Tommy Wieringa Dies sind die Namen

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Inhaltsangabe zu „Dies sind die Namen“ von Tommy Wieringa

Sie waren dreizehn auf ihrer Flucht, jetzt sind sie nur noch fünf. Eine Gruppe illegaler Migranten wurde von skrupellosen Schleppern in der Steppe östlich der Karpaten ausgesetzt. Ob sie die Grenzen ihres Landes wirklich überquert haben, erfahren sie lange nicht. In der fiktiven Stadt Michailopol irgendwo in Osteuropa herrschen Gesetzlosigkeit und Korruption. Pontus Beg ist dort Polizeikommissar. Job, Wohnung und regelmäßiger Sex sind ihm sicher, aber etwas Entscheidendes fehlt. Der Polizist und die Flüchtlinge – wonach sind sie auf der Suche und was wäre es, das zu finden sich lohnt? „Mitreißend, intelligent und überzeugend“ (De Standaard) erzählt Tommy Wieringa von Zeiten des Umbruchs in Europa.

Russischer Alltag, Religionen und Flüchtlinge – bedrückend, erschreckend und dennoch ein kleiner unerwarteter Hoffnungsschimmer am Schluss.

— Bücherfüllhorn-Blog
Bücherfüllhorn-Blog

Interessante Geschichte, die teils ein wenig langatmig und verwirrend ist. Die Charaktere sind toll beschrieben, aber das Ende zu plötzlich.

— Leseratte2007
Leseratte2007

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  • Bedrückend, erschreckend und dennoch ein unerwarteter Hoffnungsschimmer.

