Truman Capote Baum der Nacht

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Inhaltsangabe zu „Baum der Nacht“ von Truman Capote

Mit seinen Kurzgeschichten rührt Capote noch das unsentimentalste Herz. Er erzählt von verschiedensten Wegen, lieben zu lernen; beschreibt Verirrte und Verlassene; schafft es, Sonderlinge derart zu zeichnen, dass es unmöglich wird, nicht mit ihnen mitzufühlen. Seine Erzählungen verdanken ihren außer-gewöhnlichen Zauber vor allem einer Tatsache: Sie besitzen Seele. Und dennoch psychologisiert Capote nicht. Nie rutscht er ins Kitschige ab, nicht einmal wenn er von den heißen Sommern seiner Kindheit in Alabama berichtet oder von seinen Erinnerungen an die geliebte Verwandte Sook. Die CD Baum der Nacht enthält die Erzählungen Kindergeburtstag, Die Diamantgitarre, Eine Flasche voll Silber, Baum der Nacht, Ein Haus aus Blumen und – auf Deutsch bisher unveröffentlicht – Die Wände sind kalt und Das Schnäppchen. »Glänzend beherrscht Capote, was viele Autoren gar nicht können: Er schildert die Welt der Sinne in ihrer erstaunlichen, unerschöpflichen Fülle.« Los Angeles Times Book Review

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  • Rezension zu "Baum der Nacht" von Truman Capote

