Ulli Weckenmann

 4,2 Sterne bei 38 Bewertungen
Autorenbild von Ulli Weckenmann (©Ulli Weckenmann)

Lebenslauf von Ulli Weckenmann

Ulli Tiberius Weckenmann, Jahrgang 1964, hätte sehr gerne einen zweiten Vornamen.

Hat er aber nicht. Und schon gar keinen so coolen wie Tiberius.

Schon als Kind las er lieber Superman-Comics und sah sich am Samstagabend die neuesten Folgen von Raumschiff Enterprise an, als mit anderen Kindern auf der Straße rumzutoben. Sein Debütroman „Schorsch und das Filzlaus-Komplott“ schaffte es gleich für mehrere Wochen an die Spitze der Amazon Satire-Bestsellerlisten.

Er lebt mit seiner Frau, drei Ukulelen, sieben Gitarren und neun Mundharmonikas in einem malerischen Dorf am Rande der Schwäbischen Alb. 

Das Paar besitzt keinen Hund.

Botschaft an meine Leser

Disclaimer:

Die folgenden Bücher sind zu 100% vampirfrei. 

Es erscheinen keine SM-liebhabenden Milliardäre, promiskuitive Rockstars oder junge Erwachsene. Es gibt keine Drachen mit Mutterkomplex und die Hauptfiguren werden auch nicht reihenweise gekillt. Gezaubert wird nie und die Sexszenen sind überwiegend geschmackvoll.

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Neue Rezensionen zu Ulli Weckenmann

Cover des Buches Nazi Down, Baby! (ISBN: 9783754959381)shilos avatar

Rezension zu "Nazi Down, Baby!" von Ulli Weckenmann

Eine Satire der anderen Art
shilovor 5 Monaten

Nazis, Querdenker und Verschwörer, um nur einige zu nennen, lernen wir in dieser Satire kennen. Jeder Charakter kommt hier zum Zuge. Die Handlung ist äußerst bizarr und skurril, andererseits auch brutal.

Und jeder der Charaktere bringt seine eigenen Schwächen gezielt zum Ausdruck. Der Schreibstil ist flüssig und mit einer gehörigen Prise Humor gewürzt. Mehr als einmal brachte mich diese Geschichte zum Lachen.

Mein Fazit:

Eine Satire der ganz anderen Art, die ich sehr gerne weiter empfehle. 4 Sterne


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Cover des Buches Nazi Down, Baby! (ISBN: 9783754959381)Bee2205s avatar

Rezension zu "Nazi Down, Baby!" von Ulli Weckenmann

Satire mal anders.
Bee2205vor 5 Monaten

Der Titel des Buches hat schon mal neugierig gemacht und die Kombi aus Satire und Gruselgeschichte klang für mich sehr verlockend.

Jedoch hatte ich bei den Buch das Gefühl, dass es sehr geprägt von Stereotypen war und etwas überladen wirkte. Durch dieses überladene hatte ich das Gefühl, dass alles nicht zu 100% durchdacht war. Ebenfalls fehlte mir an vielen Stellen der Gruselfaktor.

Jedoch bringt das Buch einem teilweise immer wieder zum schmunzeln aber so richtig überzeugen konnte es mich leider nicht. Vielleicht lag es aber auch an meinen Erwartungen und jeder hat bekanntlich andere Geschmäcker.

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Cover des Buches Nazi Down, Baby! (ISBN: 9783754959381)Sunshine77s avatar

Rezension zu "Nazi Down, Baby!" von Ulli Weckenmann

Abgedreht und skuril
Sunshine77vor 5 Monaten

Eine Grusel-Satire, mit diesem doch recht ungewöhnlichen Titel: Ich war gespannt, was mich hier erwartete. Und ja, das Buch hält viel von dem was es verspricht, es liefert wirklich eine abgedrehte Geschichte, skurile Typen und auch den ein oder anderen Tropfen Blut mit den dazugehörigen Leichen. Trotzdem hat es mich nicht wirklich begeistert. Die Satire zündete für mich nicht so richtig, die Stereotypen der Rechtswähler waren irgendwie die üblichen (wie z.B. auf Twitter nahezu täglich über sie berichtet wird) und auch der Gruselpart war mir nicht konsequent genug ausgearbeitet. Von daher wirkt es auf mich ein wenig überladen und gewollt und konnte mich dann auch nicht wirklich fesseln. 


