Tschingis Aitmatow

 4 Sterne bei 537 Bewertungen
Autor von Dshamilja, Der weiße Dampfer und weiteren Büchern.
Tschingis Aitmatow

Lebenslauf von Tschingis Aitmatow

Tschingis Torekulowitsch Aitmatow zog in seiner Kindheit mit seinen Eltern von Weide zu Weide mit dem Vieh der Familie. Sein Vater hatte eine besondere Stellung da er der Verwalter war. Seine Mutter arbeitete nebenbei als Schauspielerin. Aitmatows Vater wurde 1938 wegen der "stalinistischen Säuberungsaktion" hingerichtet. Für Tschingis begann mit 14 Jahren die Ernährung der Familie. Zunächst arbeitet er bei einem Sekretär als dessen Gehilfe, bis er die Möglichkeit durch die Sowjetrepublik hatte eine Schule zu besuchen und sich für ein Studium zu qualifizieren. Zunächst studierte er Veterinärmedizin in Kasachstan, dann wechselte dann aber zu Literatur nach Moskau. Seine ersten schriftstellerischen Tätigkeiten. 1957 wurde er in den russischen Schriftstellerverband aufgenommen. 1958 erschien sein erfolgreichstes Werk "Dshamilja," welches später auch verfilmt wurde. Aitmatow arbeitete auch als Schriftsteller für verschiedene Parteizeitungen, er war Mitglied der Kommunistischen Partei Kirgisistans und Abgeordneter im Obersten Sowjet der UdSSR. Für seine Bücher erhielt er zahlreiche Auszeichnungen wie den Leninpreis und den Staatspreis. Er verstarb am 10. Juni 2008 in Nürnberg, da er durch seine schwere Diabetes einen Schwächeanfall hatte und sich eine schwere Lungenentzündung zuzog an dessen folgen.

Neue Bücher

Kindheit in Kirgisien

 (11)
Erscheint am 01.09.2019 als E-Book bei Unionsverlag.

Der Junge und das Meer

Erscheint am 20.09.2019 als Hörbuch bei Der Audio Verlag.

Alle Bücher von Tschingis Aitmatow

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Dshamilja

Dshamilja

 (252)
Erschienen am 20.02.2017
Der weiße Dampfer

Der weiße Dampfer

 (29)
Erschienen am 30.04.1995
Du meine Pappel im roten Kopftuch

Du meine Pappel im roten Kopftuch

 (22)
Erschienen am 15.02.2003
Der Schneeleopard

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 (21)
Erschienen am 09.07.2008
Frühe Kraniche

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 (18)
Erschienen am 01.04.2006
Der Junge und das Meer

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 (17)
Erschienen am 20.04.2009
Der erste Lehrer

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 (14)
Erschienen am 01.08.2001
Liebesgeschichten

Liebesgeschichten

 (15)
Erschienen am 01.08.2006

Neue Rezensionen zu Tschingis Aitmatow

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Rezension zu "Dshamilja" von Tschingis Aitmatow

Ein lesenswerter Klassiker der Weltliteratur: Melancholisch, authentisch und voll träumerischer Süße
wordworldvor 7 Tagen

 Dieses Buch sei "die schönste Liebesgeschichte der Welt", versichert Louis Aragon in seinem leidenschaftlichen Nachwort. Wenn das kein Grund ist, zur knapp 80seitigen Novelle des russischen Autors Tschingis Aitmatow zu greifen, welche der Unionsverlag so wundervoll mit Worterklärungen, Vorwort und Nachwort ausgerüstet hat... Und wirklich: diese Geschichte regt zum Träumen an und erzählt melancholisch und voll träumerischer Süße von der Kraft der Liebe, die sich über alles hinwegsetzt.


Erster Satz: "Da stehe ich nun wieder vor dem kleinen Bild mit dem schlichten Rahmen."


