Tuvia Tenenbom

 3.8 Sterne bei 26 Bewertungen
Autor von Allein unter Juden, Allein unter Deutschen und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Tuvia Tenenbom

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Allein unter Juden

Allein unter Juden

 (12)
Erschienen am 10.11.2014
Allein unter Deutschen

Allein unter Deutschen

 (6)
Erschienen am 07.06.2015
Allein unter Flüchtlingen

Allein unter Flüchtlingen

 (2)
Erschienen am 06.03.2017
Allein unter Amerikanern

Allein unter Amerikanern

 (2)
Erschienen am 10.10.2016
Fett wie ein Turnschuh

Fett wie ein Turnschuh

 (1)
Erschienen am 14.04.2014
Allein unter Flüchtlingen

Allein unter Flüchtlingen

 (2)
Erschienen am 06.03.2017
Tuvia Tenenbom Hörbuch Sammelbox

Tuvia Tenenbom Hörbuch Sammelbox

 (0)
Erschienen am 06.03.2017

Neue Rezensionen zu Tuvia Tenenbom

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Rezension zu "Allein unter Juden: Eine Entdeckungsreise durch Israel" von Tuvia Tenenbom

Es rüttelt am Weltbild
Hundertmorgenwaldvor einem Monat

Das Hörbuch hat mich tief verstört.

Tuvia Tenenbom, in Israel geboren und Sohn eines Rabbiners, lebt seit über 35 Jahren  in Amerika. Für dieses Buch zieht er für ein halbes Jahr nach Israel. Er fährt quer durch das Land. Vom Gazastreifen bis zu den Golanhöhen, von Eilat bis zu den Hisbollah-Stellungen im Norden. Er spricht mit Juden und mit Palästinensern, mit Ultraorthodoxen und Atheisten, mit Fundamentalisten auf beiden Seiten. Er redet mit Prominten, Politikern, dem Militär und NGO-Aktivisten (NGO = Nicht Regierungsorganisationen).

Dabei gibt er sich überwiegend als Tobi der Deutsche aus. Manchmal auch als Abu Ali, der Araber. Tenenbom spricht so wohl Hebräisch, als auch Arabisch. So kann er mit Menschen reden, die nie mit ihm gesprochen hätten, wenn sie gewusst hätten, dass er Jude ist.
Schlimmer noch, sein Leben wäre bedroht gewesen.

Dabei entsteht im Laufe des Buches ein Bild, dass mich sehr erschreckt und verstört hat.
Zu Anfang ist das Buch noch etwas flappsig geschrieben, sein Ton oft ironisch. Mir fiel es nicht so leicht, reinzukommen, auch weil ich nicht immer alles verstanden habe.

Doch schon von Anfang an war deutlich: Was für ein Hass in der Region. Das wäre für sich genommen schon schlimm genug. Aber es wurde im Laufe der Hörzeit immer deutlicher: Die EU mischt da ordentlich mit, ganz vorne weg die Deutschen. Und zwar nicht auf Seiten der jüdischen Israelis.

Da werden Nachrichten zu Gunsten der Palästinensern gefakt und Diplomaten haben dabei ihre Hand im Spiel. Die BBC bringt Falschmeldungen – ob nun bewusst oder weil sie einfach alles glauben, was die Palästinensern sagen, weiß ich nicht.

Die EU finanziert Bildungsurlaube für europäische Jugendliche und engagieren dabei auf Seiten der Israelis “Ex-Juden”. Juden, die sich völlig gegen ihre Landsleute stelle.
Von denen wird sogar der Holocaust bagatellisiert oder gar ganz geleugnet!!
So nimmt Tenenbom zB mit europäischen Jugendlichen an einer Führung im Museum für die Geschichte des Holocaust teil. Der von der EU finanzierte Führer sagt: “Heute werden Afrikaner von den Juden ins KZ gesteckt.” Und meint damit illegale Einwandere.

Oder “Mit dem Beginn der Verluste 1942 setzte die sogenannte Judenvernichtung ein. Was ihr hier in Yad Vashems seht, ist alles aus der Perspektive der jüdischen Opfer dargestellt. Schließlich ist das hier ein jüdisches Museum. Aber das hier, zwischen Nazis und Juden, passiert auch heute. In Palästina.”
Überhaupt begegnet Tenenbom vielen judenhassenden Juden.

