Ulf Erdmann Ziegler

 3.6 Sterne bei 34 Bewertungen
Autor von Nichts Weißes, Hamburger Hochbahn und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Ulf Erdmann Ziegler

Der deutsche Autor Ulf Erdmann Ziegler wurde 1959 in Neumünster, Schleswig-Holstein, geboren. Nach seinem Abitur studierte er Visuelle Kommunikation in Dortmund, sowie Literaturwissenschaft und Psychologie in Berlin. Im Anschluss an sein Studium war er zu Beginn der 1990er Jahre zunächst als Kunstredakteur der taz tätig. Es folgten erste Veröffentlichungen in Form von essayistischen Arbeiten über Kunst und Fotografie für die taz, Die Zeit, FAZ, Merkur und Monopol. 2008 erhielt er den Hebbel-Preis. 2007 veröffentlichte Ulf Erdmann Ziegler seinen Debütroman "Hamburger Hochbahn", der im April 2007 den ersten Platz der SWR-Bestenliste belegte und es auf die Shortlist des Aspekte-Literaturpreises schaffte. 2012 gelangte sein Roman "Nichts Weißes" auf die Longlist des deutschen Buchpreises. Ziegler lebt in Frankfurt am Main.

Neue Bücher

Und jetzt du, Orlando!

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Neu erschienen am 02.10.2018 als Taschenbuch bei Suhrkamp.

Alle Bücher von Ulf Erdmann Ziegler

Nichts Weißes

Nichts Weißes

 (23)
Erschienen am 09.12.2013
Hamburger Hochbahn

Hamburger Hochbahn

 (6)
Erschienen am 01.03.2009
Wilde Wiesen

Wilde Wiesen

 (2)
Erschienen am 01.08.2010
Und jetzt du, Orlando!

Und jetzt du, Orlando!

 (1)
Erschienen am 02.10.2018
Schottland und andere Erzählungen

Schottland und andere Erzählungen

 (0)
Erschienen am 13.08.2018
Die Erfindung des Westens

Die Erfindung des Westens

 (0)
Erschienen am 13.05.2019
Der Gegenspieler der Sonne

Der Gegenspieler der Sonne

 (2)
Erschienen am 07.08.2009

Neue Rezensionen zu Ulf Erdmann Ziegler

Neu
Duffys avatar

Rezension zu "Nichts Weißes" von Ulf Erdmann Ziegler

Wechsel der Zeiten
Duffyvor 5 Monaten

Marleen ist die begabte Tochter einer Familie, die in der Werbung arbeitet. So ist es ganz normal, dass sie mit der graphischen Umsetzung von Buchstaben aufwächst. Dass die rheinische Heimat einmal zu eng für ihre Ambition wird, eine neue, perfekte Schrift zu erfinden, scheint absehbar. Während sie zu einer ganz "normalen", jungen Frau heranwächst, verliert sie nie ihren Traum. In Paris arbeitet sie dann für den Giganten der Typologie, Titus Passeraub, der ihr das Rüstzeug für die Verwirklichung ihrer Ambitionen mitgibt. Doch die kollidiert mit der Ende der 80er Jahre rasanten Entwicklung der Technik.
Zieglers Roman beschreibt den Anfang vom Ende. Eine Technlogie, die herkömmliche Arbeitsmethoden revolutioniert und alle kreativen Momente entweder ganz erstickt oder im Sinne ihrer Perfektionierung umleitet. Das macht er spannend, weil er nicht nur diesen Hauptstrang erzählt, sondern mit seiner Hauptperson auch ein lebendiges Beispiel diese Veränderungen miterleben lässt und welchen Einfluss sie auf das Leben eines kreativen Menschen hat. Marleens emotionales Durcheinander, das eigentlich gar keines ist, sondern nur einen Aneinanderreihung von Begebenheiten mit langfristigen Konsequenzen wird einfühlsam und glaubhaft zum zweiten Handlungsstrang, den der Autor geschickt mit dem ersten verknüpft. Ein ruhiger und flüssiger Stil macht das Buch zu einem sehr angenehmen und interessanten Leseerlebnis mit Potential, sich mit der rasanten Entwicklung der letzten Jahrzehnte auseinanderzusetzen.

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Rezension zu "Und jetzt du, Orlando!" von Ulf Erdmann Ziegler

Das Sein hinter dem Schein
michael_lehmann-papevor 4 Jahren

Das Sein hinter dem Schein

„Und sofort wurden wir in den Blick genommen als das, was wir waren, ein gemischtes Duo“

Ein zunächst geglücktes, kongeniales Duo, was da vor dem Wirt steht, der als „leibhaftiges Antidiskriminierungsgesetz“ Oliver und Orlando bedient.

Während beide umgehend wieder in eines ihrer flüssigen, tiefreichenden, reflektierenden Gespräche verfallen, was die Welt und deren Zustand angeht, was das eigene Leben ausmacht, was man gemeinsam auf die Beine zu stellen gedenkt.

Eine echte Freundschaft ist da entstanden. Nicht ganz ohne Zufall, denn Oliver suchte eine solche. Einen Mann an seiner Seite im klassischen Sinne, einen Kumpel zum Erleben des Lebens, einen Spiegel der eigenen Gedanken.

„Ich erschrak ein bisschen, seine Stimme zu hören. So wie der Klang einer Glocke einen erschauern lässt und Dinge denken, die zuvor verborgen waren“.

Alles andere hatte er ja schon. Dachte er zumindest.
Frau, Kind, beruflichen Erfolg. Und selbstredend eine anregende „Ergänzung“ zu all dem.

