Tonja Pölitz

 3.6 Sterne bei 15 Bewertungen

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Ein Jahr in Wien

Ein Jahr in Wien

 (15)
Erschienen am 01.02.2014

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Kristine_liests avatar

Rezension zu "Ein Jahr in Wien" von Tonja Pölitz

Der Wiener Schmäh is einfach schee
Kristine_liestvor 4 Jahren

Wien rangiert ganz vorn in Sachen Lebensqualität, Österreich auf Platz 8 der glücklichsten Länder. Das Essen ist besser, die Menschen gemütlicher und Jobs besser bezahlt. Tausende Deutsche wandern deshalb jedes Jahr nach Österreich aus. Dass die Deutschen sein Land mögen, mag auch der Österreicher. Er schätzt es, für den großen Bruder nebenan endlich attraktiv zu sein. Dafür hat er sich an die sächselnde Bedienung in Skihütten, an Fiaker-Fahrer aus Bochum und den preußischen Ton in Chefetagen gewöhnt. Aber es ist immer noch sein Land und es sind seine Regeln. Wien begann für Tonja Pölitz deshalb ganz und gar nicht wie im Bilderbuch, sondern mit Kaffee-Knigge, Tüten-Aufsicht und mit der Frage: Was wäre Wien ohne Wiener? 

Ein Piefke schreibt über die Haberer, kann das denn gut gehen? Ja, es kann.
Tonja Pölitz beschreibt ihr Jahr in Wien amüsant, locker und absolut sympathisch. Ich als Niederbayerin bin ja den Österreichern eh näher als zum Beispiel Hamburger. Daher waren mir die Eigenheiten unserer geliebt/gehassten Nachbarn nicht fremd und auch die potentiellen Fettnäpfchen  kann ich locker umschiffen, da bin ich mir sicher. Umso vergnüglicher ist die Sicht einer "echten Ausländerin" zu lesen.
Ich liebe den morbiden Charme der Wiener und ihre Sprache ganz besonders. Daher fand ich auch die vielen im Dialekt geschriebenen Stellen nicht störend, kann mir aber vorstellen, dass das viele anders sehen.

Neben den Einblicken in österreichische/wienerische Kultur und Geschichte berichtet Tonja Pölitz von ihrer Arbeit als Korrespodentin und ihren ganz persönlichen Problemchen mit den Wienern.

Etwas vermisst habe ich mehr "Insider-Wissen" oder Geheimtipps für evtl. Reisen in die österreichische Hauptstadt. Und ich glaube, dass jemandem, der mit Wien/Österreich nicht so vertraut ist, die Stadt "fremd" bleibt... Als Reiseführer ist dieses Buch eher nicht zu gebrauchen (wie andere Bänder der Reihe), Tonja Pölitz hat ihr Augenmerk mehr auf ihr persönliches Leben und Erleben gelegt.

Alles in allem ist "Ein Jahr in Wien" ein weiteres gelungenes Buch meiner geliebten Reihe, gehört meiner Meinung nach aber nicht zu den Highlights.

Da die "Ein Jahr in ..."-Reihe aber einfach soooo toll ist, bekommt auch dieser Band
4 Sterne.

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sabatayn76s avatar

Rezension zu "Ein Jahr in Wien" von Tonja Pölitz

'Deutsche können echt nervig sein. Zum ersten Mal spürte ich Mitleid mit Österreichern.'
sabatayn76vor 4 Jahren

Inhalt:
Die Journalistin Tonja Pölitz wird von ihrer Redaktion überraschend nach Wien geschickt.

In 'Ein Jahr in Wien' erzählt sie von Sprachbarrieren und Mentalitätsunterschieden, von Ausländerfeindlichkeit und Islamophobie, von Freundeswirtschaft und Wohnungssuche, von Peter Alexander und Zentralfriedhof, von akademischen und Adelstiteln.

Mein Eindruck:
Ich war noch nie in Wien, kenne aber einige Wiener und mag den Wiener Schmäh sehr.

Anfangs hat mir Tonja Pölitz' Stil weniger gut gefallen, die Witze fand ich etwas zu bemüht, das Buch kaum lustig. Doch im weiteren Verlauf hat mir die Lektüre mehr Spaß gemacht und mich bisweilen auch zum Lachen gebracht.

Ich musste mich zudem erst einmal in das Buch einlesen, denn vieles wurde in Dialekt geschrieben, was mir zwar gefallen hat, was sich meiner Meinung nach aber deutlich schwieriger lesen lässt.

