Fest der Finsternis

von Ulf Torreck 
4,5 Sterne bei31 Bewertungen
Fest der Finsternis
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Bookiliciouss avatar

Düster, grausam und blutig!

J

- Die Stadt der Liebe spuckt ihren Abschaum aus -

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Inhaltsangabe zu "Fest der Finsternis"

Paris im September 1805. Der intrigante Polizeiminister Joseph Fouché regiert die Stadt mit eiserner Hand. Doch die Bewohner der Weltmetropole sind ergriffen von Angst. In finsteren Gassen werden die Leichen blutjunger Mädchen gefunden, die Brutalität der Morde ist beispiellos. Der für seinen Jagdinstinkt berühmte Polizist Louis Marais arbeitet wie besessen an dem Fall. Marais weiß, dass es ein Monster braucht, um ein Monster zu jagen. Er greift auf die Hilfe eines alten Bekannten zurück, der hinter den Mauern des Irrenhauses von Charenton sein Leben fristet. Doch damit führt Marais den Alptraum erst zu seiner wahren Größe … Sein Messer schneidet tief

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783641190545
Sprache:Deutsch
Ausgabe:E-Buch Text
Umfang:672 Seiten
Verlag:Heyne Verlag
Erscheinungsdatum:13.02.2017

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    Susi180s avatar
    Susi180vor 5 Monaten
    Super Buch

    Paris im September 1805. Der intrigante Polizeiminister Joseph Fouché regiert die Stadt mit eiserner Hand. Doch die Bewohner der Weltmetropole sind ergriffen von Angst. In finsteren Gassen werden die Leichen blutjunger Mädchen gefunden, die Brutalität der Morde ist beispiellos. Der für seinen Jagdinstinkt berühmte Polizist Louis Marais arbeitet wie besessen an dem Fall. Marais weiß, dass es ein Monster braucht, um ein Monster zu jagen. Er greift auf die Hilfe eines alten Bekannten zurück, der hinter den Mauern des Irrenhauses von Charenton sein Leben fristet. Doch damit führt Marais den Alptraum erst zu seiner wahren Größe …

    Der Autor:

    Ulf Torreck, geboren 1972 in Leipzig, arbeitete bereits früh als Rausschmeißer und Barmann, später als Journalist und Filmkritiker. Nach längeren Aufenthalten in Südostasien, Frankreich, Irland und Großbritannien begann er, Novellen und Romane zu schreiben. Für seinen historischen Thriller »Das Fest der Finsternis« recherchierte Torreck mehrere Jahre lang und befasste sich intensiv mit den dunklen Seiten des Menschen.

    Meine Meinung:

    Mal ein ganz neues Gengre für mich. Historisch gepaart mit Thriller. Eine coole Mischung die mir wirklich gut gefallen hat. Ich mochte den Schreibstil sehr und die Geschichte war spannend und sehr unterhaltsam. Mir hat die Thematik des Buches sehr gefallen. Die Dicke merkt man dem Buch beim lesen gar nicht an, weil man so durch die Seiten fliegt. Ich bin sehr froh, das ich auf das Buch aufmerksam geworden bin.

    Also diese Geschichte kann wirklich jeder lesen. Ob Thriller-Fan oder nicht. Es macht Spaß und unterhält wirklich sehr gut. Ein Buch was ich gerne jedem Leser ans Herz legen möchte. Super

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    J
    Janko-Unchainedvor 7 Monaten
    Kurzmeinung: - Die Stadt der Liebe spuckt ihren Abschaum aus -
    - Die Stadt der Liebe spuckt ihren Abschaum aus -

    Fest der Finsternis von Ulf Torreck (Heyne Verlag)

    - Die Stadt der Liebe spuckt ihren Abschaum aus -

    „Fest der Finsternis“ ist ein historischer Kriminalroman, der auf einem einstmals real existierenden Personenkreis aufgebaut und in den Anklängen des 19. Jahrhunderts in Paris angesiedelt ist. Die Geschichte spielt zu der Zeit, als die Pest grassiert und ganz Europa fest in ihrem Würgegriff hält. Der, 1973 in Leipzig geborene Autor Ulf Torreck, nimmt es mit den Zeitepochen, Vitae und persönlichen Beziehungen seiner Protagonisten allerdings nicht ganz so genau. So ward ein allerletztes Aufflammen der Pest in Frankreich 1786 in Marseille dokumentiert und Hauptprotagonist Inspecteur de Police Louis Marais 1805 bereits ein Vierteljahrhundert tot. Wobei hier die Meinungen stark differieren. Aber sei es drum, schließlich handelt es sich bei „Fest der Finsternis“ um Trivialliteratur mit bemerkenswertem Unterhaltungswert, einem köstlich umschriebenen Personenkreis und einer verkommenen, faulig-modrigen Grundstimmung.

    Der überaus hartnäckige Inspekteur de Police Louis Marais ist von Polizeiminister Joseph Fouché höchstpersönlich nach Brest strafversetzt worden. Als Marais‘ Frau Nadine und sein Sohn Paul der Pest zum Opfer fallen, versucht sich Marais das Leben zu nehmen. Kurz nachdem er sein Vorhaben noch einmal überdenkt und selbiges vorerst auf die lange Bank schiebt, wird er von Fouché nach Paris zurückbeordert. Zum Commissaire du Police Judiciaire degradiert, soll er Ermittlungen zu den jüngsten Vorfällen in der französischen Hauptstadt aufnehmen. Denn mitten hinein in diesen unsäglichen Zustand des allseitigen Leids, sticht ein brutaler Mörder, der es auf junge Frauen abgesehen zu haben scheint. Als der Clochard Nounous die kopflose Leiche eines toten Mädchens aus der Seine angelt, hat Marais die Antwort auf die Frage nach seiner Rekrutierung durch Polizeiminister Fouché und gleichzeitig seinen nächsten Fall. Der Pathologe Doktor Mounasse stellt fest, dass das Mädchen kurz vor ihrer Ermordung ein Kind entbunden haben muss. Außerdem hat man ein silbernes Kreuz in ihrer Vagina platziert. Das dies nicht die einzige weibliche Leiche in der Form darstellt, wird Inspektor Marais schnell klar, als eine Reihe weiterer grässlicher Morde verübt wird und Marais dabei stets im Dunkeln tappt. Die Leichname sind auf grausamste Art und Weise verstümmelt. Angst und Schrecken, Revolten und eine infame Unsicherheit prägen das Bild dieser verruchten Stadt, in der sich schwarze Messen mit absolut widerwärtigem Hintergrund zutragen sollen. Das Beschriebene und die mörderischen Taten sind zum Teil echt harter Tobak und nichts für zarte Gemüter.

