Ulla Lenze Der kleine Rest des Todes

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Inhaltsangabe zu „Der kleine Rest des Todes“ von Ulla Lenze

Seit ihr Vater bei einem Flugzeugabsturz tödlich verunglückt ist, ist auch Ariane irgendwie nicht mehr da. Und die rauschende Stille der indischen Palaniberge, in denen sie Monate in einem Zen-Kloster verbracht hat, scheint Lichtjahre entfernt. Spätestens als sie eines Morgens unter dem Fenster ihres Liebhabers erwacht, weiß sie, dass mit ihr etwas nicht stimmt. Doch wie ließe sich vernünftig und gradlinig leben, wenn doch der Tod sich nicht ins Leben einfügen will, wenn doch immer ein Rest bleibt: die Erinnerung an ein letztes Winken am Bahnsteig, die befremdliche Präsenz der gespeicherten Nachrichten des Anrufbeantworters und die quälende Frage, ob der eigene Vater bei vollem Bewusstsein verbrannt ist.

Imposante Auseinandersetzung mit dem Tod

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  • Rezension zu "Der kleine Rest des Todes" von Ulla Lenze

    Der kleine Rest des Todes
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    28. August 2012 um 08:57

    Als ihr Vater mit seinem Sportflugzeug, für das er erst sehr spät die Lizenz erworben hat, hinter der deutschen Grenze in Holland abgestürzt und umgekommen ist, ist für die Ich-Erzählerin Ariane in Ulla Lenzes neuem Roman eine Welt zusammengebrochen. Sie schreibt seit längerer Zeit eine Doktorarbeit über die Negation bei Hegel, Adorno und im Zen-Buddhismus, und war für diese Arbeit mehrere Monate in den indischen Palanibergen in einem von einem Jesuiten geleiteten Zen-Kloster. Doch das scheint alles weit weg. Sie hat nicht nur ihren Vater verloren, über dessen Beziehung zu Ariane wir in dem Buch erstaunlich wenig erfahren, nur dass sie wohl besonders war, sondern auch ihre alte Liebe Arndt. Doch auch ihr neuer Freund Leander zieht sich von ihr zurück,und all diese Verluste bringen sie fast um den Verstand. Die Worte, die sie Leander in dichten Sätzen schreibt, drücken aus, in welcher Verfassung sie ist: „Lieber Leander, ich bin nicht ganz bei den Dingen, die Dinge sind nicht bei mir, eine Unruhe schiebt mich über sie hinaus. Der Eindruck, im gleich nächsten Moment zu straucheln, zu fallen, wenn ich nicht achtgebe. Dann gehe ich meistens schlafen am helllichten Tag. Darum kann ich auch heute nicht mir Dir ins Kino gehen. Da ist niemand in mir, den ich dazu mobilisieren könnte. Vielleicht reden Trauernde so, denn wer jemand verliert, verliert auch sich selbst.“ Nicht nur in diesem Zitat, sondern quer durch das ganze Buch führt Ulla Lenze den Leser mit einer fast schmerzhaften und stellenweise quälenden Poesie an jene Grenzerfahrungen heran, in die der Tod eines wichtigen und geliebten Menschen uns stürzen kann. Man fragt sich, in dem man mit Mitgefühl den Berichten Arianes folgt, ob sie aus dem Sog der Schwärze, in den sie immer mehr gerät, irgendwann wieder herauskommen wird. An manchen Stellen geraten Ulla Lenzes sprachliche Kompositionen etwas übertrieben gekünstelt; man ist nicht sicher, geht es jetzt um den Fortgang der Erzählung oder um Schreibübungen. Dennoch hat „Der kleine Rest des Todes“ seine eigene Qualität als ein Stück Prosa, das sich ohne Wenn und Aber dem Verlust und der Trauer aussetzt. Und das seiner Erzählerin folgt bis an den Punkt, an den sie hintreiben muss. Ariane muss herausfinden, was geschehen ist. Und sie ruht nicht, bis sie den Ort gefunden hat.

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  • Rezension zu "Der kleine Rest des Todes" von Ulla Lenze

    Der kleine Rest des Todes
    Clari

    Clari

    01. March 2012 um 14:03

    Krankheit oder Lebenskrise: das ist hier die Frage! In traumwandlerischen Sätzen lässt uns die Autorin Ulla Lenze an den Gedanken ihrer Protagonistin Ariane teilnehmen. Deren Vater ist mit dem Flugzeug verunglückt. Sie selber hat Monate in einem buddhistischen Zenkloster in den indischen Palani Bergen verbracht. Nach ihrer Rückkehr muss sie sich erst daran gewöhnen, dass es den Vater nicht mehr gibt. Mutter und Schwester kümmern sich um die Büroangelegenheiten, während Ariane zwischen Gesprächen mit ihrem Exfreund und einem gegenwärtigen und arrivierten Freund hin und her taumelt, gefangen in Bildern, die ihre Vergangenheit umfassen. Kleine Abschiede, letzte Begegnungen und eine souveräne ältere Schwester, die der jüngeren nicht allzu viel zutraut, werden wie in einem Puzzle zusammengesetzt. Ariane scheint sich selbst zu verlieren und bietet gelegentlich das Bild einer Frau mit einer Borderline – Persönlichkeitsstörung. Sie war ein halbes Jahr in dem Zenkloster, hat meditieren gelernt, Schweigen und Kontemplation. Der Tod des Vaters löst in ihr wirre Erinnerungen aus, die zu den wildesten Assoziationen mutieren. Ihre beiden vergangenen Freunde ziehen es vor, den Kontakt zu ihr zu beenden. Verloren und heimatlos zieht sie zuletzt mit einer Freundin durch die Gegend, die ebenfalls ohne Bodenhaftung lebt. Ulla Lenze hat viele Worte und eine poetische Sprache, die gelegentlich an Gedichte denken lässt. Dennoch erscheint ihre Erzählung zuweilen manieriert und so, als fielen die Worte alles überwuchernd über sie her. „Diese regenwurmschwere Erde, eine schwarze Erde mit Fettglanz, eine Erde, in die wir unsere Blicke versenkt haben und uns selbst“ oder “auf allem lag heller Staub, locker, wie frisch gefallener Schnee, eingepelzte Möbel, weichgemacht.“ Neben der Bildhaftigkeit scheint sich die Sprache als künstlerischer Ausdruck zu verselbständigen und den Bezug zur Erzählung zu verlieren. Die Geschichte ist ereignisarm und lebt von Worten, die sich in malerischen Bildern entäußern. Wer Freude an ungewöhnlicher Sprachakrobatik hat, dem sei dieses Büchlein empfohlen.

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