In jedem Augenblick unseres Lebens

von Tom Malmquist 
3,2 Sterne bei73 Bewertungen
In jedem Augenblick unseres Lebens
Bestellen bei:

Neue Kurzmeinungen

Positiv (30):
elane_eodains avatar

Ein Mann wird Vater & verliert seine Frau. Ein Ende & ein Anfang. Zur Bewältigung der Trauer entsteht dies in seiner Art ganz eigene...

Kritisch (16):
derbuecherwald-blogs avatar

Das Buch als Fiktion konnte mich nicht gänzlich überzeugen

Alle 73 Bewertungen lesen

Auf der Suche nach deinem neuen Lieblingsbuch? Melde dich bei LovelyBooks an, entdecke neuen Lesestoff und aufregende Buchaktionen.

Inhaltsangabe zu "In jedem Augenblick unseres Lebens"

»In jedem Augenblick unseres Lebens« ist ein tragisch-schönes Buch über ein Jahr, das alles verändert. Eine Geschichte über Verlust, Elternschaft und das Leben, das wir leben, Augenblick für Augenblick. Hier gibt es kein Dann, kein Später, nur Jetzt. Ein Buch wie ein einziger Atemzug.

Tom und Karin erwarten ihr erstes Kind, als Karin plötzlich schwer erkrankt und ins Krankenhaus eingeliefert werden muss. Das Baby wird per Kaiserschnitt gerettet, während Tom wie in einem Albtraum in den unterirdischen Gängen des Krankenhauses umherirrt. Zwischen Intensivstation und Säuglingsstation, zwischen Leben und Tod. Als er nach Hause zurückkehrt, hat er Karin verloren und ist allein mit einem Neugeborenen. Um sich seiner Trauer zu stellen und seiner Tochter ein Vater zu sein, beginnt er ein Buch zu schreiben.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783608983128
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:301 Seiten
Verlag:Klett-Cotta
Erscheinungsdatum:11.03.2017

Rezensionen und Bewertungen

Neu
3,2 Sterne
Filtern:
  • 5 Sterne6
  • 4 Sterne24
  • 3 Sterne27
  • 2 Sterne13
  • 1 Stern3
  • Sortieren:
    uli123s avatar
    uli123vor 8 Monaten
    Über Tod und Trauer

    Diesen autobiografischen Roman über einen eigenen Schicksalsschlag sollte besser nur lesen, wer gesundheitlich stabil ist, damit er nicht runtergezogen wird.

    Toms hochschwangere Lebensgefährtin Karin verstirbt urplötzlich an Leukämie. Ihre gemeinsame Tochter Livia überlebt die Kaiserschnittgeburt. Über die nachfolgenden Monate der Trauer, die über den Tod hinaus fortbestehende Liebe und das Zusammenleben mit seiner kleinen Tochter schreibt der Autor, immer wieder unterbrochen durch Rückblicke auf seine Jugend, als er ein vielversprechender Eishockey-Spieler war, sein Studium, seine Neigung zum Schreiben, das Kennen- und Liebenlernen Karins, die schon mehrere schwere Krankheiten durchgemacht hat.

    Die Geschichte ist nicht einfach zu lesen. Wörtliche Reden werden weder durch Anführungszeichen noch Spiegelstriche kenntlich gemacht, sondern stehen nebeneinander, so dass sich die jeweiligen Sprecher manchmal nur schwer ausmachen lassen. Auch die Zeitsprünge geschehen unvermutet und es lässt sich nicht immer nachvollziehen, in welchem Jahr wir uns befinden. Einige Insider-Informationen werden nur schwedische Leser verstehen, wie den Wettskandal oder die Arbeitsweise der Behörden. Dem Thema Trauer widmet sich der Autor jedoch wirklich gelungen. Er als der Trauernde durchläuft alle Phasen – Verzweiflung, Wut, Unverständnis, Müdigkeit, Leere. Berührend sind auch die kleinen Kämpfe, die er mit seinen Schwiegereltern über die Verstorbene und das hinterbliebene Baby austrägt. Als Lehre vermittelt das Buch, dass man schwere Schicksalsschläge überleben kann.

    Insgesamt durchaus lesenswert.

    Kommentieren0
    4
    Teilen
    Sannys avatar
    Sannyvor einem Jahr
    mitfühlend

    Das Cover gefällt mir gut. Es wirkt irgendwie beruhigend. Das Farbspiel von blauen Hintergrund mit grünen Blättern ist schlicht und hat dennoch Wirkung.
    Das Buch ist in einen Schutzumschlag gebunden und macht daher einen hochwertigen Eindruck.
    Der Roman kommt aus Schweden und ist ein Bestseller dort, außerdem nominiert für zahlreiche Literaturpreise. Daher hatte ich schon einige Erwartungen an das Buch.