    Marais‘ Ermittlungen führen ihn in das weitverzweigte Netz des französischen Hochadels und er erhält hierbei direkte Unterstützung eines weltberühmten Insassen der Irrenanstalt Charenton, welche sich weit im Süden von Paris befindet. Niemand geringerer als der adelige Libertin (Freigeist) und Verfasser einiger pornographischer, kirchenfeindlicher und philosophischer Romane Namens Donatien Alphonse François de Sade (besser bekannt als Marquis de Sade), einem der führenden Connaisseure, wenn es um die Verknüpfung der Themen Sex und Gewalt geht, steht Louis Marais zur Seite. „Es braucht ein Monster, um ein Monster zu jagen“, um es mit Marais‘ Worten zu erklären. Dass, sich die beiden tatsächlich kannten und de Sade den Inspecteur de Police, der ihn des Öfteren wegen seiner unzüchtigen Ausschweifungen festnahm, tatsächlich als seinen Lieblingspolizisten bezeichnete, lag laut Aussage des Marquis an der bemerkenswerten Intelligenz und Redegewandtheit Marais. Man schickte nun also nach de Sade und unterstellte den, in die Jahre gekommenen und fett gefressenen, Gicht und Rheuma geplagten Mittsechziger der Aufsicht des frisch gebackenen Commissaire du Police Judiciaire. Da die beiden Streithähne unterschiedlicher kaum sein könnten, entbrennt auf kurz oder lang eine Art Hassliebe, die sich allerdings nicht zu sehr in den Vordergrund drängt oder gar von den Geschehnissen abzulenken droht und sich immer wieder in kleinen Spitzen zwischen den beiden äußert. Die Geschichte erfährt durch die Investigationen der beiden ungleichen Protagonisten, ein leichtes Flair von Sherlock Holmes und Dr. Watson. Marais hat natürlich auch so seine Schwierigkeiten mit der respektlosen und vulgären Art de Sades. Sehr zum Leidwesen Marais gibt der Marquis nämlich stets seine unpassenden Expertisen ab, mit denen selbiger aber gar nicht mal so unrecht zu haben scheint oder beantwortet Fragen schon mal mit einer nachgeahmten oder geruchsechten Flatulenz.

    Der historische Roman ist an die damalige Ausdrucksweise angelehnt, jedoch dahingehend recht verständlich und unkompliziert geschrieben. Es wird unter anderem über den jungen Marquis de Sade berichtet, wie er neben seinen Pflichten als Ehemann Unzucht mit dem Comte (Graf) trieb, wie er im Gefängnis saß, der Guillotine entging und im geheimen seine Bücher schrieb. Leider sind diese erzählerischen Ausschweifungen zum Auftakt des Plots etwas langatmig geraten, was den Lesefluss auf den ersten siebzig Seiten immer wieder stark auszubremsen droht. Das Buch besitzt jedoch einen ganz besonderen Charakter und baut in dieser Stimmung vergangener Epochen, trotz der teils vulgären Sprache und expliziten Gewaltdarstellungen, eine ganz spezielle Gefühlsregung beim Leser auf. Man atmet förmlich den Gestank, die Feuchtigkeit und den Moder aus Paris Gossen, den Dreck und die Fäkalien aus den Abwasserkanälen und die kalte, erniedrigende Hierarchie der Pariser Gesellschaft. Die Geschichte eröffnet von der Grundstimmung her so einige Parallelen zu dem modernen Klassiker "Drood" von Dan Simmons. Dem Plot fehlt es jedoch an einer konsequenten Konstante, denn er wirkt eher ein wenig wirr, grotesk und durcheinander. Der ehemalige Rausschmeißer und Barmann Ulf Torreck lässt es außerdem, sehr zum Leidwesen des Lesers, ein wenig an Lokalkolorit mangeln.

    Die Ermittlungen führen den Commissaire du Police Judiciaire unter anderem nach Bicêtre, einem weiteren Irrenhaus vor den Toren von Paris, wo er mit dem ehemaligen Polizeiarzt sprechen will, der nach den ersten Morden dieser Art in einen katatonischen Zustand vollkommener Leere, einhergehend mit Stupor (Starre des gesamten Körpers) und akinetischem Mutismus (antriebsgestörtes Schweigen), gefallen zu sein scheint. Aber auch hier kommt Commissaire Louis Marais trotz enormer Gewaltausbrüche und Folterung seinerseits, was ihn um ein Haar selbst zum Mörder werden lässt, keinen Schritt weiter. Trotz Marais großspuriger, ja teils gar großkotziger Art, zieht er in der kranken Pariser Unterwelt anno 1805 die Sympathien auf sich. Wie ein Besessener ackert Marais an seinem Fall. Allmählich scheint er daran zu zerbrechen und zugrunde zu gehen. Der große Inspektor Marais nur noch Schatten seiner selbst? Mitnichten! Eine  Kriminalgeschichte nimmt ihren Lauf, in der Marais mit seinem neu rekrutieren Assistenten Aristide und dem Asylum Insassen Marquis de Sade ermittelt. Von allen möglichen Seiten werden ihnen Fallen gestellt oder Steine in den Weg gelegt. Auf ihrem gemeinsamen Weg und ihren Ermittlungen begegnet das ungleiche Paar allerlei illustren Gestalten, die ihnen mal mehr mal weniger hilfreich bei ihren Investigationen zur Seite stehen. Dabei kommen sie einem grausamen Motiv auf die Schliche, das sich für meinen Geschmack allerdings etwas zu grotesk ausnimmt. Der historische Thriller/Kriminalroman hat sein ganz eigenes Flair und ist durchaus lesenswert, wenn auch nicht immer ganz glaubwürdig. Die Leichen und deren zum Teil amputieren Körperteile werden hierbei recht explizit beschrieben, was vielleicht nicht jemand Sache sein dürfte. Der 672 Seiten starke Plot liest sich ansonsten ganz gut, weist aber durchaus verzichtbare Längen auf. Auch flacht die Geschichte zu ihrer Aufklärung hin leider ein wenig ab. Ulf Torreck schreibt übrigens auch unter dem Pseudonym David Gray.