 

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Gespräche aus der Community

Der Sturm des Jahrhunderts, ein seltsames Anwesen, ausgehungerte Wildschweinhorden und eine Gruppe von Geflüchteten, Polizisten und Rechtswählern mittendrin. Doch da lauert noch ein größerer Schrecken in den dunklen Gängen.

Eine Geschichte voll schwarzem Humor, rotem Blut und goldigen Typen.

Hallo liebe Leserinnen und Leser,

es ist mal wieder soweit, nach langer Arbeit ist mein neues Buch fertig.

Diesmal ist es eine Mischung aus Komödie und Thriller geworden. Und weil ich nicht mit Seitenhieben auf den aktuellen täglichen Wahnsinn geize, nenne ich das neue Werk eine Grusel-Satire.

Wenn Du also Lust hast, die sicheren Pfade der Regionalkrimis und Liebesromanzen zu verlassen, dann bist du hier vielleicht ganz gut aufgehoben.

Wer meine Geschichten kennt, weiß, dass ich alles mit einem sehr auffälligen Augenzwinkern versehe und trotz dem hohen Blutzoll, der dich diesmal erwartet, nicht zu tief in die rote Materie eintauche.

Dazu veranstalte ich eine Leserunde, bei der zehn Leser ein eBook gewinnen können. Jeder, der seine Rezension bis 31.03.2022 bei amazon und/oder Tolino veröffentlicht, erhält zusätzlich ein Printexemplar.

Ich wünsche allen Teilnehmern viel Glück und vor allem einen spannenden Lesespaß.


Ulli Weckenmann

27 BeiträgeVerlosung beendet

Bereit fürs Finale?

Auch für den dritten und letzten Band gibts eine Leserunde mit je 5 Ebooks zu gewinnen. Alle, die bis jetzt mit Schorsch mitgefiebert haben und alle, die noch einsteigen wollen, sind herzlich eingeladen.

Auch diesmal winkt jedem Gewinner, der bis zum 10. September eine Rezension in den Online-Shops hinterlässt, zusätzlich eine kostenlose Printausgabe.

Viel Glück an alle Teilnehmer



Befriedigung!

Hier kommt der Abschluss der frechen Zeitreise-Saga um den schmissigen Schwaben Schorsch.

Wo ist Tillmann der Türkise, woher kam Màrie und warum zum Teufel wird Schorschs Hose immer wieder warm?

Auf diese und viele andere Fragen findet unser Held endlich die Antworten - aber nicht alle werden ihm gefallen!

Zur Einstimmung folgt eine Leseprobe. Achtung, milde Spoilerwarnung!





-------------------- Ab hier betreten Sie Spoiler-Territorium -------------------------------







Die dünnen, schwarzen Zöpfe schwingen mit bunten Holzkügelchen am Ende hin und her. 

Sie reichen weit über Waltrauds Schulter herab. Es ist ungewohnt, eine der Drillinge ohne Haarballon zu sehen. Während sie sich mit ihren Beschimpfungen noch mehr ins Zeug legt, geht sie in die Knie, beugt ihren Oberkörper nach vorne und breitet die Arme aus, als wollte sie das ganze Publikum packen. Sie sieht aus wie der Predator. 

»Sie sieht aus wie ein vierter Drilling.« Heribert muss brüllen, um seine eigene Interpretation ihres Auftritts mitzuteilen.

So gefährlich der Wotan-Typ auch aussieht, ich beginne Mitleid mit ihm zu kriegen. 

Waltraud nimmt Anlauf und springt von ihrem Podest herunter. 

Direkt in die Menge. 

Wieder kommt Bewegung in die Massen. Dieser hasserfüllte aber doch feige Mob weicht vor ihr zurück und bildet eine Gasse. Sie schreitet voran in Richtung Käfig. Die Leute zeigen schimpfend auf sie, vermeiden aber, in ihre Reichweite zu kommen. Seelenruhig geht sie weiter, den Blick starr nach vorn gerichtet. Sie kann uns nicht sehen, denn wir stehen in der dritten oder vierten Reihe. 

Kurz bevor sie den Käfig erreicht, traut sich ein Lebensmüder, vor sie hinzutreten und die Faust aufzuziehen. Blitzschnell steht Waltraud hinter ihm, dreht seinen Arm auf den Rücken und reißt ihn hoch. Der Mann schreit auf. Sie stößt ihm ihren Fuß in den Hintern und er stürzt zu Boden. Dort bleibt er liegen und hält heulend den ausgekugelten Arm. 

Die Menge brüllt. 