Seït, der Ich-Erzähler der Novelle, erinnert sich angesichts eines von ihm gemalten Bildes an die Geschichte seiner ersten Liebe Dshamilja, welche den scheuen Soldaten Danijar beim täglichen Getreidetransport zum Bahnhof kennenlernt. Da ihr Mann an der Front des Zweiten Weltkriegs kämpft, wie alle anderen Männer ihres Dorfes, des Ails, muss die junge, kräftige Frau ordentlich schuften, um für Verpflegung an der Front zu sorgen. Für den hinkenden, träumerischen Frontheimkehrer, welcher von allen gemieden wird, hat sie nur Spott übrig - bis er in einer magischen Augustnacht während der Heimfahrt zu singen beginnt: von der Steppe, der Sehnsucht nach seiner Heimat und seiner Liebe...


"Als der letzte Nachhall des Liedes schon zu verklingen schien, weckte ein neuer, schwingend aufsteigender Einsatz die schlummernde Steppe. Und sie hörte dem Sänger dankbar zu, dessen ihr vertraute Melodie sie liebkoste.“


So werden wir Zeuge einer jungen, verbotenen Liebe, die sich über die Schranken der Gesellschaft hinwegsetzt. Besonders mitreißend macht dies der Fakt, dass der Roman auf einer wahren Begebenheit basiert und aufgrund des Entschlusses des Autors, die Liebe über moralische Konventionen zu stellen, harsche Kritik eingefahren hat. Da der Erzähler noch ein Kind ist, kann man die unschuldige Sicht der Liebe nicht verurteilen und bekommt beiläufig ein wunderbares Bild seiner kirgisischen Heimat vermittelt. Die weite Steppe, wehende Gräser, ein tosender Fluss, hohe Berge, wilde Pferdeherden, weidendes Vieh, einfache Nomadenjurten - die Landschaft ersteht lebendig vor dem Auge des Lesers auf und so wird die kurze Geschichte durch aussagekräftige Bildern untermauert. Auch wenn die Novelle schon einige Jahre auf dem Buckel hat, schreibt Tschingis Aitmatow zeitlos und seine sanften Worte treffen immer noch ins Herz des Lesers.


„Wozu auch reden, mit Worten kann man nicht alles sagen.“


Der Höhepunkt des Sommers 1943 ist die strahlende Augustnacht, in der der verschlossene Träumer zu singen beginnt und damit nicht nur Dshamilja das Herz öffnet und Seït zur Kunst inspiriert sondern auch den Leser tief berührt. So ist diese Geschichte auch ein wenig ein poetischer Ausdruck der Liebe zu einer für den Autor verlorenen Heimat.


"Das war ein Mensch, der eine tiefe Liebe in sich trug. Keine Liebe, das fühlte ich, wie man sie für einen anderen empfindet, sondern eine weit größere, die Liebe zum Leben, zur Erde. Ja, er verwahrte diese Liebe in sich, in seiner Musik, er lebte durch sie. Ein gleichgültiger Mensch hätte niemals so singen können."


Spannend ist auch, dass nebenbei die Gesellschaft der Kirgisen porträtiert wird, die es heute so nicht mehr gibt. Unter der Sowjetherrschaft zwangsläufig sesshaft gewordenen stehen sie zwischen den Welten, zwischen Tradition und Neuerung, Glauben und Mythen, Jurten und Häusern, Ehre und Freiheit. Wir erfahren hier ein stolzes Volk, das sich der Kollektivierung zwar beugt, alte Bräuche aber noch im Privaten aufrechterhält. "Dshamilja" ist also nicht nur eine schöne Liebesgeschichte (ob es wirklich die schönste ist, will ich mich nicht festlegen), sondern auch eine Liebeserklärung an die Heimat des Autors und ein Porträt einer Gesellschaft im Umbruch.


Fazit:

Eine wundervoll zeitlose Novelle, die zum Träumen anregt und mit aussagekräftigen Bildern untermauert von der Kraft der Liebe erzählt, die sich über alles hinwegsetzt.
Ein lesenswerter Klassiker der Weltliteratur: Melancholisch, authentisch und voll träumerischer Süße!

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Rezension zu "Dshamilja" von Tschingis Aitmatow

Über die Liebe und die Schönheit der Natur in harten Zeiten
ninchenpinchenvor 6 Monaten

Wunderschöne Novelle zum Träumen – Erstellungsdatum 22.01.2019

Dshamilja von Tschingis Aitmatow.

