Tom Rachman

 3.9 Sterne bei 398 Bewertungen
Autor von Die Unperfekten, Aufstieg und Fall großer Mächte und weiteren Büchern.
Autorenbild von Tom Rachman (© Alessandra Rizzo)

Lebenslauf von Tom Rachman

Britisch-kanadischer Journalist und Schriftsteller: Tom Rachman wurde 1974 in London geboren. Nach seinem Studium der Filmwissenschaften in Toronto, studierte er an der Columbia University und schloss dort mit einem Master in Journalistik ab. Anschließend arbeitete er für die Associated Press und bereiste im Rahmen seiner Tätigkeit unter anderem als Auslandskorrespondent verschiedene Länder, darunter Indien, Sri Lanka, Japan und Ägypten. Im Jahr 2006 entschied sich Rachman für eine Teilzeitstelle bei der International Herald Tribune in Paris. Während der Zeit die ihm nun neben seinem Beruf blieb, konnte er seinen Debütroman »Die Unperfekten« schreiben. Er wurde in zehn Ländern zeitgleich veröffentlicht und sorgte für reichlich Aufregung. In den USA erhielt das Buch einen der höchsten Vorschüsse, die in den vergangenen zehn Jahren für ein Debüt bezahlt wurden. Brad Pitt sicherte sich bereits die Filmrechte an dem Stoff. Tom Rachman lebt in London und Rom.

Alle Bücher von Tom Rachman

Cover des Buches Die Unperfekten (ISBN: 9783423140973)

Die Unperfekten

 (193)
Erschienen am 01.04.2012
Cover des Buches Aufstieg und Fall großer Mächte (ISBN: 9783423280358)

Aufstieg und Fall großer Mächte

 (116)
Erschienen am 01.10.2014
Cover des Buches Die Gesichter (ISBN: 9783423289696)

Die Gesichter

 (72)
Erschienen am 31.08.2018
Cover des Buches Die Unperfekten (ISBN: 9783837107371)

Die Unperfekten

 (3)
Erschienen am 04.10.2010
Cover des Buches The Imperfectionists (ISBN: 9780385343671)

The Imperfectionists

 (12)
Erschienen am 26.08.2011
Cover des Buches The Rise and Fall of Great Powers (ISBN: 9781444752335)

The Rise and Fall of Great Powers

 (1)
Erschienen am 02.04.2015
Cover des Buches The Italian Teacher (ISBN: 9780525559085)

The Italian Teacher

 (1)
Erschienen am 27.02.2018

Neue Rezensionen zu Tom Rachman

Neu

Rezension zu "Die Gesichter" von Tom Rachman

Im Schatten des großen Künstlers
Gwhynwhyfarvor einem Jahr

Der erste Satz: »Bear Bavinsky tunkt seinen Kopf ins dampfende Wasser der kupfernen Badewanne und schüttelt den Bart aus, dass die Tropfen durchs Atelier fliegen.«

Charles, genannt Pinch, wohnt mir seiner kanadischen Mutter Natalie in einem Atelier in Rom, sie arbeitet als Keramik-Künstlerin. Bear, der Vater von Pinch, ein Amerikaner, der die Mutter auch bereits geheiratet hat, zieht ein, als Pinch noch klein ist. Bear ist ein weltweit gefragter Künstler und sein Ego ist genauso berühmt wie seine Bilder. Natalie ist die x-te Muse, x-te Ehefrau und Pinch das x-te Kind. Insgesamt wird Bear bei seinem Tod 17 Kinder hinterlassen (anerkannte Kinder). Der Vater zieht in Rom mit all seiner Präsenz ein, was dazu führt, dass die Mutter aufhört zu töpfern, denn das Quietschen der Töpferscheibe geht Bear auf die Nerven. Arbeitet er nicht, hat sie für ihn da zu sein. Nun wird der Familie von Galeristen eine pompöse Wohnung zur Verfügung gestellt, aus der Natalie und Sohn beim Abgang von Bear natürlich ausziehen müssen. Pinch ist am Malen interessiert, aber erhält eher Versprechungen, als Malstunden vom Vater. Als Schwester Birdie aus Amerika zu Besuch kommt, der Vater will mit der Tochter die Ferien verbringen, hat er nie Zeit für sie. So ergeht es auch Pinch als er später den Vater in den USA besucht.

