Tom Rachman

 3.9 Sterne bei 380 Bewertungen
Autor von Die Unperfekten, Aufstieg und Fall großer Mächte und weiteren Büchern.
Tom Rachman

Lebenslauf von Tom Rachman

Britisch-kanadischer Journalist und Schriftsteller: Tom Rachman wurde 1974 in London geboren. Nach seinem Studium der Filmwissenschaften in Toronto, studierte er an der Columbia University und schloss dort mit einem Master in Journalistik ab. Anschließend arbeitete er für die Associated Press und bereiste im Rahmen seiner Tätigkeit unter anderem als Auslandskorrespondent verschiedene Länder, darunter Indien, Sri Lanka, Japan und Ägypten. Im Jahr 2006 entschied sich Rachman für eine Teilzeitstelle bei der International Herald Tribune in Paris. Während der Zeit die ihm nun neben seinem Beruf blieb, konnte er seinen Debütroman »Die Unperfekten« schreiben. Er wurde in zehn Ländern zeitgleich veröffentlicht und sorgte für reichlich Aufregung. In den USA erhielt das Buch einen der höchsten Vorschüsse, die in den vergangenen zehn Jahren für ein Debüt bezahlt wurden. Brad Pitt sicherte sich bereits die Filmrechte an dem Stoff. Tom Rachman lebt in London und Rom.

Alle Bücher von Tom Rachman

Die Unperfekten

Die Unperfekten

 (187)
Erschienen am 01.04.2012
Aufstieg und Fall großer Mächte

Aufstieg und Fall großer Mächte

 (115)
Erschienen am 01.10.2014
Die Gesichter

Die Gesichter

 (64)
Erschienen am 31.08.2018
Die Unperfekten

Die Unperfekten

 (2)
Erschienen am 04.10.2010
The Imperfectionists

The Imperfectionists

 (11)
Erschienen am 26.08.2011
The Rise and Fall of Great Powers

The Rise and Fall of Great Powers

 (1)
Erschienen am 29.05.2014

Neue Rezensionen zu Tom Rachman

Neu
milkysilvermoons avatar

Rezension zu "Die Gesichter" von Tom Rachman

Der Italienischlehrer
milkysilvermoonvor 13 Tagen

Bear Bavinsky hat sich als expressionistischer Maler einen Namen gemacht. In der Szene wird er gefeiert, von Kunstliebhabern bewundert und umschwärmt. Als angeblicher Lieblingssohn stehen Pinch, der eigentlich Charles heißt und von seinem Vater auch Charlie genannt wird, und seine Mutter Natalie in dessen Schatten und müssen ihr Leben den Launen des Egozentrikers unterordnen. Auch mit der Treue hat es Bear nicht so, sodass er insgesamt 17 Kinder mit unterschiedlichen Frauen zeugt. Dennoch kämpft Pinch um seine Liebe, Aufmerksamkeit und Anerkennung. Er versucht sich ebenfalls in der Malerei, doch mit einer einzigen beiläufigen Bemerkung wischt Bear jede Hoffnung seines Sohnes beiseite, auch nur halb so viel Talent zu haben wie er. Desillusioniert zieht es Pinch in die Welt. Als Italienischlehrer in London hat er fast vergessen, dass auch er einmal Großes vorhatte. Doch dann schmiedet er einen Plan…

„Die Gesichter“ ist ein Roman von Tom Rachman über das Streben nach Anerkennung  – im Leben und in der Kunst.

Meine Meinung:
Der Roman besteht aus 89 eher kurzen Kapiteln. Erzählt wird im Präsens und vorwiegend aus der Sicht von Pinch. Die Geschichte ist chronologisch aufgebaut. Sie beginnt im Jahr 1955 und endet 2018. Zwischendurch gibt es immer mal wieder Zeitsprünge. Dieser Aufbau funktioniert sehr gut.

Der Schreibstil ist schnörkellos, aber angenehm  zu lesen, gut verständlich und eindringlich. Der Einstieg fiel mir leicht. Die Geschichte nimmt nur langsam Fahrt auf, entfaltet aber durch ihre Sprachgewalt zunehmend einen Sog, dem ich mich nicht entziehen konnte.

