Tony Judt

 4.3 Sterne bei 10 Bewertungen
Autor von Dem Land geht es schlecht, Das Chalet der Erinnerungen und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Tony Judt

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Tony JudtDem Land geht es schlecht
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Dem Land geht es schlecht
Dem Land geht es schlecht
 (4)
Erschienen am 23.01.2014
Tony JudtDas Chalet der Erinnerungen
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Das Chalet der Erinnerungen
Das Chalet der Erinnerungen
 (4)
Erschienen am 06.02.2012
Tony JudtGeschichte Europas von 1945 bis zur Gegenwart
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Geschichte Europas von 1945 bis zur Gegenwart
Tony JudtNachdenken über das 20. Jahrhundert
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Nachdenken über das 20. Jahrhundert
Nachdenken über das 20. Jahrhundert
 (1)
Erschienen am 20.08.2015
Tony JudtWenn sich die Fakten ändern
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Wenn sich die Fakten ändern
Wenn sich die Fakten ändern
 (0)
Erschienen am 24.08.2017
Tony JudtDie Geschichte Europas seit dem Zweiten Weltkrieg
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Die Geschichte Europas seit dem Zweiten Weltkrieg
Tony JudtDas vergessene 20. Jahrhundert
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Das vergessene 20. Jahrhundert
Das vergessene 20. Jahrhundert
 (0)
Erschienen am 11.11.2011
Tony JudtSocialism in Provence 1871-1914
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Socialism in Provence 1871-1914
Socialism in Provence 1871-1914
 (0)
Erschienen am 01.05.2011

Neue Rezensionen zu Tony Judt

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Schelmuffskys avatar

Rezension zu "Das Chalet der Erinnerungen" von Tony Judt

Erinnern um weiterleben zu können
Schelmuffskyvor 4 Jahren

Vor ein paar Jahren hatte ich Judts großartiges, kleines Büchlein Dem Land geht es schlecht. Ein Traktat über unsere Unzufriedenheit gelesen, eine Auseinandersetzung mit den zerstörerischen Folgen der Finanzkrise und des in jeder Beziehung entfesselten Kapitalismus.

Auch Das Chalet der Erinnerungen ist wieder ein schmales Bändchen und doch fundamental. Tony Judt starb im August 2010 an Amyotropher Lateralsklerose (ALS), einer Krankheit, die man seinem schlimmsten Feind nicht wünscht. Vor einem Jahr ist in meinem näheren Umfeld jemand daran gestorben. Die Muskeln gehorchen erst in der Peripherie nicht mehr (Hände, Füße), dann schreitet die Krankheit schnell voran, Bewusstsein, Gefühle und Schmerzempfinden bleiben unberührt, zum Schluss kann man sich nicht mehr bewegen, nicht mehr sprechen, nicht mehr schlucken, sich nicht mehr äußern, weswegen man beizeiten regeln muss, was dann passieren soll. Schließlich erstickt man bei vollem Bewusstsein.

Tony Judt hat die Krankheit bereits in relativ weit fortgeschrittenem Stadium, als er beginnt, kleine Erinnerungen zu diktieren, an seine Kindheit in einem Londoner Vorort, an die Nachkriegszeit voller Entbehrungen in England, an seine Bestrebungen, zunächst den Großraum London mit langen Busfahrten zu erkunden, von denen seine Eltern nichts ahnten, dann immer weiter in die Welt hinaus, später ein Kosmopolit im besten Sinne, immer ein "Selbstdenker", der sich keinen akademischen Moden unterwirft, gleichwohl Karriere als Historiker macht. Er berichtet von seiner Studienzeit in Cambridge, an der École normale supérieure in Paris, von den Etappen als Professor, von zahllosen, kleinsten, aber aufschlussreichen Wahrnehmungen, die in den verschiedensten Ecken der Welt gesammelt hat, seine Existenz als die Religion nicht praktizierender Jude, die Widerstände, die er durch seine Kritik an der Politik Israels auslöste, von Privatestem genauso wie von öffentlichen Diskursen.

Tony Judt zählt sich selbst schon nicht mehr dazu, ist es aber doch, einer der letzten großen Gelehrten, weltoffen, gebildet, multilingual, immer neugierig, ohne Tabus, ein großes Vorbild.

Ich werde auch noch die anderen Bücher von Judt lesen und empfehle dieses als Einstieg!

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W

Rezension zu "Dem Land geht es schlecht" von Tony Judt

Ein wichtiges Buch über eine grundfalsche Orientierung am Profitstreben in unseren Gesellschaften
WinfriedStanzickvor 5 Jahren


 

Der 2010 verstorbene Brite Tony Judt gehörte zu den wichtigsten und produktivsten Zeithistorikern der letzten Jahrzehnte. Seine Bücher Aufsätze, Artikel und Vorträge, haben - immer der Aufklärung und der Demokratie verpflichtet - über eine lange Zeit viele Debatten und Diskurse angestoßen und befördert.

Schwer krank, hat sich Tony Judt mit einer auch international beachteten Rede im Herbst 2009 von seiner Lehrtätigkeit an der New Yorker Universität verabschiedet, in der er angesichts der noch herrschenden Finanzkrise leidenschaftlich davor warnte, erkämpfte und bewährte gesellschaftliche Ideale wie Gerechtigkeit und Chancengleichheit dem Moloch des Marktes und seiner sogenannten Logik zu opfern.

