Traudl Bünger

 4,5 Sterne bei 26 Bewertungen
Autorin von Die Romantherapie für Kinder, Lieblingskinder und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Traudl Bünger ist Programmredakteurin der lit.COLOGNE und arbeitet als Literaturkritikerin und Autorin. Mit »Lieblingskinder« erschien 2012 ihr literarisches Debüt. Als Heilmittel gegen Schreibkrisen aller Art dient ihr die Lektüre von Loriot.

Alle Bücher von Traudl Bünger

Cover des Buches Die Romantherapie für Kinder (ISBN: 9783458363774)

Die Romantherapie für Kinder

 (12)
Erschienen am 12.11.2018
Cover des Buches Lieblingskinder (ISBN: 9783462043853)

Lieblingskinder

 (6)
Erschienen am 12.03.2012
Cover des Buches Eisernes Schweigen (ISBN: 9783462004908)

Eisernes Schweigen

 (1)
Erschienen am 11.04.2024
Cover des Buches The Queen of Crime - Agatha Christie (ISBN: 9783837104134)

The Queen of Crime - Agatha Christie

 (6)
Erschienen am 26.07.2010
Cover des Buches The Queen of Crime – Agatha Christie (ISBN: 9783837137149)

The Queen of Crime – Agatha Christie

 (1)
Erschienen am 21.11.2016

Neue Rezensionen zu Traudl Bünger

Cover des Buches Eisernes Schweigen (ISBN: 9783462004908)
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Rezension zu "Eisernes Schweigen" von Traudl Bünger

Persönliche Aufarbeitung
Ruthvor 2 Monaten


Traudl Bünger, 1975 geboren, ist eine deutsche Autorin und promovierte Kulturschaffende. In  ihrem neuesten Buch „ Eisernes Schweigen“ beschäftigt sie sich mit ihrer eigenen Familiengeschichte. 

Ihr Vater war Anfang der 1960er Jahre Doktorand der Chemie und mit seinem Zwillingsbruder zusammen verstrickt in einen terroristischen Anschlag. 

Zu dieser Zeit war der Südtirol-Konflikt ein großes Thema. Nach dem Zweiten Weltkrieg hofften viele Südtiroler, wieder österreichisch zu werden. Sie fühlten sich seit Jahren unterdrückt von der Regierung Italiens und die rechte Szene in Deutschland solidarisierte sich mit der Unabhängigkeitsbewegung  in Südtirol. So auch Heinrich Bünger. Er baute Zeitzünder für Sprengsätze  und ließ auch, zusammen mit anderen Männern, eine Bombe in einem italienischen Bahnhof hochgehen. Doch statt wie geplant nachts zu explodieren,  wenn niemand mehr am Bahnhof war, ging die Bombe am Nachmittag des 20. Oktober 1962 hoch. Der Zeitzünder hatte versagt, ein Mann kam dabei ums Leben. 

18 Jahre lang zog sich das Verfahren gegen ihren Vater hin. Ein Urteil über dreieinhalb Jahre Haft wurde wieder aufgehoben. Letztendlich musste der Vater für seine Tat nie büßen.

Die Tochter wusste um das rechtsnationale Gedankengut ihres Vaters. Daraus hat er nie einen Hehl gemacht. Doch über dieses Attentat und seine Beweggründe hat er zeitlebens geschwiegen. „ Eisernes Schweigen“ nennt Traudl Bünger deshalb auch dieses Buch, bei dem sie versucht, nach dem Tod des Vaters, mehr über die Hintergründe zu erfahren.

Vier Jahre dauert ihre Recherche. Dafür hat sie sich in Archive vergraben, Hunderte von Akten durchsucht, Briefe, Protokolle und Gerichtsurteile gelesen. Aber  auch Zeugen befragt, darunter den Zwillingsbruder ihres Vaters, der sich damals, um der Strafverfolgung zu entziehen, nach Südafrika abgesetzt hat. Herausgekommen ist ein über 360 Seiten starkes Buch, das sehr genau und detailliert das Ergebnis ihrer Suche zusammenfasst. 

