Tuomas Kyrö Bettler und Hase

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Inhaltsangabe zu „Bettler und Hase“ von Tuomas Kyrö

Der rumänische Bettler Vatanescu und ein knapp dem Tod entronnener Hase, der eigentlich ein Kaninchen ist, ziehen auf der Suche nach dem Glück durch Finnland. Sie begegnen integrierten Vietnamesen, kriminellen Ukrainern, trinklustigen
Saunagängern und überambitionierten Politaktivisten. Tuomas Kyrös tragikomischer Roman ist eine grandiose Mischung aus Roadmovie, Sozialsatire und modernem Märchen.

Ein wunderschöner Roman über die Freundschaft und die wichtigen Dinge im Leben!

— Lisaliest86

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  • Verlosung der Lieblingsbücher 2013 vom LovelyBooks-Team - unsere Buchtipps für euch!

    Daniliesing

    Es ist schon zu einer kleinen Tradition geworden, dass wir euch hier über die Weihnachtszeit auch mal unsere Lieblingsbücher vorstellen, die wir in diesem Jahr gelesen haben. Deshalb grübelt das gesamte LovelyBooks Team schon seit ein paar Wochen, welche Bücher wir euch empfehlen und als Buchpaket unter euch verlosen wollen. Denn die Entscheidung ist jedem von uns in diesem Jahr überhaupt nicht leicht gefallen, aber das kennt ihr bestimmt auch selbst. Neben dem Buchpaket mit den 10 Lieblingsbüchern vom Team verlosen wir außerdem einen Kobo GLO E-Reader in schwarz. Hier dürfen sich also gleich 2 Gewinner sehr freuen! Unsere Buchtipps: 1. miadonna empfiehlt: "Die Tochter der Wälder" von Juliet Marillier Ich drehe die Regeln dieses Jahr für mich etwas um und nenne nicht mein Lieblingsbuch für dieses Jahr, sondern möchte die letzte Gelegenheit nutzen euch eine Autorin ans Herz zu legen, die in Deutschland leider nicht die Aufmerksamkeit bekommt, die sie eigentlich verdient hätte. Für mich ist das richtig, richtig schmerzhaft, weil ich in einigen ihrer Serien feststecke, die jetzt nicht weiter übersetzt werden. Es geht um Juliet Marillier, die mir mit ihren Büchern diese besonderen Lesemomente ermöglicht, wie ich sie das letzte Mal als Teenager z. B. bei der Lektüre von den Nebeln von Avalon hatte. Das ist jetzt über 20 Jahre her und ich habe angenommen, dass mir dieses Gefühl 'völlig in der Geschichte zu leben' einfach nicht mehr passieren kann, weil ich a.) zu erwachsen b.) zu unaufmerksam c.) zu fantasielos geworden bin. Als mir dann Dani von ihrer Lieblingsreihe 'Sevenwaters' erzählte, wurde ich zwar hellhörig, aber ich hatte nicht mit diesem Geschenk gerechnet. "Die Tochter der Wälder" hat mich mit Haut und Haaren gefressen, ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen, ich musste mich wegen akuten Leserfiebers bei der Arbeit krank melden, die großen Abenteuer warteten schließlich auf mich. Nachdem ich die Tochter der Wälder gelesen hatte, musste Nachschub her und ich las mich im Anschluss durch alle verfügbaren Bücher und Reihen von Juliet Marillier. Normalerweise bin ich von irgendeinem Band dann enttäuscht, aber das ist mir einfach nicht passiert. Leider war irgendwann trotzdem Schluss, denn die Autorin findet keinen Verlag in Deutschland, weil sich ihre Reihen und Serien nicht in der Masse durchgesetzt haben. Wie traurig ist das denn? Deshalb hier an dieser Stelle noch einmal meine Empfehlung für die Bücher von Juliet Marillier. Und wer weiß, wenn sich jetzt alle Leser auf ihre Bücher stürzen, dann komme ich vielleicht doch noch einmal in den Genuss eines dieser raren Lesemomente... 2. MissBookarazzi empfiehlt: "Silver Linings" von Matthew Quick Mir fiel es dieses Jahr schwer, ein Buch zu finden, das mich so richtig begeistert hat. Doch mir ist schließlich eins aus dem Frühjahr eingefallen, das meiner Meinung nach zu wenig Aufmerksamkeit erhält und auf eine bestimmte Weise besonders ist! Die meisten sind durch die Oscars eher mit dem Film vertraut. Ich finde jedoch, man sollte zuerst das Buch kennen. "Silver Linings" ist ein versteckter Bücherschatz von Matthew Quick, der den Leser durch zwei eigene und verrückte Charaktere mitreißt und in die ungewöhnliche Geschichte von Pat und Tiffany entführt, die einen immer wieder überrascht und die verschiedenen Facetten des Lebens durch einen bemerkenswerten Blickwinkel sehen lässt. Das Buch ist sicherlich nicht für jeden Lesegeschmack geeignet. Aber wer ein Herz für skurrile und liebenswerte Charaktere hat, der wird Pat und Tiffany gerne auf ihrer Suche nach ihrem eigenen Happy End begleiten! 