Ulf Miehe

 4 Sterne bei 17 Bewertungen
Autor von Ich hab noch einen Toten in Berlin, Puma und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Ulf Miehe

Ulf MieheIch hab noch einen Toten in Berlin
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Ich hab noch einen Toten in Berlin
Ich hab noch einen Toten in Berlin
 (8)
Erschienen am 06.05.2006
Ulf MiehePuma
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Puma
Puma
 (5)
Erschienen am 18.02.2010
Ulf MieheKrimi-Noir - Puma
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Krimi-Noir - Puma
Krimi-Noir - Puma
 (2)
Erschienen am 19.11.2016
Ulf MieheLilli Berlin.
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Lilli Berlin.
Lilli Berlin.
 (0)
Erschienen am 01.01.1981
Ulf MiehePuma. Einst ein Sommer. Eine ganz normale Familie. Der Kürbisdieb. (Reader's Digest Auswahlbücher ; 378)
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Puma. Einst ein Sommer. Eine ganz normale Familie. Der Kürbisdieb. (Reader's Digest Auswahlbücher ; 378)
Ulf MieheWirksamkeit technischer Barrieren zur Entfernung von anthropogenen Spurenstoffen - Kläranlagen und Raumfilter -
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Wirksamkeit technischer Barrieren zur Entfernung von anthropogenen Spurenstoffen - Kläranlagen und Raumfilter -
Ulf MieheLilli Berlin
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Lilli Berlin
Lilli Berlin
 (2)
Erschienen am 01.12.1994

Neue Rezensionen zu Ulf Miehe

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Rezension zu "Krimi-Noir - Puma" von Ulf Miehe

Ein todsicherer Plan.
Gulanvor einem Jahr

„Der Puma“, sagte der Korse hitzig, „daß ich nicht lache! Der hat doch schon längst wacklige Zähne und stumpfe Krallen!“ [...]
Mayonne antwortete langsam und überlegt: „Ich möchte mich mal so ausdrücken: Dieser Mann hat schon Munitionszüge in die Luft gesprengt und sich mit den Deutschen rumgeschlagen, da hast du noch in die Windeln geschissen und dich an die Titten deiner Mama gehängt. Der ist immer noch gefährlicher als jeder Ganove, mit dem du es bis jetzt zu tun gehabt hast. Der klingelt nicht an deiner Tür, wenn er kommt. Und jetzt gib mir meinen Mantel, es wird Zeit:“ (S.74-75)

Der Elsässer Franz Morgenroth, der Puma, sitzt wegen Bankraubs seit neun Jahren im Knast. Doch nun ist der Tag der Entlassung gekommen und Franz macht sich direkt auf den Weg, bei seinen damaligen Kompagnons, die er nicht verpfiffen hat, seinen Anteil an der Beute einzufordern – nicht ohne Widerstände. Direkt anschließend begibt er sich nach München, zu seinem nächsten Coup: Die Entführung von Billie Kammerloh, die Tochter eines reichen Waffenfabrikanten.

Franz plant die Entführung minutiös. Er engagiert über Mittelsmänner zwei weitere Profis: Den New Yorker Killer Robert Tomcik und den Engländer John Maugham, Spezialist für Autos. Franz beobachtet Billie Kammerloh und kommt ungeplant vor einem Nachtclub mit ihr ins Gespräch. Im Laufe des Abends kommt es zum Sex zwischen den beiden. Ein Fehler? Zunächst läuft aber alles wie am Schürchen, die Entführung gelingt ohne Zwischenfälle. Doch Franz hat in seinen Planungen eines übersehen: Das äußerst angespannte Verhältnis zwischen der rebellischen Billie und ihrem Vater.

Das ist nicht gestellt, murmelte er, nie und nimmer ist das gestellt. Das läßt niemand freiwillig mit sich machen, und sie ist keine, die Spaß daran hat, sich fesseln zu lassen. Er ließ das Foto auf den Tisch fallen und setzte sein Selbstgespräch fort. Wieso ist Kammerloh so sicher, daß er recht hat? Und wenn er nicht recht hat und es weiß? Wenn er nur Zeit gewinnen will? Schwiefka steckte Brief und Foto wieder in den Umschlag und sagte laut: „Dann ist er das größte Schwein, das auf Gottes Erdboden herumläuft, yes, Sir!“. (S.265) 

Denn Kammerloh und seine Tochter sind tief zerstritten. Sie ist erst vor kurzem aus der elterlichen Villa ausgezogen. So hält der Vater die Entführung denn auch für fingiert, damit Billie an sein Geld kommt. Auch der hinzugezogene Vermittler und Ex-Agent Schwiefka kann den Vater nicht umstimmen. Kammerloh nimmt weiterhin seine Termine wahr, lässt sich nicht auf die Forderungen ein, Schwiefka soll die Entführer hinhalten. Für diese scheint der todsichere Plan nicht aufzugehen – bis plötzlich eine unerwartete Wendung eintritt.

