Ulla Lenze Die endlose Stadt

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Inhaltsangabe zu „Die endlose Stadt“ von Ulla Lenze

Holle ist Künstlerin, sie fotografiert Städte, deren verborgene Energie sie auf leeren Plätzen einfängt. Ein Stipendium führt sie nach Istanbul, einer schmerzhaft schönen Stadt, wo sie eine Affäre mit dem Türken Celal beginnt. Doch existenziell wird für Holle die Begegnung mit Christoph Wanka. Der reiche Geschäftsmann repräsentiert alles, was Holle ablehnt, und doch kann sie sich nicht von ihm lösen, schwankt ständig zwischen Anziehung und Abstoßung. Als Holle schließlich einwilligt, dass Wanka ihr eine Reise nach Mumbai finanziert, beginnt ein Kräftemessen, das sie zwingt, ihren eigenen Lebensentwurf zu hinterfragen.
Hals über Kopf verlässt Holle Mumbai. Theresa bezieht Holles überstürzt verlassene Wohnung. Die deutsche Journalistin kennt die kontrastreiche Metropole, in der das Überleben für viele Menschen nur am Zufall hängt. Und sie trifft auf Christoph Wanka. Während Theresa in Mumbai nach und nach in eine Stellvertreterrolle gleitet, die weiter reicht, als es in ihrer Absicht liegen könnte, möchte Holle im labyrinthischen Körper Istanbuls am liebsten verloren gehen und entdecken, wie sich all das neu zusammensetzt, was sie ihr Leben nennt. Als die Demonstrationen im Gezi-Park die Strukturen der Stadt selbst zum Bröckeln bringen, scheint die Gelegenheit günstig …

Im neuen großen Roman von Ulla Lenze begeben sich zwei Frauen auf Spurensuche in der abenteuerlichen Fremdheit zweier ferner Städte, Istanbul und Mumbai. 'Die endlose Stadt' ist ein Roman voller wunderbarer Spiegelungen und geheimer Verflechtungen. Eine schwebend leichte Konstruktion, in der Zeiten, Orte und Identitäten ineinander tauchen, ein vielschichtiges Kunstwerk von unendlicher Schönheit.

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  • „Jede Stadt ruft eine Gestalt deiner selbst wach.“

    Die endlose Stadt

    WinfriedStanzick

    23. March 2015 um 13:37

    Der neue Roman von Ulla Lenze spielt in Istanbul und in Mumbai. Für kurze Zeiten hält sich seine eine Protagonistin auch in Berlin und Hannover auf. Sie heißt Holle Schulz und hat zu Beginn des Buches ein Stipendiat in Istanbul, wo sie den Besitzer eines Dönerladens, Celal, kennenlernt und sich in ihn verliebt. Was sie genau an ihm findet, außer gutem Sex, hat sich mir nicht erschlossen. Klarer ist ihre Beziehung zu dem reichen Geschäftsmann Christoph Warnka, den sie ebenfalls in Istanbul kennenlernt. Er ist Manager eine Baufirma, die in Istanbul und in Mumbai tätig ist. Er möchte sie fördern, und kauft etliche Bilder von ihr. Neben ihrer Kunst scheint er auch durchaus Interesse an ihrer Person zu finden. Er lädt Holle nach Mumbai ein, von wo die aber bald wieder nach Istanbul flieht. Ihre Wohnung in Mumbai indes vermietet sie schnell an eine deutsche Journalistin namens Theresa. Mit ihr führt Ulla Lenze eine zweite weibliche Protagonistin in ihrem Roman ein, die in Mumbai für ein Magazin an einer Indienstory arbeitet, mit der sie aber sehr unzufrieden ist, "weil kein Text jemals dem gerecht wird, was wirklich ist." Man kann das durchaus auch lesen als Selbsteinschätzung der Autorin mit ihrem Werk, das mittels der Hauptfiguren begreifen möchte, was die Seele der beiden Städte ausmacht. Auch sich selbst versuchen die beiden Frauen, die sich übrigens an keiner Stelle des Buches jemals begegnen. An einer Stelle schreibt Ulla Lenze dazu: „Jede Stadt ruft eine Gestalt deiner selbst wach.“ In insgesamt 26 Kapiteln beschreibt Ulla Lanze, was den beiden Frauen in diesen Großstadtdschungels widerfährt und sie lässt die Handlung in der Niederschlagung der Gezi-Proteste in Istanbul einen vorläufigen Höhepunkt finden. Mit einer bildhaften, kontrastreichen Sprache schildert Ulla Lenze das Leben zweier ungewöhnlicher Frauen, ungewöhnlich wie sie selbst.