3. sarah_elise empfiehlt: "Bettler und Hase" von Tuomas Kyrö Urkomisch, verschroben und überaus liebenswürdig ist nicht nur der rumänische Antiheld Vatanescu sondern der gesamte Roman „Bettler und Hase“ des finnischen Autorenstars Tuomas Kyrö. In einer einzigartigen Manier mit fantastischen Elementen hangelt sich der rumänische Auswanderer in tiefem Vertrauen auf die westeuropäische Wohlstandsgesellschaft durch die kriminelle Unterwelt Finnlands; stets getrieben von der Sehnsucht nach finanzieller Sicherheit. Nachdem er Menschenhändler Jegor entkommen konnte, begibt sich Vatanescu auf einen Road-Trip quer durch Finnland und rettet versehentlich ein Kaninchen, das er „Hase“ tauft. Und während der treu-naive Protagonist sich schwertut, richtige Entscheidungen zu fällen, verfügt „Hase“ über den überlebenswichtigen Instinkt, bei Gefahr Reißaus zu nehmen. Auf ihrer Suche nach dem Glück trifft das komische Duo auf Gestalten der kuriosesten Facetten. Armut, Menschenhandel und organisierte Kriminalität stellen nicht die optimalen Rahmenbedingungen für ein modernes Märchen dar, doch Tuomas Kyrö schafft es mit rabenschwarzem Humor und seinem rumänischen Forrest Gump den Leser zu verzaubern. Wo Vatanescus Reise endet und welche Rolle der finnische Ministerpräsident und Facebook spielen, wird nicht verraten, doch die Lektüre unterhält und lehrt uns die Sehnsucht der Menschen nach Gerechtigkeit und Humanität in einer kapitalistischen Gesellschaft. 4. DieBuchkolumnistin empfiehlt: "Troposphere" von Scarlett Thomas Die britische Autorin Scarlett Thomas hat mit “Troposphere” ihren siebten Roman geschrieben und darin mit Ariel Manto eine weibliche Hauptdarstellerin geschaffen, die mir sympathischer nicht sein könnte: sie ist verrückt, witzig, rothaarig, im ständigen Schwanken zwischen Pessimismus und Hoffnung, stark und liebevoll und süchtig nach ständigem Wissensnachschub und Austausch über ihre verschiedenen Theorien rund um unsere Existenz. Gerade die vielen naturwissenschaftlichen und philosophischen Erläuterungen machen den Roman wahrscheinlich für viele Leser völlig untauglich – für mich machten genau diese Diskurse den Reiz aus und sie fordern jederzeit volle Aufmerksamkeit.Ein Roman, an dem sich die Geister sicherlich scheiden – ich bin sofort reingekippt und wollte nie mehr raus. Eines der Bücher, die ich immer wieder und wieder lesen will und dabei stets Neues entdecken werde, denn vorhersehbar ist hier nur eines: man ist nach dem Buch schnell ebenso süchtig wie Ariel Manto nach der Troposphäre. 5. malano empfiehlt: "Leb wohl, Schlaraffenland" von Roland Düringer und Clemens G. Arvay Man könnte sagen: "Das Buch zum Film", auch wenn es keinen Film im klassischen Sinne gibt, sondern ein Videotagebuch! Seit 2. Januar dieses Jahres hat sich der österreichische Kabarettist und Schauspieler Roland Düringer, einem interessanten Selbstversuch unterzogen und zwar: Wie wäre es in der heutigen Zeit ein Leben wie in den 70ern (seiner Kindheit) zu führen, abseits von Telefon, Internet, e-Mail, Bankomatkarte, Auto, Supermärkten und ständiger Verfügbarkeit... Roland Düringer hat also begonnen nach und nach, die Werkzeuge der heutigen Zeit zu reduzieren oder wegzulassen und beobachtet was dies für sich und sein Leben bedeutet und hat dies in Form eines Videotagebuches auf www.gueltigestimme.at festgehalten und dokumentiert. Und da mich nun dieses Videotagebuch und Düringers Experiment seit Anfang dieses Jahres begleiten, empfehle ich euch somit quasi das neu erschienene "Buch zum Film" mit dem Titel: "Leb wohl, Schlaraffenland - Die Kunst des Weglassens", oder wie in der Inhaltsangabe beschrieben: ein Leben wie früher zu führen und dabei die Zukunft zu gewinnen. 