Allein unter Flüchtlingen

von Tuvia Tenenbom 
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Allein unter Flüchtlingen
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Provokant und lesenswert

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Inhaltsangabe zu "Allein unter Flüchtlingen"

Seit Herbst 2015, als zahlreiche Flüchtlinge nach Deutschland kamen, hat sich das Land grundlegend verändert. Viele erleben die Migrationsbewegung als eine Zäsur, deren Folgen noch längst nicht abzusehen sind. Um zu verstehen, was da in den letzten Monaten eigentlich genau passiert ist, ist Tuvia Tenenbom einmal mehr kreuz und quer durch die Republik gereist. Er wollte wissen, was die wahren Gründe der »Willkommenskultur« waren, warum Deutschland ein großes Herz gezeigt, aber immer noch keinen Plan hat, und wie es hier eigentlich um die Meinungsfreiheit bestellt ist. Seinen Gesprächspartnern – seien es Gregor Gysi, Volker Beck oder Kardinal Reinhard Marx, seien es Frauke Petry von der AfD, Pegida-Gründer Lutz Bachmann oder der geistige Führer der neuen Rechten Götz Kubitschek, seien es Akif Pirinçci oder Jürgen Todenhöfer – hat er unbequeme Fragen gestellt. Die Erkenntnisse, die er dabei gewonnen hat, sind mindestens ebenso verstörend wie seine Besuche in den Flüchtlingslagern, wo er von beschämenden Zuständen berichtet, deren Auswirkungen nicht nur individuell verheerend sind, sondern in nicht allzu ferner Zukunft die gesamte deutsche Gesellschaft betreffen werden.Tuvia Tenenboms provokante, streitbare Großreportage über die neue deutsche Wirklichkeit ist ebenso aufrüttelnd wie erschütternd – und ein Appell zum Umdenken und offenen Diskurs.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783518467589
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:234 Seiten
Verlag:Suhrkamp
Erscheinungsdatum:06.03.2017
Das aktuelle Hörbuch ist am 06.03.2017 bei John Verlag erschienen.

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    sabatayn76s avatar
    sabatayn76vor einem Jahr
    ‚Durch die Öffnung seiner Grenzen für die Flüchtlinge hat sich Deutschland [...].'

    ‚Durch die Öffnung seiner Grenzen für die Flüchtlinge hat sich Deutschland große Anerkennung erworben. Doch durch die absolute Planlosigkeit, was mit den Flüchtlingen zu tun ist, sobald sie einmal im Land sind, hat es ihr Schicksal besiegelt. Was die Flüchtlinge in diesen Lagern durchmachen - von endloser Langeweile über erschreckende Messerstechereien, kaputte Toiletten und fades Essen bis zum Zusammenpferchen ehemaliger Feinde und der mangelhaften Hygiene in allen Räumen -, wird Folgen für ihr gesamtes späteres Leben haben.‘

    Tuvia Tenenbom ist durch Deutschland gereist, um ein Buch über Flüchtlinge zu schreiben. Unterwegs sucht er Personen auf, die aus ihrer Heimat geflohen sind, und solche, die Flüchtlingen helfen wollen, spricht mit Menschen, die keine Flüchtlinge im Land haben möchten, stellt Politikern wie Gregor Gysi, Frauke Petry und Henriette Reker unangenehme Fragen, interviewt Lutz Bachmann und Akif Pirinçci, trifft sich mit dem Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime in Deutschland und mit Antifa-Aktivisten, besucht Flüchtlingsheime in Berlin, in ostdeutschen und bayerischen (Klein-) Städten und in anderen Regionen Deutschlands - und stellt so Vergleiche an und versucht zu verstehen, was in Deutschland passiert und warum es passiert ist.

