Toni Morrison Gott, hilf dem Kind

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Inhaltsangabe zu „Gott, hilf dem Kind“ von Toni Morrison

Lula Ann ist solch ein tiefschwarzes Baby, dass ihre Mutter bei der Geburt fast zu Tode erschrickt und der Vater die junge Familie verlässt, weil er das Kind nicht als seines anerkennen kann. Die Mutter zieht Lula Ann allein groß und lehrt sie Gehorsam und Unterwürfigkeit. Doch die heranwachsende Tochter sträubt sich gegen die verordnete Angepasstheit. Sie ändert ihren Namen, kleidet sich in strahlendes Weiß, macht Karriere und befreit sich auf ihre Weise von der Vergangenheit. Zwei starke Frauen, zwei verschiedene Arten, sich zu schützen und gleichzeitig zu behaupten.

Das zerstörerische Wirken von ausbleibender Mutterliebe vor dem Hintergrund der Rassenfrage - lesenswert.

— miss_mesmerized

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  • Je heller, umso besser

    Gott, hilf dem Kind

    Gwhynwhyfar

    20. July 2017 um 13:54

    »Ich weiß nur, Lula Ann zu stillen war für mich so, als hinge mir ein kleines Negerlein an der Brust. Ich gab ihr die Flasche, kaum dass ich zu Hause war.«Sweetness berichtet uns von den vielen Schattierungen der farbigen Haut, sie wäre als Weiße durchgegangen. Milch mit einem Schuss Kaffee, Kaffee mit Milch, Schokolade bis bläulich-schwarz, »Mitternachtsschwarz, sudanesisch schwarz«, je heller, umso besser. »Ich habe eine hellere Haut und gutes Haar, so wie die von uns, die wir die Gelben nennen, und Lula Anns Vater ist genauso. Man könnte sie für einen Rückfall halten - aber wohin? «Sweetness und deren Ehemann, sind so hellhäutig, dass sie sogar eine Kaufhaustoilette aufsuchen können, ohne einen Aufruhr auszulösen, berichtet sie dem Leser. In den Neunzigerjahren wird ihre Tochter Lula Ann geboren und sie ist tiefschwarz. Sweetness schämt sich, und Ehemann Louis verdächtigt sie eines Seitensprungs, verlässt sie. Kurz überlegt sie, dieses furchtbare Kind zur Adoption freizugeben. »Voller Abscheu war ihr Gesicht, wenn sie mich baden musste, als ich noch klein war. Eigentlich spülte sie mich nur ab, nach einem halbherzigen Rubbeln mit einem eingeseiften Lappen. Ich betete, dass sie mir eine Ohrfeige geben oder mich schlagen würde, nur damit ich ihre Berührung spüren konnte. Ich machte absichtlich kleine Fehler, aber sie fand Wege, mich zu bestrafen, ohne dabei die Haut zu berühren, die sie hasste.«Sweetness mag das «Negerlein» nicht berühren. Sweetness erzieht Lula Ann streng, zeigt ihr die Härte des Lebens. »Ich habe Angst«, der erste Satz von Lula Ann in diesem Buch.»Sie musste lernen, wie man sich benimmt, wie man auf der Hut ist und keinen Ärger macht. Es ist mir egal, wie oft sie ihren Namen ändert. Ihre Farbe ist ein Kreuz, das sie immer zu tragen hat.