Ulrich Alexander Boschwitz

 4.5 Sterne bei 98 Bewertungen
Autor von Der Reisende, Der Reisende und weiteren Büchern.

Neue Bücher

Der Reisende

 (95)
Neu erschienen am 28.10.2018 als Hardcover bei Klett-Cotta.

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Der Reisende

Der Reisende

 (95)
Erschienen am 28.10.2018
Der Reisende

Der Reisende

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Erschienen am 28.02.2019
Der Reisende

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Erschienen am 09.03.2018

Neue Rezensionen zu Ulrich Alexander Boschwitz

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elane_eodains avatar

Rezension zu "Der Reisende" von Ulrich Alexander Boschwitz

Meinung zu "Der Reisende" von Ulrich Alexander Boschwitz
elane_eodainvor 14 Tagen

Heimat- & schutzlos im eigenen Land. Zeitgeschichte im Einzelschicksal.

Dieses Buch ist besonders, denn es erscheint erst jetzt, im Jahr 2018, in deutscher Originalsprache, obwohl es schon 1939 in englischer Übersetzung (später in französischer) erschienen ist. Das weckt Vermutungen hinsichtlich des Autors oder des Inhalts. In diesem Fall ist es wohl beides.

Der Autor: Ulrich Alexander Boschwitz war Deutscher und Jude zur Zeit des Nationalsozialismus. 1935 wurde er im Alter von 20 Jahren zur Emigration gezwungen. Er ging zunächst nach Skandinavien (dort erschien sein erster Roman in schwedischer Übersetzung), später über Frankreich nach England (dort erschien sein zweiter Roman, "The man who took trains", dt. "Der Reisende", erstmals in englischer Übersetzung unter dem Pseudonym John Grane). Bei Kriegsanfang wurde er als "enemy alien" in ein Internierungslager nach Australien verschifft. Auf der Rückreise 1942 wurde das Schiff von einem deutschen U-Boot versenkt.

Sein Roman erzählt von einem deutschen Juden auf der Flucht: Otto Silbermann, Kaufmann aus Berlin, flieht vor der Festnahme während der Novemberprogrome 1938 aus seiner Wohnung. Er lässt seine Frau und sein Geschäft zurück, um sich selbst in Sicherheit zu bringen. Mit Bargeld des zuletzt durchgeführten Geschäfts in der Tasche, reist er fortan mit dem Zug durch Deutschland auf der Suche nach einem Ausweg aus seiner Situation. Heimat-, schutz- und orientierungslos versucht er sich möglichst unauffälig zu verhalten, hat Angst vor Enttarnung, macht sich Gedanken über seine Zukunft, das Wohlergehen seiner Frau, die politische Lage, die unmögliche Flucht ins Ausland und das plötzliche nicht mehr Menschsein. Das Gefühl nirgends ankommen zu können zehrt, sein anfänglicher Aktionismus und Optimismus schwindet.
Während seiner Reise trifft er auf verschiedene Menschen, stramme Nazionalsozialisten und untergetauchte Juden, auf Freundlichkeit wie Bösartigkeit, auf Gleichgültigkeit und Anteilnahme. Über die Gespräche, die er selbst mit anderen führt oder die er mithört, über seine Gedanken, die sich immer wieder im Kreis drehen, seinen schwankenden Gemütszustand, erfährt der Leser eine Menge über die Stimmung in Deutschland 1938/39 und über Einzelschicksale, die so und so ähnlich zigfach erlebt wurden, und das Ausmaß der Verbrechen des nationalsozialistischen Deutschland aufzeigen. Vielleicht eine Mahnung zur richtigen Zeit.

Das Originaltyposkript des Romans liegt heute im Exilarchiv der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Main. Der Herausgeber Peter Graf hat das Manuskript mit Zustimmung der Familie sorgsam editiert und in die nun veröffentlichte Fassung gebracht.