    Tenenbom schreibt bissig und bitterböse, wobei mich sein Schreibstil und sein Humor bisweilen an Bill Bryson erinnert haben. Und wie bei Bryson war ich mir beim Lesen nicht immer sicher, ob das Ganze noch amüsant oder zu zynisch und unter der Gürtellinie ist. Auch nach der Lektüre bin ich mir nicht 100%ig sicher, wie ich Tenenbom einordnen soll, aber dass er mit ‚Allein unter Flüchtlingen‘ frischen Wind in die Flüchtlingsdiskussion bringt, dass er Dinge nicht schwarz/weiß sieht, sondern komplex betrachtet, und dass er dem Leser durch unbequeme Fragen an seine Interviewpartner Neues vermittelt, dessen bin ich mir sicher.

    Tenenbom lässt oft kein gutes Haar an den im Buch erwähnten Personen, obwohl deutlich wird, dass er Araber und Deutsche mag und schätzt. Und er zeigt die menschliche Seite von erklärten Bösewichtern wie Petry oder Pirinçci. Das ist für viele Leser sicher unangenehm, weil eine Glorifizierung von Hilfesuchenden und Hilfeleistenden sowie eine Verteufelung von Rassisten und Xenophoben sicher einfacher und bequemer ist, doch Tenenbom gelingt damit etwas, das Seltenheitswert hat: Er zeigt, dass es kein simples Gut und Böse gibt, dass alles zwei Seiten hat, dass die Öffnung der Grenzen, die ich voll und ganz befürworte und für die ich Angela Merkel sehr wertschätze, auch eine hässliche Seite hat, die mir trotz aktiver Flüchtlingshilfe in einem kleinen baden-württembergischen Ort entgangen ist, vielleicht weil die Uhren dort anders tickten und die ehrenamtliche Hilfe dort besonders gut funktioniert hat. Tenenbom zeigt aber: Solche räumlichen und personellen Gegebenheiten wie in einer wohlhabenden Kleinstadt sind die Ausnahme, die Regel trifft man in Einrichtungen wie dem Tempelhofer Flüchtlingszentrum an.

    Obwohl ich anfangs ambivalent war, ob ich Tenenbom nicht doch ein wenig zu boshaft und negativ finde, musste ich mir im Laufe der Lektüre eingestehen, dass ich den Autor mit seiner frotzeligen Art und seinem schwarzen Humor mag, zumal er zwischendurch immer wieder von seinen Gefühlen übermannt wurde, über diese offen schreibt und dadurch wunderbar menschlich wirkt.

    ‚Allein unter Flüchtlingen‘ war mein erstes, aber sicherlich nicht mein letztes Buch von Tenenbom, der durch seine Fragen und durch seine Betrachtungen meine heile Welt bisweilen auf den Kopf zu stellen vermochte, wofür ich ihm ehrlich dankbar bin.

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    Knigaljubs avatar
    Knigaljubvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Provokant und lesenswert
    Befeuert die Flüchtlingsdebatte in Deutschland

    Tenenbom provoziert. Dieses Mal wird er auf die Reise nach Deutschland geschickt, um sich anzusehen, was es mit "den" Flüchtlingen da so auf sich hat. Wie immer lässt er sich nicht so schnell abschütteln, versucht, alle Beteiligten zu Wort kommen zu lassen und geht auf gewohnt beharrliche Weise vor, um sich seine Informationen zu beschaffen.

    Es ist ein Blick in Aufnahmeeinrichtungen, individuelle Schicksale und auch auf die Deutschen, die von der gesellschaftlichen Meinung abweichen. Frauke Petry bekommt ein eigenes Kapitel und steht besser da als mancher Grünenpolitiker. Beinahe Mitleid entsteht mit denen, die von der Gesellschaft als rechts abgestempelt sind und denen entsprechend Steine in den Weg gelegt werden. Immer wieder stellt Tenebom die Frage "Warum macht Deutschland das?", sei es in Bezug auf die Willkommenskultur, auf Meinungsfreiheit oder auch in Bezug auf die beschämenden Zustände in den Erstaufnahmeeinrichtungen.

    Insgesamt ein interessanter Außenblick auf Deutschland. Ein Buch, das sich (typisch Tenenbom) flüssig liest und zum Nachdenken anregt.

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