Wisst ihr, was ihr tun müsst, wenn ihr so einen richtigen Bad-Hair-Day habt? Also einen, wo eh schon alles schief geht und gar nichts klappt. Einen, an dem man morgens viel zu früh aufwacht, weil man sich im Schlaf ungeschickt auf seinen linken Arm gelegt hat, der sich nun anfühlt, als sei er abgestorben. Mit dem schlaff und bewegungsunfähig herunterhängenden Arm wankt man ins Bad und stellt fest, dass die Zahnpasta beinahe leer ist. Man versucht mit einem Arm den letzten Rest herauszuquetschen, doch der landet natürlich überall, außer auf der Zahnbürste. Nachdem man sich doch noch angezogen hat (irgendwie in unpassenden Farben und unangenehmen Größen), versucht man in die Arbeit zu fahren. In der Garage fährt einem ein Volltrottel vorne rein, weil er beim Rückwärtsfahren nicht in den Rückspiegel (wozu ist der wohl da?) geschaut hat. In der Arbeit stürzen die Systeme laufend ab, aber der tolle Techniker hat Urlaub und wandert in Marokko herum. Auf dem Heimweg ruft man Leute an, denn man möchte sich gerne abends treffen, doch nein, entweder haben sie schon etwas vor oder sie sind gar nicht erst zu erreichen. Deshalb hängt man dann blöd vor dem Fernseher ab und hat die Wahl zwischen „Hausfrauentausch“ oder der „Super Nanny“.
Und jetzt?
Ja, jetzt kommt das Buch, um so einen Tag perfekt zu machen: „I Hate Myself and Want to Die“. Genau – die 52 deprimierendsten Songs aller Zeiten!
Das Cover allein ist schon absolut wunderbar und dann erst die einzelnen Kapitel. Unterteilt in so herrliche Kategorien wie „Ich starb als Teenie bei einem Autounfall“ oder „Wenn ich über Drogen singe, wird man mich ernst nehmen“.
Das Ganze beginnt mit dem unsäglichen Tell Laura I Love her von Ray Peterson. Richtig so, das Lied ist kaum auszuhalten. Ständig flennt der Kerl ins Mikrofon. Selber blöd, wenn er als völlig ahnungsloser Teenie bei einem Stock Car Rennen mitmacht und die Karre dann an eine Mauer setzt!
Ganz schlimm auch „Beth“ von Kiss. Ich kann mich sogar erinnern, den Song mal auf Kassette aufgenommen zu haben und damals fand ich ihn unendlich traurig und schön. Ich war noch sehr, sehr jung. In Wahrheit ist das nur pathetisches Gewimmer eines Bandmitgliedes, das seiner Frau, die ständig allein daheim sitzt und sich langweilt am Telefon mitteilt, dass es ihm zwar leid tut, dass er aber noch die ganze Nacht spielen wird. Da möchte man ihr doch zurufen: „Schnell, hau ab!“
Nicht zu vergessen sind die entsetzlichen Cover-Versionen bereits deprimierender Songs. Dominiert wird dieses Kapitel logischer weise von den drei Pracht-Heulbojen der Musikindustrie: Celine Dion (All By Myself), Mariah Carey (Without You) und Whitney Houston (I Will Always Love You). Zumindest eine der drei werden wir wohl nicht mehr zu hören kriegen, da sich mittels Drogen seit Jahren selbst zu Grunde richtet und nun laut Yellow Press dazu übergegangen ist, sich selbst zu beißen. Leider hatte sie die schönste Stimme von allen...
Oder die Interpreten erzählen eine Geschichte, die keinen interessiert und strapazieren so unsere Nerven. Wie Bruce Springsteen in „The River“ zum Beispiel. Songs vom Boss laufen ja meistens in gleichen Muster ab und so ist es auch hier. Der Kerl schwängert seine Freundin und muss bereits mit 19 heiraten und landet schließlich frustriert als Bauarbeiter mit einer nörgelnden Frau bei der Johnstown Company. Und?
Für mich nach wie vor das deprimierendste aller Lieder: Seasons In The Sun von Terry Jacks. Er zieht die Leute wirklich runter mit diesem Song. Ein Mensch liegt auf dem Sterbebett und verabschiedet sich von seinen Nächsten. Wie viel trauriger geht’s wohl noch? Zuerst von einem Freund, mit dem er nun nicht mehr die hübschen Mädels aufreißen kann, dann von seinem Vater, bei dem er sich entschuldigt, dass er das schwarze Schaf der Familie gewesen sei und schließlich bei Michelle. Während er stirbt, stellt er sich vor, wie mit ihr zwischen Blumen herumtollt.
Für mich sind diese Songs hauptsächlich wegen ihrer Texte und Interpreten deprimierend, doch der Autor weiß noch viel mehr über schreckliche Klavierintros, nervige Schlagzeuge oder entsetzliche Gitarrensoli.
So, und wenn ihr nun mit dem Buch durch seid, dann geht ins Bett und freut euch auf den nächsten Tag, denn der kann nur besser werden. Oder auch nicht.