Dabei geht es natürlich auch oft um ihre persönliche Beziehung zum Vater. Denn einerseits war Heinrich Bünger ein verlässlicher Vater, einen, den sie geliebt hat.  Gleichzeitig hat sie in ihm das gesehen, was er war: „ ein Rechtsradikaler, ein Täter“. Mit diesen widersprüchlichen Gefühlen gilt es fertig zu werden.

Was Traudl Bünger ebenfalls beschäftigt und was auch ich interessant finde, ist die Frage, warum die Einstellung ihres Vaters nicht auf sie abfärben konnte. Eine genaue Erklärung dafür hat sie nicht, aber eine ungefähre Ahnung: Sie ist zu einer ganz anderen Zeit aufgewachsen als ihr Vater. Die gesellschaftliche Haltung zum Nationalsozialismus war eine völlig andere. Man kannte „ Das Tagebuch der Anne Frank“ und im Fernsehen lief, mit großem Medienrummel begleitet, die amerikanische Serie „ Holocaust“. Ihr Umfeld war  sehr kritisch eingestellt. Aber am prägendsten in dieser Hinsicht war die Haltung ihrer Mutter. Die hatte zwar nie mit dem Vater diskutiert und ist ihm auch nie ins Wort gefallen, wenn er sein rechtes Gedankengut verbreitet hat. „ Aber sie hatte ein Gegenmittel: Mitgefühl“. Da man weiß, dass das Verhalten  der Eltern größere Auswirkungen hat  als all ihr Gerede, ist dieses Argument stichhaltig.

Das Buch wechselt beständig zwischen verschiedenen Text- und Tonarten hin und her. Mal sachlich nüchtern werden Fakten zusammengetragen, werden Dokumente zitiert und  ausführlich die Recherchearbeit geschildert. Dann wird es emotionaler, wenn sie versucht, sich in die Gefühls- und Gedankenwelt ihres Vaters hineinzuversetzen. Wobei sie hier nur spekulieren kann, denn sein beharrliches Schweigen machen  verlässliche Aussagen unmöglich. Solche Passagen wären deshalb entbehrlich gewesen.

Interessanter dagegen sind Traudl Büngers Überlegungen zum Umgang des deutschen Staates mit der rechtsradikalen Szene, die sprichwörtliche Blindheit auf dem rechten Auge. Ganz offen konnte sich nach dem Zweiten Weltkrieg die rechte Szene organisieren und vernetzen.

Allerdings ist nicht jeder Gedankengang der Autorin nachvollziehbar, manche Bezüge erscheinen zu gewollt. Und, mein Hauptkritikpunkt, das Buch ist viel zu ausführlich. Nicht jedes Detail ihrer Nachforschung hätte so explizit geschildert werden müssen. Dem Buch hätte eine deutliche Straffung gutgetan.

Empfehlen möchte ich den achtteiligen Doku-Podcast des WDR mit Informationen und Hintergründen des Attentates, nachzuhören in der ARD- Mediathek.



Cover des Buches Lieblingskinder (ISBN: 9783462043853)
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Rezension zu "Lieblingskinder" von Traudl Bünger

Lieblingskinder
BeiterSonjavor 4 Jahren

Rosalie ist Mitte dreißig, Staatsanwältin und hat die Welt, das Leben und ihre Neurosen im Griff – denkt sie. Als ihr Vater plötzlich verschwindet, führt ihre Suche sie an jenen Ort, der für sie gefährlicher ist als jeder andere: ihre Kindheit.

Als Rosalie fünf war, war alles ganz einfach: Die Welt war böse und ihr Vater angetreten, sie zu retten, Rosalie als Assistentin immer an seiner Seite.Dreißig Jahre später ist die Welt nicht besser geworden, aber Rosalie weiß, dass sie nicht mit Privatermittlungen gegen Nachbarn, Lokalpolitiker und die US-Regierung gerettet werden kann. Aber als Rosalie nach dem Verschwinden ihres Vaters wieder in ihrem Elternhaus steht, umgeben von Aktenordnern mit vermeintlich stichhaltigen Beweisführungen, muss sie sich fragen, ob ihr Vater dieses eine Mal nicht eine wirklich heiße Spur verfolgt – und wie aus dem nervigen Nachbarsjungen von damals ein so attraktiver und zupackender Mann werden konnte …In Traudl Büngers temporeichem, vielschichtigem und pointiertem Debüt geht es um unsere Sehnsucht, die Welt zu verstehen und zu verändern. Es geht um einen Vater, der seine Familie an dieser Sehnsucht zerbrechen lässt. Es geht um eine Tochter, die um seine Liebe kämpft und zu spät erkennt, dass Väter keine Helden sind. Es geht um eine Staats anwältin, die Dienstvorschriften vergisst, um vielleicht sogar die Welt, zumindest aber die Glühbirne zu retten.