Autor Ulf Miehe begann seine berufliche Karriere Anfang der 1960er Jahre als Lektor, später arbeitete er als Schauspieler, Schriftsteller, Übersetzer, Drehbuchautor und Regisseur. Vorher hatte ich bereits Miehes Roman „Ich hab noch einen Toten in Berlin“ aus dem Jahr 1973 gelesen. „Puma“ ist wohl sein bekanntestes Werk und erschien drei Jahre später.

Namensgeber ist Romans und Hauptfigur dieses Romans ist Franz Morgenroth. Aufgrund einer Tätowierung wird er nur „der Puma“ genannt. Franz ist im Elsass geboren, hat es im zweiten Weltkrieg verlassen, um sich der Résistance anzuschließen. Nach dem Krieg war er zunächst bei der Fremdenlegion und dann Berufsverbrecher. Er ist ein absoluter Profi, intelligent, selbstbewusst, nur schwer aus der Ruhe zu bringen. Gewalt ist für ihn nur Mittel zum Zweck, er setzt sie daher nicht wahllos ein. Doch obwohl der Roman seinen Namen trägt, ist er nicht nur aus seiner Perspektive verfasst. Und das eigentliche Herzstück dieses Romans ist 'das Mädchen': Wilhelmine-Therese, genannt Billie, Kammerloh.

Sie ist gefangen im goldenen Käfig. Die Mutter ist früh verstorben, der Vater ein gefühlskalter Mann, Inhaber einer Waffenfabrik, offensichtlich auch in politischen Deals verwickelt. Seine Dosis Zweisamkeit holt er sich bei der Ehefrau seines wichtigsten Mitarbeiters. Billie rebelliert gegen ihn, verabscheut seine berechnende Art, ist jedoch finanziell von ihrem Vater abhängig. Dieser traut ihr dann auch zu, ihre Entführung inszeniert zu haben, selbst als sein Privatermittler Schwiefka dies in Zweifel zieht, will Kammerloh die Entführer hinhalten, den Tod seiner Tochter riskierend. Billie selbst ist auf der Suche nach Zuneigung und Liebe und nimmt durch ihre einerseits verletzliche andererseits auch offene, unerschrockene Art die Männer für sich ein, auch Franz und Tomcik.

„Puma“ ist für mich ein ungewöhnlicher, aber dennoch herausragender Roman des Genres. Obwohl ein Gangsterroman, der eine Entführung thematisiert, sind die actionlastigen Passagen äußerst rar gesät. Stattdessen spielt Miehe virtuos mit den verschiedenen Figurenkonstellationen. Neben den Wendungen im Plot sind auch die Sympathien des Lesers äußerst volatil. Allerdings wird am Ende klar, dass niemand unbeschadet – physisch oder psychisch – aus dieser Geschichte hervorgeht.

Kommentare: 8
50
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Gulans avatar

Rezension zu "Ich hab noch einen Toten in Berlin" von Ulf Miehe

Der große Coup.
Gulanvor 3 Jahren

„Wenn der Coup wirklich so riesig ist“, sagte Gorski, „warum willst du ihn uns dann überhaupt erzählen? Warum machst du ihn zum Beispiel nicht einfach selber?“
Sparta nickte.
„Eine gute Frage. Ich kenn sie alle hier, und ich weiß keine Deutschen, die bei uns auf so was spezialisiert sind. Richtig organisiert sind hier nur die Perser. Die machen das Heroingeschäft. Da ballerts öfter mal.“ Er lachte. „Mit denen will ich nicht.“
„Aha“, sagte Gorski.
„Nix aha“, antwortete Sparta sofort, „Die verstehen meine Sprache, aber ich ihre nicht, capito? Ich müßte mir Fachleute aus dem Ausland holen. Das wären Vorkosten, um die hunderttausend Mark. Und dadurch würde das Risiko auch nicht kleiner. Mir ist das Ding einfach ein paar Nummern zu groß. Ich hab das nicht nötig, Meister. Aber für einen Film – wie gemacht.“ (S.38)

Der Drehbuchautor Benjamin und der Regisseur Gorski haben bereits erfolgreich zwei Filme fürs Fernsehen zusammen gedreht. Nun reisen sie ins geteilte Berlin, um dort einer Idee für einen neuen innovativen Kriminalfilm nachzugehen. Ihr Ansprechpartner ist Sparta, ein alter Bekannter Benjamins und eine Größe in der Berliner Unterwelt. Er erzählt den beiden von einem möglichen Coup für den Film: Zweimal im Monat wird der Sold der amerikanischen Soldaten eingeflogen und dann mit einem Transporter und zwei Jeeps als Begleitung zum Hauptquartier gebracht. Benjamin und Gorski beginnen mit der Recherche und je länger diese dauert, desto mehr haben beide das Gefühl, dass dieser Coup machbar ist nicht nur im Film.

