Gott, hilf dem Kind

von Toni Morrison 
3,9 Sterne bei46 Bewertungen
Gott, hilf dem Kind
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sternchennagels avatar

anders als erwartet

Marina_Nordbrezes avatar

Ich hatte mir etwas mehr davon versprochen. Obwohl es gut erzählt ist, wird die Geschichte wohl nicht so lange bei mir hängen bleiben

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Inhaltsangabe zu "Gott, hilf dem Kind"

Lula Ann ist ein so tiefschwarzes Baby, dass ihre Mutter Sweetness bei der Geburt fast zu Tode erschrickt und der Vater die Familie verlässt, weil er dieses Kind nicht als seines ansieht. Die Mutter erzieht Lula Ann zu Gehorsam und Unterwürfigkeit, aus Angst vor rassistischen Angriffen.
Doch die heranwachsende Tochter sträubt sich gegen die verordnete Angepasstheit. Sie ändert ihren Namen in Bride, kleidet sich provokant in strahlendes Weiß, macht Karriere bei einer Kosmetikfirma, verliebt sich in einen eigenwilligen Mann und befreit sich auf ihre Weise von der Vergangenheit.
Die Nobelpreisträgerin schreibt über zwei starke Frauen in einem gespaltenen Amerika. Ein Roman, der zur Weltliteratur gehört.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783499271724
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:208 Seiten
Verlag:ROWOHLT Taschenbuch
Erscheinungsdatum:23.10.2018
Das aktuelle Hörbuch ist am 27.04.2017 bei Argon erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    Fortis avatar
    Fortivor einem Monat
    Trotz fehlleitendem Klappentext ein beeindruckendes Buch

    Der Klappentext hat mich ein anderes Buch erwarten lassen. Rassismus spielt zwar eine Rolle, aber noch stärker zieht sich das Thema Missbrauch durch das Buch. Und wer ist die zweite starke Frau? Eigentlich sind fast alle Frauen des Buches auf ihre Art und Weise stark. Eine zweite zentrale Frauenrolle neben der Hauptprotagonistin konnte ich im Buch nicht erkennen, die Mutter-Tochter-Geschichte ist nur eine von vielen Thematiken.
    Trotz der Fehlleitung durch den Klappentext fand ich es ein gutes, eindringliches, erschreckendes Buch mit vielfältigen Themen. Die Protagonisten führen recht unterschiedliche Leben - Extreme der amerikanischen Gesellschaft und bis auf eine Person alle weiblich. Niemand führt ein klassisches und/oder glückliches (Familien-)Leben, aber wohl keine der Frauen würde sich als unglücklich bezeichnen.
    Beeindruckend finde ich, wie die Autorin so viele Personen und Themen auf gerade mal 200 Seiten unterbringt, ohne dass man als Leser etwas vermisst.

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    dominonas avatar
    dominonavor 2 Monaten
    Wird zum Ende hin besser, aber keine Riesen - Überraschung

    In diesem Buch geht es eigentlich um Charakterentwicklung und wie unser Umfeld sie beeinflusst. Was tut man, um den Tod seines Bruders zu verarbeiten und was, damit die eigene Mutter einen endlich mal wahrnimmt und nicht wegen der seltsamen Hautfarbe verabscheut?

    Ich fand es vorhersehbar und war deshalb auch vom Ende nicht sonderlich überrascht, aber das soll nicht heißen, dass mir das Buch nicht gefallen hat. Der Stil plätschert angenehm vor sich hin und die Figuren sind plastisch, sodass man allem gut folgen kann, aber im Gedächtnis bleiben wird mir dieses Buch eher nicht.

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    MilaWs avatar
    MilaWvor 7 Monaten
    zu viele lose Enden

    Jetzt habe ich Toni Morrison im Vergleich zu Coloson Whitehead über den grünen Klee gelobt und dann lese ich dieses Buch... Ihre Schreibweise gefällt mir immernoch gut, aber die Handlung...

    Lula Ann wurde schon als Kind wegen ihrer dunklen Hautfarbe von ihrer eigenen (hellhäutigen, aber von der Herkunft her afroamerikanischen) Mutter nicht akzeptiert. Als Erwachsene nennt Lula Ann sich Bride und obwohl sie eine erfolgreiche Geschäftsfrau ist, kommt sie von ihrer Vergangenheit nicht los. Als ihr Freund sie verlässt und die Frau, die sie ins Gefängnis gebracht hat, sie verprügelt, muss sie ihr Leben ändern.

