Tom Liehr Sommerhit

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Inhaltsangabe zu „Sommerhit“ von Tom Liehr

Ein gutes Leben ist die beste Rache

Falk Lutter ist vierzehn, als er 1980 mit seiner Familie nach einem Balaton-Urlaub in den Westen flieht. Doch nur er und seine Mutter kommen auch an. Und was der Dresdener Junge dann erlebt, ist ein Kulturschock: Cool sein ist die Devise seiner neuen West-Berliner Mitschüler - eine Coolness, die während der Abi-Abschlussfahrt in einem Drama mündet. Und "Cool sein" heißt auch sein Sommerhit, der in den 90er Jahren die Tanzflächen rockt. Zwanzig Jahre später kommt es zum Klassentreffen. Falk nennt sich jetzt Martin Gold und ist ein Star, der weiß, was er will. Der Tag der Abrechnung ist gekommen.

"Tom Liehr hat ein Händchen für Geschichten. Er erzählt mit Hingabe, leidenschaftlich, mit Liebe zum Detail und emotionalen Wendungen." Westdeutsche Allgemeine Zeitung

"Sommerhit" ist vielleicht nicht nervenaufreibend packend, aber durchweg gut geschrieben und von vorn bis hinten lesenswert.

— Soeren

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  • Die Rache des Außenseiters

    Sommerhit

    winter-chill

    27. June 2017 um 15:59

    Einer der auszog, um es allen zu zeigen: Falk Lutter ist 14 Jahre alt, als seine Mutter mit ihm im Jahr 1980 aus der DDR flieht. Vater und Schwester bleiben auf tragische Weise zurück. Von da an ist Falks bis dahin unbeschwerte Kindheit vorbei: Von Anfang an ist er in seiner neuen Klasse in Westberlin der Ostler und Außenseiter. Jahrelang wird er von seinen Mitschülern gequält und schlecht behandelt. Doch dann erkennt er, dass es vielleicht gar nicht so schlecht war, ein Außenseiter zu sein, denn gerade auch deshalb hat Falk seinen Weg gemacht und wurde mit den Jahren zum berühmten Popstar Martin Gold. Und endlich, zum 27-jährigen Abi-Treffen zeigt er es allen. Die Zutaten für seinen Roman Sommerhit hat Tom Liehr im Großen und Ganzen ganz gut gewählt: wir haben ein bisschen DDR-Geschichte, ein Ost-West-Familiendrama, die erste Liebe, Freundschaft, ein dunkles Geheimnis und nicht zuletzt einen sympathischen Protagonisten, mit dem man anfangs mitleidet und mit man sich später freut, wenn er seine Musikerkarriere hinlegt. Alles garniert mit dem Flair der 80er und 90er. Der Schreibstil ist recht angenehm, voller Witz und Wärme. Trotz allem konnte mich der Roman nicht hundertprozentig überzeugen – mir hat da einfach ein bisschen mehr Raffinesse gefehlt, sprich unerwartete Wendungen, ein höheres Erzähltempo und vor allem weniger Klischees. So ist zum Beispiel Falks Schulkasse doch recht schablonenartig gezeichnet: es gibt die typischen coolen Draufgänger, die das Sagen haben, ihre Mitläufer und ein paar wenige Außenseiter – darunter natürlich der Nerd mit Käsefüßen. Dass sich sogar die – natürlich recht tölpelhaften und freakigen – Lehrer von den Cliquenanführern derart einschüchtern lassen, dass sie nichts unternehmen, finde ich zudem recht unglaubwürdig.  Genauso ging es mir mit der DDR-Geschichte – auch hier war mir einiges einfach zu unglaubwürdig und übertrieben dargestellt (speziell Sonjas Geschichte). Zwar hat der Roman durchaus eine Botschaft, so richtig erreicht hat sie mich aber nicht. An sich eine nette, kurzweilige Geschichte für zwischendurch, der große Wurf war es für mich aber nicht.