Pinch ist der Protagonist des Romans. Sein Leben wird von der Kindheit bis ins fortgeschrittene Erwachsenalter dargestellt. Seine Entwicklung lässt sich daher hervorragend nachvollziehen. Wie die anderen Hauptpersonen des Romans wird er detailliert beschrieben. Sein Charakter wirkt authentisch, denn er hat Fehler und Schwächen. Ich konnte mich gut in ihn einfühlen.

Die Grundthematik der Geschichte finde ich sehr interessant. Dadurch hebt sich der Roman in kreativer Weise von anderen ab. Im Fokus steht die Frage, welche Beziehung ein Künstler zu seinem Kind haben kann. Darüber hinaus geht es natürlich auch ganz generell um die Liebe zwischen Kindern und ihren Eltern sowie um das Streben nach Anerkennung innerhalb der Familie. Diese Aspekte regen zum Nachdenken an. Viel Raum nehmen daneben die Welt der Kunst und die entsprechende Szene ein, über die ich gerne mehr erfahren habe.

Trotz der recht hohen Seitenzahl kommt beim Lesen keine Langeweile auf. Die Geschichte gewinnt zunehmend an Tempo und Spannung und hat unerwartete Wendungen zu bieten.

Das farbintensive, künstlerisch anmutende Cover orientiert sich am Original. Es passt meiner Ansicht nach gut zur Geschichte. Der Titel weicht stark von der englischsprachigen Version („The Italian Teacher“) ab, die besser zum Inhalt passt.

Mein Fazit:
Mit „Die Gesichter“ ist Tom Rachman erneut ein ungewöhnlicher Roman gelungen, der noch eine Weile bei mir nachklingen wird. Eine empfehlenswerte Lektüre.

