Die Herkunft der anderen

von Toni Morrison 
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Die Herkunft der anderen
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„Es gibt nur verschiedene Versionen unserer selbst, von denen wir viele nicht realisiert haben und die meisten von uns fernhalten wollen.“

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Inhaltsangabe zu "Die Herkunft der anderen"

Die amerikanische Literaturnobelpreis-Trägerin Toni Morrison hat ihr Leben als Schriftstellerin der Rassenfrage und dem Rassismus gewidmet. Nun meldet sie sich mit klugen, schneidend klaren Worten zum Thema Rassismus in Amerika.

Die sechs hier abgedruckten Texte basieren auf Vorlesungen an der Harvard University im Sommer 2016. Es sind Betrachtungen über Rasse und Rassismus, die die Zerrissenheit der amerikanischen Gesellschaft widerspiegeln und durch die Wahl eines das Land spaltenden Präsidenten sowie den zunehmenden, unverbrämten Alltagsrassismus eine brennende Aktualität bekommen.

Wie und wann entsteht das Konzept des Andersseins? Angeboren ist es ja nicht. Toni Morrison beantwortet diese Frage mit persönlichen Erinnerungen aus ihrer Kindheit, erzählt von eigenen Familien- und Berufserfahrungen und spricht über reale Fälle, die sie zu ihren Romanen inspiriert haben.

Zudem macht sich Toni Morrison Gedanken zur Geschichte und Funktion von Literatur in einer latent rassistischen Gesellschaft. Sie leitet den literarischen Rassismus aus der Romantisierung des Sklaventums her und belegt mit Beispielen von Faulkner bis Hemingway die ständige Angst vor den schwarzen Gesichtern. Dabei schlägt sie einen weltpolitischen Bogen, von der individuellen Herkunft bis hin zur Globalisierung, zu Grenzen und Fluchtbewegungen.
Eine große Autorin erhebt ihre Stimme. Ein brisantes Buch, das Mut macht und Hoffnung gibt.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783498045432
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:112 Seiten
Verlag:Rowohlt
Erscheinungsdatum:27.03.2018

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    Gwhynwhyfarvor 4 Monaten
    Das Buch gehört in jeden Bücherschrank

    »So früh zu erfahren (oder beigebracht zu kriegen, weil man es selbst noch nicht verstand), was einen wertloser, weil anders macht, blieb damals ohne Wirkung auf mich – wahrscheinlich deshalb, weil ich außergewöhnlich arrogant und ganz mit meinem kostbaren Selbst beschäftigt war.«

    Als erste farbige Frau hat Toni Morrison 1993 den Literaturnobelpreis erhalten. Toni Morrison, beschäftigt sich in diesem Essay mit dem Thema Rasse und Rassismus, zum Konzept des »Andersseins«. Ein Thema, das sich durch alle ihre Romane zieht. Ein wichtiges Thema für sie ist auch der Rassismus unter Farbigen selbst. Vor dem obigen Zitat beschreibt sie die Reaktion ihrer Urgroßmutter auf Toni und ihre Schwester, als sie die beiden erstmalig sieht, die Kinder waren schon größer, die Urgroßmutter war das absolute Familienoberhaupt. Sie zeigte mit dem Stock auf die Mädchen, sagte: »Diese Kinder sind verpfuscht worden.« Sie waren nicht schwarz genug.

    »Meine Urgroßmutter war teerschwarz, und meine Mutter verstand genau, was sie meinte: Wir, ihre Kinder, und damit unsere engste Familie, waren besudelt, nicht rein.«

    Doppelt diskriminiert, nicht weiß, nicht schwarz genug. 2016 hielt die damals 85-Jährige Schriftstellerin eine Vorlesungsreihe an der Harvard University zum Thema Rassismus und Literatur. Die sechs Texte der Vorlesungen liegen in diesem Buch hier als Essays vor. Toni Morrison versucht sich der Frage anzunähern, was Rasse ist. Eine schwierige Frage, zu der sie eine Menge Denkanstöße gibt. In »romantische Sklaverei« zitiert sie aus dem Tagebuch eines Arztes aus den Südstaaten, Vorstellungen zur damaligen Zeit, die unter die Haut gehen. Der Arzt diagnostizierte unter anderem bei Sklaven eine spezielle Krankheit namens »Dysaesthesia aethiopica«, eine mentale Lethargie, durch die »der Neger sich sein Leben lang in einem Halbschlaf« befinde. Und genau darum muss man diese Rasse zur harten Arbeit zwingen, damit sie nicht wild heranwachse, womöglich noch Unfug anstellen. Herr und Neger profitieren beide davon, win-win, klare Sache. Diese Auszüge lesen sich gruselig. Aber sie helfen zu verstehen.
    Niemand bekommt Rassismus in die Gene gelegt, Kinder sind grundsätzlich offen für alle anderen Kinder. Rassismus, Vorurteile, sind ein Teil der Erziehung, der Sozialisation. Natürlich beschäftigt sich Toni Morrison sich auch mit Texten wie »Onkel Toms Hütte«, zitiert Faulkner und Hemingway, ihren unterlegten Rassismus. Ein weites Thema, bei dem wir immer noch am Anfang stehen.

    »So etwas wie Rasse gibt es gar nicht«

    Was bedeutet es in den USA, nicht der weißen Rasse anzugehören? Auch dieses Thema nimmt sie auf. Wir alle sind Homo Sapiens, mehr nicht. Toni Morrison will Antwort finden, sie will aufzeigen, was sie erlebt hat, beobachtet hat. Sie gibt uns als Schlüssel ihrer Erlebnisse, ihrer Gedanken. Die Tür muss jeder für sich selbst aufschließen.