6. Kari empfiehlt: "Ich bin verboten" von Anouk Markovits In diesem Jahr hat mich ein Buch ganz besonders ergriffen, das mir sogar noch nach Monaten immer wieder ins Gedächtnis rückt. Klammheimlich schleicht es sich in meine Gedanken, während der Bahnfahrt nach Hause oder wenn ich mir gerade eine neue Lektüre aussuche. Die Rede ist von „Ich bin verboten“ von Anouk Markovits, einem Roman, der die Geschichte einer streng gläubigen jüdischen Familie vom Zweiten Weltkrieg bis in unser 21. Jahrhundert hinein erzählt. Die Autorin, welche selbst als Satmar-Chassidim, einer jüdischen Sekte, aufwuchs, berichtet von diesem streng regulierten und kontrollierten Leben, das vor allem Frauen in ihre Grenzen weist. Durch zwei weibliche Hauptfiguren, die zwar unterschiedliche Wege beschreiten, aber auf ihre Art und Weise mutig und entschlossen sind, ihr Leben zu meistern, beschreibt Anouk Markovits, wie enge Fesseln ein Leben voller Möglichkeiten zu einem ungelebten Leben werden lassen können. Ihr Erzählstil ist wie ein Sog, der den Leser diese völlig fremden Leben hautnah erleben lässt. 7. kultfigur empfiehlt: "Die letzte Generation" von Arthur C. Clarke "Die letzte Generation" von Arthur C. Clarke ist Vorlage und Inspiration für viele andere Science-Fiction Bücher, Serien und Filme (u.a. "V - Die Besucher"). Die Geschichte erzählt von der Begegnung der Menschen mit einer außerirdischen Rasse, die plötzlich mit riesigen Schiffen am Himmel über den Metropolen der Welt auftauchen. Es ist das Ende der Menschheit wie wir sie kennen. Doch was wissen wir schon ... 8. doceten empfiehlt: "Shotgun Lovesongs" von Nickolas Butler "Shotgun Lovesongs" ist inspiriert von der Lebensgeschichte und Musik von Bon Iver und damit ein toller Roman über Freundschaft und über die große Frage, was das Leben eigentlich wirklich ausmacht. Butler schafft es, im Leser Fernweh und Heimweh zugleich zu wecken. Fernweh nach der wunderbaren Natur Wisconsins, nach dem Wechsel der Jahreszeiten und dem einfachen, idyllischen Leben auf dem Lande dort. Heimweh nach der eigenen Familie und den Jugendfreunden, die zumindest in meinem Fall sehr weit weg wohnen und die für mich immer noch sehr wichtig sind. Viel wichtiger ist aber, dass das Buch die Musik von Bon Iver selbst aufgreift. Die großen Themen des Romans sind auch die Themen der Songs von Justin Vernon. "Shotgun Lovesongs" ist Bon Iver zwischen zwei Buchdeckeln - das ist toll und darin liegt auch der gelungene Geniestreich von Butler! 9. Trumans empfiehlt: "Monster" von Benjamin Maack „Monster“ von dem deutschen Autor Benjamin Maack ist mir schon im Buchladen sofort ins Auge gefallen, durch sein schlichtes, aber unglaublich stimmiges Cover: schemenhaft blickt der Betrachter in die Tiefen eines Waldes. Sonst Nichts. Wald, Autor und Titel und mein erster Eindruck wurde beim Lesen gefestigt. „Monster“ beinhaltet einzelne Erzählungen, die aber doch zusammengehören. In jeder steht eine Figur mit Namen Benjamin im Zentrum. Immer sind es Personen, die herumirren, ihren von Gewalt oder Sexualität verstörten Blick umherschweifen lassen und erschreckend Unkonventionelles tun. Maack erzählt höchst atmosphärisch und packend, überzeugend und provokant. 10. Daniliesing empfiehlt: "Wunder" von R.J. Palacio Oft lese ich Bücher und mag sie sehr gern. Doch selten lese ich ein Buch und kann nicht anders, als es wirklich zu lieben! “Wunder” liebe ich!  Die US-amerikanische Autorin Raquel J. Palacio hat mit ihrem Buch “Wunder” ein echtes Buchwunder geschaffen. Ich habe es aufgeschlagen und wollte nur mal kurz reinlesen, doch nach nur ein paar Seiten war ich schon mitten in der Welt von August, liebevoll Auggie genannt, angekommen. Ein erstaunlich gefühlvoller Jugendroman, der deutlich zeigt, wie bedeutsam es ist, wer wir wirklich sind und wie unwichtig in diesem Zusammenhang Äußerlichkeiten sind, die nur einen so geringen Teil der Persönlichkeit eines Menschen ausmachen. Seid ihr neugierig auf unsere 10 Lieblingsbücher 2013 geworden? Dann habt ihr jetzt bis einschließlich 6. Januar Zeit bei der Verlosung eines Buchpakets mit allen 10 Büchern mitzumachen. Eine kleine Anmerkung zu "Die Tochter der Wälder": Da das Buch vergriffen ist, müssen wir erstmal schauen, ob wir noch ein Exemplar auftreiben können. Alternativ wird sonst ein anderes Buch von Juliet Marillier im Paket liegen. Bitte gebt bei eurer Teilnahme außerdem an, ob ihr das Buchpaket oder den Kobo GLO gewinnen möchtet bzw. ob euch beides interessiert. Jetzt müsst ihr uns nur noch folgendes verraten und dann seid ihr dabei: Welches Buch würdet ihr euch am meisten zu Weihnachten wünschen und wieso? Falls ihr erst nach Weihnachten mitmacht, erzählt uns doch stattdessen, welche Bücher ihr geschenkt bekommen habt! Wir wünschen euch ein wunderschönes Weihnachtsfest & einen guten Rutsch ins neue Jahr!