«Als Lula Ann acht Jahre alt ist, erreicht sie die Anerkennung ihrer Mutter, als sie mit einigen anderen Kindern zusammen vor Gericht gegen drei Lehrkräfte aussagt, die beschuldigt werden, Kinder missbraucht zu haben. Lula Ann ist die Glaubwürdigste, die standhafteste. Die Lehrerin Sofia Huxley wird zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt auf Grund der Aussage von Lula Ann.Nun folgt ein Zeitsprung. Lula Ann Bridewell ist zu einer sehr attraktiven Frau herangewachsen, sie trägt ausschließlich weiß, zum Kontrast zu ihrer Hautfarbe. »Schwarz ist das neue Schwarz«, riet ihr der Image-Berater, zu ihrer »Lakritzenhaut« solle sie ausschließlich weiße Kleidung tragen. Sie nennt sich nun Bride, hat bei dem kalifornischen Kosmetikunternehmen Sylvia Inc. Eine steile Karriere hingelegt, sich bis zur Bezirkschefin hochgearbeitet und verdient überdurchschnittlich gut. Doch nun bricht für sie eine Welt zusammen. »Du bist nicht die Frau, die ich will.«Ihr Lebensgefährte Booker Starbern verlässt sie. Sofia Huxley, die Lehrerin, wird nach 15 Jahren vorzeitig auf Bewährung entlassen. Brides Gewissen meldet sich, sie will sie vom Gefängnis abholen, ihr Geld zustecken. Doch Sofia steigt nicht ein. Bride besucht sie zu Hause, will ihr das Geld übergeben. Sofia lässt sie herein und als Bride sich zu erkennen gibt, schlägt sie auf die junge Frau ein. Mit zerschundenem Gesicht macht sich Bride von dannen, meldet sich krank. Ihre Freundin und Kollegin Brooklyn kümmert sich um die Verletzte. Bride begibt sich nun auf die Suche nach Booker, zuerst in der Wohnung, denn sie weiß nichts über den Mann, mit dem sie zusammenwohnte, wundert sich, dass er diese Bücher las. Dann fährt sie los, ihn zu finden. Ein weiteres Unglück passiert unterwegs. Immer im Leben zurückgestoßen, seit der Geburt, erlebt Bride bei wildfremden Menschen das erste Mal Zuneigung, nicht aus Bewunderung, schlicht einfach, weil sie da ist, Hilfe benötigt.Die Geschichte wird multiperspektiv erzählt, aus Sicht der sechs verschiedenen weiblichen Akteure, Bookers Geschichte erfahren wir durch eine auktoriale Erzählerin. Die Reihenfolge. der Ereignisse werden in verschiedenen Zeitebenen eingeflochten. In diesem kurzen Buch stecken durch Nebenstränge verschiedene Geschichten, Einzelschicksale, die im Großen gekonnt verwoben werden.Für die 86-jährige Nobelpreisträgerin Toni Morrison ist Rassendiskriminierung immer ein Hauptthema gewesen, insbesondere die Diskriminierung der farbigen Hautfarbe untereinander. Kindesmissbrauch ist hier ein weiteres Thema. Gekonnt lässt die Autorin die Protagonisten auftreten und blättert Stück für Stück ihre Persönlichkeiten auf. Manches ist nicht so, wie es erst scheint. Ein dünnes, aber großes Buch.