Es war ein Plädoyer für die Aufgaben des Staates, der allein den unersättlichen Markt steuern und disziplinieren könne, bevor er noch mehr Flurschaden anrichten könne. Das war Tony Judts letzter öffentlicher Auftritt. Doch trotz seiner schweren Krankheit gelang es ihm noch, sein Redemanuskript zu einem Buch auszubauen und fertig zu stellen, einem "Traktat über unsere Unzufriedenheit".

Mit "uns" und "dem Land", dem es so schlecht geht, meint er die westlich-demokratische Welt, die es in den letzten Jahren hingenommen hat, dass ihre Ideale schleichend, teilweise auch regelrecht offen, ausgehöhlt wurden von einem hemmungslosen und gierigen Markt, der doch nur gespeist wird von der Hemmungslosigkeit und der Gier der Vielen.

Tony Judt belegt an vielen historischen Beispielen, wie viel der Westen dem "sorgenden Staat des 20. Jahrhunderts" verdankt, und benennt die Gefahren, die der Freiheit mit seiner Demontage drohen. Eine Wiederbesinnung auf die Regelmechanismen des Staates und seine Steuerungspolitik tut not. Damit ist er sich einig auch mit deutschen Politikern wie Angela Merkel und Siegmar Gabriel.

Ein wichtiges Buch über eine grundfalsche Orientierung am Profitstreben in unseren Gesellschaften. Wenn hier nicht eine gravierende Kehrtwendung erfolgt, steht viel auf dem Spiel, unsere Freiheit, unser Rechtssystem und unsere der Aufklärung und der jüdisch - christlichen Tradition verpflichteten Werte.

 

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Claris avatar

Rezension zu "Das Chalet der Erinnerungen" von Tony Judt

Rezension zu "Das Chalet der Erinnerungen" von Matthias Fienbork
Clarivor 6 Jahren

Lebendige Erinnerung an gute Zeiten.
Kann man sich einen Ort der Glückseligkeit vorstellen?
Man kann, denn alles hängt von den Umständen ab, in denen man "Glück" empfindet.

Tony Judt erkrankte zwei Jahre vor den Aufzeichnungen seiner hier vorliegenden Erinnerungen an ALS, amyotropher Lateralsklerose, an deren Folgen er 2010 verstorben ist.
Die Krankheit verdammt den daran Erkrankten zu fortschreitender Bewegungsunfähigkeit und schließlich dem Verlust der Sprache. Sachlich und nüchtern beschreibt Tony Judt die Vorbereitungen für die Nacht, in der er stundenlang wach liegt, sich nicht kratzen oder aus unbequemer Lage selbstständig befreien kann. Niemand wird ermessen können, wie schrecklich es ist, in totaler Anhängigkeit von Pflegern und Hilfskräften zu leben. In sich eingeschlossen bleibt der Kranke ganz allein. Im Gegensatz zu vielen anderen neurologischen Erkrankungen bleibt dem ALS Kranken aber eine wache mentale Erlebnisfähigkeit.
In seinen einsamen Nächten trösten Tony Judt die Erinnerungen an sein Leben, dass er Kapitel für Kapitel an seinem inneren Auge vorbeiziehen lässt.

Er ist das Kind nach England eingewanderter Juden, die jedoch ihr Judentum nicht praktizierten. Zeitweise wuchs er bei seinen Großeltern auf. Während die Eltern noch der unteren Mittelschicht angehörten, wuchs Tony Judt nach dem Studium der Geschichte zu einem aufgeklärten, klugen und kritischen Denker heran. Er befasste sich intensiv mit osteuropäischer Geschichte und lehrte an verschiedenen Universitäten in England und Amerika, zuletzt in New York.
Mit den Eltern war er als Kind zum Skiurlaub in einem Chalet in der Schweiz. Das Chalet wird in seiner Phantasie zu einem "Ort der Glückseligkeit". Er ordnet seine Erinnerungen verschiedenen Räumlichkeiten zu, so dass er sie am Morgen dort abrufen und seinem Helfer auf seine Weise diktieren kann.
Nach der Schulzeit, die er als freudlos schildert, erwirkt er sich seine eigene Freiheit durch kleine Ausflüge mit Bussen durch die Londoner City. Als kritischen Studenten erlebt man ihn in einem Kibbutz in Israel, von wo er schließlich zum Studium nach England zurückkehrt.
Mit seinen nächtlichen Erinnerungsgeschichten begibt sich Tony Judt noch einmal in die Zeit gesellschaftlicher Umbrüche der Nachkriegszeit und in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sie sind gekennzeichnet durch Studentenaufstände, Antikriegsdemonstrationen, die sexuelle Revolution und das zunehmende Bewusstsein einer auf Reflexionen beruhenden Auseinandersetzung mit den jeweils herrschenden Ideologien und parteipolitischen Richtungen, die das Jahrhundert prägten. Die Diktion von Tony Judt ist klar und einnehmend verständlich. In wunderbarer Weise meldet sich der Todkranke zu Wort, um das Fazit seines Lebens zu beschließen, das ihn so ganz lebendig und Anteil nehmend am Weltgeschehen zeigt.
Poetisch und leise verabschiedet er sich von der Welt wieder in Gedanken in einem Zug in der Schweiz:"Wir können uns nicht aussuchen, wo unser Leben beginnt, aber vielleicht, wo es zu Ende geht. Ich weiß, wo ich sein werde: in diesem kleinen Zug, unterwegs ohne bestimmtes Ziel, einfach unterwegs."

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