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  • Gesellschaftskritische Irrungen und Wirrungen

    Bettler und Hase

    antjemue

    06. September 2013 um 01:31

    In den letzten Jahren reizen mich auch immer wieder Werke aus der Gegenwartsliteratur. Auch auf das sozialkritische Buch des finnischen Autors Tuomas Kyrö wurde ich durch das Amazon Vine Programm aufmerksam. Der in Helsinki lebende Kyrö hat bereits mehrere Romane veröffentlicht und dafür zahlreiche Auszeichnungen erhalten. Bettler und Hase war wochenlang an der Spitze der finnischen Bestsellerlisten. Bettler und Hase Vatanescu hat weder Arbeit noch Geld. Seinem Sohn Miklos kann er nicht einmal den sehnlichsten Wunsch – ein Paar Fußballschuhe – erfüllen. Daher lässt er sich gemeinsam mit seiner Schwester auf den Schlepper Jegor ein und reist illegal nach Finnland ein. Seine Schwester muss sich prostituieren, er wird zum Betteln geschickt. Natürlich kassiert Jegor den größten Teil der damit erzielten Einnahmen und demütigt seine „Arbeitskraft“ auf jede erdenkliche Art und Weise. Doch irgendwann reicht es auch dem bescheidenen Vatanescu. Er überwältigt Jegor, rettet ein Kaninchen und versucht in einem ihm fremden Land zu überleben… Waren meine Erwartungen zu hoch? Leider konnte ich mich nicht richtig mit dieser Geschichte anfreunden und habe mich regelrecht durchgequält. Sicher Vatanescu möchte – außer den Fußballschuhen für seinen Sohn - eigentlich nichts anderes als ein menschenwürdiges Dasein und das ist etwas, auf das meiner Meinung nach auch jeder Mensch ein Recht hat. Und natürlich müssen menschenunwürdige Umstände auch angeprangert werden. Aber bei aller Überhöhung und Skurrilität der agierenden Charaktere, das Kaninchen als Reisebegleiter empfand ich - als langjährige Kaninchenhalterin, die sehr auf artgerechte Haltung und Ernährung achtete - sehr unglücklich gewählt. Dieses arme Tierchen hätte unter den beschriebenen Umständen keine 3 Tage überlebt. Mag sein, dass mir persönlich hier der nötige Abstand fehlt und ich bereits deshalb zugemacht habe und mich für die anderen Feinheiten der Geschichte dann auch nicht mehr öffnen konnte. Ich persönlich empfand sie als langatmig und bis auf die tatsächlich existierenden Umstände (Schlepperbanden, Bettelei und Prostitution) sehr unrealistisch.

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  • Ein modernes Märchen mit einem forrest-gumpigen Antihelden