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  • Je heller, umso besser

    Gott, hilf dem Kind

    Gwhynwhyfar

    20. July 2017 um 13:54

    »Ich weiß nur, Lula Ann zu stillen war für mich so, als hinge mir ein kleines Negerlein an der Brust. Ich gab ihr die Flasche, kaum dass ich zu Hause war.«Sweetness berichtet uns von den vielen Schattierungen der farbigen Haut, sie wäre als Weiße durchgegangen. Milch mit einem Schuss Kaffee, Kaffee mit Milch, Schokolade bis bläulich-schwarz, »Mitternachtsschwarz, sudanesisch schwarz«, je heller, umso besser. »Ich habe eine hellere Haut und gutes Haar, so wie die von uns, die wir die Gelben nennen, und Lula Anns Vater ist genauso. Man könnte sie für einen Rückfall halten - aber wohin? «Sweetness und deren Ehemann, sind so hellhäutig, dass sie sogar eine Kaufhaustoilette aufsuchen können, ohne einen Aufruhr auszulösen, berichtet sie dem Leser. In den Neunzigerjahren wird ihre Tochter Lula Ann geboren und sie ist tiefschwarz. Sweetness schämt sich, und Ehemann Louis verdächtigt sie eines Seitensprungs, verlässt sie. Kurz überlegt sie, dieses furchtbare Kind zur Adoption freizugeben. »Voller Abscheu war ihr Gesicht, wenn sie mich baden musste, als ich noch klein war. Eigentlich spülte sie mich nur ab, nach einem halbherzigen Rubbeln mit einem eingeseiften Lappen. Ich betete, dass sie mir eine Ohrfeige geben oder mich schlagen würde, nur damit ich ihre Berührung spüren konnte. Ich machte absichtlich kleine Fehler, aber sie fand Wege, mich zu bestrafen, ohne dabei die Haut zu berühren, die sie hasste.«Sweetness mag das «Negerlein» nicht berühren. Sweetness erzieht Lula Ann streng, zeigt ihr die Härte des Lebens. »Ich habe Angst«, der erste Satz von Lula Ann in diesem Buch.»Sie musste lernen, wie man sich benimmt, wie man auf der Hut ist und keinen Ärger macht. Es ist mir egal, wie oft sie ihren Namen ändert. Ihre Farbe ist ein Kreuz, das sie immer zu tragen hat.«Als Lula Ann acht Jahre alt ist, erreicht sie die Anerkennung ihrer Mutter, als sie mit einigen anderen Kindern zusammen vor Gericht gegen drei Lehrkräfte aussagt, die beschuldigt werden, Kinder missbraucht zu haben. Lula Ann ist die Glaubwürdigste, die standhafteste. Die Lehrerin Sofia Huxley wird zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt auf Grund der Aussage von Lula Ann.Nun folgt ein Zeitsprung. Lula Ann Bridewell ist zu einer sehr attraktiven Frau herangewachsen, sie trägt ausschließlich weiß, zum Kontrast zu ihrer Hautfarbe. »Schwarz ist das neue Schwarz«, riet ihr der Image-Berater, zu ihrer »Lakritzenhaut« solle sie ausschließlich weiße Kleidung tragen. Sie nennt sich nun Bride, hat bei dem kalifornischen Kosmetikunternehmen Sylvia Inc. Eine steile Karriere hingelegt, sich bis zur Bezirkschefin hochgearbeitet und verdient überdurchschnittlich gut. Doch nun bricht für sie eine Welt zusammen. »Du bist nicht die Frau, die ich will.«Ihr Lebensgefährte Booker Starbern verlässt sie. Sofia Huxley, die Lehrerin, wird nach 15 Jahren vorzeitig auf Bewährung entlassen. Brides Gewissen meldet sich, sie will sie vom Gefängnis abholen, ihr Geld zustecken. Doch Sofia steigt nicht ein. Bride besucht sie zu Hause, will ihr das Geld übergeben. Sofia lässt sie herein und als Bride sich zu erkennen gibt, schlägt sie auf die junge Frau ein. Mit zerschundenem Gesicht macht sich Bride von dannen, meldet sich krank. Ihre Freundin und Kollegin Brooklyn kümmert sich um die Verletzte. Bride begibt sich nun auf die Suche nach Booker, zuerst in der Wohnung, denn sie weiß nichts über den Mann, mit dem sie zusammenwohnte, wundert sich, dass er diese Bücher las. Dann fährt sie los, ihn zu finden. Ein weiteres Unglück passiert unterwegs. Immer im Leben zurückgestoßen, seit der Geburt, erlebt Bride bei wildfremden Menschen das erste Mal Zuneigung, nicht aus Bewunderung, schlicht einfach, weil sie da ist, Hilfe benötigt.Die Geschichte wird multiperspektiv erzählt, aus Sicht der sechs verschiedenen weiblichen Akteure, Bookers Geschichte erfahren wir durch eine auktoriale Erzählerin. Die Reihenfolge. der Ereignisse werden in verschiedenen Zeitebenen eingeflochten. In diesem kurzen Buch stecken durch Nebenstränge verschiedene Geschichten, Einzelschicksale, die im Großen gekonnt verwoben werden.Für die 86-jährige Nobelpreisträgerin Toni Morrison ist Rassendiskriminierung immer ein Hauptthema gewesen, insbesondere die Diskriminierung der farbigen Hautfarbe untereinander. Kindesmissbrauch ist hier ein weiteres Thema. Gekonnt lässt die Autorin die Protagonisten auftreten und blättert Stück für Stück ihre Persönlichkeiten auf. Manches ist nicht so, wie es erst scheint. Ein dünnes, aber großes Buch.

