Ulf Miehe Ich hab noch einen Toten in Berlin

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Inhaltsangabe zu „Ich hab noch einen Toten in Berlin“ von Ulf Miehe

Roman. 292 S. (Quelle:'Fester Einband/01.11.1976')

Interessante Milieustudie aus dem geteilten Berlin. Könnte aber etwas mehr Tempo vertragen.

— Gulan
Gulan

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  • Der große Coup.

    Ich hab noch einen Toten in Berlin
    Gulan

    Gulan

    „Wenn der Coup wirklich so riesig ist“, sagte Gorski, „warum willst du ihn uns dann überhaupt erzählen? Warum machst du ihn zum Beispiel nicht einfach selber?“ Sparta nickte. „Eine gute Frage. Ich kenn sie alle hier, und ich weiß keine Deutschen, die bei uns auf so was spezialisiert sind. Richtig organisiert sind hier nur die Perser. Die machen das Heroingeschäft. Da ballerts öfter mal.“ Er lachte. „Mit denen will ich nicht.“ „Aha“, sagte Gorski. „Nix aha“, antwortete Sparta sofort, „Die verstehen meine Sprache, aber ich ihre nicht, capito? Ich müßte mir Fachleute aus dem Ausland holen. Das wären Vorkosten, um die hunderttausend Mark. Und dadurch würde das Risiko auch nicht kleiner. Mir ist das Ding einfach ein paar Nummern zu groß. Ich hab das nicht nötig, Meister. Aber für einen Film – wie gemacht.“ (S.38) Der Drehbuchautor Benjamin und der Regisseur Gorski haben bereits erfolgreich zwei Filme fürs Fernsehen zusammen gedreht. Nun reisen sie ins geteilte Berlin, um dort einer Idee für einen neuen innovativen Kriminalfilm nachzugehen. Ihr Ansprechpartner ist Sparta, ein alter Bekannter Benjamins und eine Größe in der Berliner Unterwelt. Er erzählt den beiden von einem möglichen Coup für den Film: Zweimal im Monat wird der Sold der amerikanischen Soldaten eingeflogen und dann mit einem Transporter und zwei Jeeps als Begleitung zum Hauptquartier gebracht. Benjamin und Gorski beginnen mit der Recherche und je länger diese dauert, desto mehr haben beide das Gefühl, dass dieser Coup machbar ist – nicht nur im Film. Autor Ulf Miehe war zunächst Anfang der 1960er Jahre als Lektor tätig, bevor er dann ein breites künstlerisches Spektrum als Schauspieler, Schriftsteller, Übersetzer, Drehbuchautor und Regisseur abdeckte. Der Roman „Ich hab noch einen Toten in Berlin“ war der erste von drei Kriminalromanen (die weiteren waren „Puma“ und „Lilli Berlin“), wurde nach Motiven eines gemeinsamen Drehbuchs mit Volker Vogeler verfasst und 1973 veröffentlicht. Ein Jahr später wurde er unter dem Titel „Output“ (allerdings nicht von ihm selbst) verfilmt. Benjamin und Gorski sind ein eingespieltes Drehbuchautor-Regisseur-Duo, tendenziell linksalternativ, aber sie müssen sich mit konservativen Produzenten und Geldgebern arrangieren. Dennoch sind sie immer auf der Suche nach unkonventionellen, innovativen und avantgardistischen Motiven für neue Filme. Dazu kommen sie nach Berlin und treffen dort Sparta, eine alteingesessene Unterweltgröße. Dieser liefert ihnen den Stoff für einen neuen Film. Benjamin und Gorski tauchen in der Berliner Szene ein, recherchieren mit größtmöglichen Realismus, in dem sie sich Waffen und falsche Pässe besorgen. So langsam dämmert es Sparta, dass die beiden mit dem Gedanken spielen, den Coup tatsächlich durchzuziehen. Doch das ist nicht in seinem Sinne und so versucht er sie, zunächst höflich, dann bestimmt, von dem Vorhaben abzubringen – auch mit Hilfe der schönen Anna. Der Roman ist eine klassische Gangsterballade. Der Titel bezieht sich natürlich auf den bekannten Schlager „Ich hab noch einen Koffer in Berlin“ von Aldo von Pinelli. Im zweiten Kapitel schreibt der fiktive Herausgeber Günter Quitt, dass das Buch auf Tonbandprotokollen Benjamins beruht, der die Geschichte als Ich-Erzähler erzählt. Zudem gibt mehrere Kapitel mit einer Zeugenaussage von Anna Przygodda, die beide zunächst im Auftrag Spartas becirct. Die Dialoge sind authentisch knapp, oft flapsig, manchmal etwas sehr lässig. Es tauchen zahlreiche merkwürdige Gestalten in Nebenrollen auf. Das Setting der provinziellen, schmuddeligen Großstadt Berlin mit seinen Hinterhofklitschen, Bierlokalen und Pornokinos wird sehr gelungen dargestellt. Und immer wieder zitiert Benjamin Bob Dylan. Das Tempo könnte hin und wieder allerdings auch etwas höher sein. „Ich hab noch einen Toten in Berlin“ ist ein interessanter Gangsterroman aus der Zeit des geteilten Berlins. Hier und da fand ich es manchmal übertrieben lässig erzählt, aber die ungewöhnliche Story ist dennoch lesenswert.

