Torrey Peters

 3,5 Sterne bei 29 Bewertungen

Lebenslauf

Torrey Peters, aufgewachsen in Chicago, hat die Erzählungen "Infect Your Friends andLoved Ones" und "The Masker" veröffentlicht. Sie studierte kreatives Schreiben und Literaturwissenschaften.Detransition, Baby, ihr Debütroman, wurde 2021 für den Womenʼs Prize for Fiction nominiert – als das erste Buch einer trans Autorin in der Geschichte des Preises. Torrey Peters fährt ein pinkfarbenes Motorrad und lebt wechselweise in Brooklyn und einer Hütte in Vermont.www.torreypeters.com

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Torrey Peters

Cover des Buches Detransition, Baby (ISBN: 9783548068176)

Detransition, Baby

(19)
Erschienen am 01.06.2023
Cover des Buches Stag Dance (ISBN: 9783550204098)

Stag Dance

(2)
Erschienen am 30.05.2025
Cover des Buches Detransition, Baby (ISBN: B09X1LCTM9)

Detransition, Baby

(2)
Erschienen am 01.04.2022

Neue Rezensionen zu Torrey Peters

Cover des Buches Stag Dance (ISBN: 9783550204098)
Hyperikums avatar

Rezension zu "Stag Dance" von Torrey Peters

Hyperikum
Eine Hymne der Transgender-Literatur

Tipton, Iowa, sieben Jahre nach dem Ausbruch

Keith reißt ihr den Eimer aus der Hand, nennt sie kleine Lady und dann geht das Machogehabe los. Die übergroßen behaarten Titten werden zur Schau gestellt. Er denkt, sie wäre so ein Austie-Boy, weil er nicht weiß, dass sie schon vor der Seuche Östrogen gespritzt hat und trans war. Das Östrogen kommt vom Schwarzmarkt, weil das aus offiziellen Quellen streng rationiert ist und nur noch an Frauen mit aussichtsreicher Fruchtbarkeit geht. Keith zapft es seinen genmanipulierten Schweinen ab, die jetzt mehr Hormone produzieren, die mit denen der Menschen bioidentisch sind. Sie bezahlt Kieth dafür, dass er ihr die Schweinezucht zeigt, aber eigentlich will sie ihm nur ein paar Ferkel klauen, um mit Lexi eine eigene Zucht aufzuziehen. 

Seattle, am Tag des Ausbruchs

Lexi zeigt ihr ihre neuen Tätowierungen. Über einem Schiffstattoo zeigt sie auf ein absolut schlichtes t4t. Es soll bedeuten, Trans* Frau liebt trans* Frau. Lexi ist mittlerweile die selbst ernannte Expertin der Trans*-Frauen-Szene von Seattle und glaubt, dass in naher Zukunft alle Menschen trans* sein werden. Sie lebt mit ihren Mitbewohner*innen in einem verfallenen viktorianischen Haus und kann es sich nur leisten, weil der Onkel eines der Mädels es ihr günstig vermietet. Und als Wiedergutmachung dafür, dass Lexi von der Nächstenliebe eines Cis Kerls profitiert, lässt sie andere trans* Frauen ohne Schlafplatz auf den Sofas im unteren Stock übernachten. 

Lexi und sie sind total unterschiedlich und doch sowas wie best Bitches geworden. Sie skypt abends heimlich mit irgendwelchen Typen, hat ausgeklügelten Telefonsex für den Selbstwert und Lexi sammelt Knarren gegen die Ohnmacht und ihren stillen Kummer. Und dann infiziert Lexi sie mit voller Absicht mit einem GnRH Impfstoff, der die Bildung der Sexualhormone hemmt.

