Cover des Buches Fest der Finsternis (ISBN: 9783453677135)clary999s avatar
Rezension zu Fest der Finsternis von Ulf Torreck

Fest der Finsternis...

von clary999 vor 5 Jahren

Review

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clary999vor 5 Jahren

„Der Mensch ist ein schönes, böses Tier.“

Donatien-Alphonse-Francois, Marquis de Sade (Zitat aus dem Buch)

Zum Inhalt: Paris, Herbst 1805. Louis Marais, amtierender Polizeipräfekt von Brest, wird überraschend von dem intriganten Polizeiminister Joseph Fouché nach Paris zurückbeordert. Dort soll er eine grausame Mordserie aufklären. Bei den Ermittlungen stößt Marais auf mysteriöse Vorkommnisse. Mit dem berüchtigten Libertin und Skandalautor Marquis de Sade geht er auf die Jagd nach einem Monster…

„…Gewöhnlicher Mord ist niederschmetternd genug. Aber das da ist ein Affront wider die Vernunft.“

Zitat aus dem Buch, Seite 97

Meine Meinung: Der Schreibstil von Ulf Torreck ist wieder flüssig und der Handlungszeit angepasst. Den historischen Hintergrund bringt der Autor anschaulich und vielseitig zur Geltung.

Es beginnt bedrückend. Die Pest wütet in Brest, auch Marais Familie wird nicht verschont. Die Spannung ist anfangs noch relativ niedrig. Man lernt Marais und Marquis de Sade zunächst getrennt näher kennen.

Marais und de Sade! Zwei Charaktere, die kaum unterschiedlicher sein könnten. Inspector Marais, 40 Jahre alt, ist ernst und bei der Suche nach einem Mörder sehr hartnäckig. Er lässt sich von niemandem aufhalten, auch nicht, wenn es ein Polizeiminister ist. Marquis de Sade, 63 Jahre alt, ist geradeheraus und mitunter vulgär. Seine sarkastischen Kommentare waren für mich sehr unterhaltsam. Er besitzt außerdem einen schwarzen Humor, damit verschreckt er etliche. Durch seine kirchenfeindlichen und pornografischen Romane kam er in eine Irrenanstalt… So unterschiedlich die beiden auch vom Charakter und von ihren weltlichen und kirchlichen Anschauungen sind, trotzdem oder vielleicht sogar deshalb, regen sie sich gegenseitig zum Nachdenken an.

„Es braucht ein Ungeheuer, um ein Scheusal zu fangen, das haben Sie selbst gesagt. Also beschweren Sie sich jetzt gefälligst nicht darüber, wenn andere versuchen, wie ein Ungeheuer zu denken.“ De Sade machte „Pfft“…“

Zitat aus dem Buch, Seite 487

Erwähnenswert finde ich auch die Herrin der Nacht und deren Tochter. Durch die beiden Frauen bekommt man einen sehr guten Einblick zu Bordellen und Huren im 19. Jahrhundert. Es gab noch viele weitere Personen, die überzeugend und vielseitig rüber gebracht wurden.

„…Die Menschen sind nicht so, wie wir sie gern hätten. Frei zu sein, bedeutet ja auch, sich bewusst zu werden, dass man allein ist und es letztlich immer bleiben wird.“

Zitat aus dem Buch, Seite 471

Die erste Tote wird nach zwei Wochen gefunden. Allerdings findet Marais schon bald heraus, dass bereits vorher etliche junge Frauen ermordet wurden. Jede von ihnen hat kurz vor ihrem gewaltsamen bestialischen Tod ein Kind geboren. Wo sind die Neugeborenen? Wurden sie auch getötet oder vielleicht versteckt? Wer könnte der Mörder sein?... Marais zieht Marquis de Sade hinzu. Seiner Auffassung, die von de Sade bestätigt wird, kann man ein Ungeheuer nur mit einem Ungeheuer aufspüren.

Die Spannung steigt beständig an. Auch Gruselmomente kommen häufig vor. Es wird blutig und brutal. Kurz vorm Ende grenzen die Ereignisse, nach meinem Empfinden, schon fast an Horror. Von daher sind also starke Nerven empfehlenswert. Hin und wieder gab es für mich allerdings ein paar Längen, weil der Autor ein bisschen zu ausführlich in den durchaus sehr interessanten Beschreibungen, wurde. Politische Intrigen sorgen für zusätzliche Probleme. Welche Erkenntnisse sind von Belang und welche nur eine Finte? Mit amüsanten Begebenheiten an den richtigen Stellen wird die größtenteils düstere Stimmung zwischendurch aufgelockert. Der Autor versteht es den Leser zum Rätseln zu animieren. Umso mehr ich erfuhr, umso mehr war ich schockiert. Die Aufklärung hat mich trotz der vielen Infos überrascht und entsetzt!

Marais und de Sade sind wahre historische Personen, die sich zur damaligen Zeit ein paar Mal begegnet sind. Die Geschichte ist allerdings frei erfunden. Die bekannten Tatsachen wurden überzeugend ausgeschmückt.

Ein spannender, finsterer und gruseliger Kriminalfall aus dem 19. Jahrhundert mit interessanten Personen und einem beeindruckenden historischen Hintergrund!

Lesenswert!

4+ Sterne

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