    Am Anfang fand ich den Schreibstil etwas gewöhnungsbedürftig. Es gibt kaum Absätze und die Dialoge sind als solche nicht gekennzeichnet. Man muss sehr aufmerksam sein und oft auch raten, wer grade spricht und wann dies zu ende ist. Trotz allem habe ich mich hinein gefunden und das Lesen fiel mir mit der Zeit leichter. Das Buch ist aus der Ich-Perspektive von Tom geschrieben und er teilt sein ganzes Leid und seine Emotionen. Leider kamen für mich die Emotionen nicht ganz rüber. Ich hatte das Gefühl, als wenn Tom selbst sich von Außerhalb betrachten würde und es dadurch eher nüchtern wirkte.

    Das Schicksal von seiner Karin ist schlimm und Tom tut vieles und wirkt stark. Nach dem Tod hat er nicht nur mit dem Verlust zu kämpfen, sondern muss sich um die gemeinsame Tochter kümmern. Dies ist alles andere als leicht, da sich die Behörden auch quer stellen - Tom und Karin waren noch nicht verheiratet.

    Die Idee zum Buch ist gut - die Umsetzung konnte mich nicht auf voller Linie überzeugen. Hauptsächlich, weil es mich wenig berührt hat, was möglicherweise an den Schreibstil lag. Trotzdem habe ich mit Tom mitgefühlt und die Geschichte beschäftigt mich und hat mich trotzdem ergriffen.

    Kommentieren0
    7
    Teilen
    derbuecherwald-blogs avatar
    derbuecherwald-blogvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Das Buch als Fiktion konnte mich nicht gänzlich überzeugen
    Konnte mich nicht ganz überzeugen

    Vollständige Rezension: Der Bücherwald
    Ich muss zugeben, dass es eine Weile gedauert hat, bis ich verstanden habe, dass dieses Buch wirklich die Erfahrungen des Autors sind. Es wird nämlich zu keinem Punkt gesagt, dass Toms Geschichte nicht rein fiktional ist. Als ich dann, nachdem ich das Buch beendet hatte, ein Interview mit dem Autor las, wurde mir auch bewusst warum. Tom Malmquist meinte er wolle "keinen Tatsachenbericht schreiben", sondern sein Werk trotzdem "als Fiktion bezeichen"(Quelle: fastforward-magazine).
    Besonders hervorzuheben ist bei diesem Buch der Schreibstil. Denn Malmquist beschreibt so gut wie nie die Gefühle seines Protagonisten. Außerdem setzt er bei wörtlicher Rede bewusst keine Redezeichen. Das mag einen künstlerischen Effekt darstellen, mir persönlich hat das aber ein paar Probleme bereitet. Durch den gefühlskalten Schreibstil, konnte ich mich weniger in die Personen hineinversetzen und habe Tom teilweise als sehr abweisend empfunden. Die fehlenden Redezeichen haben es schwieriger gemacht zu erkennen wann wer spricht. Trotzdem bekommt man durch diese Besonderheiten das Gefühl, dass die Geschichte aus der Erinnerung erzählt wird, zu einer Zeit in der Tom seine Trauer bereits teilweise verarbeitet hat.
    Ich hatte auch erwartet, dass mehr darüber berichtet wird, wie Tom Livia allein großzieht. In dieses Familienleben, bekommt der Leser jedoch kaum Einblick. Das erste Drittel des Buches spielt nur im Krankenhaus. Weil im Klappentext schon verraten wird, dass Karin stirbt und Livia überlebt, ensteht dort natürlich nicht viel Spannung. Durch die medizinischen Fachbegriffe mit denen sowohl Protagonist als auch Leser überschwemmt werden, wird es zunehmend schwerer Karins Situation folgen zu können.
    Nach Karins Tod wird durch einige Rückblicke deutlich, wie Tom und Karin sich kennengelernt haben. Doch auch diese Abschnitte sind sehr gefühlsarm und distanziert.
    Trotz alledem besitzt dieses Buch einen erstaunlichen Sog. Neugierig darauf, wie es Tom und Livia ergehen wird, konnte ich es nur schwer weglegen.
    Ich muss aber sagen, dass nachdem ich dieses Buch gelesen habe, mir wenig und leider auch wenig Positives im Gedächtnis geblieben ist. Ich hätte mir mehr Gefühl gewünscht, mehr Bezug zu den Personen.