Sehr gut gefallen haben mir die Einblicke in die Mentalität der Wiener und in die Sprache. Immer wieder hat mir die Autorin Wissen vermitteln und spannende Infos bieten können. Leider hat sie mir zwar die Sprache und die Bewohner Wiens näher gebracht, die Stadt selbst aber nicht.

Mein Eindruck:
Unterhaltsam.

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LettersFromJuliets avatar

Rezension zu "Ein Jahr in Wien" von Tonja Pölitz

Charmanter und humorvoller Schreibstil trifft auf Wiener Schmäh
LettersFromJulietvor 4 Jahren

Meine Meinung

Tja, Wien, Österreich, da würde ich nicht so schnell hinfahren, da mir die meisten Österreicher bislang einfach nicht sympathisch waren (natürlich gibt es Ausnahmen). Die meisten Österreicher empfinde ich als arrogant, sie meinen etwas Besseres zu sein und sammeln Titel, mit denen sie sich profilieren können (meine Erfahrungen!). Gerade die Wiener habe ich als besonders “schlimm” empfunden, man könnte meinen sie seien der Nabel der Welt. Und dieser Dialekt! Nein, eigentlich ist das kein Dialekt, das ist eine ganz andere Sprache wie ich jetzt feststellen musste, da gibt es ja riesige Unterschieden zum Deutschen. Ich wusste gar nicht, dass wir so viele unterschiedliche Wörter haben. Auf jeden Fall habe ich gehofft, dass Tonja Pölitz mich davon überzeugen kann, dass die Ösis (Österreicher) doch nicht so schlimm sind und ich Piefke (so nennen sie uns Deutsche) bislang einfach nur die falschen Leute getroffen habe.

Das erste was mir bei diesem Buch auffiel, war der leichte, charmante und lustige Schreibstil der Autorin, der mir richtig gut gefallen hat. Da könnten sich manche Autoren, die das hauptberuflich machen, mal eine Scheibe von abschneiden.
Sie erzählt einiges von ihrer Zeit in Wien, welche Menschen sie kennengelernt hat, berichtet über Kaffeehäuser (ich hätte mal zählen sollen wie viele Kaffeehäuer erwähnt werden) und man bekommt einen ganz kleinen Einblick in ihr Berufsleben. Was mir aber total gefehlt hat, waren Infos zur Stadt. Ja, man erfährt, dass sie in Bezirke aufgeteilt ist und das diese Nummern zu den Postleitzahlen passen, aber sonst? Reiseführer? Nein! Muss natürlich bei diesen Büchern auch nicht sein, aber ich erhoffe mir immer eine ganz eigene Sicht von der Stadt zu bekommen, genauso wie einige Geheimtipps z.B. bezüglich Restaurants. Gerade wenn man nicht als Tourist in der Stadt ist und mit den Einheimischen ganz normal zusammenlebt, nimmt man die Stadt ganz anders war und das hat mir leider gefehlt. Im Vordergrund stehen eher die Wiener und die Beziehung zwischen Deutschland und Österreich, was auch ganz interessant war, denn natürlich wurden die typischen Vorurteile angesprochen. Übrigens finde ich es ziemlich gemein, dass die Ösis bei einem Fußballspiel nie für Deutschland sind, Hauptsache die andere Mannschaft gewinnt. Tja, die WM haben wir dann trotzdem gewonnen, liebe Ösis. Aber ich kann es ja verstehen, jeder hat schließlich Mannschaften, denen er den Sieg nicht gönnt (Bayern München zum Beispiel…)

Wenn die Österreicher mit ihrem Schmäh sprechen, dann stand das auch wirklich so da. Das Problem war, dass wenn ich direkt nach dem Lesen mit jemandem gesprochen habe, dass ich mich zusammenreiße und nicht auch ins Schmäh verfalle. Eigentlich ist das ja so ein Dialekt, den ich (neben Sächsisch) überhaupt nicht leiden kann. Das klingt für mich einfach nicht schön. Jetzt gefällt es mir und ich hätte die Passagen am liebsten laut mitgelesen, was aber nicht immer möglich war. Was hätten denn die Kollegen in der Mittagspause gesagt? Trotzdem gab es eine Szene bei der ich laut lachen musste und das schaffen bei mir wirklich nur ganz wenige Bücher! Was dem Buch an Infos über Wien fehlt, dass macht es mit dem Schreibstil und dem Humor wieder wett.

Sind die Ösis jetzt immer noch so schlimm? Nein!
Ich habe sie ganz neu kennengelernt und würde jetzt gerne mal Wien besuchen.

Fazit

Charmanter und humorvoller Schreibstil trifft auf Wiener Schmäh. Tonja Pölitz bringt einem die Wiener und ihre Eigenheiten näher – Unterhaltung pur, Reiseführer eher weniger.

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