    https://www.facebook.com/UlfTorreck

    Meine Wertung: 82/100

    Link zur Buchseite des Verlags:https://www.randomhouse.de/Paperback/Fest-der-Finsternis/Ulf-Torreck/Heyne-Hardcore/e498831.rhd

    DEUTSCHE ERSTAUSGABEPaperback, Klappenbroschur, 672 Seiten, 13,5 x 20,6 cmISBN: 978-3-453-67713-5€ 14,99 [D] | € 15,50 [A] | CHF 20,50* (* empfohlener Verkaufspreis)Verlag: Heyne HardcoreErschienen: 13.02.2017

    More hard stuff @ www.lackoflies.com

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    Kaisus avatar
    Kaisuvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein gut recherchierter Krimi!
    Zu Zeiten der Pest

    „Im August 1805 herrschte die Pest bereits den dritten Monat über Brest. Leise wie ein Dieb in der Nacht war sie aus einer der Gossen aufgestiegen und hatte die Stadt und ihre Bewohner innerhalb weniger Tage in ihren Bann geschlagen.“ (S.11)

    Und ganz so schnell werden die Menschen den schwarzen Tod auch nicht mehr loswerden. Dennoch schwebt noch eine andere Angst, als die der Ansteckung in der Luft Paris‘ umher. Seit geraumer Zeit, werden immer wieder Leichen junger Frauen gefunden. Nichts ungewöhnliches zu jener Zeit, mag man denken. Doch allesamt waren schwanger und hatten kurz vor ihrem Tod entbunden. Nur fehlt von dem Nachwuchs jede Spur.

    Der örtliche Polizeichef Fouché ist mit dem Fall komplett überfordert und ordert den einst verbannten Polizisten Louis Marais zurück ins Amt. Dieser ist natürlich verwundert und argwöhnisch. Dennoch verbeißt er sich recht schnell in den Fall und merkt, dass er Hilfe braucht. Mit diesem Killer ist nicht zu spaßen und er bewegt sich auf einem Terrain, wo sich Marquis de Sade wesentlich besser auskennt. Somit wird dieser ins Boot geholt.

    Stückchenweise kommen sie dem Täter auf die Spur und trotzdem drehen sie sich im Kreis. Erst als sie eine weitere weibliche Person zu Rate ziehen, bekommt der Mörder ein Gesicht und ihnen wird bewusst, in was sie sich da verfangen haben. Die Herrin der Nacht selbst begleitet die beiden Männer dabei natürlich nicht, sondern schickt eine ihrer vertrautesten Damen als Hilfe mit.

    „Ein Polizeiagent, ein berüchtigter Schriftsteller und die Thronerbin der Herrin der Nacht. Eine interessante Kombination.“ (S.268)

    Kaum zerren sie erste Wahrheiten an das grelle Tageslicht, kommen sofort die Widersacher daher und wollen ihre Arbeit zunichte machen. Da haben wohl auch mächtigere Wesen ihre Hände im Spiel, als man von Angesicht zu Angesicht in Gesprächen zugeben mag. Somit beginnt eine Katz-Maus-Jagd quer durch die Straßen von Paris, die letztlich nur eine Seite gewinnen kann.

    Diese Jagd nach dem grausamen Killer ist nicht auf 300 Seiten abgehandelt. Ulf Torreck hat hier alle Register gezogen und einen extrem gut recherchierten Roman vorgelegt, der viele wahre Daten oder Gesichter aus der damaligen Zeit mit einbindet. Zudem werden viele französische Begriffe und Titel genannt. Man hat dadurch wirklich das Gefühl sich in Frankreich zu befinden.

    Wem dies alles zu viel wird, der findet auf den letzten Seiten eine kurze Auflistung der wichtigsten Gesichter.

    Die Spannung kommt dabei natürlich nicht zu kurz. Hat man sich erst einmal einen Überblick verschafft und sich in die Welt der Pariser eingefunden, will man auch nicht mehr davon weg. Ich empfehle zudem das kurze ebook „Vor der Finsternis“, vor diesem Buch hier zu lesen. Man erfährt hier noch einiges mehr über Marais. Vor allem über seine Vergangenheit und versteht seine Beweggründe besser.

    Alles in allem war ich positiv überrascht von dem Buch. Muss aber dennoch ein paar Abstriche machen. So hat es eine Weile gedauert, bis ich für das dicke Büchlein bereit war und mich komplett in der Story verbeißen konnte. Zudem kommt es durch die wunderbare Ausführlichkeit gelegentlich zu langen Passagen, wo ich mich arg zusammenreißen musste, diese nicht zu überfliegen. Wer über diese kleinen Makel hinwegsehen kann, sollte zugreifen!

    Lesenswerte Lektüre, die einen intensiv in die Abgründe der Pariser Welt entführt!