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  • LovelyBooks Romane-Challenge 2017: Die Challenge mit Niveau

    aba

    LovelyBooks lädt im neuen Jahr wieder zu spannenden Challenges ein.Und auf euch warten tolle Gewinne.Die anspruchsvolle Gegenwartsliteratur ist 2017 wieder dabei!Liest du gerne Bücher mit Niveau?Dann ist diese Challenge genau das Richtige für dich.15 anspruchsvolle Romane möchten wir vom 01.01.2017 bis 31.12.2017 lesen.Es gelten Bücher - Gegenwartsliteratur -, die in diesem Zeitraum erscheinen (Ersterscheinungen) und an diesem Beitrag angehängt sind.Auch Neuauflagen – 2017 erschienen - von Klassikern.Die Regeln: Melde dich mit einem kurzen Beitrag hier im Thread an. Einstig ist jederzeit möglich. Und du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Du verpflichtest dich zu nichts. Schreibe bitte zu jedem Buch, das du für die Challenge gelesen hast, eine Rezension bei LovelyBooks, und verlinke diese in einem einzigen Beitrag in diesem Thread. Dieser Beitrag, wird von mir unter dem entsprechenden User-Namen in der Teilnehmerliste verlinkt. Das wird dein Sammelbeitrag für deine Rezensionen sein. Es gelten nur Bücher, die an diesem Beitrag angehängt sind! Bitte beachten: Die Liste der Bücher erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Nimmst du die Herausforderung an? Unter allen Teilnehmern, die es schaffen, 15 Romane mit Niveau bis zum 31.12.2017 zu lesen und zu rezensieren, wird ein tolles Buchpaket verlost.Natürlich mit den passenden Büchern zum Thema. Ich freue mich auf viele Anmeldungen! Teilnehmer: AgnesM aljufa Ancareenanneschuessler anushka Arietta ArizonaAspasia ban-aislingeachbanditsandra Barbara62 blaues-herzblatt BookfantasyXY bookgirl Buchina Buchraettinc_awards_ya_sin CaroasCaro_LesemausCornelia_Ruoff Corsicana Curin cyrana czytelniczka73 dia78 DieBerta Dionemma_vandertheque erinrosewell Federfee Flocke86 Fornika Frau_J_von_T Gela_HK Ginevra Gruenentegst Gwendolina hannelore259 imitas Insider2199 Isaopera jenvo82 JoBerlin kalestraKatharina99 katrin297Katze21 krimielse lesebiene27 leselea LibriHolly maria1 Maritzel marpije Mercado Miamou Mira20 miro76  miss_mesmerized moni_lovesMotte_muqqel Nane_M naninka Nilonce-upon-a-time parden Petris Pocci Sandra_Halbesar89 schokoloko29 serendipity3012 SikalSimi159 sofie solveig SorR StefanieFreigericht Sumsi1990 suppenfee Susibelle TanyBee Tinchen07 TochterAliceulrikerabe vielleser18 Weltensucher Xirxe xlxn Yolande

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    • 1927
  • Toni Morrison - Gott, hilf dem Kind