Anna Thalbach überzeugt wieder einmal mit ihrer Charakterstimme, die frisch und unverbraucht ist wie und je.

Cover des Buches The Queen of Crime - Agatha Christie (ISBN: 9783837104134)
AndreasKuecks avatar

Rezension zu "The Queen of Crime - Agatha Christie" von lit.COLOGNE

...fiktiver aber sehr amüsanter Dialog zweier Superspürnasen!
AndreasKueckvor 4 Jahren

Agatha Christie hat zu Lebzeiten tunlichst vermieden, ihre beiden beliebten kriminalistischen Spürnasen Miss Marple und Hercule Poirot gemeinsam ermitteln zu lassen, und tat gut daran: Bei den sehr unterschiedlichen Herangehensweisen und Ermittlungsmethoden der Beiden wäre womöglich ein erbitterter Konkurrenzkampf unumgänglich gewesen.

Erst Traudel Bünger, Autorin und bis 2018 als Programleitung des Literaturfestivals lit.COLOGNE tätig, wagte es, diese „heilige Kuh“ zu schlachten: Mit „The Queen of Crime: Agatha Christie“ lässt sie diese außergewöhnlichen Charaktere aufeinandertreffen. Mit Jürgen Tarrach als herrlich snobistischer Poirot mit französischen Akzent und Monica Bleibtreu als pfiffig-resolute Miss Marple mit Herz am rechten Fleck standen ihr zwei Vollblut-Akteure zur Verfügung.

Am 3. Dezember 1926 verschwand die damals 36-jährige Agatha Christie auf mysteriöse Weise, tauchte erst 11 Tage später wieder auf und machte aus diesem Umstand stets ein Geheimnis. Nach eigener Aussage war für Traudel Bünger, die „das Leben einer Kriminalschriftstellerin in einem literarischen Bühnenprogram erzählen will, ein solches Geheimnis ein Geschenk“. Und so nehmen Poirot & Marple alias Tarrach & Bleibtreu die Ermittlungen auf und liefern sich so einen verbalen Schlagabtausch auf Augenhöhe. Während Poirot die Tatsachen systematisch anhand der Chronologie der Ereignisse dem Publikum darlegt, unterbricht Marple ihn immer wieder, um anhand von Anekdoten aus ihrem Dorf St. Mary Mead die mitfühlende (zwischen-)menschliche Komponente nicht zu vernachlässigen. So stricken sie gemeinsam geschickt ein feines Netz der damaligen Ereignisse aus den wenigen bekannten Fakten, Zeitungsartikeln und Interviews von Agathas erstem Ehemann Archibald Christie und analysieren gemeinsam das Verhalten der beteiligten Personen.

Überzeugend arbeitet Traudel Bünger die sehr unterschiedlichen Methoden dieser gewieften Ermittler heraus: Während Poirot seine kleinen grauen Zellen sehr rational einsetzt und die reinen, unverfälschten Fakten berücksichtigt, achtet Miss Marple – sozusagen von Frau zu Frau – auf die Kleinigkeiten im Verhalten und auf Veränderungen im Auftreten von Mrs. Christie. Dabei diskutieren die Schöpfungen durchaus konträr über ihre Schöpferin.

