Torunn Siegler Machtmenschen

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Inhaltsangabe zu „Machtmenschen“ von Torunn Siegler

Der postfaktische Gesellschaftsroman deutet den Zeitgeist mit dem Bild einer NS-Diktatur im Jahr 2017. Torunn Siegler präsentiert in ihrem politischen Roman Machtmenschen eine perfekt inszenierte arische Urlaubsidylle im kolossalen Seebad auf Rügen. Zumindest wird dies den 20 000 Gästen suggeriert. Doch genießen sie den Aufenthalt wirklich? Welche Positionen nehmen die Heerscharen von Angestellten, Arbeitsmaiden und Ostarbeitern in diesem Gefüge ein? Und wie gedenkt Joseph Goebbels Tochter, die NSDAP-Führerin Hedwig, die Geschicke der Deutschen im Jahr 2017 zu lenken? Der Blick auf fünf Einzelschicksale zeigt die Abgründe dieser Gesellschaft: nah, verstörend und unausweichlich. Die Nationalsozialisten beherrschen die Welt von heute mit allen Möglichkeiten der Informationstechnologie und Digitalisierung. Europa ist unter deutscher Führung vereint, nur der Endsieg gegen den letzten Gegner - Amerika - fehlt noch zum Weltfrieden. Den Deutschen geht es wirtschaftlich so gut wie nie zuvor, doch die politische Passivität kostet jeden einen Preis. Heidrun aus München will auf Rügen ihren Sohn besuchen. Doch die Reise ist von Vorahnungen überschattet, die in einer Katastrophe enden. Nicht anders ergeht es Bernhard, ihrem Sohn und SS-Offizier, Waltraud, der Arbeitsmaid, und Bogdan, dem Ostarbeiter. Die Führerin Hedwig will in einer epochalen Rede einen strategischen Wechsel in der Politik der Nationalsozialisten ankündigen, wird dabei von den Ereignissen überrollt. Akribisch recherchiert, fundiert und bis ins Detail ausgearbeitet, wird der Leser tief in eine postfaktische Welt hineingezogen, die bekannt und doch befremdlich wirkt. Macht ist immer ambivalent: einerseits konstruktiv und unabdingbar, anderseits destruktiv, wenn sie in Gewalt umschlägt. Die Folgen der Macht erleben diese Menschen tagtäglich am eigenen Leib. Macht bestimmt nicht nur das gesellschaftliche Miteinander und die Arbeitswelt, sondern auch das Private und das Familienleben. Wie Getriebene suchen die Menschen nach einem sicheren Ort. In Zeiten des staatlichen Machtmonopols und der Entwicklung hin zu globalen rechtspopulistischen Akteuren und Parteien stellt das spannende und brandaktuelle Buch die Haltung jedes Einzelnen in Frage.

Ein 'Was wäre, wenn...'-Szenario von brillanter Farbenpracht und beänstigenen Kopfkinomonenten....

— widder1987

Ein ausgezeichnet recherchiertes Buch mit hohem Anspruch. Sehr empfehlenswert!

— Cornelia_Ruoff

Eine interessante Dystopie, die mich jedoch emotional nicht abholen oder als Leser herausfordern konnte.

— Thoronris

Erschreckend aktuell und bewegend

— Nicola_BMG1900

Ein Zerrbild unserer Zeit, das erschreckend aktuell ist. 1984 meets 2017.

— Siegler

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  • Leserunde zu "Bücherwürmer und Leseratten" von Bettina Mähler

    Bücherwürmer und Leseratten

    ChattysBuecherblog

    Wie Ihr aus dem Titel entnehmen könnt, treffen sich hier die Bücherwürmer und Leseratten. Und zwar zum gemeinsamen SUB-Abbau. Oft stehen wir vor dem Regal und fragen uns, welches Buch wir als nächstes lesen sollen.  Hier kommt die Lösung. Wir lesen einfach nach einem Monatsmotto. Das Ganze funktioniert so: Ich gebe jeweils zum Monatsanfang ein neues Motto bekannt (siehe Unterthema) und dann heißt es: ran an die Bücher...ran an den SUB. Viel Spaß!

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    • 1161
  • Menschliche Willenlosigkeit und arischer 'Grundglaube'...

    Machtmenschen

    widder1987

    17. July 2017 um 16:30

    Klappentext: Den Deutschen geht es wirtschaftlich so gut wie nie zuvor, doch die politische Passivität kostet jeden einen Preis. Heidrun aus München will auf Rügen ihren Sohn besuchen. Doch die Reise ist von Vorahnungen überschattet, die in einer Katastrophe enden. Nicht anders ergeht es Bernhard, ihrem Sohn und SS-Offizier, Waltraud, der Arbeitsmaid, und Bogdan, dem Ostarbeiter. Die Führerin Hedwig will in einer epochalen Rede einen strategischen Wechsel in der Politik der Nationalsozialisten ankündigen, wird dabei von den Ereignissen überrollt. Akribisch recherchiert, fundiert und bis ins Detail ausgearbeitet, wird der Leser tief in eine postfaktische Welt hineingezogen, die bekannt und doch befremdlich wirkt. Macht ist immer ambivalent: einerseits konstruktiv und unabdingbar, anderseits destruktiv, wenn sie in Gewalt umschlägt. Die Folgen der Macht erleben diese Menschen tagtäglich am eigenen Leib... Fazit: "Gefangen zwischen Macht und Ohnmacht. Gibt es ein Entkommen?" (Zitat Buchrücken) Mit anderen Wörter gesagt, wie würde die (heutige) deutsche Gesellschaft unter der geradlinigen und kompromisslosen Regimeherrschaft der Nationalsozialisten dahin vegetarieren ohne Eigenleben an den Tag zulegen? Denn genau diese 'Weltbild' einer arischen Herrenrasse, der uns Deutschen , die durch Adolf Hitlers Machtergreifung 1933 für zwölf Jahre lebendig germanische Geschichte war, erschafft Toruun Siegler als dystopischen Gesellschaftsroman mit passenden Titel 'Machtmenschen - von Führern und Verführten'. In einer atmosphärisch dichten Erzählweise werden fünf unterschiedliche Gesellschaftsschichten durch ausgewählte charakterstarken Hauptakteure wie prachtvollen Handlungsortbeschreibungen in einer packender Sprache und einen lebhaften Schreibstil ungefiltert und realitätsähnelt den Leser als düsteres wie auch erschütterndes emotionales Leseerlebnis präsentiert. Auf knapp 500 Seiten wird den Leser die grausame Totalisierung eines Volkes und unmenschliche Tolerierung der minderwertigen Rassen brillant strahlenden Schwarz-, Grau- und Brauntönen vor der Kulisse Rügen und den 'Kraft-durch-Freude'-Seebades Prora als Gesamtbildnis einer Schreckensregimes direkt unter die Haut gehende geschichtsunterrichtvervollständige Zellenreise auf Tatsachen- und Planungsbasic einer tiefreichender Recherchearbeit der Autorin vor Augen geführt. Nur leider ist diese nach Luft schnappende und aufrüttelte Literaturwerk ohne Datierung (außer auf den Buchrücken) verfasst würden und macht das Lesen der fünf Handungsstänge, die mit jeweils einer Kapitelbenennung und in sechs bis acht Szenenbilder unterteilt sind wie keine zeitlich korrekten Verlauf besitzen und parallel zu einander mit personenbezogenen Rückblenden versehen sind, als abgehackte Ganzheit trotz der berührenden und tiefgängigen Themenwahl und der erschreckenden wie direkten Kopfkinos anschaltenden Schilderungen den Leser keinen spannungsbogenschraffendes Lesevergnügen. 'Machtmenschen - von Führern und Verführten' spricht eine klare schon fast beängstigende Botschaft aus, die den Leser die Sinne schärft und den Blick erweitern lässt. Diese monumentale Schriftstück deckt ein dunkles Kapitel der deutschen Geschichte auf um uns, die zweite und dritte Generation nach den manipulierenden 'Herrenmenschenmachtübernahme', dankbar zu sein, dass es nicht zur diesen fremdgesteuerten Ideologiegesellschaft a la Adolf Hitlers gekommen ist und als literarisches Mahnmal für die Zukunft Deutschlands, Europas und der Welt wie Erde...3,75 Sterne

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  • Leserunde zu "Machtmenschen" von Torunn Siegler

    Machtmenschen

    Siegler

    Jeder genießt die perfekt inszenierte Urlaubsidylle im kolossalen Seebad auf Rügen. Oder etwa nicht? Begebt euch mit mir in eine postfaktische Welt, die gleichzeitig fremd und verstörend nah an der Realität ist. Erlebt das Bilderbuch Ressort mit 20.000 Gästen und lernt die Heerscharen von Angestellten, Arbeitsmaiden und Ostarbeitern kennen, die hier ihren Dienst tun. Lasst euch von Joseph Goebbels Tochter verführen, der NSDAP-Führerin Hedwig, welche die Geschicke der Deutschen lenkt. Seht die Abgründe dieser Gesellschaft mit den Augen von fünf Menschen: nah, befremdlich und unausweichlich.Die Nationalsozialisten beherrschen die Welt von heute mit allen Möglichkeiten der Informationstechnologie und Digitalisierung. Europa ist unter deutscher Führung vereint, nur der Endsieg gegen den letzten Gegner – Amerika – fehlt noch zum Weltfrieden. Den Deutschen geht es wirtschaftlich so gut wie nie zuvor, doch die politische Passivität kostet jeden einen Preis.Heidrun aus München will auf Rügen ihren Sohn besuchen. Doch die Reise ist von Vorahnungen überschattet, die in einer Katastrophe enden. Nicht anders ergeht es Bernhard, ihrem Sohn und SS-Offizier, Waltraud, der Arbeitsmaid, und Bogdan, dem Ostarbeiter. Die Führerin Hedwig will in einer epochalen Rede einen strategischen Wechsel in der Politik der Nationalsozialisten ankündigen, wird dabei von den Ereignissen überrollt.Macht ist immer ambivalent: einerseits konstruktiv und unabdingbar, anderseits destruktiv, wenn sie in Gewalt umschlägt. Die Folgen der Macht erleben diese Menschen tagtäglich am eigenen Leib. Macht bestimmt nicht nur das gesellschaftliche Miteinander und die Arbeitswelt, sondern auch das Private und das Familienleben. Wie Getriebene suchen die Menschen nach einem sicheren Ort… Ab in den Urlaub mit der Hörprobe und dem Buchtrailer: Mehr Informationen rund ums Buch. Leserunde mit Autorin Im Frage-Thread kannst Du mir von deinen Erfahrungen berichten und deine Fragen loswerden! Jetzt bewerben Um eines von 10 Hardcover-Exemplaren oder aber eines von 10 Paperbacks zu ergattern, bewirb dich bitte bis zum 11.06.2017 mit Klick auf den "Bewerben"-Button und beantworte folgende Frage: Was gefällt dir besonders an dystopischen Romanen wie z.B. 1984?Bitte gib innerhalb deines Bewerbungsposts auch an, ob du lieber ein Hardcover oder ein Paperback gewinnen möchtest.Wer bereits ein Exemplar besitzt, ist natürlich herzlich eingeladen an der Leserunde teilzunehmen!Wir beginnen ca. Mitte Juni gemeinsam mit dem Lesen, wenn alle ihre Bücher erhalten haben. Ich freue mich unheimlich auf euch, eure Meinung, eure Emotionen und das gemeinsame Lesen!Liebe Grüße,Torunn Siegler

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    • 246
  • Macht Menschen

    Machtmenschen

    Sagittaria

    15. July 2017 um 23:32

    Was wäre wenn? Eine Frage die man sich in vielen Situationen zu vielen Zeiten stellen kann.Dies macht auch die Autorin Torunn Siegler in Ihrem Buch "Machtmenschen". Was wäre wenn die Nazis nie besiegt wurden wären, sondern sich weiter ausgebreitet hätten. Wie sähe unsere Welt aus? Dieses Szenario kommt schon in dem Buch/Serie "The Man in the High Castle." vor. Jedoch spielt diese Idee in Amerika und in einer anderen Zeit. Nun sind wir in unseren Zeit, mit Smartphones, Sozial Media und mehr. Halt nur alles anders. Eingeteilt ist das Buch in 5 Abschnitte, wobei Teil 1 und 2 und Teil 3 und 4 zusammen gehören. Viele Begriffe die Torunn Siegler erfunden bzw. recherschiert hat werden in einem Glosar erläutert. Der Anfang des Buches fiel mir schwer, da ich doch einige Zeit brauchte in die Geschichte rein zukommen und ich konnte auch schwer einen emotionallen Kontakt zu den Figuren aufbauen, etwas, das für mich doch wichtig ist in einer Geschichte. Die zweite Geschichte hat mich hierbei doch am meisten berührt, da sie nicht so realitätsfern ist. Leider. 3 1/2Punkte

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  • "Ich will den Drachen bekämpfen!"

    Machtmenschen

    Cornelia_Ruoff

    „Machtmenschen“ von Torunn Siegler 1. Klappentext Der postfaktische Gesellschaftsroman deutet den Zeitgeist mit dem Bild einer NS-Diktatur im Jahr 2017. Torunn Siegler präsentiert in ihrem politischen Roman Machtmenschen eine perfekt inszenierte arische Urlaubsidylle im kolossalen Seebad auf Rügen. Zumindest wird dies den 20 000 Gästen suggeriert. Doch genießen sie den Aufenthalt wirklich? Welche Positionen nehmen die Heerscharen von Angestellten, Arbeitsmaiden und Ostarbeitern in diesem Gefüge ein? Und wie gedenkt Joseph Goebbels Tochter, die NSDAP-Führerin Hedwig, die Geschicke der Deutschen im Jahr 2017 zu lenken? Der Blick auf fünf Einzelschicksale zeigt die Abgründe dieser Gesellschaft: nah, verstörend und unausweichlich. Die Nationalsozialisten beherrschen die Welt von heute mit allen Möglichkeiten der Informationstechnologie und Digitalisierung. Europa ist unter deutscher Führung vereint, nur der Endsieg gegen den letzten Gegner - Amerika - fehlt noch zum Weltfrieden. Den Deutschen geht es wirtschaftlich so gut wie nie zuvor, doch die politische Passivität kostet jeden einen Preis. Heidrun aus München will auf Rügen ihren Sohn besuchen. Doch die Reise ist von Vorahnungen überschattet, die in einer Katastrophe enden. Nicht anders ergeht es Bernhard, ihrem Sohn und SS-Offizier, Waltraud, der Arbeitsmaid, und Bogdan, dem Ostarbeiter. Die Führerin Hedwig will in einer epochalen Rede einen strategischen Wechsel in der Politik der Nationalsozialisten ankündigen, wird dabei von den Ereignissen überrollt. Akribisch recherchiert, fundiert und bis ins Detail ausgearbeitet, wird der Leser tief in eine postfaktische Welt hineingezogen, die bekannt und doch befremdlich wirkt. Macht ist immer ambivalent: einerseits konstruktiv und unabdingbar, anderseits destruktiv, wenn sie in Gewalt umschlägt. Die Folgen der Macht erleben diese Menschen tagtäglich am eigenen Leib. Macht bestimmt nicht nur das gesellschaftliche Miteinander und die Arbeitswelt, sondern auch das Private und das Familienleben. Wie Getriebene suchen die Menschen nach einem sicheren Ort. In Zeiten des staatlichen Machtmonopols und der Entwicklung hin zu globalen rechtspopulistischen Akteuren und Parteien stellt das spannende und brandaktuelle Buch die Haltung jedes Einzelnen in Frage. 2. Zum Inhalt Eine beklemmende Vorstellung, dass es wirklich so gekommen wäre. Torunn Siegler beschreibt gelebten und praktizierten Nationalsozialismus im Jetzt und Hier. Beim Lesen empfand ich Wut, Grauen, Trauer und Hilflosigkeit darüber, dass es in unserer heutigen Zeit immer noch Menschen gibt, die Anhänger dieser Ideologie sind.Die Vorstellung, ich müsste in unserer Zeit mit der Bedrohung leben, dass mich jemand abhört, ausspioniert und, wegen meiner Äußerungen, Gedanken oder Schriften, mein Leben bedroht, muss grausam und zutiefst beängstigend sein.5/5 Punkten 3. Protagonisten Ich nehme bei der Beschreibung der Protagonisten auf die Kapitel Bezug, die aus den jeweiligen Perspektiven geschrieben sind. Dadurch kommt der Leser ihnen sehr nah und man empfindet mit, was nicht immer einfach ist.Die Führerin Hedwig, deren Name aus dem germanischen Hadu kommt und Schlacht oder Kampf bedeutet. Am meisten beeindruckt hat mich das letzte Kapitel „Kampf der Kreatur“, das aus ihrer Sicht geschrieben ist. Hedwig reflektiert ihr Leben, ihre Familie, ihre Rolle als Führerin und ihre Zweifel, die trotz ihrer Überzeugung, unterschwellig zu spüren sind.Das erste Kapitel „Schönheit des Lebens“ ist aus der Sicht der Ehefrau und Mutter Heidrun geschrieben. Ihre Einstellung zu Partei und Programm ist zu Beginn unkritisch. Sie funktioniert und solange es ihrer Familie gut geht, verdrängt sie alle aufkommende Bedenken. Als ihr Sohn Bernhard sich ihr offenbart, lässt sie ihre unterdrückten Gefühle frei. Heidrun zerbricht an dem Wissen, dass ihr Sohn vom System bedroht ist.Das zweite Kapitel „Triumph des Willens“ ist ein Psychogramm Bernhards. Er ist ein „contradicto in adjecto“ im ureigensten Sinne. Der Phänotypus eines Ariers gefüllt mit Wünschen und Bedürfnissen, die das Reich und seine Bewahrer nicht dulden, sondern als „entartet“ und verabscheuungswert brandmarken. Bis jetzt hat er zwar nicht ge- aber überlebt, durch seine Disziplin, seine Intelligenz und sein Aussehen. Das Kapitel fand ich trotz des bitteren Endes schön und sehr ergreifend. Eigentlich weiß man als Leser genau, worauf es hinausläuft, und paralysiert sieht man zu und leidet mit. Aber ich habe seine Reaktion verstanden und konnte sie auch nachvollziehen. Das Böse ist nur, dass er durch seine letzte Handlung seine Pflicht erfüllt hat, was den Beigeschmack noch mehr verbittert.Eine sehr schöne Figur ist auch Raban, Bernhards loyaler. Freund Ein Kapitel, das mich viel Kraft kostete, war auch der „Segen des Glaubens“. Waltraud, eine Soldatin, deren Wunsch Offizierin zu werden, durch den fehlenden einwandfreien Ariernachweis geradezu unerreichbar ist. Man stellt ihr die Erfüllung des Wunsches in Aussicht, wenn sie an „Lebensborn“, einem Arierzuchtprogramm teilnimmt.Bogdan ist sicherlich eine der ärmsten Kreaturen des Buches. Das Kapitel „Kraft der Schöpfung“ schildert das Leben bzw. Vegetieren der „Ostarbeiter“, was ein Euphemismus, eine Verharmlosung für Sklave ist.5/5 Punkten 4. Sprachliche Gestaltung Torunn Siegler hat mich begeistert. Dieses Buch ist ausgezeichnet recherchiert. Es ist empathisch und die Figuren kommen authentisch zu Geltung. Die Autorin hat manchen technischen Errungenschaften oder sonstigen neuen Programmen oder Dingen, einen anderen Namen mit nationalsozialistischer Konnotation gegeben und dabei den Nagel genau auf den Kopf getroffen. Eine gelungene Namensfindung.Es ist trotz des schweren Themas gut lesen. Die eigene Betroffenheit lässt einen oftmals innehalten und man braucht Augenblicke der Ruhe, um es verarbeiten zu können. Dennoch meine ich, einen kleinen Sieg gegenüber den Nationalsozialisten errungen zu haben, indem ich mich den Gefühlen gestellt habe.5/5 Punkten 5. Cover und äußere Erscheinung „Machtmenschen“ von Torunn Siegler hat 500 Seiten, einen festen roten Einband auf dem Autor und Titel in schwarzer Schrift gedruckt sind. Es ist am 24.05.2017 unter der ISBN 9783744817493 bei Books on Demand im Genre: Romane erschienen und ist für 14,99 € erhältlich (eBook 6,99 €). Der Schutzumschlag zeigt einen weiblichen Oberkörper, bekleidet mit einem blauen Bikinioberteil, das mit weißen Stacheldraht bedruckt ist und in der Mitte von einem goldenen Reichsadler zusammengehalten wird. „Macht“ ist in großen roten Lettern geschrieben und darunter, weitaus kleiner, „Menschen“ und noch kleiner der Untertitel „Von Führern und Verführten“ in schwarz. Es geht nur um Macht. Alles andere, hat sich darunter einzuordnen. Eine gelungene Metapher.5/5 Punkten 6. Fazit Das Ende des Buches ist unglaublich. Und dennoch erscheint es, so wie Hedwig in ihren Gedanken ausführt, die vernünftigste und naheliegende Entwicklung zu sein. Eine Bewegung, die so viel Leid über die Menschen gebracht hat, rühmt sich damit, den Frieden zu bringen.Lest das Buch! Seid glücklich und dankbar in unserer Welt zu leben! Sicherlich gibt es viel zu bemängeln und zu ändern. Eine nationalsozialistische Gesinnung und die Unterdrückung Anderer, kann keine Alternative sein!Nochmals: Lest das Buch! Es ist eine Bereicherung!@Torunn Siegler. Vielen Dank für das schöne Rezensionsexemplar! Die Leserunde bei lovelybooks war sehr bewegend und hat viel Spaß gemacht.Ich vergebe insgesamt 5/5 Punkten.

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    • 3
  • Bedrückend und sehr real

    Machtmenschen

    Streiflicht

    10. July 2017 um 19:55

    Dieses Buch hat mich von seiner Beschreibung her total interessiert, da ich die Frage „Was wäre, wenn ...“ total spannend finde. In diesem Fall geht es darum, wie es weitergegangen wäre, wenn die NS-Zeit kein Ende gefunden hätte und diese Ideologie auch heute noch Bestand hätte, der Grundstock unserer Gesellschaft wäre. Eine wirklich spannende Annahme, die zugleich auch erschreckend ist. Ich hätte nicht gedacht, dass mich ein Buch gleichzeitig so fesseln und abstoßen könnte. Ich war bei der Lektüre von Anfang gleichzeitig fasziniert und entsetzt. Die Autorin schafft es auf unfassbar intensive Art und Weise, eine Welt entstehen zu lassen, in der die Gedanken und Gesetze der Nazis die vorherrschende Denkweise sind. Alles andere hat sich diesem unterzuordnen. Torunn Siegler beschreibt so eindringlich und gleichzeitig so plausibel, wie die Welt sein könnte, dass einem als Leser eiskalte Schauer über den Rücken laufen. Schon bei der ersten Beschreibung von Prora war ich den Tränen nahe. Und der Gedanke, dass Menschen nach ihren Merkmalen ausgesucht werden, um möglichst optimale Kinder zu bekommen, hat mir wirklich Angst gemacht. Vieles hat man schon einmal gehört, aber hier wird es noch einmal sehr realistisch und damit auch drastisch. Die Figuren sind unglaublich lebendig und nahe gezeichnet, sodass man wirklich miterlebt und auch mitleidet, wenn z.B. ein junger Mann seinem Leben ein Ende setzt, weil er unter diesem Regime nie glücklich werden kann. Ein beeindruckendes Buch, das seinen Raum braucht. Nichts für nebenbei, aber wer sich darauf einlassen mag, wird fasziniert und erschreckt zugleich sein. Ich denke, es wäre die passende Schullektüre für Teenager. Denn nur wer weiß, wie die Vergangenheit war, kann die Zukunft besser machen!  

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  • Ein erschreckendes Bild einer nationalsozialistischen Welt

    Machtmenschen

    Svanny

    09. July 2017 um 22:41

    Inhaltsangabe: Der postfaktische Gesellschaftsroman deutet den Zeitgeist mit dem Bild einer NS-Diktatur im Jahr 2017. Torunn Siegler präsentiert in ihrem politischen Roman Machtmenschen eine perfekt inszenierte arische Urlaubsidylle im kolossalen Seebad auf Rügen. Zumindest wird dies den 20 000 Gästen suggeriert. Doch genießen sie den Aufenthalt wirklich? Welche Positionen nehmen die Heerscharen von Angestellten, Arbeitsmaiden und Ostarbeitern in diesem Gefüge ein? Und wie gedenkt Joseph Goebbels Tochter, die NSDAP-Führerin Hedwig, die Geschicke der Deutschen im Jahr 2017 zu lenken? Der Blick auf fünf Einzelschicksale zeigt die Abgründe dieser Gesellschaft: nah, verstörend und unausweichlich. Die Nationalsozialisten beherrschen die Welt von heute mit allen Möglichkeiten der Informationstechnologie und Digitalisierung. Europa ist unter deutscher Führung vereint, nur der Endsieg gegen den letzten Gegner - Amerika - fehlt noch zum Weltfrieden. Den Deutschen geht es wirtschaftlich so gut wie nie zuvor, doch die politische Passivität kostet jeden einen Preis. Heidrun aus München will auf Rügen ihren Sohn besuchen. Doch die Reise ist von Vorahnungen überschattet, die in einer Katastrophe enden. Nicht anders ergeht es Bernhard, ihrem Sohn und SS-Offizier, Waltraud, der Arbeitsmaid, und Bogdan, dem Ostarbeiter. Die Führerin Hedwig will in einer epochalen Rede einen strategischen Wechsel in der Politik der Nationalsozialisten ankündigen, wird dabei von den Ereignissen überrollt. Akribisch recherchiert, fundiert und bis ins Detail ausgearbeitet, wird der Leser tief in eine postfaktische Welt hineingezogen, die bekannt und doch befremdlich wirkt. Macht ist immer ambivalent: einerseits konstruktiv und unabdingbar, anderseits destruktiv, wenn sie in Gewalt umschlägt. Die Folgen der Macht erleben diese Menschen tagtäglich am eigenen Leib. Macht bestimmt nicht nur das gesellschaftliche Miteinander und die Arbeitswelt, sondern auch das Private und das Familienleben. Wie Getriebene suchen die Menschen nach einem sicheren Ort. In Zeiten des staatlichen Machtmonopols und der Entwicklung hin zu globalen rechtspopulistischen Akteuren und Parteien stellt das spannende und brandaktuelle Buch die Haltung jedes Einzelnen in Frage. Fazit: Auch wenn ich nur vier Sterne vergeben habe, hat mir das Buch sehr gut gefallen. Allerdings konnte ich dank der Leserunde die Autorin fragen, denn sonst hätte ich das Buch nicht so einordnen können wie es gedacht war und wie es dank der Erklärung auch ein gutes Gesamtbild ergeben hat. An dieser Stelle nochmal vielen Dank liebe Torunn für die Erklärungen deiner Gedanken. Das Buch behandelt ein Zukunftsszenario, dass vielleicht so geschehen würde, wenn die Nazis den Krieg gewonnen hätten. Das Buch stimmt sehr nachdenklich und führt einem vor Augen, was passiert wäre wenn... gerade der Aspekt, dass man so viel nachdenken kann und die viele der Aspekte auch in die heutige Zeit übertragen werden können und in anderen Ländern so zum Teil statt finden war erschreckend. Es ist kein leichtes Buch für nebenbei, sondern beschreibt wirklich deutlich was schlimmes passieren kann, wenn man nicht in einer Demokratie lebt. Es wurde wirklich erschreckend deutlich ein Bild geschaffen, das gruselig ist. Hoffen wir, dass es nie so weit kommt.

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  • Ein interessantes, aber nicht emotional fesselndes Buch

    Machtmenschen

    Thoronris

    09. July 2017 um 11:14

    "Machtmenschen" ist ein Buch, das ein klares Anliegen hat. Die dystopische Welt, in der wir leben würden, wenn der Nationalsozialismus nicht untergegangen wäre, ist grausam, unmenschlich und selbst für die Angehörigen der "Herrenmenschen" nicht schön. Spuren von Macht und Machtmissbrauch sehen wir auch in unserer realen Gegenwart, wenn wir nur hinschauen. All das steckt in diesem Buch. Die Botschaft ist klar, eindringlich formuliert und mit einem deutlich erhobenen moralischen Zeigefinger präsentiert. Genau darin liegt leider das Problem, das ich mit diesem Buch habe. Von der ersten Zeile an ist offensichtlich, dass Torunn Siegler die deutsche Sprache beherrscht wie kaum noch jemand heutzutage. Sie weiß, welche Emotionen Worte auslösen können, und schafft es, ihre geschriebenen Erzählungen durch geschickt gewählte Adjektive in Bilder umzuwandeln, die ganz bestimmte Assoziationen auslösen. Fünf verschiedene, aber vernetzte Einzelschicksale werden uns präsentiert, fünf verschiedene Perspektiven auf die Diktatur bekommen wir analysiert in einer Sprache, die eindringlicher kaum sein könnte.  Mit Heidrun haben wir eine Mutter, die zwar in ihrer emotionalen Flatterhaftigkeit nicht recht in das arisch-disziplinierte System zu passen scheint, jedoch trotzdem lange braucht, um ihre Augen für die grausame Realität zu öffnen. Bernhard, ihr Sohn, hat sich beinahe von Anfang an als Opfer des Systems gefühlt, hat sich selbst verloren, doch erst, als er sich wiederfindet, begreift er die Realität, die ihn umgibt, vollständig. Waltraud ist ein gutes arisches Mädchen, das aufgrund ihrer Blutslinie zwar zu den Herrenmenschen gehört, aber nicht zum deutschen Adel. Sie ist stolz auf sich, ihren Körper und ihr Können, doch auch ihre naive Sicht auf die Welt wird zerstört, als man ihr die Chance zum Aufstieg bietet. Der Zwangsarbeiter Bogdan wiederum lebt in einer ganz anderen Welt, für ihn ist die Grausamkeit der Diktatur Alltag, doch auch er hat damit zu kämpfen, seinen Glauben und die Realität in Einklang zu bringen. Und zu guter Letzt lernen wir Hedwig, Tochter von Goebbels und von Hitler selbst zur Führerin bestimmt, kennen, die schon 80 Jahre alt ist, aber noch immer entschlossen und zielstrebig auftritt. Von allen kennt sie das System am besten, so dass es kein Wunder ist, dass sie auch die Schwachstellen und Probleme am besten erkennt. Alle fünf Schicksale sind ausführlich erzählt, doch nur jenes von Bernhard konnte mich tatsächlich emotional rühren. Wie der Titel schon sagt, geht es in diesem Buch um Macht. In meinem Studium der Politikwissenschaft bin ich unzähligen Theoretikern begegnet, die mit dem Begriff der Macht gearbeitet haben. Es gab zu allen Zeiten jene, die Macht verabscheut haben, und jene, die Macht für unabdingbar gehalten haben. Es gibt jene, die überall, selbst in den reinsten zwischenmenschlichen Beziehungen, Machtstrukturen und Machtgefälle entdecken. Macht ist dann am stärksten, wenn sie ohne Gewalt auskommt, was auch dieses Buch gut darzulegen weiß. Gerade in der Einrichtung der Ferienanlage sehen wir eine Machtdemonstration, die darauf ausgelegt ist, die arischen Menschen so glücklich über ihr eigenes Leben zu machen, dass sie vergessen, dass sie aktiv die Augen vor der Realität verschließen müssen, um glücklich sein zu können. Das ist orwell'sches "Doppeldenk" im besten Sinne. Wer nie zuvor intensiv über Macht nachgedacht hat, findet hier viel Neues. Insgesamt 172 Anmerkungen ziehen sich durch den Text, zumeist Erklärungen zu Namen oder Abkürzungen, die belegen, wie gut recherchiert dieser Roman ist. Die Autorin selbst hat immer wieder erklärt, dass wenig von dem, was sie geschrieben hat, tatsächlich ausgedacht ist. Was sie hier erzählt, ist wirklich nur eine konsequente Weiterentwicklung diverser Pläne der Nationalsozialisten. Selbst die religiöse Unterfütterung der Politik mit nordischer Mythologie ist nicht weit hergeholt. Das liest sich sehr interessant, man fühlt sich oft genug an den eigenen Geschichtsunterricht erinnert, doch für mich persönlich ging es darüber nie hinaus. So großartig komponiert die einzelnen Sätze auch sind, ich spürte von Beginn an die Ablehnung der Autorin für das System, das sie schildert. Das gesamte Buch ist durchzogen von sehr deutlichen Hinweisen, dass man das, was man liest, ablehnen soll. Als Leser muss ich nie eigene Denkleistung aufbringen, um zu diesem Schluss zu kommen, selbst das Innenleben der Figuren wird so intensiv geschildert, dass man jeden versteht. Dialoge, die hintersinnig und codiert daherkommen, weil die politischen Menschen einander misstrauen, werden dem Leser im gleichen Atemzug entschlüsselt, so dass sich nie ein triumphierendes "Ich habe verstanden, was sie eigentlich sagen" aufkommen kann.  Ein Buch wie dieses will ja eine Botschaft vermitteln. Es geht darum, die Gefahr einer Dystopie in leuchtenden Farben - oder eben auch in dem einheitlichen braun-grau-schwarz dieser Ideologie - zu zeichnen, um zu warnen. Eine solche Botschaft hat besonders das Schlagkraft, wenn der Leser sie aus sich selbst heraus erkennt. Schon in der Schule merkt das Kind, dass es sich jene Dinge problemlos merken kann, die es begreift, ohne ein Schulbuch auswendig lernen zu müssen. Und ebenso ist es im späteren Leben: Was als Erkenntnis zu uns kommt und ins uns gereift ist, vergessen wir niemals und das berührt uns, erhält genau dadurch genug Kraft, um uns langfristig im Handeln und Denken zu verändern. Das ist der Vorteil der Literatur gegenüber dem Sachbuch: Die Literatur hilft uns, unser Denken und unseren Horizont zu erweitern, indem wir durch geschickt gesponnene Geschichten selbst zu Erkenntnissen kommen, während das Sachbuch uns Dinge offen darlegt und erklärt. Ich hätte mir von diesem Roman gewünscht, dass er ein wenig mutiger gewesen wäre, seinen Lesern mehr eigenes Denken und Verstehen zugetraut hätte.FAZIT: Der dystopische Roman "Machtmenschen - Von Führern und Verführten" von Torunn Siegler ist eine spannende, im Sinne von interessante Geschichte darüber, was geschehen würde, wenn der Nationalsozialismus bis heute überlebt hätte. Die fünf Einzelschicksale sind ausführlich, aber bis auf eine Ausnahme in meinen Augen nicht emotional fesselnd geschrieben. Die Schattenseiten des modernen NS-Regimes werden nicht subtil, sondern mit erhobenem moralischen Zeigefinger erzählt. 

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  • Macht Menschen - Menschen, die Macht ausüben; gemachte Menschen; macht, was euch angeordnet wird.

    Machtmenschen

    fasersprosse

    06. July 2017 um 22:40

    Mit diesem Buch wurde ich mit der fiktiven Vorstellung konfrontiert, dass das nationalsozialistische Reich noch existiert.Den Alltag der Menschen und deren Schicksale aus dieser Ära habe ich bisher nur als Opferberichte/-Geschichten erfahren. In diesem Buch bekam ich zum ersten Mal Einblicke in das Leben der Systemtreuen. Das nun vollständigere Bild macht meine Beklemmung größer.Die Handlungen spielen in dem Urlaubsort Prora auf Rügen. Fünf Figuren wird je ein Kapitel gewidmet: Einer Mutter, ihrem Sohn, einer jungen Frau, einem Ostarbeiter und der Führerin. Jede Figur hat seine Funktion in diesem System und erlebt dessen Auswirkungen tagtäglich. Einige arrangieren sich, einige wirken mit treuem Eifer und einige zerbrechen daran. An die Konflikte der Figuren und den Preis, den sie zahlen, ist die Autorin mutig herangegangen.Sehr genau weiß man, was die Bedürfnisse des Menschen sind: Gesundheit, Sicherheit, versorgt und behütet sein, gesellschaftlicher Zusammenhalt, Gemeinschaftsgefühl, Struktur, Zuversicht, eine gut bezahlte Arbeit, angenehmes Wohnen, Auto, Urlaub.Hier setzen die Prinzipien der Propaganda an. Um die Ziele zu erreichen, bleibt man inhaltsleer und spricht ausschließlich die Emotionen an. Als weiteres Mittel nimmt man das Belohnungsprinzip. Leistung wird gefordert und gefördert. Die in diesem System einhergehende Überwachung muss akzeptiert werden. Die Gefährlichkeit der mit diesem System verbundenen Bedrohung wird verschwiegen.Die Gedanken und Empfindungen der Figuren finde ich herausragend gut beschrieben. Bei vielen Passagen blieb ich entgeistert, erschüttert oder aufgewühlt zurück. Die Charaktere und deren Entwicklung sind alle in sich stimmig und die Konflikte sind anschaulich herausgearbeitet.Die Beschreibung der Umgebungen finde ich ausgezeichnet. Sie besteht nicht nur aus Aufzählungen sondern wechselt harmonisch: beschreibt etwas, lässt andere Details, wie z. B. das Wetter, einfließen, geht über zu Gedanken und Handlungen, zurück zur Beschreibung der Umgebung. Durch das Einfügen von Mystik hat Torunn Siegler eine Ebene eingebaut, die hilfreich ist, gelegentlich mental aus dem Grauen zu fliehen.Ein Kompliment an die Autorin für die hervorragende Recherche. Das Glossar ist hilfreich und informativ.Ich gebe eine große Empfehlung für dieses Buch ab. Wagt es auch und lest es. Ich habe beim Lesen den Nationalsozialismus fast körperlich empfunden und eine unendliche Erleichterung bei dem Wissen, dass es heute hier nicht so ist.

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  • Willkommen im Reich

    Machtmenschen

    camilla1303

    30. June 2017 um 19:45

    Torunn Siegler ist es mit ihrer Dystopie „Machtmenschen“, die 2017 mit dem Untertitel „Von Führern und Verführten“ erschienen ist, gelungen einprägsam zu schildern, wie unsere Welt heute ausschauen würde, wenn die Nationalsozialisten den Zweiten Weltkrieg gewonnen hätten. Die Autorin entführt den Leser in eine alternative Gegenwart. Dabei sind die einzelnen Situationen und Geschehnisse so eindringlich geschildert, dass ich mich selbst immer wieder dabei ertappt habe zu glauben, der Irrsinn der Naziideologie wäre noch Teil unseres Lebens. Nicht nur einmal habe ich mich gefragt, ob denn meine Familie zur „Herrenrasse“ gehören würde, oder doch zu den Untermenschen? Und wäre ich systemkonform oder hätte ich meinen eigenen Kopf? In fünf Kapiteln lernt der Leser nicht nur das „Reich“ kennen, sondern auch einzelne Personen, die darin leben. Heidrun, die als Mutter ihrem Sohn nicht helfen konnte; Bernhard, der nicht leben darf, wie er ist; Waltraud, die einen Sohn mit smaragdgrünen Augen für den Führer zur Welt bringt;  Bogdan, der als Ostarbeiter weniger Rechte hat und Hedwig, die Führerin, die auch eine menschliche Seite hat. Aus dem Geschichtsunterricht sind mir einige Begriffe, die die Nazis ausgeführt und für die Zukunft geplant hatten, bekannt. Aber zu lesen, dass Ideen wie Lebensborn, Germania und die Hohen Frauen ganz selbstverständlich in die Gegenwart integriert sind, war für mich sehr beklemmend, wenn nicht sogar verstörend. Beim Lesen hatte ich immer wieder den aktuell global erstarkenden Populismus im Hinterkopf, was das Buch noch ein klein wenig furchteinflößender machte. „Machtmenschen“ ist ein Buch, das man allein wegen seiner Sprache lesen muss. Selten hat mich ein Buch so gefesselt, selten hat mir ein Buch so große Angst gemacht und selten war ich so froh, dass die Gegenwart so ist, wie sie ist. Lassen wir uns unsere Freiheit nicht zerstören! Danke Torunn Siegler für dieses erschreckende, aber wahnsinnig gute Buch.

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    • 2
  • Erschreckend aktuell und bewegend

    Machtmenschen

    Nicola_BMG1900

    22. June 2017 um 20:57

    Zum Inhalt:Der postfaktische Gesellschaftsroman deutet den Zeitgeist mit dem Bild einer NS-Diktatur im Jahr 2017. Torunn Siegler präsentiert in ihrem politischen Roman Machtmenschen eine perfekt inszenierte arische Urlaubsidylle im kolossalen Seebad auf Rügen. Zumindest wird dies den 20 000 Gästen suggeriert. Doch genießen sie den Aufenthalt wirklich? Welche Positionen nehmen die Heerscharen von Angestellten, Arbeitsmaiden und Ostarbeitern in diesem Gefüge ein? Und wie gedenkt Joseph Goebbels Tochter, die NSDAP-Führerin Hedwig, die Geschicke der Deutschen im Jahr 2017 zu lenken? Der Blick auf fünf Einzelschicksale zeigt die Abgründe dieser Gesellschaft: nah, verstörend und unausweichlich. Die Nationalsozialisten beherrschen die Welt von heute mit allen Möglichkeiten der Informationstechnologie und Digitalisierung. Europa ist unter deutscher Führung vereint, nur der Endsieg gegen den letzten Gegner - Amerika - fehlt noch zum Weltfrieden. Den Deutschen geht es wirtschaftlich so gut wie nie zuvor, doch die politische Passivität kostet jeden einen Preis. Heidrun aus München will auf Rügen ihren Sohn besuchen. Doch die Reise ist von Vorahnungen überschattet, die in einer Katastrophe enden. Nicht anders ergeht es Bernhard, ihrem Sohn und SS-Offizier, Waltraud, der Arbeitsmaid, und Bogdan, dem Ostarbeiter. Die Führerin Hedwig will in einer epochalen Rede einen strategischen Wechsel in der Politik der Nationalsozialisten ankündigen, wird dabei von den Ereignissen überrollt. Akribisch recherchiert, fundiert und bis ins Detail ausgearbeitet, wird der Leser tief in eine postfaktische Welt hineingezogen, die bekannt und doch befremdlich wirkt. Macht ist immer ambivalent: einerseits konstruktiv und unabdingbar, anderseits destruktiv, wenn sie in Gewalt umschlägt. Die Folgen der Macht erleben diese Menschen tagtäglich am eigenen Leib. Macht bestimmt nicht nur das gesellschaftliche Miteinander und die Arbeitswelt, sondern auch das Private und das Familienleben. Wie Getriebene suchen die Menschen nach einem sicheren Ort. In Zeiten des staatlichen Machtmonopols und der Entwicklung hin zu globalen rechtspopulistischen Akteuren und Parteien stellt das spannende und brandaktuelle Buch die Haltung jedes Einzelnen in Frage.Das Buch stellt dem Leser ein Deutschland im Jahr 2017 vor wie es hätte sein können wenn der zweite Weltkrieg anders ausgegangen wäre. Unterteilt in fünf Einzelschicksale zeigen sich unterschiedliche Facetten des deutschen Reiches. Gekonnt recherchiert und toll beschrieben fühlt man sich in die einzelnen Personen ein und bekommt ein gutes Bild Gesamtbild. Man lernt ungeschönt die teils grausamen und seltsamen Machenschaften kennen.  Auch die Technik der heutigen Zeit findet sich "eingedeutscht" in diesem Buch wieder. Es viel mir etwas schwer in das Buch reinzukommen, aber nach ein paar Seiten ist man mittendrin. Durch den angenehmen Schreibstil und dem durchaus hilfreichem Glossar am Ende lässt sich das Buch dann sehr gut lesen. Definitiv ein sehr gutes Buch für alle die sich für die deutsche Geschichte interessieren. 

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  • Macht Menschen

    Machtmenschen

    Xynovia

    19. June 2017 um 17:39

    Torunn Siegler hat mit ihrer Dystopie „Machtmenschen“ ein gesellschaftlich-politisches Thema aufgegriffen. Es kann durchaus als Warnung verstanden werden. Inhalt (übernommen): Der postfaktische Gesellschaftsroman deutet den Zeitgeist mit dem Bild einer NS-Diktatur im Jahr 2017. Torunn Siegler präsentiert in ihrem politischen Roman Machtmenschen eine perfekt inszenierte arische Urlaubsidylle im kolossalen Seebad auf Rügen. Zumindest wird dies den 20 000 Gästen suggeriert. Doch genießen sie den Aufenthalt wirklich? Welche Positionen nehmen die Heerscharen von Angestellten, Arbeitsmaiden und Ostarbeitern in diesem Gefüge ein? Und wie gedenkt Joseph Goebbels Tochter, die NSDAP-Führerin Hedwig, die Geschicke der Deutschen im Jahr 2017 zu lenken? Der Blick auf fünf Einzelschicksale zeigt die Abgründe dieser Gesellschaft: nah, verstörend und unausweichlich. Die Nationalsozialisten beherrschen die Welt von heute mit allen Möglichkeiten der Informationstechnologie und Digitalisierung. Europa ist unter deutscher Führung vereint, nur der Endsieg gegen den letzten Gegner - Amerika - fehlt noch zum Weltfrieden. Den Deutschen geht es wirtschaftlich so gut wie nie zuvor, doch die politische Passivität kostet jeden einen Preis. Heidrun aus München will auf Rügen ihren Sohn besuchen. Doch die Reise ist von Vorahnungen überschattet, die in einer Katastrophe enden. Nicht anders ergeht es Bernhard, ihrem Sohn und SS-Offizier, Waltraud, der Arbeitsmaid, und Bogdan, dem Ostarbeiter. Die Führerin Hedwig will in einer epochalen Rede einen strategischen Wechsel in der Politik der Nationalsozialisten ankündigen, wird dabei von den Ereignissen überrollt. Akribisch recherchiert, fundiert und bis ins Detail ausgearbeitet, wird der Leser tief in eine postfaktische Welt hineingezogen, die bekannt und doch befremdlich wirkt. Macht ist immer ambivalent: einerseits konstruktiv und unabdingbar, anderseits destruktiv, wenn sie in Gewalt umschlägt. Die Folgen der Macht erleben diese Menschen tagtäglich am eigenen Leib. Macht bestimmt nicht nur das gesellschaftliche Miteinander und die Arbeitswelt, sondern auch das Private und das Familienleben. Wie Getriebene suchen die Menschen nach einem sicheren Ort. In Zeiten des staatlichen Machtmonopols und der Entwicklung hin zu globalen rechtspopulistischen Akteuren und Parteien stellt das spannende und brandaktuelle Buch die Haltung jedes Einzelnen in Frage. Meine Meinung: Die Geschichte eines Landes kann man nicht verschweigen. Die Autorin Torunn Siegler hat in ihrem Buch „Machtmenschen“ die Geschichte der „Nazizeit“ weiter geschrieben. Sie hat für dieses Buch gut recherchiert. Die Schreibweise von Torunn Siegler gefällt mir sehr gut und das Buch lässt sich insgesamt sehr schnell und füssig lesen. Sie hat das Buch in 5 Lesungen aufgeteilt und am Ende noch ein Glossar zum besseren Verständnis dazu gefügt. Bei einem Roman mag ich „Anmerkzahlen“ eigentlich nicht so gern, aber hier haben sie gut gepasst und sind meiner Meinung nach, zum besseren Verstehen auch teilweise nötig. Anfänglich habe ich mich schwer getan in die Geschichte mich herein zu fühlen, da ich den Anfang sehr langatmig fand, aber nach einigen Seiten fiel es mir dann sehr leicht zu lesen und war auch emotional sehr an das Buch gebunden. Das Buch erzählt die Geschichte aus Sichtweise von 5 Protagonisten. Alle Geschichte haben mich emotional sehr bewegt und zum Nachdenken angeregt. Sie zeigen sehr schön das „was wäre wenn auf“, es ist eine sehr erschreckende Vorstellung und zum Teil leider gar nicht so realitätsfern. Ich gebe den Buch 4 Sterne. Es ist auf alle Fälle lesenswert und ich kann es nur jedem empfehlen der sich für unsere Geschichte und unsere Gesellschaft interessiert.

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  • Spannend. Überraschend. Außergewöhnlich.

    Machtmenschen

    Siegler

    30. May 2017 um 16:34

    Von Anfang an stand die Idee mit den fünf Protagonisten im Raum. Man kann diese postfaktische Welt aus fünf ganz unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten und auf jeder Seite etwas Neues entdecken. Das Seebad auf Prora fand ich schon immer faszinierend und es ist beeindruckend, es einmal zum Leben erweckt zu sehen. Außerdem kann jeder dank des umfangreichen Glossars viel über die Zeit der Nationalsozialisten lernen können. Auch zu den Bedeutungen der deutschen Namen.Die Parallelen zur heutigen Zeit sind unverkennbar und wenn der amerikanische Präsident am Schluß auf die Führerin trifft, dann stehen einem die Haare zu Berge.

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