prädiktives polizeiliches Führungszeugnis. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 91 Prozent wird er in den kommenden zehn Jahren eine schwere Straftat begehen oder an deren Vorbereitung beteiligt sein. Mit einer 85-prozentigen Wahrscheinlichkeit wird es sich dabei um ein politisch motiviertes Verbrechen handeln, kein Wunder bei seinem sozialen Umfeld. Winterfuhr ist einer dieser Systemfeinde, die überhaupt keine Ahnung haben, wie gut es ihnen in der Union geht. In totalitären Staaten wie Kanton oder Russland wäre er mit einer derart ungünstigen Prognose bereits in dauerhaftem Sicherheitsgewahrsam. Wir hingegen observieren ihn nur ein bisschen eingehender. (S.147) In einem Europa in der Zukunft: Hauptkommissar Aart van der Westerhuizen von Europol begibt sich nur noch höchst selten an einen Tatort. Stattdessen wird alles von Drohnen digitalisiert, so dass er sich aus dem Büro heraus an den Ort des Geschehens spiegeln lassen kann. Doch diesmal muss er sich höchstpersönlich in den flandrischen Dauerregen begeben, denn auf einem Feld 30 km westlich von Brüssel liegt ein prominenter Toter. Vittorio Pazzi, MdEP, offensichtlich erschossen. Kurz vor einer wichtigen Abstimmung über eine neue EU-Verfassung ein unangenehmer Fall. Aber dank Totalüberwachung und eines nahezu allwissenden Fahndungsrechners ist relativ rasch ein Verdächtiger ermittelt. Doch Westerhuizen ahnt, dass da etwas zu glatt geht und gerät in eine politische Verschwörung. „Drohnenland“ ist der erste Science-Fiction-Krimi des Autors Tom Hillenbrand. Dieser war den Krimiliebhabern bis dato als Autor der durchaus unterhaltsamen kulinarischen Krimireihe um den Luxemburger Koch Xavier Kieffer ein Begriff. Doch schon in diesen Krimis hatte er seine Kenntnisse als (europa)politischer Journalist mit einfließen lassen. Hier treibt er dies auf die Spitze, indem er ein sehr ausgefeiltes Bild einer Europäischen Union in der Zukunft zeichnet. „Drohnenland“ konnte zwei Preise in zwei unterschiedlichen Genres gewinnen: Als Krimi vor kurzem den Friedrich-Glauser-Preis 2015 sowie als SF-Roman den Kurd-Laßwitz-Preis 2015. In einer nicht genau bezifferten Zukunft hat sich die Europäische Union massiv erweitert, u.a um die Türkei und Israel. Sie hat Kriege zur Energieversorgung geführt und hält sich die Maghrebländer als Vasallenstaaten. Auf der arabischen Halbinsel gab es offenbar Atomexplosionen. Die USA spielt keine Rolle, stattdessen sind Russland, Kanton und Brasilien aufstrebend. Die EU wird oberflächlich weiterhin demokratisch regiert, aber tatsächlich ist Orwells Alptraum mehr als wahr geworden: Der totale Überwachungsstaat ist etabliert, Drohnen, Kameras, Scans etc. überall. Die Polizeibehörden sind äußerst effizient geworden, arbeiten sie doch mit hochleistungsfähigen Superrechnern, die sich bei der Jagd auf Verdächtige auch der Prädiktion bedienen. Insgesamt ein absolut nicht unrealistisches Szenario. Und auch sonst hat sich Autor Tom Hillenbrand einiges einfallen lassen: Die Erderwärmung hat eingesetzt, die Niederlande ist bereits untergegangen, Brüssel versinkt im Sommer-Dauerregen. Medienfolien erlauben überall permanentes W-LAN, Schönheits-OPs sind gang und gäbe, modisch trägt man Steinkirk statt Krawatte und ganz Europa wird von koreanischem Lifestyle überschwemmt. Der Krimi beginnt ein wenig schleppend, zieht aber dann zur Mitte ziemlich an (in einer der besten Szenen wird Westerhuizen ein Killerkommando auf den Hals gehetzt) und bleibt spannend bis zum Schluss. Den Protagonisten Westerhuizen hat Hillenbrand vielleicht etwas zu genretypisch angelegt: Mitte 40, verwitwet, Alkoholproblem, altmodisch, Typ (fast) einsamer Kämpfer, aber zum Glück mit ein paar Spleens aufgelockert (z.B. ist er Cineast, insbesondere ein Humphrey Bogart-Fan). Überhaupt ist der Ton des Romans immer wieder leicht ironisch-spöttisch. Lediglich gegen Ende des Romans, wenn Westerhuizen ein ums andere Mal in den „Mirrorspace“ abtaucht, eine reale Echtzeit-4D-Projektion (erinnerte mich an „Matrix“), war es für mich fast schon zu viel SF, aber so was ist ja Geschmackssache. Alles in allem ist Drohnenland ein wirklich intelligent konzipierter Roman, der sowohl Krimi- als auch Science Fiction-Fans ansprechen dürfte. Letztendlich ist das Buch auch ein waschechter Politthriller, in dem es um Macht und die Hoheit über die Daten geht. Empfehlenswert.