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    Gwhynwhyfars avatar
    Gwhynwhyfarvor einem Jahr
    Mit de Sade und Louis Marais auf der Suche nach dem Mörder


    »Der Mann hielt einen stumpfen Spiegel in der Hand und trug ein Damenkorsett über einem weißen Nachthemd. Er stand auf einer zwei Meter hohen Bühne. Die Frauen neben ihm hatten einen angemalten Bart und ihr wirres graues Haar unter einen verrosteten Gardistenhelm gestopft.«

    1805, Polizeichef von Brest, Louis Marais, hierher strafversetzt, wird von Polizeiminister Joseph Fouché nach Paris zurückbeordert, wieder als Commissaire eingesetzt. Eine Frau wurde grausam ermordet. Der Polizeipathologe stellt fest, ihr Kopf wurde fachgerecht mit Spezialwerkzeug abgetrennt, was darauf schließen lässt, dass der Mörder ein Arzt oder ähnlichen Berufs sein muss. Die junge Frau hatte kurz vor ihrem Mord entbunden. In den geheimen Hinterlassenschaften des ehemaligen Polizeipathologen, der nun im Irrenhaus sitzt, finden sich Aufzeichnungen zu weiteren ähnlichen Morden, die aber der Polizei nicht bekannt sind. Was hat das zu bedeuten? Wer vertuscht was? Steckt ein Geheimbund hinter den Morden?

    »Du brauchst ein Monster, um ein anderes Monster zu fangen.«

    Und nun muss Marais auch noch mit einem verhassten Perversen zusammenarbeiten, der ihm als Berater zur Seite gestellt wird: Marquis de Sade, alt, fett, verbraucht. Der wiederum auch nicht gut auf den katholischen Louis Marais zu sprechen ist. De Sade ist der Meinung, die besten Informationen würde man in den eleganten Bordellen erhalten. Das ungleiche Team ermittelt mit Intelligenz und die beiden ergänzen sich hervorragend.

    »Monsieur le Ministre benutzte offensichtlich Marais, um sich seines Erzfeindes Talleyrand zu entledigen. Doch Talleyrand war nach dem Kaiser der mächtigste Mann des Reiches.«

    Marais und de Sade werden gesucht, müssen sich verstecken, sind scheinbar das Opfer einer politischen Intrige. Eine schützende Hand schwebt immer über ihnen, nur wem können sie trauen?

    »Wir sind verloren, Marais! Isabelle de la Tour ist nur eine kleine, dumme Nutte. ... Jeder Polizeiagent in Paris sucht zweifellos inzwischen nach uns.«

    Im Gegensatz zu »Sakrileg« wird hier glücklicherweise ein glaubwürdiger Plot entworfen. Der Autor ist Meister des Kopfkinos, Gerüche und Bilder tauchen auf, lassen das stinkende Paris erscheinen, die Pathologie, bunte Bordelle, gutes Essen. Der Zwiespalt zwischen moderner Wissenschaft, Aufklärung und im Gegensatz Feudalismus, Aberglaube, Glaube, Aufbruch in neue Zeiten der Moderne steht im krassen Gegensatz. Marais und der Aufklärer de Sade stehen im Gegensatz, wobei der gläubige und abergläubige Marais doch mit beiden Füßen auf der Erde steht und sich gern der Wissenschaft bedient.

    Ich hatte Ulf Torreck bei dem Randomhouse Blogtalk auf der Buchmesse in Leipzig zugeteilt bekommen, ein nettes Gespräch übrigens. Er erzählte mir etwas über seinen historischen Krimi, zu dem er einige Jahre recherchiert hat. Und das hat er sauber umgesetzt. Das Paris der napoleonischen Zeit kommt gut herüber. Louis Marais und Marquis de Sade ermitteln im Team Stück für Stück die Zusammenhänge der Frauenmorde, ein typischer Krimi, der an manchen Stellen breit gezogen ist. Es kommen zwar eine Menge Leichen vor, aber es wird ordentlich medizinisch-kriminalistisch berichtet und nicht vom Täter blutig herumgeschnitzelt, was mir gut gefallen hat. Auf dem Buchdeckel hat der Verlag den Roman als Thriller betitelt. Das halte ich für einen Fehler, weil damit beim Käufer ein falscher Eindruck erweckt wird, der Krimileser eventuell abgeschreckt wird, der Thrillerleser enttäuscht. Es ist auch vom mystischen Gothic die Rede. Das kann man gerade noch durchgehen lassen. Ulf Torreck absolvierte nach dem Abbruch eines Jurastudiums eine Ausbildung zum Drehbuchautor und Script Doctor. Längere Auslandsaufenthalte in Frankreich, Irland, Großbritannien und Nepal animierten ihn zu seinen Büchern. Denn der Autor begann als Selfpublisher und brachte beim Pendragon Verlag mehrere Bücher unter dem Pseudonym David Gray heraus, ist sicher manchem Leser unter diesem Namen bekannt, auch wenn Ulf Torreck hier seinen Debütroman präsentiert.
    Interessant an dieser Geschichte ist die Vermischung von Fiktion und Wahrheit. Viele handelnde Personen sind echt. Joseph Fouché war Polizeiminister und Charles-Maurice de Talleyrand-Perigord, ehemaliger Bischof von Autum, Mitglied der Nationalversammlung, setzte sich für die Verstaatlichung der Kirchengüter ein. Er ist einer der bekanntesten französischen Staatsmänner, Diplomat während der Französischen Revolution, der Napoleonischen Kriege und beim Wiener Kongress. Seine Feindschaft zu Fouché ist legendär. Donatien Alphonse François, Marquis de Sade verbrachte häppchenweise 29 Jahre in Kerkern und Irrenhäusern, zumeist ohne ordentliches Gerichtsurteil und selbstverständlich ohne Anerkenntnis seiner Schuld. Er führte einen ausschweifenden, ruinösen Lebenswandel, verprasste innerhalb kurzer Zeit sein gesamtes großes Erbe in Spielsalons und gab Unsummen für Mätressen aus. Gerichtsurteile auf Grund liederlichen Lebenswandels, abscheulichen Gottlosigkeit brachten ihn in den Kerker. Wegen seiner sadistischen, pornografischen Schriften wurde er immer wieder angeklagt, bekannt »Die 120 Tage Sodom« (umstrittene Verfilmung von Pier Paolo Pasolini).
    Auch Polizeiinspektor Louis Marais gab es wirklich, ihm oblag die Aufgabe, das Liebesleben adligen Müßiggänger zu observieren, die sich gern »Libertins« nannten, was man je nach Blickwinkel, mit Freigeist oder Lüstling übersetzen konnte. Marais Dossiers waren bei Hofe, als Unterhaltungslektüre, sehr geschätzt, Marquis de Sade hatte er scharf im Visier. Insofern decken sich geschichtliche Daten und Gegebenheiten mit der fiktiven Geschichte und gibt beim Lesen das Gefühl, sich im alten Paris zu befinden. Es tauchen noch eine Menge bekannter Persönlichkeiten auf.