Fazit: Torrey Peters (Detransition Baby, Women´s Price for Fiction Nominierung 2021) hat in vier Geschichten bravourös gezeigt, wie leidvoll die sexuelle Orientierung sein kann. in der ersten Story spielt sie mit dem Gedanken an eine Welt voller geschlechtsloser Menschen, die sich ihr Geschlecht aussuchen müssen. Eine Seuche lässt das Immunsystem Antikörper bilden, die die eigenen Sexualhormone zerstören, so, dass sie von außen zugeführt werden müssen. Die zweite Story zeigt die Suche nach der sexuellen Orientierung in der Jugend an zwei Jungs, die sich im Internat sehr nah kommen. In der Story Stag Dance lese ich von illegalen Holzfällern, echten brachialen Kerlen, die sich während einer Party von ihrer Einsamkeit ablenken wollen und am Ende brutal eskalieren. Die Autor*in schreibt über die Suche nach Geschlechtsidentität, Ausgrenzung, Homophobie, Bedürfnisse und das Für und Wider von Outings. Vermutlich verarbeitet sie ihre eigenen Erfahrungen auf ihrem fragilen Weg von Mann- zu Frauwerdung. Was mir an diesem Buch so unglaublich gut gefällt, ist die Offenheit und Ehrlichkeit im Umgang mit der queeren Szene, die oft romantisiert wird. Neid, Missgunst, Eifersucht und Manipulation sind gesellschaftskonform und unabhängig von der sexuellen Orientierung. Mit großem Feingefühl hat die Autor*in die Schattenseiten der Selbstfindung herausgearbeitet. Wer sich nach diesem Buch immer noch fragt, warum wir eine geschlechterneutrale Sprache brauchen, um jede*n Mitbürger*in sichtbar zu machen, dem ist nicht mehr zu helfen. Die Sprache ist großartig mehrgleisig: brutal, feminin, humorvoll und tragisch, das Buch eine Hymne. Für alle, die offen und mutig genug sind, einen Blick in die trans* Szene zu werfen.

Cover des Buches Detransition, Baby (ISBN: 9783548068176)
Paperboats avatar

Rezension zu "Detransition, Baby" von Torrey Peters

Paperboat
Trans*sein und Familie

Reese hat sämtliche Beziehungsmodelle durch, die man sich nur vorstellen kann. Erst als sie Amy kennenlernt, kann sie zur Ruhe kommen. Sie leben als glückliches Paar, was den beiden trans Frauen jedoch fehlt, ist die Möglichkeit eine Familie zu sein. Doch Amy entscheidet sich dazu, wieder als Mann zu leben, die Liebe zerbricht daran.
Einige Jahre später, Amy lebt mittlerweile unter dem Namen, schwängert er seine Chefin Katrina. Doch die Aussicht ein Elternteil zu sein, so schön sie früher war, löst in Ames nun eine bange Unsicherheit aus. Reese, die für Amy zugleich Mutter und Partnerin war, kommt Ames in den Sinn und damit eine radikale Idee - das Baby als Dreiergespann großzuziehen. Doch besteht dazu eine Chance? Wird Reese überhaupt noch mit Ames reden? Würde Katrina als Kindsmutter diesen Gedanken nicht anmaßend finden? Ames muss zumindest versuchen, seine Idee an die beiden Frauen heranzutragen.

Torrey Peters wagt in ihrem Debütroman ein progressives Gedankenexperiment, mit dem sie die gängige Familienkonstellation ablöst. Das Dasein der trans Frauen, was diese umtreibt, ihre Beweggründe, ihre Sehnsüchte, das alles schildert die Autorin in einer Art, in der ich nie über das Thema nachgedacht hätte. Ich habe mir Fragen gestellt, wie wäre es nicht toll, als Kind das Beste aus beiden Welten zu bekommen? Eine Mutter, die die Antriebe und Ängste der Männer aus erster Hand kennt? Wenn es eine fiktive Maßeinheit gäbe, um wie vieles weiblicher will eine trans Frau sein, um die Rudimente ihres früheren Lebens zu überwinden, und wann ist sie für die Gesellschaft weiblich genug? Ich entschuldige mich, wenn diese Fragen unangemessen sind, was ich eigentlich ausdrücken möchte, ist dass dieses Buch über die eigentliche Geschichte hinaus etwas in mir bewegt hat.

Cover des Buches Detransition, Baby (ISBN: 9783550202049)
alascas avatar

Rezension zu "Detransition, Baby" von Torrey Peters

alasca
Wenig Erkenntnisgewinn bei maximaler Irritation

Mit ihrem hochgelobten Erstling liefert Peters uns die queere Version der klassischen Dreiecksbeziehung. Reese, trans Frau und Expartnerin von Amy, gerät in Entscheidungsnöte: Ames, der sich von der trans Frau zurück in einen Mann verwandelt hat, wird Vater. Und weil er die Vaterrolle als die ultimative Ausprägung von cis Männlichkeit empfindet, kann er sich diese nur vorstellen, wenn Reese als drittes Elternteil mit von der Partie ist. Angelpunkt des Konstrukts ist Katrina, die Geschwängerte: Zunächst geschockt über Ames´ Vorschlag, beginnt sie sich für eine queere Familienkonstellation zu erwärmen, scheinen damit doch die klassischen Probleme einer Hetero-Partnerschaft gelöst zu sein. Bis sie Wind von Reeses aktueller Beziehung bekommt…