    Dies sind die Namen
    Bücherfüllhorn-Blog

    Bücherfüllhorn-Blog

    06. December 2016 um 15:20

    Manchmal fange ich ein Buch an zu lesen, und merke gleich auf der ersten Seite, dass mich alleine schon der Schreibstil „packt“. So war es auch hier. Die Geschichte wird aus zwei Perspektiven erzählt, wie in der Inhaltsangabe schon angedeutet von Flüchtlingen und von einem russischen Polizisten. Lange Zeit war für mich nicht klar, worauf diese Geschichte hinausläuft.   Ponuts Beg ist 53 Jahre und hat sich in seinem Leben in einer russischen Kleinstadt gut eingerichtet. Mittlerweile bemerkt er, dass er gesundheitlich nicht mehr so fit ist.  Zudem lebt er allein, hat eine Haushälterin die nur sehr oberflächlich putzt und mit der er genau einmal im Monat Sex hat. Ein Arrangement das beiden Seiten zusagt. Für ihn ist es ein eheähnliches Verhältnis, obwohl Sita, die Haushälterin einen Verlobten hat. Ponuts Beg arbeitet als Polizist, und muss sich oft mit so „wichtigen“ Fällen wie das überfahren eines Schafes auseinandersetzen. Ein kompliziertes System des Schadenersatzes wird dann angewandt. So erhält der Leser nebenbei Einblick in die „russische Seele“, wenn auch mit einer Portion Ironie. Überhaupt wird ziemlich lakonisch über die „russischen Zustände“ berichtet.   Zitat Seite 22: „… Überall hielt jemand die Hand auf …ein gewaltiges Netz aus Schmiergeldern, Bestechung, Erpressung  und Diebstahl …“   Dazu passt auch, dass die „Bußgelder“ die er und sein Kollege erheben, am Ende des Monats unter sich aufgeteilt werden. Ein schöner Zusatzverdienst. Jedenfalls kommt Pontus Beg eines Tages ins Grübeln, als der vermeintlich letzte Jude im Ort beerdigt werden muss. Ihm kommen Erinnerungen an ein jüdisches Lied, dass seine Mutter ihm vorgesungen hat. Ich fragte mich, warum dass für ihn mit einem Male so wichtig wurde? War es das Alter, dass man anfängt zurück zu blicken? Aber warum einen neuen Glauben suchen? Vielleicht weil alles um ihn herum im korruptem Sumpf zerfällt, hängt er sich an dieses „Zipfelchen“ und versucht herauszufinden, ob auch er Jude ist, ob er vielleicht so seinem Leben eine neu Wende geben kann. Er trifft zufälligerweise auf einem Rabbiner, dem wirklich letzten ihrer Stadt. Langsam schleichen sich verschiedene jüdische Rituale in Pontus Begs Leben, wie zum Beispiel kein Schweinefleisch mehr zu essen. Die Namen, der Namen ist auch wichtig, seine Mutter hieß Medwed, dies bedeutet Bär und könnte auch ein jüdischer Name sein. Mich erinnerte es an den Namen des ehemaligen russischen Präsidenten Medwedew.   Auf der anderen Seite mitten im nirgendwo, in einer Steppe, wo genau wird nicht erwähnt, eine Gruppe mit sieben Flüchtlingen. Fünf Männer, eine Frau, ein Kind. Sie waren mal dreizehn. Mitten im Buch gibt es einen kurzen Rückblick auf einen Anfang, zusammengepfercht im Sattelschlepper. Die sieben sind der Rest, die übrig geblieben sind. Der Leser lernt sie nur als offensichtliche Beschreibung kennen: sie geben sich nur Namen wie Großer Mann, die Frau, Mann aus Aschgabat, der Junge, Vitaly, der Wilderer, der Neger. Das war anfangs verwirrend, weil ich nicht wusste, ob der große Mann auch der Äthiopier und der Neger war!? Oder waren nur der Äthiopier und der Neger dieselbe Person? Ja, er ist die dieselbe Person. Jedenfalls spricht keiner die Sprache dieses Mannes, und so ist er fast schon deswegen ein Außenseiter.   Überhaupt sind die Verhältnisse, die Gruppendynamik nach monatelangem umherirren nur aufs Überleben bezogen. Das ist manchmal sehr unmenschlich, selbst der Junge weiß, dass wenn jemand liegenbleibt, der Rest der Gruppe weiter muss. Zitat S. 106: „Die nächsten ließen sie einfach liegen. Die Sorgen der Lebenden waren größer als die der Toten.“   Es wird nicht geholfen. Im Gegenteil, wie Raubtiere schätzen sie den Gefallenen, den fast schon Toten ein, wie eine Beute, die Gehenden scheinen zu überlegen, was von ihm man gebrauchen kann, Schuhe, Kleidung etc. Auf Seite 107 ist dies eindrücklich beschrieben. Jeder ist sich selbst der nächste. Schrecklich, so eine Vorstellung und überhaupt diese Verrohung in der Gruppe. Aber auch verständlich? Die Gruppe hat mit Hunger, Durst und den Wetterbedingungen zu kämpfen und folgt wie ein Rudel dem stärksten in der Gruppe, dem Anführer. Die Frau wird zudem zwischen zwei Männern aufgeteilt, mit denen sie abends immer kurz „verschwindet“. Aus Hunger werden Eidechsen gejagt, wahrlich nur ein kleiner Happen. Die Flüchtlinge magern extrem ab, die Zähne fallen aus, Geschwüre entstehen. Die Frau fängt am Ende an, sogar den Sand, den Dreck vom Steppenboden zu essen. Es wird nicht das schlimmste sein, was sie essen werden. Verfolgt werden sie Zeitweise von einem Rudel Wölfe. Also lieber zusammenbleiben. Die Zustände, die Dynamik in der Gruppe, wie jede normale Norm in der Gruppe verschwindet, sind „hart“ zu lesen.   