    Es geht, wie oft in Morrisons Werk, wieder um Rassendiskriminierung, aber auch um Kindesmissbrauch und (familiäre) Liebe und gescheiterte Lebensentwürfe. Es wird aus der Sichtwiese verschiedener Personen gesprochen, einmal Bride, dann Brides Mutter Sweetness, ihr (Ex)Freund Booker, ihre Arbeitskollegin Brooklyn, die ehemalige Strafgefangene Sofia und das ehemalige Straßenmädchen Rain. Da werden viele interessante Themen angeschnitten, die wegen der Fixierung auf die Paarbeziehung nicht zu Ende geführt werden. Es wird einfach zu viel eigentlich Interessantes angesprochen, aber nicht zu Ende geführt. Eine Konzentration auf etwas weniger Themen hätte dem Buch sehr gut getan. So bleiben viele lose Enden und das Ende ist unbefriedigend. Die Schreibweise ist aber wunderbar und lässt mich 3,5 Punkte auf 4 aufrunden.

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    Giselle74s avatar
    Giselle74vor 8 Monaten
    Bride and Prejudice

    "Gott, hilf dem Kind" ist ein weiterer Roman der Nobelpreisträgerin Toni Morrison, in dem es auch um Rassenfragen geht. Lula Ann, Tochter zweier Farbiger mit hellem Hautton, kommt als tiefschwarzes Baby zur Welt. Daraufhin verlässt der Vater die Familie, und die Mutter zieht ihre Tochter nur mit Widerwillen groß. Später macht Lula Ann unter dem Namen Bride Karriere in der Kosmetikindustrie, findet und verliert ihre große Liebe. Auf der Suche nach Booker, der sie plötzlich und ohne Vorwarnung verlassen hat, erfährt sie viel über sich und die Welt, in der sie lebt.
    Erzählt wird Brides Geschichte im Wechsel von ihr selbst, ihrer Mutter, einer Freundin und einigen anderen Personen, die jeweils ein weiteres Puzzleteil zum Geschehen hinzufügen.

    Wie ein roter Faden zieht sich das Thema Kindesmißbrauch durch den Roman und das Schweigen, das zu diesem Thema allerorten gemeinhin herrscht. Toni Morrison erzählt davon, was dieses Schweigen macht mit denen, die nicht reden dürfen, können oder wollen, mit denen, deren Trauer öffentlich unerwünscht ist, weil das Leben ja weiter geht, mit denen, die die Schuld spüren, die in diesem Schweigen liegt.

    Große Themen, großartige Sprache und trotzdem ist dieser Roman im Vergleich zu früheren Werken der Autorin eher blass. Zu viel wird nur angerissen, zu viele Erzählstränge werden nicht weitergeführt, zu viel, das passiert in der Kürze des Buches. Ich hätte mir einen breiter angelegten Roman gewünscht, den Dingen mehr Zeit sich zu entwickeln, den Charakteren mehr Tiefe. Vor allem Brides körperliche Veränderungen und ihre Ursache hätten in meinen Augen mehr Raum beanspruchen dürfen.
    Das ist natürlich schon Jammern auf hohem Niveau, aber in diesem Roman steckt einfach so viel mehr, das zu erzählen wäre, blitzt soviel Fabulierlust und Formulierkunst auf, dass man am Ende das Buch zuklappt und denkt "Das war's schon? Das kann nicht sein..." Viele Fragen bleiben offen, viele Lebensläufe unerzählt und manche Charaktere wirken eher wie Mittel zum Zweck. Besonders auffällig ist das bei Sofia, die durch eine untilgbare Schuld mit Bride verbunden ist und trotzdem nur eine kleine Nebenrolle spielt, gerade so lange bis der Anfang gemacht ist und sie im Dunkel der nicht weiter Erwähnenswerten verschwindet.

    Wer sich allerdings einen Einblick in das Werk Toni Morrisons verschaffen möchte, der findet hier ihre Hauptthemen auf dem Silbertablett: afroamerikanischer Überlebenswillen, Rassismus und starke Frauen, die ihren Weg suchen und finden, trotz oder weil die Umstände es eigentlich nicht zulassen. Der findet hier auch den Sprachreichtum und die überbordende Phantasie, die die Romane Morrisons auszeichnet und den Humor, der auch nach den düstersten Szenen Licht in das Geschehen bringt.