Zwei Erzählstränge, abwechselnd halbwegs chronologisch, schildern Ames´ und Reeses Beziehungsvergangenheit aus wechselnden Perspektiven und das Geschehen nach der Zeugung des Kindes. Mit Reese hat Peters sich für eine Protagonistin entschieden, die einen kräftig gegen den Strich bürstet. Reese steht auf gewalttätige Männer, weil sie sich mit ihnen – und das hat mich wirklich geschockt – schwach fühlen kann. Schwach und weiblich, das sind für Reese Synonyme.  Auch die zweite Figur, Amy, fand ich ziemlich schwer verdaulich. Deren sexuelle Phantasien drehen sich um einen Mann, der von einer dominanten Frau in weibliche Stereotype gezwungen wird. “Wenn Männern das Frausein aufgezwungen wurde, war das die ultimative Entwürdigung und Erniedrigung – was sagte das darüber aus, was Amy über Frauen dachte?“ Auch das Beharren von Peters´ Figuren auf veralteten Codes irritierte mich. Während cis Frauen längst aufgehört haben, stereotypen Klischees zu entsprechen, erheben offenbar trans Frauen diese zum Inbegriff des Weiblichen. Nur macht es einen nicht zur Frau, besonders elegant die Beine übereinander zu schlagen.

Weiße cis Frauen sind offenbar Peters´ ultimatives Feindbild. Verhalten sie sich verständnisvoll, sind sie Heuchlerinnen. Interessieren sie sich, sind sie sensationslüstern. Obendrein veranstaltet Reese einen Leidenswettbewerb. Wer leidet mehr? Natürlich trans Frauen. Denn cis Frauen sind die „bürgerlichen weißen Didion-Verehrerinnen, die ein Abo auf die große Theorie des weiblichen Schmerzes haben, diese Grüblerinnen mit ihren kleinen Wunden, die keine größeren Probleme haben als das Gefühl, ungerecht behandelt worden zu sein“. Wenn ich sowas lese, kriege ich Puls – der lange Kampf um Frauenrechte mal eben für überflüssig erklärt. Und so geht es weiter – nur geschiedene Frauen finden annähernd Gnade vor Peters´ Augen. Denn diese „erkennen, dass die Narrative, die sie schon erzählt bekommen haben, seit sie Mädchen waren, getrogen haben und […] wissen, dass es nichts gibt, was all das ersetzen könnte. […] Näher kannst du an eine trans Frau nicht rankommen. Geschiedene Frauen sind die einzigen Leute, die annähernd wissen, was ich weiß.“ Das Problem ist, dass mich Reeses oder Ames´ Leiden zu keiner Zeit erreichen konnte. Ihre Empfindungen sind ein Wirrwarr aus Wut, Ressentiments  und Frustration und blieben unfassbar. Immer, wenn ich meinte, mich den Figuren angenähert zu haben, kam ein Twist ins Absurde und ich war raus. Ich fand es nicht mal interessant. Dass trans Frauen extrem suizidgefährdet sind, wird mehrfach im Roman thematisiert, blieb für mich aber ebenso abstrakt.

Auf der sprachlichen Ebene wechseln sich geschliffene Gesellschaftsanalysen ab mit Schilderungen kruder Sexualität. Hier habe ich nun Bilder vor Augen, auf die ich gerne verzichtet hätte. Auch einige Vokabeln hätte ich nicht gebraucht, wie zum Beispiel „pozzen“. Pozzen kommt von positiv und bedeutet, jemanden absichtlich mit HIV anzustecken. Oder „tucking“. Das erkläre ich hier lieber nicht.

Fazit: Der erhoffte Erkenntnisgewinn ist ausgeblieben, in dem vorgehaltenen Spiegel habe ich mich nicht wiedererkannt. Vor der Lektüre war meine Haltung gegenüber trans Personen positiv gleichgültig – soll jede/r so leben, wie er/sie will, so lange er/sie niemandem schadet. Nach der Lektüre ist da große Irritation, denn diese Toleranz beruht offenbar nicht auf Gegenseitigkeit.

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