Tom Kummer

 3.6 Sterne bei 36 Bewertungen
Autor von Nina & Tom, Blow Up und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Tom Kummer

Nina & Tom

Nina & Tom

 (28)
Erschienen am 17.03.2017
Blow Up

Blow Up

 (5)
Erschienen am 01.12.2008
Reportagen #27

Reportagen #27

 (0)
Erschienen am 04.02.2016

Neue Rezensionen zu Tom Kummer

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Rezension zu "Nina & Tom" von Tom Kummer

Tom Kummer | NINA & TOM
Ein LovelyBooks-Nutzervor einem Jahr

INHALT: Sie waren wie zwei Wildpferde auf Speed, ihre Leben ein einziges Brennen im Herzen, ein ständiges Suchen nach Grenzen und dem, was dahinter liegt – Nina und Tom. Dreißig Jahre lang waren sie ein Paar, haben alle Höhen erklommen, alle Tiefen ausgelotet, sich geliebt und gehasst, gevögelt und geschlagen. Haben alle Drogen genommen, die sie zwischen die Finger bekamen, und mit ihrer subversiven Dekadenz die Menschen um sich herum verprellt. Sie waren wie zwei Drachen, in ewigem Kampf ineinander verkeilt, Glut in den Augen, Feuer in den Lungen. Jahrzehntelang waren sie jung und stark, doch das Ende naht. Der Krebs hat sich in Nina breit gemacht. Sie wird sterben, schon bald. Die ultimative Erfahrung am Ende eines Lebens voller Extreme.

FORM: Tom Kummer (*1961) schreibt seinen atemlosen Lebensbericht in kurzen, klaren Sätzen. Auf gut zweihundertfünfzig Seiten prescht er durch dreißig Jahre Beziehung, wobei er den Todeskampf Ninas als Grundgerüst nimmt und die Episoden der Vergangenheit dazwischen einfließen lässt.

Die Liebe zwischen Nina und Tom als Tour de Force zu beschreiben, wäre zu schmeichelhaft. Es gibt Szenen voller Hass und Gewalt, der Sex ist hart und ohne jede Romantik, und das Glück ist immer euphorisch bis in die höchsten Höhen. Nie gibt es so etwas wie ein Mittelmaß, was die beiden zwar zu furchtbar anstrengenden Figuren macht, ihnen aber auch eine Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit verleiht, die man selten erlebt. Erst die Söhne Henry und Jack bremsen ihren Sturzflug und bringen etwas Ruhe in den Rave.

Der Roman ist stark autobiografisch gefärbt – Nina gab es wirklich. Sie erlag im September 2014 ihrem Krebsleiden. Die Qualen, die sie durchlitt, müssen schlimm gewesen sein, und sie lesend dabei zu beobachten, ist schwer zu ertragen. Das Foto auf dem Cover zeigt sie an ihrem Hochzeittag 1998 in der Wüste bei Las Vegas. Es stammt aus Kummers Privatarchiv.

Beim Autor selbst kommt man schlecht um den zweifelhaften Ruhm herum, den er sich in den Neunzigern mit seinen gefälschten Interviews ergatterte. Jahrelang erfand er Gespräche mit Weltstars und verkaufte sie an Zeitschriften. Als er damit aufflog löste er einen Medienskandal aus. Auch diese Episode ist im Buch enthalten. Kummer öffnet somit eine Metaebene, eine Aufforderung an den Leser, sich mit dem Leben des Autors zu beschäftigen.

FAZIT: Eine irre Liebesgeschichte in der niemand geschont wird, zwei unvergessliche Charaktere die ans Herz gehen, und, auch wenn mir der Schreibstil manchmal etwas zu unterkühlt war, ein faszinierender Roman – fünf Sterne. Daran ändern auch die aktuellen Vorwürfe nichts, Kummer soll für NINA & TOM bei Größen wie Richard Ford abgeschrieben haben. Solche Beschuldigungen lassen mich völlig kalt – jeder kopiert seine Helden, manche vedienen Millionen damit.

*** Diese und viele weitere Rezensionen könnt Ihr in meinem Blog Bookster HRO nachlesen. Ich freue mich über Euren Besuch ***

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lesebiene27s avatar

Rezension zu "Nina & Tom" von Tom Kummer

Agressionen, Sex, Drogen und Gewalt - ein ungewöhnliche und sehr starke Liebe
lesebiene27vor einem Jahr

Inhalt:

Nina und Tom sind ein extremes Paar. In Barcelona lernen sie sich kennen, leben zusammen in Berlin und gründen in L.A. eine Familie. Und dennoch sind sie kein alltägliches Paar. Die beiden leben von Gewalt gegen sich selbst, gegen den anderen und gegen die ganze Welt. Und plötzlich ist Nina krank und nichts ist wie es einmal war. Tom erzählt in Rückblicken von ihrer gemeinsamen Vergangenheit und zeigt dem Leser, wieso ihre Liebe so besonders ist.


