Tom Wolfe

 4.1 Sterne bei 402 Bewertungen
Autor von Ich bin Charlotte Simmons, Fegefeuer der Eitelkeiten und weiteren Büchern.

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Ich bin Charlotte Simmons

Ich bin Charlotte Simmons

 (149)
Erschienen am 02.04.2007
Fegefeuer der Eitelkeiten

Fegefeuer der Eitelkeiten

 (98)
Erschienen am 01.08.2005
Ein ganzer Kerl

Ein ganzer Kerl

 (30)
Erschienen am 09.11.2010
Back to Blood

Back to Blood

 (27)
Erschienen am 09.06.2014
Der Electric Kool-Aid Acid Test

Der Electric Kool-Aid Acid Test

 (21)
Erschienen am 02.02.2009
Die Helden der Nation

Die Helden der Nation

 (3)
Erschienen am 01.10.2015
Das Königreich der Sprache

Das Königreich der Sprache

 (2)
Erschienen am 17.04.2017

Neue Rezensionen zu Tom Wolfe

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awogflis avatar

Rezension zu "Fegefeuer der Eitelkeiten" von Tom Wolfe

Rolltreppe abwärts von der Park Avenue in die Bronx
awogflivor 3 Tagen

Dieser Tom Wolfe kann wirklich gut erzählen und ich bin froh, dass ich mit einem Goodreads Lesefreund dieses Buchprojekt letztendlich in Angriff genommen habe. Das ist der dritte Roman des Schriftstellers und so begeistert war ich noch nie.

Im Prinzip ist dem Autor ein grandioses Sittenbild des New York der späten 80er Jahre gelungen - was er auch genau so geplant hat. Dieses umfasst die ganze Stadt, die Menschen, die darin wohnen, arbeiten und vegetieren von der Upperclass bis zum Lurch der tiefsten Gesellschaftschichten der Bronx und das erweiterte Verwaltungspersonal der checks and balances am Rande wie Legislative, Exekutive, Presse und Politik inklusive natürlich der Geschichten, die in diesem realen New York passieren.

Von der Konstruktion des Plots hat sich Wolfe aber eine innovative großartige aber ungewöhnliche  Entwicklung einfallen lassen. So wie viele Schwarze auf Grund der Umstände, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein, zwangsläufig in vielen Vierteln quasi ohne ihr zutun in die Bredoullie kommen und vom System zermalmt werden, erwischt es diesmal einen weißen WASP Wall-Street-Heini, der komplett unschuldig zum Handkuss kommt.

Sherman McCoy, erfolgreicher Wertpapierhänder, Sproß einer angesehenen Familie, mutiert in Wolfes Setting zu einem Hiob der Wallstreet, dessen einziger Fehler es ist, als WASP seine Frau mit der falschen Geliebten zu bescheißen und zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Na so alles, was viele US-Schwarze eigentlich täglich erleben. Bei einem erfolglosen Raubüberfallsversuch überfährt die Geliebte McCoys in Panik auf der Flucht einen der beiden Täter (wahrscheinlich auch einen eher unschuldigen Mitläufer, der zufällig in der Gegend herumstand).

Was dann folgt ist ein atemberaubendes Spiel, in dem jeder lügt und betrügt, dass sich die Balken biegen und jeder sein Süppchen aus politischem Kleingeld, Karriere- bzw. Geldgeilheit und Vertuschung kocht: Staatsanwalt, Presse, Polizei, der schwarze Reverend, die eigentliche Täterin, das überlebende vermeintliche Opfer (eigentlich der Räuber), neu eingesetzte Richter, die Grand Jury, sein Arbeitgeber, Immobilienmakler... . Sogar sein eigener recht bemühte Anwalt und seine Familie tricksen ihn auf gewisse Weise letztendlich aus als das Geld nicht mehr fließt. Auf der Strecke bleibt unser "Underdog", Sherman von seiner Ausgangsposition her privilegiert, der als Sündenbock für alle herhalten muss und wie mit einer Rolltreppe abwärts immer tiefer in den Sumpf unverschuldeter Kalamitäten fährt.

Sherman kann einem richtig leid tun und ehrlich gesagt tut er mir das als Person auch, als politisches Statement ist er aber grandios plaziert, denn endlich dreht mal ein Autor fiktional den Spieß um und denkt die Diskriminierung in einem grandiosen "Was wäre Wenn Spiel" mal spiegelverkehrt von der anderen Seite.

Was noch zu erwähnen ist sind die derart pointierten bis zur Bösartigkeit getriebenen Skizzierungen der zahlreichen handelnden Personen, die in Summe sowohl ein Sittenbild der Upperclass, der Wall Street und Finanzwirtschaft, des Gerichtssystems, der Politik, und der Bronx, der Religion, des Wohlfahrtssystems und natürlich der Presse ergeben. Also den Makrokosmos New York City als Moloch fand ich äußerst gut getroffen. Natürlich schreibt Wolfe episch breit, wie viele Amerikaner, aber durch die treffenden Figuren und Milieubeschreibungen habe ich mich keine Sekunde gelangweilt.