Waltraud dreht sich um, geht weiter und macht den Eindruck, als hätte sie ihr Opfer schon wieder vergessen. Sie öffnet die Käfigtüre. Dort schlurft sie in die gegenüberliegende Ecke. Sie holt aus einem Eimer eine Kelle voll Wasser und schüttet sie sich ins Gesicht. Die Leute schlagen mit ihren Fäusten gegen das Gitter. Ungerührt nimmt sie einen großen Schluck und spuckt alles sprühend durch die Maschen. Ihre schwarze Haut funkelt im Scheinwerferlicht.

Wotan ist jetzt auch im Käfig angekommen. Sein Weg war angenehmer. Er wurde angefeuert und bekam den Rhinozeros-Rücken getätschelt. 

Heribert muss wieder brüllen, als der Typ die Arme hochreißt. »Ich weiß ja, dass Waltraud kämpfen kann. Aber dieses Ungeheuer macht doch Lurchburger aus ihr.«

Ich nicke, denn jetzt wo sie so nahe beieinander stehen, fällt mir auf, wie viel größer Wotan ist.

Waltraud geht wie ein Raubtier vor ihm hin und her. Ihre Beschimpfungen konzentrieren sich nun auf ihren Gegner. Ich höre sie nicht, aber bestimmt kommen Fäkalien in allen ihren Erscheinungsformen darin vor.

Und sie schwankt.

Bis jetzt ist mir das nicht aufgefallen. Und weil ich näher bei ihr stehe, erkenne ich, dass ihr Blick benebelt ist. Ich sehe mich um, finde aber keinen Schiedsrichter. Es ist also nicht davon auszugehen, dass es in diesem Kampf Regeln oder einen Fairnesspokal gibt.

Ein Gong ertönt. 

Waltraud stürmt sofort auf ihren Gegner zu. Auch Wotan trampelt los. Die Menge schafft es, noch lauter zu brüllen. Ich sehe schon, wie die Kämpfer in der Mitte gegeneinander knallen und in die entgegengesetzte Richtung zurückfliegen. 

Das passiert aber nicht. 

Kurz bevor sie auf Wotan trifft, stolpert Waltraud über die eigenen Füße und fällt genau in seine aufgezogene Faust. Ihr »Uff« ist trotz des Lärms deutlich zu hören. Sie kracht rücklings auf den Boden und bleibt stöhnend liegen.

Die Menge verstummt. Wotan stiert verwirrt auf seine Gegnerin herab. 

Dann beugt er sich hinunter und hilft ihr auf. Das macht er erstaunlich behutsam. Waltraud schüttelt den Kopf, als sie auf wackeligen Füßen steht, und blickt böse in die schweigende Menge. Die Enttäuschung der Zuschauer ist mit den Händen greifbar, weil die verhasste Wachtmeisterin zu besoffen ist, um eine gute Show abzuliefern. 

»Ihr Arscheimer, ihr verschissenen.« Ich höre deutlich, dass sie lallt. Sie dreht sich schwankend herum, um die Leute auf meiner Seite zu verfluchen. Dann entdeckt sie mich. 

Die Flüche kommen nicht. 

Sie zögert kurz und wankt zur Käfigtüre. 

Ein paar Mutige rufen Beschimpfungen in die Stille hinein. Nur, um klarzustellen, dass sie keiner zu berühren hat, haut sie dem erstbesten Mann außerhalb des Käfigs ihre Faust ins Gesicht. Der hatte eigentlich gar nichts gesagt. Wieder bilden die Leute eine Gasse. Sie schlurft zu einer kleinen Türe und verschwindet darin. Der Mob setzt sich murrend in Bewegung und drängt die Steintreppe hinauf. Wotan verlässt den Käfig jetzt auch und nimmt denselben Ausgang wie Waltraud.

Wir stehen eine Weile unschlüssig da, dann zeige ich ihm nach. »Es hilft nichts. Wir müssen da rein.« 

»Ja, ich fürchte, wir haben keine Wahl.« Heribert lässt seinen Nacken kreisen und hinkt los. 

Ich atme ein und folge ihm. 

Wir kommen in einen dunklen Korridor, der böse nach alter Umkleide riecht. Am anderen Ende dringt unter einer Türe Licht hervor. Sie führt in einen kleinen Kellerraum, der zu einer Bar umfunktioniert wurde. 

Waltraud sitzt auf einem hohen Hocker an einem runden Tischchen. Sie hat den Kopf auf die Arme gelegt. Wotan massiert sie mit ernstem Blick. Die anderen Gäste scheinen sich nicht um sie zu kümmern. Vor ihr steht eine Flasche mit klarer Flüssigkeit. Während wir auf sie zu gehen, richtet sie sich auf und schüttelt genervt die gewaltigen Hände von ihrer Schulter ab. Dann packt sie die Pulle und setzt sie an die Lippen. 