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  • Vollobst

    Sommerhit

    walli007

    23. September 2016 um 22:04

    Für Falk Lutter ist es eine Reise in die Vergangenheit. Nie hätte er damit gerechnet, zu einem Klassentreffen eingeladen zu werden. 27 Jahre ist schon ein eigenartiges Jubiläum, der Jahrgang 1984 aus Berlin. Im Jahr 1980 ist er gemeinsam mit seiner Mutter aus der DDR geflohen. Eigentlich war es der Vater, der fortwollte aus diesem System. Der jedoch kehrte in die Heimat zurück, um nach Falks Schwester Sonja zu suchen, die bei der Grenzkontrolle festgehalten wurde. Die Eltern versuchten allerdings, ihrem Jungen möglichst unbeschwerte Ferien in Ungarn zu bereiten. Dort lernte Falk auch Karen kennen, die keine Berührungsängste mit dem Jungen aus Ostdeutschland hatte. Wie anders war es doch in dem Jahrgang in Berlin, dort blieb er immer der Ostler und Außenseiter. Warum sollte Falk zu dem Klassentreffen fahren. Zu Menschen, die ihn und auch andere vor langer Zeit einfach nur mies behandelt hatten. Doch wie einer während der Veranstaltung so treffend bemerkt, war er froh, Außenseiter gewesen zu sein, denn so habe er Zeit gehabt sich mit sich selbst zu beschäftigen. Genau genommen ist am ehesten aus den Außenseitern was geworden. Die Cliquenanführer und ihre Gefolgschaft sind eher genauso dumm, dreist und überheblich geblieben und fühlen sich in ihrem kleinen nichtsnutzigen Leben auch noch toll. Auch Falk hat seinen Weg gemacht, schon immer hatte er eine besondere Affinität zur Musik, er hat sich seinen Traum erfüllt und verdient sein Geld als Musiker.  Eine typisch untypische Biografie eines ost/westdeutschen Jugendlichen stellt Tom Liehr mit seinem Buch „Sommerhit“ vor. Quasi unfreiwillig geflohen, von seinen Mitschülern drangsaliert, macht Falk Lutter seinen Weg. Mit der eigenen eher wellenarmen westdeutschen Vergangenheit nicht zu vergleichen. Falk wird in eine Welt hineingeworfen, die er zunächst nicht versteht. Die halbe Familie verloren, die Mutter im Zweifel, ob der Schritt richtig war. Die eher positiven Urlaubserfahrungen stehen den Erlebnissen mit seiner Schulklasse entgegen, in der sich tatsächlich die fiesesten Charaktere versammelt zu haben scheinen, die und die Mitläufer, gegen die die Außenseiter keine Chance haben. Gibt es in allen Schulen, könnte man denken, doch diese Früchtchen sind schon besonders hinterhältig und gemein. Da ist man nicht mehr zu Scherzen aufgelegt. Froh, dass Falk seinen Weg gemacht hat, gönnt man Falk seinen Auftritt, dem jedoch auch wieder ein Wermutstropfen beigemischt ist. Ein Buch wie eine Reise in die Vergangenheit, die einem zum Teil sehr bekannt vorkommt, die einen aber auch einen anderen Blickwinkel einnehmen lässt. Und sich wünschen lässt, dass die Menschen mehr für andere einstehen würden und nachdenken würden bevor sie Handlungen begehen, deren Folgen nicht abschätzbar sind. Eine bittersüße Lebensgeschichte, die zu lesen sich lohnt.

