Ugo Riccarelli

 4 Sterne bei 35 Bewertungen
Autor von Der vollkommene Schmerz, Der Zauberer und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Ugo Riccarelli

Der vollkommene Schmerz

Der vollkommene Schmerz

 (22)
Erschienen am 01.08.2008
Ein Mann, der vielleicht Schulz hieß

Ein Mann, der vielleicht Schulz hieß

 (4)
Erschienen am 01.01.2001
Der Zauberer

Der Zauberer

 (4)
Erschienen am 01.07.2011
Die Residenz des Doktor Rattazzi

Die Residenz des Doktor Rattazzi

 (2)
Erschienen am 01.01.2017
Fausto Coppis Engel

Fausto Coppis Engel

 (0)
Erschienen am 01.03.2009
Der vollkommene Schmerz

Der vollkommene Schmerz

 (3)
Erschienen am 01.09.2007

Neue Rezensionen zu Ugo Riccarelli

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Barbara62s avatar

Rezension zu "Der vollkommene Schmerz" von Ugo Riccarelli

Eine toskanische Familiensaga und 100 Jahre italienische Geschichte
Barbara62vor 4 Jahren

Spannend, klar und in kraftvollen Bildern erzählt Riccarelli von zwei toskanischen Familien  vor dem Hintergrund von fast 100 Jahren italienischer Geschichte.
Kurz vor 1900 kommt ein junger Lehrer und Anarchist aus dem Süden in das toskanische Dorf Colle. Vier Kinder entstammen seiner Verbindung mit einer Witwe, bevor er bei einer Demonstration erschossen wird. Ein Sohn heiratet die Tochter eines reichen Schweinezüchters aus einer reaktionären, später faschistischen Familie.
Immer wiederkehrendes Motiv ist der vollkommene Schmerz bei Verlust, Trennungen, Tod, aber auch Geburten. Das Leben gleicht dem Perpetuum mobile, an dem ein Enkel des Lehrers baut.                                                  

Der Italiener Ugo Riccarelli erzählt in einem sehr eigenen, distanzierten Stil voller Poesie, der an die großen südamerikanischen Erzähler erinnert.

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pardens avatar

Rezension zu "Der vollkommene Schmerz" von Ugo Riccarelli

Eine barocke Hymne an das Leben...
pardenvor 4 Jahren

Eine barocke Hymne an das Leben...

Ugo Riccarellis großes Fresko, das fast hundert Jahre italienischer Geschichte umfasst, bebildert Ungerechtigkeit, Freiheitsliebe, Schönheit und Grausamkeit, die Vergänglichkeit der Träume und die Dauerhaftigkeit der Hoffnung. Riccarelli erzählt in seinem tragischen, komischen und berührenden Epos von kleinen Leuten, die in große Ereignisse verwickelt werden.

Der Roman beginnt in der Mitte des 19.Jahrhunderts in einem kleinen Dorf in Italien und bietet ein anschaulich entfaltetes historisches Panorama von über einhundert Jahren italienischer Geschichte. Er beschreibt das Leben in Italien während der ganzen Epoche der politischen Wirren von Beginn des 19. Jahrhunderts über den ersten Weltkrieg bis zum Ende des zweiten Weltkriegs. Ein Schauplatz, zwei Familien, mehrere Generationen.
Mittendurch verläuft die Eisenbahnlinie, die der italienischen Kleinstadt anfangs den intellektuellen Sozialrevolutionär, den Maestro, zuführt, ihr aber im weiteren Verlauf immer wieder Menschen entreißt. Die neue Ideen bringt, aber auch Verwerfungen. Ein Haselnussbaum wird zum Lebensretter. Eine Maschine mit ihren Einzelteilen und Verbindungselementen steht sinnbildlich für die handelnden Personen, ihre Lebensabläufe und wechselseitigen Beziehungen.

Alle Kinder und Kindeskinder der beiden Familien erfahren beim Leben, Lieben, Hassen und in Konfrontation mit dem Tod irgendwann einen fast "vollkommenen Schmerz" aber nie nimmt er ihnen die Kraft - im Gegenteil. Er ist für die einen Erlösung, für die anderen Anlass zur Veränderung oder zum Neuanfang.
Ugo Riccarelli lässt eine eigene Welt entstehen, schafft Atmosphäre - im Grundton elegisch und nostalgisch, hier und da mit surrealen Einblendungen. Weit mehr als nur Handlungsträger: die Sprache, bildreich, ungehetzt beschreibend, atmosphärisch dicht, sanft und doch eindringlich, mit verhältnismäßig wenigen Dialogen.