Als wir bei ihnen angekommen sind, greift sich Wotan die Flasche und zieht sie von ihrem Mund weg. »Das reicht, Waltraud.«

Sie lässt es achselzuckend geschehen. Dann sieht sie mit verschleiertem Blick zu uns her. Bei jeder ihrer Kopfbewegungen klackern die Kügelchen an den Zöpfen.

Ich kenne Waltraud lange genug, um zu wissen, dass sie weder auf Begrüßungen noch auf Verabschiedungen Wert legt. »Gehörst du auch zu diesen Irren?«

»Klar«, knurrt sie. Dann nimmt sie die Hände hoch und tut so, als würde sie ein Kind erschrecken. »Holzwürmer. Buhu.« Die Pantomime fällt lustlos aus.

»Was willst du dann hier?«

»Geht dich einen Scheißdreck an. Was wollt _ihr_ hier? Ich komme nicht mehr zu Wüpopo zurück.« Sie reißt Wotan missmutig die Flasche aus der Hand und nimmt einen kräftigen Schluck. Dann verzieht sie das Gesicht, weil etwas von dem Alkohol auf ihre aufgesprungene Lippe gekommen ist. Da hat sie bei ihrem Stunt vorhin wohl drauf gebissen. 

Der gewaltige Verteidiger der Autonomen Freistadt Dresden, Bewahrer des Friedens und der Freiheit, Beschützer von Witwen und Waisen erkennt, dass wir keine Bedrohung für die Afrikanische Natter darstellen. Er geht davon und setzt sich an den Tresen.

Waltraud fasst sich an den Kopf und saugt hart die Luft ein, als sie die Stelle berührt, mit der sie Wotans Faust touchiert hat. »Dieser fettgesichtige Kackvogel. Kann sich keine Kampfabläufe merken.« Das sagt sie so laut, dass er es hören muss. 

Er schüttelt aber nur den Kopf und beobachtet uns wachsam. 

Sie nimmt die Flasche, schüttet etwas auf ihre Finger und reibt die Schwellung damit ein. »Was wollt ihr? Ich frage nicht noch mal.«

»Was weißt du über die Satanischen 66?«

Ihre Finger verharren an der Beule. »Warum?«

»Zwei von ihnen haben uns überfallen.«

Sie hebt eine Augenbraue. »Was? Und ihr lebt noch?«

»Können Sie uns etwas über sie sagen, Waltraud?« Heribert sieht sie fast flehentlich an. »Sie haben mein Labor zerstört und alle Daten gestohlen.«

Sie schüttelt den Kopf. »Vergesst die Weiber mir ihrem beschissenen Zollbier. Und jetzt verschwindet.« Sie lässt sich schwerfällig von dem Hocker gleiten, nimmt die Flasche und wankt auf eine andere Türe zu.

Heribert lehnt sich zu mir. »Ich glaube, sie meint den Zölibat.«

»Edeltraud sagte, du könntest uns helfen.« Ich sage das lauter als gewollt, denn die Gäste verstummen und sehen zu uns herüber.

Sie bleibt stehen, dreht sich aber nicht um. »Ihr wart auf dem Hof?«

»Sie vermissen dich, Waltraud. Sie möchten, dass du zurückkommst.«

Die Kügelchen klackern, als sie sich zu uns umdreht. Ihre Hand packt den Flaschenhals besonders fest. »Na klar. Ich wette, die Grantlersberg kann es gar nicht erwarten.« Sie hebt die Flasche hoch und geht weiter. »Letzte Warnung. Verschwindet, sonst schiebe ich die jedem von euch in den Arsch.«

Wir sehen ihr nach, wie sie mit hängendem Kopf aus der Bar schlurft. Die anderen Gäste beobachten uns neugierig. 

Wotan ist inzwischen wieder zu uns hergekommen. »Diese Frau hat dem Teufel in den stinkenden Rachen gesehen.« Er hat laut gesprochen und lässt den äußerst tiefgründigen Satz im Raum wirken. Dann nickt er zur Türe, durch die Waltraud verschwunden ist. »Sie hat die Wohnung zwei Stockwerke über uns. Ihr scheint sie zu kennen. Vielleicht könnt ihr sie zur Vernunft bringen, damit sie morgen wieder anständig kämpft.« Er neigt sich zu uns herunter und flüstert: »Schultheiß Ignaz hat der Kampf heute sicher nicht gefallen. Das wird er sie spüren lassen. Geht zu ihr und holt sie nach Hause. Waltraud ist ohne ihre Familie verloren, auch wenn sie das nie zugeben würde.« Er blickt jeden von uns drohend an. »Und ich habe das nie gesagt.«

Wir nicken Wotan so dankbar wie eingeschüchtert zu. 