So wagen sie eine Einschätzung, in wieweit die Geschehnisse im Dezember 1926 Einfluss auf die darauf folgenden Werke der Autorin Christie hatten. Auch werden sowohl ihr weiterer Lebensweg wie auch ihre Karriere pointiert beleuchtet: Scheidung vom ersten (untreuen) Ehemann, Reisen mit dem Orient-Express und in den Nahen Osten, Heirat mit dem 14 Jahre jüngeren Archäologen Max Mallowan, weltweite Erfolge als Autorin von Romanen und Bühnenstücke („Die Mausefalle“ wird seit dem Jahre 1952 ohne Unterbrechung in London aufgeführt), von der UNESCO zur erfolgreichsten britischen Schriftstellerin gekürt. Dabei wird deutlich, dass Agatha Christie zu ihrer Zeit schon eine sehr unkonventionelle Frau mit Humor war. So äußerte sie sich zu ihrer Ehe mit einem jüngeren Mann „Heiraten sie einen Archäologen: Je älter sie werden, desto interessanter findet er sie!“ Als sie am 12. Januar 1976 verstarb, zollte ihr die Theaterwelt von London Tribut: Von 22.00 bis 23.00 Uhr wurde das Westend dunkel und trauerte um die „Queen of Crime“.

Doch das Rätsel um die Geschehnisse im Dezember 1926 bleibt unaufgeklärt: Christie gab hierzu nur ein einziges Interview, dass so gut wie nichts zur Klärung beitrug, danach herrschte Schweigen…!

Aber Hercule Poirot und Miss Marple wären nicht DIE exzellenten Kriminologen, wenn sie nicht auch hierfür mit einer jeweils sehr persönlichen Lösung des Falls – jede/r im ganz eigenem Stil – glänzen würden. Und die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo in der Mitte…!

Die 78 Minuten dieses Live-Mitschnitts der lit.COLOGNE aus dem Jahre 2009 vergingen wie im Flug: Neben dem gelungenem Buch von Traudel Bünger ist dies in erster Linie den beiden vortrefflichen Darstellern Monica Bleibtreu und Jürgen Tarrach zu verdanken: Mit Charme und Humor hauchten sie ihren Charakteren Leben ein. Einziger (wirklich nur klitzekleiner) Wehrmutstropfen an dieser Einspielung ist der Umstand, dass der Zuhörer ihrer Performance hin und wieder die Lesung anmerkt, d.h. einige Dialoge wirken eher abgelesen als „frei“ interpretiert. Dafür lebt diese Aufnahme umso mehr von der Live-Atmosphäre mit den Reaktionen des Publikums.

Gespräche aus der Community

Die Nachricht über die Nominierung der "Romantherapie" für den Leserpreis 2013 hat es über den Kanal und über den großen Teich geschafft und die beiden Autorinnen Ella Berthoud und Susan Elderkin so sehr gefreut, dass sie Euch eine kleine Nachricht senden wollten:

Hurrah for German readers for wholeheartedly embracing the idea of literature as a curative force in their lives! We are thrilled to have been voted onto the shortlist of the Leserpreis and that Die Romantherapie  is going down so well.

We have been giving one another novels as balms, palliatives and gentle kicks up the backside since we met as English Literature students at Cambridge 25 years ago and continue to do so today. These days we are separated by an ocean – Ella lives in England and Susan lives in the States – and sending each other books has become more important to us than ever. Recently, Ella prescribed Susan A Tree Grows in Brooklyn by Betty Smith in order to encourage her to put down roots in New England. Susan, meanwhile, gave Ella Breakfast at Tiffanys by Truman Capote to inspire her as she headed out to revamp her winter wardrobe...   

We are passionate about fiction and if you are, too, please vote for Die Romantherapie in the next round – we are going for gold!  A life is infinitely richer – and, we would argue, happier – for regularly medicating with the literary treasures of the last 2,000 years. In an age when more novels are being published than ever before, and reading time is increasingly hard to come by, it’s vital to be selective when choosing what to read. Share our mission to help readers find the right book at the right time in their lives*.

Best wishes,
Ella and Susan

*And if you’re in need of guidance, too, why not post an ailment at our online surgery? Visit www.thenovelcure.com


Wer deutschsprachige Bücher empfehlen will oder Buchempfehlungen wüscht, der findet sie unter www.romantherapie.de

Hier geht's zur Leserpreis-Abstimmung:
http://www.lovelybooks.de/leserpreis/2013/sachbuch/?buch=1042875173
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