Torsten Schulz Nilowsky

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Inhaltsangabe zu „Nilowsky“ von Torsten Schulz

Ein neuer Huckleberry Finn Markus Bäcker ist alles andere als begeistert, als er mit seinen Eltern an den Rand von Berlin zieht. Dort blickt er vom dritten Stock ihres Eckhauses auf ein stinkendes Chemiewerk und vorbeiratternde Züge. Erst als er Nilowsky kennenlernt, wird ihm die Gegend um den Bahndamm zur Heimat. Eine Heimat voller Merkwürdigkeiten und intensiver Erfahrungen. Dazu gehören kuriose Voodoo-Rituale, um der Liebe auf die Sprünge zu helfen, erotische Annäherungen einer Frau, die nicht älter als dreizehn sein will, sowie perfide Vertrauensforderungen von Nilowsky, die ihm fast das Leben kosten. Mit großer Intensität und viel Humor schildert Torsten Schulz eine außergewöhnliche Dreiecksbeziehung in den Wirren der Pubertät. "Schulz erzählt mit leisem Witz vom Geheimnis einer Großstadtjugend, die ein Leben prägt." Die Zeit "Schulz vermeidet jeden Klischeeverdacht und dringt ins realistisch und psychisch Konkrete vor, dorthin, wo das Erzählte für den heutigen Leser nicht nur interessant, sondern auch gültig ist." Frankfurter Rundschau

Eklig, langweilig, nichtssagend - komisch

— KlaasHarbour
KlaasHarbour

außergewöhnlich....

— KokosnussLyrik
KokosnussLyrik

Schöne Beschreibung einer Großstadtjugend im Osten. Hat mich dennoch nicht wirklich bewegt.

— FrauGonzo
FrauGonzo

Ein Buch mit einer feinen Balance - traurig und witzig zugleich!

— Callso
Callso

Mir hat dieser Roman, der Einblick in den Alltag Ostberlins in der ehemaligen DDR gibt, sehr gefallen.

— Ikopiko
Ikopiko
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  • Eklig, langweilig, nichtssagend - komisch 1/5 Sternen

    Nilowsky
    KlaasHarbour

    KlaasHarbour

    01. August 2016 um 17:48

    Das Ganze Buch hat mich verstört. Es wird von Dingen erzählt, wie z.B. das Erbrochenes über Wochen hinweg in der Armbeuge getrocknet wird und man sich nicht mehr wäscht oder Fliegen unter die Vorhaut schiebt! Was soll das?Von wegen: "Ein Neuer Huckleberry Finn"! Das hat nichts damit zu tun und, dass das Buche eine Jugend in der DDR darstellt wird auch nicht klar.Der Schreibstil war verwirrend, die Charaktere schlecht und schwach und die Geschichte langweilig!1/5 Sterne - und auch nur weil man keine 0 Sterne geben kann

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  • Das ist nicht der große Bruder, den ich mir wünsche!

    Nilowsky
    badwoman

    badwoman

    16. August 2015 um 19:53

    Markus Bäcker ist 14, als er mit seinen Eltern innerhalb von Ostberlin umzieht. Es sind die 1960er Jahre und die Familie wohnt in der Nähe einer Chemiefabrik, die ständig von gelblichen Wolken und Gestank umgeben ist. Auch eine Bahnlinie ist in der Nähe, die die Wohnung regelmäßig zum Vibrieren bringt. Markus fühlt sich einsam, bis er auf Reiner Nilowsky trifft, den Sohn des Kneipenwirts von nebenan. Die beiden bekommen engeren Kontakt, "Freundschaft" ist aber wohl nicht das richtige Wort für ihre Beziehung. Reiner leidet sehr unter seinem alkoholkranken und gewalttätigen Vater. Reiner zeigt Markus die Welt rund um die Fabrik: Ältere Damen, die sich zu afrikanischen Gastarbeitern hingezogen fühlen, Carola, die nicht älter als 13 sein will, Voodoo-Rituale und lebensgefährliche Mutproben. Markus lässt sich von Reiner leiten und manipulieren, er gerät in ein grenzwertiges Abhängigkeitsverhältnis. Noch heikler wird es, als Markus sich in Carola verliebt, die Frau, die Reiner heiraten möchte. Das Buch ist ungewöhnlich. Es lässt sich zwar flüssig lesen, aber Reiners Sprechweise, diese häufigen Wiederholungen, bringen den Lesefluss immer mal wieder zum Stocken. Die handelnden Personen verhalten sich nicht unbedingt so, dass ich diese als "normal" empfinden würde. Jedenfalls solange Markus sich im Umfeld von Reiner befindet, eignet er sich nicht nur teilweise sein Verhalten, sondern auch seine Sprechweise an. Carola macht es ähnlich. Das Lebensgefühl im Ostberlin der 60er Jahre ist ganz gut getroffen, soweit ich das beurteilen kann. Ein besonderes Buch, vielleicht nicht unbedingt besonders gut, aber anders und durchaus gut lesbar. Übrigens: Wenn ich mir einen "großen Bruder" erschaffen könnte, sähe der aber ganz anders aus als Reiner Nilowsky!