Gewürzt wird das ganze dann noch mit tiefschwarzem grotesken Humor, der sich in völlig absurden Szenen entlädt. Da ist zum Beispiel der Auftakt mit dem Dackel, der als Gassi-Geh-Alibi zum Anruf bei der Gliebten herhalten muss und ums verrecken bei dem Regen nicht hinausgehen will. Also wird der Hund dramatisch über die Fliesen durch die Lobby gezerrt (Die Filmszene mit Tom Hanks ist köstlich).

Oder die groteske Schuhputz-Szene als Göttin Karma plötzlich zurückschlägt:
"Sherman genoss es wie der Lappen gegen seine Mittelfußknochen drückte [...] dieser große, stämmige braune Mann zu seinen Füßen der ihm die Schuhe polierte, blind für die Hebel, mit denen Sherman eine andere Nation, einen anderen Erdteil bewegen konnte, alleine indem er ein paar Worte via Satellit in die Gegend schleuderte." Im Anschluss an diesen Gedanken als Sherman sich wie Gott fühlt, blickt er zu Boden und findet sein Konterfei als Beschuldigter in der täglichen Lokalzeitung, die dieser in Shermans Augen unbedeutende Schuhputzer neben seiner Arbeit liest.

Die Sterbeszene im Restaurant schlägt sowieso alles - aber jetzt bin ich still, die müsst Ihr selber lesen, denn ich will nicht zu viel spoilern.

Fazit: Das pure Lese-Vergnügen. Diese Mischung aus Gier, Macht, Politik, Vertuschung, Lüge, Geldgeilheit, Puritantertum, Snobismus, Geilheit und Testosteron gepaart mit Humor.

P.S.: Tja eigentlich eignet sich das Buch auch für meine Book2moviechallenge 2019 in der Kategorie Hollywood Blockbuster. Mal schaun, ob ich den Film auswähle 😜😜

Kommentare: 4
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Gwhynwhyfars avatar

Rezension zu "Das Königreich der Sprache" von Tom Wolfe

Wie hat der Mensch die Fähigkeit der Sprache erlangt?
Gwhynwhyfarvor einem Jahr

»Die Gravitation war ein Gesetz, das durch nichts gebrochen werden konnte. So auch die Rekursion! … ein neu entdecktes Gesetz des Lebens auf Erden … Rekursion! … eine dieser Erkenntnisse, die einen Denker auf ein Plateau des Olymp erheben können … neben Newton, Kopernikus, Galilei, Darwin, Einstein und Noam Chomsky.«

Ich hatte mir etwas anderes unter diesem Buch vorgestellt. Wenn man etwas anderes erhält, als das, was man erwartete, es trotzdem gut findet, dann muss es brillant sein. Im Großen und Ganzen geht es um in diesem Buch um die Entwicklung der menschlichen Sprache. Sprache unterscheidet den Menschen vom Tier. Wieso kann der Mensch sprechen, sich sogar schriftlich ausdrücken? Warum ist er das einzige Lebewesen mit dieser Fähigkeit und wo steckt in der Evolutionsgeschichte der erste Schritt zur Sprache? Das Buch beginnt sogleich mit der Antwort, Anstoß für dieses Buch.

»Wie es aussah, verkündeten hier acht schwergewichtige Evolutionsforscher – Linguisten, darunter ein ›Computerlinguist‹, Biologen, Anthropologen, dass sie sich geschlagen geben, das Handtuch warfen, einknickten, kniffen angesichts der Frage, wie Sprache entstand und wie sie funktioniert.«

Forscher widmen sich diesem Thema seit über 150 Jahren, von Darwin bis Chomsky. Tom Wolfe geht diesen Theorien auf den Grund, auf den Grund des Scheiterns. Wenn hier jemand ein langweiliges Sachbuch erwartet, dann kennt er Tom Wolfe nicht. In seiner sarkastischen Art plaudert er über das Thema und sich damit befassende Wissenschaftler, die sich bis aufs Messer gegenseitig bekämpften. Immer druff auf die anderen, um die eigenen Unzulänglichkeiten zu kaschieren, bzw. eitel sich selbst nie in Frage zu stellen, scheint hier die Devise zu lauten. Ist dieses Buch ein Sachbuch? Nicht ganz, dafür ist es zu verplaudert, zu sehr fixiert auf Noam Chomsky, mit dem Wolfe anscheinend irgendeine Rechnung offenstehen hat. Amüsant ist es auf jeden Fall, auch gut recherchiert. Wenn es gegen Chomsky und Darwin geht, gleitet der Text gern ins Polemische.