Meine Meinung:

Sehr interessant fand ich es, dass der Autor mit diesem Werk ein Buch schreibt, das autobiografisch wirkt. Dennoch ist bis zum Schluss nicht klar, ob dies lediglich ein Stilmittel ist oder ob der Autor tatsächlich über sein Leben schreibt. Jedenfalls schreibt er von einer Person namens Tom, die sich in Nina verliebt. Er arbeitet wie der Autor auch selbst als Journalist diverser Zeitungen und fällt vor allem durch seine ausgedachten Interviews mit bekannten Persönlichkeiten auf. Hier scheint es, als ob der Autor (der ja selber vor ein paar Jahren wegen genau dieser Art zu schreiben in der Kritik stand) sich selbst ein wenig auf die Schippe nimmt.

Im Folgenden will ich aber nicht weiter auf diesen Aspekt eingehen und das Buch vor allem als Geschichte betrachten. Vorweg hatte ich gelesen, dass es provozieren soll. Dies tut es auch in gewisser Weise, wenn der Autor wieder und wieder von der Brutalität der Liebe zwischen Tom und Nina schreibt. Nicht nur Worte, sondern auch Taten wirken hier sehr verletzend und stark an der Grenze zwischen extremer Liebe und Misshandlungen und Vergewaltigungen.

Dies kann ein Buch in manchen Momenten interessant machen – ich fand es leider zu viel des Guten. Es konnten keine zehn Seiten vergehen, wo nicht irgendwo Sex stattfand, Drogen konsumiert oder Partys veranstaltet wurden. Darunter hat dann leider auch der Sprachstil gelitten, der überwiegend sehr vulgär ausfällt.

Gut gefallen hat mir dagegen die Eindrücklichkeit von Ninas Krankheit. Diese wurde wunderbar ehrlich und schonungslos dargestellt, was mich traurig gemacht hat.

Die Figuren Nina und Tom waren mir leider sehr schnell unsympathisch. Beide sind ziemlich egoistisch und leben auf den eigenen Vorteil bedacht und dennoch einander sehr unterwürfig. Die Liebe zwischen den beiden ist zwar sehr intensiv, ich fand sie aber vor allem krass.


Fazit:

Mich konnte dieses provokante Buch von Tom Kummer mit dem Titel „Nina & Tom“ leider nicht überzeugen. Ich habe mich beim Lesen gequält dabei zu bleiben. Ich kann mir vorstellen, dass man das Buch an dieser Stelle entweder total toll findet oder es nicht leiden kann. Ich zähle mich zu letzteren. Von mir gibt es daher lediglich 2 Punkte.

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fluffywordsblogs avatar

Rezension zu "Nina & Tom" von Tom Kummer

Tom Kummers „Nina & Tom“ – ein Grenzgang zwischen Kunst & Alltag
fluffywordsblogvor 2 Jahren

Eine Kunststudentenparty in Neukölln. Ein Pärchen betritt fernab von jedem Fußballevent in Deutschlandtrikots, mit Billigdosenbier in den Händen und Brustbeuteln um den Hals die im genau richtigen Maße abgeranzte Wohnung. Der Mittelpunkt gehört ihnen. Sie haben einen Tag des offensiven Grölens in Berlin-Mitte hinter sich und verraten mir, dass sie morgen vielleicht 90er-Technofans mit Igelfrisuren oder Metalheads sein werden. Eine Performance, ein Leben als Kunstform. Ähm, und wer seid ihr wirklich? Nina und Tom?

Nina liebt Tom. Tom liebt Nina. Nina schlägt Tom. Tom schlägt Nina. Irgendwo zwischen Romantik, Genie und Wahnsinn spielt sich die Liebes- und gemeinsame Lebensgeschichte der beiden Figuren ab, die ihre Namen von Autor Tom Kummer und seiner inzwischen verstorbenen Frau Nina entliehen haben. Zu dieser sehr grundlegenden Plotinformation fehlt noch der Stempel „Roman“, das präsentische Erzählen und die einfache, mit Vorliebe derbe und parataktische Sprache, um Nina & Tom neben Joachim Bessing und Lottmann oder Benjamin von Stuckrad-Barre  zwischen Popliteraten und Autofiktionshelden ins heimische Bücherregal einzusortieren.

Tom Kummer treibt das Spielchen nur noch ein kleines bisschen weiter, denn nicht einmal mehr seine Figuren sind sich sicher, dass sie die sind, die sie vorgeben zu sein. „Wir sind zu abstrakten Zeichen geworden, alles fühlt sich künstlich an. Wir sind wie erfunden.“ Vielleicht offenbart uns Kummer aber an dieser Stelle auch nur, was für eine Macht er selbst über seinen Text, seine fiktionalisierte Autobiographie hat. Er konstruiert, kombiniert und selektiert, so wie es sich für einen Borderline-Journalisten, als der er sich keinen guten, aber immerhin einen Namen gemacht hat, gehört. „Ich inszeniere Geschichten, die wie Wahrheit klingen“, sagt die Tom-Figur übereinstimmend mit Autor Kummer. Diese Geschichte lässt Nina dahinsiechend Windeln und Reizwäsche tragen, vielerlei Substanzen konsumieren und schließlich sterben. Tom ist in ihrem Bann, macht alles mit.