    Kommentieren0
    4
    Teilen
    nana_fkbs avatar
    nana_fkbvor einem Jahr
    Geschichte hat Potenzial

    Klappentext:

    Tom und Karin erwarten ihr erstes Kind, als Karin plötzlich schwer erkrankt und ins Krankenhaus eingeliefert werden muss. Das Baby wird per Kaiserschnitt gerettet, während Tom wie in einem Albtraum in den unterirdischen Gängen des Krankenhauses umherirrt. Zwischen Intensivstation und Säuglingsstation, zwischen Leben und Tod. Als er nach Hause zurückkehrt, hat er Karin verloren und ist allein mit einem Neugeborenen. Um sich seiner Trauer zu stellen und seiner Tochter ein Vater zu sein, beginnt er ein Buch zu schreiben. [Quelle: Klett-Cotta Verlag]

    Meine Meinung:

    Als ich den Klappentext gelesen habe, hat mich das Buch direkt berührt. Es geht hier um die Liebe eines Mannes für seine Frau und für sein (ungeborene) Kind. Und vor allem darum, wie Tom im Verlauf des Buches mit dem Verlust seiner Partnerin umgeht. Das Thema hat mich direkt gepackt und ich habe mich sehr gefreut, als ich die Zusage für das Buch bekommen habe. Die Geschichte fesselt von der ersten Seite. Auch, oder vor allem, weil man mit Tom mitfiebert. Man will nicht wahrhaben, dass Karin im Verlauf des Buches wirklich stirbt und dass Tom allein mit seiner Tochter Livia ist. Doch genau das passiert (es wurde ja schon im Klappentext geschrieben).

    Während des Lesens erfährt man sehr viel von Toms Zerrissenheit. Er hat seine Partnerin verloren, möchte um sie trauern. Aber da ist seine kleine Tochter, die all seine Aufmerksamkeit und Liebe benötigt. Besonders dieses Gefühl wird im Buch sehr gut dargestellt und ich habe wirklich mit ihm gelitten. Besonders in der Zeit, als noch nicht klar ist, ob Karin es schafft oder nicht, weiß Tom nicht, was er machen soll. Eigentlich will er rund um die Uhr bei seiner Frau sein, will nichts verpassen. Auf der anderen Seite ist da seine Tochter, die zu früh zur Welt gekommen ist und nun auf der Säuglingsstation liegt. Er will sie schließlich nicht im Stich lassen. Und so wandelt er von einem Zimmer zum nächsten, verbringt einen Großteil seiner Zeit auf den Fluren des Krankenhauses und es kommt ihm so vor, als wäre er nirgendwo so richtig. Er hat Angst, es keinem der Beiden recht zu machen.

    Da der Roman aus der Sicht von Tom geschrieben wurde, erfährt der Leser hautnah, wie er sich fühlt, welche Gedanken er sich macht und wie verzweifelt er ist. Er will Karin nicht loslassen. Aber er muss es. Und dieser innere Konflikt ist wirklich spürbar.

    Durch immer wieder einfließende Rückblicke erfahren wir sehr viel über das Leben und die Liebe von Tom und Karin. Wir sind vom ersten Augenblick Teil des Ganzen, erleben ihr erstes Date gemeinsam mit ihnen. Ich finde es schön, dass wir aus Toms Sicht erfahren, wie er die Beziehung sieht und vor allem, wie sehr er Karin liebt. Denn vor allem das wird durch die Rückblicke immer wieder deutlich.

    Allerdings gibt es einen Punkt, der mir das Lesen etwas erschwert hat: Die direkte Rede wird leider nicht gekennzeichnet. Alles wird im Fließtext geschrieben. So war es beim Lesen wirklich schwer zu realisieren, ob es sich hier um Toms Gedanken handelt oder ob es Gespräche sind. Das hat mich beim Lesen leider sehr geärgert und das Erlebnis des Lesens etwas geschwächt.

    Mein Fazit:

    Es handelt sich hierbei um ein schönes und wirklich ergreifendes Buch und ich bin noch immer froh, es lesen zu dürfen. Einzig der Punkt mit den Anführungszeichen hat mich beim Lesen immer wieder irritiert und auch geärgert. Trotzdem wird von der ersten Seite klar, dass es hier primär um die Liebe eines Mannes für seine (verstorbene) Frau und sein Kind geht und was er für Beide auf sich nimmt.