    Bettler und Hase

    sarah_elise

    31. July 2013 um 13:07

    Urkomisch, verrückt und gespickt mit kleinen liebenswerten Geschichten und Anekdoten, das ist der Roman Bettler und Hase des finnischen Autors Tuomas Kyrö, der inzwischen auch in Deutschland mehr und mehr Leserherzen im Sturm erobert. Die Rahmenhandlung ist flink erzählt. Der rumänische Romanheld Vatanescu verlässt seine Heimat in der Hoffnung auf das große Geld. Doch während andere von Häusern und Autos träumen, reicht es ihm, einmal so vermögend zu sein, dass er seinem Sohn Miklos ein paar Fußballschuhe kaufen kann. Natürlich hätte unser Held auch andere Optionen gehabt, er hätte Autos oder das Kupfer aus Telefonkabeln stehlen oder eine Niere verkaufen können. Aber von allen schlechten Angeboten war das von Jegor Kugar das beste. Bereits im ersten Satz klingt der schwarze Humor durch, mit dem der Roman besticht. Es schwingen die Missstände der europäischen Wohlstandsgesellschaft mit und hinter der Ironie versteckt sich die Sehnsucht der modernen Gesellschaft nach Menschlichkeit und Gerechtigkeit. Und so begibt sich Vatanescu auf der Suche nach dem großen Geld in die Obhut des Menschenhändlers Jegor, bei dem er nach seiner Ankunft in Finnland seine Schulden für die Reise als Bettler in einer organisierten Bande abzahlen muss. Armut, Menschenhandel und organisierte Kriminalität, das sind in der Tat nicht die perfekten Rahmenbedingungen für ein liebevolles modernes Märchen über einen forrest-gumpigen Antihelden, der in all seinem Unglück doch immer wieder so viel Glück erfährt, wie er gerade benötigt. Nachdem er Menschenhändler Jegor entkommen konnte, begibt sich Vatanescu auf einen Road-Trip quer durch Finnland und rettet durch Zufall ein Kaninchen, das er Hase tauft.  Denn während der rumänische Hoffnungssuchende sich schwertut, richtige Entscheidungen zu fällen, da er stets an das Gute im Menschen glaubt, hat das Kaninchen den richtigen Instinkt, wann es an der Zeit ist, Reißaus zu nehmen. Und so tut Vatanescu stets gut daran, sich vom Hasen leiten zu lassen. Auf ihrer gemeinsamen Suche nach dem Glück trifft das komische Duo auf Gestalten der kuriosesten Facetten, die es jedoch stets gut mit ihnen meinen und ihnen bei ihrem Aufstieg im westeuropäischen Kapitalismus helfen. Und so wird aus dem einstigen Bettler mit seinem Hasen an der Seite ein Bauarbeiter, ein Beerensammler, eine Facebook-Berühmtheit und unfreiwilliger Umweltaktivist. Wo die Reise des rumänisch-finnischen Forrest Gumps endet und welche Rolle der finnische Ministerpräsident spielt, wird nicht verraten, doch die Lektüre unterhält und lehrt. Denn am Ende siegt märchenhaft das Gute über das Böse und der naiv wirkende Antiheld triumphiert. In Finnland zählt Tuomas Kyrö bereits seit längerer Zeit zu den renommiertesten jungen Autoren und seine Werke wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Mit Bettler und Hase dominierte er wochenland die finnischen Bestsellerlisten und so können auch wir deutsche Leser, für die Bettler und Hase die erste Begegnung mit Tuomas Kyrö darstellt, auf eine im wahrsten Sinne des Wortes fantastische Zukunft mit den Büchern des Märchenfinnen hoffen.

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  • 'Ich verlange nicht viel, bekomme aber nichts.'

    Bettler und Hase

    sabatayn76

    20. July 2013 um 08:28

    Inhalt: Eines Tages verlässt Vatanescu seine rumänische Heimat und seinen Sohn Miklos, weil er vom dubiosen Drogen-, Waffen- und Menschenhändler Jegor Kugar ein Jobangebot bekommen hat. Er arbeitet nunmehr als Bettler in Finnland, ist jedoch nicht sonderlich erfolgreich. Schließlich gelingt es Vatanescu, sich aus Jegor Kugars Fängen zu befreien, und er macht sich zusammen mit einem Kaninchen auf eine Reise durch Finnland. Mein Eindruck: Schon der erste Satz des Romans zeigt, dass man es hier mit einem teilweise bitterbösen Buch zu tun hat. So fanden sich auch im Verlauf immer wieder sehr sarkastische Stellen, doch wirklich witzig fand ich das Buch nicht, gelacht habe ich auch nicht. Insgesamt liest sich 'Bettler und Hase' durch die kurzen Kapitel, die einfache Sprache und den flüssigen Schreibstil sehr schnell. Stellenweise fand ich das Buch trotz des eigentlich sehr ernsten Themas amüsant, auch die sozialkritischen Kommentare haben mir gut gefallen. Insgesamt hat mich die Geschichte jedoch weder beeindruckt noch sonderlich begeistert oder unterhalten. Vermisst habe ich zudem einen Spannungsbogen (die Geschichte plätschert meiner Meinung nach einfach nur dahin), oft waren mir die Erlebnisse von Vatanescu zu bizarr und zu grotesk. Mein Resümee: Einzelne Aspekte des Buches (Sozialkritik, Sarkasmus etc.) haben mir zwar gut gefallen, alles in allem kann ich die Lektüre aber nicht empfehlen.

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  • Naja...

    Bettler und Hase

    Jetztkochtsie

    10. July 2013 um 18:33

    Ich mag skurrile Bücher. Geschichten von Menschen, die mutig genug sind, Dinge zu tun, die nicht in unser Schema passen. Demnach hätte mir dieses Buch, eines Bettlers, der sich aufmacht Stollenschuhe für seinen Sohn zu beschaffen eigentlich gefallen müssen. Hat es aber nicht oder nur teilweise. Das lag zum einen daran, daß es dem kürzlich von mir als Hörbuch gehörten "Der Hundertjährige der aus dem Fenster stieg und verschwand" (hat mir sehr gut gefallen) zu ähnlich ist, um dabei noch an einen Zufall glauben zu können und daß sich die zweite Hälfte des Buches für mich unwahrscheinlich in die Länge zog und mir trotz der durchaus interessanten, witzigen und skurrilen Wendungen einfach nicht gefiel. Das mag auch daran liegen, daß ich etwas irgendwie anderes erwartet hatte, aufgrund des niedlichen Covers hatte ich das Buch irgendwie in die Sparte Jugendbuch einsortiert und das ist es ganz sicher nicht. Das Buch ist ziemlich sozialkritisch, dabei bedient es sich häufig einer sehr trotzigen Sprache, schockiert den Leser durch Direktheit, um direkt im Anschluß wieder eher bildhaft zu sprechen. Für mich war es von allem ein wenig zu viel, um als wirklich gut oder gar grandios zu gelten. Die Sprache, eben diese Direktheit hat mir durchaus gefallen, die Geschichte an sich konnte mich jedoch ab der Mitte des Buches nicht mehr überzeugen. Schade.

