"Amokalarm" von Uli Black hat mich auf eine Weise begeistert und mitgerissen, wie es nur selten Bücher schaffen. Lange hat die Geschichte in mir nachgeklungen und mich beschäftigt, bis ich nun endlich eine Rezension dazu schreiben kann. Selbst jetzt habe ich das Gefühl, kaum die passenden Worte für dieses besondere Werk zu finden.
Nun aber zum Buch: "Amokalarm" erzählt die Geschichte des Jugendlichen H.C. Nachtnebel, den man als Leser durch verschiedene Episoden seines Lebens begleitet. Nach einem für ihn traumatischen Verlust fühlt sich sein Leben plötzlich leer und bedeutungslos an und er muss sich immer wieder aus diesem Zustand herauskämpfen. Ein Umzug und ein Schulwechsel sollen ihm helfen, die Situation besser zu verarbeiten. Doch Nachtnebel gerät in einen immer tieferen Strudel, aus dem er glaubt, sich nur durch einen schrecklichen Ausweg befreien zu können...
Das Buch wird überwiegend aus der Perspektive von H.C. Nachnebel erzählt, hin und wieder kommen aber auch andere Personen zu Wort. Die Story gliedert sich in mehrere Zeitebenen, denen man aber allen gut folgen kann. Zugegeben musste ich mich an den Schreibstil erst gewöhnen. Wir lesen ja aus der Perspektive eines Jugendlichen und genau das nutzt der Autor um Jugendsprache und den "Slang" der heutigen Zeit einfließen zu lassen. Ich brauchte ein wenig, um mich daran zu gewöhnen, finde es im Nachhinein allerdings sehr authentisch. Irgendwie bekam ich dadurch beim Lesen immer mehr das Gefühl Nachtnebel noch besser zu kennen, ihm noch länger zuhören zu wollen...
Thematisch ist das Buch keine leichte Kost und macht auf viele ernste Themen aufmerksam. Depression, Machtmissbrauch, Hilflosigkeit, Ohnmacht - im Buch werden viele Themen behandelt, die aus meiner Sicht das Chaos im Kopf eines Jugendlichen sehr gut widerspiegeln. Dies ist auch ein Punkt, der das Buch für mich zu etwas Besonderem gemacht hat: Wie ehrlich und authentisch die Einblicke in die Gefühlswelt von Nachnebel waren. Obwohl er (aus Erwachsenensicht) viel Mist gebaut hat, konnte ich mich total in ihn hineinversetzen, konnte seine Gefühle nachvollziehen und seine Handlungen zumindest teilweise verstehen. Der Autor hat zumindest bei mir damit dafür gesorgt, häufiger innezuhalten, nachzudenken, verstehen zu wollen und vor allem Zuzuhören.
Im Buch kann man sehr gut verfolgen, wie sich kleine Dinge zu etwas Großem zusammenstauen - bis es für Nachtnebel irgendwann keinen anderen Ausweg mehr gibt als einen Amokalarm auszulösen. Sicherlich ist diese Darstellung etwas überspitzt um die umgangssprachliche Explosion zu zeichnen - im Rahmen der Story fand ich es dennoch sehr passend.
Was mir auch gefallen hat war, dass H.C. Nachtnebel im Buch nicht als der "aggressive Außenseiter" oder "Freak" beschrieben wurde, sondern es sich um einen zunächst gewöhnlichen Jugendlichen aus einem "guten" Elternhaus handelt, dem es zumindest oberflächlich betrachtet an nichts fehlt. Ich glaube, hierdurch wird beim Lesen einerseits die Hemmschwelle für Jugendliche gesenkt, die sich mit H.C. Nachtnebel vielleicht eher identifizieren als mit einem "Freak" und sich dadurch vielleicht eher trauen, Gefühle anzusprechen. Aber auch für erwachsene Leser fand ich den Protagonisten passend gewählt - wird so doch dafür sensibilisiert, nicht nur bei den schwierigen Kids aus schlechtem Hause genauer hinzuschauen, sondern auch gewöhnlich wirkenden Teenagern Zeit und Aufmerksamkeit zu schenken und sie anzuhören.
Ein Buch, dass mich wirklich begeistert hat und was noch immer nachwirkt. Eine Lektüre, die alle Eltern und Pädagogen lesen sollten, da dieses Buch so sehr dafür sensibilisiert auf die kleinen Dinge zu achten und genau hinzuschauen. Dabei werden unmissverständlich Themen angesprochen, die auszusprechen schon lange kein Tabu mehr sein sollten.
Ein großes Dankeschön an Uli Black für dieses Meisterwerk und auch für das bewegende und unheimlich wichtige Nachwort. Ich kann dieses Buch auf jeden Fall empfehlen.







