Von einer Sekunde auf die andere verschwindet ein Großteil der Bevölkerung plötzlich. Einfach weg. In Luft aufgelöst. Nie wieder gesehen. Aus dem Blickwinkel verschiedener Charaktere finden wir heraus, wie unterschiedlich mit dem daraus resultierendem Trauma umgegangen wird.
Wir haben Laurie, die immer tiefer in den Kult der "Guilty Remnant" gleitet. Tom, der sich Stück für Stück von "Holy Wayne" Kult entfernt. Nora, die ihre gesamte Familie verloren hat und versucht sich wieder zusammen zu flicken. Jill, eine mit sich allein gelassene Schülerin, die zwar selbst kein Familienmitglied, aber eine Freundin verlor, und versucht das Trauma mit Alkohol und Partys zu navigieren. Und Kevin. Overachievender Bürgermeister, Vater von Tom und Jill und Ehemann von Laurie. Als Bürgermeister versucht er krampfhaft nur nach vorne zu schauen.
Die Storyline selbst ist leicht zu verfolgen. Die Handlungen der Charaktere sind in sich schlüssig und dienen mehr der Charakterisierung, als einem tatsächlichen Plott. Und obwohl nicht so wirklich viel passiert, hatte ich nie das Gefühl mir würde langweilig. Keiner der Handlungsstränge war länger als notwendig.
Trotzdem fiel mir auf, dass alle Sichtweisen, auch die der weiblichen Charaktere, sehr oberflächlich waren. Kevin, zum Beispiel, nahm alle weiblichen Charaktere (von seiner Tochter abgesehen, aber auch sie wurde nach ihrem Aussehen beurteilt) als reine potentielle Sex-Partner war und wurde von allen erregt. Laurie beurteilte ebenfalls hauptsächlich die Schönheit oder optischen Makel anderer Personen, bis sie schließlich eine emotionale Beziehung zu einer Frau aufnahm, die aber deutlich weniger tief ausgeführt wurde, als die heterosexuellen Eskapaden von Kevin oder Jill.
Wie so manch anderer bin ich durch die Serie auf dieses Buch aufmerksam geworden. Und wie so manch anderer lernte ich schnell das Buch unabhängig von der Serie zu betrachten.
Tom Perrotta
Lebenslauf
Oscarreife Drehbücher: Thomas R. Perrota, geboren am 13. August 1961 in Garwood, New Jersey, ist ein US-amerikanischer Schriftsteller und Drehbuchautor. Bereits im Schulalter schrieb er für seine Schülerzeitung Kurzgeschichten. An der Yale University machte er seinen Bachelorabschluss im Fach Englisch und ging danach an die Syracuse University, wo er mit dem Master of Arts in Kreativem Schreiben abschloss. Anschließend unterrichtete er als Dozent für Kreatives Schreiben an der Harvard University. In dieser Zeit veröffentlichte er zahlreiche Kurzgeschichten und sein Roman-Debpt „The Wishbones“. Seinen Durchbruch schaffte er im Jahre 2004 mit seinem Roman Little Children. Er wurde vielfach ausgezeichnet und kurze Zeit später verfilmt. Diese wurde für den Oscar nominiert. Danach schrieb er noch weitere Drehbücher. Heute lebt der Autor mit seiner Frau und zwei Kindern in Boston.
Alle Bücher von Tom Perrotta
Die Verlassenen
Mrs Fletcher
Little Children
Joe College
Election
The Abstinence Teacher
The Leftovers
Neue Rezensionen zu Tom Perrotta
Mrs Fletcher handelt von Eve Fletcher,, 46 Jahre alt (genauso alt wie ich bin), alleinerziehende Mutter von Brendan, der sie im klassischen empty nest zurücklässt, als er von zuhause Hause auszieht, um aufs College zu gehen. Brendan, aus dessen Sicht das Buch ebenfalls erzählt wird, ist ein Klischee-Typ, Sportass, Gamer mit wenig Ambitionen und einem zweifelhaften Frauenbild.
Während Eve versucht, in ihrem Leben einen neuen Sinn zu finden und ihre Lust auszuleben, scheitert Brendan mit seiner Art auf brutale Art und Weise am College.
Die Geschichte ist sehr modern, obwohl sie bereits 2007 erschienen ist. Eve besucht beispielsweise ein Erwachsenenseminar zum Thema Gendertstudien, das von einer Transfrau geleitet wird. Brendans Umgangston mit Frauen wird nicht geduldet und er wird lächerlich gemacht - zum Glück! Auch meine Töchter würden einen "Typen" wie Brendan absolut nicht tolerieren.
