Was ist das größte Gut, das einer Frau widerfahren kann? Das ist eine Frage, die in diesem Buch insgeheim gestellt wird, und beide Mädchen, Zulaikha und Zeynab, beantworten sie gleich: Heiraten. Die Zukunft einer Frau besteht aus einer Heirat und der Aufgabe, Kinder zu kriegen.
Natürlich wird mir bei so einer Antwort schlecht, aber andererseits kann man die Kinder dafür nicht beschuldigen. Sie wurden so erzogen und sind mit dem Gedanken aufgewachsen, wie erst ein Ehemann sie glücklich machen wird.
Das Buch beschreibt die Zeit, als die Amerikaner in Afghanistan eingetroffen sind und die Talibane verjagt haben. Das Land steht vor einem Umbruch, vor einer neuen Wahl und der Hoffnung, eine glückliche Zukunft zu haben. Zulaikhas Familie profitiert von den Amerikanern und der Vater ist von den Ungläubigen begeistert.
Die Autorin beschreibt das tägliche Leben in Afghanistan, die Gesellschaft, die fünf Mal am Tag betet, die Frauen den untersten Stellenwert geben, und immer noch entscheidet der Vater, wen seine Töchter heiraten werden. Hauptsache die Mitgift stimmt. Immerhin besteht Zulaikhas Familie nicht aus Abschaum, sondern der Vater ist ein liebender Vater und die Stiefmutter ist zwar ein Ekel, aber am Ende habe ich sie richtig gemocht.
Es ist ein toller Einblick in die damalige Gesellschaft und würde ich jetzt nicht wissen, wie schlecht es um Afghanistan steht, hätte ich nach dem Buch auf eine bessere Zukunft geglaubt.
Es ist ein Buch für Jugendliche, aber mit einem Unterton, der verspricht, das nichts gut wird. Aber wie es zu Jugendbüchern gehört, bleiben viele Fragen offen und am Ende hat man so einen schalen Geschmack im Mund, weil es sich anfühlt, als hätte die Autorin mittendrinn die Geschichte abgebrochen. Ich hätte mir ein richtiges Ende gewünscht.
Das Buch hat einen einfachen Stil, der erlaubt, dass man es schnell durchliest. Es ist spannend, es hat seine Konflikte und vor allem hat das Buch eine Seele.