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  • Bemüht Sozialkritisch und teils einfach nur hahnebüchen

    Bettler und Hase

    sabisteb

    07. July 2013 um 14:40

    Der Rumäne Vatanescu will Geld verdienen, um seinem Sohn Stollenschuhe zu kaufen. So machen er und seine Schwester sich mit einem illegalen Schlepperring auf nach Schweden. Vatanescus Schwester wird ihren Körper verkaufen, Vatanescu selber wird als professioneller Bettler arbeiten. Letztendlich kommt Vatanescu aber nicht mit seinem Chef Jegor Kugar klar und entmachtet ihn eher unfreiwillig, indem er sich gegen ihn auflehnt und wegläuft. Für Vatanescu beginnt eine Flucht durch Schweden vor Jegor auf der Suche nach Arbeit, damit er endlich Stollenschuhe für Miklos kaufen kann. Begleitet wird er dabei von einem Wildkaninchen, dem er das Leben gerettet hat und Fans im Internet, für die er zu einer Ikone (für was auch immer) wird. Bizarr. Einerseits ein Roadmovie, eine klassische Flucht durch ein unbekanntes Land, andererseits Sozialkritik der plumpen Art. Vatanescu ist das, was man auch in Deutschland als Wirtschaftsflüchtling ansieht und nicht gerne sieht. Keiner will, dass einem die billigen rumänischen Arbeiter die Arbeit wegnehmen, auch wenn diese nur auf brutalste Art ausgenutzt werden und keinerlei Möglichkeite haben, sich zu wehren. So in Deutschland z. Bsp. in der Schlachtindustrie, wo sie kaserniert zu Dumpinglöhnen arbeiten müssen und man ihn von diesem Lohn auch noch Teile vorenthält. Die widerfährt auch Vatanescu. Arbeiten für nichts, schwarz, auf der Flucht vor Jegor und den Behörden. Falls dem Leser nicht aufgefallen sein sollte, das es das wirklich gibt, dafür gibt es dann solche Einschübe: „Die Arbeit wird nicht nach China verlagert, weil unanständige Kapitalisten sie dort haben wollen, sondern weil der Verbraucher preiswert einkaufen möchte. Der Kunde will Billig haben, dann gibt es auch Billig, dann wird eben Billig verkauft. Heute hat jeder die Möglichkeit oder die Mittel oder die Solvenz oder wenigstens den Schnellkredit für alles. In dem Bereich funktioniert die Demokratie wahrscheinlich am unumstrittensten: im Billighandel.“ „Etwas sehr Wesentliches ist die Aufteilung der Erträge. Fünfundzwanzig Prozent sind zu wenig. Wer den schwereren physischen Einsatz leistet, der muss auch mehr bekommen, als Entschädigung dafür, dass er der Firma seine Körperkräfte zur Verfügung stellt. Alle Welt ist gegen Prostitution und Menschenhandel, aber niemand beschwert sich darüber, dass Bauarbeiter ihre Körper verkaufen. Die Geschäftsführung bescheißt ihre Untergebenen, wirtschaftet in die eigene Tasche und erpresst die Arbeiter mit Pinkelpausen. Denkt darüber mal nach!“ Das stimmt alles, aber es ist einfach nur plump das so in den Text zu schreiben, das sollte der Leser durch die Augen des Helden lernen, nicht, indem man es ihm Mundgerecht vorformuliert. Zudem ist der Autor ein Fan von Arto Paasilinna. Er eifert seinem Vorbild in diesem Buch nach, kommt dem Stilistisch zwar nahe, aber nicht inhaltlich. Der wirklich böse, schwarze Humor ist nicht mal ansatzweise vorhanden und so rasant und unterhaltsam wie das Original ist er auch nicht. Da hilft es nicht, dass man mehrfach auf die Bücher des Vorbildes im Text hinweist und ihn auch mehrfach explizit nennt, dadurch wird die Geschichte den Vorbildern nicht ähnlicher, sondern nur ein Abklatsch und ein peinliches Anbiedern. Für deutsche Leser kommen erschwerend Schwedisch endemische Begriffe und Dinge hinzu, die nicht erklärt werden und die als Vergleich bei deutschen Lesern ohnehin verpuffen. Hier kennt kaum einer Trine Hattestad, Sinikka Sokka, Bandy-Match und auch „Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch“ dürfte kaum einer gelesen haben. Das Kaninchen wäre hätte bei Arto Paasilinna wohl zumindest zu Vatanescu geredet. Hier ist es nur ein Tier, das nicht artgerecht gefüttert und gehalten wird und bei dem es wundert, dass es nicht schon vorher wegen falscher Ernährung stirbt. Ja Kaninchen fressen alles, auch mal Schokolade und ein Schlückchen Sekt hinterher, wenn man nicht aufpasst, aber mit Pizza kann man es nicht ernähren. Der Schluss ist nur noch abstrus, unglaubwürdig, an den Haaren herbeigezogen und dümmlich. Fazit: Bis zur Mitte ganz unterhaltsam und teils gewollt sozialkritisch, dann fängt es an, sich wie Kaugummi zu ziehen und das Ende ist eine komplett unglaubwürdige Katastrophe. Das ändert nichts daran, dass das Buch auf der Shortlist des Finnlandia Preises war. Die Finnen haben wohl einen anderen Buchgeschmack als ich.