Ich gehe nicht davon aus, dass wir Waltraud zu irgendetwas umstimmen können, aber wir haben keine Antworten, und den Wundschaum von ihrer Mutter habe ich ihr auch noch nicht gegeben.

Der Weg zu ihrer Wohnung führt durch ein enges Treppenhaus.

»Verpisst euch«, brummt es von der anderen Seite der Türe, als ich anklopfe.

Todesmutig treten wir trotzdem ein. 

Ein genervtes Seufzen kommt aus einer dunklen Ecke des Raumes. Dort sitzt sie, immer noch in der verschlissenen Wüpopo-Uniform in einem verschlisseneren Sessel. Sie hat die Füße auf einen überfüllten Couchtisch gelegt. Dabei muss sie ein paar Flaschen heruntergestoßen haben. Einige davon haben feuchte Flecke auf dem Teppich hinterlassen. Die Schnapsflasche von der Bar hält sie in der Hand. Ein Glas kann ich nirgendwo entdecken. 

Die Wände sind im Gegensatz zur Unordnung im Zimmer mit exakt ausgerichteten Blasen bedeckt. Darin schweben Bilder und Notizen.

»Ja seid ihr denn taub?« Der Alkohol hat ihren vom Kampf geschwächten Körper vollständig übernommen. Sie nuschelt stark und ich glaube, selbst wenn sie wollte, könnte sie uns nicht mehr mit Gewalt rausschmeißen.

Ich gehe näher an eine Blasenwand heran. Die Bilder sind mit eigenen Querverweisen und Kommentaren versehen. Orthographisch wäre bei beidem Luft nach oben. 

Ein Artikel berichtet über ein Attentat im PMS vor zwei Monaten. Ein Bombenanschlag mit einer zweifachen Zwirbelzündung. Gleich daneben schwimmt einer über einen verschwundenen Vorsitzenden einer großen mexikanischen Firma, die auf bestimmte chemische Zusammensetzungen spezialisiert ist. 

Und natürlich ein ausführlicher Bericht über die Explosion im Bohlenhaus. 

Das Bild von Irmtraud, wie sie stolz in ihrer Wachtmeisteruniform in die Kamera lächelt, treibt mir die Tränen in die Augen.

»Sie wollen also Tillmann finden?« Heribert studiert eine andere Wand.

»Finden und sein verschissenes Hirn raus schießen. Dauert nur länger. Meine saubere Schwester will ja lieber Heimchen am Herd spielen.«

Ich sehe zu ihr hinüber. »Habt ihr euch deshalb zerstritten? Weil sie dir nicht helfen will, Irmtrauds Mörder zu finden?«

»Das, und außerdem nervt die Grantlersberg. Die hat den Laden dort immer noch unter ihrer Fuchtel, oder nicht?« Sie setzt die Flasche an und nimmt einen großen Schluck. 

»Ich habe ihn fast. Nur noch ein paar Informationen und ich weiß, wo er steckt. Dann gehe ich dahin und ….« Sie zeigt mit ihrer Fingerspitze genau zwischen ihre Augenbrauen. »Ein schönes, kleines, rauchendes Loch. Darf auch gerne etwas Blut im Spiel sein.« Ihre Aussprache wird immer undeutlicher.

»Ich sehe hier nur eine Sammlung von öffentlich zugänglichen Informationen aus der Blase, die jeder bekommen kann, der danach fingert. Wie wollen Sie damit jemanden finden, der nicht gefunden werden will?« Heribert ist ein Recherchespezialist.

Sie nimmt wieder einen kräftigen Schluck aus ihrer Flasche. »Ich habe einen Haufen Informanten. Der Türkise ist tot, es hat ihm nur noch keiner gesagt.«

Heribert sieht sie eine Weile nachdenklich an. Dann gibt er mir ein Zeichen, dass sie nicht bemerkt, weil sie wieder an der Flasche nuckelt. 