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  • Ein gutes Leben ist die beste Rache

    Sommerhit

    Soeren

    16. June 2014 um 13:20

    Ich muss gestehen, dass ich die Romane von Tom Liehr fälschlicherweise bisher immer zur Lustigbuchfraktion gezählt habe.  Umso angenehm überraschter war, dass mir hier keine Lektüre á là "Vollidiot" vorgesetzt wurde, sondern eine interessante Geschichte, die durchaus Hand und Fuß besitzt. Sie war auch gar nicht so locker-flockig und sommerleicht, wie ich anfangs auch aufgrund des Buchtitels vermutet hatte. Im Gegengteil: An mancher Stelle (z.B. beim Stichwort Republikflucht) musste ich hart schlucken. Zwar erschloss sich mir die Notwendigkeit zum Beispiel der "großen Racheaktion" am Ende nicht ganz, trotzdem fühlte sich Falks/Martins absehbare Vorgehensweise durchweg richtig an. Fazit: "Sommerhit" ist vielleicht nicht nervenaufreibend packend, aber durchweg gut geschrieben und von vorn bis hinten lesenswert. Es wird definitiv nicht mein letztes Tom-Liehr-Buch gewesen sein.

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  • Rezension zu "Sommerhit" von Tom Liehr

    Sommerhit

    Callso

    26. September 2011 um 14:18

    Wow. Welch ein Hit! Der fabelhafte Tom Liehr schafft es einmal mehr, uns eintauchen zu lassen in eine Geschichte, die ebenso spannend, unterhaltsam wie authenthisch ist. Dabei gelingt ihm ein feines Medley aus DDR-Flucht, Schulzeit, erste Liebe, Familie, Freundschaft, Freiheit und Musikerkarriere. Zudem ein sattes Happy-End. Der Slalom durch die vielschichigen Themen passiert gekonnt und fesselnd. Kurzum: Sommerhit ist ein Volltreffer!. Gerade die ersten 100 Seiten sind herausragend. Das Buch ist ein echter Gassenhauer!

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  • Rezension zu "Sommerhit" von Tom Liehr

    Sommerhit

    Clari

    08. September 2011 um 15:12

    Glück und Freude nach Kummer und Traurigkeit! Dieser wunderbare, anrührende und zutiefst ans Herz gehende Roman schildert das Leben und die Erfahrungen eines Jungen von 14 Jahren. Falk Lutter gerät aus für ihn nicht ersichtlichen Gründen als Ostler in den achtziger Jahren in den Westen. Die Flucht hat die Familie zerrissen, denn Schwester und Vater fielen der Bürokratie und den Schergen des DDR Systems zum Opfer. Besonders Schwester Sonja hat die Flucht der Familie hart getroffen und ihr quälende Lebensumstände aufgezwungen. Falk aber schlägt sich als dicker Junge mit den bösartigen Cliquenbrüdern seiner Klasse herum. Seine Mutter arbeitet hart und hat kaum Zeit, sich um die Lebensumstände ihres nunmehr einzigen Familienmitglieds zu kümmern. Aus der Sicht eines 14 jährigen sieht das Leben noch einmal ganz anders aus als aus den Augen der Erwachsenen. Doch nach langen Zeiten der Ernüchterung und des Schattendaseins als verachteter Ostler gelingt Falk ein phänomenaler Aufstieg zu einem bekannten und anerkannten Poppsänger. Die Stunde der Rache naht, als sich die Klasse nach 30 Jahren zu einem Klassentreffen vereint. Hier kann Falk Lutter als nunmehr gewandelter und erfolgreicher Musiker die Zähne zeigen und aufdecken, was aus den Angebern, Quälgeistern und sadistischen Träumern geworden ist. Als modernes Märchen kommt die Geschichte daher. Das Gute siegt, die zerrissene Familie ist wieder vereint und der gute Sänger Falk Lutter alias Martin Gold erlebt eine zufriedene Zeit. Heimatgefühle, Liebe und ein wenig Glückseligkeit besiegen die Machos und Kriecher in diesem Roman, und es stimmt froh, dass das Gute letztlich über das Böse siegt. Kein bisschen kitschig sondern lebensnah und freundlich zeigt uns dieser Autor, wie wenig es zum Glück bedarf ;man muss es nur suchen und finden!