Dramatisch soll es sein, wenn Tom nach der Vagina seiner halb toten Frau lechzt, schockierend, wenn das Paar sich gegenseitig würgt und dabei sexuelle Höchstleistungen vollbringt. Schön ist das, vor allem sprachlich, nicht. Aber vielleicht erquickt auch den einen oder anderen Leser ein „ich erkenne schönes, glattes Frauenfleisch“ oder ein „mein Schwanz steht im spitzen Winkel hoch“. Zum Glück hat Tom zumindest einen Nachnamen, der ihn zu einer traurig lächelnden Wortkreation wie dem Kummer-Bett, dem Ort, an dem Nina ihre letzten Stunden zubringt, führt.

Ohne an dieser Stelle in die Plagiatsdebatte um Kummer einstimmen zu wollen, wirkt doch jeder zweite Abschnitt ein kleines bisschen zu bekannt. Die Morgensonne spiegelt sich in Fensterfronten, die Freeways von L.A. versprechen Freiheit und die Menschen von Beverly Hills sehen entweder nach Pornostars aus oder sind verdrogte Gangmitglieder, auch gern beides. Weil diese Collage aber so schön gepuzzelt ist, dass sie im Ganzen tatsächlich etwas Neues, einen Roman ergibt, lässt sich Kummer hier eher lobpreisen als verteufeln. Das gekonnte Sampling führt Lesende geistig noch einmal durch lange zurückliegende Lektüren und erinnert daran, dass nahezu alles schon einmal gedacht oder geschrieben wurde. Vielleicht nutzt ein Christian Kracht nur weniger verbreitete Inspirationsquellen.

Wenn all dies verständlicherweise eher abschreckt als einlädt, sei als lektüreanregendes Argument zuletzt noch Nina selbst angebracht. Sie wird von Erzähler-Tom mehrere Jahrzehnte lang geliebt, aber nie richtig verstanden. Wie auch die beiden Neuköllner Vollzeitperformer, die ich auf der Kunststudentenparty traf, könnte sie schon morgen aussehen wie eine Altonaer Yogamama, nachdem sie gerade eine Woche als Lederdomina oder Tomboy zu erleben war. Jenseits von sexueller Härte und sprachlichen Barrieren liest sich die Bewunderung für dieses menschliche Wesen eigentlich ganz schön.

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Gespräche aus der Community

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aufbauverlags avatar


Tom liebt Nina.
Nina liebt Tom.
Sie hat nur noch wenige Tage zu leben.


Die größte Liebesgeschichte seit Love Story.


So jemanden wie Nina hat Tom noch nie gesehen: Sie sieht aus wie ein Knabe und hat diesen Gangsterblick, der keine Schwächen zulässt. Er selbst bastelt Feuerbomben und inszeniert Geschichten, die wie die Wahrheit klingen. In Barcelona lernen sie sich kennen, in Berlin experimentieren sie mit Sex, Pop und Drogen, und in L. A. gründen sie eine Familie. Nina & Tom sind das ungleiche Paar, das nur die Extreme kennt. Doch nun, nach dreißig gemeinsamen Jahren, ist Nina krank. Sie wird sterben. Und niemand kann sie davon abhalten, ihre letzten Tage in Freiheit zu verbringen. Ein Buch, wie es nur das Leben schreiben kann.


“’Wir sind Engel der Hölle’, sage ich zu Nina, als wir in der Lufthansa-Maschine die Anden überqueren. Sie legt ihren Arm über meine Schulter. Ich lege meine Finger auf ihre Wange und streiche hinunter bis zum Kinn. Ich sehe, wie ihre Lippen zittern: ‘Tom’, sagt sie, ‘wie wollen wir jetzt weiterleben?’”


Tom Kummer, der »Bad Boy« des deutschen Journalismus, hat der Frau ein Denkmal gesetzt, von der ihn nur der Tod scheiden konnte: ein durch und durch erschütterndes Buch.

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Über Tom Kummer

Tom Kummer, geboren 1961 in Bern, ist ein Schweizer Journalist. Im Jahr 2000 löste er wegen fiktiver Interviews einen Medienskandal aus. Er lebt in Los Angeles und Bern. Er schrieb u.a. Good Morning, Los Angeles. Die tägliche Jagd nach der Wirklichkeit (1996) und den Roman Blow Up (Blumenbar, 2007).

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S
Letzter Beitrag von  SummseBeevor 2 Jahren
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