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    • 14
  • Cyber CSI und politischer Krimi

    Drohnenland
    awogfli

    awogfli

    Gibt es gute, anspruchsvolle und aktuelle deutsche Science Fiction? Ich war überrascht, aber die Frage kann ich seit vorgestern eindeutig mit Ja beantworten. Tom Hillenbrand wirft den Leser in seinem furiosen Science Fiction Krimi mitten ins Geschehen der Zukunft. Dabei gibt der Autor nicht den alleswissenden Erklärbären, der uns genau erläutert, wie es zu diesen Umständen kommen konnte, sondern man stolpert, wie wenn man mit einer Zeitmaschine gereist wäre, sich wundernd mitten durch die Wirren der völlig neuen politischen, ökonomischen und technischen Umwelt. Erst nach und nach erschließt sich aus der Handlung der Weg, den die Welt genommen hat, davor kann man nachdenken, Rätselraten und extrapolieren wodurch die Ereignisse entstanden sind. Das hat mir ausnehmend gut gefallen. Ok dass ein Kaffee 1000 Euro kostet ist leicht zu erraten, das ist die Inflation, dass in Arabien irgendein Verrückter eine Atombombe gezündet hat und die gesamte Region durch Gegenschläge in eine nukleare Wüste verwandelt wurde, ist auch nicht so überraschend, aber warum zum Teufel gehört den Brasilianern und Portugiesen halb Europa? Stolz kann ich sagen, ich habe es vorher erraten, es sind die lukrativen Gezeitenkraftwerke, die durch Wellen und Tidehub sehr viel Energie erzeugen. So geht es munter weiter, alles ist sehr detailgenau logisch und komplex konzipiert, mehr will ich aber auf diesem Weg nicht verraten. Auch die Technik ist sehr spannend. Überall flitzen z.B. normale Drohnen und bionische Nanodrohnen von der Größe einer Steckmücke herum, die Menschen sind durch ihre Datenbrillen ständig online und ihre Bewegungsprofile komplett verfolgbar und durch Präkognition können zukünftige Verhaltensweisen extrapoliert werden: Big Data eingebettet in politische Ränkespiele und einen extrem spannenden Krimi mit mehreren Leichen. Herz was willst Du mehr! Kommisar Aart von Westerhuizen ist Digitalforensiker so eine Art Cyber-CSI Ermittler, der mich in seiner Attitüde ein bisschen an Kommissar Wallander und Harry Hole erinnert, aber körperlich wesentlich fitter ist. Der Kommissar, seine Analystin und der "allwissende" Big-Data-Rechner Terry versuchen den Mord an einem Minister des Europäischen Parlaments aufzuklären, bei dem offensichtlich Datenspuren verwischt wurden. Ein Potpurri an Verdächtigen im Zusammenspiel mit internationaler Politik und Technologie bescheren ein bis zusletzt spannendes Mörderraten. Auch die Sprache des Krimis ist großartig in bester Manier wurden vom Autor technokratische und literarische Stilmittel perfekt und sehr innovativ zu knackigen Sprüchen und Metaphern gemixt. "Ich würde gern noch etwas in Pazzis Bewegungsdaten der letzten vierundzwanzig Stunden herumstochern, aber anders als seine Leiche ist sein digitaler Kadaver weitgehend geschützt, zumindest bis der Untersuchungsrichter den Mist entsiegelt, was in etwa in zwei Stunden passieren dürfte" Einen Stern ziehe ich dennoch ab, denn bei der Figurenentwicklung ist noch ein bisschen Luft nach oben. Der Leser erfährt nichts über die Traumata von Westerhuizen, die ihn nachweislich in seiner Interaktion mit der Umwelt behindern, und auch seine Analystin Ava ist einfach etwas zu flach gezeichnet. Das ist aber Kritik auf hohem Niveau, denn Krimi- und Science Fiction Plot sind hervorragend. Eine abschließende Frage hätte ich noch an den Autor. Was ist eigentlich mit den Amerikanern passiert? Sie sind völlig vom Erdboden verschwunden. Diese Frage wurde nie beantwortet, ich kann mir auch wenig zusammenreimen und grüble immer noch. Naja Hauptsache sie sind weg ;-) Fazit: Absolute Leseempfehlung!

