Tom Wolfe Das Königreich der Sprache

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Inhaltsangabe zu „Das Königreich der Sprache“ von Tom Wolfe

[Neuwertig, eingeschweisst, als Geschenk geeignet 900 Geschichte ]

Ein unterhaltsamer Ausflug in die Evolutionstheorie und Linguistik mit unerwarteten Parallelen.

— miss_mesmerized
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  • Wie hat der Mensch die Fähigkeit der Sprache erlangt?

    Das Königreich der Sprache

    Gwhynwhyfar

    09. October 2017 um 17:04

    »Die Gravitation war ein Gesetz, das durch nichts gebrochen werden konnte. So auch die Rekursion! … ein neu entdecktes Gesetz des Lebens auf Erden … Rekursion! … eine dieser Erkenntnisse, die einen Denker auf ein Plateau des Olymp erheben können … neben Newton, Kopernikus, Galilei, Darwin, Einstein und Noam Chomsky.«Ich hatte mir etwas anderes unter diesem Buch vorgestellt. Wenn man etwas anderes erhält, als das, was man erwartete, es trotzdem gut findet, dann muss es brillant sein. Im Großen und Ganzen geht es um in diesem Buch um die Entwicklung der menschlichen Sprache. Sprache unterscheidet den Menschen vom Tier. Wieso kann der Mensch sprechen, sich sogar schriftlich ausdrücken? Warum ist er das einzige Lebewesen mit dieser Fähigkeit und wo steckt in der Evolutionsgeschichte der erste Schritt zur Sprache? Das Buch beginnt sogleich mit der Antwort, Anstoß für dieses Buch. »Wie es aussah, verkündeten hier acht schwergewichtige Evolutionsforscher – Linguisten, darunter ein ›Computerlinguist‹, Biologen, Anthropologen, dass sie sich geschlagen geben, das Handtuch warfen, einknickten, kniffen angesichts der Frage, wie Sprache entstand und wie sie funktioniert.«Forscher widmen sich diesem Thema seit über 150 Jahren, von Darwin bis Chomsky. Tom Wolfe geht diesen Theorien auf den Grund, auf den Grund des Scheiterns. Wenn hier jemand ein langweiliges Sachbuch erwartet, dann kennt er Tom Wolfe nicht. In seiner sarkastischen Art plaudert er über das Thema und sich damit befassende Wissenschaftler, die sich bis aufs Messer gegenseitig bekämpften. Immer druff auf die anderen, um die eigenen Unzulänglichkeiten zu kaschieren, bzw. eitel sich selbst nie in Frage zu stellen, scheint hier die Devise zu lauten. Ist dieses Buch ein Sachbuch? Nicht ganz, dafür ist es zu verplaudert, zu sehr fixiert auf Noam Chomsky, mit dem Wolfe anscheinend irgendeine Rechnung offenstehen hat. Amüsant ist es auf jeden Fall, auch gut recherchiert. Wenn es gegen Chomsky und Darwin geht, gleitet der Text gern ins Polemische.»Gentlemen wie ... Darwin betrachteten Fliegenfänger nicht als naturforschende Kollegen, sondern als Lieferanten auf der Stufe von Farmern und Cottage-Webern. Allein schon der Gedanke, seinen Lebensunterhalt verdienen zu müssen, geschweige denn als malaiischer Insektenhändler, reicht aus, um Juckreiz und manisches Kratzen bei einem Gentleman auszulösen.«Charles Darwin oder Alfred Wallace, wer hat die Evolutionstheorie entwickelt? Es waren beide. Wallace, sendete seine genialen Gedanken zum Thema an Darwin, um mit ihm eine Idee zu besprechen, die seinen Naturbeobachtungen als Biologe entstammten. Darwin aber, veröffentlichte diese Gedanken als die seinen und erntete weltweit großen Ruhm, erwähnte dann später den Urheber Wallace und wollte sogar freiwillig das Urheberrecht abtreten. Darwin wird von Wolfe zunächst als Dieb dargestellt. Da sollte er die Kirche im Dorf lassen. Denn Wallace verehrte Darwin deshalb, weil dessen Gedanken über die Arterhaltung in ähnliche Richtung ging.Daniel Everett forschte im brasilianischen Urwald, stieß auf den Stamm der Pirahã, dessen Sprache keine Grammatik beinhaltete, keine Zahlen und Farben enthielt. Damit widerlegte er die Theorie des Linguisten Chomsky, der der Meinung war, Grammatik sei beim Homo sapiens angeboren und unterscheide den Menschen von Tier. Chomsky ignorierte diese Entdeckung, zunächst. Später fuhr er großes scheinwissenschaftliches Geschütz auf, um den Widersacher mundtot zu machen, so Wolfe.»Er ist niemals outdoors, außer um zum Flughafen zu fahren und von dort zu andern Universitäten zu fliegen, auf dass man ihm die Ehrendoktorwürde verleihe ... mehr als neununddreißig nach letzter Zählung.«Everett ist für Wolfe ein echter Feldforscher mit akademischem Grad, Chomsky ein Pseudowissenschaftler, ohne universitäre Ausbildung, der noch nie im Dreck gewühlt hat. Diese elitäre Haltung Wolfs verwundert, da er ja gerade Darwin sein Gentlemangehabe gegen den hart arbeitenden Habenichts Wallace vorwarf.»Die Sprache ist unser Rubikon, und kein Tier wird wagen ihn zu überschreiten.«Darwin glaubte, dass Sprache sich aus Lauten entwickelte, wie sie den Tieren eigen ist. Max Müller, ein britischer Sprachwissenschaftler, regte sich 1861 darüber auf, tat diese Theorie als Kalauer ab.Viel wurde über den Ursprung der Sprache geforscht, Wolfe zählt amüsant die Thesen und Antithesen auf, den Kampf um die Eitelkeit, recht zu haben. Hat er selbst eine Idee? Nein. Und damit sind wir am Anfang des Buchs angekommen. 