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  • Zwischen Melancholie, Depression und Heiterkeit

    Nilowsky
    Callso

    Callso

    11. May 2015 um 16:31

    Welch eine Überraschung. Welch ein feines, kleines Büchlein! Nilowsky ist ein komischer Kauz. Der Vater ist schwer alkoholkrank, der Sohn indes ist unsterblich verliebt in Carola. Markus Bäcker taucht auf, die beiden soll über Jahre eine intensive, teilweise aber auch tragische Freundschaft verbinden. Es geht um Sozialismus, ein stinkendes Chemiewerk mit einzelnen Mitarbeitern aus Afrika. Es geht um Männerfreundschaft, Alkoholsucht, Bahnschienen, die zu verschiedenen Zwecken genutzt werden und um das Erwachsenwerden. Es geht vermehrt um das Buhlen der Liebe von Carola, doch die macht es durch ihr undurchsichtiges Handeln auch keinem Beteiligten leichter. Ein Roman, der sich wunderbarr zwischendurch lesen lässt. Kleine Gefühle, witzige Szenen und eine kuriose Story. Überraschend gut!    

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  • Nilowsky

    Nilowsky
    Ikopiko

    Ikopiko

    02. April 2015 um 12:22

    Marcus Bäcker lebt in der DDR. Berufsbedingt müssen seine Eltern in einen anderen Stadtteil Berlins umziehen und er natürlich mit – äußerst ungern. Einen neuen Freundeskreis baut er sich nicht auf, stürzt sich stattdessen auf die Schularbeiten. Nur einer wird sein Freund: Nilowsky. Nilowsky ist Sohn des versoffenen Kneipenwirts des Viertels. Eine Mutter hat er nicht mehr, sein Vater schlägt ihn, wenn er nicht gerade seinen Rausch ausschläft und so hat Nilowsky sein Leben selbst in die Hand genommen. Er nimmt Marcus unter seine Fittiche und lässt ihn an seinem ungewöhnlichen Leben teilhaben. So lernt Marcus neue Menschen kennen, die alle auf irgendeine Art und Weise eine Macke haben, aber herzensgut sind und Nilowsky Halt geben. Torsten Schulz hat mit „Nilowsky“ einen Roman geschrieben, wie ich ihn lange nicht gelesen habe. Es gibt keinen Höhepunkt, auf den die Geschichte hinausläuft, sonder viele kleine interessante Ereignisse reihen sich aneinander. „Nilowsky“ ist ein starker Charakter. Er hat seinen eigenen Weg gefunden um wenigstens zeitweise seinen Alltag mit der Arbeit in der Kneipe und dem trinkenden Vater zu entfliehen und hat sich mit „schrägen Vögeln“ eine neue Familie gebastelt. Marcus nimmt er in die Familie auf, verlangt aber immer wieder Vertrauensbeweise von ihm. Er hat gelernt, immer auf der Hut zu sein.

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  • Buchverlosung zu "Schattenspieler" von Michael Römling

    Schattenspieler
    mithrandir

    mithrandir

    Langsam kommen wir in den Endspurt der Verlosungswoche; heute könnt ihr folgende Bücher gewinnen:

    - "Please identify" von Thomas Kastura
    - "Nilowsky" von Torsten Schulz
    - "Schattenspieler" von Michael Römling

    http://books-are-fantastic.blogspot.de/2014/06/bloggeburtstag-verlosung-tag-6.html

    • 70
  • Kennst Du nicht das Sprichwort?

    Nilowsky
    MissStrawberry

    MissStrawberry

    24. July 2013 um 14:17

    Markus Bäcker trifft nach dem - von ihm ungewollten - Umzug auf Reiner Nilowsky. Es entsteht eine bizarre, außergewöhnliche Freundschaft zwischen den beiden sehr unterschiedlichen Jungen. Nilowsky ist in Carola verliebt und auch Markus beginnt Gefühle für sie zu entwickeln. Aus Freundschaft zu Nilowsky verdrängt er diese jedoch. Das Leben der beiden entwickelt sich noch mehr in unterschiedliche Richtungen, als anfangs zu ahnen war. Wollte Reiner doch nie wie sein Vater werden, hatte so gute Ansätze zu "mehr" und machte auf Markus (und den Leser) trotz all seiner verrückten Ideen doch den Eindruck, als könnte er es schaffen. Die DDR war jung, die dortigen Bürger noch nicht ganz so sehr gefrustet, es gab Hoffnung. Doch während Markus, still und unauffällig, braver Sohn und angepasster Schüler, Schritt für Schritt seine Zukunft aufbaut, rutscht Nilowsky immer mehr ab. Die Zeit vergeht und Markus, zwar nicht glücklich, aber ohne große Sorgen und Probleme, steht immer mehr auf der Gewinnerseite. Das Ende ist ein wenig deprimierend, aber eigentlich nur logisch. Und es ist der Anfang für Markus Bäckers "freiem" Leben. Denn knapp 15 Jahre, nachdem die beiden Jungs sich begegnet sind, endet das Buch - und kurz darauf war im realen Leben dann der Mauerfall. Torsten Schulz hat ein bezauberndes Buch geschrieben, das die Seele berührt und Spuren hinterlässt. So witzig, wie es streckenweise geschrieben ist, so melancholisch ist es an anderen Stellen dann wieder. Es erzählt auf ganz besondere Weise von der DDR, dem dortigen System, der andersartigen Freiheit der dort lebenden Menschen (sehr vieles im Buch wäre im Westen niemals möglich gewesen), der Gehirnwäsche, dem Umgang mit Umweltgiften und vor allem von Freundschaft und dem Erwachsenwerden. Es fällt auf, dass Markus, der immer zurückhaltend und hilfsbereit ist, Reiner nie beim Vornamen nennt, immer noch "Nilowsky". Das schafft und hält Distanz, das ist eigentlich kein Zeichen von Freundschaft. Und doch ist er ihm ohne Ausnahme treu ergeben und würde nie etwas tun, das Reiner schadet. Sogar die Geschichte mit dem Hühnerblut bestätigt dies: obwohl er soll, verteilt er nichts davon auf Carola, behauptet es aber. Reiner weiß es, sagt dazu aber nichts. Erst viel später bestätigt er Markus, dass es gut war, Carola nicht damit in Berührung zu bringen. Nach und nach tauchen weitere Personen auf, die auf den ersten Blick unwichtig sind, im Gesamtbild aber zur Entwicklung der Geschichte und vor allem zu Markus' Entwicklung beitragen. Sprichworte sind für Reiner die Weisheit schlechthin, deshalb rezitiert er öfter welche. Und immer fragt er dann "Kennst Du nicht das Sprichwort?". Auch andere Personen geben Markus Sprichworte mit. Sein liebstes ist "Gibt nicht nur ne handvoll, gibt ein ganzes Land voll!" "Nilowsky" ist keine lockerleichte Unterhaltung, auch wenn sich das Buch zügig lesen lässt und man es kaum weglegen kann. Aber es berührt tief und hallt lange nach. Die Bücher vom Klett-Cotta-Verlag sind immer sehr hochwertig und sorgfältig gearbeitet. Auch dieses Buch ist auf stabilem, hochwertigem Papier gedruckt. Der Schutzumschlag zeigt ein Motiv, das man versteht, wenn man das Buch gelesen hat. Der Schriftzug des Titels ist leicht erhaben - ein Detail, das ich sehr mag. In meiner Ausgabe lag zudem ein sehr schönes Lesezeichen mit dem Titelbild und auf der Rückseite mit einer Beschreibung der wichtigsten Personen im Buch.