»Gentlemen wie ... Darwin betrachteten Fliegenfänger nicht als naturforschende Kollegen, sondern als Lieferanten auf der Stufe von Farmern und Cottage-Webern. Allein schon der Gedanke, seinen Lebensunterhalt verdienen zu müssen, geschweige denn als malaiischer Insektenhändler, reicht aus, um Juckreiz und manisches Kratzen bei einem Gentleman auszulösen.«

Charles Darwin oder Alfred Wallace, wer hat die Evolutionstheorie entwickelt? Es waren beide. Wallace, sendete seine genialen Gedanken zum Thema an Darwin, um mit ihm eine Idee zu besprechen, die seinen Naturbeobachtungen als Biologe entstammten. Darwin aber, veröffentlichte diese Gedanken als die seinen und erntete weltweit großen Ruhm, erwähnte dann später den Urheber Wallace und wollte sogar freiwillig das Urheberrecht abtreten. Darwin wird von Wolfe zunächst als Dieb dargestellt. Da sollte er die Kirche im Dorf lassen. Denn Wallace verehrte Darwin deshalb, weil dessen Gedanken über die Arterhaltung in ähnliche Richtung ging.

Daniel Everett forschte im brasilianischen Urwald, stieß auf den Stamm der Pirahã, dessen Sprache keine Grammatik beinhaltete, keine Zahlen und Farben enthielt. Damit widerlegte er die Theorie des Linguisten Chomsky, der der Meinung war, Grammatik sei beim Homo sapiens angeboren und unterscheide den Menschen von Tier. Chomsky ignorierte diese Entdeckung, zunächst. Später fuhr er großes scheinwissenschaftliches Geschütz auf, um den Widersacher mundtot zu machen, so Wolfe.

»Er ist niemals outdoors, außer um zum Flughafen zu fahren und von dort zu andern Universitäten zu fliegen, auf dass man ihm die Ehrendoktorwürde verleihe ... mehr als neununddreißig nach letzter Zählung.«

Everett ist für Wolfe ein echter Feldforscher mit akademischem Grad, Chomsky ein Pseudowissenschaftler, ohne universitäre Ausbildung, der noch nie im Dreck gewühlt hat. Diese elitäre Haltung Wolfs verwundert, da er ja gerade Darwin sein Gentlemangehabe gegen den hart arbeitenden Habenichts Wallace vorwarf.

»Die Sprache ist unser Rubikon, und kein Tier wird wagen ihn zu überschreiten.«

Darwin glaubte, dass Sprache sich aus Lauten entwickelte, wie sie den Tieren eigen ist. Max Müller, ein britischer Sprachwissenschaftler, regte sich 1861 darüber auf, tat diese Theorie als Kalauer ab.
Viel wurde über den Ursprung der Sprache geforscht, Wolfe zählt amüsant die Thesen und Antithesen auf, den Kampf um die Eitelkeit, recht zu haben. Hat er selbst eine Idee? Nein. Und damit sind wir am Anfang des Buchs angekommen. 

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Fornikas avatar

Rezension zu "A Man in Full" von Tom Wolfe

Guter Gesellschaftsroman
Fornikavor einem Jahr

Charles Croker ist im Atlanta der 90er ein gemachter Mann, aus der ehemaligen Footballlegende ist ein erfolgreiches Mitglied der High Society geworden. Zahlreiche Firmen nennt er sein eigen, die „alte“ Ehefrau hat er gerade gegen ein jüngeres Modell eingetauscht, auf seiner eigenen Plantage im echten Südstaatenstil kann der Tycoon hervorragend entspannen. Doch die Blase platzt, der Konkurs steht bevor. Auch Conrad Hensley steht vor dem Nichts als er aus seinem harten, schlechtbezahlten Job gekündigt wird. Als ungelernter Arbeiter stehen seine Chancen denkbar schlecht. Ebenso wie die des Afroamerikaners Fareek Fanon, der in Verdacht gerät eine junge Frau vergewaltigt zu haben; eine weiße Frau.

 Tom Wolfe hat einen sehr gut konstruierten Gesellschaftsroman geschrieben, der mich nach anfänglichen Startschwierigkeiten wirklich gepackt hat. Er wirft einen Blick auf die verschiedenen Gesellschaftsschichten, lässt seine authentischen Charaktere allerlei Alltägliches, aber eben doch Faszinierendes erleben. Nachdenklich machen seine Ausführungen auf jeden Fall, Themen wie soziale Ungerechtigkeit und Rassismus finden ebenso ihren Platz wie ein ironischer Blick auf die bessere Gesellschaft und ihre Mitglieder. Der Roman hat schon einige Jahre auf dem Buchrücken, ist aber in vielerlei Hinsicht sehr aktuell. Für mich war er der erste von Wolfe, mir hat sein Erzählstil prompt sehr gut zugesagt. Der Perspektivwechsel zwischen den Figuren ist sehr gelungen, Ausflüge in den Südstaaten- oder Straßenslang inklusive. Die Handlung und ihre Zusammenführung sind sehr rund, kleine Logiklücken relativ schnell verziehen. Insgesamt ein gelungener Ausflug nach Atlanta, der Lust auf mehr von Wolfe gemacht hat.

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