Nette Geschichte, aber kritisch zu betrachten
Ich bin für dieses Buch ja im Grunde "zu alt", aber ich wollte gerne irgendwas mit Ballett lesen und da fiel mir dieses zufällig in die Hände.
Für junge Mädchen, die im dtv-junior-Alter sind, ist es sicher eine schöne Geschichte.
Sehr gefallen hat mir die Beziehung der beiden Schwestern zueinander und gerade die große Schwester mit ihrem Gothic-Style und Hang zu Okkultismus war ein sehr spannender Charakter. Delia, die Protagonistin war greifbar und man konnte gut mit ihr mitfühlen.
Leider wirft das Buch kein allzu gutes Licht auf Ballett an sich. In der Ballettschule herrscht ein verbitterter Konkurrenzkampf unter den Mädchen, an dem auch Freundschaften zerbrechen. Manche werden von der Lehrerin wie Dreck behandelt und sogar in die Magersucht getrieben. Bei Verletzungen gibt es Vorwürfe statt Trost. Demütigungen sind an der Tagesordnung. Das Ganze kommt eher einer Sekte gleich als einer Tanzschule.
Delia ist am Anfang ein leuchtender Stern und bekommt die volle Härte ihrer Ballettschule erst später zu spüren, als sie eine Rolle an ihre beste Freundin verliert. Leider wird es im Buch so dargestellt, als wäre das alles ganz normal im Ballett. Jedenfalls kam es mir so vor. Delia war früher an einer anderen Ballettschule, wo weniger Druck herrschte, dafür hat man dort angeblich aber kaum was gelernt. Sicher ist Ballett ein Sport, der Disziplin erfordert und gerade im Bereich des Leistungssports gibt es immer Konkurrenzkampf und all das, trotzdem fand ich es schade, dass es so auf Ballett pauschal angewendet wird. Es gibt auch Tanzschulen mit angenehmer Atmosphäre. Ich fürchte, dieses Buch könnte manche Mädchen, die eigentlich gern Ballett tanzen würden, davon abschrecken...