Nach und nach erhalte ich dennoch einen kleinen Einblick in die Geschichte einzelner Flüchtlinge. Die Gründe für ihre Flucht werden beschrieben, und dass es kein Zurück nach Hause mehr gibt.   Der Mann aus Aschgabat hatte schlimme Hautreizungen und hat sich auf dem Weg zu einer medizinischen Kur spontan „abgesetzt“.   Der große Mann kommt bald nicht mehr mit, fällt zurück. Wird vom Schwarzen Mann gerettet. Dennoch beginnt der große Mann ihn für uns unverständlicherweise, zu hassen. Zitat Seite 64: „Wie war die Selbstaufopferung des Schwarzen zu ertragen? Wie konnte man sich damit abfinden, dass man sein Leben einem anderen verdankte? Wie erlöste man sich von dieser Schuld?“   Überhaupt, der schwarze Mann, der Neger, der Äthiopier. Auf ihn, auf den Fremden, der ihre Sprache nicht spricht, auf ihn wird im Laufe der Wanderung sämtliche Schuld abgeladen. Als wäre er ihr Ventil für ihre Gefühle wie Neid, Zweifel und Schuld. Aberglauben und Magie erwachen. Dennoch ist er derjenige, der ein Kreuz trägt, und der sich besonnen zurück hält. Der sich irgendwie gut in der Wildnis auskennt. Das wird ihm aber alles nichts nutzen, sondern nur den falschen Neid der anderen einbringen. So ist das, mit Fremden. Stellvertretend für die ohne Namen, die irgendwann in der neuen Welt hinter der Grenze genauso Fremde sein werden.   Der Wilderer, lebte früher zwischen Sauf-Exzessen und Lethargie in den Tag hinein.   Vitaly, der bösartige „Straßenköter“. Diesen Begriff oder den Jargon habe ich in diesem Zusammenhang auch noch nicht gelesen. Er lebte auf der Straße, dielte, stahl … Er kämpft um die Frau, wird aber immer schwächer. Zitat Seite 79: „Jetzt bleibt er liegen, als der Mann aus Aschgabat seine Beute für die Nacht hinter sich her in die Dämmerung schleift“.   Die Frau, versucht einfach zu überleben in der Männergruppe, trotz allnächtlicher Vergewaltigungen.   Der Junge, der mehr sieht und hört, als jemals zuvor in seinem Leben. Der nie wieder in sein altes Leben zurückkann.   So spielt der Glaube in beiden Perspektiven eine Rolle. Die Flüchtlinge, monatelang allein unterwegs, haben sich ihren eigenen Glauben, eine Religion geschaffen, den kaum ein anderer zu verstehen mag. Allein Pontus Beg begibt sich durch seine neu erwachten Glaubensanfänge in eine kleine Art Verständnis. Da werden auch Vergleiche von Moses, Jakob und den Auszug der Ägypter nicht gescheut. Seltsame Parallelen tun sich auf, nicht vergleichbar, aber eine ähnliche Struktur. Durchaus nachvollziehbar. Als sie endlich eine Stadt erreichen, sehen sie „wie Juden aus dem Konzentrationslager aus“, ausgemergelt, verhungert, in Lumpen gehüllt.    Ebenso gibt es ein klein wenig Zauberei/Vodoo, ich nenne es ein wenig Hokuspokus um den schwarzen Mann, oder auch um Pontus Begs Haushälterin Sita, die nachts mit ihrer toten Mutter spricht.   Auch die Namen spielen eine große Rolle in dieser Geschichte. Wieder aus zwei Perspektiven, denn Pontus Beg versucht über den Namen herauszufinden, ob er jüdischer Abstammung ist. Und die Flüchtlinge verzichten komplett auf Namen, da so viele zurückbleiben, das würde die Seele nicht verkraften. Ohne Namen fällt es leichter, die Schwachen zurück zu lassen. Erschreckend am Ende der Odyssee ebenfalls die Erkenntnis, in Wirklichkeit kein Stückchen voran gekommen zu sein, denn die Schleuser haben sich ein makabres“ Spiel“ einfallen lassen. Erschreckend.   Am Schluss laufen alle Fäden zusammen. Nun ist klar, dass Pontus Begs Suche nach seiner Herkunft, seinen jüdischen Vorfahren, eine Chance für zumindest einen der Flüchtlingen bedeuten kann. Das ist fast ein versöhnliches Ende.   Fazit: Wie zu Anfang erwähnt, hat mich der Erzählton gleich für die Geschichte eingenommen, so war auch das „normale“ Leben in einer russischen Stadt, von knarzenden Wasserrohren bis zum Schmiergeld interessant zu lesen. Den größten Spannungsbogen machten für mich die Ereignisse rund um die Flüchtlinge aus. Dramatisch Szenen einer Gruppe, die nicht mehr nach normalen menschlichen Regeln „spielt“. In die Gruppe, in die sich unbemerkt eine Art Unterton geschlichen hat, der anfällig macht für Aberglauben und dadurch die Entstehung eines neuen Glauben in einer Extrem-Situation. Wie sich die beiden Erzählstränge verbinden und zusammenfügen, dass erfährt man erst am Schluss, der einerseits erschreckend ist, aber auch einen kleinen Funken Hoffnung birgt.   Alles in allem: Eine außergewöhnliche Geschichte. Bewegend. Lesenswert. 