    Ein Einstieg in das Werk Toni Morrisons, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

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    CocuriRubys avatar
    CocuriRubyvor 8 Monaten
    Ein wirklich gutes Buch

    Das Buch ist aus verschiedenen Sichten geschrieben. Die Kapitelüberschrift sagt, wem man gerade über die Schulter guckt.


    Der Schreibstil hat etwas besonderes an sich, ohne, dass ich es leider gut beschreiben könnte. Er ist nicht künstlich hochtrabend, aber ist mit einer gewissen Kraft geschrieben und ist an manchen Stellen geradezu scharf formuliert. Was passiert ist präzise geschrieben, ohne aber das erzählende zu verlieren.


    Die Charaktere sind zu Beginn keineswegs blass, aber doch recht eindimensional. Das ist gewollt! Dennoch hat es mir den Einstieg mit der Protagonistin (aber auch anderen Charakteren) etwas schwer gemacht. Sie ist sehr oberflächlich, fast schon narzisstisch, materiell und herablassen, mit dem tiefen Wunsch nach Anerkennung und geliebt zu werden.

    Dieses Grundmuster wurde im Prinzip auch auf die anderen Figuren übertragen. Sympathisch ist da auch so ziemlich niemand.


    Und fiel es mir bereits schwer, den vielfältigen Schreibstil zu beschreiben, scheitere ich bei dem Versuch wiederzugeben, was einen diese Geschichte mitgibt und aufwirft, kläglich. Um mir etwas zu behelfen, werden ich nur einige (die für mich vordergründigen) anbringen.


    Es ist an manchen Stellen sehr subtil, in anderen schlägt es einen ins Gesicht.


    Eins der vordergründigen Themen ist Rassismus. Ich habe noch nie ein Buch gelesen, in dem dieses Thema gleichzeitig so subtil und so deutlich und so anders dargestellt wird.

    Es zeigt vor allem die Verlogenheit des Rassismus‘ sehr beeindruckend auf. Es zeigt aber auch eine gewisse Spirale: andere haben sie auf ihre Hautfarbe reduziert und angegafft – daraus macht sie ihr Markenzeichen und zieht damit (und allg. mit ihrer Schönheit) neidvolle und bewundernde Blicke auf sich. Sie selbst reduziert sich (dadurch) aber selbst auch auf ihren Körper.


    Ihr Körper spielt generell eine große Rolle. Da spielt dann auch ein surreales/fantastisches Element mit rein, was mit ihrem Körper im Laufe der Handlung passiert.

    Anscheint ist so ein Element typisch für die Autorin. Das war jedoch mein erstes Buch von der Autorin und ich war nicht darauf vorbereitet – und es hat mich im ersten Moment total gestört und war etwas davon abgeschreckt, weil ich schlicht nicht mit gerechnet hatte.

    Das legte sich dann aber schnell, als ich die erste Überraschung überwunden hatte und bietet letztlich eine weitere interessante Komponente. Hundertprozentig überzeugt bin ich von diesem Element jedoch nach wie vor nicht.


    Ein weiteres vordergründiges Thema ist der Drang nach Anerkennung. Das war für mich tatsächlich das prägnanteste Thema, die es immer irgendwie mitschwingt. Praktisch jede Pore der Protagonistin giert danach – sowohl die Anerkennung der Gesellschaft bzw. Menschen von außen, als auch die aus ihrer unmittelbaren Umgebung und vor allem die der Mutter – mit dem verzweifelte Wunsch geliebt zu werden. Und wie man dieses erlangt.


    Außerdem steht auch sehr das Thema: Traumata in der Kindheit und dass man diese Narben nie wieder wirklich los wird, um Vordergrund.

    Diesbezüglich gibt es in dem Buch sehr harte Szenen, die zwar kurz aber sehr intensiv sind.

    Allerdings hat auch jede halbwegs wichtige Figur so ein Schicksal zu berichten (meist Kindheitstrauma durch sexuellen Missbrauch). Sogar die letzten Seiten des Buches greifen das in gewisser Form auf – manchmal war mir das doch zu konstruiert und fast schon plakativ.