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  • Ein witziger und ebenso melancholischer Roman mit stellenweise schrägen Zügen

    Nilowsky
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    28. May 2013 um 10:53

    T   Mit „Nilowsky“ ist dem Schriftsteller und Filmdramaturg Torsten Schulz ein melancholischer und witziger Roman gelungen, in dem er nicht nur seine eigene Jugendzeit reflektiert, sondern auch ein einfühlsames Bild zeichnet vom Leben im Ost-Berlin der Jahre 1976 ff.   Hauptfigur ist der zu Beginn der Handlung etwa 14- jährige Markus Bäcker, der wenig begeistert ist, als er mit seinen Eltern an den Rand von Berlin zieht, weil der Vater in dem dortigen Chemiewerk einen leitenden Posten übernommen hat. Von der neuen Wohnung blickt Markus aus dem dritten Stock nicht nur auf die stinkende Chemiefabrik, sondern auch auf eine Bahnstrecke mit permanent vorbeiratternden Zügen.   Er tut sich zunächst sehr schwer, sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden. Doch als er den etwas älteren Nilowsky kennenlernt, da wird ihm die Gegend um den Bahndamm zur neuen Heimat. Es ist ein intensives Leben, das er fortan führt, denn Nilowsky macht ihn bekannt nicht nur mit zwei älteren Damen, die wiederum mit den schwarzafrikanischen Gastarbeitern der Chemiefabrik intime Beziehungen pflegen, sondern auch mit seiner Freundin Carola, die Markus bald selbst im Stillen anbetet.   Da gibt es besondere Voodoo-Rituale und ausgefallene und gefährliche Freundshaftbeweise. Besonders beeindruckend und witzig fand ich die Schilderung, als Nilowsky seinen Freund Markus mitten im Winter an die Bahnschienen führt und ihn zwingt, seine Zunge auf das Gleis zu legen. Natürlich friert die sofort an und Markus wird panisch, weil der Siebendreizehner gleich kommt. Nur knapp bevor der Zug vorbeirauscht, pinkelt Nilowsky auf die Zunge und befreit Markus. Während der sich übergeben muss, gibt es für Nilowsky keinen größeren Beweis seiner Freundschaft als diesen.   Torsten Schulz erzählt leicht und lebendig von dieser Freundschaft, die auf eine harte Probe gestellt wird, als Markus sich in Carola verliebt. Er beschreibt die vorziehenden Jahre, wie Markus sie durchlebt und wie er auch später Nilowsky nie vergisst. Ihn zu kennen, hat seine Jugend geprägt, hinter der sich wohl auch viele eigene Erfahrungen des Autors verbergen. „Ich wollte immer einen großen Bruder haben. Mit ‚Nilowsky’ habe ich mir einen erschaffen.“   Ein witziger und ebenso melancholischer Roman mit stellenweise schrägen Zügen. Seine Lektüre ist von Anfang bis Ende ein großes Vergnügen

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  • Pfirsichkern und platt gefahrene Groschen