    Am Ende des Romans werden alle Protagonisten zusammenfassend bis in die letzte Nebenfigur vorgestellt (Das alles hatte man bereits gelesen.). Dafür hätte ich mir lieber gewünscht, nur die historisch bekannten Personen kurz zu beschreiben, Geburtsdaten und kurzen echten Lebenslauf. Der historische Leser mag Fakten, lieber Heyne-Verlag.

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    Bellis-Perenniss avatar
    Bellis-Perennisvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Ein aufwühlender historischer Thriller vom Feinsten.
    “Der Mensch ist ein schönes, böses Tier.“ (Marquis de Sade)

    Ulf Torreck ist mit der Fortsetzung von „Vor der Finsternis“ ein bemerkenswerter historischer Thriller gelungen.

    Historisches Umfeld:

    Wir befinden uns im Jahre 1805. Napoleon Bonaparte, seit seiner eigenen Krönung vom 2. Dezember 1804 „Kaiser der Franzosen“ eilt von Sieg zu Sieg und unterjocht ganz Europa.

    Die Menschen in Frankreich, vor allem die Reichen in Paris, die den „Grand Terreur“ des Jakobinerregimes überlebt haben, frönen all jenem dekadenten Luxus, den sie durch die Revolution besiegt geglaubt haben.

    Allen voran Joseph Fouché, seines Zeichens Polizeiminister. Er ist ein „Stehaufmanderl“ (wie man in Wien sagt). Einmal in Ungnade bei Napoleon, dann wieder höchst willkommen mit seinem mächtigen Polizeiapparat, der auch die Geheimnisse der Staatsspitze hütet und zu seinem Vorteil einsetzt.

    Sein Gegenspieler, Rivale und Erzfeind – im Leben wie im Thriller Charles-Maurice de Talleyrand. Ebenso ein ehemaliger Priester wie Fouché, ist er in den Jahren der Revolution steil aufgestiegen und als Außenminister Napoleons zu Reichtum und Ehren gekommen. Doch auch sein Wohlergehen ist von den Launen des Kaisers abhängig. Immer wieder spielt Napoleon die beiden gegeneinander aus.

    Wir begegnen noch weiteren historischen Gestalten, die eine Hauptrolle in diesem Buch innehaben, aber längst nicht so berühmt sind. Vielleicht mit einer Ausnahme: Donatien Alphonse Marquis de Sade, jenem Adeligen, der die größte Zeit seines Lebens entweder in Haft oder im Irrenhaus verbrachte.
    Auch Louis Marais ist historisch belegt, genauso wie Isabelle de la Tour, der Polizeiarzt Maurice Gevrol oder die Giftmischerin und Serienmörderin La Monvoisin.

    Die Zeiten sind denkbar schlecht für die Mehrheit der Bevölkerung. Die Pest fordert unter den Armen wie unter den Reichen ihre Opfer. Verbrechersyndikate haben es relativ einfach – sie zahlen hohe Bestechungsgelder an die nicht allzu üppig entlohnten Staatsdiener, die dann bei Bedarf auch rechtzeitig wegsehen.

    Zum Buch:

    Der nach Brest strafversetzte Louis Marais wird von Fouché nach Paris zurückgeholt, nachdem eine unerklärliche Mordserie die Hauptstadt erschüttert. Die Opfer sind immer junge Mädchen, die kaum einer vermisst. Besonderes Kennzeichen: sie haben alle vor kurzem ein Kind geboren. Die Frauen sind bestialisch verstümmelt, die Kinder spurlos verschwunden. Marais soll nun diese Morde aufklären. Ein heikles Unterfangen zumal sich der Verdacht nach einer okkulten Sekte und perversen Riten ergibt.

    Doch wer außer dem Marquis de Sade wüsste besser über solche Praktiken Bescheid? Also befreit ihn Marais aus der Irrenanstalt Charenton-Saint-Maurice.

    „Es braucht ein Ungeheuer, um ein Scheusal zu fangen, das haben Sie selbst gesagt. Also beschweren Sie sich jetzt gefälligst nicht darüber, wenn andere versuchen, wie ein Ungeheuer zu denken.“ (S. 487)

    Gemeinsam jagen sie den oder die Mörder. Doch sie hinken immer einen Schritt hinterher. Wie hängt Fouché in der Sache? Oder zieht Talleyrand die Fäden?

    Marais kann niemandem im Polizeiapparat mehr vertrauen. Daher sucht er Hilfe bei einer ganz anderen Stelle: den Gitanes, dem fahrenden Volk, dem er selbst angehört.

    Meine Meinung:

    Was während der Ermittlungen aufgedeckt wird, ist nichts für zartbesaitete Leser. Allerdings werden die Grausamkeiten nicht aus reiner Sensationsgier geschildert.

    Die Versuche von Maurice Gevrol zum Bespiel. Er ist besessen davon, die Ursache des Kindbettfiebers und ein Gegenmittel zu finden, sodass er Recht von Unrecht nicht mehr unterscheiden kann. Er „bestellt“ Leichen von Schwangeren, um an ihnen zu forschen, ohne über die Herkunft der Toten überhaupt nur nachzudenken.

    Auch das Wort „Polizeigewalt“ ist durchaus wörtlich zu nehmen.

    Ulf Torreck gelingt es perfekt, uns in diese dunkle Zeit eintauchen zu lassen. Der Gestank, der Schmutz des Molochs Paris ist auf jeder Seite spürbar. Der Einblick in die Lebensweise der Menschen dieser Zeit ist penibel recherchiert.