    Unterstrichen wurde das von so mancher Handlung von Figuren, die für mich jenseits von plausibel. Manches wirkte geradezu absurd.

    Mir ist klar, was diese Szenen oder eingeworfene Aspekte verdeutlichen sollten. Aber ich finde es trotzdem konstruiert und plakativ. Das liegt vermutlich aber auch daran, dass der Text schon sehr komprimiert ist.

    Der grobe rote Leitfaden ist übrigens auch sehr vorhersehbar – das spielt letztlich aber auch keine große Rolle.


    Weitere Aspekte, die aufgeworfen werden sind Armut, (Aufstiegs-)Kampf, Liebe und Leben. Was für Entscheidungen man trifft, was das eigene „Sein“ betrifft und wie viel Macht wir anderen geben unser Leben zu bestimmen – egal ob das „böse“ Menschen sind oder die, die wir lieben.


    Das Buch stellt gute Fragen und zwingt einen auch irgendwie, in das manchmal hässliche Gesicht der Wahrheit zu blicken.


    Fazit

    Ich musste nach jeden Abschnitt die Geschichte erst einmal unterbrechen und auf mich wirken lassen (hat vier Teile).

    Es ist keine Konsumware, sondern man muss es wirklich auf sich wirken lassen. Ob ich alles verstanden oder auch alle „leisen Töne“ gehört habe, die einen das Buch bietet, wage ich zu bezweifeln.

    Ich hatte zwar schon so meine Kritikpunkte, aber insgesamt war ich sehr beeindruckt von dem Buch.


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    LiveReadLoves avatar
    LiveReadLovevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Anders als ich es erwartet habe, dennoch nicht schlecht. Für meinen Geschmack leider viel zu kurz für all die wichtigen Themen im Buch...
    Ich habe mir sehr viel mehr von dem Buch versprochen, als ich bekommen habe..

    Inhalt

    Lula Ann kommt als schwarzes Baby zur Welt. Der Vater verlässt daraufhin die Familie, denn das kann unmöglich sein Kind sein. Die Mutter erzieht das Mädchen zu blinden Gehorsam, aus Angst vor rassistischen Übergriffen. Doch Lula Ann sieht nicht ein, wieso sie sich verstecken soll. Als erwachsene Frau ändert sie ihren Namen, kleidet sich provokant und macht Karriere. Langsam versucht sie sich von ihrer Vergangenheit zu lösen..

    Ich habe mir sehr viel mehr von dem Buch versprochen, als ich bekommen habe..

    Als ich im August meine Freundin in Bayern besucht habe, waren wir, traditionell, Bücher shoppen. Viele Wochen zuvor habe ich zufällig beim Literarischen Quartett die Besprechung zu „Gott, hilf dem Kind“ gesehen und das Buch hat mein Interesse geweckt. Als ich das Buch entdeckt habe, konnte ich nicht daran vorbei gehen und trotz des stolzen Preises habe ich es mitgenommen. Ich habe das Buch auch nicht sehr lange ungelesen in meinem Regal stehen lassen, doch leider konnte es mich nicht sehr begeistern.

    „Wo die Angst regiert, ist Gehorsam die einzige Wahl, um zu überleben.“ (S. 42)

    Toni Morrison hält sich nicht mit großen Erklärungen oder einer Art Einleitung auf. Man wird direkt ins Geschehen geworfen und nur durch die Überschriften wird klar, welche Person gerade spricht. Die Aufteilung macht jedoch Sinn und jede Perspektive hat ihre Daseinsberechtigung. Allerdings muss ich gestehen, dass sich dieses Buch nicht ausschließlich mit Rassismus beschäftigt, sondern mit noch viel größeren Themen, wie Kindesmissbrauch, Ungerechtigkeiten, zerrüttete Familien und ungesunde Freundschaften. All diese Themen, sind in meinen Augen viel zu sehr auf die wenigen Seiten gequetscht. Die Autorin hätte sich für zwei dieser Themen entscheiden können und diese ausbauen. Alles in einen Topf zu werfen hat bei mir eher für Verwirrung und Unverständnis gesorgt. Es war mir alles zu viel und gerade die seltsamen Freundschaften, die zwischen den Charakteren herrschten, habe ich als störend empfunden.