    Kommentieren0
    2
    Teilen
    Isaoperas avatar
    Isaoperavor einem Jahr
    Kurzmeinung: Sehr anstrengend zu lesen, das macht es leider ein wenig kaputt :( Schade, eine wichtige Geschichte!
    Der Stil macht den Inhalt leider etwas zunichte

    Als ich vor einigen Monaten die Leseprobe zu "In jedem Augenblick..." gelesen habe, war ich überrascht, wie persönlich der Schreibstil auf mich wirkte und ich wollte sehr gerne mehr erfahren über dieses traurige Schicksal der jungen Karin, das von ihrem hinterbliebenen Partner autobiographisch als Roman aufgearbeitet wurde.
    Nun habe ich den Roman gelesen und muss sagen, dass er mich ein wenig zwiespältig zurückgelassen hat. Einerseits ist geblieben, dass ich es gut und wichtig finde, dass diese Geschichte erzählt wird und ich mir viele Gedanken um Karin und ihr Leben gemacht habe. Auf der anderen Seite kann ich die vielen Kritikpunkte an diesem Buch aber auch verstehen - es ist wirklich nicht leicht zu lesen und hat mich leider immer wieder etwas frustriert. Tom, der Protagonist, und das sage ich wirklich mit allem Respekt, hat viel durchgemacht und ehrlich für seine Frau gekämpft, aber ich fand ihn auch immer wieder sehr anstrengend. Der Blick in sein Innerstes, in seine Gedanken, ist gelungen, aber der Einblick ist oft so intim und stark, dass ich als Leserin einfach zu sehr gemerkt habe, dass ich seine Gedanken nicht teilen kann oder sie mich an manchen Stellen irritieren. Der Fokus auf Tom war mir einfach zu groß - ich kann zwar gut nachvollziehen, dass er das Buch nur aus der 1. Ps. Sg. schreiben konnte, aber für den Leser macht es das nicht unbedingt einfacher.
    Der Stil ist sehr speziell - endlos lange Absätze, keine Anführungszeichen, Dialoge mit vielen Wortwiederholungen...leider fehlte hier offensichtlich ein strenges Lektorat. Ich finde das schwer zu sagen, wenn jemand sich traut, seine Geschichte aufzuschreiben, aber leider ging dadurch halt viel verloren!!
    Beim Lesen rückten für mich die Emotionen dadurch leider immer wieder in den Hintergrund. Gerade in den Rückblenden konnte ich nur schwer dran bleiben und ich denke, der Stil ist der Grund dafür, dass es mich nicht so berührt hat - schade!!

    Ich wünsche dem Autor ganz viel Kraft und finde es gut, dass er sich literarisch ausdrückt. Allerdings möchte ich, dass sich Leser dieses Buches bewusst dafür entscheiden und wissen, was auf sie zukommt. Lest vor dem Kauf die Leseprobe - dann habt ihr einen ersten Einblick.

    Kommentieren0
    11
    Teilen
    S
    Streiflichtvor einem Jahr
    Schön und schrecklich zugleich

    Dieses Buch hat mich sehr berührt, da der Autor Tom Malmquist von einer ganz persönlichen Verlusterfahrung schreibt. Er berichtet über den Tod seiner Frau und die gleichzeitige Geburt seiner Tochter - schön und schrecklich zugleich. Er schreibt sehr sachlich, sodass man sich manchmal wundert, wo seine Emotionen sind, aber andererseits hätte er das Buch vermutlich sonst nicht schreiben können. Man leidet als Leser mit und hat auch immer wieder Tränen in den Augen. Der Moment, der für die Eltern einer der schönsten sein sollte, wird zu einem Alptraum und Tom muss nicht nur um seine Frau trauern, sondern hat gleichzeitig auch ein Neugeborenes, um das er sich plötzlich ganz alleine kümmern muss.
    Eine schreckliche Geschichte, die aber auch Hoffnung zeigt. Leider hat mir die sehr sachliche Schreibweise nicht so gut gefallen, sodass ich nicht ganz so sehr berührt war. Insgesamt aber ein sehr lesenswertes Buch!

    Kommentieren0
    1
    Teilen
    T
    Tara01092012vor einem Jahr
    wunderschön

    Ein wunderschönes und zugleich trauriges Buch über Verlust, Veränderungen und Schicksalsschläge...

    Eine Geschichte über einen Vater der bei dem eigentlich schönsten Erlebnis seines Lebens seine Frau verliert, der frischgebackene Vater stellt sich mit dem Nachwuchs seiner Trauer.

    Ein Buch, das ich innerhalb eines Abends einfach lesen musste, dies war aufgrund der "nur" 300 Seiten auch möglich.
    Mitreissend und spannend, traurig und unglaublich emotional beschreiben dieses Buch wohl am ehesten.