    Nilowsky
    Ayda

    Ayda

    25. May 2013 um 16:31

    Der 14 jährige Markus Bäcker zieht mit seinen Eltern von Pankow nach Ostberlin da seine Eltern bessere Arbeitsmöglichkeiten in einer Chemiefabrik angenommen haben. Sein Vater ist leitender Ingenieur und seine Mutter Chefsekretärin haben auch ihr sehr suspekten seiten!! Eines Tages lernt Markus Rainer Nilowsky kennen der seinem Vater in der Kneipe vom Bahndamm- Eck hilft und kein leichtes Leben führt. Nilowsky Vater ist Alkoholiker und ist zu dem noch latent aggressiv. Nilowsky ist irgendwie anders, einerseits hat man den Eindruck dass er geistig leicht zurück geblieben ist und andererseits hat er unglaubliche Vorstellungen und Ansichten vom Leben. Die beiden werden Freunde und erleben einiges bis Markus Carola kennen lernt, die große Liebe von Nilowsky und nicht älter als 13 sein will!! Wir begleiten die 3 Jugendlichen in ihrer Entwicklung zum erwachsen werden über einige Jahre. In dem Buch werden Ansatzweise Themen wir Klassenunterschiede,Rassismus, Beziehung zu Eltern und Pubertät zu einer politisch schwierigen Zeit angerissen,im großen und ganzen ein gutes Buch! Ich könnte mir die Story auch als Drehbuch vorstellen. Der Schreibstil ist flüssig und schnell zu lesen,ganz besonders haben mir die kurzen Kapitel gefallen somit wollte man immer weiter lesen. Auch das eingebaute Berlinerisch von Wally hat mir gut gefallen, wenn man das Buch gelesen hat versteht man auch das Cover...

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  • KEINE Rezension von Nilowsky.

    Nilowsky
    nana_what_else

    nana_what_else

    Wenn einen ein Buch zum Würgen bringt, ist das vermutlich ein sicheres Zeichen, dass man es erstmal ad acta legen sollte. Meine Lieben, was jetzt folgt, ist etwas vollkommen Untypisches auf Nana - What else?. Eigentlich etwas Nie-Dagewesenes. Denn auch, wenn ich nicht jede Lektüre genieße, nicht jedes Buch in mir nachhallt, und ich das ein oder andere Geschreibsel lieber schneller als schnell wieder vergesse, erging es mir doch wirklich selten so, dass ich ein Buch tatsächlich abbrechen musste. Umso schlimmer finde ich es, dass es sich dieses Mal um ein Buch handelt, auf das ich mich eigentlich wirklich gefreut hatte: Nilowsky von Torsten Schulz. Ich habe zweimal von vorne begonnen und leider kostete mich jedes einzelne Umblättern Überwindung. Es gibt heute also leider keine Rezension (und auch kein endgültiges "persöndliches" Urteil!!) zu lesen, sondern lediglich eine Begründung, warum ich dieses Buch vorerst einmal wirklich zur Seite lege. Ich werde dem Buch sicher irgendwann eine dritte Chance geben - vermutlich muss ich meinen Magen einfach besser auf diese Lektüre vorbereiten. Nachdem ich mich durch die ersten 100 Seiten gequält habe, machte mir diese Szene nun vollends den Garaus: Er sagte nur: "Ich will einen Vertrauensbeweis. Etwas, das uns beide verbindet. Auf immer und ewig. So etwas will ich." "Was soll ich machen?", fragte ich. "Ganz einfach. Du sollst mit deiner Zunge die Schiene berühren, sollst du." "Aber wir haben Minusgrade. Die friert doch an!" "Dir passiert nichts.Oder vertraust du mir nicht?" Der Wind blies derart kalt über die Gleise, dass ich das Gefühl hatte, die Spucke würde gefrieren, sobald ich meine Zunge nur herausstreckte. "Na los. Bringen wir's hinter uns. Los, mach. los!" [...] Ich ging auf die Knie und berührte, ohne weiter nachzudenken, mit meiner Zunge die Schiene. In Sekundenschnelle wurde sie taub und fror an. [...] Der Siebendreizehner, schoss es mir durch den Kopf. Ich schaute auf meine Armbanduhr. Noch vier Minuten,bis der Siebendreizehner kommen würde. Ich zeigte auf die Uhr, hielt sie Nilowsky hin. "Ich weiß", sagte er, "ich weiß." Mir wurde vor Angst ganz heiß, aber auch die Hitzewallung half nicht, die Zunge von der Schiene zu lösen. Nicht ein bisschen half sie. "Hilf mir, Reiner", bat ich. "Hilf mir doch, hilf mir!" Es war ein dumpfes Lallen, das ich von mir gab. Ich spürte wie mir Tränen aus den Augen flossen, während Nilowsky mit gütiger Selbstsicherheit sagte: "Natürlich helfe ich dir. Was dachtest du denn? Dass ich dir etwa nicht helfe, dachtest du das?" Ich konnte mir nicht vorstellen, das er mich nicht half. Aber Angst hatte ich trotzdem. Noch drei Minuten. Wieder schaltete er die Taschenlampe ein und richtete das Licht auf mein Gesicht. Auf einmal schmeckte ich etwas Warmes, Modrig-Bitteres, Salziges auf meiner Zunge. Reiners Urin. Ein lange währender, kräftiger Strahl, zielgenau. Langsam löste sich meine Zunge von der Schiene. Ich heulte vor Ekel und Wut und Dankbarkeit. Kaum dass die Zunge frei war, rannte ich die Böschung hinunter, stolperte, stürzte, kotzte. Kotzte so heftig, dass ich fast nicht mehr atmen konnte. Nilowsky war bei mir. Nahm mich in seine Arme. [...] Der Siebendreizehner schepperte an uns vorbei und Nilowsky sagte: "Das war der Vertrauensbeweis, war das." [Seiten 91-92] Es tut mir leid, ich breche an dieser Stelle ab. Allerdings mit dem Versprechen, es irgendwann erneut mit Nilowsky zu versuchen. Irgendwann. Nichtsdestotrotz gibt's meinen persönlichen Soundtrack zum bisherigen Leseeindruck: Jap, der Titel ist Programm: "Disappointed" von The Frames.