    „Es war eine Lektion für mich, die ich früher hätte lernen sollen. Was man Kindern antut, zählt. Und sie vergessen es womöglich nie.“ (S. 54)

    An sich ist der Aufbau des Buches wirklich gut. Man bekommt zunächst irgendwelche Puzzleteile hingeworfen, ohne genau zu wissen, wie man die einzelnen Teile zusammenfügen soll. Nach und nach jedoch ergibt sich langsam ein Bild und am Ende hat man das Puzzle vollständig. Es hat mir gefallen, dass nicht alles sofort klar gewesen ist und die Art, wie die Autorin erzählt, fand ich auf ihre Art und Weise erfrischend. Alle handelnden Personen sind irgendwie auf der Flucht vor der eigenen Vergangenheit. Niemand möchte sich dem stellen, was hinter einem liegt und doch merken sie alle, dass sie nicht davonlaufen können. Eines Tages wird die Vergangenheit sie alle einholen und in diesem Buch ist das der Fall.

    Was mich besonders beeindruckt hat, war die Geschichte zwischen Lula Ann und ihrer Mutter Sweetness. Lula ändert ihren Namen in Bride und wendet sich beinahe komplett von ihrer Mutter ab. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: ihre Mutter hat sie zeitlebens schlecht behandelt. Ihr wurde niemals die Liebe zuteil, die ein Kind eigentlich verdient hat. Keinerlei Körperkontakt, kein Lob, nichts, das dem Mädchen ein gutes Gefühl hätte geben können.
    Langsam aber sicher wird gerade Sweetness klar, dass sie Fehler gemacht hat. Ob dies nun aus eigennützigen Gründen so war, oder die Einsicht tatsächlich gekommen ist, vermag ich nicht zu sagen, trotzdem mochte ich gerade die Kapitel aus der Sicht von Bride und Sweetness. Hier hat es mir viel Freude bereitet die Puzzleteile zusammen zu fügen.

    Doch ansonsten war ich mehr oder weniger verwirrt, was die Autorin mir damit sagen möchte. Die Konflikte zwischen Mutter und Tochter haben mich interessiert und haben für mich gerade den Rassismus und die Ungerechtigkeiten, die unglaublich tief in den Menschen verankert sind, sehr deutlich dargestellt.
    Die Probleme die Bride mit ihrer Pseudo-Besten-Freundin hat, konnte ich überhaupt nicht einordnen und auch die Auseinandersetzungen mit ihrem Freund haben nicht so ganz genau ins Bild gepasst.
    Es hat mich einfach zu sehr irritiert, dass so viel Wichtiges auf einmal angesprochen wurde und nur wenig in die Tiefe gegangen ist. Ich habe nach dem Lesen zwar noch oft an die Geschichte gedacht, doch ich hatte mir sehr viel mehr davon versprochen.

    „Kein Aber. Mach wieder gut, was du kannst, und lerne aus dem, was du nicht wiedergutmachen kannst.“  (S. 68)

    Fazit

    Gott, hilf dem Kind hat bei mir noch eine ganze Weile nachgehallt. Ich habe mir zwar etwas anderes darunter vorgestellt, dennoch hat es mir ganz gut gefallen. Die Autorin hat in meinen Augen etwas zu viel in dieses dünne Buch gepackt und ist nicht bei allem so in die Tiefe gegangen, wie ich es mir gewünscht hätte. Trotzdem stellt sie vor allem den Rassismus und damit einhergehende Ungerechtigkeiten sehr gut dar und auch die Tatsache, dass man vor der eigenen Vergangenheit nicht fliehen kann.

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    Miamous avatar
    Miamouvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Die Geschichte einer leidenschaftlichen Frau...um den Tick zu kurz, um sie wirklich zu erfassen.
    Metamorphose....

    „Ein kleiner Roman, der sehr viele Themen hineinpackt“. So würde ich dieses Buch beschreiben, wenn mich schnell jemand um meine Meinung fragen würde. „Das Cover passt perfekt zu der Geschichte, die darin erzählt wird“ – wäre vielleicht der Nachsatz. 