    Die beiden Hauptcharaktere Louis Marais und de Sade könnten nicht unterschiedlicher sein: Marais ist ein knapp 40 Jahre alter, ernster und hartnäckiger Polizist. Er ist – für diese Zeit - integer und vom Leben gebeutelt.
    Marquis de Sade, Verfasser von pornographischen und Kirchen kritischen Schriften, ist, obwohl häufig weggesperrt, doch auf der Sonnenseite des Lebens, im Überfluss geboren. Als Marais ihn aus der Irrenanstalt holt, ist Donatien 63 Jahre alt und hat wenig von seinem Sarkasmus eingebüßt. An vielen Stellen beweist de Sade schwarzen Humor, den ich sehr amüsant finde. Ihre unterschiedlichen Weltanschauungen zu Religion und Kirche regen zum Nachdenken an, und ergeben so manchen unkonventionellen Ermittlungsansatz.

    Sprachlich ist das Buch ein Highlight, da es der Autor bestens versteht, sich der Ausdrucksweise des 19. Jahrhunderts anzunähern.

    Das Cover, diesmal in roter Farbe gehalten, verspricht, was das Buch hält: pure Spannung.

    Fazit:

    Ein historischer Thriller vom Feinsten, dem ich liebend gerne 5 Sterne und eine Leseempfehlung gebe

    Kommentare: 5
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    Flatters avatar
    Flattervor 2 Jahren
    Düster und spannend

    Zum Inhalt: Klappentext

    Paris im September 1805. Der intrigante Polizeiminister Joseph Fouché regiert die Stadt mit eiserner Hand. Doch die Bewohner der Weltmetropole sind ergriffen von Angst. In finsteren Gassen werden die Leichen blutjunger Mädchen gefunden, die Brutalität der Morde ist beispiellos. Der für seinen Jagdinstinkt berühmte Polizist Louis Marais arbeitet wie besessen an dem Fall. Marais weiß, dass es ein Monster braucht, um ein Monster zu jagen. Er greift auf die Hilfe eines alten Bekannten zurück, der hinter den Mauern des Irrenhauses von Charenton sein Leben fristet. Doch damit führt Marais den Alptraum erst zu seiner wahren Größe...


    Meine Meinung:

    Der Polizeipräfekt Louis Marais wird nach paris gerufen um in einer Mordserie zu ermitteln. Junge Frauen werden grausam ermordet, immer kurz nachdem sie ein Kind zur Welt gebracht haben. Der Polizeiminister Joseph Fouché geht deshalb von einem Serientäter aus. Marais macht sich Gedanken, was aus den Neugeborenen geworden ist, sind sie ebenfalls ermordet worden?

    Louis Marais holt sich Hilfe bei seinen Ermittlungen von keinem Geringeren als dem umstrittenen Marquis de Sade. Der weilt in einer Irrenanstalt, weil seine Romane vulgär und kirchenfeindlich sind. Aber er könnte eine Hilfe für Marais sein, da er sich in den Abgründen der Menschen in Paris auskennt. Die zwei könnten nicht unterschiedlicher sein.

    Die Hauptpersonen Marais und Sade machen diesen Thriller zu einem Genuss. Der Autor versteht es, ein Paris um 1805 zu beschreiben, was sehr authentisch ist. Die Düsternis und die grausamen Morde sind nichts für Zartbesaitete, aber notwendig. Die Spannung zieht sich durch das gesamte Buch. Toller Schreibstil, weil der Autor zwar ins Detail geht, aber trotzdem nicht zu weit abschweift. 

    Die Kommentare von Sade brachten mich manches Mal zum Schmunzeln.

     

    Cover:

    Das Cover ist düster und blutig und passt hervorragend zur Geschichte.


    Fazit:

    Alles in allem eine packende Geschichte, die ich wärmstens weiterempfehlen kann.

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    clary999s avatar
    clary999vor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Ein spannender, finsterer und gruseliger Kriminalfall aus dem 19. Jahrhundert!
    Fest der Finsternis...

    „Der Mensch ist ein schönes, böses Tier.“

    Donatien-Alphonse-Francois, Marquis de Sade (Zitat aus dem Buch)

    Zum Inhalt: Paris, Herbst 1805. Louis Marais, amtierender Polizeipräfekt von Brest, wird überraschend von dem intriganten Polizeiminister Joseph Fouché nach Paris zurückbeordert. Dort soll er eine grausame Mordserie aufklären. Bei den Ermittlungen stößt Marais auf mysteriöse Vorkommnisse. Mit dem berüchtigten Libertin und Skandalautor Marquis de Sade geht er auf die Jagd nach einem Monster… 

     „…Gewöhnlicher Mord ist niederschmetternd genug. Aber das da ist ein Affront wider die Vernunft.“

    Zitat aus dem Buch, Seite 97

    Meine Meinung: Der Schreibstil von Ulf Torreck ist wieder flüssig und der Handlungszeit angepasst. Den historischen Hintergrund bringt der Autor anschaulich und vielseitig zur Geltung.

    Es beginnt bedrückend. Die Pest wütet in Brest, auch Marais Familie wird nicht verschont. Die Spannung ist anfangs noch relativ niedrig. Man lernt Marais und Marquis de Sade zunächst getrennt näher kennen.

    Marais und de Sade! Zwei Charaktere, die kaum unterschiedlicher sein könnten. Inspector Marais, 40 Jahre alt, ist ernst und bei der Suche nach einem Mörder sehr hartnäckig. Er lässt sich von niemandem aufhalten, auch nicht, wenn es ein Polizeiminister ist. Marquis de Sade, 63 Jahre alt, ist geradeheraus und mitunter vulgär. Seine sarkastischen Kommentare waren für mich sehr unterhaltsam. Er besitzt außerdem einen schwarzen Humor, damit verschreckt er etliche. Durch seine kirchenfeindlichen und pornografischen Romane kam er in eine Irrenanstalt… So unterschiedlich die beiden auch vom Charakter und von ihren weltlichen und kirchlichen Anschauungen sind, trotzdem oder vielleicht sogar deshalb, regen sie sich gegenseitig zum Nachdenken an.

    „Es braucht ein Ungeheuer, um ein Scheusal zu fangen, das haben Sie selbst gesagt. Also beschweren Sie sich jetzt gefälligst nicht darüber, wenn andere versuchen, wie ein Ungeheuer zu denken.“ De Sade machte „Pfft“…“

    Zitat aus dem Buch, Seite 487

    Erwähnenswert finde ich auch die Herrin der Nacht und deren Tochter. Durch die beiden Frauen bekommt man einen sehr guten Einblick zu Bordellen und Huren im 19. Jahrhundert. Es gab noch viele weitere Personen, die überzeugend und vielseitig rüber gebracht wurden.

    „…Die Menschen sind nicht so, wie wir sie gern hätten. Frei zu sein, bedeutet ja auch, sich bewusst zu werden, dass man allein ist und es letztlich immer bleiben wird.“

    Zitat aus dem Buch, Seite 471

    Die erste Tote wird nach zwei Wochen gefunden. Allerdings findet Marais schon bald heraus, dass bereits vorher etliche junge Frauen ermordet wurden. Jede von ihnen hat kurz vor ihrem gewaltsamen bestialischen Tod ein Kind geboren. Wo sind die Neugeborenen? Wurden sie auch getötet oder vielleicht versteckt? Wer könnte der Mörder sein?... Marais zieht Marquis de Sade hinzu. Seiner Auffassung, die von de Sade bestätigt wird, kann man ein Ungeheuer nur mit einem Ungeheuer aufspüren.

    Die Spannung steigt beständig an. Auch Gruselmomente kommen häufig vor. Es wird blutig und brutal. Kurz vorm Ende grenzen die Ereignisse, nach meinem Empfinden, schon fast an Horror. Von daher sind also starke Nerven empfehlenswert. Hin und wieder gab es für mich allerdings ein paar Längen, weil der Autor ein bisschen zu ausführlich in den durchaus sehr interessanten Beschreibungen, wurde. Politische Intrigen sorgen für zusätzliche Probleme. Welche Erkenntnisse sind von Belang und welche nur eine Finte? Mit amüsanten Begebenheiten an den richtigen Stellen wird die größtenteils düstere Stimmung zwischendurch aufgelockert. Der Autor versteht es den Leser zum Rätseln zu animieren. Umso mehr ich erfuhr, umso mehr war ich schockiert. Die Aufklärung hat mich trotz der vielen Infos überrascht und entsetzt!

    Marais und de Sade sind wahre historische Personen, die sich zur damaligen Zeit ein paar Mal begegnet sind. Die Geschichte ist allerdings frei erfunden. Die bekannten Tatsachen wurden überzeugend ausgeschmückt.

    Ein spannender, finsterer und gruseliger Kriminalfall aus dem 19. Jahrhundert mit interessanten Personen und einem beeindruckenden historischen Hintergrund!

    Lesenswert!

    4+ Sterne

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    Nirenas avatar
    Nirenavor 2 Jahren
    Auf Mörderjagd mit dem Marquis de Sade

    Bereits nach wenigen Seiten merkt man, dass "Fest der Finsternis" das Potential zu etwas Großem hat. Denn schon nach kurzer Zeit entsteht eine Atmosphäre der Beklemmung und des Dunklen. Spätestens wenn Marquis de Sade auf der Bildfläche erscheint, ist klar, dass dies kein gewöhnlicher Thriller ist.

    Der Lesefluss ist von Anfang an sehr gut, was bei einem Buch von über 600 Seiten sicher nicht ganz nebensächlich ist. Denn gerade bei einer derart ausgiebigen Handlung, ist es oft nicht leicht, das Interesse des Lesers durchgängig wach zu halten.

    In den Informationen zum Autor steht, dass er für "Fest der Finsternis" über mehrere Jahre recherchiert hat. Und dies kommt eindeutig dem Leser zugute. Wir befinden uns in Paris zu Zeiten Napoleons. Entsprechend darf man erwarten, dass das Ambiente, die Gepflogenheiten und Sitten der damaligen Zeit entsprechen. Und das tun sie eindeutig - nicht einen Moment zweifelt man daran, sich im 19. Jahrhundert zu befinden. Dies bezieht sich nicht nur auf Kleidung, Umgangsformen, etc, sondern ebenso auf Politik und Polizeiarbeit. Da, neben Monsieur de Sade, eine ganze Reihe weiterer historischer Personen ihren Auftritt in "Fest der Finsternis" haben, dürfte es eine Menge Arbeit bedeutet haben, die historisch verbürgten Informationen zu diesen in den jeweiligen Charakter und zu integrieren und all dies der Fiktion einzuverleiben.

    Auch der eigentlich Kriminalfall, um den es hier geht, ist nicht 08/15 und der Leser wird mit Marais und de Sade diversen Wegen folgen müssen, um die Lösung zu finden.

    Die Übergänge zwischen Krimi und Thriller sind grau und fließend, dennoch hätte ich die Genrebezeichnung "Historischer Krimi" bevorzugt, da bei einem Thriller doch eine offener zutage tretende Spannung erwartet wird. Dies soll nicht bedeuten, dass "Fest der Finsternis" nicht spannend sei - ganz im Gegenteil, allerdings ist dies mehr eine dauerhaft vorhandene atmosphärische Spannung, die über allem liegt und nicht die typische Thrillerspannung.

    Um an "Fest der Finsternis" Gefallen zu finden, sollte man auf jeden Fall gern historische Handlungen lesen und keine Furcht vor den dunklen Seiten des Menschen haben - dann kann es dem Leser aber wie mir ergehen, die ich schon jetzt sagen kann, dass Ulf Torreck mit "Fest der Finsternis" ganz klar eines meiner Lesehighlights 2017 geschrieben hat.

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    annlus avatar
    annluvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Hier stimmt alles: die düstere Atmosphäre, die Charaktere mit Ecken und Kanten, die brutalen Morde, die Ermittlungen - einfach spannend
    schreckliche Morde im düsteren Paris des Jahres 1805

    Bitterkeit und Zorn stiegen in ihm auf. Ihm war klar, dass der Gott der Gnade und Liebe auch eine rachsüchtige, sogar höhnische Seite hatte. Und er hatte das immer als notwendig empfunden. Dennoch begriff er seinen Gott in dieser Nach nicht. „Käfer, das sind wir für Dich. Nur Käfer, gefangen im Schaukasten Deiner Welt...“ Und irgendwo in einem der Häuser der Stadt lag vielleicht ein Ungeheuer wach, um seinen nächsten Beutezug zu planen.