Kommentieren0
26
Teilen
Buecherschmauss avatar

Rezension zu "Die Gesichter" von Tom Rachman

Die traurige Geschichte von Pinch
Buecherschmausvor 14 Tagen

Pinch, der eigentlich so liebevoll klingende Kosename, den Bear Bavinsky seinem kleinen Sohn Charles verleiht, liegt liegt auf diesem wie eine Last. Pinch, nach den leckeren kleinen Häppchen, die der berühmte genialische Maler-Vater einst im Baskenland so gern genascht hat. Ein Kosename, der unweigerlich verniedlicht, verkleinert, ein Gefühl, dem Charles so gerne entwachsen würde, und das er doch zumindest zu Lebzeiten des Vaters, nie los wird.
Dieser Bear Bavinsky ist Maler, ein als genial verehrter, ein exaltierter, ein eigensinniger Künstler, der mit seinen großformatigen Gemälden von Körperteilen in Nahaufnahme, immer ohne Gesichter, die Kunstwelt in Aufregung versetzt. Der Markt verlangt nach Bavinsky und bald erzielen seine Bilder Rekordsummen. Ein Hype, der vom Künstler selbst noch angeheizt wird, dadurch, dass er seine Werke ausschließlich an öffentliche Sammlungen veräußern möchte und einen Großteil seiner Gemälde direkt nach der Fertigstellung vernichtet, in großen Ölfässern verbrennt, wenn sie seinen Ansprüchen nicht hundertprozentig genügen. Eine Exzentrik, die seinen Marktwert genauso anheizt wie sein ausschweifendes Privatleben.
Man könnte ihn auch egomanisch nennen, oder bindungsunfähig, oder schlicht rücksichts- und verantwortungslos. In zahllosen Affären und einigen Ehen zeugt er insgesamt 17 Kinder, um die er sich aber genauso wenig kümmert wie um die dazu gehörigen Mütter, sobald sie ihre Funktion als Muse und Liebhaberin erfüllt haben.
So geht es auch der Mutter von Charles, Nathalie, einer jungen kanadischen Künstlerin, die ihre Töpferei fast vollständig aufgegeben hat, nachdem sie Bavinskys Frau geworden ist. Dieser hat ihre Kunst sowieso nie ernst genommen, und neben einem solch übergroßen Ego hat ein Anderer natürlich keinen Platz. Die Welt dreht sich um Bear Bavinsky, und um sonst nichts.
Die beiden leben in Rom und dort wird 1950 auch der kleine Charles geboren. Sie verkehren in der italienischen Bohème, aber als Bavinsky sich von Nathalie zurückzieht, ist es für diese schwer, sich dort über Wasser zu halten. In London versucht sie einen Neuanfang, gleitet aber immer mehr in Depressionen ab.
Pinch wehrt sich zunehmend gegen die große Nähe zu seiner Mutter, sucht sich einen Studienplatz in Toronto, wo er bei seiner Tante leben kann. Gleichzeitig träumt er aber von einem Leben als gefeierter Künstler, seinem Vater, den er trotz dessen Gleichgültigkeit liebt und verehrt, ebenbürtig. Dass Bear ihn in dieser Hinsicht nicht ermutigt, ist so grausam wie folgerichtig. Es gibt keine Götter neben dem großen Bavinsky.
Trotzdem kann man Bear ein gewisses Charisma nicht absprechen. Er kann sehr charmant sein, auch liebevoll, betont immer wieder, dass Pinch sein Lieblingskind sei und ihm sehr wichtig, zumindest in den Augenblicken, in denen sie zusammen sind. Bis zu seinem Tod treffen die beiden sich regelmäßig im Ferienhaus in den südfranzösischen Pyrenäen, wo Bear auch malt und den Großteil seiner Bilder aufbewahrt.
Das Buch wagt, was viele Romane heutzutage nicht mehr wagen, es erzählt ein ganzes Leben, das von Charles, von der Geburt bis zum Tod, und das in konventioneller Manier, auktorial, auf seine Perspektive konzentriert, strikt chronologisch. Es ist aufgeteilt in fünf Abschnitte, die von Kindheit bis zum Nachleben reichen. Die Studienzeit, die lebenslange Freundschaft mit dem Kommilitonen Marsden, die scheiternde Liebe zu Scilla, seine Jahre als Italienisch-Lehrer (Originaltitel „The Italian Teacher“) in London und die Zeit als Erbe seines berühmten Vaters sind Stationen darin. In letzterem Abschnitt bekommt Charles noch einmal die Möglichkeit, eine genialische „Rache“ an seinem Vater und dem gesamten Kunstbetrieb zu nehmen. Dieser und seine Mechanismen werden mit beißender Ironie beleuchtet und so manche Idiotie darin bloßgestellt.
Im Grunde ist „Die Gesichter“ aber in eine sehr traurige Vater-Sohn-Geschichte. Nein, eigentlich nur eine Sohn-Geschichte. Ein Sohn, der gegen die erdrückende Übermacht seines Vaters kämpft, verzweifelt um dessen Aufmerksamkeit, Achtung und Liebe kämpft, und darüber nicht nur die Liebe seiner Mutter übergeht, sondern auch sehr lange nicht seinen Platz im Leben finden kann.
Tom Rachman seziert dieses Leben geradezu, er erzählt davon nüchtern, präzise. Große Gefühle kommen da nicht auf, Larmoyanz schon mal gar nicht. Am ehesten ein ungläubiges Kopfschütteln darüber, auf wie vielfältige Weise Leben scheitern können. Das ist erschütternd und sehr sehr gut zu lesen. 

Kommentare: 1
21
Teilen
yellowdogs avatar

Rezension zu "Die Gesichter" von Tom Rachman

Die Zurückweisung und die Überwindung
yellowdogvor 16 Tagen

Tom Rachmans Roman ist lange Zeit genauso wenig nahbar wie der Vater des Protagonisten des Romans. Pinch hat ein schwieriges Verhältnis zu seinem fernen, distanzierten Vater Bear, ein bekannter Maler. Pinch möchte sein wie er. Sein Leben lang versucht Pinch, sich ihm anzunähern, ohne Aussicht, dass das je gelingt. Eine ewige Zurückweisung. Tragisch, weil es etwas verzweifeltes hat.