    Lula Ann ist ein tiefschwarzes Baby. Der Vater kann damit nicht umgehen und verlässt die Familie. Die Mutter alleine ist überfordert und erzieht das Kind in einer Zeit der Rassentrennung und dem damit einhergehenden Geboten. Doch die heranwachsende Tochter sträubt sich zusehends gegen diese Erziehung und geht ihren eignen Weg, indem sie Karriere in einer Kosmetikfirma macht. Dabei verliebt sie sich in Booker, als dieser sie jedoch von einem auf den anderen Tag verlässt, macht sie sich auf die Suche und muss sich dabei auch ihrer eigenen Vergangenheit stellen. 

    Zunächst war ich vom Beginn des Buches echt beeindruckt. Toni Morrison erzählt sehr speziell, erschafft viele Bilder und holt somit den Leser sehr schnell ins Boot. Gerade im ersten Teil der Geschichte ist auch die Angst der Mutter greifbar, da sie Lula Ann so erziehen will, dass sie kein Aufsehen in der Gesellschaft macht und somit von Rassismus oder Gewalt verschont bleibt. Da die Autorin speziell auch in diesem Teil des Buches, die Geschichte aus verschiedenen Sichtweisen erzählt, bekommt dieser zum einen etwas sehr Persönliches und zum anderen werden verschieden Ereignisse auch aus verschiedenen Sichtweisen erzählt, sodass ein Netz entsteht, welches sich sehr geschmeidig um die Handlung legt. Leider lässt dies aber dann nach und zwar ab dem Zeitpunkt, ab dem Booker sich aus Lula Anns Leben verabschiedet. Sie kann und will ihn nicht loslassen, obwohl sie so wenig von ihm weiß und macht sich auf die Suche nach ihm. Fündig wird sie in einem kleinen Ort Whiskey und am Ende wird dann alles von einem fast unglaubwürdigen Happy End überstrahlt. 

    Lula Ann, die sich später Bride nennt, würde ich als sehr leidenschaftlichen Charakter beschreiben, die alles daran setzt, sich von ihrer Erziehung zu emanzipieren. Und sie schafft das auch bis zu einem gewissen Grad. In der Modebranche lernt sie die richtigen Leute kennen und sie entschließt sich daraufhin, nur mehr die Farbe Weiß zu tragen, was dazu führt, dass ihre Hautfarbe nicht mehr richtig wahrgenommen wird, was speziell ihre eigene Mutter immer wieder betont. Auch wird sie als sehr weiblich dargestellt und sie weiß ihre Reize auch durchaus einzusetzen. Sehr interessant fand ich dann die Idee der Autorin, dass sie mit fortschreiten der Handlung alle diese weiblichen Attribute verliert. Zumindest glaubt sie das. Und erst am Schluss fühlt sie sich scheinbar wieder als Ganzes und alles hat wieder seine Ordnung. 

    Neben den Rassismusthema hat Toni Morrison auch noch einiges an anderen Themen in die Handlung gepackt: Kindesmissbrauch, Schuld, eine schwierige Mutter – Tochter – Beziehung, Umgang mit dem Tod und Selbstfindung. Alles Themen, die durchaus ihre Berechtigung in diesem Buch hatten, die aber nur angeschnitten wurden und somit nicht recht in die Tiefe gingen. 

    Insgesamt würde ich sagen, dass man das Buch jederzeit gerne lesen kann. Es ist vielleicht nicht ganz so tiefschürfend, wie ich es mir erhofft hätte, aber ich bin mir sicher, dass es nicht mein letztes Buch von Toni Morrison war. 

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    schokoloko29s avatar
    schokoloko29vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Eine Geschichte, die zu abrupt für mich endet!
    Lu Ann

    Lu Ann ist ein tiefschwarzes Baby. Ihre Mutter ist entsetzt, da sie selbst und ihr Mann nur dezent schwarz ist (sie könnten beide fast als weiß durchgehen). Als Schlußfolgerung der geringen Akzeptanz verlässt ihr Lu Anns Vater die Familie und sie wächst ohne Vater auf. Ihre Mutter schämt sich für sie und vermeidet es Lu Ann zu berühren. Sie versucht Lu Ann sehr angepasst zu erziehen, da sie der Meinung ist, dass Lu Ann es sehr schwer haben wird, aufgrund ihrer Hautfarbe.
    Lu Ann versucht sie aus diesem Netz zu befreien; in dem sie sich einen Künstlernamen zulegt "Bride". Sie wird Leiterin einer Kosmetikfirma und sie betont ihre Hautfarbe, in dem sie nur noch weiße Anziehsachen anzieht. Sie wird erfolgreich und die Umwelt sieht sie als sehr attraktiv an.
    Das Blatt wendet sich als ihr Freund sich von ihr trennt. Durch die Trauer verändert sich ihr Körper. Mal entdeckt sie, dass sie keinen Bauchnabel mehr hat, dann, dass sie keine Brüste mehr hat.
    Doch als sie sich mit ihrem Freund wiedervereint ist, verändert sich ihr Körper zurück.