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  • Die Kälte des Lebens in der Gegenwart

    Bettler und Hase

    michael_lehmann-pape

    30. April 2013 um 14:09

      Schon nach den ersten Seiten wird deutlich, dass dieser neue Roman von Tuomas Kyrö völlig zu Recht zunächst in Finnland ein Bestseller war und ist. In einer ganz eigenen Sprache, die von den ersten Zeilen an eine ganz eigene, präzise Atmosphäre schafft, führt Kyrö den Leser an der Seite seiner Hauptfigur Vatanescu durch eine moderne Welt, die einander eher kühl gegenübersteht, wo „alte Werte“ der Solidarität, des Mitleids, der Menschlichkeit nur mehr vereinzelt (und selbst da auch brüchig) anzutreffen sind. Wo das Gros der Menschen in (durchaus zutreffende und treffend auf den Punkt gebrachte) Stereotype einzuordnen ist.   Eine Welt, die zunächst gemildert scheint durch die teils ironischen Wendungen und Umschreibungen, die Kyrö oft benutzt, bis der Leser feststellt, dass hinter manch ironischer, teils fast surrealer Wendung doch Zynismus zum Vorschein gelangt und das, was da passiert, auch durch weitschweifige Stilmittel nichts von seiner bedrückenden Realität verliert.   Gut, dass als Gegenpol jener Bettler Vatanescu, keine Aussichten, nichts, das er wirklich sein eigen nennen könnte, zu Beginn stumpf ertragend, Schritt für Schritt wie „aus dem Nichts heraus“, Mut fasst, sich wehrt, einen eigenen Weg mühsam sucht. Auf einer Durchstreifung Finnlands. Mit Erlebnissen und Beobachtungen, die in dieser Form aber nicht auf das konkrete Land festgelegt sind, sondern überall im „westlich zivilisierten Europa“ so oder ähnlich geschehen würden.   „Während der Fahrt hielt Vatanescu die Hand seiner schlafenden Schwester. „wenn ich könnte, würde ich dich beschützen. Aber zuerst muss man auf sich selbst aufpassen“. Seine Schwester, die „saß auf ihrer der einzigen Handelsware“.   Eine russische Bettler- und Schlepperbande ist es, der sich der Rumäne Vatenscu mit seiner Schwester anschließt. Die Schwester, die weiter gereicht wird, um reichere Männer mit ihrer „Handelsware“ zu beglücken und Vatanescu, der als „professioneller Bettler“ in Finnland mit seinem Becher auf dem Marktplatz kniet. Einmal am Tag ein Toilettengang, Kost und Logis frei (alte Konserven und verranzte Wohnwagen), keine Sozialleistungen, natürlich. Der sich freimachen wird mit aller Restenergie, die er noch hat. Und der auf seiner Reise durch Finnland mit einem Hasen auf alle möglichen Menschen in allen möglichen Lebensumständen trifft. Menschen, deren Geschichte Kyrö je komprimiert erzählt, Menschen, von denen die wenigsten (und dann eher die Ärmeren) ihn als Menschen betrachten. Aus Geschäften zumindest wird er direkt entfernt, trotz des Geldes, das er vorzeigen kann.   „Wir suchen uns unsere Kunden aus!“. Bekommt er zu hören.   Ob das übrigens wirklich so ist? Das man sich erst einmal um sich selbst kümmern muss? Oder ob Vatanescu, inspiriert durch einen Hasen, nicht doch lernt, dass innere Freiheit auch mit der Zuwendung und Sorge für andere zu tun hat? Das wird nämlich passieren, die „Pflegschaft eines Hasen“. Wobei Vatanescu an sich bereits auf seinen Weg gebracht wird durch seinen Wunsch der Sorge. Seinem Sohn gegenüber.   „Denn die Aufgabe eines Vaters besteht darin, seinem Kind ein besseres Leben zu garantieren, als er selber es hat“.   In teils urkomischen Wendungen, mit harten, aber auch wunderbaren Begegnungen macht sich nun Kyrö durch seinen Vatanescu auf, die Welt aus seinen ganz eigenen, schlichten Augen zu betrachten und teils schmerzlich treffende Schlüsse vor Augen zu führen. Ebenso, wie, oft und oft, von Seiten Hilfe ihm zukommt, die er vorher nicht im Blick gehabt hätte (wie das kleine Mädchen, dass seinen Eisstiel und ein Schuhband zur Verfügung stellt, damit dem Hasen geholfen werden kann, was die Ambulanzschwester bei aller Menschenfreude völlig verweht ob ihrer Tierphobie).   In Duktus und Stil, in der ironisch verdrehten Erzählweise, aber auch im Motiv der Reise und den klaren Blick auf Menschen erinnert der Roman durchaus in bester Weise an den „Hundertjährigen, der aus dem Fenster stieg und verschwand“, auch wenn Vatanescu eine ganz andere „Lebensreise“ im Roman absolviert.   Alles in allem eine verdrehte, wunderbare Geschichte, sprachlich ganz hervorragend umgesetzt, mit vielen, nachdenkenswerten Begegnungen und teils wie ein Spiegel einer Gesellschaft, in der die Mitmenschlichkeit nur mehr ganz am Rande anzutreffen ist. Aber doch gefunden werden kann.