Diesen Zustand macht der Autor gut deutlich, zum Beispiel in so einer Szene, wo Pinch verantwortlich für das Vermächtnis seines Vaters sein soll und ein Gemälde zerstört, das ausgerechnet die Hände seiner Mutter zeigte. Pinch kopiert schließlich das Bild und verkauft es für viel Geld, das er seiner Schwester gibt. Der Beginn für die Überwindung.


Die Handlung ist über Jahre angelegt, man durchstreift ohne viel Höhepunkte oder Aufregung die achtziger und neunziger Jahre. Die Nuller-Jahre nach Bears Tod hingegen haben eine eigene ruhige Dramatik, die mich ansprach. Da erschließt sich auch schließlich der Titel des Buches. Aber den Originaltitel The italian Teacher finde ich noch besser.


Aus der Sicht des Malers Bear Bavinsky wird nicht erzählt, daher bleibt er für den Leser auch fremd. Dennoch funktioniert das Buch als Künstlerroman, da über die Schattenseiten des Künstlerlebens und der Kunstszene Auskunft gegeben wird.


Es bleibt als Fazit eine zwar ansatzweise emotionale, aber doch auch ernüchternde Familiengeschichte, jedoch mit einem grandiosen Finale.

Kommentieren0
2
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu
Daniliesings avatar

Ein wahres Meisterwerk der Erzählkunst!

In seinem neuen Roman "Aufstieg und Fall großer Mächte" erzählt Tom Rachman, der bereits mit seinem ersten Buch "Die Unperfekten" für Furore sorgte , eine großartige Geschichte über Freundschaft, Liebe und Mut! Witzig und traurig zugleich nimmt dieser Roman seine Leser in seinen Bann!

Mehr zum Inhalt:
Tooly Zylberberg liebt Tee, lange Spaziergänge und den Buchladen World's End in einem kleinen walisischen Städtchen, dessen stolze, wenn auch nicht gewinnbringende Besitzerin sie ist. Tooly hütet nicht nur tausende Bücher, sondern auch eine Fülle von Geheimnissen, ihre eigene Vergangenheit betreffend, die sie selbst nicht alle kennt. Als sie klein war, hatte Paul sie entführt und war mit ihr durch die Welt gezogen, während Sarah Chaos verbreitete, wo immer sie auftauchte. Doch waren da noch Humphrey, der griesgrämige Russe, der Bücher über alles liebte, und Venn, der Liebhaber von Sarah, ebenso charismatisch wie egozentrisch, dessen Weltsicht Tooly für immer prägen sollte. Ein Dreieck, in dem Tooly versuchte, Grund unter die Füße zu bekommen, während das Leben sie durch die Luft wirbelte. Sie fällt durch alle Netze und Raster ...
>> Leseprobe

Zusammen mit dem Deutschen Taschenbuch Verlag suchen wir 25 Testleser, die diesen vielschichtigen Roman gemeinsam lesen und sich auf eine Erzählung des historischen Wandels hin zu unserer globalisierten Welt einlassen möchten. Beantwortet für eure Bewerbung die folgende Frage bis zum 8. Oktober 2014:

Wenn ihr heute einen Blick zurück auf eure Kindheit werft - in welchen Bereichen hat sich dann euer Leben am meisten verändert und was aus eurer Kindheit würdet ihr euch manchmal zurückwünschen?
Zur Leserunde
Ich lese gerade die Unperfkten von Tom Rachman. Es geht um das Ende einer Zeitung und die Zukunft der Mitarbeiter. Ich glaube, immer mehr Zeitschriften, Zeitungen und auch Bücher werden durch Informationen im Internet ersetzt. Wie sehr ihr das
Zum Thema

Zusätzliche Informationen

Tom Rachman im Netz:

Community-Statistik

in 588 Bibliotheken

auf 78 Wunschlisten

von 15 Lesern aktuell gelesen

von 1 Lesern gefolgt

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks