Tove Ditlevsen

 4,4 Sterne bei 332 Bewertungen
Autor*in von Kindheit, Jugend und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Tove Ditlevsen (1917–1976), geboren in Kopenhagen, galt lange Zeit als Schriftstellerin, die nicht in die literarischen Kreise ihrer Zeit passte. Sie stammte aus der Arbeiterklasse und schrieb offen über die Höhen und Tiefen ihres Lebens. Heute gilt sie als eine der großen literarischen Stimmen Dänemarks und Vorläuferin von Autorinnen wie Annie Ernaux und Rachel Cusk. Die »Kopenhagen-Trilogie« mit den drei Bänden »Kindheit«, »Jugend« und »Abhängigkeit« ist ihr zentrales Werk, in dem sie das Porträt einer Frau schafft, die entschieden darauf besteht, ihr Leben nach den eigenen Vorstellungen zu leben. Die »Kopenhagen-Trilogie« erscheint in über dreißig Sprachen und wird international als große literarische Wiederentdeckung gefeiert.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Tove Ditlevsen

Cover des Buches Kindheit (ISBN: 9783746639925)

Kindheit

 (136)
Erschienen am 20.09.2022
Cover des Buches Jugend (ISBN: 9783746639932)

Jugend

 (76)
Erschienen am 20.09.2022
Cover des Buches Abhängigkeit (ISBN: 9783746639949)

Abhängigkeit

 (68)
Erschienen am 20.09.2022
Cover des Buches Gesichter (ISBN: 9783746640648)

Gesichter

 (31)
Erschienen am 14.11.2023
Cover des Buches Böses Glück (ISBN: 9783746641454)

Böses Glück

 (10)
Erscheint am 14.10.2024
Cover des Buches Vilhelms Zimmer (ISBN: 9783351039370)

Vilhelms Zimmer

 (0)
Erscheint am 10.11.2024

Neue Rezensionen zu Tove Ditlevsen

Cover des Buches Böses Glück (ISBN: 9783746641454)
Jana_hat_buechers avatar

Rezension zu "Böses Glück" von Tove Ditlevsen

Ihrer Zeit voraus
Jana_hat_buechervor 2 Monaten

15 ausgewählte Kurzgeschichten von Tove Ditlevsen aus den 50er und 60er Jahren wurden vom Aufbau Verlag neu herausgebracht. In den letzten Monaten habe ich einige Beiträge und Rezensionen zur Autorin gelesen und war etwas verwundert, dass Geschichten, die schon über 50 Jahre alt sind, noch so gefeiert werden. Nachdem ich dieses Buch gelesen habe, muss ich mich dem aber anschließen. Die Geschichten erzählen von den kleinen Situationen im Alltag, vom Leben einer beliebigen Frau und sind immer noch aktuell. Kein Wunder, dass Ditlevsen in ihrer Zeit nicht so verstanden wurde bzw. werden wollte, da sie sich sehr kritisch über die Rolle der Frau zu dieser Zeit äußert.

Cover des Buches Kindheit (ISBN: 9783351038687)
Herbstroses avatar

Rezension zu "Kindheit" von Tove Ditlevsen

Einsam, ausgegrenzt und gemieden
Herbstrosevor 3 Monaten

Als Tochter eines Heizers und seiner Frau wächst Tove in den 1920er Jahren in einem Kopenhagener Arbeiterviertel in ärmlichen Verhältnissen auf. Ihre Kindheit ist nicht einfach, die Familienverhältnisse bei Ditlevsens sind unterkühlt. Ihre Mutter gibt sich unnahbar, ihr vier Jahre älterer Bruder hat andere Interessen und mit ihrem Vater verbindet sie lediglich die gemeinsame Liebe zu Büchern. Als er dann arbeitslos wird, wird die häusliche Situation noch angespannter. Das Mädchen ist intelligent, aber aufs Gymnasium darf sie wegen Geldmangel nicht gehen. Sie schreibt heimlich Gedichte und wünscht sich  sehnlichst Schriftstellerin zu werden, doch ihre Eltern beschließen, dass sie nach der Schule bei reichen Leuten im Haushalt arbeiten und Geld verdienen soll … 

Tove Irma Margit Ditlevsen wurde 1917 in Kopenhagen geboren und starb dort 1976 durch Selbstmord. Sie war eine dänische Schriftstellerin von Prosa und Lyrik und war bekannt für ihre autofiktionale Frauenliteratur. Internationale Anerkennung erlangte sie erst nach ihrem Tod, als ihre Memoiren und Texte in andere Sprachen übersetzt wurden. Ihr Leben war überschattet von der schwierigen Mutter-Tochter-Beziehung und geprägt von vier gescheiterten Ehen, was sich auch stark in ihrer Literatur widerspiegelt. „Kindheit“ ist der erste Band ihrer Kopenhagen-Trilogie, die jetzt erstmals komplett auf Deutsch erhältlich ist. 

Von Anfang an beeindruckte mich die flotte und schnörkellose Schreibweise und die wohl mit Absicht „kindlich“ gehaltene Sprache, durch die man ihre triste Kindheit umso plastischer empfindet. Gefühle von Einsamkeit und Verlassenheit wechseln mit greifbarem Geschehen, immer vor dem Hintergrund der sozialen und politischen Realität in den 1920er Jahren. Dieser erste Band der Trilogie war interessant und spannend zu lesen und weckt durchaus das Interesse, mehr aus dem Leben dieser Schriftstellerin zu erfahren.

Fazit: Ein Buch das berührt und traurig stimmt, gleichzeitig aber durch die Art und Weise des Erzählens fesselt. 

Cover des Buches Böses Glück (ISBN: 9783351039523)
sleepwalker1303s avatar

Rezension zu "Böses Glück" von Tove Ditlevsen

Bedrückend und berührend
sleepwalker1303vor 4 Monaten

In die Werke von Tove Ditlevsen habe ich mich mit der „Kopenhagen Trilogie“ verliebt. „Böses Glück“, die Sammlung von 15 Kurzgeschichten, ist das neueste Buch der dänischen Autorin, das auf Deutsch erschienen ist. Und obwohl ich kein Fan von Kurzgeschichten bin, hat das Buch mich völlig in seinen Bann gezogen. So viel Tragik, Dramatik und düstere Grundstimmung muss man als Schriftstellerin erst einmal in nüchterne und schnörkellose Sätze packen können. Es ist ein Buch, das tief unter die Haut geht, so tief, dass die Lektüre manchmal beinahe körperliche Schmerzen verursacht. Ein ungutes Gefühl im Magen allemal.

Aber von vorn.

Tove Ditlevsens Geschichten beschreiben den Alltag von Frauen in den Arbeitervierteln Kopenhagens der Nachkriegsjahre. Das tun sie eigentlich immer, denn damit kannte die Schriftstellerin sich am besten aus. Schwierigen Alltag, schwierige Beziehungen, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit sind ihre überwiegenden Themen. Daher schreibt sie über lieblose Ehen, Väter ohne Bezug zu ihren Kindern („Väter vergessen ihre Kinder doch immer, wenn sie sie lange genug nicht gesehen haben.“) und Frauen, deren Leben sie direkt aus der Unterdrückung in den Elternhäusern in die Unterdrückung in der Ehe führt. Da ist nichts mit Schönfärberei, Friede-Freude-Eierkuchen-Atmosphäre oder gar glücklichen Beziehungen – Tove Ditlevsen beschreibt alles bedrückend freudlos und düster, fast klaustrophobisch anmutend.

Die Charaktere in Ditlevsens Geschichten sind oft namenlos. „Sie“ und „er“ leben im Alltag oft nebeneinander, aber nicht miteinander, ihre Anonymität zeigt, dass es diese Konstellationen unzählige Male gab und die Personen beliebig austauschbar sind. Oft waren es zu der Zeit Vernunft-Ehen, in denen die Partner keine Partner im eigentlichen Sinne waren, da es oft wenig Gemeinsamkeiten gab, die Rolle der Frau durch Traditionen definiert war und ein Ausbruch daraus fast als „Größenwahn“ angesehen wurde. Wünsche und Träume finden nur im Geheimen statt, Selbstverwirklichung oder gar Emanzipation gibt es praktisch nicht. Dabei sind die Wünsche der Frauen gar nicht unbescheiden, zumindest nicht aus heutiger Sicht. Helga wünscht sich beispielsweise einen gelben Regenschirm. Eine namenlose „Sie“ hat ihr Herz einer streunenden Katze geschenkt und ihr Mann ist auf das Tier eifersüchtig.

Es sind Geschichten, die lange nachhallen und nachdenklich machen. Es sind präzise Sozialstudien, die die Leserschaft selbst interpretieren muss und man muss auch damit umgehen können, dass es für die Protagonistinnen (in der Hauptsache sind die Hauptfiguren in den Geschichten tatsächlich Frauen verschiedenen Alters) praktisch kein Happy End gibt. Wer die Autorin kennt, findet die vielen autobiografischen Aspekte in ihren Geschichten. Sie selbst starb im Alter von 58 Jahren nach langer Drogensucht und unglücklichen Ehen durch Suizid. Die Übersetzung von Ursel Allenstein, die unter anderem auch die „Kopenhagen Trilogie“ übersetzt hat, ist hervorragend gelungen. Ich kenne das Werk auch im Original und bin beeindruckt, in welcher Art und Weise die Übersetzerin die sprachlichen Feinheiten ins Deutsche übertragen hat. Die Sprache mag auf den ersten Blick klar, farblos und nüchtern sein, aber die wirkliche Finesse liegt in den Zwischentönen.

Auch die Wahl des Titels finde ich geglückt, auf Dänisch heißt der Band schlicht „Gesammelte Kurzgeschichten“ (Samlede Noveller) „Böses Glück“ heißt ja eine der Geschichten und fasst die Stimmung des gesamten Buchs exakt zusammen. Für mich war das Buch trotz der Melancholie, der düsteren Stimmung, der grausamen Schonungslosigkeit und schonungslosen Grausamkeit ein wahres Vergnügen. Von mir fünf Sterne.

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