Ich komme zu ihm herüber. Er zeigt auf einen Bericht über den Tod eines Politikers in der westlichen Gemarkung und sieht dann zu Waltraud, die abwesend auf den Boden starrt. »Ich kannte den Mann. Er war 163 Jahre alt und ist friedlich im Kreise seiner Lieben entschlafen. Er brauchte nicht mal einen Würdevollen Abschied. Er war lange in Rente und hat in den letzten Jahrzehnten nichts Gefährlicheres getan, als seinen Dachgarten zu pflegen.«

Die Menschen werden in dieser gesunden Zukunft ziemlich alt. Heribert ist Hundertelf, sieht aber aus wie ein rüstiger Siebzigjähriger.

»Könnte es nicht trotzdem sein, dass sein Tod Tillmann genützt hat?« Ich blicke zu Waltraud hinüber, die vor sich hin murmelt. 

Sie kann nur mit Mühe ihre Augen offenhalten.

»Nein, Schorsch. Was du hier siehst, ist nicht mehr als eine zufällige Auflistung von Ereignissen. Von jemandem gesammelt, der keine Ahnung hat, wonach er sucht. Bei diesen vielen Informationsstücken ist alleine nach den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit das eine oder andere dabei, dass mit dem Türkisen zu tun hat. Aber sie hat sich eindeutig verzettelt und wird so nicht weiterkommen.« Er sieht Waltraud an und schüttelt langsam den Kopf. »Ich glaube nicht mehr, dass wir etwas Hilfreiches von ihr erfahren.« Er seufzt und ich glaube, das gilt nicht seinen verlorenen Daten.

»Ich kriege ihn und dann genau dahin.« Sie will ihren Zeigefinger wieder zwischen die Augenbrauen drücken, trifft aber das Auge und brüllt auf. »Verfluchte zugepisste Scheiße! Ich krieg dich, du Arsch. Ich krieg dich und dann schieß ich dir in deinen kahlen Schädel.« 

Sie hat sich im Sessel aufgerichtet und fuchtelt mit der Flasche herum. Immer wieder schwappt etwas von dem Inhalt heraus und tropft auf den Boden. Der Schnapsgeruch im Raum wird intensiver. Sie lässt sich zurückfallen.

Ich gehe zu ihr, nehme ihr die Flasche aus der Hand und stelle sie auf den Tisch. Ihr Blick folgt mürrisch dem Schnaps, aber sie greift nicht danach. Neben dem Sessel liegt eine dünne Decke auf dem Boden.

»Ich kriege ihn.« Ihre Augen fallen zu. »Ich kriege ihn und dann schieße ich ihm …« Ihr Kopf sinkt zur Seite. 

Ich lege die Decke über sie und ziehe sie hoch bis zum Kinn. 

Sie schnarcht leise. 

Wir verlassen schweigend das Haus. 

Beide Besuche haben uns nicht weitergebracht. Sie haben uns nur gezeigt, wie sehr die Schwestern, jede auf ihre eigene Art, um Irmtraud trauern.

»Es gibt keine Happy Ends«, sage ich vor mich hin. Unsere Schritte klingen hohl in der dunklen Gasse. 

Weit weg brüllt jemand vor Schmerz. Das wird von Gelächter begleitet. Wir gehen schneller.

Heribert wendet sich zu mir, als wir vor den Sprungkabinen stehen. »Was meintest du vorhin damit, dass es keine Happy Endings gibt?«

Ich öffne die Türe zu meiner Kapsel. »Du meinst Happy Ends. Glückliche Enden gibt es nur in den Geschichten, die sich jemand ausgedacht hat. In der Wirklichkeit gibt es so etwas nicht.«

Er nickt und zieht nachdenklich die Kabinentüre hinter sich zu.



----------------Sie verlassen das Spoiler-Territorium --------------------------------


Düster gell? Aber keine Angst, der Spaß kommt auch in diesem Band nicht zu kurz.

Ich drücke allen Teilnehmern fest die Daumen.

42 BeiträgeVerlosung beendet

Die Schorsch-Trilogie gibts jetzt überall wo's Bücher gibt. Das feiern wir am besten mit einer Leserunde.

Weiter geht's mit dem zweiten Teil "Schorsch und der Schuft im Schatten" eine Geschichte mit Herz und jeder Menge Krawall.

Ich verlose dazu 5 komplett runderneuerte Ebooks. Von den Gewinnern erhält jeder noch ein zusätzliches Taschenbuch, wenn's eine Rezi in den Online-Shops gibt.

Befriedigung, lieber Schorschianer!

Es geht weiter mit der verrückten Zeitreisekomödie durch eine frivole Zukunft. 