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    • 10
  • Wo zum Teufel parken die ganzen Wohnmobile?

    Drohnenland
    thursdaynext

    thursdaynext

    In einer feuchtnassen Zukunft, gar nicht so weit entfernt von der unsrigen ist Europas Stammsitz noch immer in Brüssel. Privatheit ist ein seltenes Gut geworden denn die allsehenden Drohnen, und Specs (Smartphonenachfolger à la Googlebrille) sind fast überall. Polizeiliche Ermittlungen finden, Analysten und Rechner unterstützt, in einer virtuellen Realität statt. Hauptkomissar Westerhuizen ermittelt ebendort im Fall eines getöteten MEPs (member european parliament) Höchste Dringlichkeitsstufe, sonst gibts Ärger mit dem unleidlichen fetten Chef. Der emotional stark unterkühlte 47 jährige Witwer und Exveteran stößt auf seltsame Funde und legt sich mit dem mächtigen Geheimdienst an. Die Lovestory zwischen seiner Analystin interessiert nur am Rande. Der Ermittler bleibt sachlich, flach, abgesehen von seiner Lakritzsucht hat er wenig hervorstechende Eigenschaften. Dieser Politkrimithriller liest sich mühsam. Spannung wird anfänglich nur mittels der langsam voranschreitenden Entdeckung dieser Zukunftswelt erzeugt. Die Klimaveränderung hat etliches unter Wasser gesetzt, Holland z.B. . Der ewige Regen nervt, wobei ich das Buch in grauer feuchtkalter Dezembersuppe ohne jeglichen Sonnenstrahl gelesen habe, was die Buchatmosphäre anschaulich hervorhob. Die Ich - Erzählerperspektive des gefühlsunterdrückten Lakritzfressers tat ein übriges um das Lesen nicht zum Genuß werden zu lassen. Vielleicht ist es auch einfach ein Männerbuch. Sachlich, technisch, durchsetzt von dem was Männer für Logik halten, leicht fremdartig.   Ab der Mitte, als sich etliche politischen Verwicklungen und potentielle Konzerninteressen abzeichneten, das Bild der Zukunft klarer gezeichnet war nahmen Rasanz und Spannung exponentiell zu, um auf ein fulminantes, wenn auch nicht völlig überraschendes Ende hinzusteuern. Daher 4 Sterne für diesen unterkühlten fiktional fiktionalen Kriminalroman der in einer Welt spielt, die, logisch weitergedacht, sehr gut in absehbarer Zeit auch die unsere sein könnte. Starkes Ende, guter Fall, authentische SciFi Gadgets, sauber ausgeführt aber ich frage mich immer noch wo jetzt die ganzen Holländer nun ihre Wohnwägen rumkutschieren.......