»Birdie schlendert zur Leinwand, an der die beiden stehen, sieht einen Moment lang zu und stürzt dann nach vorn, lässt sich gegen das Bild fallen und verschmiert überall Farbe. ›Hoppala‹, sagt sie.«

Rachman zieht den Leser am Anfang der Geschichte in die Bohème der 1950er-Jahre von Rom hinein, ein schön gezeichnetes Ambiente. Natalie ist niemand, auch wenn Bear sie für begabt hält, eine Ausstellung in einer Galerie für sie organisiert, ein Desaster. Natalie, ohnehin nicht mit Selbstvertrauen gesegnet, will niemand interviewen, niemand stößt mit ihr an und niemand interessiert sich für ihre Keramik. Alle fragen nach Bear, sie sind seinetwegen gekommen, wollen seine Hand schütteln, mit ihm reden. Der Über-Bear – der Mann, den alle lieben, der Geniale, der Partylöwe, dem sich die Frauen zu Füßen werfen – jeden Menschen an seiner Seite, drängt er in seinen Schatten. Picasso bezeichnet er als Dreckskerl, Renoir habe nicht mal Talent zum Maler.

»Ich halte große Stücke auf dich, mein Sohn, das weißt du‹, mit einem Kopfnicken deutet er auf das Bild, ›aber ich muss dir sagen, Kiddo, ein Maler bist du nicht, und du wirst auch nie einer werden.«

Bear, zurück in Amerika verheiratet mit einer neuen Ehefrau, beglückt mit neuen Kindern, wird eines Tages von Pinch besucht.. Der ist verwundert, wie alt seine Geschwister bereits sind, rechnet – die müssen schon während der Zeit geboren sein, als der Vater noch in Rom lebte, hin und wieder zu Ausstellungen hinüberfuhr. Und Pinch erlebt das, was er aus Rom kennt: Bear zerstört seine Gemälde, sobald er sie gemalt hat – nicht gut genug. Sein Ruhm basiert auf alte Zeiten. Bear ist auch nicht mehr gefragt, die jungen Maler ziehen an ihm vorbei. Das Ganze dargestellt in einer wundervollen Szene bei einer Ausstellung in New York, die Pinch mit seinem Sohn besucht. Gierige Ehefrauen möchten ausgezahlt werden und darum versteckt Bear 24 seiner alten Werke, die er nicht verkaufen will, in einem Chalet in Frankreich. Pinch ist sein Lieblingssohn und seine Mutter meint, er sei talentiert. Stolz zeigt er dem Vater eine Zeichnung. Doch die Antwort haut Pinch um: Völlig untalentiert! Der Traum geplatzt, er wird nie wieder einen Pinsel in die Hand nehmen – vorerst …

»Nicht jeder kann ein Künstler sein. Aber für jene von uns, die Künstler sind, ist es ein Krieg. Ein totaler Krieg.«

Bear ist ein Narzisst, wie man ihn nicht besser beschreiben kann. Alles dreht sich um ihn selbst in seinem Leben: 1. Bear Bavinsky ist der Wichtigste, 2. Bear Bavinsky ist der größte Maler, 3. Der einzige Mensch, der in seinem Leben zählt, ist Bear Bavinsky. Wer lediglich mit sich selbst eine Beziehung pflegt, ist unfähig, andere zu lieben, andere neben sich stehen zu lassen. Und darum hält Bear alle Menschen um sich herum klein, liebt es, genau das zu definieren, damit sie sich ihrer Bedeutungslosigkeit bewusst sind. Wenn er sich umdreht, hat er sie vergessen. Er hält kaum zu einem seiner Kinder den Kontakt aufrecht – nur zu Charles, den der Vater schon mit diesem Spitznamen kleinhält. Seelische Gräber, die Bear bei Frauen und Kindern hinterlässt, interessieren ihn nicht. Pinch liebt seinen Vater trotz alledem, hält ihn für einen ganz Großen. Er ist Papas Liebling und er allein kennt das alte Bauernhaus in Frankreich. Doch je älter er wird, um so schärfer wird sein Blick. Liebe und Bewunderung schrumpfen, Verachtung und Rachegelüste steigen auf. Und als seine Schwester Birdie, die ständig von ihrem Mann verprügelt wird, von Bear im Stich gelassen wird, kann Pinch nicht untätig zusehen und rutscht in etwas hinein … Kunstfälschung …

