Torsten Capelle Bilderwelten Der Bronzezeit / Picture Worlds of the Bronzezeit

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Inhaltsangabe zu „Bilderwelten Der Bronzezeit / Picture Worlds of the Bronzezeit“ von Torsten Capelle

Die bronzezeitlichen Felsbilder aus Nordeuropa faszinieren durch ihre vielfältigen Motive und Kompositionen. Sie stellen das größte und inhaltsreichste Bildquellenmaterial zur Bronzezeit in Europa dar. Vor über 3.000 Jahren sind die Bilder von Festen, Musikanten und Prozessionen in Felsen oder große Findlinge geschlagen worden. Der große Aufwand, den dies erforderte, legt Zeugnis ab für ihre Wichtigkeit in Kult und Ritual – neben religiösen oder festlichen Motiven finden sich jedoch auch ganz alltägliche Szenen. Mit zahlreichen hochwertigen Abbildungen bietet der Band einen eindringlichen Einblick in die eigentümliche Welt dieser nahezu unvergänglichen Selbstzeugnisse aus einer schriftlosen Zeit, die den Betrachter auch heute noch unmittelbar ansprechen. Auf der Basis langjähriger Forschung und intensiver Geländebegehungen von Skandinavien bis Norddeutschland diskutiert der Autor verschiedene Deutungsansätze, die den Zugang zu den Geheimnissen dieser Bilderwelt und ihrer Botschaft erleichtern sollen.

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  • Rezension zu "Bilderwelten Der Bronzezeit / Picture Worlds of the Bronzezeit" von Torsten Capelle

    Bilderwelten Der Bronzezeit / Picture Worlds of the Bronzezeit
    wolfschwerdt

    wolfschwerdt

    18. May 2010 um 20:55

    Viele Interpretationen von Archäologen und Laien müssen die als skandinavische Felsritzzeichnungen bekannten Abbildungen von Booten, Figuren, Tieren und rätselhaften Gegenständen über sich ergehen lassen. Vor allem religiöse und kultische Hinter- und Beweggründe werden den unbekannten vorgeschichtlichen Künstlern üblicherweise unterstellt. Und die Datierung erscheint oft auch eher von persönlichen Vorlieben der Betrachter gespeist, denn von solider sachlicher Analyse. Der Autor des Buches "Bilderwelten der Bronzezeit", Prof. Dr. Dr. Capelle, heute Mitglied der Altertumskommission für Westfalen, hat 35 Jahre lang europäische Ur- und Frühgeschichte in Münster gelehrt und war als Gastprofessor in Durham, Lund und Oslo tätig. Schon in der Beschreibung der Vorläufer der weltweit verbreiteten Felsbilder macht Capelle deutlich, dass nahezu alle Deutungen der steinzeitlichen und bronzezeitlichen Kunst einen recht spekulativen Charakter haben. Der so beliebten Interpretation der vorgeschichtlichen Kunst als Zeugnisse des Glaubens stellt Capelle beinahe provokativ folgende Spekulation entgegen: „Eventuell sind die Höhlenbilder im Sinne von nur erzählenden Trophäenwänden zu deuten, vergleichbar heutigen jagdbetonten Gaststuben.“ Der gedankliche Hintergrund des Zitates zieht sich durch das gesamte Buch und ist Ausdruck einer ganz klassischen wissenschaftlich- professionellen Herangehensweise an dieses Thema. So enthält sich der Autor in den ersten Kapiteln zunächst allzu eingehender Interpretationen, sondern steckt zunächst einmal den Untersuchungsgegenstand ab. In der einleitenden Übersicht erfährt der Leser daher zunächst einmal, was Felsbilder eigentlich sind, wo man sie findet, wie sie hergestellt werden, welche formalen Eigenschaften sie aufweisen und, ganz wichtig und für den Laien die erste Überraschung, eine plausible Ableitung der Datierung der Skandinavischen und Norddeutschen als überwiegend bronzezeitliche Werke. Bei der Betrachtung der Bildmotive wird immer wieder auch die Bedeutung diskutiert und immer wieder stellt Capelle den so beliebten religiös-kultischen Interpretationen ganz profane Deutungen gegenüber, immer nachvollziehbar und gut begründet. Und bei der Vorstellung des einen oder anderen Bildmotivs und dessen zeitlichen, kulturellen und geografischen Umfeldes, kommt der Leser plötzlich scheinbar von selbst, in Wirklichkeit aber geschickt daraufhin geleitet, auf ganz originelle Ideen und Gedanken. Irgendwie gelingt es dem Autor, den Leser vom Konsumieren der Informationen und Bilder zum Mitdenken, zum Vorwegnehmen von Schlussfolgerungen hinzulenken, die Capelle dann gar nicht mehr selbst formulieren muss. Zweifellos haben die sehr guten und zahlreichen Abbildungen der Felsbilder einen hohen Anteil an der irgendwann eintretenden geistigen Mitarbeit des Lesers. Und auch der inhaltliche Aufbau des Buches führt dazu, dass der Leser zwar immer wieder neu angeregt, nicht aber überfordert wird. Dabei bergen sowohl das recht komplexe Thema selbst, als auch die beim Lesen durchaus spürbare Informationsdichte des gerade einmal 127- seitigen Werkes durchaus die Gefahr der Überforderung. Und dass sich Capelle nicht vom publizistischen mainstream im historisch-archäologischen Bereich verführen lässt und aus seinen sachlichen Vorträgen für dieses Buch eben keinen Roman gezaubert hat, fordert vom Leser ebenfalls eine gewisse mentale Eigenleistung. Aber diese Eigenleistung zu erbringen fällt nicht wirklich schwer. Denn Capelle gelingt es trotz wissenschaftlich- sachlicher Darstellung durchaus die Faszination und Spannung, die diesem Thema innewohnt zu vermitteln. Vor allem aber der Verzicht auf Fachchinesich und das sichere Gespür für die Stellen seiner Ausführungen, bei denen der Leser Verständnishilfen benötigt macht das Lesen am Ende recht leicht. Und natürlich kommt auch der Liebhaber von Kult und Religion am Ende nicht zu kurz. Denn Capelle widmet den Orten und den Abbildungen, bei denen aus dem Kontext des regionalen Umfeldes heraus eine sakrale oder kultische Bedeutung erwiesen ist, eigene Kapitel, wie „Kultplätze“ und „Bilder für die Toten“, in dem unter anderem die Felsbilder an und in Hügel- und Megalithgräbern behandelt werden. Unter der Überschrift „Norddeutsche Peripherie“ beschreibt Capelle schließlich die Funde Norddeutschlands bis hoch in das heutige Südniedersachsen, die einen Bezug zun skandinavischen Kulturkreis haben. Den Aspekt, der sich durch das ganze Buch zieht, nämlich die Frage, wie lassen sich die Bilder deuten, behandelt das letzte Kapitel noch einmal sehr intensiv. Und hier macht Capelle deutlich, dass in der Regel die Informationen, die notwendig sind, um nur ein einfaches Felsbild zu deuten, nur sehr selten vorhanden sind. „Für den heutigen Menschen,“ so erklärt Capelle, „ist daher der Phantasie mit einer Spannweite von rein antiquarischer Sicht bis zu kultisch- religiöser Deutung ein weiter Spielraum gelassen.“

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