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    • 3
  • Terry sieht alles

    Drohnenland
    SalanderLisbeth

    SalanderLisbeth

    23. February 2016 um 13:58

    In Europa Mitte des 21. Jahrhundert ermittelt Hauptkommissar Aart van der Westerhuizen in einem Mordfall an einem erschossenem Brüsseler Abgeordneten. Dank flächendeckender Vollzeitüberwachung werden Verbrechen mittlerweile relativ schnell aufgeklärt. Außerdem steht ihm die israelische Analystin Ava Bittmann zur Seite, die mit einem hoch leistungsfähigen Europol-Fahndungscomputer, kurz Terry (von Theiresias dem antiken blinden Seher) arbeitet. Trotz dessen umfangreicher Bewegungsdaten verlaufen aber alle Spuren im Sand. Als Aart und Ava Zusammenhänge zu anderen verstorbenen Abgeordneten aufdecken, geraten sie in tödliche Gefahr. Das wirklich besondere an diesem spannendem Krimi ist nicht unbedingt der fesselnde Plot, sondern das Setting, dass Tom Hillenbrand mit großem Einfallsreichtum erschaffen hat. Ein Europa, in dem u.a. Holland aufgrund der Klimaerwärmung größtenteils abgesoffen ist, und es ständig regnet, so dass die großen Metropolen kilometerlange Netze von Untergrundpassagen unter die Städte gebaut haben. Die komplette Überwachung mit Drohnen, Colibris, Molekularscanner, genannt Mollys ist allgegenwärtig. Medienfolien haben das gedruckte Papier ersetzt, man trägt Datenbrillen, sogenannte Specs, Treffen finden in Holokonferenzen statt, Autos fahren selbstständig. Der Autor beschreibt eine Zukunft, wie sie vorstellbar wäre, weil es eine Fortschreibung der heutigen Entwicklung darstellt und vieles seinen Ursprung in der heutigen Zeit hat. Nichts wird explizit erklärt. Fast beiläufig wird man über die politische Entwicklung informiert. Trotzdem wirkt die vom Autor entworfene Szenerie absolut stimmig und überzeugend, da Hillenbrand alles mit einer Selbstverständlichkeit und viel Tempo erzählt und ich bewundere seine Detailverliebtheit und seinen Humor. Aart untersucht die Wohnung des Opfers und staunt über den Kleiderschrank. Seite 49: Vor einem weißen Hintergrund taucht ein seltsam aussehender Mann auf, jene Art von virtuellem Konstrukt, das sich nur ein bekiffter Programmierer ausdenken kann. Der Mann ist Mitte fünfzig, seltsam ausgemergelt, und hat einen weißen Pferdeschwanz, der so aussieht, als habe er ihn gepudert. „Guten Morgen“, sagt der Mann auf Französisch. Dank der fortgeschrittendsten Entwicklung, der Spiegelung, ist es nicht mehr nötig, einen Tatort persönlich zu begehen, sondern kann dies virtuell erledigen. Man begibt sich dazu in einen aus einer Vielzahl von Aufnahmen zusammengesetzten Datenraum. Mit dem Hauptkommissar hat der Autor einen sympathischen Charakter erschaffen, als Leser fühlt man mit dem immer etwas melancholisch wirkenden Niederländer mit, wenn er über die Zuidersee, seine überschwemmte Heimat schippert. Seit man nirgends mehr rauchen darf, ist er Lakritz-süchtig, und mit seinem wachen Verstand ist der altmodische Mittvierziger davon überzeugt, dass trotz aller Technik die gute alte Polizeiarbeit von großer Wichtigkeit ist. Aber diese Zeiten sind vorbei, wie dem Bogart-Fan durch seinen Vorgesetzter unmissverständlich erklärt wird. Seite 40 „Mein Bullenherz ist Ihrer Meinung, Westerhuizen. Sie sind vom alten Schlag, genau wie ich. Sie gehen raus, sprechen persönlich mit Zeugen, schnüffeln am Tatort herum. Aber mein Präfektenherz sagt mir, dass diese Zeit vorbei sind. Das ist hier keiner Ihrer Harry-Bogart-Filme.“ ….. „Effizienz ist Trumpf, Westerhuizen. Sich die Schuhsohlen abzulaufen, ist nur noch eine romantische Fantasie aus 2-D-Filmen. …. „ Fazit: Mir hat die düstere Zukunftsperspektive sehr gut gefallen, besonders bemerkenswert die überbordende Phantasie, mit der Tom Hillenbrand, der sich bisher als Autor von Küchenkrimis hervorgetan hat, seinen mit mehreren Preisen ausgezeichneten SciFi – Krimi ausstattet. Und viel subtiler und cooler als Dave Eggers mit „Der Circle“ oder Marc Elsbergs „Zero“ wird hier die Thematik um den Überwachungsstaat aufgegriffen. Von mir 4,5 Punkte

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  • Filmreif!