    Gott, hilf dem Kind

    miss_mesmerized

    02. July 2017 um 06:11

    Lula Ann ist unter keinem guten Stern geboren. Ihre Eltern sind Afro-Amerikaner, deren Haut jedoch fast als weiß durchgeht; als die Tochter jedoch auf die Welt kommt, sind sie entsetzt: wie kann das Kind eine so dunkle Hautfarbe haben? Die Mutter hasst das Baby, der Vater verlässt sie. Lula Ann wächst heran ohne Liebe und Zuneigung; was sie sich am meisten wünscht, ist von der Mutter beachtet oder gar berührt zu werden. Dieser Wunsch führt zu einem bösen Fehler, den sie als Erwachsene korrigieren möchte. Inzwischen ist sie eine erfolgreiche und selbstbewusste Frau, die den Namen zu Bride geändert hat, um die Vergangenheit hinter sich zu lassen. Als ihr Freund Brooker sie verlässt und ihr Versuch, den Fehler aus der Kindheit zu korrigieren, scheitert, begibt sie sich auf einen Road Trip, der zugleich in die Vergangenheit und Zukunft führt.Toni Morrison lässt ihre drei Protagonisten aus ihrer eigenen Perspektive erzählen. Sweetness, Lula Anns Mutter, die unter dem Aussehen des Kindes leidet und es nicht so lieben kann, wie sie eigentlich möchte und die weiß, was es bedeutet in den USA eine Schwarze zu sein. Sie erzieht die Tochter zu unbedingtem Gehorsam: nicht auffallen, immer schön anpassen, um unter dem Radar zu bleiben, und wegzusehen, wenn erforderlich. Aus dem so verschüchterten Mädchen wird langsam eine Frau, die ihre Vorzüge erkennt und sich aus dem engen Korsett lösen kann. Ganz kann sie die Dämonen ihrer Vergangenheit jedoch nicht ablegen und der Wunsch, ihren Fehler wiedergutzumachen, verfolgt sie über viele Jahre. Brooker, der Bride ohne Erklärung verlässt, wird ebenfalls von seiner Kindheit geplagt, die er nie hinter sich lassen konnte und die noch sein Leben als Erwachsener bestimmt. Die Suche Brides nach Brookers Aufenthaltsort wird zu einer Reise zu sich selbst, mit Zwischenstopps in ganz anderen Lebensentwürfen und Rückblicken, die langsam ein Licht auf das werfen, was unzählige Jahre zuvor geschah. Toni Morrison, die 1993 mit dem Literaturnobelpreis geehrt wurde, ist für ihre literarische Auseinandersetzung mit dem Rassismus in den USA bekannt. In „Gott, hilf dem Kind“ ist dieses Thema als Ausgangspunkt des ganzen Übels ebenfalls wieder präsent jedoch nicht so prägend wie die Frage nach Schuld und Wiedergutmachung. Das Kind Lula Ann lädt Schuld auf sich ohne sich der Dimensionen des eigenen Handelns bewusst zu sein und wird von dieser Schuld über viele Jahre geplagt. Mir hat die Geschichte über weite Strecken sehr gut gefallen, jedoch bleiben die Figuren recht eindimensional. Sweetness, Bride und Brooker werden letztlich durch ein Ereignis bestimmt, das den ganzen Charakter überlagert und sie etwas flach erscheinen lassen. Die haben keine Facetten oder gar Widersprüche. Sehr unglücklich war ich mit dem Ende, das zu jeder Soap Opera gehört, aber für anspruchsvolle Literatur zu banal ist. 

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  • Niemandes Leben ist nur schwarz und weiß