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  • Tom Wolfe - Das Königreich der Sprache

    Das Königreich der Sprache

    miss_mesmerized

    01. May 2017 um 15:48

    Ein Artikel über „Das Mysterium der Entstehung der Sprache“ und die Unterschrift mehrerer namhafter Professoren und Experten ihres Fachgebietes, die erklären, dass sie auch im Jahr 2016 noch nicht sagen können, wie sich die menschliche Sprache entwickelt hat, sind der Ausgangspunkt für Tom Wolfes Nachforschungen. Sehr weit holt er aus und fängt bei keinem geringeren als Charles Darwin an. Nicht so sehr die Erkenntnisse, die der Forscher auf der Beagle gewonnen und in seinem Traktat „The Origin of Species“ niederschrieb, stehen hier jedoch im Vordergrund, sondern der Kampf um das schnellere Publizieren zwischen Darwin und einem unbekannten Forscher, Alfred R. Wallace, der zeitgleich in Asien ähnliche Entdeckungen macht wie Darwin und diese zu Papier brachte. Zeitlebens haderte Darwin mit der immerwährenden Gefahr, dass man ihm seinen Rang aberkennen könnte, wenn Wallace die verdiente Anerkennung zuteilwürde. Mehr als hundert Jahre später wird eine andere Koryphäe in ähnlicher Weise hadern: Noam Chomsky, Begründer der Universal Grammar und modernen Linguistik beherrschte ein halbes Jahrhundert die Disziplin, bis seine Grundsatzüberlegung in Frage gestellt und widerlegt wird. Ein Umstand, mit dem der Forscher nicht umgehen kann. „Das Königreich der Sprache“ ist kein wissenschaftliches Buch, für mein Empfinden steht noch nicht einmal so sehr die Entwicklung der Sprache im Zentrum – wie Eingangs des Buchs angekündigt, weiß man darüber eh nichts zu sagen, weshalb auch der Leser am Ende nicht mehr weiß als zuvor. Vielmehr geht es um gekränkte Eitelkeiten, sehr menschliches Verhalten in Wissenschaftskreise und das Aufzeigen, wie diese funktionieren und wie dort Stars geboren werden. Das Ganze wird in einem höchst unterhaltsamen Plauderton erzählt, dem man gerne folgt. Es sind gerade die urmenschlichen Geschichten und Einwürfe, die die Wissenschaftler von ihrem Thron holen und sie (be)greifbar machen. Interessant die für mich zunächst seltsam anmutende Parallele zwischen Darwin und Chomsky. Beide haben ihre Theorien letztlich am Schreibtisch entwickelt ohne sie wissenschaftlich zu belegen. Es sind gedankliche Konstrukte, die jedoch zur Grundlage ihres jeweiligen Feldes wurden. Bei Darwin bedurfte es Mendel, der die Nachweise der Vererbung erbrachte, Chomskys Theorie der Universal Grammar hingegen wurde von Dan Everett widerlegt, der sich ins Feld begab und an echten Menschen forschte. Es waren Charisma und die gute Vernetzung, die sowohl Charles Darwin wie auch Noam Chomsky den Aufsteigt auf den wissenschaftlichen Olymp ermöglichten, von dem sie nicht freiwillig abtreten wollten.Das Buch lieferte mir so gar nicht das, was ich erwartet hatte. Nichtsdestotrotz fand ich vieles sehr interessant zu lesen, insbesondere Everetts Forschungen bei den Pirahã und deren Sprachsystem. Der anekdotische und humorvolle Stil Wolfes erlaubt dem Sachbuch an keiner Stelle langatmig oder gar tröge zu werden, so dass sich die Suche nach dem Ursprung der Sprache zu einer unterhaltsamen Lektüre, die immer mal wieder kleine Umwege nimmt, entwickelt. Ob Wörter letztlich nur Artefakte und Sprache lediglich ein Kulturgut sind, aber nichts, was die Natur zwingend herausentwickelt, bleibt am Ende unbeantwortet – ist aber vielleicht sinnvoller als eine neue Theorie, die schon bald wieder in die Mottenkiste gepackt werden muss. 

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