    Drohnenland
    guybrush

    guybrush

    Alles wird überwacht. Alles ist sicher. Doch dann geschieht ein Mord, der alles infrage stellt. Wozu Zeugen vernehmen, wenn all ihre Bewegungen und Gespräche bereits auf einer Festplatte archiviert sind? Warum Tatorte begehen, wenn fliegende Polizeidrohnen bereits alles abfotografiert haben? Als ein Brüsseler Parlamentarier auf einem Feld nahe der Hauptstadt ermordet aufgefunden wird, glaubt Kommissar Aart van der Westerhuizen zunächst, den Fall mithilfe des beinahe allwissenden Europol-Fahndungscomputers und der brillanten Forensikerin Ava Bittmann rasch lösen zu können. Und tatsächlich gibt es verblüffend schnell einen Verdächtigen. Doch dann entdeckt er immer mehr Hinweise darauf, dass die digitale Datenspur manipuliert wurde und gerät in eine Verschwörung, die ganz Europa in seinen Grundfesten zu erschüttern droht. Die Welt nach dem Klimawandel. Die Küstenregionen sind im Dauerregen untergegangen. Holland existiert nicht mehr. Europa ist zu einer großmächtigen Union angewachsen. Amerika spielt weltpolitisch keine Rolle mehr. Die Kriege ums Öl sind längst ausgefochten, die arabischen Länder sind atomverseucht. Auch die Kriege um Land, auf dem Sonnenkollektoren aufgestellt werden können, sind bereits Geschichte.  Trotzdem empfindet man das Szenario nicht als düster, sondern einfach als gegeben. Das liegt am ruhigen Erzählstil von Tom Hillenbrand und daran, dass er nichts zu erklären versucht, er setzt es einfach voraus. Auch die technischen „Errungenschaften“ dieser in naher Zukunft angesiedelten Welt, wird nicht näher eingegangen. Die meisten erklären sich auch von selbst, da sie bereits existieren. Überwachungsdrohnen, Datenbrillen, selbst fahrende Autos, Medienfolien, … das gibt es alles schon. Man muss die Technik nur konsequent weiterdenken und schon hat man den perfekten Überwachungsstaat. Wer die Daten hat, hat die Macht. Datensicherheit – auch das ist bereits bewiesen – gibt es nicht. Alles schon mal gelesen? Nein, nicht in dieser Form und nicht aus einer rein europäischen Perspektive. Auch nicht mit einem so taffen Hauptkommissar. Arthur (Aart) van der Westerhuizen, Holländer, Ende 40 und seines Zeichens Hauptkommissar bei Europol in Brüssel, ein Mann ganz nach meinem Geschmack. Er liebt alte Bogart-Filme und Lakritz. Gekonnt hält Westerhuizen die Balance zwischen melancholischem Grübler, coolem Kriegsveteran und begnadetem Schnüffler. (Ich hatte ständig die Synchronstimme von Bruce Willis im Ohr.) Und weil er ein guter Spürhund ist, stolpert er über Dinge, die nicht ans Tageslicht kommen sollen, kommt damit höchsten politischen Kreisen in die Quere und wird gnadenlos gejagt. Auch als Krimi funktioniert der Plot hervorragend. „Schwierige Fälle löse man nicht durch kontinuierliche Deduktion, sondern durch Epiphanien. … Anders ausgedrückt: Es ist sinnlos, der Erkenntnis hinterherzulaufen. Du musst warten, bis sie zu dir kommt.“ Anders als bei Dave Eggers „The Circle“, den die Realität schon vor dem Erscheinungstermin eingeholt hatte und der mir seine spärlichen Erkenntnisse mit dem Hammer einschlagen wollte, kommt „Drohnenland“  zwar nicht völlig klischeefrei, so doch subtiler und vor allem spannender daher. Nichts ist perfekt, auch nicht dieses Buch. Stellenweise haperts mit der Logik, a bisserl weniger Verschwörungstheorie hätt auch genügt, Forensikerin Ava ist zu konturlos geraten und der Schluss hätte eine kräftige Pointe gebraucht. Trotzdem eine filmreife Leistung und ein Buch ganz nach meinem Geschmack. „Der Verstand ist oft die Quelle der Barbarei; ein Übermaß an Verstand ist es immer“ - Giacomo Leopardi