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  • Finnisch rumänischer Jedermann

    Bettler und Hase

    R-E-R

    28. April 2013 um 13:17

    Im aktuellen Werbeslogan der Raiffeisenbank heißt es: “Jeder hat etwas, das ihn antreibt“. Im Fall von Vatenescu, einem jungen Mann aus Rumänien, ist es sein Sohn Miklos. “Du wirst deine Stollenschuhe bekommen. Papa wird dir welche besorgen.” So lautet das Credo, dass den Helden aus seiner Heimat nach Finnland verschlägt. Hineingeschleust in einem “rostfleckigen Lieferwagen” den der kriminelle Russe Jegor Kugar steuert. Für ihn soll Vatanescu in Helsinki als Bettler arbeiten. Vatanescu dem die Redlichkeit aus den Augen strahlt , hat die Armut und Perspektivlosigkeit in seiner Heimat in die Fremde getrieben. Nachdem er sich aus den Fängen der Bettlerzunft befreit hat, führt in sein Weg zielsicher ins nächste Krankenhaus. Er will das Kaninchen verarzten lassen, dass der fiese Russe beinahe überfahren hätte. Und so beginnt die Odyssee “des sympathisch wirkenden Zerlumpten” durch Finnlands Weiten. Das Kaninchen unter die Axel geklemmt folgt Vatanescu seinem Schicksal, nicht ahnend das ein Handyfoto eines eifrigen Journalisten ihn zum Internet Star macht. Vom Bettler wird er durch einen freundlichen chinesischen Restaurantbesitzer zum Beerenpflücker. Das Beerenpflücken endet, als er von einem Lastwagenfahrer kurzerhand als Bauarbeiter rekrutiert wird. Die Betonmischmaschine muss er verlassen, als sich Umweltaktivisten an diese fesseln um gegen das Bauvorhaben zu protestieren. Auf seiner Flucht vor den Behörden landet er schließlich wieder in einem Zug nach Helsinki. “Thomas Kyrös tragikomischer Roman bewegt sich zwischen Sozialsatire, Märchen und harter Milieustudie und hält den Ländern Westeuropas auf denkbar amüsante, aber unerbittliche Weise den Spiegel vor”. So steht es im Klappentext zu “Hase und Bettler” und dieses Urteil kann man so stehen lassen. Interessant ist der Stil des Autors, ein fast sachlicher Ausdruck. Die Denkanstöße sind sehr dazu angetan, ins Grübeln zu kommen. Harry Pykström, ein übergewichtiger, herzkranke Möchtegernaussteiger bewundert Vatanescu für sein freies Leben:” Du willst eine ursprünglichere Daseinsform erreichen, in der die Gedanken sich auflösen und man sich aufs Überleben konzentriert.” Vatanescu antwortet darauf: “Ich habe nirgendwo hingewollt, überall bin ich nur hingeraten. Ich tausche gern mit dir. Ich sammle Beeren in einem fremden Land, denk mal darüber nach! Das ist keine Demonstration, das ist mein Leben.” An dieser Stelle musste ich an die Worte unseres alten Stadtpfarrers denken, die er einmal in einer Sonntagspredigt zur Frühjahrsputzzeit an die “Hausfrauen” der Gemeinde richtete. Wer sich über das Fensterputzen beklage, so meinte er sinngemäß, solle einmal darüber nachdenken wie dankbar er doch eigentlich sein könne, dass er überhaupt Fenster zum Putzen habe! Das saß und hat sich mir bis heute eingeprägt. “Bettler und Hase” wird mir sicher nicht so nachdrücklich in Erinnerung bleiben. Es ist ein guter Roman, aber wirklich beeindruckt, amüsiert oder gar berührt hat er mich nicht. Vielleicht wegen der distanzierten, fast unterkühlten Sprache. Vielleicht aber auch, weil ich mir selber oft genug den “Spiegel vorhalte” und dazu kein finnisches Roadmovie brauche.

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