Tom Robbins

 4.2 Sterne bei 320 Bewertungen
Autor von Jitterbug Perfume, Buntspecht und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Tom Robbins

Sortieren:
Buchformat:
Buntspecht

Buntspecht

 (52)
Erschienen am 01.05.1983
Völker dieser Welt, relaxt!

Völker dieser Welt, relaxt!

 (41)
Erschienen am 01.12.2003
Villa Incognito

Villa Incognito

 (25)
Erschienen am 01.06.2006
Salomes siebter Schleier

Salomes siebter Schleier

 (25)
Erschienen am 24.09.2011
Sissy - Schicksalsjahre einer Tramperin

Sissy - Schicksalsjahre einer Tramperin

 (19)
Erschienen am 01.10.1983
Pan Aroma: Jitterbug Perfume

Pan Aroma: Jitterbug Perfume

 (12)
Erschienen am 08.03.2013
Ein Platz für Hot Dogs

Ein Platz für Hot Dogs

 (15)
Erschienen am 04.06.1987
Chop Suey

Chop Suey

 (11)
Erschienen am 01.06.2007

Neue Rezensionen zu Tom Robbins

Neu

Rezension zu "Jitterbug Perfume" von Tom Robbins

Tom Robbins | PAN AROMA
Ein LovelyBooks-Nutzervor einem Jahr

INHALT: Vor mehr als tausend Jahren herrscht König Alobar über sein Volk in den Böhmischen Wäldern. Er ist ein sanfter und beliebter König, doch als erste Anzeichen der Alterung kommen, geht auch seine Zeit vorüber. In seinem Reich ist es seit jeher üblich, den König beim ersten grauen Haar durch einen jüngeren zu ersetzen und bei einem rauschenden Fest hinzurichten. Doch Alobar hängt am Leben und kann durch eine List fliehen.

Nach langen Wanderungen fängt er in dem weit entfernten Fürstentum Aelfric ein neues Leben unter den Bauern an und lebt ein Jahr lang glücklich und zufrieden. Bei den Bauern gibt es einen alten Brauch: Einmal im Jahr, zu einem wilden Fest, wird ein großer Kuchen gebacken, zerschnitten und unter den Männern aufgeteilt. In einem Stück befindet sich eine kleine, harte Bohne und wer sie bei einem Bissen im Mund verspürt, darf sich für die nächsten zwölf Tage »König der Bohne« nennen und ungehemmt alles tun, was ihm in den Sinn kommt, ohne eine Strafe zu befürchten. Wie der Zufall es will, landet die Bohne in Alobars Mund, der daraufhin sein Amt antritt. Doch der Brauch sieht auch vor, dass nach Ablauf der zwölf Tage dem Bohnenkönig die Kehle durchgeschnitten wird.

»Ich bin ein zweifacher König und ich bin zweifach verurteilt – und ich habe die Sache zum Kotzen satt. Erst ein Haar, und dann eine Bohne. Wenn der Tod mich holen will, dann soll er auf einem hellen Pferd geritten kommen, Asche im Mund, Eis in den Hoden; meinetwegen soll er eine Sichel schwingen und schreckliche Geräusche machen, aber er soll persönlich kommen und nicht irgendein Haar schicken, irgendeine beschissene kleine schwarze Bohne, die hammelärschige Bäuerinnen in irgendwelchen Naschkram einbacken. Und selbst dann würde ich nicht unbedingt mitgehen. Um ehrlich zu sein, die Art, wie der Tod seinen Geschäften nachgeht, gefällt mir nicht.« (Seite 69)

Alobar sucht den ansässigen Schamanen auf, der ihm rät, in den fernen Osten zu reisen und in den Höhlen am Fuße des Chomolungmas nach den Meistern zu suchen, die die Macht über den Tod haben. Dort werde Alobar finden, was er sucht – das ewige Leben. Doch er findet auch die ewige Liebe zu Kudra, der Frau seines Lebens, und die Freundschaft zum Gott Pan, der stinkt wie die Sünde selbst.