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    • 9
  • Bestechender Schreibstil

    Nilowsky
    sapadi

    sapadi

    01. April 2013 um 09:27

    Nach dem lesen dieses Buches fehlten mir erstmals die Worte, die Eindrücke zu beschreiben. Das lag allerdings nicht daran das dieses Buch gut oder schlecht ist, sondern das es einfach anders ist. Von der ersten bis zur letzten Seite habe ich die Eigenheiten des Buches genossen. Ich würde mir selbst bei einer Zuordnung in eine der Genre schwer tun. Auffällig ist der Schreibstil des Autoren. Die Protagonisten werden so gut dargestellt, dass man trotz der Eigenheiten sofort eine Verbindung zu ihnen aufbaut. Es entsteht eine kleine eigene Welt in die man als Leser gerne eintaucht. Manchmal ein wenig eigentümlich, aber immer so nah am Leben das man glaubt es könnte sich im normalen Leben abspielen. Vielleicht schon im Haus nebenan. Sehr gelungen auch die Besonderheiten in Nilowskys Sprache, die durch ihre Eigenheit besticht und nach ein paar Mal lesen in Fleisch und Blut übergeht. Auch wächst die Sprache trotz der Eigenheiten, beim Altern von Nilowsky, mit. Auch die Dialekte sind sehr gut zu verstehen und zu lesen. Leider hat die Story schon ein paar Längen und es sind zu viele Lücken beim Altern der Protagonisten, allerdings wird das durch das gute Ende teilweise ausgeglichen. Fazit: Ein etwas andere Buch, das mich wirklich überzeugt hat. Vor allem der Schreibstil hat mich neugierig auf die anderen Bücher des Autoren gemacht.

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  • Jugend ohne Wiederkehr

    Nilowsky
    mecedora

    mecedora

    18. March 2013 um 20:40

    Markus Bäcker zieht mit seinen Eltern an den Rande von Berlin - in die tiefste graue Stadtrandprovinz, geprägt von Chemiewerksdämpfen und vorbeiratternden Zügen auf dem nahegelegenen Bahndamm. Trist ist es, trist wie die 70er Jahre in der DDR am vergessenen Rand einer Großstadt eben waren. Doch dann lernt Markus Reiner Nilowsky kennen, den titelgebenden Protagonisten dieses schrägen Romans. Nilowsky ist anders, er spricht anders, er denkt anders, er glaubt an seltsame Dinge - eigentlich ist er niemand, den man sympathisch finden oder gar gern haben könnte. Und trotzdem übt er, vielleicht gerade wegen seiner Andersartigkeit, auf Markus eine starke Faszination aus. Markus schaut zu ihm auf, folgt ihm, will Nilowsky gefallen - er will sein Freund sein. Als er sich dann auch noch in Carola verliebt, das Mädchen, das auch Nilowsky begehrt, wird ihre seltsame Freundschaft auf eine harte Probe gestellt. Torsten Schulz' Roman "Nilowsky" begleitet Markus Bäcker durch seine Jugend, eine triste Jugend voller seltsamer Gestalten, Erfahrungen und Begebenheiten, eine Jugend ohne Wiederkehr. "Nilowsky" behandelt das Erwachsenwerden, das Erwachsenwerden mit all seinen Problemen, widersprüchlichen Emotionen und Konflikten. Und der Roman zeigt, dass diese Konflikte und Emotionen weit über die Jahre der Pubertät hinausreichen, begleitet er Markus (und mit Markus immer auch Nilowsky) ca. 20 Jahre durch sein Leben. Wichtige Themen sind es, die angeschnitten werden - aber oft leider nur angeschnitten. Große Emotionen werden behandelt - mir an den allermeisten Stellen aber nicht eingehend genug. Ich kann mich nur selten in die erzählten Begebenheiten einfühlen - geschweige denn mit den Protagonisten mitfühlen.  Torsten Schulz' Figuren sind schräg. Das mag ich eigentlich. Aber diese Figuren sind auf eine derartige Weise schräg, dass sie nur noch seltsam sind, nicht skurril, wie ich es mir gewünscht hätte. Sie bleiben flach, wenig charismatisch und muten bisweilen unheimlich an. Stilistisch ist das Buch flüssig geschrieben, es liest sich gut und im Grunde auch schnell. Trotzdem habe ich für die Lektüre recht lang gebraucht, weil mich das Buch nur sehr wenig fesseln konnte und ich es immer wieder weggelegt habe.  Stellenweise, vor allem, wenn Nilowsky spricht, bedient sich Torsten Schulz eines recht außergewöhnlichen, oft telegrammartig anmutenden, Stils. Anfangs hat mich das sehr angesprochen, mit wachsender Menge dieser Textpassagen nervte es mich jedoch zunehmend. "Melancholisch, witzig, schräg, beseelt, kultverdächtig" - so feiert der Klappentext das Buch. Melancholisch und schräg kann ich unterschreiben, den Rest - leider - nicht. Für mich blieb "Nilowsky" seltsam seelenlos, belanglos, witzlos.  Sehr positiv hervorzuheben ist bei all dieser Kritik die Covergestaltung, die mich nach wie vor sehr anspricht und ursprünglich auf dieses Buch überhaupt erst aufmerksam machte. Schade, von diesem Buch hatte ich mir eine außergewöhnlichere und stärker nachklingende Leseerfahrung erwartet. Ich kann für "Nilowsky" lediglich 2 Sterne vergeben.