    Durch die gemischten Rezensionen und Meinungen der Lesern wollte ich unbedingt wissen, in welchem Bereich ich mich hier einordnen kann und ich muss sagen, ich bin echt begeistert und es gibt von meiner Seite aus nichts zu bemängeln.

    Kommentieren0
    0
    Teilen
    Buecherschmauss avatar
    Buecherschmausvor einem Jahr
    In jedem Augenblick leben wir

    Vor einigen Jahren, im März 2012, wurde die Welt des schwedischen Musikers und Poeten Tom Malmquist von Grund auf erschüttert. Innerhalb kürzester Zeit verlor er seine Lebensgefährtin Karin. Diese war hochschwanger, als sie plötzlich unter grippeartigen Symptomen zu leiden begann und Anzeichen einer Lungenentzündung entwickelte. Nach einigen Tagen verschlechterte sich ihr Zustand so dramatisch, dass sie als Notfall ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Die schockierende Diagnose lautete: Akute myeloische Leukämie.
    In seinem 2015 im Original erschienenen autobiografischen Roman wirft Malmquist den Leser genauso unvermittelt ins Geschehen, wie er sich damals selbst hineingeworfen gefühlt haben muss.
    „Der Oberarzt tritt den Kipphebel an Karins Patientenbett fest.“
    lautet der erste lapidare Satz. Mit ihm beginnt eine Odyssee des Schreckens durch die Flure des Karolinska Krankenhauses in Stockholm. Nicht nur befindet sich Karin in zunehmend ernster Verfassung, drohen ihre gesamten Organe zu versagen, sondern Tom muss sich gleichzeitig auch um die kleine, in dieser 33. Schwangerschaftswoche durch einen Notkaiserschnitt auf die Welt gekommene Tochter Livia auf der Station der Neonatologie kümmern. Zwischen beiden Abteilungen pendelt er hin und her, wird gleichzeitig mit dem Drama des Kampfes der Ärzte um das verlöschende Leben der Mutter und der hoffnungsvollen, positiven Entwicklung auf der Station der Neugeborenen konfrontiert. Ein Gefühlskarussell. Die eigene Verzweiflung und Hilflosigkeit kollidiert mit der pragmatischen, wenn auch freundlichen, so doch kühlen Routine des Krankenhausalltags.
    Tom rettet sich in ein nüchternes Funktionieren, notiert alle ärztlichen Äußerungen akribisch auf einem Notizblock, scheut sich nicht, medizinisches Personal wie Familienangehörige durch eigenwillige Reaktionen vor den Kopf zu stoßen. Tom ist kein einfacher, kein glatter Charakter. Genauso wenig wie Karin und ihrer beider Liebesbeziehung. Tom Malmquist macht daraus kein Geheimnis, er beschönigt nichts, schont weder sich noch Karin oder andere Familienmitglieder. Das macht den Text so lebensnah, die Figuren so glaubhaft.
    Der erste atemlose, gehetzte, auf nüchterne Beobachtung konzentrierte Abschnitt des Buches endet auf Seite 92.
    „Es wird still im Raum, nichts verursacht mehr Geräusche, Nygren schaut auf die Uhr und fügt hinzu: Patientin Exitus um 06.31.“
    Insgesamt ist das Buch in fünf Abschnitte geteilt, die nicht gerade überdeutlich lediglich durch eine freibleibende Seite voneinander getrennt sind, und die sich jeweils um einen der fünf Sinne herum gruppieren. Diese Absicht des Autors ist allerdings nicht leicht erkennbar, ich erfuhr sie in einem Gespräch des Autors auf der Leipziger Buchmesse. Der erste Abschnitt ist allerdings noch relativ eindeutig dem Geruchssinn zugeordnet. Um Mutter und Kind in den ersten Stunden nach der Geburt zu verbinden, trägt Tom eine kleine Kuscheldecke von einer zu anderen. Ein rührendes, hilfloses Unterfangen.
    Nach Karins Tod wird der Text ein wenig ruhiger, bewahrt aber seinen eigenwilligen Stil. Der Autor schreibt nicht gefällig, schon gar nicht pathetisch. Seine Emotionalität ist verhalten, schon gar nicht geht er damit hausieren. Er springt in den Zeiten, erzählt von der Begegnung von Tom und Karin, ihrer Liebe, ihrem Zusammenleben. Er berichtet vom nicht einfachen, aber auch zutiefst beglückenden Leben mit einem Säugling. Er schildert die behördlichen Hürden, die er nehmen muss, waren doch er und Karin nicht verheiratet und blieb ihnen ja auch im Vorfeld keine Zeit, entsprechende Regelungen zu treffen. Er erzählt von den vielen praktischen Dingen, die geregelt werden müssen. Und er schaut in die Zukunft seiner Tochter.
    Das ist nicht wirklich „süffig“ zu lesen, keine „zu Herzen gehende“ Lektüre im klassischen Sinn. Mich hat das Buch aber wohl gerade deshalb unglaublich angerührt, zeigt es doch keine „Helden des Alltags“, wie wir sie in so vielen thematisch ähnlichen Texten und Filmen präsentiert bekommen, sondern überforderte, oft hilflose, manchmal gar unangenehm reagierende Menschen, die einfach versuchen müssen, mit den schrecklichen Dingen umzugehen, mit denen sie konfrontiert sind.
    Denn „In jedem Augenblick leben wir“, so die richtige, wörtliche Übersetzung des schwedischen Titel, die meiner Meinung nach viel besser passt als das doch etwas melodramatisch anmutende „In jedem Augenblick unseres Lebens“. Das Leben pausiert nicht, auch nicht in den dunkelsten Stunden. Und Tom hat nun die Verantwortung zu tragen für dieses kleine, neue Leben. Ihr, der kleinen Tochter Livia, ist dieses Buch auch zugedacht. Für sie hat Tom Malmquist es in erster Linie geschrieben.
    Wenn es sicher auch für den Autor selbst befreiend gewesen sein mag, über dieses unglaublich dunkle Jahr seines Lebens zu berichten. Es ist das gleiche Jahr, in dem sein Vater kurz darauf seinem langen Krebsleiden erliegt. Auch diesem Tod und dem nicht immer ganz unproblematischen Verhältnis der beiden sind Abschnitte des Buches gewidmet. Der Vater, Thomas Malmquist, war ein in Schweden sehr bekannter Sportredakteur der Zeitung Expressen, sehr einflussreich, sehr erfolgreich, nach Aufdeckung eines Wettskandals auch sehr umstritten – und Alkoholiker. Enthüllungen über ihn haben sicher auch etwas zum überwältigenden Erfolg des Buches in Schweden beigetragen.
    Diesen „Promifaktor“ hat es aber in keiner Weise nötig. „In jedem Augenblick leben wir“ – das ist ein Zeugnis davon, wie schwer das sein kann, ungeschönt, direkt, nachdenklich, schnörkellos, und es ist ein so unaufdringlicher wie eindrücklicher Appell dazu, nie zu vergessen, wie kostbar und zerbrechlich es ist, unser Leben.