Die Erzählung Dshamilja, von Louis Aragon als „Die schönste Liebesgeschichte der Welt“ bezeichnet, begründet nicht nur Aitmatows weltweiten literarischen Ruhm, sondern setzt ihn auch Anfeindungen aus, denn Dshamilja stellt mitten im Weltkrieg die Liebe über alles andere und widerspricht so dem offiziellen Frauenbild. (Aus Leben und Werk von T. A.)

 Ein 13-jähriger kirgisischer Junge namens Seït erzählt die Geschichte von Dshamilja, der Frau seines Bruders und Danijar, dem Fremden, der eines Tages mit Kriegsverletzungen im Dorf erscheint. Wir erfahren viel über das mühsame und doch so ursprüngliche Leben der Dorfbewohner. Dshamilja, Danijar und Seït fahren jeden Tag auf zwei Pferdewagen Säcke voll Korn für die Soldaten zur Bahnstation. Da die erwachsenen Männer alle an der Front sind (Zweiter Weltkrieg!), müssen die älteren Kinder, die Frauen und die Alten den Überlebenskampf allein ausfechten. Dshamilja ist eine fröhliche junge Frau, der die schwere körperliche Arbeit nichts auszumachen scheint.

Wir lernen in dieser Novelle auch die strenge Hierarchie in der Kolchose kennen.

 Interessant fand ich, dass die älteren Jahrgänge im Osten zu DDR-Zeiten Dshamilja als Schullektüre hatten, jüngere Jahrgänge aber offensichtlich nicht mehr, denen war diese Novelle nicht aus der Schulzeit bekannt.

Hier noch ein Zitat aus dieser wunderbaren Erzählung, Seite 76: „Im Laufen beobachtete ich, was sich um mich abspielte. Die Sonne stieg hinter den Bergen auf. Eine Sonnenblume, die am Wassergraben wuchs, bot sich ihr dar. Das weißköpfige Bittergras um sie herum neidete ihr das Licht, doch sie behauptete sich, fing ihm mit ihren gelben Zünglein die Morgenstrahlen weg und tränkte damit ihre dicht beieinanderstehenden Samenkerne.“

Im Anhang gibt es noch Worterklärungen der kirgisischen Ausdrücke, vorn eine Vorbemerkung und das Nachwort von Louis Aragon. (Ein französischer Dichter und Schriftsteller. Zusammen mit André Breton und Philippe Soupault begründete er 1924 den Surrealismus. Louis Aragon übersetzte diese Novelle ins Französische. Quelle Wikipedia)

Fazit: Wir alle sollten sicher mehr russische Literatur lesen. Und dieses kleine Büchlein ist es allemal wert gelesen zu werden.

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Rezension zu "Der weiße Dampfer" von Tschingis Aitmatow

Von Liebe und Hoffnung
suse9vor einem Jahr

Ein Junge, von Vater und Mutter verlassen, wächst bei seinem Großvater und dessen neuen Frau auf. Während die Frau ihn schikaniert und das Leben zur Hölle macht, liebt ihn der Großvater innig. Die Beiden haben ein herzliches Verhältnis, das den Jungen alles ertragen lässt. Von seinem gutmütigen Großvater lernt er, alle Lebewesen und die Natur zu respektieren. Doch der intelligente Junge merkt schon bald, dass nicht alle so denken.

„Der weiße Dampfer“ ist das 2. Buch Tschingis Aitmatows, das ich gelesen habe. Und nein, leider gehören der Autor und ich nicht zusammen. Die Geschichte selbst ist gut und dennoch verlor ich im Verlaufe die Lust zum Weiterlesen. Die Charaktere empfand ich zu einseitig beschrieben und übertrieben dargestellt, die Geschichte vorhersehbar und nicht überraschend. Auch wenn mir die Bildhaftigkeit und die eingeworfenen Märchen gefielen, wiederholten sich Handlungsstränge und wurden bis ins Kleinste erzählt. Ich mag Geschichten, die sich Zeit lassen. Diese jedoch hat mich nicht erreicht.

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Zusätzliche Informationen

Tschingis Aitmatow wurde am 11. Dezember 1928 in Scheker (Kirgisistan) geboren.

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