Autor Ulf Miehe war zunächst Anfang der 1960er Jahre als Lektor tätig, bevor er dann ein breites künstlerisches Spektrum als Schauspieler, Schriftsteller, Übersetzer, Drehbuchautor und Regisseur abdeckte. Der Roman „Ich hab noch einen Toten in Berlin“ war der erste von drei Kriminalromanen (die weiteren waren „Puma“ und „Lilli Berlin“), wurde nach Motiven eines gemeinsamen Drehbuchs mit Volker Vogeler verfasst und 1973 veröffentlicht. Ein Jahr später wurde er unter dem Titel „Output“ (allerdings nicht von ihm selbst) verfilmt.

Benjamin und Gorski sind ein eingespieltes Drehbuchautor-Regisseur-Duo, tendenziell linksalternativ, aber sie müssen sich mit konservativen Produzenten und Geldgebern arrangieren. Dennoch sind sie immer auf der Suche nach unkonventionellen, innovativen und avantgardistischen Motiven für neue Filme. Dazu kommen sie nach Berlin und treffen dort Sparta, eine alteingesessene Unterweltgröße. Dieser liefert ihnen den Stoff für einen neuen Film. Benjamin und Gorski tauchen in der Berliner Szene ein, recherchieren mit größtmöglichen Realismus, in dem sie sich Waffen und falsche Pässe besorgen. So langsam dämmert es Sparta, dass die beiden mit dem Gedanken spielen, den Coup tatsächlich durchzuziehen. Doch das ist nicht in seinem Sinne und so versucht er sie, zunächst höflich, dann bestimmt, von dem Vorhaben abzubringen – auch mit Hilfe der schönen Anna.

Der Roman ist eine klassische Gangsterballade. Der Titel bezieht sich natürlich auf den bekannten Schlager „Ich hab noch einen Koffer in Berlin“ von Aldo von Pinelli. Im zweiten Kapitel schreibt der fiktive Herausgeber Günter Quitt, dass das Buch auf Tonbandprotokollen Benjamins beruht, der die Geschichte als Ich-Erzähler erzählt. Zudem gibt mehrere Kapitel mit einer Zeugenaussage von Anna Przygodda, die beide zunächst im Auftrag Spartas becirct. Die Dialoge sind authentisch knapp, oft flapsig, manchmal etwas sehr lässig. Es tauchen zahlreiche merkwürdige Gestalten in Nebenrollen auf. Das Setting der provinziellen, schmuddeligen Großstadt Berlin mit seinen Hinterhofklitschen, Bierlokalen und Pornokinos wird sehr gelungen dargestellt. Und immer wieder zitiert Benjamin Bob Dylan. Das Tempo könnte hin und wieder allerdings auch etwas höher sein.

„Ich hab noch einen Toten in Berlin“ ist ein interessanter Gangsterroman aus der Zeit des geteilten Berlins. Hier und da fand ich es manchmal übertrieben lässig erzählt, aber die ungewöhnliche Story ist dennoch lesenswert.

Kommentare: 7
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JimmySalarymans avatar

Rezension zu "Ich hab noch einen Toten in Berlin" von Ulf Miehe

Innovativ.
JimmySalarymanvor 4 Jahren

Ulf Miehe bildete mit Jörg Fauser die Speerspitze der deutschen Kriminalliteratur. Miehe selbst glaubte nicht an eine deutsche "Szene", er guckte lieber über den großen Teich. Miehe erzählt von den "Filmschaffenden" Gorski und Benjamin, der schönen femme fatale Anna und dem Ganoven Sparta. Das ist nichts Bahnbrechendes, aber wie er schreibt: in media res, viele knackige Dialoge, viele authentische Details. Er zeigt auch, wie logisch, wie rational ein Verbrechen plötzlich werden kann. Für mich ist Miehe sogar noch besser als Fauser. Beides jedenfalls sind Autoren, die man gelesen haben sollte. 

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