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  • Rezension zu "Sommerhit" von Tom Liehr

    Sommerhit

    Fantasie_und_Träumerei

    08. August 2011 um 10:48

    KLAPPENTEXT: Falk Lutter ist vierzehn, etwas blauäugig und zu dick, als er 1980 mit seiner Familie nach einem Balaton-Urlaub in den goldenen Westen flieht. Doch nur er und seine Mutter kommen auch an. Und was der Dresdner Junge dort erlebt, ist ein Kulturschock: Cool sein ist die Devise seiner neuen West-Berliner Mitschüler – eine Coolness, die während der Abi-Abschlussfahrt in ein Drama mündet. Und „Cool sein“ heißt auch sein Sommerhit, der in den 90er Jahren die Tanzflächen rockt. Zwanzig Jahre später kommt es dann zum Klassentreffen. Falk nennt sich jetzt Martin Gold und ist ein Star, der weiß, was er will, und den niemand mehr so richtig auf dem Schirm hat. Der Tag der Abrechnung ist gekommen. ZUM AUTOR: Tom Liehr, geboren 1962 in Berlin, war Redakteur, Rundfunkproduzent und DJ. Seit 1998 Besitzer eines Software-Unternehmens. Er lebt in Berlin. Bislang erschienen seine Romane „Radio Nights“, „Idiotentest“, „Stellungswechsel“, „Geisterfahrer“ und „Pauschaltourist“. EIGENE MEINUNG: Wie vermutlich einige andere auch, wurde ich zunächst von Cover und Titel des Buches etwas in die Irre geleitet und erwartete ein fröhliches Sommerbuch. Liest man den Klappentext kann man eigentlich nicht auf so falsche Gedanken kommen, doch der Text auf der Rückseite des Buches ist da nicht so eindeutig. Obwohl ich also ganz falsche Erwartungen in das Buch gesetzt hatte, wurde ich nicht enttäuscht. Ganz im Gegenteil. Kaum ein locker leichtes Sommerbuch hätte mich so mitziehen können, wie „Sommerhit“ es getan hat. Das liegt vor allem an der Schreibe des Autors, den ich zwar so vom Hören-Sagen kannte, von dem ich aber noch nie etwas gelesen hatte. Ich muss zugeben, ich hatte auch ihn etwas unter der Kategorie der lustigen deutschen Autoren abgespeichert, was wiederum ein Fehler war. Seine Schreibe ist bildgewaltig, facettenreich und obwohl es keine Geschichte mit unerwarteten Überraschungen ist, ist es Tom Liehr gelungen mich so zu fesseln, dass ich das Buch in zwei Tagen durchgelesen hatte. Der Autor verarbeitet in seinem Buch gleich zwei Themen, die mich auch im Nachhinein zum Nachdenken angeregt haben. Zum einen geht es um die DDR, die Machtstrukturen dort, Geheimnisse und Spielchen, die mit den Bewohnern gespielt wurden. Prägend ist hier vor allem mit welcher Naivität gerade auch Falks Eltern an die Sache gehen. Nur das Ziel vor Augen nach Westdeutschland überzusiedeln, mit dem Hintergedanken dort ein besseres Leben zu führen ohne zu Hinterfragen. Eine Naivität, die vielleicht sogar ein bisschen typisch ist, für die Menschen, die in der DDR lebten. Ich weiß es nicht genau und will mich da auch nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, denn es besteht die Möglichkeit, dass sie gar keine andere Wahl hatten, als das hinzunehmen, was man ihnen vorgegeben hat. Sei es nun in Bezug auf alltägliche Dinge, wie z.B. Musik, Lebensmittel etc. oder aber in Hinblick auf Ausbildung, Arbeit usw. Eigentlich eine Tatsache, die ich mir, als im Westen, sowohl geographisch als auch zeitlich fernab der DDR aufgewachsen, nur sehr schwer vorstellen konnte, die in „Sommerhit“ aber interessant und spannend umgesetzt wurde. Ich musste direkt gestern mal eine Doku über den Mauerfall anschauen... Das zweite große Thema ist Macht an sich. Wer hat Macht? Wie kommt es zu Macht? Was macht Macht aus? Und, muss man Macht immer ausnutzen? Ein Thema, das im kleinen Kreis beginnt (Schule, Cliquen) und sich auf große Geschehen ausweiten kann (2. Weltkrieg). Egal in welchem Ausmaß die Ausnutzung der eigenen Macht stattfindet, das Ergebnis bleibt immer gleich. Menschen werden unterdrückt, schikaniert und manch einer ist nicht stark genug, dies zu ertragen. Ich bin immer wieder geschockt, in welche Situationen Menschen durch das gedankenlose handeln anderer getrieben werden können. Wie fesselnd Gruppenzwang sein kann, wie verwerflich auch mitlaufen sein kann und wie sehr manche Menschen ihre Machtpositionen ausnutzen. Zum Glück kann sich manchmal das Blatt wenden....Ob man dies allerdings ausnutzen sollte, wenn man selbst auf einmal in der „oberen Position“ ist und über Macht verfügt, ist die andere Frage... FAZIT: Ein lesenswertes Buch, das nicht nur ausgesprochen fesselnd unterhält, sondern auch sehr zum Nachdenken und vor allem Überdenken der eigenen Handlungen anregt. Sprachlich so überzeugend, dass ich dringend auch andere Bücher des Autors lesen muss.