    Paris 1805 – Der Polizist Marais wurde für fünf Jahre auf einen Posten in der Provinz abgeschoben, als er unerwartet wieder in die Hauptstadt zurückgerufen wird. Erst scheint nichts seine besonderen Ermittlungsfähigkeiten zu beanspruchen, doch dann tauchen immer mehr Leichen auf. Er muss sogar auf seinen alten Bekannten Marquis de Sade zurückgreifen, um dem Mörder auf die Spur zu kommen.

    Da ich bereits die Vorgeschichte kannte, war ich hier von der finsteren Atmosphäre nicht wirklich überrascht. Paris selbst entspricht in keinster Weise der Stadt der Liebe, und Kunst, an die wir heute vielleicht denken. Geprägt von viel Armut und Unterdrückung kommen auch die Herrschaften nicht um die dreckigen Straßen, die Menschenmassen und den Gestank der verschmutzen Seine herum. Passend zur hoffnungslosen Stimmung werden die Leichenfunde schonungslos beschrieben, wirken dadurch grausam und ekelhaft, genau wie der Rest der Stadt. Zwar nicht wirklich ansprechend aber doch mit einem bestimmten düsteren Flair versehen, hat mir auch dieser dunkle Aspekt der Geschichte gefallen.

    Überrascht war ich allerdings von Marais, der mir hier so anders erschien, als in der Vorgeschichte. Rücksichtsloser, emotionsloser und selbst mitunter grausam schien er hier verbittert und nur auf die Lösung des Falls konzentriert. Da die Geschichte aber damit beginnt, wie er seine Familie verliert, ließen sich durch dieses Ereignis manche seiner Handlungen nachvollziehen - wenn ich sie auch nicht gutheißen konnte und in Marais selten einen sympathischen Hauptcharakter fand.

    Dafür konnte ich meine Sympathien dem Marquis de Sade zusprechen, der hier zwar nicht in seiner Bestform auftritt – schließlich ist er mittlerweile bereits über sechzig, eigentlich in einer Irrenanstalt eingewiesen und weit weg von den Eskapaden seiner jüngeren Jahre – trotzdem hat er nichts von seiner Intelligenz eingebüßt. Der Marquis und Marais laufen zu Höchstformen auf, als ihre Erzählstränge sich zusammenschließen und sie – beide Opfer der Intrigen rund um den Polizeiminister – sich zusammen den Ermittlungen widmen. Spätestens ab diesem Punkt hatte mich das Buch gefangen.

    Neben dem oben beschriebenen Paris waren es besonders ihre Einwohner, die mich hier faszinierten. Seien es die Armen, unter denen Todesfälle etwas Alltägliches darstellen, die sich aber als Mob stark fühlen und die seit der Revolution gelernt haben, dass sie auch zurückschlagen können. Als auch die Reichen und Adligen, die hier ihre Macht zeigen, mit einem einzelnen Befehl über das Schicksal von Menschen zu entscheiden. Die Geschichte führt nicht nur zu ihnen, sondern auch zu den Nachtschwärmern von Paris, in die Bordelle, auf Bälle, ins Waisenhaus, zu den Zigeunern und ehemaligen Sklaven. Immer wieder ist von geheimen Bünden und Satanisten die Rede, sodass der gläubige Marais und der blasphemische de Sade nicht umhinkommen immer wieder über Gott und die katholische Religion zu philosophieren.

    Fazit: Der Titel ist wirklich passend gewählt – an finsteren Szenen mangelt es hier nicht. Dadurch, dass der Thriller in die historische Umgebung gesetzt wurde, die alleine schon für manche Gänsehaut sorgen kann, wirkte er umso düsterer. Bei manchen Beschreibungen hatte ich das Gefühl, die unangenehmen Gerüche direkt in der Nase zu haben. Marais und der Marquis entpuppten sich als Charaktere mit einigen Ecken und Kanten, die sich aber wie Jagdhunde auf die Spuren warfen und sich in ihren Schlussfolgerungen gegenseitig übertrafen. Ein packender historischer Thriller!

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    nancyhetts avatar
    nancyhettvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Einfach spannend und fesselnd!
    „Fest der Finsternis“ von Ulf Torreck

    Der 2. Fall für Louis Marais vom deutschen Autor Ulf Torreck, erschienen im Februar 2017 im Heyne Verlag.


    Klappentext:

    Paris im September 1805. Der intrigante Polizeiminister Joseph Fouché regiert die Stadt mit eiserner Hand. Doch die Bewohner der Weltmetropole sind ergriffen von Angst. In finsteren Gassen werden die Leichen blutjunger Mädchen gefunden, die Brutalität der Morde ist beispiellos. Der für seinen Jagdinstinkt berühmte Polizist Louis Marais arbeitet wie besessen an dem Fall. Marais weiß, dass es ein Monster braucht, um ein Monster zu jagen. Er greift auf die Hilfe eines alten Bekannten zurück, der hinter den Mauern des Irrenhauses von Charenton sein Leben fristet. Doch damit führt Marais den Alptraum erst zu seiner wahren Größe …


    Meine Meinung:
    Ich war ja schon von „Vor der Finsternis“ absolut begeistert, aber ich muss ehrlich sagen, der zweite Band hat mir sogar noch besser gefallen.

    Der Schreibstil vom Autor war sehr flüssig und angenehm zu lesen, schon nach kurzer Zeit, war ich wieder mehr als gefesselt und habe in jeder freien Minute weitergelesen.

    Die Protagonisten waren authentisch, sympathisch, vielschichtig und wirklich gut ausgearbeitet.

    Auch die Handlung empfand ich als spannend und mitreißend, sodass ich vollkommen in den Bann der Geschichte gezogen wurde.

    Ein packender historischer Thriller, den ich nur weiterempfehlen kann.


    Mein Fazit:

    Sehr Lesenswert!

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