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  • Dies sind die Namen

    Dies sind die Namen
    Leseratte2007

    Leseratte2007

    04. December 2016 um 12:45

    Darum geht es (Klappentext):Sie waren dreizehn auf ihrer Flucht, jetzt sind sie nur noch fünf. Eine Gruppe illegaler Migranten wurde von skrupellosen Schleppern in der Steppe östlich der Karpaten ausgesetzt. Ob sie die Grenzen ihres Landes wirklich überquert haben, erfahren sie lange nicht. In der fiktiven Stadt Michailopol irgendwo in Osteuropa herrschen Gesetzlosigkeit und Korruption. Pontus Beg ist dort Polizeikommissar. Job, Wohnung und regelmäßiger Sex sind ihm sicher, aber etwas Entscheidendes fehlt. Der Polizist und die Flüchtlinge – wonach sind sie auf der Suche und was wäre es, das zu finden sich lohnt?Meine Meinung;Die Thematik des Buches war wirklich sehr interessant. Flüchtlinge auf der Flucht/ Reise durch die Steppe mit nichts als sich selber. Kaum Essen, kaum Trinken und kalte Nächte/ heiße Tage. Man hat sehr mit ihnen mitgefiebert und mitgelitten. Die Reise von ihnen erinnert sehr stark an den Exodus in der Bibel und man erfährt was die Verzweiflung aus Menschen machen kann. Sie ersinnen sich einen neuen "Gott", der Überlebenswille ist geweckt. Sogar vor "alten" Leuten machen sie keinen Halt und ich war tief erschüttert über ihr Verhalten. Aber letzendlich bin ich die Letzte, die darüber urteilen kann. Ich kenne keinen Hunger und keine Verzweiflung.Auf der anderen Seite wird Pontus Beg, ein Polizeikommissar in seinem Alltag begleitet. Man merkt, obwohl er eigentlich alles hat, ist er unglücklich und ist wie die Flüchtlinge noch nicht an seinem Ziel angekommen. Ich fand die Entwicklung die er durchgemacht hat sehr interessant und nachvollziehbar.Erst stehen die beiden Erzählstränge für sich, doch im letzten Viertel vereinen sich die Stränge und die verschiedenen Charaktere begegnen sich. Ich fand Pontus Beg sehr sympathisch und ich kann seine Unerschlossenheit und dass ihm etwas größeres fehlt nachvollziehen.Die Geschichte war teils sehr langatmig und langwierig. An manchen Stellen werden Werke zitiert und ich konnte nicht wirklich etwas damit anfangen und es war ein wenig zu komplex. Manche Ereignisse im Buch fand ich grausam, aber der Autor bewahrte einen gewissen Abstand und berichtete fast kalt über die Geschehnisse, da hätte ich mir schon wenig mehr Tiefe und Nähe gewünscht.Das Ende fand ich insgesamt gut gelöst, aber es kam sehr plötzlich und ein paar Fragen wurden nicht gelöst und blieben offen und dadurch habe ich das Gefühl, dass ich noch nicht mit der Geschichte abschließen kann, weil noch entscheidene Fragen offen sind.Insgesamt war das Buch sehr interessant und die Thematik war sehr tiefgründig, doch manchmal war es zu langwierig und komplex. Die Charaktere waren sehr tiefgründig und offen und das Ende war eine gute Lösung, obwohl mir noch das gewisse Etwas fehlte...