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  • Rezension zu "Sommerhit" von Tom Liehr

    Sommerhit

    dirki_1974

    07. August 2011 um 21:07

    Ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen. Gleich nach den ersten Seiten bin ich völlig abgetaucht darin und war durch nichts mehr abzulenken. Passiert mir nicht oft so etwas. Ich dachte mich erwartet "nur" eine unterhaltsame Geschichte, etwas Entspannung an einem lauen Sommerabend, so in etwa wie bei Pauschaltourist vielleicht, aber weit gefehlt. Sommerhit ist mehr, nicht nur ein Sommerhit, das ist ein Dauerbrenner. Herr Liehr, wie wollen sie das denn jetzt noch toppen? Ganz großes deutsches Kino, unbedingt lesen!

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  • Rezension zu "Sommerhit" von Tom Liehr

    Sommerhit

    Jetztkochtsie

    28. July 2011 um 19:08

    Tom ist ein lieber Bekannter, ein Mensch dessen Meinung mir wichtig ist, den ich sehr schätze und dessen spitze Zunge ich hier und da zu spüren bekomme, wenn wir unsere Ansichten nicht unter einen Hut bekommen oder er mich auch einfach nur zur Weißglut treiben will. Seit heute, denn heute habe ich Sommerhit beendet, ist er aber viel mehr. Er ist ein Vorbild. Ein Mensch, der etwas kann, was ich gerne können möchte, nämlich so schreiben wie er. "Radio Nights" traf nicht wirklich meinen Nerv, war ganz nett, unterhaltsam, konnte mich aber nicht begeistern. Gleiches galt für das halbgare irgendwie seichte "Stellungswechsel" Idiotentest schaffte es dann mich zu berühren und zu bewegen. "Pauschaltourist" liegt immer noch ungelesen im Regal.... Doch der "Sommerhit" hat mir mitten in die Fresse geschlagen. Dreimal mußte ich das Buch aus der Hand legen, Tränen weg wischen, Wut unterdrücken oder auch einfach nur mich sammeln, um weiter der Geschichte folgen zu können. Sommerhit kommt ganz harmlos daher ein kleines Boot auf dem blaulastigen Strandcover ein seichter Titel, der Leser wähnt sich in Sicherheit, der Klappentext läßt ein bißchen Pop-Literatur vermuten, ein paar Einblicke ins Business, nichts bereitet einen auf den Rundumschlag vor, den Tom Liehr hier verteilt. Ich finde man sollte nicht zu viel von der Handlung verraten, damit jeder Leser diesen Tiefschlag in den Magen spürt, sich wieder erkennt, denn irgendwo in diesem Cliquengefüge und Menschengebilde findet sich jeder wieder... Tom Liehr findet die richtigen Worte für die falschen Situationen, die richtigen Worte für die falschen Gefühle und die richtigen Worte für die richtigen Menschen... Danke Tom