    Kommentare: 1
    49
    Teilen
    G
    Gisevor einem Jahr
    Das Schicksal hat zugeschlagen

    Toms Leben ändert sich schlagartig, als seine geliebte Ehefrau Karin hochschwanger ins Krankenhaus kommt und mit dem Leben ringt. Nach dem Kaiserschnitt pendelt er zwischen den beiden Stationen, auf denen seine beiden Frauen liegen, seine frühgeborene Tochter und seine sterbende Frau.

    Tom Malmquist ist Dichter, Songwriter und Musiker und hat hier seine eigenen Erfahrungen in einem Buch verarbeitet. Das wirkt sehr authentisch, denn mit ihm ist der Leser mittendrin in seinen mühevollen Versuchen, die Situation zu verstehen und zu bewältigen. So steigt die Erzählung auch sofort in die beängstigende Situation bei Karins Einlieferung ins Krankenhaus ein, und mit Tom erleben wir die folgenden dramatischen Stunden und Tage, bis er sein Schicksal fassen kann.

    Das Buch spiegelt dabei seine Atemlosigkeit und seine Überforderung, indem es keine direkte Rede kennzeichnet. Der Leser muss sich, wie Tom, durch einen unübersichtlich erscheinenden Dschungel durcharbeiten, durch lange Abschnitte, die nicht einfach zu bewältigen sind. Man spürt seine eigene Hilflosigkeit, bis hin zum ersten Windelanlegen bei der kleinen Livia, aber auch seine Müdigkeit und sein Bestreben, gleichzeitig zu hoffen und sich auf das Schlimmste gefasst zu machen. Dabei verliert er den Blick über den Tellerrand, manche seiner Entscheidungen sind als Außenstehende schwer nachzuvollziehen, wenn er z.B., auf Karins Geheiß, deren Eltern von ihrer sterbenden Tochter fernhält und sich dabei selbst mit den Schilderungen der Ärzte überfordert. Als großes Manko an diesem Buch empfinde ich, wie die Erzählung ganz in Toms Sichtweise stecken bleibt, so dass die Geschichte in manchen Teilen recht larmoyant wirkt. Auch mit den handelnden Personen hatte ich so meine Schwierigkeiten, vor allem Karin war für mich nicht wirklich fassbar, trotz all der Rückblenden in die Vergangenheit, als die beiden sich eine wunderschöne gemeinsame Zukunft erhofften.