    Der US-amerikanische Journalist Ta-Nehisi Coateshat das Vorwort zu den Texten verfasst:

    »Wenn wir begreifen wollen, warum wir einmal mehr am Anfang stehen, können wir uns an Toni Morrison halten, eine der wichtigsten Schriftstellerinnen und Denkerinnen, die dieses Land hervorgebracht hat.«

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    Wedmavor 6 Monaten
    Kurzmeinung: „Es gibt nur verschiedene Versionen unserer selbst, von denen wir viele nicht realisiert haben und die meisten von uns fernhalten wollen.“
    Ein wichtiger Beitrag zum aktuellen Thema.

    „Die Herkunft der anderen“ von Toni Morrison habe ich gern gelesen und empfehle das Buch auch weiter, insb. für diejenigen, die sich für das Thema Rassismus interessieren.


    Klappentext auf der Rückseite des Bandes beschreibt den Inhalt sehr gut: „In diesen Essays nimmt die Literaturnobelpreisträgerin Toni Morrison Stellung zum Thema Rasse und Rassismus, zum Konzept des „Andersseins“ und nicht zuletzt zur Rolle der Literatur und zu dem, was sie an Aufklärung leisten kann.

    Was ist Rasse, und warum spielt sie eine Rolle? Warum schient der Mensch das Konzept der „anderen“ zu brauchen? Morrison nähert sich diesen Fragen vorwiegend literaturgeschichtlich und philosophisch, jedoch „ist es unmöglich“, ihre Überlegungen zur Frage der Zugehörigkeit, der Auswahl derjenigen, die sich unter dem Schutzschirm der Gesellschaft willkommen fühlen dürfen, ohne ein Bewusstsein unsere aktuellen Situation zu lesen.“


    Der Band beinhaltet 6 Essays: „Romantisierte Sklaverei“, „Fremd sein oder fremd werden“, „Fetisch Farbe“, „Was bedeutet ‚schwarz‘“, „Vom Anderssein erzählen“, „die Heimat des Fremden“.


    Wie Ta-Nehisi Coates im Vorwort treffend sagt: „Es sind Vorträge über die Erschaffung des Fremden und die Errichtung von Zäunen, ein Versuch, mit den Werkzeugen von Literaturkritik, Geschichtswissenschaft und persönlicher Erinnerung zu verstehen, wie und warum es dazu kommen konnte, dass wir diese Zäune mit Hautpigmenten in Verbindung bringen.“ S. 9.


    Toni Morrison sagt viele Dinge, die nach wie vor ihre Gültigkeit besitzen, und die neue Aktualität im Licht der jüngsten Ereignisse in USA erlangt haben. Bei manchen ihrer Nacherzählungen aus den Werken anderer Autoren, die sie z.B. im ersten Essay einfließen lässt, kann kein Mensch unberührt bleiben: Der sadistische Umgang britischer Kolonialisten mit farbigen Sklaven Mitte 19. Jh. ist dort das Thema. Diese Selbstverständlichkeit, mit der die Frauen vergewaltigt, die Männer umgebracht, die Kinder missbraucht wurden, diese emotionale Kälte, die die Herrschaften dabei an den Tag gelegt haben, all das liest sich deutlich heraus.


    Toni Morrison hat auch über die Ursachen des Rassismus nachgedacht. Essay 2 „Fremd sein oder fremd werden“ beginnt sie so: „Weil es von so großem Nutzen sein kann, andere zu Andersartigen zu machen und als solche festzuschreiben, ist es wichtig, sich über zwei Dinge klarzuwerden: 1.) Worin besteht dieser Nutzen?; und 2.) Was wären die gesellschaftlichen und politischen Folgen eines Verzichts auf solche Vorteile?“ S. 33. Da sieht man noch einmal: Der erste große Schritt, Antworten zu finden ist, die richtigen Fragen zu stellen.


    Paar Seiten später fährt sie fort: „Die Vorstellungen davon, was es bedeutet, menschlich zu sein, haben sich gewandelt, und das Wort „Wahrheit“ hat seine Anführungszeichen so nötig, dass seine Abwesenheit (seine Ungreifbarkeit) beredter ist als sein Gebrauch. Warum sollen wir Fremde kennenlernen, wenn es einfacher ist, uns ihnen zu entfremden? Warum sollten wir die Distanz überwinden wollen, wenn wir die Tür auch schließen können? Kunst und Religion haben eine schwache Stimme, wenn sie nach Gemeinsinn im Gemeinwesen rufen.“ S. 47. Dieses gesamte Essay ist sehr stark, sie bringt es auf den Punkt: „Es gibt nur verschiedene Versionen unserer selbst, von denen wir viele nicht realisiert haben und die meisten von uns fernhalten wollen.“


    Auch weitere Essays sind spannend, denn sie beschäftigen sich mit anderen Facetten des Themas.


    Toni Morrison ist eine begnadete Erzählerin. Ihr knapper, kraftvoller Ausdruck nimmt den Leser sofort mit und lässt nicht los, bis die letzte Seite umgeblättert ist.


    Das Buch ist liebevoll gestaltet: flexibles Hardcover, farblich passendes Lesebändchen in Rot. Prima als Geschenk.


    Fazit: Ein wichtiger Beitrag zum aktuellen Thema. Ein sehr schön gemachtes Buch.

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