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  • Rezension zu "Sommerhit" von Tom Liehr

    Sommerhit

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    11. July 2011 um 19:42

    Falk Lutter ist 14, als er während eines Urlaubs am Balaton mit seiner Familie an der Österreichisch-Ungarischen Grenze die Flucht in den Westen versucht. Doch nur Falk und seiner Mutter gelingt es, in den Westen überzusetzen. Hier muss sich Falk ganz neuen Herausforderungen stellen. Der dickliche Junge mit den auffälligen blauen Augen, der von der Natur aus mit der seltenen Gabe des absoluten Geruchssinnes ausgestattet ist, findet keine Freunde. Er ist der Ostler, der Looser und ständige Außenseiter in der Klasse. Auf der Abi-Abschlussfahrt nach Strassburg kommt zu einer Katastrophe, die Falk in den nächsten Jahrzehnten nie wirklich loslässt. Im Laufe der Zeit wird aus dem dicken Jungen von damals ein bekannter Musiker, der unter einem neuen Namen einen großen Hit landet. Und dann ist sie plötzlich da, die Gelegenheit, den ehemaligen Mitschülern die erlittene Schmach zu vergelten. Wenn man den Klappentext und die Inhaltsbeschreibung des neuen Buchs von Tom Liehr liest, könnte man glauben, es erneut mit einem Protagonisten zu tun zu haben, der trotz fortschreitenden Alters die Phase der Pubertät nie wirklich hinter sich lässt. Spätestens nach den ersten Seiten aber wird klar - Falk Lutter ist anders. Das mag zum einen an seinem ausgeprägten Geruchssinn liegen, der nicht nur Falk in manch abstruse Situation bringt, sondern auch den Leser oft genug rot werden oder grinsen lässt, zum anderen aber liegt es in Falk Lutters Persönlichkeit selbst, denn der Junge muss durch die Republikflucht und den Neuanfang im Westen schnell erwachsen werden. Der Weg zum Erwachsenwerden ist steinig, ist geprägt von Gruppenzwängen in der Klasse, die gelegentlich in Gewalttätigkeiten ausarten, Einsamkeit und familiären Schwierigkeiten. Dennoch wird aus Falk ein zufriedener Mensch, der dank seines musikalischen Talentes und eines Quäntchen Glücks seinen Platz im Leben findet. Die traumatischen Erinnerungen an die Abi-Abschlussfahrt lassen ihn jedoch nicht los und als sich über 25 Jahre später die Gelegenheit ergibt, schlägt Falk auf geniale Art und Weise zurück und lässt das Kartenhaus, das seine Mitschüler aus ihren Lebenslügen erbaut haben, auf einen Schlag zusammenbrechen. Zurück bleibt weder bei Falk noch beim Leser ein schales Gefühl für die genommene Rache, sondern die Erleichterung und das Wissen, die Vergangenheit endlich hinter sich lassen zu können. Ich habe Falk Lutter sehr gerne auf seinem langen Weg begleitet, der mich durch die frühen 80er, die Zeit der Wende, die Zeit nach der Wende, die 90er bis hin ins neue Jahrtausend geführt hat. Ich bin zwar 5 Jahre jünger als Tom Liehrs Protagonist, konnte mich aber in vielen Beschreibungen, Liedern, ja, Lebensgefühlen wiederfinden. Es war ein bisschen auch eine Reise in meine eigene Jugend- und Schulzeit und in die Zeit der Selbstfindung auf dem Weg ins Erwachsenenleben. Es ist ein leiser, fast schon ernsthafter aber nie humorloser Weg, den Tom Liehrs Protagonist geht, aber einer, der ohne krachlederne Witze auskommt und sich statt dessen durch feine Zwischentöne und -nuancen auszeichnet. Tom Liehr gelingt hier die perfekte Gratwanderung zwischen Tragik und Komödie, sodass man dieses Buch wirklich mit einem lachenden und einem weinenden Auge liest (im wahrsten Sinne des Wortes). Die hartgesottenen Tom Liehr-Fans sollte das nicht abschrecken, denn zwischendurch blitzt er doch wieder durch, der ganz besondere Humor des Autors. Ich sage nur - Bastelzombie (liebe Leser, nach der Lektüre dieses Buches werden sie wissen, wer damit gemeint ist). Es gab Bücher von Tom Liehr, da hätte ich den Protagonisten am liebsten dauerhaft an den Füßen aus dem Fenster gehängt, weil er mich so furchtbar genervt hat. Bücher, bei denen ich eher das Gefühl hatte, sie wären für die männliche Hälfte der Erdbevölkerung geschrieben worden und bei denen ich ehrlich gesagt froh war, als ich sie beendet habe. Umso schwerer ist es mir bei Sommerhit gefallen, Falk Lutter seines Weges ziehen zu lassen. Das Buch endet mit einem Satz, der genau das ausdrückt, was ich nach dem Umblättern der letzten Seite empfunden habe: Oh won't you stay just a little bit longer, sang Jackson Brown Schade, Falk Lutter, dass Du nicht noch ein bisschen länger bleiben konntest. Machs gut, vielleicht sieht man sich ja irgendwann mal wieder.