Im zweiten Teil werden wieder jede Menge Geheimnisse aufgedeckt und für unseren Schorsch wird's nicht nur einmal richtig brenzlig.

Auch bei dieser Leserunde bekommt jeder Gewinner (es gibt deren fünf plus den Teilnehmern aus der letzten Leserunde, die sich für diese qualifiziert haben) ein Ebook im Wunschformat. 

Zusätzlich erhält Du ein Taschenbuch, wenn Du bis 28.07.2020 eine Rezension in mindestens einem der bekannten Online-Shops hinterlässt, und du nimmst automatisch an der nächsten Leserunde teil. Dann nehmen wir uns das fulminante Finale "Schorsch und der vierte Drilling" vor.    

Es gibt viel zu tun - also wirf Deinen Reader an und leg los mit einer Zukunft, die Du so noch nie gesehen hast!


Du bist noch unentschieden? Hier kommt eine kurze Leseprobe (Achtung! Leichter Spoiler-Alarm):


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»Was ist das für ein bescheuertes Zeichen?«, brummt Waltraud eine halbe Stunde später in der Kantine der Wüpopo.

Vor ihr steht ein dampfender Lurchburger auf dem Tisch. Burger deutsch ausgesprochen. Ich habe mal einen probiert. Er schmeckt wie ein gebrauchtes Handtuch, dass man zwei Wochen lang in seiner Sporttasche vergessen hat.                                    

Irmtraud hat mich sofort, nach dem ich ihr meine Idee erklärt habe, zum Mittagessen mit ihren Schwestern eingeladen. Viele Kantinenbesucher werfen ihnen neugierige Blicke zu. An eineiige Drillinge hat man sich hier noch nicht gewöhnt.

»Ich kann das nicht, wie macht ihr das?« Edeltraud versucht vergebens, es mir nachzumachen.

Irmtraud und Waltraud haben es gut drauf. Sie zeigen sich gegenseitig ihre Erfolge.

»Ganz einfach«, beginne ich. 

Edeltraud schnaubt frustriert, weil es für sie eben nicht einfach ist. Solche Bemerkungen sind dann besonders willkommen. 

»Du spreizt deine Finger und legst den Kleinen an den Ringfinger und den Zeigefinger an den Mittelfinger. Mittel- und Ringfinger dürfen sich nicht berühren. Daumen auch abspreizen.« Ich zeige es ihr wieder langsam. »So.«

»Und wie heißt das noch mal?« Edeltraud schiebt die Zungenspitze aus den zusammengepressten Lippen.

»Das ist der Vulkaniergruß.« Ich hebe die Hand. »Lebt lange und in Frieden.«

»Hä?«

Ich winke ab. »Ja, das müsst ihr nicht sagen. Wurde sowieso nie korrekt übersetzt. Wenn wir uns begegnen, machen wir den Vulkaniergruß und wissen, dass wir wir sind.«

»Bescheuert«, knurrt Waltraud erneut, erhebt ihre Hand aber wie ein altgedienter Vulkanier. »Warum müssen wir das überhaupt machen?«

Irmtraud legt die Hand auf den Arm ihrer Schwester. »Walli, wir haben im Krankenhaus nicht den Angreifer vom Klettenberg getroffen.« 

Waltraud legt jetzt ihre andere Hand auf die von Irmtraud und fragt besorgt: »Und wen dann, Irmi?«

»Es war Chavéz. Er lebt.«

Die Flüche, die Waltraud daraufhin loslässt, bringen die Leute an den Nachbartischen dazu, ihr Essen seltsam anzusehen. 

Man muss dazu nämlich wissen, dass sie eine kurze Affäre mit Chavéz hatte. Der war damals im Rammlers Ruh nur als gutgebauter, aber debiler Hübscher Zacharias bekannt. Die Enthüllung, dass ihr Galan derjenige ist, der für die Herzschwäche ihrer Mutter verantwortlich ist, hat sie besonders hart getroffen. Sie hat schon damals anschaulich zu erklären vermocht, was sie mit seinen Geschlechtsteilen gerne tun würde, wenn man sie denn nur ließe. 

Jetzt spielt sie diese Möglichkeiten wieder durch. Leider nicht bloß in Gedanken und ich muss dem Drang nachgeben, meine Beine schützend übereinanderzuschlagen.

»Ist ja gut jetzt, Walli«, sagt Edeltraud, als eine junge Polizistin am Tisch neben uns zu würgen beginnt.