Mir wird schlecht, wenn ich denke, das dies vermutlich die Nachwirkungen des kollektiven Traumas sind. Ich kann es mir jedenfalls nicht anders erklären, als das es wie bei Kindern ist, die sich für schlecht halten, wenn ihre Eltern es ihnen immer wieder einreden, wie schlimm sie doch wären.

Von den Palästinensern und den NGOs wird Israel schlimmer dargestellt als Nordkorea. Sie beschuldigen Israel der Apartheid, vergleichen sie mit Nazi-Deutschland. Sagen, Hitler hätte von den Juden lernen können.
Die NGOs behaupten, Israel würde Dörfer zerstören und ziehen dafür sogar vor das israelische Gericht. Tenenbom entdeckt unterdessen, dass in diesem Dorf niemand je gewohnt hat außer Schafen.

Irgendwann sagt Tenenbom, man muss kein Genie sein, um zu kapieren, was hier passiert.
Und ich dachte nur: “Oh Gott, ich kapier nicht, was passiert. Warum machen die NGOs so Sachen? Klär mich doch mal bitte einer auf!”
Denn ich war noch nicht bereit. War noch nicht bereit zu sehen, dass es nur eine mögliche Erklärung gibt: Antisemitismus.

Es dauerte noch viele weitere schreckliche Beispiele, bis ich verstand: Ich habe nichts missverstanden.

Während ich das schreibe, ist mir schlecht. Es macht mich wirklich fassungslos.
Ich habe das Hörbuch immer abends gehört und es ließ mich jeden Abend schlaflos zurück, erschüttert von diesem ganzen Hass.

Wie kann es sein, dass deutsche Journalisten nicht sehen, was da vor sich geht?

Die Antwort liegt klar auf der Hand: Sie wollen es nicht sehen. Tenenbom eckte oft an, wenn er nachfragte. Den man war es nicht gewohnt, dass deutsche Journalisten nachfragen.


Tenenbom provoziert. Er macht sich über die eine, wie die andere Religion auch mal lustig, ist nicht immer politsch korrekt. Reißt auch mal Witze über Frauen. Das alles ist nichtig, wenn man sich die tiefere Bedeutung dieses Buches bewusst macht.


Der Sprecher liest sehr überzeugend.  Als am Ende des Hörbuches gesagt wurde: “Gelesen hat Stefan Krause” war ich total irritiert.
Wie, Stefan Krause? Das war doch Tuvia Tenenbom. ^^

Fazit:

Kein leichtes, aber ein extrem wichtiges Buch.
Das, was Tuvia Tenenbom herausgefunden hat, sollte die Welt wissen.

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Rezension zu "Allein unter Juden" von Tuvia Tenenbom

Sehr interessant
Neuneuneugierigvor 5 Monaten

"Bitterböse", sehr authentisch (zumindest scheint es so, wenn man sich über #tuviatenenbom informiert) und ganz anders. Und nein, ich habe ich sein früheres Werk nicht gelesen. Doch scheint er vielen, viel zu ehrlich, als dass man es ertragen könnte. Das Buch teilt und vereint einen. Man diskutiert und argumentiert mit ihm. Stimmt ihm zu und ist wütend. Doch nach der Lektüre versteht man vieles doch einfach besser auch wenn man das vielleicht nicht immer zugeben möchte. Die Geschichte und Meinungs-Impfung ist schon sehr tief in uns verwurzelt. 
.
Ein halbes Jahr Israel Aufenthalt, mal als Jude, ganz oft als Österreicher und manchmal als Araber. Tuvia Tetenbom dort aufgewachsen, dann ausgewandert in die USA, studierter Künstler und Rabbiner besucht sein Heimatland und blickt "hinter die Kulissen". 