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  • In Istanbul und Mumbai

    Die endlose Stadt

    serendipity3012

    In Istanbul und Mumbai Holle ist Künstlerin und zur Zeit mit einem Stipendium in Istanbul. Hier hat sie Celal kennengelernt, den Besitzer des „Döner Paradise“. Celal, dem Ironie fremd ist, und der schlecht englisch spricht, so dass Holle und er sich kaum unterhalten können. Trotzdem beginnen sie eine Liebesbeziehung. Christoph Wanka ist Vorstandsmitglied eines Bauunternehmens und Kunstsammler, und er begegnet ihr ebenfalls in Istanbul. Immer wieder sucht er den Kontakt zu ihr, zu ihr als Künstlerin. Und schließlich bietet er ihr einen Job in Mumbai an, den sie widerwillig annimmt, denn eigentlich hat sie mit ihm und seinen Ansichten ihre Probleme. Zwischen den beiden entsteht eine Art unterschwelliges Spiel um Macht. Celals Antrag hat Holle nicht beantwortet und ihn in Istanbul zurückgelassen. Als sie Mumbai dann später wieder verlässt, um nach Istanbul zurückzukehren, überlässt sie der Journalistin Theresa ihr Apartment. Wanka versucht, Kontakt mit Holle aufzunehmen und erreicht Theresa, die sich zwischen Holles zurückgelassenen Sachen immer mehr fragt, wer diese Frau eigentlich ist, und sich schließlich in ihre Belange einmischt. Ulla Lenzes Roman „Die endlose Stadt“ ist die clever verwobene Geschichte dieser beiden Frauen, die sich nicht kennen und deren Lebenswege sich nur zufällig kreuzen. Beide sind Idealistinnen auf ihre Weise. Holle möchte über Kunst am liebsten nicht reden und durchschaut deren Wirkung auf die Außenwelt nicht recht. „Mal scheint man sie monatelang zu vergessen. Dann wieder lädt man sie zu irgendetwas ein – mit Schulkindern Kunst zu machen oder irgendwo auszustellen. Und manchmal, wenn auch selten, will jemand etwas kaufen. Dabei ist ihre Kunst eine einzige Absage an die Welt, die Kunst zu kaufen imstande ist.“ S.69 Theresa hingegen macht sich viele Gedanken darüber, wie sie über Indien berichten möchte: „ ‚Diese Reportagen sind Betrug“, sprach sie in den Hörer, „aber ich kann nichts anderes, und eine Weile war es richtig, ich bringe anderen die Welt näher. August?“ „Ja“, sagte er. „Fremde Welten, aber die fremden Welten sind gleich hier und bei uns, sie sind in deinem nächsten Gedanken, der nicht Anschluss findet an den vorherigen, nur oberflächlich, ist dir das nie aufgefallen? Was zu erzählen wäre, das ist genau das, was den Worten nicht gleichkommt.’ “ S. 197 Holle und Theresa suchen beide nach dem Weg, alles richtig zu machen, vor allem vor sich selbst. Ein wenig ziellos wirkt es manchmal, wie sie durch diese großen, überfüllten Städte laufen, die so anders sind als die deutsche Heimat. Alles in sich aufsaugen, die Menschen und ihre Mentalität zu verstehen suchen. Auch immer wieder darüber nachdenken, was sie dort sehen und erleben. Sich ein Stück weit verlieren. Holles Beziehung zu Celal, diesem unkomplizierten Dönerbudenbesitzer, für den es zwischen Schwarz und Weiß einfach nicht viel gibt, kann Holle mit ihm glücklich werden? Die Anziehung zwischen den beiden ist groß, Celal will Holle heiraten, aber würde Holle in einer solchen Ehe glücklich werden? Wenn ein Roman den Leser mit all den Gedanken, die er liefert, mit den Fragen, die er stellt – egal, ob er sie beantwortet oder nicht – (meistens ist es interessanter, die Antworten auf diese Fragen selbst zu suchen und den Roman so zu seiner eigenen Geschichte zu machen); wenn ein Roman den Lesenden (die Lesende) also einfach anspricht, wenn man sich in seiner Geschichte verliert, dann ist es mitunter schwer zu erklären, wie diese Wirkung erzeugt wird. Ulla Lenze erzählt von zwei Frauen, die auf der Suche sind und sie zeichnet diese Protagonistinnen lebensecht. Nebenbei weckt sie dabei sowohl das schnelle Treiben Istanbuls zum Leben, wie sie auch das Gefühl vermittelt, sich direkt im noch viel dichter besiedelten Mumbai zu befinden. Es macht Spaß, diese Städte durch die Augen der beiden Frauen zu betrachten. Außerdem ist Lenzes Roman geschickt konstruiert, sie wechselt souverän Zeiten und Orte und lässt Holles und Theresas Geschichten sich immer wieder in kleinen Facetten spiegeln. Eine Reise um die Welt, nach Istanbul, Mumbai, auch nach Berlin, eine Suche nach dem Sinn, im Großen und im Kleinen. Ein Roman, der seinen ganz eigenen Sog erzeugt.

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    • 3

    Buecherschmaus

    08. March 2015 um 15:15
  • Absolut lesenswert

    Die endlose Stadt

    juergen_schmidt

    16. February 2015 um 15:08

    „If you leave me, I will kill myself“, droht Celal in einer seiner vielen Mails. Doch Holle hat sich sagen lassen, dass in Istanbul „Hüzün“ weht. Das ist eine besondere Form von Melancholie. Das schwarze Gefühl eben, wie es ein großer türkischer Schriftsteller nannte – von jedem Gefühlsausdruck muss man etwas abziehen. Dieser Gedanke beruhigt Holle Schulz, die vom Fotografieren und Malen zu leben versucht. Ihr Freund Celal, Besitzer eines Dönergrills in Istanbul, würde sie am liebsten auf der Stelle heiraten. Doch Holle ist wieder in Berlin. Dort sieht sie Leute wie Deserteure vor Lokalen stehen und rauchen. Im indischen Mumbai geht es dagegen einzig ums Überleben. Und das ist in dieser Stadt eine Sache des Zufalls, wie Theresa auf einem von Holle hinterlassenen Zettel lesen kann. Mumbai hat fast wie Istanbul 13 Millionen Einwohner, die müssen sich allerdings mit weniger als einem Zehntel der Fläche der türkischen Metropolenstadt begnügen. Der Leser erfährt viel vom widersprüchlichen Leben in der „endlosen Stadt“, unklar und belanglos ist dabei, welche Stadt überhaupt gemeint ist. Die Hauptpersonen Holle und Theresa, die eine Künstlerin, die andere Journalistin, befinden sich unabhängig voneinander auf der Suche nach Antworten. Nach echten Antworten, denn die oberflächlichen suggerieren lediglich, etwas zu kennen oder zu erahnen, von dem man doch nichts weiß. Jedenfalls fehlen die persönlichen Erfahrungen, das eigene Erleben, um es in der Gesamtheit zu verstehen. Was soll das sein, bitte schön, die Drehscheibe zwischen Ost und West, zwischen Orient und Okzident? Holle weiß damit nichts anzufangen, Wanka schon. Christoph Wanka hat Geld und Macht. Er fördert junge Künstler, ist Kunstsammler und ein erfolgreicher Geschäftsmann. Ein Baugruppen- oder Bankenmensch, so genau will Holle das gar nicht wissen, dazu ist er ihr anfangs zu suspekt. Auch hat er in Holles Augen wenig Ahnung von Kunst. Aber es entsteht so etwas wie gegenseitige Sympathie. Und ein Kräftemessen, denn natürlich verkörpert Wanka so ziemlich alles, was die Künstlerin ablehnt. Ähnlich, aber anders, erlebt es Theresa auf einer Dachterrasse in Mumbai bei einem nächtlichen Streit mit Lorenz: „Weißt du, um welches Prinzip es wirklich geht? Man setzt ins Unrecht. Damit das Unrecht, in dem man selber steht, nicht auffällt. Das ist das Prinzip. Wir müssten uns eigentlich ständig bei diesen Leuten hier entschuldigen, statt sie zur Rechenschaft zu ziehen für Pfennigbeträge, die uns nicht wehtun, ihnen aber tatsächlich etwas bedeuten. Aber, nein, wir kommen ihnen zuvor, wir setzen sie ins Unrecht …“ Eine Erkenntnis, die sich einstellen kann, wenn man in ferne Länder reist und den Menschen begegnet, die uns den eigenen verschwenderischen Lebensstil erst ermöglichen. Auch darum geht es in dem vierten, überaus lesenswerten Roman von Ulla Lenze, der den Leser mitnimmt in besagte Länder, ihn dort selbst erleben und spüren lässt. Ein Roman, der mit Erfahrung, Intelligenz, Liebe, einer gewissen Distanziertheit und stellenweise sogar mit hintergründigem Humor erzählt wird. Auch mit einer gewissen Leichtigkeit. Ein Kunstwerk, dessen Aufgabe es nicht ist, alle Fragen zu beantworten. Denn dann würde es nur einen Zweck erfüllen. Wäre Botschaft und nicht Kunst, um Theresa zu zitieren.

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