    Tom Malmquist ist mit diesem Buch eine erschütternde Erzählung gelungen, die ihn bei einem seiner größten Verluste darstellt. Leider ist das Buch eher schwer zu lesen, und auch mir fällt es schwer, über drei von fünf Sternen hinauszugehen. 

    Kommentieren0
    0
    Teilen
    sydneysider47s avatar
    sydneysider47vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Eine interessante, oft traurige Handlung über einen Mann, der seine Partnerin verliert - und sich auf einmal alleine um sein Baby kümmert.
    Wenn sich das Leben auf einmal drastisch ändert

    Die Handlung:

    Karin und Tom freuen sich auf ihr erstes Baby. Beide sind als Schriftsteller tätig und wohnen in Schweden.

    Sieben Wochen vor dem errechneten Geburtstermin wird Karin krank. Sie muss ins Krankenhaus eingeliefert werden. Zuerst hat sie „nur“ eine Lungenentzündung – aber die Diagnosen werden immer schlimmer. Von „Leukämie“ bis hin zu einer Krankheit mit einem langen Namen. Und es scheint so, als ob es für Karin keine Rettung mehr gibt – egal, was die Ärzte mit ihr machen.

    Tom ist wie hineingeworfen in einen Alptraum, er registriert, was passiert, er fragt nach. Oft versteht er nicht, was die Ärzte sagen, weil sie mit Fachbegriffen um sich werfen. Er bangt um seine Partnerin und das Kind. Sein Kind – eine kleine Tochter, namens Livia – wird schließlich per Kaiserschnitt geholt. Sie erholt sich schnell auf einer „Frühgeborenenstation“ und entwickelt sich normal weiter.

    Für Karin allerdings gibt es keine Hoffnung mehr. Immer mehr Organe funktionieren nicht mehr so, wie sie sollen – und Karin stirbt.

    Zurück bleibt ein schockierter Tom mit einem Säugling und einigen Angehörigen, die ihm helfen wollen, seine Tochter zu versorgen. Er denkt zurück an die Zeit, die er zusammen mit Karin haben durfte – aber er muss auch diverse Dinge regeln. Beispielsweise mit Behörden umgehen, die Fragen stellen. Er muss darum kämpfen, seine Tochter erziehen zu dürfen, denn Karin und er waren nicht verheiratet. Die schwedischen Gesetze sind hier auf Seiten der leiblichen Mutter – aber nicht des leiblichen Vaters. Es steht ihm einiges bevor….

     

    Der Schreibstil:

    Der Roman ist aus der Ich-Perspektive im Präsens erzählt. Am Anfang ist er hektisch, kurze Sätze reihen sich aneinander. Dadurch wird dem Leser so richtig klar, wie sich die Ereignisse im Krankenhaus überschlagen. Welchen Kampf die Ärzte ausfechten, um Karins Leben zu retten. Tom versucht, dies alles zu verkraften, irgendwie einzuordnen. Er hat Hoffnung. Er bangt nicht nur um Karin, sondern auch um sein Baby.

    Später, als Tom alleine ist mit seiner Tochter Livia, wird der Schreibstil zwar ruhiger, aber eine gewisse Hektik bleibt immer noch. Es ist gewöhnungsbedürftig und anstrengend, wörtliche Rede aneinandergereiht ohne Anführungszeichen („Gänsefüßchen“) lesen zu müssen – aber genau damit konfrontiert der Autor seine Leser.  

     

    Meine Meinung:

    Als Leserin bin ich gleich mittendrin in der Handlung – wegen dieses rasanten Schreibstils mit vielen Aufzählungen. Aber  die Lektüre hat mich sehr traurig gemacht. Man liest, was Tom passiert und was er nicht abwenden kann. Ständig wird der Gesundheitszustand von Karin mehr bergab, es wird immer aussichtsloser, dass sie wieder gesund wird und für ihre kleine Familie sorgen kann. Man fragt sich auch als Leser: „Wann hört das endlich auf? Wann gibt es endlich Hoffnung für Karin?“ Ich verrate nicht, wenn ich sage, dass Karin stirbt, denn der Verlag sagt dies ja auch selbst im Klappentext dieses Buches.