    Die Geschichte wird aus verschiedenen Blickwinkeln beschrieben. Mal aus der Sicht von Bride, dann von ihrer Freundin, mal von ihrer Mutter. Die Autorin kann sehr gut mit Sprache umgehen. Und sie besitzt eine Intensität wie sie Gewalt (körperlicher Art) beschreibt.

    Die Geschichte hat mir insgesamt gut gefallen. Das einzige Manko war für mich, dass die Geschichte sehr abrupt geendet hat. Es war für mich zu fragmentartig. Man hätte aus der Geschichte so viel machen können, doch sie blieb für mich nur an der Oberfläche. Natürlich kann man sagen, dass Tony Morisson damals anfang 80 ist und sie wahrscheinlich nicht mehr die Kraft hat eine ausführliche Geschichte zu schreiben. Trotzdem empfand ich es so, dass die Geschichte sich so langsam entwickelt und dann abrupt endet.

    Dies war mein erstes Buch von Tony Morisson und es wird bestimmt nicht mein letztes sein!

    Kommentare: 1
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    -Leselust-s avatar
    -Leselust-vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Richtig begeistern konnte mich das Buch nicht, aber es ist schon gut und hat mir viel Stoff zum Nachdenken geliefert.
    Der neue Roman von Toni Morrison.

    "Wo die Angst regiert, ist Gehorsam die einzige Wahl, um zu überleben." (Aus "Gott, hilf dem Kind", S.42) 

    Kurzmeinung:
    Ein Buch, von dem ich etwas ganz anderes erwartet habe, dass mich aber dennoch nicht enttäuscht hat. Es lässt mich allerdings etwas ratlos zurück und ich muss immer noch oft an die Lektüre zurückdenken, die mich bewegt hat, von der ich mir aber auch mehr gewünscht hätte.

    Meine Meinung:
    Toni Morrison wirft einen direkt in das Geschehen und ich war von der ersten Seite an gefesselt. Das Buch lässt sich gut und flüssig lesen. Der Schreibstil ist etwas anders und man muss sich vielleicht etwas reinlesen. Mir hat er aber sehr gut gefallen.

    Sehr gelungen ist auch der Wechsel zwischen den verschiedenen Ich- Erzählern und Erzählperspektiven aus der dritten Person. Dies wird jeweils durch den Namen des jeweiligen Erzählers über den Kapitel verdeutlicht, so dass auch nie Verwirrung beim Leser entsteht.

    Anfangs wird der Leser im Unklaren über die Zusammenhänge gelassen. Erst nach und nach entfaltet sich das Gesamtbild und man kann die einzelnen Episoden zusammenfügen.


    "Lügen. Schweigen. Einfach nicht aussprechen, was die Wahrheit ist oder warum etwas geschieht." (Aus "Gott, hilf dem Kind", S.178)

    In den Abschnitten von Bride, ehemals Lula Ann, konnte ich über die Grausamkeit der Mutter Sweetness nur den Kopf schütteln. Wie kann man seinem eigenen Kind nur so sehr die Liebe verweigern? Das Thema Missbrauch und Rassismus ist hier zentral.
    Es gab zwar auch Abschnitte aus Sweetness' Sicht, die einem ihr Verhalten näher bringen sollte. Nachvollziehbar war es für mich allerdings trotzdem nicht, obwohl schon zu erkennen war, dass sie nur getan hat, was sie dachte, sei das beste für ihr Kind.

    Bookers Abschnitte sind voller intellektueller Auseinandersetzungen mit Sklaverei, Geld, Macht und Politik. Aber auch hier sind die wiederkehrenden Themen Missbrauch und Rassismus zu finden.

    Jeder der Charaktere hat seine eigene Geschichte, und niemand hatte einen leichten Weg.