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Rezension zu "Allein unter Flüchtlingen" von Tuvia Tenenbom

‚Durch die Öffnung seiner Grenzen für die Flüchtlinge hat sich Deutschland [...].'
sabatayn76vor 2 Jahren

‚Durch die Öffnung seiner Grenzen für die Flüchtlinge hat sich Deutschland große Anerkennung erworben. Doch durch die absolute Planlosigkeit, was mit den Flüchtlingen zu tun ist, sobald sie einmal im Land sind, hat es ihr Schicksal besiegelt. Was die Flüchtlinge in diesen Lagern durchmachen - von endloser Langeweile über erschreckende Messerstechereien, kaputte Toiletten und fades Essen bis zum Zusammenpferchen ehemaliger Feinde und der mangelhaften Hygiene in allen Räumen -, wird Folgen für ihr gesamtes späteres Leben haben.‘

Tuvia Tenenbom ist durch Deutschland gereist, um ein Buch über Flüchtlinge zu schreiben. Unterwegs sucht er Personen auf, die aus ihrer Heimat geflohen sind, und solche, die Flüchtlingen helfen wollen, spricht mit Menschen, die keine Flüchtlinge im Land haben möchten, stellt Politikern wie Gregor Gysi, Frauke Petry und Henriette Reker unangenehme Fragen, interviewt Lutz Bachmann und Akif Pirinçci, trifft sich mit dem Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime in Deutschland und mit Antifa-Aktivisten, besucht Flüchtlingsheime in Berlin, in ostdeutschen und bayerischen (Klein-) Städten und in anderen Regionen Deutschlands - und stellt so Vergleiche an und versucht zu verstehen, was in Deutschland passiert und warum es passiert ist.

Tenenbom schreibt bissig und bitterböse, wobei mich sein Schreibstil und sein Humor bisweilen an Bill Bryson erinnert haben. Und wie bei Bryson war ich mir beim Lesen nicht immer sicher, ob das Ganze noch amüsant oder zu zynisch und unter der Gürtellinie ist. Auch nach der Lektüre bin ich mir nicht 100%ig sicher, wie ich Tenenbom einordnen soll, aber dass er mit ‚Allein unter Flüchtlingen‘ frischen Wind in die Flüchtlingsdiskussion bringt, dass er Dinge nicht schwarz/weiß sieht, sondern komplex betrachtet, und dass er dem Leser durch unbequeme Fragen an seine Interviewpartner Neues vermittelt, dessen bin ich mir sicher.

Tenenbom lässt oft kein gutes Haar an den im Buch erwähnten Personen, obwohl deutlich wird, dass er Araber und Deutsche mag und schätzt. Und er zeigt die menschliche Seite von erklärten Bösewichtern wie Petry oder Pirinçci. Das ist für viele Leser sicher unangenehm, weil eine Glorifizierung von Hilfesuchenden und Hilfeleistenden sowie eine Verteufelung von Rassisten und Xenophoben sicher einfacher und bequemer ist, doch Tenenbom gelingt damit etwas, das Seltenheitswert hat: Er zeigt, dass es kein simples Gut und Böse gibt, dass alles zwei Seiten hat, dass die Öffnung der Grenzen, die ich voll und ganz befürworte und für die ich Angela Merkel sehr wertschätze, auch eine hässliche Seite hat, die mir trotz aktiver Flüchtlingshilfe in einem kleinen baden-württembergischen Ort entgangen ist, vielleicht weil die Uhren dort anders tickten und die ehrenamtliche Hilfe dort besonders gut funktioniert hat. Tenenbom zeigt aber: Solche räumlichen und personellen Gegebenheiten wie in einer wohlhabenden Kleinstadt sind die Ausnahme, die Regel trifft man in Einrichtungen wie dem Tempelhofer Flüchtlingszentrum an.

Obwohl ich anfangs ambivalent war, ob ich Tenenbom nicht doch ein wenig zu boshaft und negativ finde, musste ich mir im Laufe der Lektüre eingestehen, dass ich den Autor mit seiner frotzeligen Art und seinem schwarzen Humor mag, zumal er zwischendurch immer wieder von seinen Gefühlen übermannt wurde, über diese offen schreibt und dadurch wunderbar menschlich wirkt.

‚Allein unter Flüchtlingen‘ war mein erstes, aber sicherlich nicht mein letztes Buch von Tenenbom, der durch seine Fragen und durch seine Betrachtungen meine heile Welt bisweilen auf den Kopf zu stellen vermochte, wofür ich ihm ehrlich dankbar bin.

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