    Baum der Nacht
    yoko

    yoko

    09. June 2008 um 21:21

    ~ Ein paar Worte vorweg ~ Manche Begegnungen im Leben eines Menschens bleiben wie kleine Spurrillen zurück, in die sich jeder gern hineinsetzt, weil sie sich so wunderbar anfühlen. Einige sind liebevoll, andere bereichend, und wieder andere erfrischend. Die Begegnungen von denen ich spreche, müssen nicht ausschließlich von menschlicher Natur rühren. Es können auch Kunstwerke oder Bücher sein, die allein bei dem Gedanken daran, ein kleines Zittern in der Herzgegend hervorrufen. Genauso wird es mir jetzt für immer bei Baum der Nacht von Truman Capote ergehen. ~ Ein erster persönlicher Eindruck ~ Ich habe einige Bücher von dem amerikanischen Schriftsteller in meinem Regal stehen, entschied mich nach Frühstück bei Tiffanys aber zunächst für seine Erzählungen, die vor zwei Jahren neu übersetzt und vom Kein+Aber Verlag publiziert worden sind. Woran denkst du, wenn du dich an die Erzählungen erinnerst? höre ich meine Freundin fragen. Ich lehne mich zurück und antworte: Ich denke da an so Vieles. Ich sehe böse scharfsinnige Zungen, die sich gern über die Reichen und Schönen lustig machen, dabei gern überschlagen. Ich entdecke Einzelgänger auf der Suche nach dem Glück des Lebens. Ich schmecke Lust und Trauer gleichermaßen. Keine Geschichte ist gleich bei Truman. Wenn man denkt, man hätte ihn durchschaut, schlägt er mit einem Augenaufschlag charmant zurück, wedelt mit seinem Finger und haucht leise: “So, nicht, Schätzchen, so nicht!” ~ Eine übermütige Aufzählung ~ Wer taucht hier nun wirklich auf, denn ich ich spreche von den Reichen, Schönen und Sonderlingen. Geht es nicht ein bisschen konkreter? Reiche und Schöne, die Soldaten verarschen. Wohlhabende Frauen und Konsumsucht. Nerze, Nerze. Männer, die ihren Lebensabend nicht ganz genießen können. Menschen, die sich nicht in das Bild der Gesellschaft fügen wollen, weil sie etwa nicht heiraten wollen oder ein anderes Erscheinungsbild haben. Männer, die von der gewissen Freiheit träumen. Das sollte fürs Erste reichen. Heute. Morgen vielleicht mehr. Vielleicht. Oder Truman? Ich weiß nicht, Schätzchen, lass sie selbst lesen. Manches hast du aber wirklich überschätzt, Kleines. Tja, du willst es doch: das Drama. Tsss. ~ Ein grober Überblick ~ Die Erzählungen im Baum der Nacht sind zeitlich angeordnet. Wir beginnen mit “Die Wände sind kalt” aus dem Jahre 1943 und enden mit “Weihnachten mit Vater” - die Geschichte ist zwei Jahre vor seinem Tod entstanden - 1982. Anfangs war ich begeistert über die Kürze der Erzählungen und die Dramatik, die der Autor in die wenigen Zeilen stecken konnte; zum Ende hin werden sie länger, dadurch aber nicht schlechter. In den Erzählungen geht es neben den Reichen, auch um die bereits erwähnten Sonderlinge wie beispielsweise Miss Bobitt, die in “Kindergeburtstag” auftritt. Ein junges Mädchen, das mit ihren zehn Jahren schon unwahrscheinlich reif ist. Sie spricht nicht nur für sich, sondern auch für ihre Mutter, die an einer “Störung der Zungenfunktion leidet”. Miss Bobitt ist geschminkt, ihr Haar leuchtet durch den dicken Auftrag von Pomade. Ihr Erscheinen in der kleinen amerikanischen Stadt bringt, wie man es erahnt, alles durcheinander und kann kein gutes Ende nehmen. Schon zu Beginn erfährt der Leser, dass Miss Bobitt vom Sechs-Uhr-Bus überfahren worden ist. ~ Ein persönlicher Liebling - Der Schwarze Mann ~ Es gibt auch Stellen in dem Buch, die man immer wieder lesen muss, fast so als müsse man sich ständig ans Schienbein stoßen, weil sie sich zu gut und weise anhören, eigentlich ungewohnt für den Autor mit dem sarkastischen Blick. Ich denke hier an “Der Schwarze Mann”. Das Stück ist übrigens eins meiner liebsten in den 441 Seiten. Die Erzählung erinnerte mich auch ein bisschen an Haruki Murakami. Sicherlich hätte der Japaner sie anders geschrieben, aber der skurrile Kern hätte auch gut von ihm stammen können. (Anmerkung: Ein spontaner Blick in Murakamis Lebenslauf zeigte mir, dass er auch Bücher von Truman Capote übersetzt hat.) Und zwar geht es um eine junge Frau Sylvia, die ihre Träume an den Schwarzen Mann verkauft, um besser durch das Leben zu kommen. Sie ist früh aus ihrer kleinen Stadt nach New York geflüchtet, um ihr Leben zu leben, entgegen all den moralischen Vorstellungen, die ihre die Freundin Estelle stets macht. Diese ist gerade frisch verheiratet mit ihrem Butzi - ja, so nennt sie ihren Mann, der eigentlich Henry heißt - und glaubt, dass das Glück für jede Frau auf Erden bedeutet: “Ich persönlich, und ich habe erst gestern Abend zu Butzi gesagt, und er hat mir hundertprozentig recht gegeben, ich habe gesagt, Butzi, ich finde, Sylvia sollte heiraten. Du siehst ja, was für ein anderer Mensch ich bin seit ich verheiratet bin.” “Estelle, um gottes Willen! Jetzt hör mir mal zu: Du sprichst vom Heiraten, als wäre das die Antwort auf alles; na schön, bis zu einem gewissen Punkt stimme ich dir zu. Klar möchte ich geliebt werden, aber wer möchte das zum Teufel nicht? Aber selbst, wenn ich bereit wäre, Kompromisse einzugehen, wo ist dann der Mann, den ich heiraten soll? Und außerdem ist das hier kein Ort, um sich zu verlieben, hierher sollte man kommen, wenn man das Verliebtsein überwinden will. Klar irgendwen könnte ich heiraten, aber will ich das?” “Was willst du dann?” “Mehr als mir zusteht.” Das ist der eine Konflikt der Erzählung. Das eigentliche Thema ist der Einfluss des Schwarzen Mannes, der Sylvia sehr zu schaffen macht, so sehr, dass sie ihre Träume zurückhaben will. Sie lernt im Haus vom Schwarzen Mann Oreilly kennen, der in seinem Gesicht so eine Traurigkeit hat, die an einen Clown ohne Schminke erinnert. Er versucht seinen Kummer gern mit Alkohol zu betäuben. Nach zahlreichen Traumsitzungen hat Sylvia das Gefühl leer zu sein und sie fragt ihn, was der Schwarze Mann wohl mit den ganzen Träumen anstellt: “Ich habe viel darüber nachgedacht. Ich habe darüber nachgedacht, während ich mit einer Frau schlief, und ich habe mitten in der Pokerrunde darüber nachgedacht. Jeder beliebige Laut kann einen Traum auslösen; das Geräusch eines vorbeifahrenden Autos in der Nacht kann hundert Schläfer tiefer in sich selbst versenken. Schon komisch, wenn man bedenkt, dass ein einziges durch die Nacht rasende Auto so viele Träume mit sich zieht. Ich glaube nicht an Jesus Christus, aber ich glaube an die menschliche Seele; und ich stelle es mir so vor, Kleines: Träume sind der Geist der Seele und die geheime Wahrheit über uns. Und der schwarze Mann, der hat vielleicht keine Seele, und darum leiht er Stück für Stück deine, stiehlt sie dir, so wie er deine Puppen oder deine Hühnerflügel von deinem Teller stehlen würde.” ~ Ein kurzer Abriss der Sprache ~ Sie ist sehr nüchtern und klar. Capote gelingt es aber durch seine wunderbaren Beschreibungen, Bilder und Gefühle in uns zu erzeugen, die sich lebendig und wahrhaftig anfühlen. Der Grundtenor seiner Geschichten ist neben der listigen Zunge häufig melancholisch. Leser, die heitere Lektüre bevorzugen, werden hier enttäuscht werden, aber all die anderen da draußen, die nachhaltige Bücher lieben, werden zu ihrem Genuss kommen. Ich bin ja eine Verfechterin der schönen und poetischen Sprache, konnte aber bei Capote davon getrost Abstand gewinnen - wie gesagt zum Dank seiner großartigen Beschreibungen und die damit geschaffenen Atmosphären. Fast hätte ich es vergessen: Es gibt tatsächlich kaum eine Geschichte, in der das Wort “Schätzchen” nicht auftaucht. Irgendwie scheint die sein persönlicher Wortstempel zu sein. Und man fühlt sich unweigerlich an die stilvolle Holly Golightly aus “Frühstück bei Tiffany” erinnert.

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