Gut tausend Jahre später, Mitte der 1980er Jahre in Seattle, versucht die Hobby-Parfümeurin Priscilla einen Duft zu reproduzieren, den sie in einem uralten Flakon gefunden hat. Kopf- und Herznote sind ihr bekannt, Jasmin und Limone, doch so sehr sie sich auch bemüht, die Basisnote bleibt ein Rätsel. Erst als immer mehr Rote Beten auf ihrer Türschwelle abgelegt werden und sie den exzentrischen Esoteriker und Unsterblichkeitsforscher Wiggs Dannyboy bei einem seiner Seminare kennenlernt, kommt Licht ins Dunkel. Dannyboy ist von seiner Sache vollkommen überzeugt, denn er kennt jemanden, der wirklich und wahrhaftig schon über tausend Jahre alt sein soll…

(Ich merke gerade, dass ich bei diesem Tempo nicht fertig werde. Was das alte Parfümfläschchen mit Alobar zu tun hat, wie es ihm in all den Jahrhunderten ergangen ist, warum Priscilla so besessen von dem Duft ist, hinter dem auch eine Parfümhändlerin aus New Orleans, ihre Assistentin und ein Kosmetikkonzern aus Paris her sind, und was all die Roten Beten bedeuten sollen, kann man unmöglich in ein paar Absätzen unterbringen. Liebe Leute: Leset und staunet selbst!)

FORM: Tom Robbins (*1932) gilt als einer der wildesten amerikanischen Schriftsteller, einen Titel, den er mit PAN AROMA einmal mehr unter Beweis stellt. Mittlerweile hat der Roman schon über dreißig Jahre auf dem Buckel und noch nichts von seiner Spritzigkeit und seinem Humor verloren. Robbins erzählt seine phantastische Geschichte indem er abwechselnd Alobar auf seiner Reise durch die Zeitgeschichte begleitet, und dann wieder Priscilla (und ihre Widersacher in New Oreans und Paris) auf ihrem Weg zur Lösung des Duftgeheimnisses, ohne erkennbare Verbindungen. Und während das Fragezeichen über des Lesers Kopf immer größer wird, nimmt Robbins die Kelle und rührt die Suppe nochmals kräftig um und würzt sie erst auf den letzten hundert Seiten mit den rettenden Erklärungen.

Stilistisch schwankt der Ton zwischen mittelalterlich-archaisch bei den Abenteuern Alobars und skurril-witzig bei denen Priscillas. Gerade die Charaktere der Seattle- und New Orleans-Kapitel hätten mit ihrer Mixtour aus Hochintelligenz und Tolpatschigkeit auch aus der Feder Thomas Pynchons stammen können. Zusätzlich ist der komplette Roman mit den für Robbins typisch saftigen Sexszenen gespickt, für die er sicherlich den Bad-Sex-in-Fiction-Award bekommen hätte, wenn es diesen 1984 schon gegeben hätte. Daran kann man sich stören, andererseits zeugen sie nur umso mehr von der Wildheit des Autors – Mir hat’s gefallen!

FAZIT: Dieser irre Roman wurde mir vor einiger Zeit schon von einem Freund empfohlen, der bei seiner Lobeshymne manche Textstellen sogar auswendig rezitierte (so zum Beispiel Alobars oben erwähnte Wutrede auf die feigen Methoden des Schnitters). Imponiert und angefixt wie ich war, habe ich mir PAN AROMA gleich geholt und ins Regal gestellt. Nun endlich kann ich einen Haken dahinter machen und besten Gewissens sagen: Danke O. für diese Empfehlung! PAN AROMA ist Kult und wirklich ein großer Genuss. Ich vergebe feierlich fünf Sterne.

*** Diese und viele weitere Rezensionen könnt Ihr in meinem Blog Bookster HRO nachlesen. Ich freue mich über Euren Besuch ***

Kommentieren0
5
Teilen
dragazuls avatar

Rezension zu "Pan Aroma: Jitterbug Perfume" von Tom Robbins

Ungewöhnliche Idee ...
dragazulvor 2 Jahren

... äußerst unterhaltsam aufgeschrieben. Die Geschichte habe ich mit sehr viel Vergnügen gelesen und möchte sie gerne allen empfehlen, die Spaß am Lesen haben.

Kommentieren0
2
Teilen
thursdaynexts avatar

Rezension zu "Völker dieser Welt, relaxt!" von Tom Robbins

Leser dieser Welt relaxt!
thursdaynextvor 2 Jahren

Es gibt Rezensenten, deren Berichte mich direkt nach Abschluss in die Hände des allseits bekannten Bücher- und Datenkraken treiben um dort kostengünstig der Gier nach Lesestoff zu frönen.

Nach Beendigung der Besprechung zu Pan Aroma  war es wieder einmal soweit.

Auf der Website des in Deutschland keine Steuern zahlenden Buch Dealers fand ich ein noch lockenderes Buch des bis dato mir unbekannten Tom Robbins und es war GROSSartig. Allein der deutsche Titel war Sirenengesang. Wobei „Fierce Invalids Home From Hot Climates“ so der englische Original Titel ebenfalls seinen Reiz hat. Die Neuentdeckung eines Autoren der reinsten Lesegenuß verbreitet ist aufregend, wunderbar und eine große Freude.