Anders als der Titel und die Cover-Illustration vermuten lassen könnten, ist dieser Roman vielleicht im Ton melancholisch, aber keineswegs voll Trostlosigkeit und Depression und traurig gefärbt. Im Gegenteil: es ist eine geradezu "barocke Hymne" an das Leben. Es ist ein kostbarer Roman, weil er letztlich die Freude am Leben zeigt, trotz des vollkommenen Schmerzes...
Ugo Riccarellis Familienepos ist vielleicht am ehesten mit dem weltbekannten Roman "Hundert Jahre Einsamkeit" von Gabriel García Márquez zu vergleichen.

Gert Heidenreich, der renommierte Sprecher des Hörbuches, verleiht der poetischen und klaren Sprache des Romans eine besondere Eindringlichkeit und lässt die Geschichte noch lange nachhallen.
Unbedingt empfehlenswert - und für mich ist klar, dass ich den Roman selbst auch noch lesen werde, da es sich bei dem Hörbuch um eine gekürzte Fassung handelt.


© Parden

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cosima73s avatar

Rezension zu "Die Residenz des Doktor Rattazzi" von Ugo Riccarelli

Unklare Grenzen zwischen Normalität und Wahnsinn
cosima73vor 6 Jahren

Benjamino wächst mit seiner Familie im Haus neben einer Irrenanstalt auf. Oft beobachtet er die Insassen durch einen Zaun, steht einfach da und sieht zu, wie sie Blumen essen, mit Vogelschwärmen tanzen und sich auch sonst komisch verhalten. Nach einem Unfall und dem unvermittelten Tod seines Vaters findet Benjamino Arbeit als Assistent in der Anstalt. Zusammen mit dem ebenfalls neu anfangenden Doktor Rattazzi findet er einen neuen Zugang zu den Insassen, begegnet ihnen mit Sensibilität und Zuwendung statt mit Elektroschocks und Unpersönlichkeit.

Leute für die Irrenanstalt, die in das Haus aus dunklen Steinen eingesperrt wurden, zum Kummer oder zur Erleichterung derjenigen, die draussen vor der hohen Umfriedungsmauer blieben und nicht genau wissen wollten, was dort drinnen vor sich ging, denn die Schande eines Menschen ohne Verstand gab schon genug Anlass zu Sorge und Trauer, da musste man nicht auch noch etwas verstehen oder seine Gedanken ernsthaft verfolgen wollen.

In Italien bricht der Krieg aus, Benjamino wird wegen seiner Behinderung nicht eingezogen. Er versteht die Kriegseuphorie auch nicht, sieht in ihm nur Tod und entfesselte Schlechtigkeit, eine Gefahr für friedliches Zusammenleben. Vielmehr als ein Leben als Soldat sah er den Umgang mit Krankheit und deren Heilung als Heldentum. Der Krieg zwingt die Leiter der Heilanstalt, mit ihren Insassen aufs Land zu ziehen, um sie aus der Schusslinie zu nehmen. Die anfängliche Landidylle wird aber bald durch die sich nähernde Bedrohung durch den Krieg gestört – und teilweise zerstört.

Und in dieser kurzen Zeitspanne, bevor die Tropfen auf dem Kies explodierten wie die Bomben, die vom Himmel fielen, erkannte Rattazzi, dass der wirkliche Wahnsinn niemals besiegt werden würde, denn er war das innerste Wesen der Normalität, die gerade auf sie zukam. [...] Nichts würde die Vernunft nüten, denn gerade die Vernunft drängte und rechtfertigte, organisierte und vernichtete.

Ugo Riccarelli wirft die alten und nie restlos beantworteten Fragen auf, was gut und was böse, wer normal und wer wahnsinnig ist. Während man die einen einsperrt, weil sie nicht einer Norm entsprechen, und auf sie herabsieht, stürzen sich die sogenannt Normalen in einen Krieg, der nur Tod und Elend  mit sich bringen kann. Zwar essen die Närrchen, wie Doktor Rattazzi sie nennt, gerne Blumen und tanzen mit den Vögeln, aber sie sind, wenn man sie in ihren Gewohnheiten lässt, friedlich und haben ihren eigenen Verstand, der seine eigene Schönheit besitzt. Diese Schönheit wird in Friedenszeiten belacht und bekämpft, in Kriegszeiten gilt sie als minderwertig und soll ausgerottet werden, um das lebenswerte Leben nicht zu beschmutzen.

Ugo Riccarelli ist ein tiefgründiger und bewegender Roman gelungen, der Massstäbe hinterfragt und Vorurteile offen legt. Es ist ein sensibler Roman, der nicht blossstellt, sondern schlicht auf wichtige Fragen des Lebens hinweist. Die Residenz des Doktor Rattazzi ist voller Liebe, Mitgefühl und Nachdenklichkeit und deckt dabei menschliche Lebenslügen und auch Abgründe auf.

Fazit:
Ein berührendes Buch über die verschiedenen Welten verschiedener Menschen und die Frage, welche die bessere ist. Sehr empfehlenswert.

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