Bis in die Nebenfiguren haben mich alle Personen sehr berührt und waren auf ihre Art lebendig und zauberhaft. Besonders aber habe ich Eve gefühlt. Sie ist eine Frau, die ich, obwohl ich ein anderes Leben als sie lebe, sehr stark verstehen konnte - und ich wäre gern ihre Freundin!
Ich kann das Buch absolut uneingeschränkt empfehlen - danke lieber Olli für den Tipp! Perfekt meinen Geschmack getroffen!!!
Nach biblischer Vorstellung handelt es sich bei der sogenannten „Entrückung“ um die direkte Heimholung der gottgefälligen Menschen, sozusagen als Belohnung, bevor die eigentliche schreckliche „Endzeit“ beginnt. Im Buch wird dieses Ereignis schließlich „plötzlicher Fortgang“ genannt, da die Zweifel nicht von der Hand zu weisen sind, ob es sich tatsächlich um die christliche „Entrückung“ handelt, zu willkürlich erscheint die Auswahl der betroffenen Menschen. Fiktiver Fakt bleibt jedoch, dass an einem 14. Oktober auf einen Schlag Millionen Menschen weltweit spurlos verschwunden sind.
Der Fokus des Buches schwenkt auf das Leben einer Familie in einer amerikanischen Kleinstadt, die Familie Garvey. Vater, Mutter, zwei quasi erwachsene Kinder. Keine wurde beim „plötzlichen Fortgang“ bedacht, doch jeder hat den Verlust eines nahestehenden Menschen zu verarbeiteten. Die Handlung der Geschichte setzt 2 Jahre nach dem einschneidenden Ereignis ein, mit einer Gedenkparade für die „Opfer“. Kevin Garvey ist inzwischen gewählter Bürgermeister. Seine Ehefrau Laurie hat sich der Gruppierung „Der schuldige Rest“ angeschlossen und der Familie den Rücken gekehrt. Auch Sohn Tom hat den Kontakt soweit abgebrochen und sich der Sekte „Heilende Umarmung“ und dem charismatischen Führer Holy Wayne verschrieben. Nur Tochter Jill ist noch zuhause. Durch den Einfluss ihrer neuen Freundin Aimee, die auch bei ihnen einzieht, ist sie von einer strebsamen Schülerin zu einer Schulschwänzerin geworden, Alkohol und anderen Drogen zugetan.
Jeder in der Familie sucht sich außerhalb eine neue Orientierung, einen neuen Halt in einem anderen Menschen. So bilden sich im Laufe der Geschichte Paare: Laurie und Meg, Kevin und Nora, Jill und Aimee und Tom und Christine. Nora, mit der Kevin sich datet kommt dabei ein besondere Bedeutung zu: Sie hat beim „plötzlichen Fortgang“ ihre komplette Familie verloren.
Immer wieder tauchen in der Geschichte die weißgekleideten Mitglieder der Gruppe „Der schuldige Rest“ auf, die sich einem Schweigegelübde unterworfen und in der Öffentlichkeit dauern zu rauchen haben. Rauchen? Da darf man durchaus irritiert sein, wie der Autor auf diese fixe Idee gekommen ist. Auch ansonsten bleibt der Hintergrund dieses Zusammenschlusses relativ nebulös und schwer rational nachvollziehbar. Da fällt die Sache mit dem Holy Wayne und seiner Sekte „Heilende Umarmung“ schon eher in die Kategorie: religiöse Spinner.
Der Aufhänger mit der „Entrückung“ hörte sich zunächst doch sehr interessant an für mich. Doch im eigentlichen Handlungsverlauf wird der Fakt zwar ständig erwähnt, aber nicht wirklich durchleuchtet. Die Romanfiguren reagieren so auch vor allem mit Verdrängung oder einer recht unreflektiert wirkenden Fanatisierung. Er könnte sich bei dem Roman auch einfach um den Umgang mit Verlust und Trauer ohne „Entrückung“ handeln, der für mich keine essentiell fortführende Bedeutung zukommt.
Der Stil von Tom Perrotta lässt sich gut lesen. Ihm gelingt es gut, durch die wechselweise Betrachtung der unterschiedlichen Hauptfiguren Abwechslung in den Lesefluss zu bekommen.
Einige typische amerikanische Eigenarten (beim Dating zum Beispiel) sind mir wieder mal schmunzelnd aufgefallen. Einige Konstruktionen wirken recht phantasievoll.
Fazit: Irgendwie muss es ja weitergehen. Eine ein wenig triviale Äußerung, die das Buch jedoch ganz gut zusammenfasst. Meine Erwartungen wurden nicht ganz ausreichend erfüllt.
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