Tom Rachman entwirft wundervolle Stimmungen in diesem Buch, Ölfarbe und Terpentin duftet zwischen den Buchstaben beim Lesen heraus, Orte erschließen sich dem Leser. Die Dialoge sitzen, sind eindringlich und ab der Mitte wird das Buch wirklich spannend und kriminell. Fast alle berühmten Maler waren unersättliche Egoisten, wie ihre Biografien zeigen. Und die Frage, die Rachman mit diesem Roman stellt, lautet: Trägt man das Potenzial des Narzissten in sich, wird dadurch ein genialer Künstler, oder wird eine künstlerische Entdeckung durch sein Publikum zum Narzisten gemacht? Bear arbeitet wie ein Besessener, Tag und Nacht, geht bis an körperliche Grenzen, ist gnadenlos mit sich selbst in der Kritik. Der Glaube an sich selbst und die Besessenheit, seine unverfrorene Selbstdarstellung steckt in jedem Narzissten, und seinen wir froh, wenn er sich im Kreativen auslässt. Für diesen Roman soll der 1956 verstorbene amerikanische Action-Painter Jackson Pollock als Vorbild gedient haben. Er erkannte 17 Kinder an und war berüchtigt dafür, Bilder, die seinen Ansprüchen nicht genügten, sofort zu zerstören. Im Umgang mit Menschen war er als aufbrausend und skrupellos bekannt. Aber dieser Roman ist gleichzeitig eine Satire auf Galeristen, den Kunstmarkt und Kulturpublizisten, auf sogenannte Fachleute. Ein lesenswerter Roman, spannend und humorvoll.

Tom Rachman, geboren 1974 in London, wuchs in Vancouver auf. Er war Auslandskorrespondent der Associated Press in Rom, die ihn u. a. nach Japan, Südkorea, Ägypten und in die Türkei entsandte. Später arbeitete er als Redakteur des International Herald Tribune in Paris. Rachmans erster Roman »Die Unperfekten« wurde gleich nach Erscheinen zu einem internationalen Bestseller. Er lebt mit seiner Familie in London.

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Rezension zu "Die Gesichter" von Tom Rachman

Ist das Kunst, oder kann das weg?
Fornikavor einem Jahr

Pinch ist eines von vielen Kindern, die der große Künstler Bear Bavinsky mit verschiedensten Frauen in die Welt gesetzt hat. Umso mehr strengt er sich an, um diesem zu gefallen, auch künstlerisch eifert er ihm nach. Doch Bear hält nichts von Pinch’s Talent, was diesen in eine Lebenskrise stürzt.

 Rachmans Geschichte über Vater und Sohn fand ich sehr gelungen. Der Autor versteht es sehr gut, auch noch die feinste Nuance der Beziehung aufzuzeigen, als Leser freut man sich über Lob und Zuneigung, ist bedrückt und verletzt von Ablehnung und Gleichgültigkeit. Pinch ist ein sehr sympathisches Kind, und das bleibt ihm auch im Erwachsenenleben. Sein Lebensweg ist sehr interessant, aber auch steinig. Bear wirkt als Figur immer etwas distanziert, er wird v.a. über seine Kunst und seine Liebschaften charakterisiert. Die Kunst von Bear, aber auch von anderen nimmt einen großen Raum im Roman ein, und dem Autor gelingt wirklich ganz hervorragend sie so zu beschreiben, dass man als Leser die Werke vor Augen hat. Auch über Kunstgeschichte bzw. zeitgenössische Entwicklungen erfährt man wie nebenbei sehr viel. Rachmans Erzählstil hat mir schon in früheren Romanen sehr gut gefallen, so auch hier. Trotzdem konnte ich mich nicht ganz so gut in die Geschichte fallen lassen wie sonst.

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Rezension zu "Die Gesichter" von Tom Rachman

Kann man als Künstler/in ein guter Vater eine gute Mutter sein?
Aydavor einem Jahr