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  • Die umfassende Suche nach Heimat

    Dies sind die Namen
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    26. September 2016 um 15:48

    Die umfassende Suche nach HeimatZunächst muss man verstehen, dass der Titel des Buches auf den Beginn des zweiten Buches Mose anspielt: „Dies sind die Namen derer, die mit Jakob nach Ägypten kamen……“Denn gerade was die zusammengewürfelte, verzweifelte Gruppe von Flüchtlingen angeht, die im Buch einen wesentlichen Teil des Erzählstranges ausmachen, werden lange, lange Zeit keine Namen genannt. Nur die Funktionen, die Namen untereinander “Der Afrikaner“, „Der Wilderer“, „die Frau“, usw.) dienen in der Gruppe zur kurzen und knappen Benennung der anderen.Was eine wichtige Funktion im Ablauf des Romans hat, denn Wiegand zeigt damit konsequent zum einen auf, wie in dieser Gruppe von 5, 6 Personen sich „alle Flucht“ der Gegenwart symbolisch zeigt und, zum anderen, wird durch diese distanzierte Benennung untereinander auch das zweite, für den Leser emotional nicht immer leicht zu tragende, wichtige Moment der Flucht deutlich. Jeder geht für sich. Momente der Solidarität und Nähe (als der „Afrikaner“ mit „dem Großen“ eine Dose Nahrung teilt) sind rar. Eher bleiben manche am Wegesrand liegen und werden noch um ihre Habseligkeiten von den anderen erleichtert, bis hin zum Mord (der spirituelle Folgen haben wird).Da ist keine Solidargemeinschaft, da ist kein gezieltes „Fliehen“ irgendwohin, da ist nur ein „Weg von“ egal wohin auszumachen und dabei steht jeder für sich. Opfer werden dabei einfach ignoriert (wie jene alte Frau, die ausgeplündert, um ihren Wintervorrat erleichtert, einfach bei beginnendem Schneefall in ihrer Hütte zurückgelassen wird).Das ist der direkte Strang des „Exodus“, der die eine Seite des Buches gestaltet. Dem zur Seite eine „innere Seite“ eines Exodus im Sinne einer Reifung und Befreiung zur Seite gestellt wird. Pontus Beg, Polizeikommissar in Michailopol, an dessen Grenze sich die Flüchtlingsgruppe seit langem weitgehend im Kreise sich bewegt, ohne je eine echte Grenze überschritten zu haben, zieht ebenfalls los. Innerlich. Heraus aus seinem geregelten, ruhigen, langweiligen, unausgefüllten Leben, in dem die leibliche Versorgung und der monatliche Sex mit seiner Haushälterin einfach nicht zu echter Zufriedenheit führen, sondern die Leere immer härter ihn bedrängt.„Pontus Beg war nicht auf die Weise alt geworden, wie er sich vorgestellt hatte“.Durch Zufall kommt er mit dem „letzten Juden“ der Stadt, einem Rabbi, zusammen und entwickelt mehr und mehr eine innere Affinität, eine Suche, die ein Ankommen werden wird.Wie auch die Flüchtlinge ankommen und sich von da an die beiden Erzählfäden des Romans zu einem Ganzen verweben. Anders, als vielleicht zuvor bei der Lektüre gedacht, mit einer ebenfalls nur „Hoffnung“ am Ende. Aber einer greifbaren Hoffnung, einem sich auftuenden Weg, der tatsächlich zu einem Ziel führen könnte. Für Beg und einen der Flüchtlinge.So stellen beide Momente des Romans letztlich doch einen einzigen Vorgang dar. Das „Herausgehen“ aus sich und / oder aus den Umständen, um ein besseres Leben, einen eigenen Weg, eine innere und äußere Heimat zu finden, die diesen Namen mehr verdient als das bisherige Leben angeboten hat.Wobei sich dies in Teilen doch manchmal etwas zäh liest und die ein oder andere Länge und Ungereimtheit (das Plündern und Zurücklassen der alten Frau wäre so nicht nötig gewesen z.B), wie zudem Wieringa hier und da im Stil doch fast zu distanziert und nüchtern verbleibt, gerade bei den „harten Momenten“ der Flucht auf allen Seiten.Insgesamt aber ein eindringliches Werk, dass die Suche nach sich selbst, einem guten Leben mitsamt (immer) notwendiger innerer Entwicklung und (manchmal) notwendiger äußerer Flucht bildreich aufnimmt und mit großer Klarheit schildert.

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