Tomek Tryzna Fräulein Niemand

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Inhaltsangabe zu „Fräulein Niemand“ von Tomek Tryzna

Kurz vor dem Hauptschulabschluß wechselt Marysia die Schule, der Vater hat in der Stadt einen besseren Job gefunden. Das Mädchen vom Lande freundet sich mit der Aussenseiterin Kasia an. Doch dann bricht Kasia plötzlich den Kontakt ab, und die schöne Ewa aus neureichem Elternhaus, die weiß, wie man Geld ausgibt und Männer um den Verstand bringt, wendet sich Marysia zu. Für Marysia tut sich eine vollkommen neue Welt auf...

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  • Fräulein Niemand.

    Fräulein Niemand

    ErinaSchnabu

    22. December 2013 um 20:46

    Auf dieses Buch bin ich nur durch Zufall aufmerksam geworden. Es war mal wieder einer dieser Tage, an dem ich mich durch Amazon und seine Lieblingslisten wühlte, in der Hoffnung, schöne Werke auf meinen Wunschzettel setzen zu können. Im Zentrum der Geschichte stehen vor allem nicht einfache, pubertäre, innige Mädchenfreundschaften, im Polen der 80er/90er. Die Hauptperson in dem Roman ist die 15-Jährige Marysia, die mit ihrer Familie vom Land in eine mittelgroße Stadt in eine Plattenbauwohnung zieht und kurz vor ihrem Schulabschluss steht. Marysia bemerkt in der Schule, dass die Jugendlichen ganz anders sind, als in ihrer Heimatstadt: Modischer, wohlhabender und exzentrischer. Das einzige und erste Mädchen, zu dem Marysia richtig Kontakt aufbaut, ist die Außenseiterin Kasia. Kasia ist die Tochter einer Ärztin und komponiert in ihrem Zimmer mit Synthesizer und Trommeln Musik. Marysia ist fast immer bei ihr und erfindet sogar Lügen, um bei Kasia sein zu können. So steht sie vor ihrem ersten großen inneren Konflikt. Ihre übergewichtige, kranke Mutter, die sich um den Haushalt und vier weitere Geschwister kümmern muss, sowie ihr Vater, der entweder arbeitet, trinkt oder schläft stehen auf der einen Seite, ihre neue beste Freundin Kasia auf der anderen. Immer häufiger entscheidet sie sich für Kasia und es folgen Verbundenheit, Liebesschwüre, und ein "Wir-gegen-den-Rest-der-Welt"-Gefühl. Als Leser ist man jedoch immer mehr besorgt um die Protagonistin: Immer häufiger ist sie den Wutanfällen und abschätzigen Bemerkungen Kasias ausgesetzt. Obwohl sich die beiden auf eine freundschaftliche Art unendlich doll zu lieben scheinen, ist im nächsten Moment deutlich zu sehen, wie die Macht in dieser Beziehung verteilt ist. Kasia, die sich wie eine Zigeunerin kleidet, verlangt von Marysia, sich auch so zu kleiden, Marysia soll ihren katholischen Glauben und all ihre Moralvorstellungen hinterfragen, da Kasia sie verachtet und darauf nur mit Spott und Zynismus reagieren kann. Wieder steht Marysia somit vor einem Konflikt: Gott und Moral oder Kasia. Doch diesmal verliert Kasia. Die beiden gehen im Streit auseinander. Und Kasia bleibt der Schule fern. Daraufhin kommt die schöne, mit Kasia verfeindete, Ewa auf Marysia zu und sie werden Freundinnen. Ewa kommt aus einem reichen Elternhaus und Marysia lernt all die Dinge kennen, die sie selber nie hatte: Luxus, Parties und die Aufmerksamkeit der Männer. Zwischen Ewa und Marysia entwickelt sich ebenso schnell eine innige Beziehung, in der die Macht ständig zwischen den Beteiligten hin und her geschoben wird. Durch Ewa wird Marysia selbstbewusster und erkennt ihre weibliche Seite, was sie aber auch dominanter und aggressiver macht. Es folgen Machtspielchen, gegenseitige Abhängigkeit, sowie der Hang zu einer homosexuellen Beziehung.Mit einem Brief taucht die fast verdrängte Kasia plötzlich wieder auf und bittet Marysia, wieder Kontakt zu ihr aufzunehmen. Ein letzter großer Konflikt steht Marysia bevor: Sie muss sich zwischen ihren beiden Freundinnen Kasia und Ewa entscheiden, doch es kommt anders als erwartet und Eifersucht, Liebe, Intrigen und Verrat bringen Marysia dazu, sich ganz anders, als sonst, zu entscheiden... "Fräulein Niemand" ist ein Buch, das mich seit langem mal wieder wirklich gefesselt hat. Es ließ sich sehr flüssig lesen und ich war regelrecht an mein Bett gekettet, um zu erfahren, wie es nun weiter geht. Da ich mein Buch gebraucht gekauft hatte und es sich dabei um eine erste Auflage handelte, bemerkte ich hier und dort den ein oder anderen Druck- oder Rechtschreibfehler. Etwas verwirrend und manchmal auch lang waren die Tag- und Nachtträume von Marysia. Die Traumsequenzen scheinen in dem Roman aber die einzigen Szenen zu sein, in denen man die "echte" Marysia kennen lernt. Dort kam zum Vorschein, wie sie sich selber in dem ganzen Gefüge sieht, wer sie zu sein glaubte, sein wollte, und wer sie nicht ist. Marysia, die sonst eher passiv auf den Leser wirkt, so als würde sie nur von ihren Freundinnen mitgezogen und gesteuert werden, offenbarte sich in ihren Träumen sich selber und dem Leser und wurde somit für kurze Zeit eine handelnde, sprechende, denkende Person, wo sie teilweise eher leblos und kalt wirkt.Das Buch liest sich wie ein Film, was vielleicht auch daran liegen mag, dass der Autor nicht nur Schriftsteller, sondern auch Regisseur ist und außerdem Drehbücher schreibt. Somit liest sich sein Werk in einem schnellen, aber angenehmen Tempo. Im Internet habe ich mal gelesen, dass die Mädchen verschiedene gesellschaftliche Zustände oder Gruppierungen des damaligen Polens darstellen sollten. Dazu kann ich leider nicht viel sagen, da ich nicht allzu viel über die Geschichte und Gesellschaft Polens weiß. Für mich las sich dieser Roman eher als ein sehr gut inszeniertes psychologisches Drama, das die seelischen Abgründe drei junger Mädchen aufzeigt, wie sie durch andere und durch ihr Umfeld geformt werden können, welch negative Gefühle mitschwingen, wenn man liebt und was emotionale Abhängigkeit bedeuten kann. Fazit: Kann sich absolut in der Reihe meiner Lieblingsbücher sehen lassen. 5 Sterne!