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    • 3
  • Beängstigender, aber spannender Zukunftskrimi

    Drohnenland
    Lesestunde_mit_Marie

    Lesestunde_mit_Marie

    Tom Hillebrand ist mit dem Kriminalroman Drohnenland ein ganz besonderes Meisterstück seines Genres gelungen. Denn mit diesem visionären Science Fiction Krimi betritt er ein Gebiet, dass gerade vor dem Hintergrund der aktuellen technischen und digitalen Entwicklungen mit durchaus vorstellbare Ideen, Ansätzen und Techniken bestückt ist. Das macht ihn extrem spannend und führt dem Leser beängstigende Entwicklungsmöglichkeiten vor Augen. Die im Buch aufgeführten technischen Errungenschaften wie Datenbrillen, selbst fahrende Autos und Medienfolien erscheinen einem als äußerst begehrenswerte Entwicklungen. Auch der analysierende Terry, ein Datenroboter, der in Bruchteilen von Sekunden Daten ausspuckt, Analysen fährt und Wahrscheinlichkeiten berechnet, scheint ein Meilenstein in der Kriminaltechnik zu sein. Wesentlich bedrohlicher erscheinen einem da auf Anhieb die Überwachungsdrohnen. Doch welche Gefahren die gesamte bequeme Technik selbst für die Ermittler bergen kann, wird sukzessive in dem geschickten Handlungsbogen offenbart. Hauptkommissar Arthur van der Westerhuizen, kurz Aart genannt, ermittelt gemeinsam mit seiner Analystin Ava an einem Mordfall. Ein Brüsseler Parlamentarier wurde auf einem Feld nahe der Hauptstadt ermordet aufgefunden. Schnell befinden sich die beiden in einem schier undurchdringlichen Dickicht an Verwirrungen, Wirtschafts- und Politikinteressen. Eingebettet ist das Ganze in einem Zukunftsszenario, indem Europa zu einer vollkommen anderen Machtstellung gelangt ist und Amerika seine weltpolitische Hauptrolle längst verloren hat. Es ist die Zeit nach Klimakatastrophe, Solarkollektoren und Atomkrieg. In völlig unaufgeregter Erzählweise kommt der Plot so selbstverständlich daher, als wenn es morgen wäre. Fazit: Fantasievoll aber nicht unrealistisch ist dieser Science Fiction Krimi eine spannende und gleichzeitig alarmierende Lektüre.

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    • 9
    KruemelGizmo

    KruemelGizmo

    22. November 2015 um 13:11
  • Science Fiction mit aktuellem Thema

    Drohnenland
    Reg_And

    Reg_And

    28. October 2015 um 09:44

    Drohnenland ist ein Krimi, der spannender und facettenreicher nicht sein kann. Gerade im Moment, die NSA Affäre verschwindet wieder langsam aus den Medien und den Köpfen der Menschen, könnte dieser Roman nicht aktueller sein. Und das obwohl er in der Zukunft spielt. In der Geschichte verstacken sich so viele liebevolle Details, welche einem die Welt von Drohnenland erklären. Doch immer wieder dachte ich mir: "Ich kann mir gut vorstellen, dass es mal genau so sein könnte." Mit den bisherigen Erscheinungen von Tom Hillenbrand konnte ich bisher leider nur sehr wenig anfangen, aber davon wünsche ich mir mehr.

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  • Altmodisch in die Zukunft

    Drohnenland
    SaraK

    SaraK

    14. July 2015 um 11:44

    Der Detektiv agiert im typischen Stil amerikanischer Krimis der vierziger und fünfziger, wenn er auch weniger Macho ist. Zusammen mit dem Setting, das rund 30 Jahre in der Zukunft liegen dürfte und viele technischen Details und virtuelle Szenarien enthält, ergibt das eine reizvolle Mischung!