FAZIT: Ein Zeitzeugnis, das fast 80 Jahre nach seiner Entstehung nicht an Bedeutsamkeit eingebüßt hat. Im Gegenteil. Flucht und Heimatlosigkeit sind daueraktuelle Themen, damals wie heute. Erinnerung ist wichtig.

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renees avatar

Rezension zu "Der Reisende" von Ulrich Alexander Boschwitz

Irrfahrt
reneevor einem Monat

Dieses Buch von Boschwitz spielt in den Tagen der Novemberpogrome 1938. Es geht um den jüdischen Kaufmann Otto Silbermann, der versucht sich selbst zu retten. Das klingt eigentlich nach einer Geschichte, von der man annehmen könnte, dass man schwer mit seinen Gefühlen kämpfen muss. Aber nicht so in diesem Buch. Die Figur des Otto Silbermann ließ mich seltsam ungerührt und unberührt zurück. Der Autor schafft es leider nicht mich zu erreichen, dass Geschriebene ließ mich recht kalt. Etwas was mich auch erschreckt zurück lässt. Seltsamerweise regt mich die Hauptperson auch recht stark auf, wirkt auf mich recht auf sich bezogen, dieses so wenig an seine Frau denken, finde ich schon sehr seltsam, auch das Einwirken auf seinen Sohn stellt mich vor einige Fragen. Mir kam es so vor, als ob der Autor bewusst jemanden mit seinen Fehlern zeichnen wollte, um die Menschlichkeit/Fehlbarkeit dieser Person zu demonstrieren und um die Leser aufzurütteln/wachzurütteln und gleichzeitig auch zu erreichen. Okay, das ist mir bewusst. Hat aber bei mir nicht wirklich funktioniert. 

Zur Handlung: Der ehemals sehr angesehene jüdische Kaufmann Otto Silbermann kann gerade noch so, vor den Schergen des Naziregimes fliehen und so sein Leben retten. Ihm gelingt es mit Verlusten auch einen Teil seines Vermögens zu retten. Mit diesem Vermögen reist er nun allein durch Deutschland, auf der Suche nach einer Fluchtmöglichkeit oder einem Unterschlupf. Da er im ersten Weltkrieg für Deutschland gekämpft hatte, und immer der Meinung war, das deutsche Vaterland achtet ihn deshalb, fällt es ihm sichtlich schwer zu erkennen, was das Land nun wirklich in ihm sieht, "ein Schimpfwort auf zwei Beinen". Obwohl ihn andere gewarnt hatten, hat er die Zeichen der Zeit nicht erkannt, sondern eher vollkommen missverstanden. Jetzt erkennt er nach und nach seine Situation und kämpft mit seinen Gedanken/seinen Wünschen.

Schlussendlich ist dieses Buch ein interessantes Zeitdokument, hat einen großen Sog, ist auch ganz nett zu lesen. Aber definitiv keine Empfehlung. Für mich gibt es Besseres zu diesem Thema.

Kommentare: 6
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SomeBodys avatar

Rezension zu "Der Reisende" von Ulrich Alexander Boschwitz

Meine Meinung zu "Der Reisende" von Ulrich Alexander Boschwitz
SomeBodyvor 4 Monaten

Anhand des Klappentextes wusste ich im Vorfeld, dass mich auch mit „Der Reisende“ von Ulrich A. Boschwitz wie so oft in letzter Zeit keine leichte Lektüre erwartet. Die Wut, der Hass, das unfassbare Leid der damaligen Zeit sind auch hier in jedem einzelnen Satz deutlich spürbar. Die Flucht des Otto Silbermann quer durch Deutschland konnte mich dennoch nur an sehr wenigen Stellen tatsächlich erreichen. Durchweg blieb mir der Reisende selbst leider eher fremd und vielleicht hat der Autor mit seiner manchmal recht unbeholfenen Einfachheit im Schreibstil diese Distanz auch (unabsichtlich) aufrechterhalten. Thematisch ist es dennoch ein Buch mit unglaublich wichtiger Message und Bilanz!

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