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  • Nilowsky - das Hörbuch

    Nilowsky
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    17. March 2013 um 10:47

    ZUM HÖRBUCH INHALT Markus Bäcker zieht in den 70er Jahren im Alter von 14 mit seinen Eltern an den Rand von Berlin, wo beide eine Anstellung in einer Chemiefabrik bekommen haben. Aus seinem gewohnten Umfeld gerissen, tut Markus sich schwer, neue Freunde zu finden. Lediglich der drei Jahre ältere Reiner Nilowsky, der Sohn des Barbesitzers von nebenan, fasziniert ihn. Doch Reiner ist anders als andere gleichaltrige - er spricht anders, denkt anders, lebt anders. Und gerade deshalb zieht er Markus in seinen Bann. Mit ihm erlebt er eine völlig neue Welt und lernt neue Menschen kennen. Doch als er sich in Carola verliebt, auf die Reiner aber Anspruch anmeldet und die er irgendwann heiraten will, ergibt sich eine Dreiecks-Beziehung, die auf Dauer nicht gut gehen kann.. MEINE MEINUNG Ich bin leider mit dem Hörbuch nicht warm geworden. Ich fand den Sprecher - Sebastian Zimmler - sehr angenehm, doch ich fand schade, dass er die Figuren mittels seiner Stimmlage nicht deutlicher ausgearbeitet hat. Lediglich den Dialekt hat er sehr schön dargestellt. Der Schreibstil jedoch war nicht meins. Die Erzählung startet unvermittelt mittendrin, und in einer Rückblende wird dann der Anfang erzählt. Normalerweise stört mich soetwas nicht, doch in diesem Fall hat es mich verwirrt und ich habe eine Weile gebraucht, bis ich hinein gefunden habe. Auch Nilowskys Grammatik fand ich sehr anstrengend, und die Tatsache, dass sowohl Carola als auch Markus sie irgendwann adaptieren, hat mich irgendwann sehr genervt. Der Protagonist Markus, aus dessen Sicht die Geschichte in Ich-Form erzählt wird, definiert sich scheinbar nur über Nilowsky, Carola und seine Freundschaft bzw Verliebtheit, sodass sein eigener Charakter sehr blass bleibt und kaum an Tiefe gewinnt. Nilowsky schien mir zu schräg und merkwürdig, und ich habe nicht nachvollziehen können, wieso er auf Markus so anziehend wirkte. Er leitet sich seine eigene Weltsicht "logisch" her und hält damit nicht hinterm Berg - er lässt aber auch keinen Widerspruch gelten und scheint mehr einen Mitläufer, vielleicht sogar "Fan" gesucht zu haben, als einen wirklichen Freund, der ihm gleichberechtigt ist. Carola habe ich auch nie verstanden. Sie scheint ebenso wie Markus völlig vereinnahmt von Nilowsky, obwohl sie ihn nie begehrt, und dabei völlig unfähig, sich dieser Anziehungskraft zu entziehen. Witzigerweise wirft sie Markus das vor, obwohl sie selbst nicht dazu in der Lage ist, sich von Reiner zu lösen. Für Fans solcher Bücher vielleicht ein Schmankerl, für mich war es nichts. Ich fand die gesamte Geschichte mehr als skurril und habe mich öfter gefragt, was die Quintessenz der Story ist. Mir hat irgendwo ein wenig die Bedeutung oder das Fazit gefehlt, mir hat die Erzählweise nicht gefallen und der Schluss hat mich enttäuscht. Nur für Sebastian Zimmler gibt es einen zweiten Stern.

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  • Rezension zu "Nilowsky" von Torsten Schulz