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  • Rezension zu "Fräulein Niemand" von Tomek Tryzna

    Fräulein Niemand

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    15. November 2010 um 14:03

    In diesem Buch steckt so viel. Man darf ganz nah dabei sein, wenn Marysia sich von dem naiven Landei zu einem Mädchen entwickelt, das zu Grausamkeiten und Intrigen fähig ist. Zunächst von Kasias Intelligenz und ihrer starken Persönlichkeit beeindruckt und demütig fasziniert, ist sie nach dem Bruch mit dieser Freundin, was zugleich auch ein Bruch im Buch und in ihrer Persönlichkeit ist, in Ewas Gegenwart nicht mehr die Schwache, sondern diejenige, die herausfordert und nicht mehr nur Opfer gefährlicher Spiele, sondern selbst ein Drahtzieher dieser. Sie entfremdet sich von sich selbst, wird sich und den bescheidenen Prinzipien ihrer Familie untreu. Nicht aus eigenem Antrieb, sondern durch Manipulationen ihrer Umwelt. Die ersten Seiten waren für mich seltsam zu lesen. Es war mir unvorstellbar, dass ein Mädchen mit 14 noch solch kindliche Denkmuster haben könnte, aber mit jedem Satz kommt man Marysia näher, beginnt sie zu verstehen und mitzufühlen. Sehr oft verschwimmen Realität und Wahn im Buch. Die Übergänge von Wirklichkeit zu Tagträumen sind nicht immer klar erkennbar. Doch an keiner Stelle des Buches zweifelt man an Marysias Reaktionen, immer bleiben ihre Empfindungen nachvollziehbar, selbst das Ende ist logisch konsequent. Nach dem was geschehen ist, die einzige Möglichkeit. Ich kann die häufig angebrachte Kritik verstehen, in der bemängelt wird, dass die Tagträume gegen Ende des Buches zu lang und zu kompliziert werden. Man möchte als Leser ausbrechen aus dieser sonderbaren Welt, die nur in ihrem Kopf existiert und wieder zurück in die Wirklichkeit um miterleben zu können, was tatsächlich vor sich geht. Aber gerade diese Träume geben so viel über ihre Ängste, ihre Wünsche und ihre Seele Preis, wie keine anderen Szenen des Buches. Man muss bereit sich ganz auf das Mädchen einzulassen, ihr zu folgen und den Abstand zu der Buchfigur zu verlieren. Dann erkennt man welches Meisterwerk dieses Buch ist.

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  • Rezension zu "Fräulein Niemand" von Tomek Tryzna

    Fräulein Niemand

    raspberryswirlgirl

    24. November 2008 um 15:44

    Klasse geschrieben - eine Geschichte über Mädchenfreundschaft, mit allen vorstellbaren weiblichen Gemeinheiten!

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