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  • Rezension zu "Sommerhit" von Tom Liehr

    Sommerhit

    hproentgen

    03. July 2011 um 20:09

    “Es tut mir leid“, sagte Frau Perpel, wobei ihr Blick, nein, ihr gesamter Kopf mehrfach von mir zu Mama und wieder zurück huschte. Ihr Schädel ruckte wie eine Taube, die vom Picken aufsieht und nach Feinden Ausschau hält. Seltsamerweise schienen sich ihre Haare leicht verzögert zu bewegen. Die Stirn von Frau Perpel rutschte quasi unter den Haaren weg, und mit geringer Verzögerung zog die graubraune, extrem gleichmäßige Perücke nach. Dass es sich tatsächlich um eine Perücke handelte, erfuhr ich später. Frau Perpel, Rektorin des Walter-Gropius-Gymnasiums in Berlin-Schöneberg, mochte fünfundfünfzig oder auch sechzig Jahre alt gewesen sein, jedenfalls ziemlich alt aus meiner Sicht. Sie trug einen Anzug mit Weste, braun, mit feinen, orangefarbenen Längsstreifen [...] Etwas an ihr erinnerte mich an Karl Eduard von Schnitzler, den Mann, der die Sendung „Der schwarze Kanal“ im Fernsehen der DDR moderierte. Falk Lutter ist zu dick, als dass seine Klassenkamerade ihn cool finden könnten. Außerdem kommt er aus der falschen Gegend, er ist ein Ostler, einer der mit seiner Mutter rübergemacht hat. Der Vater und die Schwester blieben 1980 zurück in Honeckers Paradies der Werktätigen und von ihnen fehlt jede Spur. Dann fährt die Klasse ins Elsaß auf Klassenfahrt. Und das coole Trio Thomas, Gerry und Henning will das nutzen, denn die beiden Lehrer, die sie begleiten, sind Nieten, die ihnen keinerlei Widerstand entgegensetzen werden. Das gilt auch für den Rest der Klasse, inklusive dem Club der Verlierer, der sowieso nichts zu sagen hat und nicht cool ist. So nimmt das Unheil seinen Lauf ... Und dann gibt es Martin Gold, der ist berühmt und macht Musik. Sein erfolgreichstes Stück nennt sich "Cool sein", denn mit dem Cool sein hat es für Martin so seine eigene Bewandnis. Weil er damals ... Aber das müssen Sie selbst lesen, sollten Sie selbst lesen. Tom Liehr erweist sich wieder als begnadeter Erzähler, der seinen Bogen von den Achtzigern bis heute spannt, das Musik-Business beschreibt, die Zeitläufte und eine Menge Typen auftreten lässt, die nicht immer das sind, was sie zu sein scheinen. Mit ganz eigener Stimme werden hier dramatische Ereignisse witzig erzählt, ohne in Klamauk abzurutschen. Mit Nick Hornby hat man ihn verglichen und das zu Recht. "Sommerhit" hat viel von „Radio Nights“, ist aber doch sehr viel anders, sehr viel reifer. Vielleicht sein bestes Buch. Homepage des Autors: http://www.tomliehr.de/ Sommerhit, Roman, Tom Liehr, rütten & loehning, Juli 2011 ISBN-13 978-3352008146, gebunden, 330 Seiten, Euro 16,99