    Tom muss ohne seine Partnerin  vieles regeln. Der Schreibstil des Buches wird etwas ruhiger, mit längeren Sätzen, in denen auch mehr Emotionen drinstecken. Dieser Schreibstil gefällt mir besser als der Schreibstil, der die Vorgänge im Krankenhaus schildert. Er ist emotionaler, er lässt mir als Leserin mehr Raum zum Nachdenken. Allerdings finde ich es nicht optimal, wenn wörtliche Rede ohne Anführungsstriche und Absätze aneinandergereiht wird.

    Genau das hat mich beim Lesen immer wieder gestört, weiterhin ist mir an manchen Stellen das Buch zu detailliert. Beispielsweise, wenn sich Tom mit seinem Vater unterhält. Hier stehen einige Belanglosigkeiten drin, die mit der eigentlichen Handlung nichts zu tun haben.

    Die Handlung des Buches finde ich aber sehr interessant. Ich will wissen, wie Tom es schafft, sich um seine Tochter zu kümmern – und um sich selbst auch. Er versucht, seiner Tochter ein guter Vater zu sein. Er übernimmt viele Aufgaben, die eigentlich eine Mutter für ihr Kind übernimmt – aber es bleibt ihm ja nichts anderes übrig.

     

    Mein Fazit:

    „In jedem Augenblick unseres Lebens“ ist ein interessantes, aber auch oft trauriges Buch über einen werdenden Vater, der von schlechten Nachrichten auf einmal überschwemmt wird. Seine Frau stirbt, und er muss sehen, wie er sich um sein Baby kümmern kann.

    Das Buch reißt mit, schockiert den Leser, lädt aber auch zum Nachdenken ein und weckt auf jeden Fall Sympathien für den Ich-Erzähler Tom.

    Wegen einiger Längen in dem Buch und des oft gewöhnungsbedürftigen Schreibstils ziehe ich einen Stern ab, vergebe also vier Sterne und eine Lese-Empfehlung.

     

     

     

    Kommentare: 1
    73
    Teilen

    Gespräche aus der Community zum Buch

    Neu

    Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

    Weitere Informationen zum Buch

    Pressestimmen

    »Eine jäh abgebrochene Chronik einer nicht immer einfachen Liebe, das Tagebuch eines Vaters und das Bekenntnis eines vom Schicksal heftig gebeutelten Mannes ... ein reiches Buch, das lange nachhallt.«
    Erik Lim, Südwest Presse, 29.04.2017

    »dieses autobiografische Buch, das einem mit seiner Menschlichkeit und Schönheit den Atem raubt.«
    anabelle, 22.03.2017

    »"In jedem Augenblick unseres Lebens" ist ein bemerkenswertes Buch über Tod und Trauer, das umso stärker wirkt, da es völlig unsentimental geschrieben ist. Eigentlich ist es ein Geschenk von Tom Malmquist an seine Tochter Livia. Wie schön, dass auch andere daran teilhaben dürfen.«
    Doris Kraus, Die Presse, 11.03.2017

    »Unmöglich, zu widerstehen ... So viel Menschlichkeit in einem Roman ...«
    EXPRESSEN

    »Wer das Buch anfängt, legt es nicht mehr aus der Hand. So wird es auch Ihnen gehe ...
    Dieses Buch ist nicht nur mit starken Emotionen, sondern auch mit herausragender Fertigkeit geschrieben.«
    HELSINGBORGS DAGBLAD

    »"In jedem Augenblick unseres Lebens" ist ein Roman, der voller Wucht den Tod erfasst und ihn der zerbrechlichen Schönheit des Lebens gegenüberstellt.«
    Mattias Ahlén, Corren

    »Tom Malmquist nimmt seine Leser tausendfach emotional gefangen ... und findet dadurch den perfekten Ton zwischen Ernsthaftigkeit und Sensibilität, um seine Geschichte zu erzählen.«
    Jeanne de Ménibus, Elle

    »Tom Malmquist hat den besten Roman des Herbstes geschrieben.«
    Björn Wiman, Dagens Nyheter

    »Malmquists Bericht darüber, wie eine Person hochtraumatische Ereignisse bewältigt, ist außergewöhnlich. Sein Stil und Tempo ziehen den Leser in die Geschichte, eine Geschichte, die niemals selbstmitleidig ist.«
    Janny Middelbeek-Oortgiese, Swedish Book Review

    Der Nr. 1-Bestseller aus Schweden

    Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

    Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach

    Hol dir mehr von LovelyBooks