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    • 8
  • Innovativ.

    Ich hab noch einen Toten in Berlin
    JimmySalaryman

    JimmySalaryman

    06. January 2015 um 12:42

    Ulf Miehe bildete mit Jörg Fauser die Speerspitze der deutschen Kriminalliteratur. Miehe selbst glaubte nicht an eine deutsche "Szene", er guckte lieber über den großen Teich. Miehe erzählt von den "Filmschaffenden" Gorski und Benjamin, der schönen femme fatale Anna und dem Ganoven Sparta. Das ist nichts Bahnbrechendes, aber wie er schreibt: in media res, viele knackige Dialoge, viele authentische Details. Er zeigt auch, wie logisch, wie rational ein Verbrechen plötzlich werden kann. Für mich ist Miehe sogar noch besser als Fauser. Beides jedenfalls sind Autoren, die man gelesen haben sollte. 

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  • Rezension zu "Ich hab noch einen Toten in Berlin" von Ulf Miehe

    Ich hab noch einen Toten in Berlin
    Stephanus

    Stephanus

    24. July 2012 um 14:55

    Ein Regisseur und ein Drehbuchschreiber, beide gut befreundet, machen sich auf im Berlin der 1970er Jahre, um für den nächsten Film, einen Krimi, zu recherchieren. Um dieses Filmprojekt möglichst realistisch darstellen zu können suchen sie die Hilfe einer Unterweltgröße. Um so mehr sie von der realen Handlung und der Unterwelt erfahren, um so weiter entfernen sie sich von dem Filmprojekt und planen schließlich den Raubüberfall selbst durchzuführen. Die Grundidee des Buches fand ich zunächst ganz gut, musste dann aber feststellen, dass die ganze Handlung sehr unrealistisch ist. Die beiden Hauptcharaktere laufen letztlich durch Berlin und erzählen jedem und allen von ihrem Coup, so dass es sicher dutzende Mitwisser für den Raub gibt. Vor solch einer Konstellation würde kein vernünftiger Kriminieller einen Raubüberfall durchziehen. Hinzu kommt noch, dass sich die Erzählerspektive vom Ich-Erzähler in Form des Drehbuchautors ständig mit einer Art Retrospektive, d.h. Erzählung nach dem Coup, wechselt. Der Chrakter des Ich-Erzählers kommt dabei viel zu kurz und wirkt, auch wegen der begrenzten Erzählmöglichkeiten, eindimensional. Man erfährt letztlich nichts über den Drehbuchautor, dafür aber um so mehr über den Regisseur (den anderen Hauptcharakter). Wenn man schließlich bedenkt, dass das Buch erstmals 1973 erschienen ist, mithin mitten in eine Phase, in der in Deutschland der Sozio-Krimi dominierte (der heute völlig vergessen ist), stellt es quasi eine völlige Neuerung zur damaligen Krimi-Landschaft dar. Das Buch konnte mich insgesamt leider nicht überzeugen, war aber auch kein völliger Reinfall.

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  • Rezension zu "Ich hab noch einen Toten in Berlin" von Ulf Miehe

    Ich hab noch einen Toten in Berlin
    Duffy

    Duffy

    06. September 2010 um 15:18

    Zwei Filmemacher haben einen neuen Kriminalfilm vor, der hart an der Realität gedreht werden soll. Hilfestellung erhalten sie von einer der führenden Berliner Untergrundfiguren. Je mehr am Film gearbeitet wird, desto mehr verselbstständigt sich die Sache und soll zum ganz großen Coup werden ... Mit feinem psychologischen Gespür schickt der Autor seine Helden von der Fiktion in die Realität. Es geht rasant voran, Miehe hält sich auch bei diesem Roman nicht mit Schönschreiben auf. Es dominiert der flapsige Ton, den man auch schon aus "Puma" kennt. Auch hier ist die Nähe zu angloamerikanischen Schreibern deutlich lesbar und hervorragend in die damaligen bundesrepublikanischen Gegebenheiten eingebettet. Was hätten Fauser und Miehe diesem Genre in Deutschland noch alles Gutes tun können!

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