    Nilowsky
    Ancareen

    Ancareen

    04. March 2013 um 22:09

    Das ist eine Geschichte übers Erwachsen werden in den 70iger Jahren - die bizarre Geschichte von Reiner Nilowskiy, Markus Bäcker und Carola Worgitzke, wie sie sich kennen lernen auf eine seltsame Art "befreundet" sind, geschildert aus der Sicht von Markus. Er ist 14 Jahre alt und zieht mit seinen Eltern aus der Berliner Innenstadt in die Nähe eines Chemiewerkes am Stadtrand. Seine Eltern sind glücklich über den beruflichen Aufstieg. Doch er findet keinen Anschluss. Dann trifft Markus auf den 17järigen Außenseiter Reiner, der seinem Vater in der Kneipe hilft. Er ist fasziniert von Reiners Art, die Dinge zu sehen. Schräge Gedanken und skurrile Zusammenhänge, eine gefährliche Mutprobe besiegelt die Freundschaft zwischen den beiden. Reiner vertraut ihm allerlei Geheimnisse an. Zum Beispiel, dass Carola seine Braut ist. Sie ist sehr zierlich und klein, denn sie hatte mit 13 beschlossen mit dem Wachsen aufzuhören. Er nimmt ihn mit zum Bahndamm, zeigt ihm die Baracke, in der die mosambikanischen Gastarbeiter untergebracht wurden. Ein Voodoo-Zauber soll die Liebe in Carola entfachen, natürlich zu Reiner, der beim Köpfen des Huhns mit dabei ist, und auch auf Markus Mutter wirken, so wünscht es sich einer der Mosambikaner, die das Ritual ausführen. Markus erhält den Auftrag die beiden Angebeteten heimlich mit Blut von dem geopferten Huhn zu beschmieren. Exotische Begebenheiten in einem DDR-Alltag, den man neben den ganzen absonderlichen Geschichten wahrnehmen kann. Markus ist einerseits fasziniert von Reiner, andererseits fürchtet er ihn. Er fühlt sich zu Carola hingezogen. Sie spielt ihre Spielchen mit ihm. Doch ihm ist klar, dass Reiner und Carola zusammengehören, selbst als Reiner ins Gefängnis muss. Markus leistet seinen Grundwehrdienst und will Lehrer werden. Carola und Reiner heiraten. Immer wieder trabt er hinter Reiner her, wenn der zu ihm sagt: „Komm mit“. Reiners Geschichten und Reaktionen sind immer unberechenbar und er erklärt sich die Welt auf seine Weise. Er wirkt manchmal recht bedrohlich und duldet keinen Widerspruch gegen seine verrückten Ansichten. Letzten Endes verfällt auch er dem Alkohol, wie schon sein Vater, der ihn misshandelte und vor dem Reiner in den Tod flüchten will. Er verschwindet aus der Geschichte, könnte aber jederzeit wieder im Leben von Markus auftauchen. Eine obskure Geschichte, die ich nicht aus der Hand legen konnte.

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  • Rezension zu "Nilowsky" von Torsten Schulz

    Nilowsky
    Herbstrose

    Herbstrose

    03. March 2013 um 00:28

    Der Roman „Nilowsky“ von Torsten Schulz handelt in Ost-Berlin und beginnt im September 1976. Er erzählt die Geschichte dreier Jugendlicher und ihre Entwicklung über einen Zeitraum von ungefähr 20 Jahren. – Markus Bäcker ist 14 Jahre alt, als seine Eltern in eine düstere Industriegegend am Rande Berlins ziehen. Dort trifft er auf den 17-jährigen Reiner Nilowsky, Sohn eines versoffenen und prügelnden Kneipenwirts. Markus ist von Nilowsky, von dessen eigenartigen Gedanken, kuriosen Meinungen und absonderlichen Theorien, fasziniert – ja er ist ihm geradezu hörig. Markus macht alles was Nilowsky befiehlt, auch wenn es ihn in Lebensgefahr bringt. Diese seltsame „Freundschaft“ bekommt die ersten Risse, als Nilowsky seine Freundin Carola mitbringt, in die sich auch Markus verliebt. – Die Personen der Geschichte, selbst die Randfiguren, sind allesamt seltsam verschroben und irrwitzig, weitab einer Normalität. Eine bedrückende, deprimierende Stimmung ist vorherrschend. Trotz teilweise abgehackter Sprechweise und eingestreuter Berliner Mundart lässt sich das Buch ganz gut lesen. Eine seltsame Story, die dem Leser wohl noch längere Zeit in Erinnerung bleiben wird.

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  • Rezension zu "Nilowsky" von Torsten Schulz