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  • Rezension zu "Sommerhit" von Tom Liehr

    Sommerhit

    beowulf

    02. July 2011 um 01:12

    Wer Tom Liehr schon gelesen hat, wird Tom Liehr wiedererkennen. Da geht es um die Themen Entwicklung, Musik, Freunschaft und Liebe, da geht es um die achtziger Jahre, da kommt auch der feine Humor des Autors zum Zuge. Aber- wer Tom Liehr kennt wird überrascht werden, denn dieses Buch ist vom Thema tiefer, reifer. Ein 14-jähriger Junge macht Urlaub mit seinen Eltern am Balaton. Ein Junge aus Dresden, DDR im Jahre 1980. Der erste Schock ist, als an der Grenze die Schwester nicht ausreisen darf und der Urlaub ohne sie fortgesetzt wird, der zweite Schock ist ein Kulturschock, als der junge Falk auf diese geheimnisvollen Wesen namens Westler trifft und sich noch gar in eines von diesen Wesen, Karen aus dem fränkischen, verguckt. Falk wird als Ostler in diesem Urlaub wie ein exotisches Maskottchen behandelt und setzt sich erstmals mit seinem Leben als DDR Deutscher auseinander- mit seinem bisherigen Leben, einer Selbstverständlichkeit musste er das ja nicht. Plötzlich erfährt er, dass seine Eltern diesen Urlaub zur Flucht in den Westen nutzen wollen und bevor er weiß wie ihm geschieht ist er im doppelten Boden eines Wohnmobils in den Westen verbracht. Der Vater, das erfährt er erst nach gelungenr Flucht, verbleibt im Osten um die Schwester zu suchen. Falk ist nun im Westen- und dort wird er als Ostler in Westberlin ausgegrenzt, der Looserfraktion zugeschlagen. Keine Markenklamotten, kein Geld, keine Englischkenntnisse- er kann mit den Rudelführern, den Siegertypen, nicht mithalten. 1983 geschieht dann in einem Schullandheimaufenthalt im Elsass etwas, das das Leben alles Schüler der Klasse auf immer prägen und belasten wird. Doch jetzt - 27 Jahre später soll ein Klassentreffen stattfinden. Ein Klassentreffen dennoch. In Rückblicken reflektiert der erfolgreiche Musiker Michael Gold seinen Weg zum Erfolg und seine Jugend in der er Falk Lutter war. Er lehnt erst den Gedanken ab zu diesem Klassentreffen zu fahren, doch dann entschliesst er sich dieses Trauma endgültig zu verarbeiten- und seine Rache kalt zu geniessen. Dort im Spreewald erfüllt sich der Spruch auf dem Cover- "Siegertypen sind die erbärmlichsten Verlierer" - und was aus den Loosern wurde? Selber lesen ist unbedingt zu empfehlen. Ich lese etwa 3000 Seiten im Monat und nur wenige Autoren schaffen es, das ich nach der letzten Seite nicht sofort das nächste Buch in die Hand nehme und nur eine Handvoll schafft es, dass ich einen Tag oder mehr mit dem Lesen aussetze nach einem Buch, weil es mich so tief beschäftigt. Tom Liehr gehört seit diesem Buch dazu. I

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