Tom Robbins, „Der wildeste Schriftsteller der Welt“  - so die Financial Times auf dem Klappentext - bereitet geneigten Gemütern, die bereit sind die eigentliche Geschichte als nebensächliche aber unterhaltsame Rahmenhandlung für seinen Sprachwitz und seine Fabulierfreude zu genießen, die reinste Freude.

Der Plot beginnt im Oktober 1997 in Peru. Dort befindet sich der vornamenlose CIA Agent Switters mit dem grandiosen Aberwillen gegen Krabbel- und Stechgetier und sonstigem Viechzeugs welches klein und fleuchend ist und beobachtet einen nackten Papagei...

“...sah aus wie eine Kreuzung aus menschlichem Fötus und koscherem Hähnchen. Er war so alt, dass er sämtliche Federn verloren hatte, sogar die Stoppelfedern. Seine Haut war mit lauter winzigen Hubbeln übersät. Die blauen Adern darunter sahen aus wie Gummi. murmelte Switters....“


Switters entspricht nicht dem Klischee eines CIA Agenten, womöglich nicht einmal dem Bild, welches die CIA von ihren Agenten verinnerlicht hat. Systemkonformität ist ihm fremd, er unterwandert das Sytem das er schützen soll. Er ist ein Suchender, ein Wissenssammler ein sich treibenlassender Philosoph der die Welt reflektiert und - unter anderen schlechten Angewohnheiten – ein Lolita Problem hat, das er fortwährend mit seinem sehr eigenen Moralverständnis abzustimmen versucht. Mal mehr mal weniger erfolgreich, aber immerhin hat er eine Moral. Diese erleben zu dürfen mitsamt seiner seltsam skurrilen Großmutter, die ihn unerwartet hinterrücks auf raffinierte Art,  auf eine Fahrt in die Tiefen des ihm so unkommoden Urwalds schickt ist atemberaubendste Zwerchfellstimulanz.

Natürlich, ist Agent Switters auch ein ausgefallenes Hobby zu eigen. Er ist Mitglied des C.R.A.F.T. Clubs. „Eines Geheimbundes mit Niederlassungen in Hongkong und Bangkok, dessen Mitglieder sich regelmässig trafen, um ein merkwürdiges Gebräu zu trinken und über Finnegans Wake zu debattieren. Wenn man sie später danach fragte antworteten die Mitglieder: „C.R.A.F.T.“ - (Can't Remember A Fucking Thing) -, und im Allgemeinen war das nicht einmal gelogen.

Ja Switters ist so kompliziert, dass der Autor himself immer wieder in Aktion tritt um dem Leser seien Protagonisten zu erklären. Man könnte meinen das nervt, aber mitnichten! Mit schöner Regelmässigkeit gewährt Tom Robbins via Protagonist Switters dem Leser universelle Weisheiten: „Es ist nicht leicht zu sagen, wer die größere Bedrohung für die Welt darstellt: ehrgeizige Aufsichtsratsvorsitzende mit fetten Werbeetats oder geschickte Kleriker mit verstaubten Bibelversen.

So kann ich nur allerwärmstens empfehlen sich mitsamt dem Konsum wenig wertschätzenden:

Sigmund Freud hat einmal behauptet: Witz sei die Verneinung des Leidens, was nicht heißt, dass die Geistreichen und die Verspielten unter uns glaubten das Leid existiere nicht – jeder leidet auf seine Art-, sondern nur, dass sie das Leiden nicht über das Leben selbst stellen, ihm keine vorrangige Bedeutung zubilligen und es mit Humor unter Kontrolle halten. Möglich, dass Freud Recht hatte. Gewiss ist ein Sinn für Humor notwendig, wenn man der allgegenwärtigen Ausbeutung entkommen und das Leben zu einer Gesellschaft genießen will, die versucht ihre Mitglieder zu kontrollieren (und abzuzocken) indem sie sie zwingt, ihre Symbole, Institutionen und Produkte ernst, ja todernst zunehmen.“

Agent Switters - von seiner Maestra zur, konsequent mittels Bluesplatten und nachhaltigen Elegien, Negierung des Selbstmitleids erzogen - auf die absolut abgefahrene spirituelle Reise durch heiße Länder zu begeben, und sich der Winterdepression durch intellektuelle Wonnigkeiten zu entziehen.


Leser dieser Welt RELAXT.

Holt euch Tom Robbins.

Dodo Award reif und Kultregal tauglich.





Kommentare: 3
19
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu

Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Community-Statistik

in 235 Bibliotheken

auf 20 Wunschlisten

von 8 Lesern aktuell gelesen

von 12 Lesern gefolgt

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks