Tomer Dotan-Dreyfus

 3,6 Sterne bei 16 Bewertungen
Autor*in von Birobidschan, Keinheimisch und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Tomer Dotan-Dreyfus ist in Haifa, Israel, aufgewachsen, seit 2011 lebt er als Autor und Übersetzer in Berlin. Er schreibt regelmäßig über Israel und Palästina sowie über Antisemitismus in Deutschland. Seine Artikel erscheinen unter anderem in Süddeutsche Zeitung, taz und Berliner Zeitung. Sein erster Roman Birobidschan (Voland & Quist) stand auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis 2023.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Tomer Dotan-Dreyfus

Cover des Buches Birobidschan (ISBN: 9783863914172)

Birobidschan

(15)
Erschienen am 12.02.2024
Cover des Buches Keinheimisch (ISBN: 9783549110126)

Keinheimisch

(1)
Erschienen am 25.09.2025
Cover des Buches Gavdos (ISBN: 9783863914158)

Gavdos

(0)
Erscheint am 03.09.2026
Cover des Buches Gavdos (ISBN: 9783863915018)

Gavdos

(0)
Erscheint am 03.09.2026

Neue Rezensionen zu Tomer Dotan-Dreyfus

Cover des Buches Keinheimisch (ISBN: 9783549110126)
Buecherkarawanes avatar

Rezension zu "Keinheimisch" von Tomer Dotan-Dreyfus

Buecherkarawane
Wichtige Lektüre

Ich habe das Buch Keinheimisch von Tomer Dotan Dreyfus innerhalb weniger Tage gelesen, weil es mich von der ersten Seite an sehr stark beschäftigt hat. Es ist ein Buch, das sich tief anfühlt und das beim Lesen immer wieder Emotionen auslöst, manchmal in Form von einer warmen Nähe, manchmal in Form von Fragen, die lange nachwirken. Der Autor erzählt die Geschichte seiner Familie und verbindet sie mit der politischen und historischen Realität Israels und Palästinas. Er beschreibt seine Herkunft, seine Kindheit, seine Erfahrungen mit jüdischem Leben und die lange Schatten, die die Geschichte auf jede Generation wirft. Besonders berührt haben mich die sehr persönlichen Einblicke in seine Gedankenwelt. Man hat das Gefühl, dass er sich beim Schreiben fast selbst zuhört, als würde er im Erzählen erst verstehen, was Erinnerung eigentlich ist. Sein Schreibstil hat mich sofort mitgenommen. Er schreibt ausführlich und eindringlich und ich habe die dichte Sprache sehr geschätzt, weil sie nichts glatt streicht und nichts einfach nur behauptet. Was mich allerdings immer wieder zum Nachdenken gebracht hat, waren die Stellen, in denen er schreibt, dass er sich nicht mehr genau erinnern könne. Diese Formulierung taucht öfter auf und erzeugt eine Unsicherheit. Man fragt sich, wie zuverlässig einzelne Erinnerungen überhaupt sind, ob sie sich verschoben haben oder ob das Gedächtnis Lücken lässt, die wir selbst mit Bildern und Erzählungen füllen. An manchen Stellen hat mich das leicht irritiert, weil ich den Wunsch nach Klarheit hatte, aber gleichzeitig wurde mir bewusst, dass genau diese Unsicherheit Teil der Wahrheit des Buches ist. Erinnerung ist kein festes Archiv, sie verändert sich. Das Buch macht das sichtbar und vielleicht liegt gerade darin seine Stärke. Besonders eindrucksvoll fand ich die Passagen, in denen er von seiner Zeit in der israelischen Armee erzählt. Diese Kapitel sind schwer und sie lassen einen nach dem Lesen für einen Moment still werden, weil sie vieles berühren, was man nicht so schnell wieder loswird. Ein Gedanke wird im Buch sehr eindringlich greifbar. Der Kontrast zwischen der scheinbar unbeschwerten Kindheit, in der er im Garten seines Großvaters spielte, Zitronen pflückte und eine Art von Geborgenheit spürte, und seinem späteren Leben in Deutschland. Dort hat er nicht die Sicherheit gefunden, die er sich erhofft hatte. Stattdessen hat er erfahren, dass jüdisches Leben bis heute mit Befremden betrachtet wird. Dieser Teil des Buches hat mich besonders bewegt, weil hier deutlich wird, wie tief die Geschichte in das Private hineinwirkt. Das Buch hat für mich viele Fragen geöffnet und ich glaube, es gehört zu den Büchern, die man nicht einfach zuklappt und damit abschließt. Es fordert dazu auf, über Herkunft, Erinnerung, Schuld, politische Macht und über die Vorstellung von Heimat neu nachzudenken. Für mich war es ein sehr bedeutendes Leseerlebnis und ich kann es Menschen empfehlen, die Literatur suchen, die nicht nur erzählt, sondern spürbar macht, wo Worte an Grenzen stoßen und wo sie trotzdem eine Wahrheit berühren können.

- Bücherkarawane

Cover des Buches Birobidschan (ISBN: 9783863914172)
Nika488s avatar

Rezension zu "Birobidschan" von Tomer Dotan-Dreyfus

Nika488
Birobidschan

Der Roman „Birobidschan“ erzählt eine ungewöhnliche und interessante Geschichte rund um das stalinistische Projekt der jüdisch-sozialistischen Autonomie in Sibirien. Die Idee, verschiedene Charaktere und ihre Schicksale vor diesem historischen Hintergrund zu verknüpfen, klang vielversprechend.

Leider fiel es mir schwer, in die Erzählung hineinzufinden. Die Vielzahl der Figuren und Handlungsstränge wirkte oft unübersichtlich und teilweise überladen. Die Stimmung schwankt zwischen ruhigen Alltagsbeschreibungen und plötzlichen dramatischen Ereignissen, was das Lesen erschwerte und die Spannung nicht wirklich aufkommen ließ. Auch der Erzählstil war für mich teils sperrig und schwer zugänglich.

Obwohl die Themen und der historische Kontext faszinierend sind, konnte mich das Buch nicht komplett fesseln oder emotional mitnehmen. Schade, denn mit etwas mehr Fokus und Klarheit hätte daraus eine beeindruckende Geschichte werden können.

Fazit:
Ein ambitioniertes Debüt mit interessanten Ansätzen, das durch seine Komplexität und den teils sperrigen Stil leider oft den Lesefluss hemmt. Für Leser:innen mit Geduld und Interesse an ungewöhnlichen historischen Stoffen vielleicht noch lesenswert, für mich aber enttäuschend.

Cover des Buches Birobidschan (ISBN: 9783863913472)
Ana80s avatar

Rezension zu "Birobidschan" von Tomer Dotan-Dreyfus

Ana80
Menschen

In seinem Debütroman schreibt Tomer Dotan-Dreyfus über Birobidschan, einen Ort, der als jüdisch-sozialistische Autonomie in Sibirien, an der Grenze zu Russland geplant war. Begleitet werden dort lebende Menschen durch Abschnitte ihres Lebens. Diese sind z.T. Noch jung und idealistisch, schon älter und realistisch, sie wirken skurril oder verwirrt auf andere, kurzum: sie sind Menschen mitten im Leben, so wie eigentlich überall auf der Welt…

Mich lässt dieser Roman ein wenig zwiegespalten zurück. Ich bin mit wenig Erwartungen und einfach nur viel Neugierde an dieses Buch herangegangen und ich denke, dass das auch gut war. Der Autor schreibt leicht verständlich und so konnte ich das Buch auch schnell weglesen. Streckenweise war es für mich allerdings sehr verwirrend, da die Abschnitte nicht kronologisch aufeinanderfolgen und ich immer wieder überlegen musste, wo und mit wem ich mich jetzt im nächsten Kapitel befinde. Das war vor allem in der ersten Hälfte des Buches so, bis ich mich daran gewöhnt hatte. Ansonsten gefiel mir der poetische Erzählstil und auch das vieles ungesagt bleibt und durch eigene Gedanken zu den einzelnen Figuren ergänzt werden kann. Ich mochte den Einblick in die Lebensart in diesem abgelegenen Schtetl und wurde dazu animiert, mir das ein- oder andere zu Birobidschan zu ergooglen.

Wer Lust hat sich auf eine irgendwie offene und teilweise Fragen zurücklassende Erzählung einzulassen, ist bei diesem Buch genau richtig. Wer eine stringente Geschichte, mit klarem Aufbau und rotem Faden sucht, der sollte besser die Finger davon lassen. 

Gespräche aus der Community

Bisher gibt es noch keine Gespräche aus der Community zum Buch. Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Zusätzliche Informationen

Tomer Dotan-Dreyfus im Netz:

Welche Genres erwarten dich?

Community-Statistik

21 Bibliotheken

6 Merkzettel

Worüber schreibt Tomer Dotan-Dreyfus?

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freund*innen und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber*innen und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Hol dir mehr von LovelyBooks