Kann man als Künstler/in ein guter Vater / eine gute Mutter sein? Mit dieser Frage vom dtv Verlg bin ich auf instagram auf Die Gesichter von Tom Rachman aufmerksam geworden. Meine Antwort auf die Frage war übrigens "Also ich denke, dass die Berufung eines Menschen nicht zwangsläufig darüber entscheidet,ob man ein guter Vater oder eine gute Mutter ist...Wichtig ist,dass das Kind in Harmonie , mit viel Wertschätzung und in Liebe aufwächst und ein selbstbestimmtes Leben führen kann. Natürlich kann der Berufsstand der Eltern bestimmte Zugänge ermöglichen,da gibt es ja schon zahlreiche Studien zu😉 Hinzukommt,dass ein Kind,das in einer künstlerischen Familie aufwächst vielleicht nochmal andere Freizeitbeschäftigungen bekommt als ein Kind in Familien mit anderem Berufen aber ich bin der Meinung,dass letztendlich der Beruf nicht darüber entscheidet"...Auch das Cover hat mich sfort angesprochen. In dem Buch lernen wir Bear Bavinsky kennen, einen sehr begabten Künstler und scheinbar sehr charismatischer Mann, der im Laufe seines Lebens viele Frauen hat, mit denen er auch insgesamt 17 Kinder bekommt . Aber ist er auch ein verantwortunsvoller Vater? Dann lernen wir Nathalie kennen, seine Parnterin, die er in Rom kennenlernt und mit der er einen Sohn bekommt, Charles. Nathalie ist eine ebenfalls sehr tallentierte Künstlerin, die jedoch keinerlei Aufmerksamkeit erlangt. Sie wird nicht wahrgenommen und macht eine sehr schmerzhafte Entwicklung durch...Dann gibt es unseren Hauptprotagonistin und Sohn in der Geschichte, Charles Bavinsky, der jedoch Pinch genannt wird. Er wird in Rom geboren und wächst mit der Kunst seiner Eltern auf, in einer Welt, in der er in der ganzen Geschichte immer wieder seine Rolle suchen wird. Wir begleiten Pinch über mehrere Jahrzehnte an verschiedenen Orten und Berufungen...
In der Handlung steht die problematische Vater-Sohn Beziehung im Vordergrund, Pinch liebt seinen Vater Bear sehr, der aber für ihn unerreichbar bleibt. Es ist eine Geschichte voller dramtischer Wendungen und mitten aus dem Leben. Viele emotionale und tiefgründige Beschreibungen haben mich zum Nachdenken angeregt. Insbesondere die Zeit als erwachsender Mann Pinch fand ich sehr beeindruckend. Auch die Entwicklung von Bear ist voller Wendungen. Der Schreibstil ist sehr gut zu lesen und voller authentischer Szenen, die ich mir sehr gut vorstellen konnte. Ich habe das Buch sehr gerne gelesen und bedanke mich ganz herzlich beim dtv Verlag!

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Gespräche aus der Community

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Cover des Buches Aufstieg und Fall großer MächteD

Ein wahres Meisterwerk der Erzählkunst!

In seinem neuen Roman "Aufstieg und Fall großer Mächte" erzählt Tom Rachman, der bereits mit seinem ersten Buch "Die Unperfekten" für Furore sorgte , eine großartige Geschichte über Freundschaft, Liebe und Mut! Witzig und traurig zugleich nimmt dieser Roman seine Leser in seinen Bann!

Mehr zum Inhalt:
Tooly Zylberberg liebt Tee, lange Spaziergänge und den Buchladen World's End in einem kleinen walisischen Städtchen, dessen stolze, wenn auch nicht gewinnbringende Besitzerin sie ist. Tooly hütet nicht nur tausende Bücher, sondern auch eine Fülle von Geheimnissen, ihre eigene Vergangenheit betreffend, die sie selbst nicht alle kennt. Als sie klein war, hatte Paul sie entführt und war mit ihr durch die Welt gezogen, während Sarah Chaos verbreitete, wo immer sie auftauchte. Doch waren da noch Humphrey, der griesgrämige Russe, der Bücher über alles liebte, und Venn, der Liebhaber von Sarah, ebenso charismatisch wie egozentrisch, dessen Weltsicht Tooly für immer prägen sollte. Ein Dreieck, in dem Tooly versuchte, Grund unter die Füße zu bekommen, während das Leben sie durch die Luft wirbelte. Sie fällt durch alle Netze und Raster ...
>> Leseprobe

Zusammen mit dem Deutschen Taschenbuch Verlag suchen wir 25 Testleser, die diesen vielschichtigen Roman gemeinsam lesen und sich auf eine Erzählung des historischen Wandels hin zu unserer globalisierten Welt einlassen möchten. Beantwortet für eure Bewerbung die folgende Frage bis zum 8. Oktober 2014:

Wenn ihr heute einen Blick zurück auf eure Kindheit werft - in welchen Bereichen hat sich dann euer Leben am meisten verändert und was aus eurer Kindheit würdet ihr euch manchmal zurückwünschen?
659 BeiträgeVerlosung beendet
Ich lese gerade die Unperfkten von Tom Rachman. Es geht um das Ende einer Zeitung und die Zukunft der Mitarbeiter. Ich glaube, immer mehr Zeitschriften, Zeitungen und auch Bücher werden durch Informationen im Internet ersetzt. Wie sehr ihr das
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Zusätzliche Informationen

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