„Anu arbeitete an der Mittelschule als Filmlehrerin“ und ist eine „das Leben bereichernde“ Affäre Olivers.

„Anu war speziell. Sie war nicht groß, aber gelenkig und hielt sich sehr gerade“.

Prägnant und treffend bietet die folgende kurze Beschreibung mitsamt den „hauchdünnen Büstenhaltern“ dem Leser umgehend die Möglichkeit, sich in die Faszination zu versetzen, die Oliver vom ersten Treffen an empfindet.
Wie es überhaupt eine der Stärken des Autors ist, ohne großen Pomp den Leser emotional mitten hinein zu ziehen in die Ereignisse und inneren Gefühle seiner Figuren, selbst in Phasen innerer Verwirrung.

Wie bei Oliver, den Ulf Erdmann Ziegler dem Leser im ersten Teil des Buches sehr nahe bringt, dessen Geschichte und Werdegang er in seiner klaren und treffenden Sprache vor die Augen legt, in dem Erdmann Ziegler eine Art Prototyp des „modernen Mannes“ entfaltet. Zumindest des modernen „Medienmannes“ und Filmschaffenden.

Und doch, das ist das Gleichnishafte an diesem Roman, die äußere Geschichte, ist dieses Leben in der modernen Welt, so erfolgreich und sicher es auch wirken mag, ein Spiel mit doppeltem Boden, brüchiges Eis. Vielleicht doch eher ein Film, dessen Drehbuch unverhofft umgeschrieben werden kann?
Schnell kann das gehen, das verfolgt man im Roman. Das Risse entstehen, Druck aufkommt, eine „heile“ Welt zwar im Äußeren „dargestellt wird“, aber innerlich bei den Protagonisten nicht unbedingt auf festem und tragfähigem Grund steht.

Plötzlich steht Olivers Arbeit auf der Kippe. Und im Wandel der Geschlechterrollen kann es dann schon gut vorkommen, dass die eigene Frau durchstartet und dieses feine Gefüge der Elemente eines „guten Lebens“ an allen Ecken beginnen, zu bröckeln. Was nun ist Sein und was war oder ist Schein?

Eine Entwicklung, die symbolhaft für viele Bereiche der gegenwärtigen Welt steht und die Erdmann Ziegler an Oliver wunderbar flüssig in Worte bannt, auch wenn der Leser schon öfter aufpassen muss, in den einzelnen Wendungen und Ereignisse den roten Faden vor Augen zu halten.

So führt das Buch auch den Leser in eine Reflexion der ständigen Gefährdung des eigenen Status, des eigenen Lebenskonstrukts, zeigt an der Figur der Schwägerin Gayle auf, das es noch wesentlich härter kommen kann, einfach so, und lenkt mit diesen vielen Eindrücken den Blick dann auf einen weiteren Schwerpunkt seiner Themen, die Freundschaft.

Letztlich darauf, dass die Beziehungsebene des Lebens (immer noch) der zentrale Ort ist, an dem das eigene Leben sich entfaltet und entwickelt, in vielfacher Hinsicht. Gerade auch in freundschaftlicher Intensität, die Brüche und Belastungen zu verkraften haben wird.

Denn was als Ergänzung gedacht war, als „letztes wichtiges Teil“ in einem gerundeten Lebensablauf, wird für Oliver zur menschlichen Herausforderung werden und zu einem Anstoß, das eigene Selbst im Innen und nicht im Außen zu finden. Bis hin zum dramatischen Ende des Buches.

Eine sehr empfehlenswerte, sprachlich geschliffene und intensive Lektüre über die Herausforderungen des Lebens in der Gegenwart und eine bewegende Freundschaft.

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Gruenentes avatar

Rezension zu "Nichts Weißes" von Ulf Erdmann Ziegler

Kontrastreich
Gruenentevor 5 Jahren

Eine junge Frau fängt in den 80iger Jahren an zu studieren und absolviert ein Praktikum in einer traditionellen Druckerei. Sie leidet zwar n einer Leseschwäche, das kommt Ihr aber beim Blick für den Gesamteindruck zu Gute. Auch die Beschäftigung im Studium mit einem einzelnen Buchstaben kommt ihr entgegen. Diverse Liebschaften und Franz ihre große Liebe?

Sie versucht Ihre Kindheit aufzuarbeiten, die bigotte Schwester, der Werbevater der zum Sanjassin wird und die Familie verlässt, die Mutter, Grafik-Designerin, die die Kinder antiautoritär mehr oder weniger sich selbst überlässt. Die anderen Geschwister spielten in ihrem Leben auch eine große Rolle.

Da bekommt sie einen Job in Paris für ein Jahr. Sie entwirft dort recht erfolgreich Logos für kleinere Firmen und eine ultrafette Variante einer Schriftart. Dort trifft sie Franz wieder.

Bis dahin (immerhin ¾ des Buches) gefiel es mir recht gut. Interessantes Zeitkolorit.  Gute Sprache, ich wusste nur nicht recht was das Buch mir sagen wollte.

Und nach dem restlichen Buch erst Recht nicht mehr. Plötzlicher Schwenk in die USA, sie zieht nach Manhattan, alles für mich nicht nachvollziehbar. Habe ich da was nicht mitbekommen (es war immerhin beim lesen über 30 Grad warm)?

Das Buch ließ mich ratlos zurück, und jetzt, zwei Tage später kann ich mich kaum noch daran erinnern, es lässt also keinen bleibenden Eindruck bei mir

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