Waltraud verstummt, aber ihr Blick ist verkniffener als eine Zange, die in einen Schraubstock gespannt wird, der in einer Müllpresse steckt.

»Und das ist nicht alles«, sagt Irmtraud. »Tillmann der Türkise, ist wieder in der Gemarkung und arbeitet für Bonifaz von Grantlersberg.«

Beide Schwestern erstarren. 

Dann rucken synchron ihre Köpfe zu mir herum. 

Schnell mache ich den Vulkaniergruß und winke heftig. »Ich bin der Schorsch, ich bin der Schorsch.«

Sie entspannen sich, aber nur wenig. Waltrauds verschraubter Presszangenblick bleibt etwas länger an mir kleben. 

»Der Türkise?« Edeltraud schüttelt hastig den Kopf. »Das kann nicht sein, der ist tot.«

»Das konnte keiner beweisen.« Waltraud lässt von mir ab und wendet sich ihren Schwestern zu.

»Ihr kennt ihn also auch?«, frage ich.

»Kennen?« Edeltraud lacht unsicher auf. »Niemand kennt den Türkisen. Man kennt nur Geschichten über ihn.« 

Hektisch sieht sie sich um. 

Dann beugt sich vor und beginnt zu erzählen: 

»Manche sagen, Tillmann soll vor vielen Jahren Morty IV. getötet haben. Einen Kardashian, der unter einem krankhaften Verfolgungswahn litt. Er hat Unsummen in sein Sicherheitspersonal und die Systeme gesteckt. Die besten Leibwächter der Welt haben für ihn gearbeitet. Seinen Sicherheitschef warb er für ein gewaltiges Vermögen aus der Gemarkung ab. Horst Felsner war damals schon eine Legende und hatte viele Politiker und Konzernchefs beschützt, ohne je einen verloren zu haben.«

»Und wie ist der Türkise dann an Morty herangekommen?« Waltraud starrt ihre Schwester an und führt ihr Wasserglas zum Mund. Es verharrt kurz vor den Lippen.

Edeltraud schüttelt den Kopf, als ob sie es immer noch nicht glauben kann. »Er war der Sicherheitschef.« 

Waltraud macht große Augen und nimmt einen schnellen Schluck. 

Edeltraud nickt und fährt fort. »Er hatte Felsner lange Zeit vorher getötet und seine Identität angenommen. So konnte er eine Bombe unter einem Rednerpult platzieren. Eine zweifache Zwirbelzündung.« 

Irmtraud saugt die Luft ein. 

»Morty hatte keine Chance.«

Wir schweigen. 

Waltraud beißt nachdenklich von ihrem Lurchburger ab. 

Sie kaut lange. 

Dann erzählt sie ihre Geschichte: 

»Es heißt, dass der Türkise für das Massaker von Mexikanien verantwortlich ist. Als er mit seinen Männern damals in den Palast eindrang, hat nur er es lebend bis zu den Präsidentengemächern geschafft.« Sie sieht jeden von uns nacheinander an. »Beide Beine und beide Arme hatte er gebrochen. Er konnte nur noch zwei Finger bewegen.« Sie lässt ihre Hand wie eine Kobra hochschnellen. Zeige- und Mittelfinger zum Victoryzeichen ausgestreckt. 

Edeltraud zuckt zusammen. 

»Und nur mit diesen beiden Fingern hat er die gesamte Familie des Präsidenten massakriert.« Sie blickt auf ihren zerfleischten Lurchburger, aus dem zäh die Soße tropft. »Seitdem nennt man ihn El hermano del diablo mas perfido - Satans gemeinerer Bruder.«

Stille senkt sich über unseren Tisch, wie die Leichentücher der armen Seelen, die den Weg von Tillmann dem Türkisen pflastern.

Ich klatsche in die Hände und alle drei fahren fürchterlich zusammen. »Da habt ihrs. Der Typ ist ein Schuft vor dem Herrn und ihr wisst jetzt, warum ihr den Vulkaniergruß machen müsst.«

Sofort macht sich Edeltraud wieder daran, mit der Zungenspitze zwischen den Lippen ihre Finger in den Griff zu bekommen.

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Na, Lust bekommen ... also aufs Lesen?

Dann bewirb dich für diese Leserunde. Ich wünsche Dir viel Erfolg!


Ulli Weckenmann

41 BeiträgeVerlosung beendet
echs avatar
Letzter Beitrag von  echvor 2 Jahren

Gestern ist mein Printexemplar angekommen. Herzlichen Dank dafür.

Das große Finale steht dann nächste Woche auf dem Programm.

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