  • Sehr starkes Hightechsetting mit entscheidenden Fehlern.

    Drohnenland
    JimiAntiloop

    JimiAntiloop

    27. April 2015 um 19:03

    Dieses Buch, als Empfehlung und Leihgabe eines Freundes, hat mich auf Grund des Szenarios der Aufklärung von Verbrechen durch Hightechüberwachung und deren Möglichkeiten sowie Gefahren, neugierig gemacht. Da ich vor allen Dingen auf die technischen und kognitiven Details neugierig war, habe ich die ersten ca. 95 Seiten fokusiert überflogen und bin erst danach ins durchgängige Lesen übergeglitten. Was sehr gut funktionierte. Von ScienceFiction seit jeher begeistert, verschlang ich dann innerhalb der nächsten 2 Tagen den Rest. Das Grundsetting ist dabei sehr interessant und wer sich ein bisschen mit ScienceFiction auskennt, dem sind die Gedanken dazu, in wie Fern nicht schon aktuell, in der menschlichen Realität (Matrix) an sich, solche Dinge angelegt sind, nichts Fremdes. Dahingehend ist das betreten von parallelen Welten, wie in diesem Falle durch eine quasi Erinnerung des Überwachungscomputers, eine hochinteressante Sache. Tun wir dies in ähnlicher Form doch im Schlaf in dem wir träumen, bewusst oder unbewusst alle. In "Drohnenland" steht die Möglichkeit der Manipulation eben dieser Erinnerungen im Focus und der Autor versteht es geschickt und logisch ein plausibles Szenario zu entwerfen, welches noch dazu im Rahmen eines sehr alltagstauglichen politischem Szenarios stattfindet. Die Aspekte der Konsequenz und Auswirkungen von Überwachung betrachtend, ist der Roman also durchweg empfehlenswert. Nun aber zu den Macken und unlogischen Aspekten der Geschichte sowie der Charaktere, die dem Ganzen in meinem kritischen Augen ganz und gar nicht gut stehen. Mich sogar zur Überzeugung kommen lassen, der Autor "Tom Hillenbrand" ist von verschleiernden Kräften auf diese Ideen gelenkt worden. (Kreativität speißt sich eben nicht aus dem Nichts oder nur einem selbst.) Als erstes sollte man sich fragen, warum eine sicherheitsrelevantes System nur über die Einnahme des Tiefschlafmittels "Hypnoremerol"zu betreten sein sollte. So scheint es doch sehr kontraintuitiv davon auszugehen, man käme durch die Beraubung von Klarheit geradewegs in eine nicht manipulierte Ebene eines speziellen Bewusstseins, ein Bewusstsein welches dieses Superüberwachungssystem letzlich darstellt. Wie ich finde eine grober Schnitzer im Grunddesign der Geschichte, welches intelligenter (wenn vielleicht auch nicht so ganz einfach) gelöst hätte werden können. Dieser Fakt bringt mich dann auch zum zweiten grundsätzlichen Kritikpunkt, der beim aktuell vorherschenden Alltagsbewusstsein in der Welt, sicherlich nicht allzu verwunderlich ist. Das ganze Buch ist in immer wiederkehrenden Abständen, mit den das menschliche Bewusstsein verleiernden und ablenkenden Mittel der Alltagsdrogen verseucht. Als da wären: 1. Das ständige greifen des "Helden" zu Alkohol. 2. Das immer mal wieder kursierende Koffein in Form von Kaffee. und 3. Nicht zuletzt die sehr bildlichen und beschönigenden Aussagen zu Zigaretten und der Lust nach ihnen. Gerade auf dem sensiblen Terrain der Erinnerungen, welches quasi grundsätzlich im Mittelpunkt der Geschichte steht, sind das meiner Erfahrung nach, komplette NoGo's. So verliert die Geschichte eigentlich komplett ihre Glaubwürdigkeit. Zumindest in den Augen derer, die sich mit den im Mittelpunk stehenden SciFi Ideen schon tiefgehender auseinandergesetzt haben. Von daher ist das Buch empfehlenswert, jedoch nur unter Vorbehalt und mit Vorsicht zu genießen.

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