Rezension zu "Mit Brunetti durch Venedig" von Toni Sepeda
Venedig – eine kleine Kostbarkeit, ein Labyrinth aus Gassen, Kanälen und verträumten Plätzen. Wer die Bücher und Filme rund um Commissario Brunetti kennt, kennt auch einen Teil von Venedig. Etwas Besonderes ist es, mit dem Commissario durch seine Heimatstadt zu flanieren, versteckte Ecken zu entdecken und in den unzähligen venezianischen caffès einen Espresso zu schlürfen.
Das Buch ist in zwölf Rundgänge gegliedert, zusätzlich noch mit einem Ausflug zu den Laguneninseln und zeigt sehr detailliert einzelne Bereiche, in denen ihn seine Ermittlungen bereits führten. Ebenso lernt man natürlich das Gebiet rund um die Questura oder um sein Zuhause in der Nähe des Campo San Polo genauer kennen.
Dieser literarische Leitfaden versteht sich als Begleiter durch Brunettis Venedig, so kann man dieses Buch nicht mit einem herkömmlichen Reiseführer vergleichen. Man findet hier nicht gezielte Empfehlungen für Übernachtungen und touristische Attraktionen (diese werden nur am Rande erwähnt), sondern Brunettis Stammlokale, bevorzugte Bars, Restaurants und Geschäfte.
Jeder Rundgang wird am Anfang des Kapitels auf einer Karte dargestellt, ebenso findet man eine ungefähre Zeitangabe, die sicherlich nur sehr vage hinzunehmen ist – immerhin verweilt man sicherlich des Öfteren länger an den angegebenen Orten oder findet sich trotz Karte nicht so zurecht, wie es eingeschworene Venezianer zu tun pflegen (obwohl man hier liest, dass auch diese oft ihre Schwierigkeiten haben, sich in dem Labyrinth an Gassen und Gässchen zurecht zu finden).
Zwischen den Erläuterungen der Autorin Toni Sepeda, die Brunettis oftmals verschlungene Wege wirklich zu kennen scheint, findet man immer wieder (in anderer Schriftfarbe) einzelne Textpassagen aus den Büchern Donna Leons. Dieses Zusammenspiel finde ich hier sehr harmonisch, wenn sich dadurch natürlich auch etliche Hinweise auf Orte oder Dialoge manches Mal wiederholen. Immer wieder merkt man die Verbundenheit Brunettis mit der Lagunenstadt, wenngleich auch deren Verfall stets präsent bleibt.
Ich finde, das Buch ist sehr gelungen – wer mit Brunetti durch „sein“ Venedig wandern will, wer versteckte Plätzchen abseits der Touristenströme kennenlernen möchte, ist hier gut beraten.