Torsten Weiler

 4,5 Sterne bei 10 Bewertungen
Autor*in von Der Seidenweber, Glücksorte in Krefeld und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Torsten Weiler ist in Krefeld aufgewachsen und kennt die Stadt als Journalist genau. Während seines Studiums hat er für die Rheinische Post geschrieben und danach als Redakteur beim WDR-Fernsehen unter anderem aus dem Hauptstadtstudio in Berlin berichtet. Seit einigen Jahren arbeitet er im Landesstudio Düsseldorf im Team der „Lokalzeit“. Nebenher schreibt er Bücher - unter anderem über Krefeld und den Niederrhein. Auf die Idee für „Der Seidenweber“ ist er bei Recherchen zur eigenen Familiengeschichte gekommen. Dabei hat er entdeckt, wie fesselnd das 19. Jahrhundert in Krefeld war - mit seinem schillernden Reichtum und seinen harten Konflikten. Die Geschichte des Seidenwebers Gustav Puller ist auch die Geschichte seiner Vorfahren.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Torsten Weiler

Cover des Buches Der Seidenweber (ISBN: 9783839206829)

Der Seidenweber

(8)
Erschienen am 09.10.2024
Cover des Buches Glücksorte in Krefeld (ISBN: 9783770022403)

Glücksorte in Krefeld

(1)
Erschienen am 10.03.2021
Cover des Buches Happy Kunst am Niederrhein (ISBN: 9783770021376)

Happy Kunst am Niederrhein

(1)
Erschienen am 17.04.2019

Neue Rezensionen zu Torsten Weiler

Cover des Buches Der Seidenweber (ISBN: 9783839206829)
Bellis-Perenniss avatar

Rezension zu "Der Seidenweber" von Torsten Weiler

Bellis-Perennis
Einblick in das Leben der Seidenweber von Krefeld

Torsten Weiler, Journalist und Autor, ist in der Seidenstadt Krefeld aufgewachsen und hat mit diesem historischen Roman auch seiner eigenen Familiengeschichte gedacht. Reisen wir mit ihm zurück in die Stadt Krefeld des Jahres 1820 und lesen die interessante Lebensgeschichte seines Vorfahren Gustav Puller (1820-1863) 

Worum geht’s? 

Gustav Puller, Sohn des Bäckers, wird 1820 geboren, isst zwar gerne das Brot und die anderen Backwaren aus der väterlicher Bäckerei, seine Liebe gilt seit Kindheitstagen der Seide und deren Herstellung. Das hat er nämlich bei seinem Schulfreund Willi, dessen Familie Seidenweber in Heimarbeit sind, gesehen. Er ist fasziniert, wie einzelne Fäden zum feine Gespinst verwoben werden. Und, Gustav ist wissbegierig! er liebt es zu lernen und ist zunächst enttäuscht, als er mit der Schule aufhören muss. Doch dann darf er, nachdem einer seiner Bruder das Bäckerhandwerk erlernt, gemeinsam mit Willi bei einem renommierten Krefelder Seidenweber in die Lehre gehen.  

Die Arbeit ist hart, doch es gelingt den beiden, eine eigene kleine Lohnweberei zu eröffnen, in der sie später, dann schon auf den höchst komplexen Jacquard-Webstühlen, die Lochkarten betrieben werden, die Krefelder Krawattenseide weben.  

Natürlich geht das nicht ohne zahlreiche Schwierigkeiten ab. Da sind zum einen die Abhängigkeit vom Seidenverlegern, der ihnen zu Beginn sowohl den Webstuhl als auch das Material zur Verfügung stellt, sodass die Weber „nur“ die Arbeitskraft zur Verfügung stellen. Die Bezahlung ist eher schlecht und bei krankheitsbedingter Verzögerung der Lieferung gibt es kräftige Abzüge. Aber das Gewerbe ist auch von der Konjunktur und vom Markt abhängig. Als in Amerika Krefelder Seide gefragt ist,werden Dutzende Weber und Weberinnen angelernt, nur um beim späteren EInbruch des Exports sofort entlassen zu werden. Das führt zur Verarmung der Bevölkerung uns in weiterer Folge 1848 zu Revolution.  

Das Leben der Seidenweber hängt am sprichwörtlichen seidenen Faden.  

Als dann 1849 Krefeld an das Eisenbahnnetz angeschlossen wird, scheint es wieder aufwärts zu gehen. 

Als diese Ereignisse verpackt Autor Torsten Weiler in einen fesselnden historischen Roman. Gleichzeitig erfahren wir wie Webstühle aufgebaut sind, was Schuss und Kette sind, wie man das Schiffchen und die Fächer bedient. Sehr geschickt ist die Erklärung über die Funktion des Jacquard-Webstuhles in die Handlung integriert. Das hat mich gleich an die Führung in einer Weberei im österreichischen Waldviertel erinnert, wo ich das Weben an unterschiedlichen Webstühlen, einfache und originalen Jacquard-Webstühlen erklärt bekommen habe und auch ausprobieren durfte. 

Dass diese zunächst halbautomatischen und später mit Dampf betriebenen Webstühle zahlreiche Weberfamilien arbeitslos gemacht haben, und z.B. in Lyon zur Zerstörung der Maschinen durch brotlosen Weber geführt haben, lässt sich auch nachvollziehen. Einen kurzen Einblick in so eine Fabrik erhalten wir als Gustav, Willi und Theo nach Gladbach reisen, um Theos Tochter nach Hause zu holen, die nach einem Zerwürfnis mit dem Vater ausgerissen ist.  

Torsten Weilers Schreibstil ist flüssig und lässt die Zeit zwischen 1820 und 1870 mit all ihren Facetten sehr gut auferstehen. Das Leben der Menschen ist detailliert beschrieben. So wird am Markt eingekauft, so mancher Dieb muss am Pranger stehen und wir erfahren auch, dass es so etwas wie Armenfürsorge gibt, 

Aufgefallen ist mir, weil ich mich selbst schon mit der Geschichte Seidenerzeugung in Wien beschäftigt habe, dass der neugierige Gustav nie fragt, woher die Seidenfäden kommen. Er beschäftigt sich zwar mit Flora und Faune, die er im Garten findet, aber die Seidenraupen und die Maulbeerbäume finden keine Erwähnung. Kann natürlich sein, dass die Seidenraupenzucht in Krefeld wegen des nicht passenden Klimas keine Rolle gespielt hat und man die Rohseide aus Lucca oder Lyon importieren musste. In Wien hat nämlich Maria Theresia (1717-1780) angeordnet, eine eigene Seidenraupenzucht inklusive der Pflanzung von Maulbeerbäumen zu beginnen. Hat nicht wirklich gut funktioniert. Einzelne Maulbeerbäume haben das Experiment überlebt.  

Wenn ich die Ankündigung richtig im Kopf habe, so wird es eine Fortsetzung geben, auch wenn Gustav Puller nicht mehr am Leben ist. Sein kleiner Sohn Peter ist ähnlich neugierig wie er und liebt Stoffe. Sein Berufswunsch: er will Schneider werden.  

Fazit:

Dieser historische Roman hat mir sehr gut gefallen, weshalb er eine Leseempfehlung und 5 Sterne erhält. 

 

 

Cover des Buches Der Seidenweber (ISBN: 9783839206829)
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Rezension zu "Der Seidenweber" von Torsten Weiler

clematis
Seiden - Raupen

Im Jahre 1820 erblick Gustav als viertes Kind seiner Mutter das Licht der Welt und gerät in turbulente Zeiten: die Seidenweberei erlebt einen Aufschwung, Telegrafie, Eisenbahn und Dampfmaschinen verändern die Zeit und bald darauf bricht die Konjunktur drastisch ein. Torsten Weiler erzählt aus Gustavs Pullers Leben und damit die Geschichte seiner Vorfahren.

Tatsächlich stellt Weiler historische Figuren in einen Mix aus realen und hinzuerfundenen Elementen, sodass ein schlüssiger Bericht entsteht. Dabei beschränkt sich der Autor auf wesentliche Szenen und Episoden, mitunter mit größeren Zeitsprüngen, sodass keine langatmigen, sich wiederholenden Aufzählungen den Lesefluss stören. Von der Geburt bis zu seinem Tod dürfen wir Gustav begleiten, seine Familie und Freunde kennenlernen. Das Dasein für den Bäckersohn ist einfach, aber nicht unglücklich. Sowohl mit dem ärmeren Webersohn Willi als auch mit den wohlhabenden Kindern von Gut Cracau vergnügt er sich in Kindertagen, entdeckt am Ende seiner Schulzeit die Liebe zu feinen Stoffen und Mustern und erlernt alsdann den Beruf eines Seidenwebers. Die beschwerlichen Tage mit mitunter 16 Stunden Arbeit pro Tag, die Aufstände während des Wirtschaftseinbruches, den Zusammenhalt innerhalb der Familie und vieles mehr verpackt Torsten Weiler in ein abwechslungsreiches Buch, welches uns die Zeit damals sehr gut vor Augen führt. Ein wenig mehr aus der Gefühlswelt der einzelnen Personen hätte mir noch besser gefallen, aber vielleicht zeigt dies genau das, was im 19. Jahrhundert vonnöten war: Lohnkürzungen, Kindstod, Ernteausfälle und andere Schicksalsschläge mutig annehmen und nach vorne schauen, denn das Leben muss einfach weitergehen. Die Entwicklung der Raupe zum Schmetterling wird in diesem Zusammenhang ausgezeichnet in die Handlung eingebettet. 

Ein interessanter Querschnitt aus dem Leben einfacher Bürger und Arbeiter in Krefeld, welches für spannende Lesestunden sorgt. 

 


Titel                                  Der Seidenweber

Autor                                Torsten Weiler

ASIN                                B0D1VPRNQ1

Sprache                           Deutsch

Ausgabe                          ebook, ebenfalls erhältlich als Taschenbuch (400 Seiten) 

Erscheinungsdatum        9. Oktober 2024

Verlag                              Gmeiner

Cover des Buches Der Seidenweber (ISBN: 9783839206829)
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Rezension zu "Der Seidenweber" von Torsten Weiler

shilo
Kurzweilig und abwechslungsreich

Im Jahr 1820 kommt der Bäckersohn Gustav (1820-1863) zur Welt. In seiner Jugend erlebt er Aufstände der Weber, die eine bessere Bezahlung für ihre Arbeit fordern, da die Arbeitgeber durch den gewaltigen Einbruch der Konjunktur die Löhne drastisch kürzen. Durch die dadurch aufgekommene Armut hungern die Menschen und es kommt zu Gewaltausbrüchen. Trotzdem träumt Gustav davon, Seidenweber zu werden. Er lernt als junger Mann Johanna kennen und lieben, eine Frau, die scheinbar Geheimnisse hat. Auch stellt er sich die Frage, warum seine Eltern erst sehr spät geheiratet haben.

In diesem Buch erzählt Torsten Weiler die Geschichte seiner Vorfahren, die im 19. Jahrhundert in der reichen Seidenstadt Krefeld lebten. Hier standen in fast allen Haushalten Webstühle, auf denen die Familien für wenig Geld 12 Stunden täglich für die Seidenbarone in Heimarbeit den kostbaren Seidenstoff herstellten. Auch gibt er interessante und fesselnde Einblicke in das Geschehen in der Stadt Krefeld, die durch die Seidenweberei einen kolossalen Aufschwung erlebte und zu den reichsten Städten von Preußen zählte.

Realhistorische Personen und Begebenheiten hat der Autor gekonnt miteinander verbunden und die einzelnen Charaktere vielschichtig angelegt und ausgearbeitet. Die Handlung ist voller Spannung, emotional, reich an Wendungen und nachvollziehbar. Ein flüssiger und angenehmer Schreibstil macht das Lesen zu einem Genuss.

Mich hat dieses Buch sehr gut unterhalten und mir neue Einblicke in die Geschichte der Stadt Krefeld des 19. Jahrhunderts gegeben. 4 Sterne und eine Leseempfehlung.


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