    Gott, hilf dem Kind

    tootsy3000

    22. June 2017 um 11:01

    Wie reagiert eine Mutter, die es aufgrund ihrer Hautfarbe selber nicht immer leicht hat im Leben und in der Gesellschaft. Die weiß, dass was Rassismus ist. Die weiß, dass man sich nur durch anpassen, unterwürfig und gehorsam sein schützen kann. Wie reagiert nun diese Mutter, als sie merkt, dass ihr Baby nicht nur braun ist, sondern tiefschwarz. Sweetness ist entsetzt, kann es sich selber nicht erklären. Ihr Mann wirft ihr vor, ihn hintergangen zu haben, denn nie und nimmer kann dieses rabenschwarze Baby von ihm sein. Sweetness zieht also die kleine Lula Ann alleine groß. Schlägt sich mehr oder weniger gut durch das Leben und erzieht das Mädchen. Lula Ann wächst zu einer wunderschönen Frau heran, die sich von ihrer Mutter löst und in Kalifornien Karriere macht. Sie ändert ihren Namen in Bride, kleidet sich nur noch in Weiß und erhält durch diesen Kontrast zu ihrer tiefschwarzen Hautfarbe und ihrem atemberaubenden Aussehen Bewunderung und Anerkennung. Auch ihre große Liebe findet sie dort. Doch eines Tages verlässt Brooker sie mit den Worten “Du bist nicht die Frau die ich will.” Das ist der Moment in dem Bride’s glamouröse, taffe Fassade zu bröckeln beginnt und man sich als Zuhörer fragt, was steckt hinter dieser Aussage. Was ist da passiert? Was ist das für ein Mann, der die Frau, mit der er das Bett teilt, mit solchen Worten von sich stößt und einfach verschwindet? Aufgebaut ist die relativ kurze Geschichte in mehrere Teile. Den Anfang macht Sweetness mit ihren Gedanken und Eindrücken zu Lula Ann. Wie sie gemerkt hat, dass das Baby anders ist und welche Überlegungen ihr durch den Kopf gingen, als sie sah wie sich die Farbe des Kindes verändert hat und es immer dunkler wurde. Wie der Vater darauf reagierte und wie sie sich schließlich mit Lula Ann allein durchschlug. In einer sozialen Schicht, wo man aufpassen muss, dass man nicht unter die Räder kommt. Geliebt hat sie Lula Ann wohl auf ihre ganz eigene Art, gezeigt hat sie das aber doch nicht. So war zumindest mein Eindruck. Eine Art Schutz für sich und für Lula Ann? In Lula Anns Teil begibt man sich auf Spurensuche in die Vergangenheit. Auslöser dieser Spurensuche, ist ein gewaltsamer Übergriff an Lula Ann und das Verschwinden ihres Geliebten. Lula Anns Handlung kann man zu Beginn nicht nachvollziehen. Wieso tut sie, was sie tut? Erst allmählich dringt man zum Kern ihrer persönlichen Geschichte vor und alles lichtet sich. Man erfährt, was sich in ihrer Kindheit zugetragen hat und warum sie als Kind getan hat, was sie getan hat. Was, wie man später dann auch erfährt der Grund für Bookers Verschwinden ist. Auf ihrer Suche nach Booker und auch nach sich selbst, lernt  sie die unterschiedlichsten Menschen kenn, mit all ihren Sorgen und Nöten. Und Bride muss feststellen, dass auch im Leben von Kindern und Frauen die nicht ihre Hautfarbe haben, nicht alles gut läuft. Dass auch die sich im Leben behaupten müssen und oft noch schlimmeres durchlebten als sie. Am Ende findet sie nicht nur Booker und die Erklärung zu seinem Verschwinden, am Ende findet Bride aber auch zu sich selber, nachdem sie ihr Leben quasi rückwärts aufgearbeitet hat. Der Literaturnobelpreisträgerin Toni Morrison hat mit “Gott, hilf dem Kind” eine Geschichte geschrieben, die sich nicht einseitig nur um Rassendiskriminierung dreht. Nichts ist nur schwarz und weiß. Neben Bride und Sweetness erzählt die Geschichte auch noch von anderen Frauen unterschiedlichsten Alters, und von Brooker. Jeder hat etwas erlebt, jeder hat etwas zu sagen und kein Leben gleicht dem anderen. Toni Morrison gibt den unterschiedlichsten Charakteren in dieser Erzählung eine Stimme. Man erfährt was sie bewegt, was ihnen zugestoßen ist. Nina Kunzendorf mag ich als Sprecherin sehr. Ihre Stimme passt zu der Handlung und zu den Charakteren. Sie versteht es, ihre leicht nuschelige Sprechweise (zumindest empfinde ich sie als leicht nuschelig) gut einzusetzen. Das Cover passt zur Geschichte. Es zeigt die junge hübsche tiefschwarze Frau, die sich in ihrem weißen Kleid von dem hellen Hintergrund gut abhebt. Der Titel “Gott, hilf dem Kind” kommt auch am Ende der Erzählung vor.Mein Fazit: Eine tolle Geschichte, zu dessen Kern man erst langsam vordringt. All die Fragen, die sich einem anfangs stellen, werden nach und nach beantwortet. Wie immer im Leben ist auch hier nicht alles nur schwarz und weiß. Ein Ereignis ausgelöst durch einen schrecklichen Fehler in der Vergangenheit, bringt die Geschichte ins Rollen. Überraschende Wendungen, aber auch bedrückende Wahrheiten, nicht nur in Brides Leben, vereinen sich und öffnen den Blick auch auf die anderen Charaktere.

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