    "Ich riskiere nichts. Ich sitze auf dem hohen Ross und weise anderen ihre Mängel nach. Ich war besoffen von meiner Intelligenz und meinen moralischen Ansprüchen und der Unduldsamkeit, die damit einhergeht." (Aus "Gott, hilf dem Kind", S.184)

    Zwischendurch gibt es auch immer wieder überraschend brutale Szenen, die mich zunächst abgeschreckt haben. Dennoch fügen sie sich trotzdem gut in den sonst eher ruhigen Ton der Geschichte ein.

    Außerdem gibt es viele überraschende Wendungen. Bei manchen der wie zufällig wirkenden Episoden war ich mir nicht ganz sicher, was sie mir sagen wollten und war manchmal zunächst etwas ratlos. Die einzelnen Passagen fügen sich dann am Ende aber zu einem stimmigen Ganzen zusammen.

    "Jeder wird sich an eine kleine Story von Frust und Verletzten Klammern von irgendwelchen Problemen und Schmerzen, die das Leben über ihren unschuldigen, reinen Seelen ausgekippt hat." (Aus "Gott, hilf dem Kind", S.181)


    Fazit:
    Ein Buch darüber, welche Macht die Vergangenheit über uns haben kann. Wie sie unsere Gegenwart bestimmen kann. Wie sehr Leid in der Kindheit unser Leben prägen kann. Über Missbrauch und Rassismus. Überraschend viele Themen in so einem schmalen Buch. Es hat mich nicht tief bewegt, aber ich habe definitiv viel über den Buch und seine Aussage nachdenken müssen.

    "Und er, der so gut wusste, wie Kindheitswunden eitern und nie verschorfen (...)." (Aus "Gott, hilf dem Kind", S.157)

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    czytelniczka73s avatar
    czytelniczka73vor einem Jahr
    "Weil Hautfarbe eben nicht gleich Hautfarbe ist"

    "Es war eine Lektion für mich,die ich früher hätte lernen sollen.Was man Kindern antut,zählt.Und sie vergessen es womöglich nie."


    Inhalt:

    ". Lula Ann ist ein so tiefschwarzes Baby, dass ihre Mutter Sweetness bei der Geburt fast zu Tode erschrickt und der Vater die junge Familie auf der Stelle verlässt, weil er nicht glauben kann, dass dieses Kind von ihm ist. Sweetness erzieht Lula Ann zu Gehorsam und Unterwürfigkeit, nur nicht auffallen, aus Angst vor rassistischen Angriffen. Doch die heranwachsende Tochter sträubt sich gegen die verordnete Angepasstheit. Sie ändert ihren Namen, in Bride, kleidet sich in provokant strahlendes Weiß, macht Karriere bei einer Kosmetikfirma, verliebt sich in einen geheimnisvollen Mann und befreit sich auf ihre Weise von der Vergangenheit"


    Meinung:

    Auf dieses Buch war ich besonders gespannt,weil es mein erstes von Toni Morrison war und schliesslich ist die Autorin schon mit dem Literaturnobelpreis gekrönt worden.Ich bin wirklich erstaunt,mit welcher Leichtichkeit die Autorin ein Bild von unserer Gesellschaft zeichnet,das unfasbar erschüternd ist,geprägt von tiefverwurzelten Rassismus und Kindermissbrauch in jeder möglichen Form.Der leichfüssige Schreibstil mildet die Geschichte bisschen ab,sie verliert aber dadurch nicht ihre Wirrkung,ist aber angenehmer und leichter zum lesen.Es ist wirklich ein Stück großartiger Literatur,mit vielen klugen Sätzen und Lebensweissheiten,ich hab das Lesen sehr genossen.Allerdings für die 5 Sterne hat mir doch was gefehlt,wahrscheinlich war mir die Geschichte bisschen zu leichtfüssig,aber ich finde das Buch dennoch empfehlenswert,es muss doch nich immer Schwerkost sein.

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    Herzzerreißend fehlbare Figuren. Hohe Erzählkunst.

    Hätte Amerika eine Nationalschriftstellerin, so wäre es Toni Morrison.

    Kämpferisch und energisch – wie man Morrison kennt und liebt.

    Gott, hilf dem Kind ist tief ergreifend, herzzerreißend.

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