    Nilowsky
    Anni1609

    Anni1609

    28. February 2013 um 15:35

    Eine Dreieicksbeziehung Reiner Nilowsky lebt etwas außerhalb vom Berliner Stadtzentrum, in der Nähe eines Chemiewerks, in einer eher heruntergekommenen Wohngegend. Sein Vater ist Kneipenwirt vom „Bahndamm-Eck“ und regelmäßig betrunken. Nilowsky lebt eher in den Tag hinein und lernt eines Tages Markus Bäcker kennen, der vom Prenzlauer Berg mit seinen Eltern zugezogen ist. Schnell baut er zu Markus Kontakt auf und versucht sich mit diesem anzufreunden. Er weiht ihn in seine Geheimnisse des Lebens ein, verbringt mit ihm Nachmittage neben den Bahngleisen und stellt ihm Bekannte vor, zumeist ältere alleinstehende Damen. Auch mit den Mozambiquanern, die als Gastarbeiter im Chemiewerk tätig sind, macht Nilowsky Markus bekannt. Schnell macht er zudem klar, dass er später einmal Carola, ein 17-jähriges Mädchen, das neben seiner Großmutter wohnt, ehelichen möchte. Problematisch wird dieses Wissen für Markus allerdings erst, als auch er Gefühle für Carola entwickelt. Nach kurzer Zeit zieht Markus erneut mit seinen Eltern um, weg vom „Bahndamm-Eck“ und der verruchten Gegend. Der enge Kontakt zu Nilowsky und Carola wird geringer, aber nach einiger Zeit holt ihn die Vergangenheit ein. Der Roman „Nilowsky“ von Torsten Schulz hat mich während des Lesens häufiger verwirrt und teilweise abgeschreckt. Torsten Schulz zeichnet seinen Protagonisten Nilowsky wahnsinnig authentisch. Der Leser nimmt ihn von der ersten Sekunde als waschechten Berliner, Angehörigen der Unterschicht und Opfer seiner Ursprungsfamilie wahr. Nilowsky spricht ausschließlich in tiefstem berlinerischen Dialekt und wirkt durch ständige Wiederholungen seines eigens Gesprochenen etwas dümmlich. Bereits durch erste Beschreibungen von Nilowsky durch den Autor, hat der Leser direkt ein Bild vor Augen vom Protagonisten. Sein Handeln ist für den Leser stets nachvollziehbar, auf der Basis des Bildes, das sich der Leser von ihm machen kann. Markus wird vom Autor als klischeehafter Gegencharakter dargestellt. Er ist Einzelkind einer gut bürgerlichen Familie und hat uneingeschränkten Zugang zur Bildung. Er empfindet für die gemeinsamen Aktivitäten mit Nilowsky überwiegend Neugierde und möchte vor allem nicht als Schwächling dastehen. Im Gegensatz zu Nilowsky hat er die Möglichkeit, seinen weiteren Werdegang selbstständig bestimmen zu können. Carola ist ein 17-jähriges Mädchen, das beschlossen hat, nicht älter als 13 sein zu wollen. Carola gibt sich unabhängig und wahnsinnig tough, ist in ihrem Inneren aber eher unsicher. Sie ist Tochter von sozialistischen Eltern, überbehütet und befindet sich am Beginn der Revolution gegen die Eltern. Die Handlung verläuft zeitlich chronologisch und wird aus Sicht von Markus in der 3. Person wiedergegeben. Für den Leser ist stet nachvollziehbar, welche Person spricht und an welchem Ort die Handlung aktuell spielt. Im Laufe des Romans werden die Zeitsprünge stets größer. In etwa die erste Hälfte des Buches spielt sich innerhalb eines Jahres ab, anschließend vergehen manchmal mehrere Jahre zwischen zwei Kapiteln. Die Kapitellängen waren in meinen Augen angenehm kurz. Es war stets möglich, eine Lesepause einzubauen. Außerdem wollte ich als Leser auch immer gern wissen, wie die Handlung weiter verlaufen wird. Schockiert hat mich zeitweise die derbe Sprachwahl. Besonders Nilowsky und Carola sprachen häufig über „Schwänze“, „Geilheit“ und dergleichen. Diese Ausdrücke unterstrichen natürlich auch das Bild, dass sich der Leser von ihnen bereits gemacht hat, also das eines Unterschichtmilieus-Angehörigen. Die Satzlängen waren kurz bis abgehakt. Auf verschachtelte Sätze hat der Autor gänzlich verzichtet, was sicher auch zum besseren Verständnis führt. Der Roman war flüssig zu lesen, auch wenn ich ab und zu das Gefühl einer Inhaltslosigkeit hatte. Der Schreibstil des Autors war brillant. Der Autor lässt in seinem Roman auch die politische Ordnung zur damaligen Zeit nicht außen vor. Die DDR und die regierenden Parteien werden häufiger während der Handlung erwähnt und kritisch beleuchtet. Ebenso nimmt er das Thema Gastarbeiter auf, die zur damaligen Zeit wohl noch eher eine Ausnahme gewesen sind. Mit seinem Roman verdeutlicht Torsten Schulz meiner Meinung nach die schon damalige große Diskrepanz zwischen den verschiedenen Gesellschaftsschichten. Er zeigt auf, dass eine Freundschaft über die Schichten hinaus kaum eine Chance hat. Zudem prangert er meiner Meinung nach die geringen Entwicklungsmöglichkeiten für Kinder, die der Unterschicht entstammen, an. „Nilowsky“ von Torsten Schulz ist in gebundener Form erschienen und verfügt zudem über einen Umschlag. Das Cover des Romans ist in meinen Augen sehr gut gewählt, erklärt sich dem Leser allerdings erst im Laufe der Handlung. Das Buch ist enorm hochwertig gestaltet, die Seiten sind ein wenig verstärkt und fassen sich sehr gut an. Der Leser erhält eine Zugabe in Form eines Lesezeichens, das auf einer Seite das Cover erneut abbildet und auf der anderen Seite kurz die wichtigsten Charaktere aufzählt, mit einigen auffälligen Merkmalen. „Nilowsky“ hat mich hin und her gerissen. Besonders geschockt war ich wohl von der Tatsache, dass der Autor zuvor geäußert hat, er habe unbedingt einen Bruder haben wollen und deshalb Nilowsky erschaffen. Das hat mich schockiert, vor allem nachdem ich einige Seiten des Buches gelesen hatte. Es kann meiner Meinung nach nicht erstrebenswert sein, einen Bruder zu haben, der ständig säuft, sich ordinär ausdrückt, in den Tag hinein lebt und am liebsten Menschen töten würde, die ihm nicht in den Kram passen. Mit dieser Information vom Autor vorbelastet, habe ich den Roman begonnen zu lesen und war doch schnell perplex. Eigentlich ist das Buch sicher sehr wertvoll, vor allem auf dem Hintergrund der Gesellschaftskritik. Ab und zu war ich allerdings nur genervt von dem vielen Berlinerischen. Der Roman ist keine leichte Kost, dafür aber schnell lesbar. Schwierig ist für mich, diesen Roman jemandem weiterzuempfehlen, da ich aktuell nicht einschätzen kann, für welche Menschen er von Interesse sein könnte. Somit von meiner Seite eine eingeschränkte Leseempfehlung.

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